Making of: Tears for Fears, Songs from the Big Chair

11. Januar 2020

Tears for Fears - Lass alles raus!

Tears for Fears konnte man 1985 nicht entrinnen. Wann immer man das Radio anschaltete –  über kurz oder lang schallte die triumphierend-marschähnliche Hymne „Shout“ aus dem Lautsprecher. Die Single-Auskopplung aus Tears for Fears zweitem Album „Songs from the Big Chair“ war in Deutschland ein Nummer 1-Hit. 20 Wochen konnte sich der Ohrwurm in den Charts halten. Und wenn „Shout“ mal pausierte, dann lief garantiert ihr Superhit Nummer 2: „Everybody Wants to Rule the World“.

Tears for Fears: Vokuhila und Drumcomputer

Statt introvertierter Synthesizermusik wie noch auf dem Vorgängeralbum „The Hurting“ boten die beiden Tears for Fears-Masterminds Roland Orzabal und Curt Smith dieses Mal ganz großes Poptheater: verzerrte Gitarren, säuselnde Saxofone & Big Beats. Dazu Sampler, Synthesizer, Drumcomputer und Sequenzer. Keine Frage – „Songs from the Big Chair“ sind ein typisches Produkt der Achtziger. Aber eben auch ein Meisterwerk. Und deshalb sollte man sich durch das Cover nicht abschrecken lassen.  Genauer gesagt durch die Frisuren der beiden recht ernst schauenden Jungs: Engelslöckchen und Vokuhila sind natürlich absolut dated. Ihre Wahnsinnsmusik ist es nicht. Das Titelstück „Shout“ fällt gleich mit dem Chorus ins Haus – und der elektrisiert bis heute.

„Shout/  let it all out/  These are the things I can do without/

Come on/ I’m talking to you/ Come on“

Im Schatten des Mega-Hits

Das freilich war und ist auch ein wenig der Fluch des Albums.

Neben dem monumentalen Titelstück „Shout“, das schon durch seine Länge von sechseinhalb Minuten hervorsticht, muss der Rest zwangsläufig verblassen. Wobei „verblassen“ vielleicht etwas hart formuliert ist. Denn von den acht Songs des Albums wurden immerhin fünf als Singles veröffentlicht. Die es allesamt in die Charts schafften.

Trotzdem – ich erinnere mich noch recht gut: „Shout“, „Everybody Wants to Rule the World“ und auch das euphorische „Head over Heels“ landeten auf den damals so beliebten Kassetten-Kompilationen für Feten und wurden rauf- und runtergespielt. Das ganze Album habe ich mir – wenn ich ehrlich bin –  nur höchst selten zu Gemüte geführt. Das ist schade! Denn so entgehen einem dann Perlen wie „The Working Hour“ mit dem wunderbaren Saxofon-Intro, bei dem man glauben könnte, man habe versehentlich ein Album von Kenny G aufgelegt. Oder das soulige „I believe“,  bei dem ebenfalls William Gregory mit herrlichem Saxofonspiel aufwartet.  Diese Lieder habe ich jetzt beim Wiederhören neu für mich entdeckt. Anderen Songs, wie dem rockigen „Broken“ oder dem überproduzierten „Mother’s Talk“, konnte ich damals nicht viel abgewinnen. Und sie berühren mich auch heute nicht sonderlich. Aber das ist natürlich Geschmackssache.

Die ewige Sehnsucht der Briten nach den USA. „Songs from the Big Chair“ brachten Tears for Fears den erhofften Durchbruch in den Staaten. (Foto: Costello)

Tears for Fears: „We had no clue they’d be hits“

Den Erfolg in Deutschland haben Tears for Fears bestimmt dankbar zur Kenntnis genommen. Viel wichtiger war freilich, dass beide Singles Nummer 1-Erfolge in den USA wurden. Denn Tears for Fears hatten „Songs from the Big Chair“ für den US-Markt förmlich maßgeschneidert. Die ganze Produktion war auf einen Durchbruch in den USA hingetrimmt – wie wir später noch sehen werden. Auch wenn Sänger Curt Smith versucht, den Ball flach zu halten: „We’re the kind of people who try and make the best album we can at the time; the rest either happens or doesn’t…we had no clue they’d be hits.“ (Paul Lester: Liner Notes to Songs From The Big Chair, Deluxe Edition) Sind sie nicht ganz wundervoll, diese bescheidenen Musiker aus dem Westen des Vereinigten Königreichs? Nun, zu dem großen Erfolg in den USA verhalfen auch die Musikvideos zu den beiden großen Hits „Shout“ und „Everybody Wants to Rule the World“, die MTV damals in „Heavy Rotation“ spielte. Auch zu den Videos hat Smith einen Kommentar auf Lager, dem man nicht widersprechen möchte: „Looking back at the videos – god, they were awful! The way we looked. They weren’t particularly clever.“

