Making of Special: Depeche Mode – Violator (1990)

14. März 2020

Die Rose blüht noch!

Making of Special: Depeche Mode - Violator (1990)

Making of Special: Depeche Mode – Violator (1990)

Depeche Modes „Violator“ feiert seinen 30. Geburtstag. Herzlichen Glückwunsch! Das Album wurde am 19. März 1990 veröffentlicht und machte Depeche Mode zu weltweiten Superstars. Synthesizer-Musik war endgültig in den Arenen angekommen, wenn auch ein kräftiger Schuss Gitarre dabei mithalf. In Deutschland hatte Depeche Mode immer eine besonders treue und aktive Fan-Basis. Die Chartplatzierungen für die Alben und Singles waren hierzulande oft deutlich besser als in Großbritannien. Auch bei „Violator“ gilt das für die vier Singles „Personal Jesus“, „Enjoy the Silence“, „Policy of Truth“ und „World in my Eyes“. Der Superhit „Enjoy the Silence“ – man mag es kaum glauben – hatte gar seine Weltpremiere im Dezember 1989 bei „Peter’s Popshow“. Richtig, die ZDF-Show mit Peter Illmann.

Das „Violator“-Album allerdings erreichte sowohl in Deutschland als auch in UK einen zweiten Platz. Die Band hatte endlich in ihrer Heimat die wohlverdiente Anerkennung gefunden. Und auch in den USA war „Violator“ erfolgreich und eroberte Platz 7 im Billboard 200. Eine Genugtuung für Depeche Mode. Zuvor waren in den Staaten einige ihrer Titel nicht veröffentlicht oder von den Radiostationen boykottiert worden. Zu blasphemisch, zu obszön – also mit allem ausgestattet, was guter Rock ’n‘ Roll braucht!

Johnny Cash covert „Personal Jesus“

Doch ausgerechnet „Personal Jesus“, das mit seiner Geschichte über einen ganz persönlichen Heilsbringer die Bigotterie der TV-Prediger anprangert, wurde in den USA begeistert aufgenommen. Den endgültigen Ritterschlag bekam der Song dann, als er vom legendären Country-Sänger Johnny Cash für seine Platte „American IV – The man comes around“ gecovert wurde. Es ist nicht ganz klar, ob Cash damals von der Band eine Erlaubnis eingeholt hatte. Aber wie Komponist Martin Gore gegenüber der London Times großzügig feststellte: „Ich glaube, wenn Du jemand vom Kaliber eines  Johnny Cash bist, dann fragst Du nicht um Erlaubnis.“ („The Story of Depeche Mode ‘Violator’“ in Classic Album Sunday) 

„Violator“ wird 30 – herzlichen Glückwunsch! (Bild von Pixels auf Pixabay)

Depeche Mode – Violator: Großes Synthie-Pop-Melodrama

Ich möchte das Jubiläum von „Violator“ zum Anlass nehmen, ein wenig auf Spurensuche zu gehen. Was waren die musikalischen und produktionstechnischen Voraussetzungen für dieses Album, mit dem die Elektronikband aus dem ostenglischen Basildon in die 90er startete?  Warum gilt es bis heute als ihr „career peak“? Der Melody Maker sprach bei Veröffentlichung von ihrer bis dahin eindrucksvollsten Arbeit  – „most arresting work to date“ – und der Rolling Stone hat „Violator“ in seine Sammlung der 500 größten Alben aller Zeiten aufgenommen: „Sie verwandeln Teenager-Angst und sexuelle Besessenheit in ein großes Synthie-Pop-Melodrama, und ihr Ausflug in den Gitarrenrock brachte ihnen einen Hit mit ‚Personal Jesus'“. Sogar mit den Beatles hat man Depeche Mode verglichen: „Das war ihr ‚Revolver‘-Album, ein Gipfel der Kreativität, der ihre Trademark-Synthesizerklänge in die Welt der Rock-Musik einführte.“ (Classic Pop Magazine, März 2018)

Martin Gore auf der Bühne mit seiner berühmtem Gretsch-Gitarre

Mastermind von Depeche Mode: Martin Gore hat die Musik von „Violator“ komponiert und mit „Enjoy the Silence“ einen seiner besten Songtexte geschrieben. Hier bei einem Auftritt während der „The Delta Machine Tour“ im Mai 2013 in Zagreb. (Foto von Shutterstock).

Words are very unnecessary

Und für die nicht ganz so freundlichen Kritiken, die es damals natürlich auch gab, hatte Martin Gore in „Enjoy the Silence“ die passende Antwort parat.

Words like violence
Break the silence
Come crashing in
Into my little world

Die Aufnahme in das Rolling Stone-Listical „500 greatest albums“ scheint wie eine späte Wiedergutmachung für die damalige Kritik im Rolling Stone, wonach Dave Gahan „schleimig und egozentrisch“ klinge. Und Martin Gore wurde von Sounds  für seine „textliche Naivität“ und „kindliche Schlichtheit“ verspottet: „Wenn William Burroughs für Gahan texten würde, wären Depeche Mode eine Naturgewalt. Tut er aber nicht. Martin Gore schreibt für Gahan – und so sind Depeche Mode stattdessen urkomisch.“ (Ian Gittins: „Depeche Mode – Kultband für die Massen“, 2019 S.145)

Ergriffen von der eigenen Bedeutung wird der Sounds-Kritiker sich damals sicher diebisch über seine spitzzüngige Kritik gefreut haben. Fast zu viel der Ehre, sie hier noch einmal zu zitieren. Martin Gore dagegen gelangen auf  „Violator“  Lyrics, die unvergesslich bleiben.

All I ever wanted
All I ever needed
Is here in my arms
Words are very unnecessary
They can only do harm

Macht Depeche Mode jetzt Thrash Metal?

Wie schon beim Vorgängeralbum „Music for the Masses“ ist der Titel „Violator“ nicht ganz ernst zu nehmen. „Pinch of salt“, wie die Engländer sagen. „Violator“ bedeutet Verletzer, Schänder und bezeichnet im  juristischen Sinne auch einen Vertragsbrüchigen. Der Name erinnert ein wenig an das Kiss-Album „Destroyer“. In jedem Falle wäre „Violator“ der perfekte Titel für das Album einer Metal-Band. „Der Name ‚Violator‘ war als Witz gemeint“, klärt Martin Gore auf. „Wir haben den extremsten und lächerlichsten Heavy-Metal-Titel genommen, der uns einfiel. Es würde mich überraschen, wenn die Leute den Witz mitbekommen würden.“ (Lilian R. Franke, Depeche Mode Biographie)

Der Albumstitel „Violator“ hätte auch gut zu einer anderen Band gepasst. (Bild von Carabo Spain auf Pixabay)

Enjoy the Violence

Alan Wilder hatte an dem Titel  „Violator“ nichts auszusetzen: „Martin hat ihn vorgeschlagen. Ich kann mich nicht an viele andere Vorschläge erinnern, obwohl es wohl einige gegeben haben muss. Ich ziehe ihn dem Titel ‚Songs Of Faith And Devotion‘ vor.“ (Q+A, Depeche Mode „Violator“ auf Recoil.co.uk)

Auch spätere Depeche Mode-Alben trugen manchmal Titel, die an Heavy Metal denken lassen: „Ultra“ und „Exciter“. Umgekehrt nahm die französische Death Metal-Band Massacra 1991 ein Album mit dem Titel „Enjoy the Violence“ auf – eine deutliche Referenz an Depeche Mode.

Depeche Mode – Violator: Im Namen der Rose

Der Name „Violator“ wirkte umso stärker, als er in einem seltsamen Kontrast stand zu dem wunderbar stilisierten Cover-Entwurf von Anton Corbijn. Eine schlichte Rose, rot gefärbt vor schwarzem Hintergrund. Ein einziges Bild, das in der Lage war, die Kunst Depeche Modes zusammenzufassen: „schön, zart, dunkel, aber mit etwas Biss“ (Doug Simpson: „The Sweetest Perfection: Depeche Mode’s Violator at 25“)

Der niederländische Fotograf und Filmregisseur zeichnet für viele berühmte Cover verantwortlich. Etwa für „Joshua Tree“, „Rattle and Hum“ und „Achtung Baby“ von U2. Für Depeche Mode hat Corbijn die Cover für „Violator“, „Songs of Faith and Devotion“ und „Ultra“ gestaltet. Damals lag das gesamte Artwork von Depeche Mode in seiner Hand: Album, Singles, Videos und sogar das Stage Setup für die Tour.

Der König mit dem Klappstuhl

Die Videos zu “Personal Jesus”, “Enjoy The Silence” und “Policy Of Truth” gelten als ebenso ikonisch wie das Albumcover und liefen bei MTV im Dauereinsatz. Vor allem Dave Gahan, wie er in „Enjoy the Silence“ in Königsrobe und Klappliege unterm Arm in die Berge zieht, ist unvergesslich. „Personal Jesus“ wurde in einem spanischen Dorf gedreht. Das Setting ist irgendwo zwischen einem Italo-Western von Sergio Leone und Luis Buñuels „Bel de Jour“ angesiedelt. Der Bordell-Besuch setzte einen interessanten Kontrapunkt zur religiösen Thematik des Songs. Es gab damals die Sorge, die Nahaufnahme eines Pferdehinterteils könnte als anstößig empfunden werden; die entsprechende Szene wurde gekürzt.

Dave Gahan hat zwar geflucht, dass er bei den Dreharbeiten zu „Enjoy the silence“ in Eiseskälte durch den Schnee stapfen musste, aber die Arbeit von Corbijn würdigt er als kongenial: „Er wurde so etwas wie die visuelle Seite dessen, was wir taten. Er hat wirklich die Musik verstanden, die Landschaften, den Film Noir, die Dunkelheit, die Sexualität. Alles, was da drin war, was andere Videoregisseure bis dahin nicht wirklich verstanden hatten. Und wir waren nicht in der Lage, ihnen zu sagen, was sie tun sollten.“  (Leah Greenblatt: David Gahan reveals stories behind Depeche Mode’s biggest hits,2017)

Der Niederländer Anton Corbijn entwarf das „Violator“-Cover und führte Regie bei den Videos. Das Foto wurde 2015 bei der 65. Berlinale aufgenommen. (Foto: Shutterstock)

Depeche Mode – Violator: Schluss mit Langeweile!

Ein wichtiger Mosaikstein für den Erfolg von „Violator“ war der disruptive Ansatz der Band. Statt business as usual, verzichteten Depeche Mode dieses Mal auf ein Ritual, das sich über die Jahre eingespielt hatte, berichtet Martin Gore: „In den letzten fünf Jahren haben wir, glaube ich, eine Formel perfektioniert; meine Demos, dann einen Monat in einem Programmstudio usw. usw. Wir beschlossen, dass unsere erste Platte aus den 90er Jahren anders sein sollte.“ (NME, Februar 1990) Das klingt sehr nonchalant von Martin. Tatsächlich hatte sich in der Band zuvor wohl einiges an Unmut angestaut.

Andrew Fletcher ging der eingeschliffene Produktionsweg bei Depeche Mode mittlerweile auf den Zeiger: „In der Vergangenheit haben wir Martins Demos praktisch noch mal aufgenommen: mit besserem Sound, besserer Produktion und Daves Gesang. Bei diesem Album haben wir ihm gesagt, bitte lege uns die Demos mit akustischer Gitarre und Orgel vor, nur die Lyrics und die Akkorde, damit wir in der Gruppe entscheiden können, in welche Richtung ein Song geht.“ (Franke: Depeche Mode Biographie)

Du Martin, mach mal ein bisschen weniger!

Es hatte sich gezeigt, dass Martin Gore zwar brillante Songs schrieb, zugleich die anderen aber künstlerisch etwas abwürgte. Depeche Mode-Fans spekulieren immer noch gerne, ob ohne Gores „Diktatur“ Dave Gahan schon früher mit dem Schreiben eigener Lieder begonnen hätte. Gores sehr stark ausgearbeitete Demos hatten in der Vergangenheit kaum Spielraum für weitere Ideen gelassen. Speziell in der Anfangszeit, als die Band noch keine Millionen scheffelte, war diese Produktionsmethode durchaus von Vorteil. Sie sparte teure Studiozeit. Aber diese Zurückhaltung bei den Ausgaben musste Depeche Mode 1989 nicht mehr üben. So wurde Martin Gore gebeten,  lediglich Songskizzen zu liefern, statt fertiger Sequencer-Linien.

Martin Gore komponierte "Enjoy the Silence" am Harmonium

Martin Gore legte für „Violator“ nur sparsame Songskizzen vor. Das Demo für „Enjoy the Silence“ spielte er auf einem Harmonium.(Bild von Anke-Art auf Pixabay)

Depeche Mode – Violator: Das Produktionsteam

Daniel Miller, Gründer und Chef von Mute Records, hatte der Band für die Produktion von „Violator“ ein geniales Team zusammengestellt: Als Produzenten Mark „Flood“ Ellis und zusätzlich François Kevorkian, der für den Mix verantwortlich zeichnete: „Eine brillante Kombination“, ist Miller überzeugt. Im Gespräch mit Lisa Banning verrät er: „Ich bin immer noch sehr stolz darauf. François hatte gerade Kraftwerks Electric Cafe gemischt, und ich kannte ihn auch, weil er einige Remixe für uns gemacht hatte. Mit Flood hatte ich zuvor schon viel gearbeitet; er produzierte Erasure, Nick Cave, Fad Gadget, und er war ein Kumpel. Ich dachte einfach, dass das Album eine andere Perspektive braucht, und Flood ist technisch sehr gut, sehr musikalisch und sehr offen.“(„It’s almost too personal“: Daniel Miller contemplates the Depeche Mode catalogue, Electronicbeats 2013) 

It’s never my way or the highway

In einem Interview mit Sonic State auf YouTube erläutert  Produzent Flood seine Auffassung von der Zusammenarbeit mit einer Band: „Ich muss immer partnerschaftlich arbeiten. Meine Devise ist nie, entweder Du machst es wie ich will, oder Du bist raus. Ich arbeite auch nicht gerne mit Bands, die sagen, so wird’s gemacht. Warum haben Sie mich dann engagiert?“  Genau das war es, was Mute-Boss Daniel Miller an Flood gefiel, dass dieser kein Sturkopf war, der auf die Durchsetzung seines Willens bestand. Flood stelle sich eher die Frage, „‚wie können wir es anders machen?‘ Er war im Einklang mit der Mentalität der Band – und meiner eigenen.“ (Electronic Beats).

Produzent Flood: Innovator und Therapeut

Flood stand auch für Innovation: Mehr Spontaneität und die Idee, elektronische Instrumente mit natürlichen Instrumenten zu mischen – was den Überraschungseffekt von „Violator“ ausmacht. Flood programmierte Sampler, kannte sich mit analogen Synthesizern aus und konnte aber auch als Coach mal aus der zweiten Reihe rufen: „Jungs, das solltet ihr jetzt so machen.“

Und – wie viele gute Produzenten – war auch Flood nicht nur technisch versiert, sondern auch ein bisschen Therapeut, der die Seelen seiner Musiker massierte. Martin Gore war manchmal etwas mürrisch, Dave Gahan plagten Eheprobleme, die er damals vor allem noch mit Alkohol bekämpfte. Andrew Fletcher kämpfte mit Depressionen und zog sich zeitweise aus der Produktion zurück, um sich behandeln zu lassen, und Alan Wilder konnte als „Kontrollfreak“ schon auch mal für „bad vibes“ sorgen. Das war zwar alles noch relativ harmlos im Vergleich zur Zeit der World Violation Tour ein Jahr später, als Dave Gahan anfing, harte Drogen zu nehmen. Aber so oder so – Produzent Flood musste schon mal den guten Geist spielen und für etwas Entspannung sorgen.