Nicht nur die Singles, auch das ganze Album schaffte es in den Staaten auf Platz 1, wo die Band Fünffachplatin abräumte. In ihrer Heimat Großbritannien reichte es für einen zweiten Rang in den Chartplatzierungen und zweimal Platin. In Deutschland erklommen die „Songs from the Big Chair“ Platz eins und es gab Gold. Mit dieser Bilanz konnten sich „Tears for Fears“ tatsächlich als „Rulers of the (Pop) World“ fühlen.

Vom Ska zum Synthi-Pop

Dieser Erfolg mag überraschend erscheinen – wie Kai aus der Kiste kam er aber keineswegs. Roland Orzabal und Curt Smith hatten Tears for Fears 1981 in der westenglischen Stadt Bath gegründet. Da waren sie aber bereits ein eingespieltes Team. Die beiden hatten schon als Teenager Anfang der siebziger Jahre gemeinsam Musik gemacht. Und mit ihrer Mod-Revival Truppe „Graduate“ erste Erfolge eingeheimst –  in Deutschland, Spanien und auch in Griechenland. Ein TV-Auftritt im spanischen Fernsehen dokumentiert „Graduate“ im Beatles-Look mit dem Song „Elvis should play Ska“.

Gar nicht so übel, klar ist aber auch: Hätten sie einfach da weiter gemacht, wären sie wohl kaum ein Nummer 1-Act geworden. Orzabal spürte wohl auch, dass Ska nicht gerade das ideale musikalische Vehikel darstellte, um seine eher düsteren, depressiv gefärbten Textideen zu transportieren.

Tears for Fears – Musik als Urschrei-Therapie

Der Name „Tears for Fears“ entstammt einer Kapitelüberschrift aus dem bekannten Buch des Psychotherapeuten Arthur Janov „Primal Scream“. Janov legt in seinem Buch „Der Urschrei“ dar, dass frühkindliche traumatische Erfahrungen einen prägenden negativen Einfluss auf das gesamte weitere Leben haben können. Viele erwachsene Neurosen hätten in diesen unverarbeiteten Kindheitserlebnissen ihren Ursprung und würden zur Unterdrückung von Gefühlen führen. Das Wiedererleben dieser frühen schmerzhaften Erfahrungen und Erlebnisse – so Janovs These – könne diese Erinnerungen mildern und die Wunden aus der Kindheit schließen. Dieser Ansatz ist wissenschaftlich umstritten, war damals aber sehr in Mode und wirkte sich auch in der Pop-Kultur aus. Beispielhaft sei hier die 1982 gegründete schottische Band „Primal Scream“ genannt und ihr großartiges Album „Screamadelica“ von 1991. Auch John Lennons „Plastic Ono Band“ von 1970 ist von Janovs Theorien beeinflusst.

Das Cover des ersten Tears for Fears-Album „The Hurting“ macht klar: Hier wird eine schwierige Kindheit verarbeitet.

Unglückliche Jugend

Janovs Buch machte großen Eindruck auf Orzabal, der als Scheidungskind mit seiner Mutter zusammenlebte, und häufiger unter depressiven Episoden litt. Orzabal drückte es seinem Kumpel Smith in die Hände, der ebenfalls an der frühen Scheidung seiner Eltern zu knabbern hatte, und – um Aufmerksamkeit zu bekommen – in seiner Schule schon mal Fotoapparate geklaut hatte. Orzabal erinnert sich an seine Besessenheit, mit der er seine Umgebung von den Vorzügen von „Primal Scream“ überzeugen wollte: „I rushed out to everybody I knew and started blubbering to them about it. Everybody thought I was a nutter. The only person who could see any sense in it was Curt.“ (David Fricke: Tears for Fears, Rolling Stone 6. Juni 1985)

Weltschmerz und selbstgestrickte Pullover

Bei Curt Smith rannte er damit offene Türen ein: Das Resultat war das erste „Tears for Fears“-Album, das 1983 erschien. Der Titel war programmatisch: „The Hurting“. Dieser Schmerz war auch bei der Single „Mad World“ überdeutlich zu spüren, die in den UK-Charts Platz 3 erreichte: Die Zeile „The dreams in which I’m dying are the best I’ve ever had“, lässt den damaligen Gemütszustand Roland Orzabals erahnen. Dazu gab es auch ein formidables Video, das Kultstatus erlangte. Nicht nur wegen der Frisuren, sondern auch wegen Orzabals eigentümlich eckigen Ausdruckstanzes, der in den New Wave-Diskotheken bald viele Nachahmer finden sollte. Erwähnenswert auch Smiths flauschiger Pullover, der ohne Hemd direkt über dem T-Shirt getragen wurde. Damals wurden viele strickende Freundinnen, Omas und Tanten von ihren Liebsten, Enkeln und Neffen gebeten, eben einen solchen Pullover nachzustricken ;-)

Auf der Suche nach der neuen Leichtigkeit

„The Hurting“ war für die Fans melancholisch angehauchter Synthesizermusik ein tolles Album – keine Frage. Mit ihrer ebenso genauen wie schonungslosen Beobachtungsgabe hatten Tears for Fears das bourgeoise Leben ihrer Heimatstadt Bath seziert: “Worn out faces / Bright and early for their daily races.“ Smith und Orzabal erkannten im Nachhinein selbstkritisch, dass sie sich auf ihrem ambitionierten aber auch ein wenig humorlosen Erstling wohl etwas zu ernst genommen hatten.

„There was a fear, that people would think we were indoctrinating them“, gestand Orzabal 1985 dem Magazin Rolling Stone. Und deshalb beschlossen sie den „Songs aus dem großen Sessel“ einen kommerzielleren Sound zu geben.

Der „Adam & the Ants“-Produzent Chris Hughes hatte bereits „The Hurting“ betreut und das große Potential der Band erkannt. Orzabal war damals bereits ein gereifter Song-Schreiber. Aber auch handwerklich hatten die Jungs etwas zu bieten: „I think it was very obvious they were extremely musical…I  must admit, I thought they were very talented players as well. They had good keyboard, bass, and guitar playing skills.“ (Chris Williams: „Key Tracks: Tears for Fears’ Songs from the Big Chair“ 19. März 2015 auf Red Bull Music Academy)

Produktionsstart mit Hindernissen

Nach dem Erfolg von „The Hurting“ entschwanden die Herren Orzabal und Smith erstmal und zogen ihr Ding durch: Tourneen, TV-Auftritte und ein bisschen Popstar-Rummel.  Und natürlich komponierten sie auch neue Stücke. Während des Konzerts „In My Mind’s Eye“, das Tears for Fears im Dezember 1983 im Hammersmith Odeon in London aufführten, stellte die Band drei brandneue Songs vor: „The Working Hour“, „Mother’s Talk“ und „Head over Heels“. Alle drei finden sich auf „Songs from the Big Chair“. Hier der Konzertmitschnitt, der zeigt, dass Tears for Fears damals auch eine großartige Live-Band waren.

Als die Band Anfang 1984 mit den Aufnahmen zu dem Song „Mother’s Talk“ begannen, holten sie sich einen frischen Produzenten an Bord: Jeremy Green. Doch die Zusammenarbeit führte nicht zu den gewünschten Ergebnissen. Ihr alter Produzent Hughes war wieder im Spiel. Der sagte gerne zu, gibt aber in der Rückschau zu, dass es damals ein holperiger Start war. Die scheinbar so gut geölte Maschine Tears for Fears ruckelte und stockte. Es gab Diskussionen zwischen der Band und ihrem Produzenten. „Various issues“, wie man so schön im Englischen sagt. Und es kam der Punkt, an dem Orzabal schließlich den gegenseitigen Frust beenden wollte: „We kind of want to do this record on our own.“ (Chris Williams: „Key Tracks“)

Ohne Drumcomputer wie den Drumulator von E-mu Systems wäre die Musik von Tears for Fears nicht denkbar gewesen.

Der amerikanische Ansatz

Das Ende vom Lied: Nach ein paar Wochen, in denen die Band alleine vor sich hingebosselt hatte, erhielt Hughes wieder einen Anruf von Orzabal. Sie hätten alles noch mal überdacht und wollten das Album nun doch gemeinsam mit ihm produzieren.