You must never use the same sound twice!

Andrew Fletcher erzählt in der Video-Dokumentation zu Depeche Modes „Violator“, dass sie sich einige Regeln gegeben hätten: „Eine davon lautete: Du darfst nie denselben Sound zweimal verwenden. Und deshalb sind bei uns die Sounds immer wieder knapp geworden. Flood sagte dann nur: Macht euch keine Sorgen! Und das war großartig!“

Wenn man etwas böse sein wollte, könnte man auch sagen, dass Andrew nicht allzu viel mit der Soundfindung zu tun hatte. Im Gegensatz zu Alan Wilder, der perfekt mit Produzent Flood harmonierte, und die Detailarbeit machte: „Wir akzeptierten, dass wir unterschiedliche Rollen hatten und nicht alle versuchten, die gleiche Sache zu tun“, erklärt Alan Wilder. „So kamen wir zu dieser ungeschriebenen Vereinbarung in der Band, bei der wir alle ein paar Ideen am Anfang eines Tracks zusammenwarfen. Dann gingen Fletch und Mart weg, und sie kamen zurück, nachdem wir eine Weile daran gearbeitet hatten, um ihre Meinung zu äußern.“ (Steve Malins, Depeche Mode – Die Biographie)

Depeche Mode – Violator: Alans Album?

Buchautor Kevin May zitiert Martin Gore, wonach die Band bei „Violator“ zum letzten Mal Spaß bei der Produktion eines Albums hatte. In einem MTV-Interview bezeichnete Martin Gore „Violator“ allerdings einmal als „Alans Album“. Vielleicht beschäftigte ihn wenigstens unterschwellig die Frage, ob seine Stücke eine andere Richtung genommen hatten, als von ihm ursprünglich intendiert. Aber wie Alan Wilder so schön trocken anmerkt: „Spannung ist ein normaler Zustand zu bestimmten Zeiten für jede Band, und wir waren da keine Ausnahme.“ (Recoil.co.uk) Und dem Album sollten die Veränderungen durch Flood und Wilder allemal guttun.

 

Gut möglich, dass auf „Violator“ auch der PPG Wave 2.2 eingesetzt wurde. Sicher bezeugt ist es aber nicht.

Depeche Mode – Violator: Das Equipment

Bei der Recherche stößt man schnell auf einen Artikel bei „Musictech: Landmark Productions: Depeche Mode – Violator“.  Und saugt gierig einen Satz wie diesen auf: „Wilder verwendete weitgehend die gleiche Ausrüstung, die er während des gesamten vorangegangenen Jahrzehnts intensiv genutzt hatte: einen EMS VCS3, einen Moog Minimoog und Oberheims OB-8-Synthesizer sowie die allseits beliebten Roland Space Echos und Manley-Verstärker.“

Und dann merkt man, dass der Musictech-Beitrag von 2015 sein Wissen aus einem Artikel von 2011 schöpft. Und – um es freundlich auszudrücken –  die Quelle sehr freizügig interpretiert hat: Denn im Original-Artikel im electricityclub werden all diese Instrumente im Rahmen der großen Versteigerung erwähnt, bei der sich Alan Wilder von einem Großteil seiner Vintage-Ausrüstung getrennt hat. Auf die Frage des Reporters, was denn über die Jahre sein Lieblingsequipment gewesen wäre, antwortet Wilder: „Im Studio habe ich schon immer meine Neve-Konsole aus den 1970er Jahren, Roland Space Echo, Manley-Verstärker und -Kompressor, VCS 3, Minimoog und Oberheim-Synths geliebt…“

Na super, das sagt aber mit keinem Wort aus, dass diese Instrumente tatsächlich auf „Violator“ eingesetzt wurden.

Wenn die Erinnerung nachlässt

Depeche Mode hatten damals alles, was gut und teuer war, in ihren Arsenalen: Vom EMS Synth AKS über den Roland Jupiter 8, Yamaha DX7 bis zum PPG Wave 2.3. Letzterer wurde zum Beispiel beim Vorgängeralbum „Music for the Masses“ auf „Strangelove“ eingesetzt. (vergleiche auch „Die Synthesizer von Depeche Mod“ in Keyboards) Auch manch metallischer Klang auf „Violator“ erinnert an den PPG. Die Verwendung dieser Instrumente auf „Violator“ ist aber nicht dokumentiert. Alan Wilder müsste es wissen, gibt in Interviews aber oft an, sich nicht mehr genau zu erinnern. Auf die Frage, ob der berühmte Chor von „Enjoy the Silence“ der Emax II-Sound „Pop Voices“ sei, antwortet Wilder nur kurz angebunden: „No“.

Im März soll das Buch „Halo“ von Kevin May und David McElroy erscheinen. Wird es ein paar offene Fragen klären können?

Wird Kevin Mays „Halo“ die Geheimnisse enthüllen?

30 Jahre nach dem Ereignis verblassen die Erinnerungen. Im März – rechtzeitig zum 30-jährigen „Violator“-Jubiläum – soll das Buch „Halo“ von Kevin May erscheinen. Im Vorfeld gab es einige Interviews, bei denen er durchblicken ließ, dass er sich auch für die produktionstechnische Seite von „Violator“ interessieren würde. Ich bin auf das Buch gespannt!

May ist zum Beispiel extra nach Mailand gefahren und hat das Logic Studio besucht, wo „Personal Jesus“ produziert wurde: „Ja, ich habe einige wunderbare Aussagen von den Jungs in Mailand, wie sie alle am Ende der Session in ein Auto sprangen und in einen Club in der Stadt fuhren, um dem DJ eine Kopie der Arbeit zum Ausprobieren zu geben. Aber wenn ich sie frage, wie sie die stampfenden Füße auf ‚Personal Jesus‘ aufgenommen haben und welche Flightcases sie dafür damals benutzten, erinnern sie sich nicht mehr daran!“ (Halo – The Violator Book Interview, 2019  auf Electricity Club)

Sein Einsatz auf „Violator“ ist verbürgt: Der ARP 2600

Dafür lege ich meine Hand ins Feuer

Deshalb möchte ich im Folgenden das herausarbeiten, was sicher verbürgt ist. Positiv bestätigt ist der ARP 2600, der ARP Sequencer 1601, der Minimoog, das Roland System 700 – und das ist es auch schon. Selbstverständlich wurden Sampler auf Depeche Modes „Violator“ eingesetzt. Der Moog wurde offensichtlich bei den Songs „Halo“ und „World in my Eyes“ mit Floods ARP 2600 für fette Basslinien gedoppelt, wie sich Alan Wilder erinnert.
Beim Song „Waiting for the Night“ wurde der ARP 2600 über den 16-Stepsequencer von ARP angesteuert, wobei die kleinen Ungenauigkeiten der Analogtechnik genau das waren, wonach das Produzententeam Flood und Wilder damals suchten. Und das Roland System 700 wurde für den Bass Sound von „Enjoy the Silence“ benutzt.

Ein Original Minimoog.

Der gute alte Minimoog wurde auf Depeche Modes „Violator“ für kräftige Basslinien eingesetzt.

Depeche Mode – Violator: Samples und Loops

Wenn man nach der Klangwelt von Violator fragt, dann wird sie von Samples dominiert. Stampfende Füße auf einem Flightcase, ein ursprünglich von John Bonham stammender Snaresound, gesampelt von einer Rap-Platte, klassische Streicher von einer Elgar-Aufnahme – bis zur Unkenntlichkeit gestretcht – ein einzelner Gitarrenton, gesampelt und geloopt. Überhaupt waren Loops auf „Violator“ das große Ding, auch wenn überwiegend noch die Beats programmiert wurden – mit gesampelten Drumsounds.

Daniel Miller hatte für sein Mute-Studio ja schon früh ein NED Synclavier II angeschafft. Später kamen E-mu Sampler dazu: der erste Emulator von 1981, später der Emulator II  und ab 1988 dann der Emulator III. Auf der Bühne setzten Depeche Mode gerne Emax und Emax II ein. Beim Auftritt im Dezember 1989 bei Peter’s Popshow“ steht neben dem Ur-Emulator auch der Emulator II auf der Bühne. Er hatte also noch nicht ausgedient. Für die Samplingorgien bei „Violator“ tippe ich daher auf Emulator II und auch auf den Nachfolger Emulator III. Es war der erste Sampler, der 16-Bit-Qualität bot mit Stereo- oder Mono-Abtastung bei 44,1 kHz oder 33 kHz. Der RAM-Speicher ließ sich von 4 MB auf 8 MB erweitern. In Deutschland war der Emulator III bei Markteinführung mit DM 25.000,- fast unerschwinglich teuer. Und da war die Speichererweiterung noch nicht mal dabei. Die kostete DM 4.000,- extra.

Der Emulator III wurde 1988 eingeführt.

Handgeschnitzte Drumsounds

Wenn eines für den Sound von Depeche Modes „Violator“ entscheidend ist, dann der unbedingte Wille der Musiker, eigene unverwechselbare Klänge zu finden. Das hatte in der Band schon Tradition. Daniel Miller erzählt, dass sie in den Anfangstagen, als sie „A broken Frame“ produzierten, zwar eine Roland TR-808 einsetzten, aber niemals, um ein ganzes Kit zu ersetzen: „Weil wir wirklich gerne Schlagzeug-Sounds aus Synthesizern verwendet haben. Wir bauten unsere eigenen Bassdrums und Snares, weil wir nicht wie alle anderen klingen wollten. Aus dem gleichen Grund haben wir auch Dinge wie die LinnDrum nicht verwendet; sie war voller hochwertiger Sounds, aber sie beraubte dich deiner Identität. Ich nehme an, wir arbeiteten nach unserer eigenen Idealvorstellung.“ (Daniel Miller: Home Studio • Mute Records • Instrument Studio, von Bill Bruce auf Sound on Sound)

Auch der Emulator II dürfte auf „Violator“ noch nicht ausgedient haben.

Preisfrage: Welche Drummachine wird auf Violator eingesetzt?

Durch die Sampling-Technologie bekam dieser Ansatz des Klänge-Selberbastelns natürlich mächtig Auftrieb. Deshalb führen auch Fragen, wie man sie in Foren immer wieder liest – „welche Drummachine setzte Depeche Mode auf  ‚Violator‘ ein ?“ regelmäßig ins Nirgendwo. Alan Wilder hält nichts von Drumcomputern. Er findet sie steril und vermisst  menschliches Gefühl: „Keine zwei Snarebeats klingen gleich, wenn sie von einem Schlagzeuger gespielt werden – das gefällt mir. Deshalb ziehe ich es vor, viele Drum-Loops zu verwenden, die das Feeling  und auch die kleinen Mängel  der ursprünglichen Performance haben.“ Und so wurden – von den eindeutigen Elektro-Sounds einmal abgesehen – die meisten Drum-Sounds auf „Violator“ gesampelt. Die Rhythmen wurden größtenteils aber noch programmiert, auch wenn Wilders Herz eigentlich den Loops gehörte: „Einige Hi-Hat-Patterns – z.B. ‚Policy‘ – wurden als Loops gespielt und gesampelt, und im Fall von ‚Halo‘ und ‚Clean‘ sind es alles Loops. Auch hier bevorzuge ich die geloopten Teile wegen des Performance-Elements.“ (Recoil.co.uk)

Martin Gore steht auf Gretsch-Gitarren

Und natürlich gab es die „twangy“ Gitarre von Martin Gore. Gore ist eingeschworener Gretsch-Fan. Für das Mitglied einer Elektronikband besitzt Martin ausgesprochen viele Gitarren. Ein Dutzend begleitet ihn allein bei den Tourneen. Auf den Videos sieht man Gore häufig mit einer Gretsch 6118 Double Anniversary ohne Vibrato. Diese Gitarre wurde in den späten 50er Jahren eingeführt. Sie hat einen Hohlkörper aus laminiertem Ahorn und die typischen F-Löcher rechts und links vom Steg des Instruments.

Die Double Anniversary erhielt ihren Namen von ihren beiden FilterTron-Tonabnehmern. Sie besitzt individuelle  Lautstärkeregler für jeden Tonabnehmer zusätzlich zur Master-Lautstärke . Angeboten wurde sie in einem Vintage Sunburst-Finish, das Gretsch „Shade“ nannte, oder in dezenter Zweifarbigkeit: ein helles „Smoke Green“ auf der Oberseite, das mit einem dunklerem Grün auf der Rückseite und dem Hals kontrastierte. Auf manchen Videos sieht man Gore auch eine Gretsch mit drei Pickups spielen.

Vorarbeiten im World Wide Programming Room

Alan Wilder freute sich besonders darauf, dass das Album dieses Mal wirklich erst im  Studio entstehen sollte: „Wir hatten beschlossen, alle Vorproduktionsarbeiten auf ein Minimum zu beschränken. Es begann langsam langweilig zu werden, da wir merkten, dass wir ein bestimmtes Niveau erreicht hatten, indem wir Dinge auf eine bestimmte Art und Weise erledigten.“ (NME, Februar 1990) Klar, da fehlt dann irgendwann die Herausforderung und auch die Inspiration droht den Bach runterzugehen.

Allzu wörtlich sollte man das Gesagte aber auch nicht nehmen. Denn die Band traf sich mit ihrem Produzenten Mark „Flood“ Ellis dann doch für einige Vorarbeiten im Londoner „World Wide Programming Room“, der zu den Mute Studios gehörte. Dort wurden Gores Demos wieder und wieder gehört und erste Entscheidungen getroffen. Unter anderem wurde festgelegt, dass „Personal Jesus“ als erster Song produziert werden sollte.

Depeche Mode – Violator: Jesus in Mailand

Nach drei Wochen im Londoner „Programming Room“ reiste die Band nach Mailand. Im Logic Studio passierte eigentlich nicht viel, weil hier am Ende nur ein Song komplett entstand. Aber eben nicht irgendeiner – sondern „Personal Jesus“.

„Diesen Track mussten wir früh machen, wir haben es als eine Art Experiment betrachtet. Der Song war von Anfang an großartig“, erinnert sich Daniel Miller. In der Band gab es ein wenig Diskussionen darum, ob man gerade mit diesem Lied beginnen sollte. Für Daniel Miller war es glasklar, dass das der Starter werden musste: „Erstens, weil es ein bisschen kontrovers war, und zweitens weil es sich wirklich von dem unterschied, was sie bis dahin gemacht hatten, mit diesem Blues-Feeling.“ (Electronicbeats 2013)

Der Mailänder Dom

In Mailand produzierten Depeche Mode den Song „Personal Jesus“. (Bild von ShenXin auf Pixabay)

Stampfende Füße auf einem Flightcase

Andrew Fletcher hatte die Aufteilung bei Depeche Mode einmal selbstironisch folgendermaßen beschrieben: „Martin ist der Songschreiber, Alan ist ein guter Musiker, Dave ist der Sänger und ich lungere herum.“ Nun, bei „Personal Jesus“ bekam er etwas zu tun. Bei diesem Song gibt es diesen Stomping Beat, der klingt, als ob jemand mit soliden Doc Martens-Stiefeln eine Metallplatte malträtieren würde.

Das waren Andrew Fletcher und Produzent Flood, die auf einem Flightcase versuchten rhythmisch auf  und ab zu hüpfen. „Wir haben also viel Zeit damit verbracht, mit sauberem Timing auf diesem Stück Metall auf und ab zu springen. Wir begannen dann, den Klang des Raumes aufzunehmen, unser Stampfen durch die Lautsprecher im Raum zu leiten und diese aufzunehmen.“ Produzent Flood hat diese Geschichte auf dem Mute Records Festival 2011 erzählt. Schaut man sich das Video auf YouTube an, bekommt man viel von Floods positiver Ausstrahlung mit. Fröhlich berichtet er, wie er in Mailand erstmal das Vertrauen der Band gewinnen musste, die seinem Treiben am Anfang etwas skeptisch gegenüberstand. (Talie Helene hat wichtige Stellen des Vortrags in ihrem lesenswerten Blogeintrag „Depeche Mode – Violator“ transkribiert).

Come on, earn your money

Die erste Reaktion der Band auf Floods Sound-Experimente: „Oh, okay. Das haben wir schon mal gehört. Komm schon, leiste was für Dein Geld.“ Da holte Flood das nächste As aus dem Ärmel. Martin Gore sollte das bekannte Riff auf der Akustik-Gitarre spielen. Das tat er auch fleißig, bestand aber darauf, dass das Riff geloopt werden sollte. Flood versuchte, seinen Ehrgeiz anzustacheln: „Sicherlich kannst Du das einfach auch ganz durchspielen. Du bist ein brillanter Gitarrist, ich weiß ja, dass ihr eine Synthesizer-Band seid, aber warum versuchen wir nicht, etwas Neues zu machen?“

Martin Gores schmallippige Antwort darauf : „Nope. Not having that.“ Also wurde weiter geloopt und nach den besten Teilen zum Zusammenschnippeln gesucht. Aber das Ergebnis gefiel schließlich allen. Und als Flood vorschlug, es mit einer E-Gitarre zu doppeln, um es etwas kantiger zu machen, da schnappte sich Martin Gore den erstbesten Verstärker, stöpselte die Gitarre ein und spielte es komplett durch: „Es klang fantastisch“, berichtet Flood. In der Endmischung dominierte dann sogar eher die E-Gitarre. Der Akustikgitarren-Loop, für den sie so lange gebraucht hatten, tritt im Mix zurück.

Und jetzt machen wir einen drauf

„Die erste Runde ging an mich“, meint Flood, der Depeche Mode dazu bringen wollte, Dinge einmal nicht auf die gewohnte Art und Weise zu erledigen. Keine leichte Übung für eine Band, bei der es sehr strukturiert zuging und grundsätzlich alles programmiert wurde. „Eins der wichtigsten Dinge, die ich versuchen wollte, Depeche Mode nahezubringen, war die Idee, dass man mit Elektronik auch spielen kann…und dies war das erste Mal, dass wir anfingen, uns dem tatsächlich zu nähern. Er hat diesen Gitarrenpart buchstäblich in einem Take aufgenommen. Das war also das Ende des ersten Tages, und alle sagten: ‚Okay, lasst uns ausgehen, lasst uns einen trinken gehen‘.“(Mute Festival 2011)

Für Priscilla Presley war ihr Mann Elvis ihr „Personal Jesus“. (Bild von USA-Reiseblogger auf Pixabay)

Ein bisschen Sun Records-Atmosphäre

Martin Gore ist wirklich nicht hoch genug zu loben für dieses rattenscharfe Gitarrenriff, das der Produktion einen Hauch von 50er Jahre Sun Records-Atmosphäre verlieh. Was umso passender war, als es neben der (naheliegenden) TV-Predigerinterpretation  noch eine zweite Erklärung des Songs gibt, die sich direkt auf den „King“ bezieht.

Martin Gore hatte damals die Memoiren von Priscilla Presley gelesen, wie sich Dave Gahan erinnert: „Wo sie davon sprach, dass Elvis ‚ihr eigener persönlicher Jesus‘  sei, und ich glaube, das hat bei ihm einen Nerv getroffen. Es ist ein toller Satz! Es hat auch einen Humor, und es gibt immer diesen seltsamen, dunklen Humor in vielen Depeche Mode-Songs, den die Leute vermissen, augenzwinkernd und auch sehr britisch, aber es gab ihn ganz sicher in diesem Song.“ (David Gahan reveals stories)

Depeche Mode – Violator: Ein Bass aus vier Teilen

Der Rhythmus-Part wurde nach Angaben Alan Wilders noch mit gesampelten Toms und einer Elektro-Snare etwas aufgepimpt. Dann machte man sich an den Bass: Der Band schwebte der Sound einer Maultrommel vor, dieses „Doing, Doing, Doing“, aber synthetisch, weil das Blues-Feeling auf „Personal Jesus“ trotz allem elektronisch sein sollte. Schnell stellte sich heraus, dass dieser Sound allein zu schwach sein würde. „Dann schlug Martin vor, dass wir es mit einem Moog versuchen sollten, damit der Bass-Sound deutlich erkennbar ist“, erzählt Flood. „Und dann sagte jemand, wie wär’s mit einem Cello? Es gibt also ein Cello und eine echte Bassgitarre, und sie sind alle Teil des Gesamtklangs, und wieder spielte Martin ein bisschen Bass, aber wir haben alles gesampelt.“ (Mute Festival 2011) So wurde der Bass am Ende aus vier verschiedenen Teilen zusammengesetzt.

Ein brüllender Löwe

Mach mal RAOOOWRRR! (Bild von Tony-Media auf Pixabay)

Depeche Mode – Violator: „Mach mal „RAOOOWRRRR!”

Dann gibt es auf „Personal Jesus“ diese Slide-Gitarre,  die zur Hälfte mit der Stimme erzeugt wurde. Flood machte es vor und es klang wie „RAOWRRRR!“ Und wieder schauten ihn alle an, als ob er gerade kurz vorm Überschnappen wäre. Bis Dave Gahan darauf einstieg. „Ach so, Du meinst so ein „RAOOOWRRRR!” Genau, antwortete Flood und warf die Bandmaschine an: „Sie sahen mich an, als wäre ich verrückt, aber das ist die Hälfte dieses (Slide)-Geräusches, das man hört, wenn man den fertigen Song hört. Und dieses war der zweite Streich des Produzenten. Langsam gewinne ich.“ (Mute Festival 2011)

Als die Band nach verschiedenen Möglichkeiten suchte, einen Bass-Sound zu erzeugen, hatten sie auch eine Mundharmonika ausprobiert. Den Versuch aber schließlich verworfen. Was ihnen aber gut gefallen hatte, war die Idee, eine Stelle mit schnellen Ein- und Ausatmen in den Song einzubauen. Das berühmte „Hu-ha-ho-hu-ha“ stammt von Martin Gore.

Dave Gahan bei einem Depeche Mode-Konzert in Israel

Unverwechselbares Markenzeichen von Depeche Mode – die Stimme von Dave Gahan. Hier bei einem Konzert in Tel Aviv im Mai 2009. (Foto von Shutterstock)

Depeche Mode – Violator: Vocals mit Live-Feeling

Blieben noch Dave Gahans Vocals. Auch hier probierte Flood etwas Neues aus. Normalerweise sang Dave Unmengen von Takes ein und dann wurden sorgfältig die besten Stellen zusammengestellt. Flood schwebte ein Gesang vor, der natürlicher und organischer klingen sollte. Und so beschränkte er die Aufnahmen auf lediglich 3 oder 4 Takes. Die Band war sich unsicher, ob dies der richtige Weg war. Einige Stellen waren vielleicht nicht ganz sicher im Timing oder es fehlte die absolute Perfektion in der Ausführung.

Flood findet, dass diese Vorgehensweise die Vocals auf „Personal Jesus“ zu den stärksten auf der Platte gemacht haben: „Es gibt dem Stück all die Energie, weil es sich lebendig anfühlt und nicht völlig zusammengestückelt ist, wie es in der Vergangenheit bei vielen ihrer Songs der Fall war. Ich denke, das und die elektrische Gitarre zusammen mit der akustischen Gitarre sind die Dinge, die dem Track diesen totalen Drive und diese totale Energie geben, die nicht von den Synthesizern stammt.“ (Mute Festival 2011)

Die Zusammenarbeit mit Kraftwerk bei Electric Café war für François Kevorkian die Eintrittskarte bei Depeche Mode.

François Kevorkian – eine Brücke zwischen zwei Welten

Wer Interviews mit François Kevorkian liest oder ihn in einem Video sieht, erlebt einen kultivierten Franzosen, sehr höflich, sehr fokussiert. Berühmt ist sein Understatement, mit dem er seinen Beitrag zu dem Album „Violator“ relativiert. Das Songwriting, die künstlerische Umsetzung und die Produktion seien so überragend gewesen, dass er da kaum irgendwelche „Credits“ für sich beanspruchen könnte. François Kevorkian hat diese Aussage später dahingehend präzisiert, dass er dem Album eine ganz bestimmt Farbe geben konnte.

Depeche Mode war in Kevorkians Sicht damals im Übergang von einer Elektronik-Band zu einer megaerfolgreichen Rockband, die Stadien füllte: „In einem konzeptionellen Sinne lag meine Aufgabe darin, eine Brücke zwischen zwei Welten zu schlagen:  Zwischen der Band, die mich aufgrund meiner Arbeit mit anderen Künstlern der elektronischen Musik wie Kraftwerk ausgewählt hatte, und die jetzt diese neue Richtung eingeschlagen hatte.“ (François Kevorkian on 25 years of Violator, Home / A Depeche Mode website)

Bei der Band hatte François Kevorkian einige Vorschusslorbeeren, wie sich Alan Wilder 1990 in der Video-Dokumentation zu „Violator“ erinnert: „Mich beeindruckte, dass er mit Kraftwerk zusammengearbeitet hat. Ich dachte, er muss sehr gut sein, wenn die ihm erlauben, mit ihnen zusammenzuarbeiten. Kraftwerk hatten den Ruf sehr pedantisch zu sein. Und dann stellte sich heraus, dass François selbst ein ziemlicher Pedant war.“

Depeche Mode - Violator - Zwei Bücher zum Thema

Zwei Bücher zum Thema: Steve Malins bekannte Depeche Mode-Biographie und ein neueres Buch vom Sonic Seducer

Depeche Mode – Violator: Das Mischpult als Instrument

Kevorkian hat sowohl die „Personal Jesus“-Single, als auch die 12“-Aufnahme gemischt, für die die Band einige zusätzliche Parts aufnehmen musste. Seine Detailversessenheit ist nichts für Ungeduldige, wie er selbst zugibt. „Es hat eine ganze Weile gedauert, und ich denke, dass dies den Bandmitgliedern einen guten Einblick in meine Arbeit gegeben hat. Offensichtlich habe ich alles getan, um diese Single so unvergesslich zu machen, wie ich dachte, dass sie es verdient hat.“ (Kervorkian: 25 Years of Violator)

Kevorkian benutzt das Mischpult wie ein Instrument. Er ermunterte seine Mix-Ingenieure, so kreativ und mutig wie möglich zu sein: „Manchmal machten wir Dinge, die nicht ganz normal waren, wie zum Beispiel eine Menge Effekt-Automatisierung, indem wir einen Computer neben dem Band laufen ließen und MIDI-Befehle sequenzierten, um bestimmte Effekt-Prozessoren zu steuern; das gehört so ziemlich zu den Sachen, die die Leute heutzutage tun, ohne viel darüber nachzudenken, aber vor 25 Jahren war das ziemlich esoterisch. Das gab mir die Möglichkeit, die Feinabstimmung und die Gestaltung bestimmter Spuren sehr präzise zu gestalten.“ (Kervorkian: 25 Years of Violator)

Cover-Versionen von Marilyn Manson bis Nina Hagen

„Wir haben nicht erwartet, dass es ein Riesenhit wird“, schreibt Daniel Miller in seinem Begleittext zur SACD-Ausgabe: „Aber wir dachten, es wäre eine großartiger Weg, die Leute auf das Album einzustimmen. Es gab auch die Sorge, der Titel könnte die Radiostationen in den USA verprellen, und dass MTV mit ein paar der Bilder in Corbijns Video Probleme haben könnte. Aber wir glaubten, es wäre der richtige Schritt und dann erwies es sich als Riesenerfolg.“

Die Single wurde am 29. August 1989 veröffentlicht und erreichte in den Billboard Hot 100 Platz 28. Es war ihre erste Top 40-Single in den USA seit „People are People“. Ein mehr als ermutigender Start für Depeche Mode und „Violator“. Der Song „Personal Jesus“ wurde nicht nur von Johnny Cash gecovert, sondern auch von Marilyn Manson, Sammy Haggar, Def Leppard, den amerikanischen Industrial-Rockern Gravity Kills und sogar von Nina Hagen gibt es ein Cover.

Depeche Mode – Violator: Auf nach Dänemark!

Das alles war sehr neu und aufregend für die Band. Nach dem Mailänder Abenteuer legten sie erstmal eine mehrwöchige Pause ein bevor sie nach Dänemark fuhren. Die PUK Studios liegen etwas abgeschieden in Jütland und waren damit der ideale Ort, sich auf die Aufnahme des größten Teils von „Violator“ zu konzentrieren.

Leider hat das Studio auf meine Anfrage nicht geantwortet, doch wenigstens gibt es eine informative Webseite. An Bandmaschinen führt die Equipmentliste die Otari MTR90 Mk 2 (ab 1983) mit 24 Kanälen auf, die Mitsubishi X 850 mit sogar 32 Kanälen und die mit 150.000 US-$ seinerzeit sündhaft teuren digitalen Multitrack-Maschinen Sony 3324A. Das Mischpult ist ein Calrec UA – 8000 mit 48 Kanälen mit AMS-TASK-Automation. Dieses Pult wurde außer für PUK unter anderem auch für das Stockholmer Polarstudio von ABBA und das EMI Abbey Road Studio ausgeliefert. Im Mixingstudio steht ein SSL 4072G – auf so einem Pult wurde schon George Lucas „Star Wars“ gemixt.

Depeche Mode – Violator: Outboard von Feinsten

Auch beim Outboard stoßen wir auf viele edle Geräte, die es zur Zeit des Violator-Albums schon gab. Die Urei 1176 Kompressoren,  die legendären Fairchild 660 Röhrenkompressoren und die Equalizer von Massenburg aus Studio 1 sind allerdings vermutlich eher beim Mischen als beim Recording zum Einsatz gekommen sein.

Bei den Effekten dürften Flood und Wilder sich dagegen ausgetobt haben. Ein AMS DMX 15-80S Digitaldelay in Stereo, dazu der Eventide Harmonizer H3000, den das Unternehmen 1986 auf den Markt brachte. Der Eventide 910 stammt sogar aus dem Jahre 1974 und war seinerzeit der erste digitale Effektprozessor überhaupt, während der Eventide H 949 von 1977  der welterste Pitch-Stifter war, dem man das Glitchen abgewöhnt hatte.  Hall lieferten unter anderem ein EMT 251, AMS RMX 16, Yamaha REV 1 und Lexicon 480L.