Und das war wohl eine weise Entscheidung. Sonst wäre das Tears for Fears-Album Gefahr gelaufen, am Ende nur ein billiger Abklatsch von Depeche Mode zu werden. Schlimmstenfalls. „The tendency in Britain at the time was to make clever, introverted synth-pop records, and we had done that with The Hurting“, erinnert sich Hughes in einem Interview. „I thought Roland’s songwriting was universal and that we could have a more American, if you will, type of record.“ (Heather Johnson: „Classic Tracks: Tears for Fears’ ’Everybody Wants to Rule the World’“, 1.August 2007 auf Mixonline)

Eine Dosis Springsteen aufs Ohr

Orzabal und Smith schotteten sich damals musikalisch keineswegs ab. Ganz im Gegenteil: Sie hörten eine Menge Musik und wussten recht genau, was Bands wie Depeche Mode, U2 oder Simple Minds gerade so trieben. Sie hörten aber auch Robert Wyatt, die Beatles und viele alte Sachen. Vor allem aber brachte ihr Produzent sie dazu, sich ausgiebig mit US-Rock auseinanderzusetzen, erinnert sich Sänger Curt Smith: „That’s when we started listening to Steeley Dan – even, dare I say it, to Bryan Adams, before he took off. And Bruce Springsteen. It was really to broaden our horizons more than everything else.“  (Paul Lester: Liner Notes to Songs From The Big Chair, Deluxe Edition)

Da braucht man sich über eine Soul-Nummer wie „I Believe“ mit  süffigem Saxofon-Spiel also nicht zu wundern.

Her mit den E-Gitarren

Der etwas offenere und leichtere Ansatz sollte die gesamte Konzeption des Albums bestimmen. Und das bedeutete für Sänger Curt Smith auch, den Einsatz von Hightech etwas einzuschränken:  „The Hurting really was influenced by modern technology at that time. Songs From The Big Chair expressed our desire to move on from there.“ (Liner Notes zur Deluxe-Edition) Und so wurde folgerichtig auch bei der Instrumentation das Repertoire verändert und erweitert. Tears for Fears hatten auf  „The Hurting“ state of the art-Elektronik eingesetzt: Polyphone Synthesizer, digitale Drumcomputer, MIDI-kontrollierte Keyboards.

Ihr Produzent hatte auch keineswegs vor, den ganzen Hightech-Kram auf den Dachboden zu verbannen: „I felt that we should keep the synths that we loved, but re-introduce guitars.“ Für Orzabal war das anfangs wohl etwas viel Innovation, vielleicht befürchtete er einen Rückfall in die Zeiten von „Graduate“: „Roland was reluctant to at first, but once we recorded ‚Mother’s Talk’, we had hit on the style of what the album could be.“ (Heather Johnson: „Classic Tracks)

Roland Orzabal spielte Mitte der 80er eine Fender Walnut „The Strat“. Das abgebildete Exemplar wurde auf Reverb für 5.000,- US-$ angeboten.

Im Banne des Zeitgeistes

Nun –  „Mother’s Talk“ wurde zum Glück nicht die Blaupause für das ganze Album. Die Liner Notes der Deluxe-Neuedition von Tears for Fears „Songs from the Big Chair“ feiern den Song zwar als „superb collision of the soulful and synthetic, featuring real instruments as well as the latest state of the art hi-tech gadgetry“. Für mich klingt der Song überproduziert, das gigantische Schlagzeug und die Orchestra Hits zu sehr nach Mitte 80er. Das war der Zeitgeist damals. Duran Duran hatten auf ‚Big Boys’ – erschienen 1984 – einen ganz ähnlichen Drumsound. Ich habe hier zumindest Curt Smith auf meiner Seite – der mag das Lied auch nicht sonderlich.

Aber das mit den Gitarren war wirklich ein guter Einfall. Einer der schönsten Songs auf der Platte – „Head over Heels“ –  erhält Saft und Kraft vor allem auch durch die formidable Gitarrenarbeit. Und  selbst „Shout“ wartet mit einem melodischen Gitarren-Solo auf. Ob Orzabal dem Thema wirklich anfangs skeptisch gegenüberstand, wie Produzent Hughes behauptet? Ich denke eher, Hughes hat eine Entwicklung befördert, die sich damals ohnehin abzeichnete: Schließlich sieht man Roland Orzabal schon auf dem Londoner Konzert im Hammersmith Odeon Ende 1983 mit E-Gitarren hantieren – und das war vor Beginn der Plattenaufnahmen. Auch für Curt Smith war es der notwendige Schritt, um sich einem breiteren Publikum zu öffnen und die düstere, eigenbrötlerische Stimmung des Vorgängeralbums zu überwinden: „We found the need to be more outgoing on The Big Chair, and the use of big guitars and the things that we shied away from before allowed us to do that.“ (Liner Notes zur Deluxe-Edition)

Tears for Fears steht auf dem Case. Es enthält Ausrüstungsteile einer Tournee der Band, die vom Gardiner Houlgate Auktionshaus 2019 versteigert worden sind. Für 25.000 Pfund sicherte sich dabei Uli Behringer eine Reihe von Vintage-Instrumenten. Amazona.de berichtete darüber. Fotos der Original-TFF-Instrumente wurden zur Illustration dieses Artikels herangezogen.