Enjoy the silence

„Das Original-Demo von ‚Enjoy the Silence‘ war sehr langsam und minimalistisch, nur ich und ein Harmonium“, erzählt Martin Gore in einem Interview mit Mojo aus dem Jahr 2012. „Alan hatte die Idee, einen Beat drunterzulegen. Wir fügten die Chor-Akkorde hinzu und Flood und Alan sagten: ‚Warum spielst du nicht etwas Gitarre darüber?‘ Da bin ich auf das Riff gekommen.“ (Classical Album Sundays)

Ich weiß nicht, ob Martin immer von einem kleinen Spickzettel abliest, wenn in einem Interview das Gespräch auf „Enjoy the Silence“ kommt. Um ja nichts Falsches zu sagen. Jedenfalls sooo simpel lief die Sache denn doch nicht ab.  Als Alan Wilder den Song hörte, erkannte er sofort das „gewaltige kommerzielle Potenzial“ des Songs.

„I really don’t think it wants to be a disco song“

Das Lied als einfache Ballade aufzunehmen wäre in Wilders Sicht geradezu „kriminell“ gewesen. Sowohl Alan Wilder als auch Mute-Chef Daniel Miller versuchten also Martin Gore davon zu überzeugen, dass ein straffer Beat den Song in einen Hit verwandeln würde. Doch Martin wollte keine Upbeat-Nummer: „Der Song heißt ‚Enjoy the Silence‘ – und das ist für mich das absolute Gegenteil eines Diskosongs.“

Über das darauf folgende Geplänkel hat wiederum Produzent Flood auf dem Mute Records Festival berichtet: „Ich sage: ‚Martin, vertrau mir. Es ist doch bisher gut gelaufen, nicht wahr?'“ Martin: „Oh ja.“ Darauf Flood: „Versuchen wir es. Lasst uns experimentieren.“ Und Martin entgegnet: „Ich glaube wirklich nicht, dass es funktionieren wird.“

Ein großes Modularsystem von Roland - Das System 700.

Das Roland System 700 hatte sich Flood erst kurz vor den Arbeiten an „Violator“ zugelegt.

Das Roland System 700 hat seinen großen Auftritt

Das Ende vom Lied war, dass Martin Gore das Feld räumte. Alan Wilder und Flood hatten freie Bahn. Sie fingen damit an – so behauptet jedenfalls Flood – einen bereits vorhandenen Beat, der ihnen gefiel –  zu kopieren. Kleiner Verstoß gegen die geltenden Spielregeln. Und dann sahen sie sich nach einem geeigneten Bass um:

„Ich hatte vor kurzem einen großen modularen Roland-Synthesizer gekauft und damit herumgespielt…Und er (Alan) fing an, damit herumzubosseln, und so kam die Basslinie. Das ist also eine Sequenz auf dem System 700…und er sagte, ’na ja, kann man das noch verändern‘, und ich sagte: ‚Ja, das ist einfach‘. Und das Ergebnis klang dann ziemlich gut.“ (Mute Festival 2011)

Der Hals einer Gretsch-Gitarre

Martin Gore musste auch nach „Personal Jesus“ noch ein paar Mal seine Gitarre auspacken.

‚There’s far too much guitar on this record already’

Martin war weniger als überzeugt von dem Ergebnis. Es braucht noch ein richtig starkes Thema, eine Melodie, versucht Flood ihn zu beschwichtigen. Worauf Martin sich einen Synthesizer schnappt und eine Melodie spielt. In Floods Worten auf dem schlechtklingendsten Synthesizer mit dem scheußlichsten Sound, den Martin je gespielt hat. Aber so leicht lässt der Produzent sich nicht ins Bockshorn jagen: „Das ist brillant! Das ist großartig!“, ruft Flood. „Wirklich?“ „Ja! Ja! Ja!“ beteuert Flood. „Aber nicht mit diesem Sound! Versuchen wir es mit einer Gitarre.“

Darauf Martin Gore: „Nein, ich mag nicht mehr Gitarre spielen. Es ist schon viel zu viel Gitarre auf dieser Platte.“

„Amazing! It’s gotta be a single. That’s fantastic.“

Am Ende ließ Martin Gore sich überreden, Flood fügte etwas Chorus und Flanging hinzu und Gore spielte den Part ein. Zufrieden war er immer noch nicht, aber Flood und Wilder baten ihn, sie noch einen Tag daran rumwerkeln zu lassen. Sie fügten den berühmten Chorsound hinzu, die Strings, die darauf antworten, und Dave Gahan sang die Vocals ein.

Und dann kam „Mr. Record Company“ nach Dänemark: Daniel Miller schaute mal vorbei, um zu sehen, wofür sein Geld gerade verbrannt wurde. Flood hatte extra für ihn einen „Rough Mix“ von „Enjoy the Silence“ angefertigt. Millers Reaktion war mehr als überschwänglich: „Großartig! Das wird eine Single. Das ist fantastisch.“

Martin Gore hat 2012 Mojo erzählt, dass es dann diesen Moment gab, wo auch er spürte, dass die Bearbeitung dem Song letztlich gutgetan hatte: „Das war das einzige Mal in unserer Geschichte, dass wir uns alle angesehen und gesagt haben: ‚Ich glaube, das könnte ein Hit werden‘. … Die elektronische Musik schien all die Dinge zu tun, die am Punk spannend waren, und das auf futuristische Weise.“ (Classical Album Sundays)

Der ARP 2600

Der ARP 2600 wurde auf Depeche Modes „Violator“ auch zusammen mit dem ARP Sequencer eingesetzt.

Waiting for the Night – Eine Prise Tangerine Dream

Flood und Alan Wilder hatten sich ein paar Tangerine Dream-Platten reingezogen und wollten auf „Waiting for the Night“ eine ähnliche Atmosphäre erzeugen. Das Mittel ihrer Wahl war dafür der ARP 2600 und der ARP 1601 Sequencer. „Aufgrund der vielen Velocity- und Filtermöglichkeiten hat dieses Gerät eine einzigartige Qualität, die mit einem modernen Sequencer, der über MIDI getriggert wird, nur schwer zu reproduzieren ist“, schwärmt Alan Wilder. (Recoil.co.uk)

Um die Sequenz bei der Aufnahme zu transponieren, musste Wilder ein Keyboard anschließen. Dieselbe Kombi wurde auch zur Erzeugung des pulsierenden Bassparts benutzt, der zusammen mit der Hauptsequenz dem Stück sein Gesicht gibt: „Der Reiz des ARP-Sequencers liegt in den leichten Tonhöhen- und Zeitvariationen, die bei jedem Durchgang des Parts auftreten. Dies vermittelt ein Gefühl von Fließen und ständiger Veränderung, das zu dem Song zu passen scheint.“ (Recoil.co.uk) Die mit dem ARP 1601 erzeugten Sequenzen bildeten das Rückgrat des Songs, erzählt Alan Wilder, alles andere sei nur „Embellishment“ gewesen – also schmückendes Beiwerk. So weit würde ich nicht gehen: Der ätherische Backing-Gesang, eine synthetische Holzbläserstimme, die fast an eine echte Oboe denken lässt, und Gahans Stimme tragen viel zur Atmosphäre des Stücks bei.

Der ARP Sequencer 1601

Die kleinen Abweichungen bei Tuning und Timing schätzten Depeche Mode besonders am ARP Sequencer 1601 (Die Abbildung zeigt einen Nachbau)

Wenn Depeche Mode plötzlich nach Pink Floyd klingt

Pink Floyds Album „Meddle“ von 1971 ist eine von Alan Wilders Lieblingsscheiben und am Anfang von „Clean“ hört man das auch. Die Ähnlichkeit mit dem Song „One of These Days“ ist nicht zufällig: Meddle hat einen „sehr repetitiven, synthetisierten Klang, und die Bass-Riffs mit dem Echo haben einen sehr hypnotischen Groove, der sie untermauert. Wir haben diese Idee im Grunde genommen für einen Titel namens ‚Clean‘ auf Violator geklaut.“ (Luke Turner: „Alan Wilders favourite LPs“)

Depeche Mode wären dabei aber nicht soweit gegangen, beteuert Alan Wilder, den Pink Floyd Bass einfach abzusampeln: „Ich erkenne die Ähnlichkeit, aber es ist kein Floyd-Sample. Es wurde mit einer Kombination aus analogem Synthesizer und gesampelter Bass-Gitarre programmiert.“(Recoil.co.uk)

Probieren wir mal eine Flöte aus

„Clean“ wie auch „Policy of Truth“ gehören zu den Stücken, die besonders viele Veränderungen erfahren haben, bevor sie ihre endgültige Form annahmen. „Die Rhythmen waren in einem ständigen Fluss“, berichtet Wilder. „Bei ‚Clean‘ hatten wir die Delay-Basslinie erst ganz am Schluss. Bei ‚Policy‘ dauerte es ewig, bis wir einen Lead-Riff-Sound gefunden hatten, der funktionierte. Wir haben sogar einmal eine Flöte ausprobiert! Im Allgemeinen entwickeln sich Songs eher weiter, als dass sie sich radikal ändern, oft über mehrere Aufnahmesitzungen und Studios hinweg.“ (Recoil.co.uk)

Slidegitarre als der Sound des Albums

Alan Wilder erzählt in den Anmerkungen zur Depeche Mode-Singlesammlung, dass sie wohl an die 100 verschiedene Sounds für das Riff von „Policy of truth“ ausprobiert hätten. „Bevor wir uns auf einen einigten, der vielleicht der Sound des Albums geworden ist – Slide Gitarre.“ In der Tat gibt es auf „Violator“ immer wieder Stellen, wo die Slide Gitarre auftaucht:  Etwa auf  „Clean“, wo Nils Tuxen die Pedal-Steel-Gitarre spielt, auf „Sweetest Perfection“ und „Personal Jesus“.

„Policy of Truth“ besitzt ein sehr markantes Intro: „Es handelt sich um eine einzelne Gitarrennote, die gesampelt, dann geloopt und von einem Keyboard gespielt wird“, erklärt Alan Wilder.

 

Für „Halo“ wurden Bonham und Elgar verwurstet

Für „Halo“ nutzte Depeche Mode ein Drumsample von Led Zeppelins „When the levee breaks“.  Depeche Mode bediente sich allerdings aus zweiter Hand – von einer Rap-Platte. Bonhams berühmter Snare-Sound wurde häufig abgekupfert: „Flood und ich hörten zu dieser Zeit ziemlich viele Hip-Hop- und Rap-Platten – diese Künstler waren die Vorreiter, wenn es darum ging, größere Abschnitte von Rhythmen und Grooves zu sampeln. Und das ungewöhnliche Feeling, das auf diesen Alben entstand, beeinflusste tatsächlich ‚Violator‘ und ‚Songs of Faith and Devotion'“, berichtet Alan Wilder im Interview mit dem Electricityclub.

Bass- und Sequencerparts stammen vom ARP 2600. Für die Streicher auf „Halo“ sammelte Alan Wilder Streicherparts von Klassik-Platten. Vor allem die Klänge von Edward Elgar, dem Komponisten von „Pomp & Circumstance“, hatten es Wilder angetan. Natürlich wurden die Klassikstrings nicht einfach so verwendet. „Eine meiner Techniken ist es, Abschnitte klassischer Streicher zu finden, diese zu transponieren und zu dehnen und dann meine eigenen Samples hinzuzufügen, um neue und ungewöhnliche Arrangements zu kreieren.“ (Electricityclub) Der Song „Halo“ ist dafür ein typisches Beispiel. Und auch beim Depeche Mode-Song „Clean“ hat Alan Wilder klassische Streicher auf ähnliche Weise eingebunden.

Depeche Mode – Violator: Wet Sound für Blue Dress

„Blue Dress“ ist ein weiterer Song auf „Violator“ der stark von der Gitarre bestimmt ist. Alan Wilder konnte nach eigenem Bekunden mit „Blue Dress“ nicht besonders viel anfangen. In „Blue Dress“ beschreibt Gore die voyeuristischen Freuden eines Mannes, der seiner Frau beim Anlegen ihres blauen Kleides zusehen möchte:

I can feel so much
Put it on
I don’t need to touch
Put it on

Gore hat den Song einen „pervy love song“ genannt – eine etwas perverse Liebesgeschichte –  aber das störte Wilder nicht. Eher, dass er nie wirklich wusste, in welche Richtung der Song gehen sollte: „Ich erinnere mich an den Ansatz bei der Aufnahme, dass wir mit verwaschen klingenden, dröhnenden Gitarren (à la Suicide) arbeiteten, die das Rückgrat des Tracks bildeten. Es klang absichtlich ziemlich nass, um zu versuchen, dem Stück etwas Atmosphäre zu verleihen.“

Minimoog und ARP 2600 für fette Synth-Bässe

„World in my Eyes“ ist vielleicht der Song auf „Violator“ mit dem elektronischsten Sound und vermittelt am ehesten das von früher vertraute Depeche Mode-Feeling. „World in my Eyes“ klingt ein wenig wie eine Hommage an Kraftwerk und besitzt eine kräftige Basslinie, für die zwei analoge Klassiker gelayert wurden: Der Minimoog und der ARP 2600. Für das einprägsame Bass-Pattern zeichnete, wie so oft, Alan Wilder verantwortlich.

Als er nach SOFAD die Band verließ, sagten zwar einige Fans: Zum Glück ist nicht der Songschreiber gegangen und auch nicht der Sänger. Aber die unverwechselbaren Basslinien Wilders – die fehlen schon ein wenig.

Auf „World in my Eyes“ ist ganz viel Minimoog zu hören.

Depeche Mode – Violator: Der Mix

Die Produktion von „Violator“ hat von Mai 1989 bis Januar 1990 gedauert. Dabei waren nicht weniger als fünf verschiedene Studios eingebunden. Das Logic Studio in Mailand, wo „Personal Jesus“ produziert wurde, das PUK Studio in Dänemark, wo der größte Teil des Albums aufgenommen wurde und The Church in London – dort wurde  „Violator“ gemischt. Bleibt noch das inzwischen geschlossene Master Rock Studio in London zu erwähnen und das Axis Studio in New York, wo „The Policy of Truth“ gemischt wurde.

Das Church Studio gehörte damals Dave Stewart und Ann Lennox von den Eurythmics. Es wurde 2004 an David Gray verkauft, bevor es 2013 von Paul Epworth übernommen und komplett renoviert wurde. Highlight des Church Studios ist aber immer noch „the studios’ vintage, multi-platinum SSL console“.

Zwei Tage für den perfekten Hi-Hat-Sound

François Kervorkian richtete sich ein und begann mit seiner detailversessenen Arbeit, die die Band bereits in Mailand kennengelernt hatte. Doch nun waren es viele Songs, die auf ihre Fertigstellung warteten. Was etwas an den Nerven der Band zerrte, wie Martin Gore in der Video-Dokumentation zum Album berichtet: „Francois war so pedantisch mit allem was er tat. Er verschwand manchmal in einer Ecke des Studios mit dem Kopfhörer, um zwei Tage lang an einem Hi-Hat-Sound zu schrauben. Und das war sehr frustrierend und langweilig. Weil wir ja nicht mal hören konnten, was er da machte. Wenn wir dann schließlich hörten, was er in den zwei Tagen mit der Hi-Hat angestellt hatte, erkannten wir den Wert seiner Arbeit.“

Daniel Miller bezeichnet François als den sorgfältigsten Ingenieur, mit dem er je gearbeitet hätte. Seine intensive Persönlichkeit würde die Zusammenarbeit aber nicht immer ganz leicht machen. 18-Stundentage wären für ihn normal. Er hätte mindestens drei Recording-Ingenieure verschlissen, die mit seinen Ansprüchen einfach nicht zurechtkamen. „Er ist so besessen und so brillant und hat aus ‚Violator‘ ein großartiges Album gemacht.“ (Electronic Beats) Auch Alan Wilder bezeichnet Kevorkian als eine gleichermaßen anregende, wenn auch in der Zusammenarbeit zuweilen schwierige Persönlichkeit: „Die daraus resultierende Spannung war jedoch gut für die Platte und verlieh den einzelnen Stücken einige zusätzliche Akzente sowie einen dringend benötigten neuen Blickwinkel.“ (Recoil.com.uk)

Wenn man hören will, was François Kevorkian sonst so für Musik macht:

„More flavor and character without being pompous“

Kevorkian steht zu seiner Arbeitsweise: Er sei zwar bekannt für seine Clubplatten, die eine eher rohe, organische Stimmung besitzen, aber hier war etwas anderes gefragt. „Ich fand, dass das Albummaterial ein hohes Maß an Detailgenauigkeit verdiente, und habe mich bemüht, mein ganzes Wissen einzusetzen, um ihm mehr Atmosphäre und Charakter zu verleihen, ohne dass es zu aufdringlich klang…Ich habe bewusst versucht, es zu etwas mit vielen Details zu machen, das wiederholtem Zuhören und genauerem Hinsehen standhält, aber auch so eingängig und einfach klingt, wie populäre Musik es sollte.“ (François Kevorkian on 25 years of Violator, Home / A Depeche Mode website)

Relativ selten hat Kevorkian in die Komposition eingegriffen. Nur gelegentlich machte er Vorschläge, etwa einige Stakkato-Streicher in „World in my Eyes“ hinzuzufügen. „Ich kann mich besonders daran erinnern, dass wir Zeit damit verbracht haben, ‚Waiting For The Night‘ ein unheimliches, traumähnliches Gefühl zu geben, und auch ziemlich viel Aufmerksamkeit darauf verwendet haben, die richtige Atmosphäre für einige der dunkleren Stimmungen in ‚Halo‘ oder ‚Clean‘ zu erzeugen… aber auch bei ‚Policy of Truth‘ – übrigens der einzige Song, den ich im Axis, meinem Studio in NYC, abgemischt habe – haben wir es geschafft, ihm einen definitiven Funky-Effekt zu verleihen.“ (25 years of Violator)

Bei „Enjoy the Silence“ reißt Daniel Miller die Zügel an sich

Bei „Enjoy The Silence“ kam es zu einem Termin-Konflikt, weil Mute Records den Song Anfang Februar 1990 als zweite Single veröffentlichen wollte. François Kevorkian musste aber in die USA reisen, wo andere Verpflichtungen auf ihn warteten. Kerkorvian räumt ein, dass sein Mix zu diesem Zeitpunkt nicht perfekt war. Und Daniel Miller wollte nicht bis zu seiner Rückkehr aus den USA warten. Deshalb nahm der Mute-Boss die alten Aufnahmen aus Dänemark und mischte den Song zusammen mit Phil Legg neu ab.

Alan Wilder meint, Daniel Miller hätte damals eine fixe Idee gehabt. Der Mix von Kevorkian sei völlig in Ordnung gewesen: „Hätte er (Miller) nicht darauf gedrängt, wären wir, glaube ich, gerne mit dem Original-Mix gefahren. Lustigerweise war unsere erfolgreichste Single aller Zeiten eine der flachsten, am stumpfesten klingenden Mischungen mit einer Snaredrum, die wie ein klebriger Toffeepudding klingt.“ (Recoil.com.uk)

Der Eventide Harmonizer H3000 galt als Multieffekt-Monster. Bei der Produktion von Depeche Modes „Violator“ wurde er gerne eingesetzt. Dieses Exemplar wird gerade in den USA für rund 2000 US-$ auf Reverb angeboten.

‘Aaargh, what’s he doing?’  – Die Surround-Mixe

Die großartige Arbeit von François Kevorkian wurde noch einmal gewürdigt, als „Violator“ im Rahmen des großen Surround-Soundprojekts rekonstruiert werden musste. Laut Mute Records Chef-Ingenieur Kevin Paul war „‚Violator‘ vom Mix her ein unglaublich komplexes Album: „‚Waiting For The Night‘ war besonders kompliziert. Es hat etwa 15 verschiedene Delays – es gibt viele kleine Drehungen am Ende der Gesangs- und Schlagzeuglinien.“

Immer wieder stellte sich Kevin Paul die Frage: „Wie würde er (Kevorkian) das machen? Wie würde er versuchen, diesen Effekt zu erreichen? Und es war sicherlich eine Kombination von drei oder vier Effekten. Ich holte die Eventide H3000er heraus und patchte sie und versuchte, die Voreinstellungen zu verwenden, die auf den Recall-Notizen vermerkt waren, um zu sehen, ob ich mich der Sache nähere – manchmal nicht und manchmal doch.“  Und immer wenn es zu klappen schien, tauchte eine Bass Drum oder Snare mit einem speziellen Hall oder ein Bass mit einem Echo auf und Kevin Paul fragte sich „Ah, was macht er da?“ (Matt Houghton: „Remixing Depeche Mode In Surround“, Sound on Sound)

Es ist nur eine Vermutung: Die Rekonstruktion des Violator-Albums für die Surround-Version bietet Hinweise, dass damals auch AKAI-Sampler benutzt wurden.

Auf der Suche nach der verlorenen Snare

Oft war es schon schwierig, überhaupt das richtige Tape zu finden: Viele der Tracks waren mehrmals gemischt worden, wobei das Resultat in gutem Glauben als „Endmischung“ bezeichnet wurde. Das führte zu manchen Überraschungen. So erinnert sich Kevin Vanbergen, „dass ‚Personal Jesus‘ auf Band der Song war, wie wir ihn alle kennen, also haben wir ihn in Pro Tools importiert und angehört, und dann geht er plötzlich in diese Dance-Remix-Version über, so dass ich mich durch sieben oder acht verschiedene Versionen kämpfen musste.“ Bei „World in my eyes“ gab es an die 30 verschiedene Bänder. Ein bestimmter Reverse-Snare-Sound war nirgendwo zu finden. „Es stellte sich heraus, dass er höchstwahrscheinlich auf einem Akai mit einem Atari gemacht worden war.“ Das Sample musste gefunden, umgekehrt abgespielt und der Sound von Grund auf rekonstruiert werden. (Remixing Depeche Mode in Surround)

Depeche Modes Debut-Album „Speak & Spell“ aus dem Jahr 1981 bot noch unbeschwerten Synthipop.

Depeche Mode – Violator: Die Vorgeschichte des Erfolgs

Depeche Mode konnten bei Veröffentlichung ihres 7. Studioalbums schon eine eindrucksvolle Diskographie vorweisen. Neun Jahr zuvor hatte alles begonnen mit „Speak & Spell“ – dem Debütalbum hatte Vince Clarke den Stempel aufgeprägt mit seinen wunderbar poppigen Synthesizerlinien. Nach seinem Weggang bewies das Album „A Broken Frame“ immerhin, dass die Band ohne Clarke nicht am Ende war. Martin Gore trat als Komponist an seine Stelle. Allerdings mit einer anderen Herangehensweise als der selbstsichere Clarke, der oft schon eine klare Vorstellung davon hatte, wie das Endergebnis klingen sollte. Mute-Chef Daniel Miller hat das so beschrieben: „Martin ging das ab. Bei ihm war es mehr ‚hier sind die Worte, hier ist die Melodie. Lasst es uns herausfinden.'“ („Electronicbeats 2013) Zumindest war das so in den Anfangstagen der Band. Zwischenzeitlich wurde sein Einfluss recht dominant, bis er sich bei „Violator“ wieder mehr zurückgenommen hat.

Sampler ersetzen Synthesizer

Bei ihrem dritten Album „Construction Time Again“ von 1983 hatten Depeche Mode bereits die damals noch junge Sampling-Technologie eingesetzt und Alltagsgeräusche sowie den Sound aufeinanderschlagender Metallplatten in ihre Musik integriert. Songs wie „Pipeline“ und „Everything counts“ ließen aufhorchen. Auf dem nächsten Album „Some great reward“, das in Deutschland besonders erfolgreich war (Platz 3 der Albumcharts) klangen bereits die Themen an, die Martin Gore faszinierten: Religionskritik in „Blasphemous Rumours“ und Sex, der  – wie in „Master and Servant“ – gerne auch etwas „kinky“ sein darf. Interessanterweise finden sich mit „Personal Jesus“ und „Blue Dress“ beide Themenkomplexe auch auf Violator wieder.

Auf „Construction Time again“ setzten Depeche Mode Sampler ein.

Ausflug in den Dark Wave: Black Celebration

Religionskritik und Sex ziehen sich als große Themenkomplexe aber auch auf dem unmittelbar auf „Some great Reward“ folgenden Album „Black Celebration“ von 1986 durch. Mit der „schwarzen Messe“ verabschiedete sich Depeche Mode vom freundlichen Synthipop der frühen Achtziger. Songs wie „Stripped“ (das in den prüden USA auf der CD gegen einen anderen Song ausgetauscht wurde) oder „A Question of Lust“ begeisterten einmal mehr vor allem das deutsche Publikum. Auf „Music for the Masses“ von 1987 – dem unmittelbaren Vorgänger zu „Violator“ –  tritt die Dark Wave-Ausrichtung wieder etwas in den Hintergrund. Depeche Mode wird – ganz im Sinne des Albumtitel – massenkompatibel. Statt unheimlicher Stimmen, wie auf „Black Masses“ begrüßt einen auf „Music for the Masses“ das radiofreundliche „Never let me down again“, das zum Rausschmeißer zum Ende von Live-Konzerten avancierte, bei dem Sänger und Publikum schunkelselig zum Abschied die Arme schwenken.

Der Titel „Music for the Masses“ war ironisch gemeint. Doch bald sollte Depeche Mode riesige Arenen füllen.

In dubio pro monetas?

Die Singles „Never let me down“, „Behind the Wheel“ und der Ohrwurm „Strangelove“ gefielen auch dem Publikum in den USA. Das 101. und letzte Konzert ihrer Tour zum Album im Rose Bowl Stadion, Pasadena vor über 60.000 Zuschauern hat der Dokumentarfilmer D.A. Pennebaker dokumentiert. Pennebaker hat sich übrigens etwas abfällig über die Band geäußert, die er in erster Linie als ein kommerzielles Unterfangen betrachtete: „Sie hatten keine einzige originelle Idee, aber sie hatten entdeckt, wie man mit einem Kassettenrekorder auf der Bühne richtig viel Geld machen kann.“ (Steve Malins, Depeche Mode – Die Biographie, 2013, S. 9)

Depeche Mode hatten ganz offensichtlich den Schlüssel zum Erfolg gefunden. Es hätte nahegelegen, auf Nummer Sicher zu gehen und die Formel von „Music for the Masses“ auch beim nächsten Album anzuwenden. Klugerweise ist Depeche Mode nicht diesen Weg gegangen.

Dann waren es nur noch drei – das Cover von Ian Gittins Buch zeigt die Band in der Besetzung nach dem Ausstieg von Alan Wilder: Von links Andrew Fletcher, Dave Gahan und Martin Gore.

Der „Depeche Mode-Riot“ von Los Angeles

Am 19. März wurde Depeche Modes „Violator“ veröffentlicht und schon am nächsten Tag beherrschte die Band die Medien in den USA. Rund 17.000 Depeche Mode-Fans stürmten in Los Angeles am 20. März eine „Violator“-Autogrammstunde im „Wherehouse“. Amerikanische Fernsehsender berichteten ausführlich über den „Depeche Mode-Riot“.

Der Radio-Mann Jim Trenton, bekannt als „the Poorman“ war damals dabei und hat die Vorkommnisse eindringlich beschrieben. „Es war offensichtlich, dass die meisten der 17.000 Menschen kein Autogramm bekommen würden. Die Menge versuchte, mit Gewalt einzudringen. Die Gesichter von Hunderten und Aberhunderten von Fans wurden gegen die Frontscheiben aus Glas gepresst…Um 22.15 Uhr waren die Dinge draußen so außer Kontrolle geraten, dass es für die Band nicht mehr sicher war, Autogramme zu geben.“

Polizeihubschrauber kreisten in der Luft

Während die Mitglieder von Depeche Mode in Sicherheit gebracht wurden, eskalierte die Situation in den Straßen. Frustriert, Stunden umsonst angestanden zu haben, fingen die Leute an zu randalieren, wie sich „the Poorman“ erinnert: „Tausende DM-Fans rasteten total aus und rannten wie ein verrückter Mob durch die Straßen. Zahlreiche Menschen saßen in Bäumen, während andere auf den Übertragungswagen der Medien und Stromkästen auf und ab sprangen. Sie schlugen Autofenster ein und es gab zahlreiche Sachbeschädigungen. Der La Cienega Boulevard wurde von mindestens 100 Bereitschaftspolizisten abgesperrt, die Schilder und Schlagstöcke in der Hand hielten. Es gab auch Polizisten zu Pferd und Polizeihubschrauber, die über den Gebäuden kreisten. “ Zum Glück kam niemand ernsthaft zu Schaden. Der PR-Wert dieses Tages war für die Band freilich nicht mit Geld aufzuwiegen.

30 Jahre nach dem Erscheinen von „Violator“ blüht die Rose immer noch. (Foto von S. Hermann & F. Richter auf Pixabay)

Fazit

Mit „Violator“ gelang Depeche Mode erfolgreich der Sprung in die 90er. Der Synthesizer-Act mutierte zu einer Electro-Rockband, die mit unsterblichen Melodien und massiven Beats die Arenen der Welt füllte. Ausschlaggebend war die Bereitschaft Martin Gores, seine Demos nicht mehr komplett auszuarbeiten. Was es Produzent Flood ermöglichte, den Sound von Depeche Mode neu zu definieren. Er baute komplette Drumsets auf und ermutigte die Band, sich aus ihrer Komfortzone herauszuwagen. Teilweise ließ er sie sogar zusammen jammen. Die Idee, Gitarren prominent einzubauen, war schlicht genial. In Alan Wilder hatte Flood einen detailversessenen Mitstreiter, der dafür sorgte, dass auch die Synthesizer auf „Violator“ nicht zu kurz kamen. François Kevorkian veredelte das Album, indem er diese Details herausarbeitete und mit seiner DJ-Erfahrung aus N.Y.C  den Grooves den richtigen Wumms gab. Für Depeche Mode war es eine relativ glückliche Zeit; schon auf der Tour zum Album begann sich der Höllenschlund aufzutun, der während der Arbeiten zu „Songs of Faith and Devotion“ die Band fast verschlungen hätte. „Violator“ ist 30 Jahre nach seinem Entstehen immer noch das beste Album von Depeche Mode. Songs und Produktion klingen frisch wie am ersten Tag. Diese Rose blüht noch!

Forum
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    TobyB  RED

    Klasse! Violator ist ein Ausnahme Album und die Würdigung hier, ganz großes Kino. Hier kommt alles zusammen was einen Klassiker ausmacht. Was ich an DM mag ist das sie mit Violator es geschafft haben sich neu zu erfinden und diesen Anspruch trotz Höllenschlund auf allen nachfolgenden Alben immer wieder unter Beweis gestellt haben.