Tears for Fears – Keine Zwei-Mann-Show

Wenn ich bisher die Band und ihre beiden Hauptprotagonisten Orzabal und Smith praktisch synonym gesetzt habe, dann ist das natürlich nur die halbe Wahrheit. Die beiden waren das Gesicht der Band, die Frontmänner. Beide sangen, Curt spielte Bass, Roland die Gitarre und setzte sich auch an die Keyboards. Aber mindestens den Schlagzeuger Manny Elias und den Keyboarder Ian Stanley muss man als feste Tears for Fears-Bandmitglieder dazuzählen.

Hinzu kamen noch weitere Musiker, die an der Produktion von „Songs from the Big Chair“ beteiligt waren: am Saxofon der bereits erwähnte William Gregory, der bei „The Working Hour“ von Mel Collins als zweiten Saxofonisten unterstützt wurde. Der Gitarrist Neil Taylor (bekannt durch seine lange Zusammenarbeit mit Robbie Williams) spielte das Solo auf „Broken“ und das zweite Solo auf „Everybody want’s to rule the world“.  Bei „The working hour“ saß Andy Davis am Klavier und Jerry Marotta an den Drums. Davis spielt auch bei „Head over Heels“ den Flügel. Speziell das Piano-Intro dieses Songs ist sehr catchy. Für den Chorsound im gleichen Song zeichneten Sandy McLelland, Annie McCaig und Marilyn Davis als Backing Vocals verantwortlich.

Auch Produzent Chris Hughes wirkte fleißig mit: Er war vor allem für das Programming der Drumcomputer zuständig. Zum Einsatz kamen ein E-mu Drumulator und eine LinnDrum. Und bei „Shout“ setzte sich Hughes auch selbst ans Schlagzeug und ergänzte die beiden synchronisierten Drumcomputer mit echten Beats.

Produzent Hughes programmierte die LinnDrum. Dieses Exemplar stammt aus dem Besitz von Tears for Fears und wurde von Uli Behringer bei einer Auktion ersteigert.

Produktion im Heimstudio

Keyboarder Stanley kam im Bandgefüge eine besondere Bedeutung zu.  Er besaß ein Homestudio, in dem die Band ungestört ihre Ideen entwickeln konnte, wie Produzent Hughes berichtet: „We basically camped out at his house. The studio there was his own of kind of hobby studio, really. It wasn’t like a professional recording studio. We just built the record up over time at his place.“ (Chris Williams: Key Tracks“)

Tatsächlich war Ian Stanleys Heimstudio gar nicht schlecht ausgerüstet: Der Vorschuss der Plattenfirma für die zweite Scheibe war sinnvoll investiert worden: Das alte Achtkanal-Tonband wurde gegen ein Gerät mit 24 Spuren ausgewechselt. Und gemischt wurde über eine neue Soundcraft-Konsole mit 32 Kanälen. Im Übrigen wurde das ganze – sehr geräumige Haus – für Aufnahmen benutzt. Im Wohnzimmer stand ein Flügel. In Ian Stanleys Arbeitszimmer wurden einige Saxofonaufnahmen gemacht. Für die Schlagzeugaufnahmen nutzte die Band sowohl ein sehr kleines Zimmer als auch die große Lounge: „The record was very organic. We would record something in a certain place. There was no soundproofing. Sometimes we had the doors open. We had free run of the house, and we did anything we wanted to do.“ (Chris Williams: „Key Tracks“) Manchmal stellte Produzent Hughes aber auch fest, dass eine Aufnahme wiederholt werden musste, weil er für die Abmischung der Schlagzeug- und Bassspuren eine saubere Trennung benötigte.

Tears for Fears – Öfter mal ein frisches Band auflegen

Ian Stanley, der auch mitkomponierte, Roland Orzabal, Produzent Hughes und der Toningenieur Dave Basecombe bildeten die Kerngruppe. Sie entwickelten in diesem Homestudio eines der erfolgreichsten Alben der achtziger Jahre. Gearbeitet wurde 5 Tage in der Woche in der Regel ab 10 Uhr für 9 oder 10 Stunden. Roland Orzabal hatte einige der  Songs komplett selbst geschrieben: „Broken“ und das Robert Wyatt gewidmete „I believe“. Andere Lieder entstanden dagegen als Gemeinschaftsleistung im Studio.

Manchmal hatte Orzabal einen tollen Gitarrensound, der aber zu dem Stück, an dem man gerade arbeitete, nicht so recht passen wollte. Dann wurde ein neues Band aufgelegt. So kam es vor, dass an zwei, drei Stücken gleichzeitig gewerkelt wurde. „Primarily, it would be Roland, Ian, and I working things out like harmonies and building decorations and other elements to the songs. Input came from everybody at different times, but the main arrangements and the building blocks of how the tracks would go were sorted out by Roland, Ian, and I.“ (Chris Williams: Key Tracks“)

Hier das Video zu Head over Heels, in dem auch Keyboarder Ian Stanley (mit dem Jupiter 8) und Drummer Manny Elias zu sehen sind..

Tears for Fears – Früher Konfliktstoff

Oops – und wo bleibt Curt Smith? Der schaute – so berichtet es zumindest Produzent Hughes – gelegentlich vorbei, steuerte die eine oder andere Idee bei: „…and did loads of singing and bass playing, but he wasn’t actually in the core of the decision making and creative processes at the time.“ (Chris Williams: „Key Tracks“) Credits als Co-Autor hat Smith tatsächlich nur bei „Head over Heels“, das freilich zu meinen Lieblingsstücken auf dem Album gehört.  Im Übrigen besaß Smith ein Vetorecht, wenn ihm Entscheidungen, die das Produktionsteam getroffen hatte, nicht zusagten. Man gewinnt tatsächlich den Eindruck, dass Produzent Hughes in dem ausführlichen Interview mit der Red Bull Music Academy an diesem Punkt ein wenig ins Rumeiern gerät. Denn natürlich kennt er das damalige Gerede, wonach „Smith in der Öffentlichkeit als rein gutaussehender Frontmann skizziert wird, der vom Talent seines Kollegen zehrt, quasi der Andrew Ridgley von Tears For Fears“. (Tears for Fears – Portrait auf laut.de)

Deshalb betont Hughes denn auch immer wieder, dass er den Beitrag von Smith auf keinen Fall klein reden möchte. „I’m not excluding him on any level because his involvement was invaluable. It’s just that he wasn’t there daily.“ (Chris Williams: „Key Tracks“) Vielleicht liegen hier aber genau die frühen Ursachen eines Konflikts, der erst später voll ausbrechen sollte: 1989, als das Album „The Seeds of Love“ erschien, das viel Geld verschlang und trotz des Charterfolgs des Titelstücks letztlich die hohen Erwartungen nicht erfüllte. Wohl auch weil viele Fans mit dem neuen zwischen Beatles und Jazz oszillierenden Tears for Fears-Sound etwas überfordert waren. Damals krachte es ganz gewaltig zwischen den alten Freunden Orzabal und Smith. Als Konsequenz verließ Smith die Band.

Zum Glück gab es ein Happy End. Orzabal und Smith haben sich vor nun 20 Jahren ausgesöhnt, arbeiten wieder zusammen und touren. Aber damit haben wir weit vorgegriffen. Denn in unserer Geschichte ist die Band ja gerade dabei, ihr epochales Meisterwerk einzuspielen.

Diesen Prophet-5 setzten Tears for Fears auf einer ihrer Tourneen ein.

Tears for Fears – Das Equipment

Bereits auf „The Hurting“ hatten Tears for Fears Tonnen von hochwertigem Equipment verwendet. Dem „Music Maker“ berichtete Roland Orzabal im März 1983, dass er einen Roland Jupiter 8, das Roland Modular System 100M, den Sequential Circuits Prophet 5 und den Korg Polysix einsetzen würde. Zusätzlich nutzte er am Prophet 5 den SC Polysequenzer und programmierte auf einem Roland MC4 Multilayer-Sequenzen.