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      costello  RED

      Danke Toby! Das Album lag mir auch sehr am Herzen. Einen Aspekt habe ich ausgespart: Berührungspunkte und Einfluss auf die Rave-Szene, Techno und Acid House. Techno-Pionier Derrick May hatte Depeche Mode ja in Detroit ins Music Institute geschleppt. wo die Musiker total erstaunt waren, dass all die in den Worten Fletchers „gutaussehenden jungen Schwarzen“ total auf ihre Musik abfuhren. Obwohl die Musiker der Meinung waren, dass ihre Musik europäisch und eigentlich nicht tanzbar war.

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        TobyB  RED

        Wobei es aber noch eine Weile gedauert hat bis DM den Spirit der Club Music in Form von Remixen zugelassen hat. Ich müsst auch erstmal gucken, von wann die ersten offiziellen Remixe datieren. Mit dem Tribut Album For the Masses tat man sich bei Mute auch recht schwer. Da flogen so tiefe Bälle wie, not about investigating Depeche Mode’s legacy, but massaging swollen egos. NME. In Violator sind sie Ansätze aber durchaus wahrnehmbar. So britisch subtil halt.

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          chain25  

          Aber gab es nicht bereits in den 80s zum Beispiel den Shep Pettibone Remix von Behind The Wheel, der ja schon auf AirPlay in den Clubs ausgelegt war?

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            TobyB  RED

            Ich sag doch ich müsste nachgucken, vor 1989 waren DM Platten in der DDR Goldstaub und was meinste was ich anstellen musste, damit ich am 7.März 1988 für 15 Ostmark in die Berliner Werner Seelenbinder Halle dabei sein durfte. Blond toupierte Haare, Levis 501, Doc Martens und FDJ Hemd ohne FDJ Abzeichen. Die anschliessende Rechtfertigungsarie vor dem Kollektiv, wegen Herabsetzung, Gammlerei war es wert.

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              chain25  

              Ach herrje … dafür stand ich1988 in apricotfarbener Replay-Jeansjacke zusammen mit einer großen Anzahl an Goths und Skinhead-lookalikes in der Hamburger Markthalle um Nitzer Ebb zu sehen. Als Junge aus dem Vorort wusste ich es halt nicht besser …

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                TobyB  RED

                Die DDR war schon speziell für Pubertiere und die Anderen. Ich hab dann im Sommer 88 noch einen draufgesetzt und mich bei den den Vorgängern von Rammstein, Feeling B ausgetanzt. Das Ganze wurde für eine Dokumentation auf Film festgehalten. Ich musste dann meine Sachen nehmen und wurde aus der Abi Klasse genommen. Und musste mich in der Produktion bewähren. Hat nicht so ganz geklappt, Ende Juli 89 hab ich über Ungarn und Österreich rübergemacht. :)

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                  costello  RED

                  Hi Toby, danke für den Link. Diese Doku kannte ich noch nicht. Kommt auch Thilo Schmied zu Wort, der mir bei Bowie sehr geholfen hat.

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                    TobyB  RED

                    Hallo Mr. C, da nich für :) Für mich war das Konzert der Anfang vom Ende in der DDR. Der Frühling Sommer 88 war schon besonders. Und hat vielen jungen Menschen gezeigt, dass sie nicht alleine sind. Diesen Spirit hab ich anschliessend so noch mal bei dem Bruce Springsteen Konzert im Juli 88 erlebt. Das war von der Größenordnung allerdings ne ganz andere Kiste. Die technischen Probleme taten dem Konzert keinen Abbruch. Für mich war Born to run mein persönlicher Weckruf. Depeche Mode und Yello sind für vielleicht die technische Inspiration. Aber Frankie goes to Hollywood und der Boss, die andere Inspiration.

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    ArvinG  

    Ich glaube, das war die vorletzte Vinyl die ich mir damals kaufte. Habe sie heute noch und mir gefällt das Album auch heute noch, obwohl ich ansonsten mit irgendwelchen elektronischen „DanceFloor“ Sachen herzlich wenig am Hut hatte und jetzt erst recht nicht habe. Ist definitiv ein Klassiker und die Qualitäten eines Martin Gore als Songschreiber sprechen für sich.

    P.S. Ich glaube, bei einer der Bildunterschriften ist ein „Martin“ zu viel, bei ANTON Corbijn ?

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      costello  RED

      Ja, der niederländische Regisseur heißt Anton mit Vornamen. Da hat sich der Martin Gore eingeschlichen ;)

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      costello  RED

      Dank des lieben Dirk Matten heißt es jetzt in der Bildunterschrift richtig Anton Corbijn :)

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    chain25  

    Wow, wieder mal danke für einen tollen und ausführlichen Bericht! Echt Wahnsinn!
    Ich habe viel gelernt, so zum Beispiel auch, dass es ein Mann namens Mark „Flood“ Ellis war, der für meinen Geschmack Depeche Mode kaputt gemacht hat.

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      costello  RED

      Danke chain25 für Dein nettes Feedback. Aber wenn ich es richtig verstehe, war für Dich „Violator“ nicht der Höhepunkt, sondern der Beginn des Niedergangs von Depeche Mode?

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        chain25  

        Hi Costello, ich habe zu danken für den irreguten Artikel!
        Ja, so schaut‘s leider aus, für mich war Violator der Niedergang von Depeche Mode. Alle Alben zuvor waren aus meiner Sicht deutlich stärker, Speak & Spell natürlich nicht, aber das zählt nicht. Jedoch selbst auf S&S war mit Photographic ein Song vertreten, der alle auf Violator in die Tasche steckt.
        Personal Jesus empfand ich als einfach nur nervig dissonant, Enjoy the silence klang stumpf und zu mittenlastig und vom Beat her als wäre es von Sidney Youngblood, außerdem nervte mich das Repetitive, insbesondere bei der 12 Inch in den Clubs.
        Policy of truth war ganz okay, aber bei weitem kein Meilenstein wie z.B. Behind the Wheel oder Shake the Disease (es fiel mir jetzt schwer mich auf zwei zu beschränken). World in my eyes … hmm, gehört und wieder vergessen und an den Rest kann ich mich noch weniger erinnern. Das ganze neue Image fand ich auch total lame.
        Echt schade, in den 80ern waren sie Helden für mich, bzw. Wilder ist es immer noch.

        Ist aber nur meine persönliche Meinung, mit der ich natürlich niemandem zunahe treten möchte.

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          teofilo  

          Da stimme ich voll zu!
          Flood war kein Fortschritt, im Gegenteil. Warum müssen es immer akustische Klangerzeuger sein. Die Entwicklung ging doch ganz woanders hin. DM war der beste Beweis dafür. Und trotzdem hatten sie immer ein Riesenpfand – Daves (und Martins) Vocals. Ich habe privat einige Remixes gemacht, denke dass ich soundtechnisch zumindest mithalten kann, was 30/35 Jahre später + Technik nicht schwer ist. Aber ich sah um so deutlicher, wie stark die Vocals von DeMo waren. Gitarren machen das kaputt, da die Gitarre ein „Vocal“ ist.
          Die Entwicklung hätte bei den Synths, hin zu digitalem mit Seele gehen sollen. Vielleicht hat Flood Depeche nicht kaputt gemacht, für mich hörte Mode aber ab da auf. Seit ich die DAW „beherrsche“, kann ich endlich DM für mich weiterentwickeln. Allerdings alles < 1990. Love in itself, But not tonight, In my secret garden, Here is the house...

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            chain25  

            Supercool!
            Und natürlich war die Aussage von wegen „kaputt“ machen in Bezug auf Flood polemisch.
            Der vermehrte Einsatz von Gitarren hat die vorige Magie, die von ihren Werken ausging, aber für mein Empfinden durchaus zerstört.
            Mir ist es auch egal, ob da jetzt nun spannende Synthis (siehe Iggys Beiträge) verwendet worden sind oder nicht. Einzig der Outcome zählt.
            Für mich waren Some Great Rewards und Black Celebration der Höhepunkt ihres Schaffens.

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      iggy_pop  AHU

      Flood hat Depeche Mode kaputtgemacht? Hä?

      In der Kombination Flood/Alan Wilder fingen Depeche Mode endlich an, mich zu interessieren — da wurde endlich mal mit interessanten Sounds gearbeitet und die Teeniepüppiknutschmusik für leicht depressive Pubertierende hatte endlich ein Ende.

      Von den interessanten Synthesisern mal ganz zu schweigen.

      Mein Urteil hat aber nichts zu bedeuten, da ich nie ein Depechie (oder wie die hießen) war.

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        TobyB  RED

        Da stimme ich dir zu Iggy! Der Prozess der Wandlung fing mit Black Celebration und Music for the Masses und der 101 Tour ja schon an. Und es war spätestens zu dem Zeitpunkt klar, dass DM so nicht mehr weitermachen konnten. Flood hat DM die Tür zu einem anderen Klangkosmos eröffnet. Und die Musik auf das nächste Level gehoben. Ich denke ohne Flood wäre nach 101 für DM Ende gewesen.

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        chain25  

        So unterschiedlich sind die Geschmäcker! Als zu der Zeit leicht depressiver Pubertierender war ich dann ja absolut Zielgruppe und somit schließt sich der Kreis.

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          iggy_pop  AHU

          „leicht depressiver Pubertierender“ und „interessante Klangfarben aus großen Synthesisern“ schließen einander ja nicht zwangsläufig aus.

          Ich muß aber zugeben, daß mir ab der „Songs of Faith and Devotion“ zu viele Gitarren und zu viel Gore-Gequäke und Gospel-Geklatsche mit im Spiel waren. Da rissen auch die interessanten Synthesiser nichts mehr.

          Dafür war dann die „Ultra“ wieder interessanter und elektronischer… was ich von der „Exciter“ nun überhaupt nicht sagen kann. Ein paar schöne Passagen auf „Playing the Angel“ (die zweite Hälfte von „I want it all“). Ein stetes Auf und Ab.

          Für einen Nicht-Depechie, der nie seine Haare im Gahan-Look trug.

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            chain25  

            Dafür kennst Du Dich aber verdammt gut aus …
            ich muss gestehen an dieser Stelle raus zu sein. Pubertätsdepressionen und Interesse waren wohl vorbei.
            Generell empfand ich die 90er verglichen mit den 80ern und auch per se als ein ganz fürchterliches Jahrzehnt was den musikalischen Mainstream betrifft. Alles ab der großen 2 danach sowieso …
            Aber auch das ist natürlich wieder rein subjektiv und somit Geschmackssache.

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    Michael Krusch  RED

    Enjoy the silence ist für mich der perfekte Popsong. Der beste Song aller Zeiten. Es wird andere geben, aber keinen besseren.

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      Wah-Wah

      +1

      Und wer hätte das seiner Zeit bei der Weltpremiere während Peters Pop Show gedacht ? Ich erinnere mich noch, als Pubertierender vor dem TV gesessen zu haben, wärend der Song vorgestellt wurde. Ich war damals zunächst enttäuscht. Z. T. verhaltene Stimmung im Publikum
      ( noch kannte keiner den Song ) und ein doch eher weichgespültes Stück, wo man bei DM damals noch eher industriell klingende Titel erwartete.
      Erst als die Maxi CDs dann kamen, war ich hin und weg.

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      Henrik Fisch  

      Für mich ist es eher so etwas wie …

      — Take On Me
      — The Sun Always Shine On TV
      — Cry Wolf
      — Stay On These Roads
      — Crying In The Rain
      — The Living Daylights
      — Summer Moved On (schwärm)
      — Under Your Makeup

      … von »a-ha«, was aber daran liegt, dass ich den drei Norwegern völlig verfallen bin (kein Witz, die einzige Pop-Band die ich wirklich megaoberaffengeil finde). 😉

      Aaaaaber: »Enjoy The Silence« reiht sich da spielend ein. 😀

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        0gravity  

        Was für ein Artikel, mal wieder, vielen Dank dafür.
        Du solltest ein Buch mit deinen gesammelten Werken herausbringen :)
        Für mich ist Violator DIE perfekte Elektro-Pop Platte, auch wenn sie dieses Genre eigentlich schon wieder sprengt.
        Definitiv ein Werk für die berühmte Insel und eine der Scheiben die ich am häufigsten gehört habe. Es sind für mich nur gute oder hervorragende Songs drauf und sie stellt imho den Höhepunkt der Qualität des Songwritings von Martin Gore dar, aber auch das Optimum im Zusammenwirken von Wilder, Gahan und Gore (und Flood).
        Sehr interessant fand ich das Demo für “ Enjoy the Silence „. Ich kann Gores Abneigung gegen die „Discoifizierung“ seines Songs absolut nachvollziehen und finde seine Demoversion ist dem Welthit ebenbürtig.

        Ups, verrutscht, das ist eigentlich als eigenständiger Kommentar gedacht.

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          Wah-Wah

          Ich fand die Platte insgesamt immer 2-3 Stücke zu kurz. Warum man beispielsweise die tolle B-Seite „Dangerous“ nicht mit draufgepackt hat, ist mir ein Rätsel.

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            costello  RED

            Ein, zwei Lieder mehr hätten vielleicht nicht geschadet. Andererseits höre ich viele alte Produktionen ohne die heute üblichen Bonus-Tracks. Weil ich sie von damals halt so kenne. Und schlimmer als zu kurz finde ich manche „zu lange“ Alben. Einiges von Janet Jackson fällt mir da zum Beispiel ein.

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          costello  RED

          Vielen Dank 0gravity! Da muss ich schon noch ein paar, Artikelchen schreiben, bis es zum Buch reicht ;-) Ja, das ist ein Album für die Insel. Wie Kevorkian das gesagt hat: genügend Details, um immer wieder etwas Neues zu entdecken, und trotzdem diese gewisse Eingängigkeit, die gute Popmusik ja auch haben sollte. Gores Harmonium-Version fand ich auch frappierend, hatte sie erst bei der Recherche zum Artikel entdeckt und erstmalig gehört. Wäre sicher eine schöne Ballade geworden. Aber dann vermutlich kein Welt-Hit.

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    Hectorpascal  AHU

    Ich erinnere mich noch ganz genau als wir damals „Waiting For The Night“ gehört haben und voll weggebeamt waren. Ein sensationelles Album das nie weniger aktuell wird. „Policy Of Truth“ morgens im Radio und ich bin wie ausgewechselt. Mit DM groß werden ist wie ein Fotoalbum blättern nur besser. But, „now i’m clean, the cleanest i’ve been….“. :) Aber welches Album soll man schon podestieren? Sogar bei Black Celebration bekomme ich Gänsehaut. Damals mochte ich es überhaupt nicht.

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    Mick  AHU

    Ich bin mir 100% sicher das der Bass von Enjoy the Silence von einem Minimoog und nicht vom Roland System 700 kommt.
    @chain25 …DM haben sich stetig gewandelt und das war gut so, richtig schlecht sind sie nach Ultra geworden, und da hatte Flood schon lange nichts mehr mit Depeche zu tun.
    …keiner will immer das gleiche Album über 40 Jahre hören, darum sind ähnliche Bands wie And One, Mesh oder De/Vision nie richtig groß geworden!