Interessant auch, dass Orzabal als Gitarrist die Zukunft eher bei den elektronischen Instrumenten sah: „As I’m primarily a guitarist all my songs are written using the guitar and translated to keyboards. I use synthesisers for orchestration, dynamics and general experimentation. I also believe that the future of popular music will rely heavily on electronics and digitally sampled sounds, as used in the Emulator and Linn drum machine.“ Orzabal war sich damals sicher, dass Synthesizer ihr volles Potential noch gar nicht ausgeschöpft hätten, „as extremely emotive instruments and not the ‚cold‘ inhuman instruments they are often labelled.“ (Musik Maker, März 1983 auf Muzines.de)

Zu den neuen Instrumenten, die Tears for Fears auf ihrem Album „Songs from the Big Chair“ benutzten, gehört auch Yamahas Meilenstein DX7

Für die Produktion von „The Songs from the Big Chair“ wurde die Palette der Instrumente deutlich erweitert: Um einen Fairlight CMI, einen PPG Wave, den Roland MKS-80 „Super Jupiter“ und den Yamaha DX7. Ebenso kamen ein Flügel und eine Hammond-Orgel („Shout“) zum Einsatz. Dazu gesellten sich nach Angaben des Produzenten „a rack of guitars, a Steinberger Bass, a Fender Stratocaster and a Gretsch maple drum kit. Those instruments were the kind of workhorse elements to the sound.“ (Chris Williams: „Key Tracks“) Auf Videos von Live-Auftritten sieht man Roland Orzabal mit seiner Fender Walnut „The Strat“. Während der Hurting Tour hatte Orbazal eine Telecaster und eine Ovation gespielt. Auch ist er mit einer Gibson Firebird Vintage zu sehen. Möglich, dass diese Gitarren auch auf „Big Chair“ eingesetzt wurden, ebenso wie der Amp Roland JC-120 Jazz Chorus.(vergl. Equipboard Roland Orbazal)

“Everybody Wants to Rule the World”

Wie diese Instrumente bei der Produktion des Songs “Everybody Wants to Rule the World” zusammenwirkten, haben Toningenieur David Bascombe und Produzent Hughes aufgedröselt: Produzent Hughes programmierte einen Großteil der Drums. Die Snare wurde vom gerade zuvor produzierten Song „Shout“ übernommen und lediglich etwas höher gestimmt. Ich meine, wenn man schon mal viel Mühe in einen guten Snare-Sound gesteckt hat – warum nicht? Hi-Hat und Shaker kamen von der Linn Drum, die Kick Drum vom Fairlight. Für den Bass setzte Curt Smith den PPG Wave ein. Der DX 7 steuerte die Synthpattern bei. Die elektrischen und akustischen Gitarrenparts teilte sich Roland Orzabal mit dem Session-Musiker Neil Taylor.

Den markanten Bass-Sound des PPG Wave 2.2 verwendeten Tears for Fears bei ihrem Hit „Everone wants to rule the Word“ ein. Ob es sich dabei wohl um dieses Instrument der Band handelte, das kürzlich versteigert wurde?

Und zum Skifahren nach München

Der Gesang von Curt Smith und Roland Orbazal wurde allerdings nicht in Ian Stanleys Homestudio aufgenommen, sondern in einem der Mixing Studios. In diesem Fall war es das Union Studio in München, wo ein Neumann TLM 170 eingesetzt wurde. Das TLM 170 ist ein umschaltbares Großmembranmikrofon mit fünf Richtcharakteristiken, die alle besonderes ebene Frequenzgänge aufweisen. Ein sehr neutrales Mikrofon, das bei Toningenieuren einen guten Ruf besitzt. Ausgesucht hatten die Musiker das Studio allerdings, weil dort eine Konsole des renommierten britischen Mischpultherstellers Solid State Logic stand: “We wanted to mix on an SSL, but not in England“, erzählt Produzent Hughes: “ So we looked through the SSL guide and found one in Munich!” Was sich gleich noch mit ein bisschen Skifahren verbinden ließ. (Heather Johnson: „Classic Tracks“)

Die aktuelle Version des Neumann TLM 170R kostet rund 2.400- Euro. (Foto Thomann)

Der nicht ernstgenommene Hit

Das Pop-Geschäft ist unberechenbar und auch oft ungerecht: Manchmal quält sich eine Band so richtig ab, und am Ende waren alle Mühen umsonst. Manchmal arbeitet sie wirklich hart über Monate an einem Stück und die Rackerei trägt tatsächlich Früchte – so war es bei dem Hit „Shout“. Und manchmal nehmen Musiker eine Idee gar nicht recht ernst, denken, das ist eigentlich das Wegwerfstück des Albums, das Füllsel – und sind dann überrascht, dass der Song alle Erwartungen übertrifft und beim Publikum total einschlägt. So war es bei “Everybody Wants to Rule the World”.