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      chain25  

      Hi Mick, bin ganz Deiner Meinung und finde auch nicht, dass es von S&S bis hin zu kurz vor Violator keine Entwicklung gab. Es darf eben nur nicht in die falsche Richtung gehen, so wie z. B. auch bei Oomph oder Apoptygma Berzerk. Die verkaufen jetzt sicherlich mehr, aber Freunde der früheren Werke werden dadurch verschreckt.
      Bands wie And One und De/Vision hatten meiner Meinung nach aber von Anfang an ein Identitäts- und Wiedererkennungsproblem, was ich von DM nicht behaupten würde.

      Generell: Alles rein subjektiv! Und der Satz zu Flood war natürlich absichtlich ein wenig polemisch!

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        Mick  AHU

        …erwähnen sollte ich noch, das ich OMD durchgehend gut fand und finde, obwohl nur deren ersten drei Alben richtig stark waren!…warum?…irgendeine Macke muss ich ja haben! ;-)

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          chain25  

          Ach, das passt schon! Finde das durchaus legitim!
          Dafür habe ich immer noch eine Schwäche für Claudia Brücken … 😁

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      costello  RED

      Flood erinnert sich halt relativ detailliert an den Einsatz des Roland System 700 bei „Enjoy the Silence“. Deswegen wäre ich mit „100 % sicher“ vielleicht etwas zurückhaltender. Andererseits wurden die Bässe ja bei mehreren Stücken gestackt – vielleicht kam der Moog ja auch noch dazu.

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        TobyB  RED

        Sehe ich auch so, dass Moonstroll Preset des D50 könnte ebenso aus der Violator entsprungen sein. Der Bass wird halt immer gerne in Tutorials für Moog und Plugins verwurstet. Ich müsste mal Tom Carpenter fragen, der weiss so was. Ich schreib ihm mal.

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      costello  RED

      Ich habe nochmal in das Recoil-Interview reingeschaut, was der andere Producer zum „Enjoy the Silence“-Bass sagt. Eine typische Alan Wilder-Antwort: „Again, can’t remember exactly – most likely a combination of moog and Flood’s Arp.“ Allerdings bezog sich schon die Frage auf mehrere Stücke, auch auf „Halo“ und „World In My Eye“. Da Flood das Roland 700 dezidiert als Bass-Sound bei diesen Song nennt, würde ich von einem Stack ausgehen. Wir haben ja auch gesehen, dass der Personal Jesus-Bass aus mindestens 4 Einzelteilen bestand. Sozusagen Partials.

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      Edobot-V

      da liegst du 100% falsch, Flood sagte es in einem Video der Bass kommt von Roland System 700

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        costello  RED

        Mick hat uns ja leider nicht verraten, was ihn 100 Prozent sicher macht. Ob er den Moog „raushört“, oder ob er sich auch auf das Recoil-Interview mit Alan Wilder bezieht. Aber wie gesagt: Alan hatte auf eine pauschale Frage nach den verwendeten Bass-Synthesizersounds in drei verschiedenen Stücken relativ vage geantwortet, während Flood sich total deutlich in dem Youtube-Video vom Mute-Festival geäußert hatte. Und da er den Roland 700 damals neu hatte und vermutlich stolz wie Bolle auf die Neuanschaffung war, wird er erstens scharf drauf gewesen sein, dass das Instrument auf Violator raufkommt und zweitens wird er sich an die Umstände, unter denen das geschehen war, sicher auch ganz genau erinnern. Da ich damals leider nicht dabei war und Alan auch die ARP/Moog-Kombi ins Spiel gebracht hat, war mein Vorschlag zur Güte, dass es vielleicht ein gestackter Sound war :)

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    chain25  

    Das Zitat von Fletcher ist übrigens der Kracher! Macht ihn deutlich sympathischer als mein bisheriger Eindruck.

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      costello  RED

      Meinst Du, wo er sagt „und ich lungere herum“? Alan Wilder hat es ja genauso gesehen (ohne Ironie) und das hat die Chemie in der Band nicht verbessert. Mute-Chef Miller hat mal sinngemäß gesagt, Fletcher sei der „Mr. Normal“ in der Band, der auf die Songs schauen würde, wie der „normale“ Musikkonsument – und deswegen sei sein Feedback immer sehr wertvoll gewesen.

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        chain25  

        Ja, genau das meinte ich!
        Und klar, es stimmte, sieht man ja auch ziemlich deutlich in alten Live-Auftritten, wo er es mit Ach und Krach schafft, mit einem Finger Keyboard zu spielen.
        Dass das zu Krach mit Wilder führte, ist wohl allgemein bekannt, die sehr gesunde Selbstreflektion hingegen zumindest mir neu. Und das macht ihn echt sympathisch.
        Interessanter Fact mit dem Normalo-Feedback!

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        0gravity  

        Ich habe mal irgendwo gelesen, dass Fletch letztendlich wesentlich dazu beigetragen hat, dass Gahan und Gore nach SOFAD gemeinsam als Depeche Mode weitermachen.

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    Willemstrohm  

    Anton Corbijn für sich genommen, ist schon eine interessante Figur. Als Jungspund nach England, um seine Idole von Joy Division zu fotografieren. Die Liste seiner Videos, die Geschichte schrieben, ist lang.

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      costello  RED

      Und unerbittlich war er, wie es jeder gute Regisseur sein muss. Dave Gahan hatte jedenfalls irgendwann bei den Dreharbeiten zu „Enjoy the Silence“ ganz schön die Schnauze voll und ließ sich zum Hotel zurückfliegen. Ich mag auch Corbijns Cover für U2 sehr gerne.

  9. Profilbild
    MichBeck  

    Violator klingt, in seiner Kühlheit, für mich immer, wie das eigentliche Nachfolgealbum von „Black Celebration“. Die Lieder, welche sich bis heute fest in mein Gehirn verankert haben, musste man sich erarbeiten. Das dazwischen liegende „Music For The Masses“ fehlten irgendwie die Ecken und Kanten, und wurde somit seinem Namen gut gerecht. Aber das ist jetzt jammern auf hohem Niveau.

  10. Profilbild
    Henrik Fisch  

    Ich bin jetzt nicht der große Depeche-Mode-Fan, wobei mich die Band doch mein bisheriges Leben begleitet hat. Und »People Are People« und »Precious« werden mich nie loslassen. Völlig begeistert bin ich von »Where’s the Revolution« und dann – oh Mann – vom im besten Sinne »schlichten« »Heaven« und »Goodbye« (vor allem in den Studio-Sessions auf YouTube).

    Das folgende fällt evtl. jetzt eher mir auf, weil ich selber Hobby-Sänger bin. Dave Gahan hat einfach eine immer geiler und »reifer« werdende Stimme, die einen perfekten Kontrapunkt zu den teilweise extrem abgefahrenen harten Synthesizer-Klängen und Melodien von Martin Gore liefert. Und der nebenbei auch noch abseits von aktuellen auf Chartkompatibilität getrimmten (3rd class) sogenannten DSDS-»Stars« klingt (wer sich unseren deutschen Beitrag für ESC 2020 anhört, weiß genau, wovon ich schreibe).

    Boa, Alter … hat Gahan inzwischen ’ne geile Stimme!

    OK … äh … ich habe das eben geschriebene gerade noch einmal gelesen … und ich bin doch Depeche-Mode-Fan!

  11. Profilbild
    Marcus_Kiel  

    Mein erstes Konzert 1984 in der Weser-Ems-Halle in Oldenburg. Ich war erst 12! Was für ein Erlebnis! Die Jungs haben den Soundtrack meiner Jugend geschrieben, wegen ihrer Musik habe ich mir meinen ersten Synth gekauft. Alan Wilders Starschnitt hing in meinem Zimmer. Danke für den Bericht!

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      costello  RED

      Das war die „Some Great Reward Tour“! Mit „People are People“, „Master and Servant“ und „Everything counts“. Dezember 1984. Da hattest Du ein tolles erstes Konzerterlebnis. Ich habe das Konzert damals in der Berliner Deutschlandhalle gesehen und war auch völlig begeistert.

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        Marcus_Kiel  

        Hey costello,

        und es war tatsächlich so, das wir die ganze Zeit etwas weiter hinten abgetanzt haben. Damals war noch Platz in den Hallen! Das hat sich dann ja schnell geändert.

        Entdeckt habe ich Depeche Mode als ich heimlich die Plattensammlung meiner Schwester durchgehört habe. Ich war sehr fasziniert, da ich die Musik erst nicht im Kopf ordnen konnte. Zu viele verschiedenen Klänge. Erst mit mehrmaligem Hören, gingen die Songs ins Ohr.

        Das muss ´83 gewesen sein, denn da war auch die „Construction Time again“ dabei. Seitdem waren die Songs von den Vier wie Gemälde im Kopf, die man sich erst mal erschließen musste, sogar heute entdecke ich neue Klänge, oder Melodien in einem Song, den ich schon 1000 mal gehört habe. Jede neue Platte wurde gekauft und dann andächtig, bitte ohne Störung, zig Mal durchgehört. Diese Mehrschichtigkeit hat mich immer fasziniert und macht Depeche Mode für mich einzigartig.

        Ich bin auf der Wilder-Seite und würde mich freuen, wenn es da irgendwann doch noch eine Zusammenarbeit geben würde. Who knows…

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          costello  RED

          „Heimlich durchgehört“ -Herrlich! Mein Bruder war auch nicht begeistert, wenn ich seine Thorens-verwöhnten Scheiben auf meinem Elac-Plattenspieler abspielen wollte und hielt mir immer vor, welche Kratzerchen wieder dazugekommen seien.
          Was gute Musik ausmacht, ist, dass sie vielschichtig ist und mehr als einen platten Ohrwurm zu bieten hat. Und dieser Detailreichtum findet sich auf vielen Depeche Mode-Alben. War auch interessant, als Alan Wilder seine Emax-Sounds verhökert hat, wie die Bands die vielen Sounds für die Konzerte auf die Sampler verteilt hat. Veredelt mit allen Effekten, damit es live wie auf der Platte klang.

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            Marcus_Kiel  

            Hey Costello,
            „ELAC-Plattenspieler“ hört man als Kieler natürlich gern!!

            Es gibt ein sehr detailreiches Buch „enthüllt: depeche mode“ von Jonathan Miller. Ein dicker Wälzer, der anscheinend vergriffen ist. Sicher ein Tip, wenn man mal tiefer in die Materie eintauchen will.

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              costello  RED

              Den „Miller“ besitze ich leider nicht. Die meisten Biographen von Bands interessieren sich allerdings meist nicht sonderlich für Equipment und Produktion. Für die Autoren ist es oft interessanter, wann Gahan angefangen hat, harte Drogen einzuschmeißen, oder ob Wilder wirklich Backstage Fletcher an die Gurgel wollte. Das macht diese Making of’s auch immer ein bisschen zu einer Detektivarbeit ;)

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                Willemstrohm  

                Irgend einen Miller braucht aber jeder Haushalt. Kann auch ein Arthur Miller sein, ein Daniel Miller oder Frank Miller… selbst ein Gerd Miller Poster aus den 70ern täte es schon. ;-)

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    coloman

    Sehr schön geschrieben! Natürlich zählt auch „Route 66″ in diese Zeit, die B-Seite von der 12“ von „World in my eyes“ und ein herrliches Electro-Blues Crossover und eine der wenigen Coverversionen von DM. Eine der offensichtlich mehreren Schichten des sagenumwobenden Choirsounds von „Enjoy the silence“ soll mit dem -damals erschienenen und später temporär geächteten- Korg M1 Choir Preset angedickt sein. Seitdem ich das mal irgendwo gelesen habe, meint mein Gehirn, ihn da zwischen dem ganzen processing rauszuhören. Das könnte Alans schmallippige Antwort erklären;)

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      costello  RED

      Danke coloman! „Route 66“ ist super – da machen Depeche Mode glatt ZZ Top Konkurrenz. Der Beatmasters Mix ist noch mehr am Blues-Original. Zum Chor: Die verschiedenen Voices und Chöre der M1 sind phantastisch. Aber klar: Depeche Mode verachtet ja alle Presets – da wollte Alan sich (falls es denn so war) keine Blöße geben ;)

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        iggy_pop  AHU

        Gary Numan hat sich diesen Chor noch zur Brust genommen, als er schon längst sowas von out war (also sowohl der Chor, als auch Gary)… da war der gute Gerd Neumann immer schmerzbefreit in seiner Lederjacke.

        Sowas klingt heute natürlich irgendwie unfreiwillig komisch, genauso wie totkomprimierte Rhythmusloops aus den 1990ern…

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      Elektromo

      Hi Coloman,

      Route 66 war die B-Seite von „Behind The Wheel“, daher auch in der B-Seiten Version und der Maxi auf den selben Sounds / Tracks (passend transponiert) aufbauend. Der Beatmastersmix ist allerdings der Knaller (wie man damals sagte, oder zumindest in O-Berlin: „der fetzt urst!“). Von den tatsächlichen B-Seiten von „World in My Eyes“ (damals sogar Zwei!) ist mir immer noch das schön schwüle (und ich meine schwüle!) „Sea of Sin“ in Erinnerung, immer noch toll. Lange ist die Nachwendezeit her! 30 Jahre! Violator (VINYL) damals noch am Erscheinungstag im CENTRUM-Warenhaus am damaligen Hauptbahnhof – nunmehr wieder Ostbahnhof – erworben. Das Album bleibt. Auch heute wieder „Waiting For The Night“ gehört …. Gänsehaut! Bleibt gesund, liebe Kinder & stay tuned!

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    psv-ddv  AHU

    Toller Bericht costello! Violator ist ein klanglicher Kinofilm. Auch wenn das Album schon leicht in Richtung der glatten 90ger Jahre Perfektion zeigt ist es doch ein Meisterwerk. Ich finde es immer wieder erstaunlich wie wenig Konkretes ausgerechnet zu diesem Album über die verwendeten Instrumente und Studiotechnik herauszubekommen ist. Man erkennt, Du hast Da schon sehr intensiv recherchiert, danke dafür! Hoffentlich gibt das von Dir erwähnte „Violator“ Buch dann noch zusätzlich Auskunft. Ich gehe mal davon aus, dass verschiedene Mischpulte zum Einsatz kamen, der im Gegensatz zu den SSL gemischten Vorgängern etwas weichere Klang des Albums passt aber eher zur trafobeladenen Calrec als zu einer SSL4k. Ich hoffe Du siehst mir die kleine Korrektur nach: Das erste kommerziell erhältliche Digitaleffektgerät war das Lexicon Delta-T (1971). Der erste Pitchshifter war das Lexicon Varispeech (1972).
    Einen schicken Sonntag,
    psv

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      costello  RED

      Da liegt eine tatsächlich eine Unschärfe bei meiner Übersetzung der Edentide-Homepage vor : „The H910 Harmonizer® was the world’s first digital effects processor.“ Ein „digitaler Effektprozessor“ kann natürlich auch ein Hall, ein Delay oder Pitch Stifter sein. Hier ist der Plural „Effekte“ wichtig: Harmonizer, Pitchshifter, Delay in einem. Es ist tatsächlich sehr schwer, zu Violator Genaueres herauszukriegen. Und manches ist – wie beschrieben – leider oberflächlich und nicht unbestätigt. Auch beim Outboard gibt es nur durch die Recall-Notizen eine Bestätigung für das Eventide 3000.
      Die einzigen, die meine Anfragen wenigstens eines Zweizeilers als Antwort würdig fanden, waren die höflichen Briten vom Church Studio
      Hi,
      Thank you for your enquiry.
      We would recommend you reach out to the Producer of this album for further information.
      Best,
      Team Church
      Was das neue Buch angeht, bin ich nach der Mailand-Anekdote des Autoren eher etwas skeptisch. Die Recall-Notizen, die das Team für die Surround-Produktion nochmal herausgekramt hatte, wären von unglaublichen Wert. Die Sache mit dem AKAI-Snaresample hatte ich beispielsweise nirgendwo vorher gelesen. Auch Alan Wilder soll relativ akribisch über die Produktion Buch geführt haben. Es gibt – so vermute ich – seitens der Band schlicht kein Interesse, jenseits von Anekdoten, den Schleier zu lüften.

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        psv-ddv  AHU

        Ja, es entsteht der Eindruck als hätte die Band kein Interesse daran diese Informationen zu verbreiten. Vielleicht fürchten Sie die Magie zu zerstören oder betrachten die Protuktionsmetoden als eine Art CocaCola Formel. Mindestens Alan Wilder wird wohl schon noch ziemlich genau wissen wie das Album produziert wurde. Seine Äusserungen zum Equipment die man im Netz findet sind immer auffällig unscharf. Bezüglich des H910 ist es wohl korrekt vom ersten digitalen Multieffektprozessor zu sprechen, wobei die gleichzeitige Verwendbarkeit der Effekte hier das entscheidende Merkmal ist. Wenn man ganz streng ist, konnte das Lexicon Varispeech zwar durch seinen Feedback Regler auch schon Flanging und Pitchshift Effekte gleichzeitig erzeugen, da das Feedback durch eine analoge Schaltung erzeugt wird, sollte dieser Punkt fairer Weise an Eventide gehen.

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          costello  RED

          Wie ein Politiker vor einem parlamentarischen Untersuchungsausschuss: „Ich erinnere mich nicht mehr“, „Da ist mir leider entfallen“, „Das ist so lange her, das kann ich nicht mehr mit Bestimmtheit sagen“ ;)

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            Hectorpascal  AHU

            Wahrscheinlich hat er einfach keinen Bock drauf. Außerdem, er ist Musiker der einfach das neueste seiner Zeit benutzt hat um großartig zu klingen. So ein richtiger Gearhead ist Wilder bestimmt nicht. Gerade noch ein altes Interview gelesen, wie er für ein Remastering alle Sounds inklusive Backings zur Verfügung gestellt hat und nach dem „ja“, „nein“-Prinzip alles richtig zugeordnet hat. Das sagt einfach alles.

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            Willemstrohm  

            Aber mal im ernst. Wüsstest du noch genau, welche Klangerzeuger du in einem Song, den du vor, sagen wir mal, 6 Jahren aufnahmst, verwendet hast? Ich nicht. Gerade dann, wenn man viel selbst baut und vieles zur Verfügung steht, isses einfach schwierig pupierig. Könnte nicht mal genau mehr sagen, was ich in den vorletzten Track alles reingekloppt hab. Warum sollte es den Leuten von DM anders gehen?

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          TobyB  RED

          Hallo psv-ddv,

          natürlich ist bekannt, welches Equipment für welchen Song und welchen Sound verwendet wurde. Auf Youtube finden sich etliche Video auf denen sich z.B. ein Alan Wilder ausführlich auslässt. Und Hardcore Logic EXS24 Usern finden davon einiges im Content wieder. Mittlerweile lassen sich die Herren ja bei Studio Sessions auf die Synths schauen. Sonst könnten die das in einer Live Situation gar nicht reproduzieren. Und da setzt man auf Apple und Mainstage/Ableton, EXS24. Synths sind nur in Form von einem Access Virus, Memorymoog, und Roland RD auf der Bühne. Fletch stand mal an einem NI Controller.

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            Violator  

            Fletch spielt doch schon lang keine Keyboards mehr bei DM, bzw. hat noch nie so richtig Keboard gespielt! Vielleicht mal eine Ein-Finger-Bassline und dann diese auch mit zwei Händen! ;-)
            Nee, Fletch war in anderen Bereichen wichtig für die Band und das ist gut so. Aber ganz gewiss nicht für’s Musikalische!

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              TobyB  RED

              Ich wollt jetzt nicht aus dem Nähkästchen plaudern. ;) Bei der SOTU hatte ich einen Backstage Pass und bei der „exklusiven“ Weltpremiere von Spirit am 17.03.2017 war ich auf Einladung der Telekom im Funkthaus Berlin dabei. Sowohl Backstage als auch vor der Bühne. Fletch seine Funktion ist schon klar. Taste drücken und cool aussehen. Nebenher die geschäftlichen Fäden im Griff haben. Managerbullshitbingo kann er spielen, Und das extrem virtuos. Da stehen selbst ein Dave und Martin stramm.

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            psv-ddv  AHU

            Moin Toby,
            mein Kommentar bezog sich auf Violator und die Vorgänger. Mit dem späteren DM Katalog bin ich leider nicht so vertraut. Mein Eindruck zur Dokumentation des Schaffensprozesses mag durchaus falsch sein. Vielleicht kannst Du mir ein paar besonders ergiebige YT Clips dazu empfehlen, oder gibt es irgendwo so etwas wie eine Liste mit Songs / Alben und den darauf jeweils verwendeten Klangerzeugern? Würde mich sehr interessieren.

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              TobyB  RED

              Hallo psv-ddv,

              https://bit.ly/3d6JCs8 z.B. such mal nach Alan Wilder Collected. So findest du schon mal einiges. Für nach Alan Wilder muss ich dann auch mal schauen, ich weiss das die mit McBeth und Tom Carpenter Zeug aufgenommen haben. Von MS 20 bis Mono/Poly war noch anderer Kram dabei. Ich guck mal das ich dir eine Playliste baue. Dein Eindruck ist richtig vom Schaffensprozess. :)

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    Violator  

    Danke für diesen wunderbaren Bericht über meinen Nickname hier auf Amazona! ;-)

    Ich habe mir damals diesen Nickname nicht ohne Grund ausgesucht.
    „Violator“ ist mein absolutes Lieblingsalbum und eines der Besten Alben, wie nicht sogar das beste Album von Depeche Mode.
    Martin Gore hat es zusammen mit seinen Männern geschafft „die“ Pophymne aller Zeiten zu komponieren.
    Wenn auch damals so nicht beabsichtigt, so hat es der Song „Enjoy the silence“ in vielen Punkten verdient, wie Text, Musik, Individualität, Aktualität nach 30 Jahren, usw. – und sogar der von der Band damals so verabscheute Videodreh, das Video zu Enjoy the Silence ist übrigens genial! – sich heute noch als „die Pophymne aller Zeiten“ nennen zu dürfen.

    Ja, hier schreibt grad ein großer Depeche Mode Fan. Es werden im Radio nicht viele Songs dieser grandiosen Band gespielt, aber wenn, dann fällt dieser sofort auf. Im „Radio-Einheitsbrei“ sticht jeder Song dieser Band auf seine Art und Weise heraus. Das ist genial.

    Ich hoffe, daß es diese Band und ihr kreatives Schaffen noch lange geben wird. Ich genieße jeden Moment mit ihrer Musik. Sowohl daheim unterm Kopfhörer als auch mit meiner Familie auf ihren Konzerten.

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      costello  RED

      So sind wir bei Amazona – der eigene Beitrag zum Nickname ;) Herzlichen Dank für Dein nettes Feedback Violator! Depeche Mode haben damals tatsächlich eine Pophymne geschaffen und ein kongeniales Album dazu. Eines , dass auch mit 30 Jahren Abstand kein bisschen angestaubt klingt. Und das will schon etwas heißen.

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        wolftarkin  

        Ist die Seite kaputt? Jeder deiner Beiträge hier hat zwei Daumen runter.
        Bis auf den letzten.
        Gibt es hier Huthasser? Und das nach einem solchen Artikel…

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          MichBeck  

          Vielleicht denken einige hier, das „Daumen-Runter“-Symbol stellt ne alte Handkamera aus den 70er Jahren mit Linsenrichtung nach links dar. Sieht ja fast genauso aus. Freunde der Super-8 sind halt überall. :)
          Könnte aber auch ein Föhn sein …

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            TobyB  RED

            Könnte auch als Linke und Rechte Handregel aus der Elektrotechnik verstanden werden. ;-)

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          costello  RED

          Ja und ich gebe rundweg zu, dass mich das sehr traurig macht. Ich habe in einigen Diskussionen, in denen rechte Positionen vertreten wurden, Stellung bezogen. Und bin vielleicht auch in einem Behringer-Thread mal jemand auf die Füße getreten. Diese Form von Rache finde ich sehr schäbig und habe das auch Peter freimütig mitgeteilt. Hier haben schon einige Autoren die Segel gestrichen (zum Beispiel Marko und der Moogulator) und ich bin gerade auch dabei, mein Engagement für Amazona ernsthaft zu überdenken. Es steckt wirklich viel Arbeit in diesen Artikeln. Peter kann dafür nur einen symbolischen Obolus entrichten. Es ist also tatsächlich das Gefühl, dass man der Community etwas gibt, was auch ein wenig wertgeschätzt wird, was einen Autoren trägt und zum Weitermachen ermutigt.

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            MichBeck  

            Ich bin ja immer ein bisschen faul, auf die Daumen zu drücken. Aber, einfach mal um dieses auffällig absichtliche Bashing etwas entgegenzusetzen, werde ich jetzt mal überall bei Dir einen Daumen nach oben drücken. Dein wirklich sehr guter Artikel und Du hat das verdient.

            „I can’t understand
            What makes a man hate another man?
            Help me understand
            People are people so why should it be
            You and I should get along so awfully?“

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            Tyrell  RED 3

            Dein Artikel hatte bis jetzt exakt 4200 Aufrufe. Überleg bitte, welche Relevanz bei dieser Summe 2 negative Daumen haben. ;-)
            Noch einen schönen Abend. 🌇
            PS: An der anderen Sache sind wir dran.

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                0gravity  

                Und alle verbalen Kommentare sind Dir ausnahmslos sehr wohlgesonnen, und das sind eine ganze Menge.
                Du würdest hier echt fehlen.

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            Elektromo

            Hallo Costello,

            bin weder bei dem Gesichtsbuch noch andere (a)ssozialen Netzwerken, insofern auch mit der Cäsarenmethode „Daumen hoch oder runter im Collosseum“ nicht so vertraut gewesen, aber habe nunmehr einfach mal beherzt + gedückt, lass Dich BITTE nicht abhalten, Deine Beiträge einzustellen. Icke würde deine langen, gutrecherchierten und gut zu lesenden Beiträge echt vermissen…Siehe gestern … gerade einem Freund, welcher mir den Link zu „V“ schickte, empfohlen, Deine anderen Beiträge zu lesen … Nicht Unterkriegenlassen von (virtuellen) Daumen ! LG aus der weitläufigen Nachbarschaft in Berlin

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          peter_mahr  

          Leider wird es hier den Kleingeistern auch leicht gemacht, da nicht nur anonym bewertet wird, sondern auch die Möglichkeit einer Mehrfachbewertung besteht. Das führt das ganze Bewertungssystem im Prinzip ad absurdum.

          Costello – der gewohnt liebevolle, sicher zeitintensiv recherchierte, in erster Linie aber hervorragende Beitrag. Danke dafür! Meine mit Abstand liebste Produktion von Depeche Mode ist die „Ultra“. Sagt eh alles aus, oder? :-)

          ps: Für die Kleingeister, bitte Vorsicht, der Daumen runter ist der rechts. Nicht, dass da irrtümlich der links gedrückt wird.

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    costello  RED

    Ich danke euch für den Zuspruch und auch Peter dafür, dass er mit den nackten Zahlen mir den Kopf gerade gerückt hat. Und klar mache ich hier weiter – was hilft’s. Ich kann eh die Tinte nicht halten :) Und der oder diejenigen, die mit mir nicht klarkommen, können mir gerne eine PM schicken. Vielleicht lässt sich dann der Grund für den gegenseitigen Frust besprechen und sogar ausräumen. An mir soll es nicht liegen.

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      Hectorpascal  AHU

      Hey, ich dachte da kommen noch viele geile Soundbeispiele aus deinem Prism Sound Orpheus? ;) Du hast deine Standpunkte aber ich hatte nie das Gefühl von Unfreundlichkeit oder Geringschätzung! Der Daumen sollte ohnehin nur nach oben zeigen und ein Doppeldaumen für besonders große Zustimmung eingeführt werden. Ich hatte auch einige Hassmails über PN die weeeeit über das hier gepostete hinausgingen aber Peter ist cool und du solltest diesen Leuten bitte bitte auch keinen Erfolg gönnen.
      Cheers my dear (mit Kaffee) aus dem wunderbar ruhigen Duisburg, Scheiß auf den Hectorpascal, ich heiße Marko R. Die Linke Hand erhoben zum Corona-Gruß! :)

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        costello  RED

        Hi Marko, ich muss gerade so breit grinsen – wegen des Orpheus! Jetzt ist auch Schluss von meiner Seite mit dem „Mimimi“. Jeder ist halt mal angefasst. Und manchmal tut dann so ein bisschen Schulterklopfen richtig gut, A little hug from time to time. Beste Grüße vom Costello, der eigentlich Christian heißt

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      costello  RED

      Danke Hejasa, ich habe auch noch eine klitzkleine Liste von Themen, die ich hier gerne vorstellen würde ;-)

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        Engholm  

        Aber nichts über KISS bitte !

        Ich hab die großen 3 von DM als 5.1
        Gerade Violator ist da der absolute Oberhammer. Insbesondere Silence… „All I ever wanted…“ Eeeeeooooowwww…. Da schwebt der Subwoofer 5cm überm Boden und die Nachbarn auch :-)

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          costello  RED

          Ich mache garantiert nix zu KISS. Für die harten Gitarrenbretter ist bei Amazona doch der Dimi verantwortlich. Tja, in Quarantäne und Home Office hat man viel Zeit, die Nachbarn mit guter Musik bekannt zu machen ;)

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                  TobyB  RED

                  Möge er in Frieden ruhen. Mir würden zu DAF spontan „Die Kleinen und die Bösen“ und für mich Conny Planks ProduktionsMeisterwerk „Alles ist gut“ einfallen.

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    Piet66  RED

    Wow, eine weitere Perle.

    Qualitätsjournalismus mit Herz und Leidenschaft – vielen Dank, Costello!

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    Marco Korda  AHU

    Hey Costello, vielen Dank für den Ritt in die Vergangenheit. Keine Frage, Violator war ein Meilenstein der Popgeschichte. Ich bin SEHR großer DM-Fan. Violator hat komischerweise bei mir seltsames ausgelöst. Einerseits erkannte ich das Hitpotential und sang jeden Titel rauf und runter mit. Die Scheibe (VINYL) war auf heavy rotation in der „soeben Erwachsen“-Stube. Und trotzdem war ich irgendwie weniger verzaubert als andere. Ich habe es lange selbst nicht verstanden…..

    Heute weiß ich es: Ich bin erst bei Some Great Reward voll eingestiegen. Die Platte hatte mich umgehauen und mein musikalisches Weltbild verrückt. Plötzlich war ich im Industrial-Synth-Pop (oder so ähnlich)-Himmel. Ich mochte das Metallische, Derbe, Sexualisierte der Platte ungemein. Die Gitarren von Violator, so genial sie auch waren, haben mich nie so gefangen wie SGR. Und trotzdem: musikalisch ein tolles Album! Vielen Dank für die Ein- und Rückblicke.

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