Glaubt man Produzent Hughes, dann mussten Tears for Fears in diesem Falle zum Jagen getragen werden. Erschöpft von der endlosen Arbeit an „Shout“, kam Roland Orzabal eines Tages ins Studio und klimperte zwei Akkorde auf seiner Gitarre. Produzent Hughes spitzte die Ohren, aber Orzabal winkte ab. Ach, das sei gar nichts, es würde ein bisschen nach ‘On the Waterfront’ von den Simple Minds klingen. Hughes ließ nicht locker und programmierte die beiden Akkorde mit einer Bassbegleitung in einen MIDI-Sequenzer. Hughes ließ das Pattern ständig laufen und bat Orzabal inständig, etwas daraus zu machen: “Roland was really not interested. I said, ‘You have to go away and write this song! I know it’s only two chords, but it’s really, really good.’“(Heather Johnson: „Classic Tracks“)

Everybody Wants to Rule the World

Auch Orzabals Frau Caroline hörte das Songfragment und fand es sehr gelungen. „Erzähle das bitte Deinem Mann, dem liege ich schon seit zwei Wochen damit in den Ohren“, gab ihr Hughes mit auf den Weg.  Endlich war Roland Orzabal weichgekocht und erbarmte sich. Er schrieb eine Chorus-Linie. Und damit war der Knoten geplatzt. Sie brauchten gerade mal eine Woche, den Song fertig zu komponieren. Auch der Mix ging leicht von der Hand. “We only mixed this track once”, erzählt Toningenieure Bascombe: “It came together easily. With the other songs, there was a lot of second-guessing, making sure every sound was really pushing the band. But this was more straightforward.” Und Hughes ergänzt, dass diese völlige Mühelosigkeit  sich nach den endlosen Mixorgien bei den übrigen Songs wie eine frische Brise anfühlte: “It was up on its legs too quick to over-fuss it.” (Heather Johnson: „Classic Tracks“) Genau so ist es: Dieser Song shuffelt und groovt einfach fröhlich vor sich hin.

Das Meisterstück: „Shout“

„Shout“ war das ganze Gegenteil davon. Mehr Richtung „Blut, Schweiß und Tränen“. Tears for Fears hatten da schon ein paar starke Songs aufgenommen. Darunter „Head Over Heels“ and „The Working Hour“. Orzabal konnte Phonogram davon überzeugen, dass diese Songs die neue Platte tragen würden. Klar war aber auch: Noch ein richtig starker Song mehr wäre garantiert nicht von Schaden. Produzent Hughes berichtet, wie eines Montagmorgens Ian Stanley ihm erzählte, dass er am Wochenende Roland besucht hätte: „He played me a little demo with a drum box and a little synthesizer. I don’t think he has recorded it yet as a demo, but you got to get him to play it for you.” (Chris Williams: „Key Tracks“) Gesagt, getan. Roland baute seinen kleinen Technik-Fuhrpark auf, startete den Drumcomputer und begann zu singen: „Shout. Shout. Let it all out.“ Hughes war elektrisiert: “Guys, we have to stop what we’re doing and record this now.”

Hughes erntete keinen Widerspruch. Das Potential dieses Liedes scheinen alle im Produktionsteam sofort erkannt zu haben. Jedenfalls wurden alle anderen Arbeiten auf Eis gelegt und sämtliche Kräfte für „Shout“ gebündelt. Tears for Fears verwendeten viel Zeit auf  die Entwicklung dieses Songs, schichteten Klang auf Klang: „We spent months looking at rhythm, adding other drums, I played drums on the track, there were two drum boxes running, there was a Fairlight computer doing electronic stuff in the middle playing flute parts…“ (Chris Williams: „Key Tracks“)

Der flötenähnliche Sound auf „Shout“ stammt von einem Fairlight.

„Shout“ – A pain to mix

„Shout“ war im Original sieben Minuten lang und wurde für die Veröffentlichung etwas eingedampft. Ein solch langes Stück – ich habe es beim „Making of“ zu David Bowies „Heroes“ schon einmal beschrieben – braucht eine Entwicklung, es benötigt Höhepunkte, um die Aufmerksamkeit des Hörers über die volle Zeit zu fesseln. Immer mehr Teile und Teilchen wurden eingefügt. Bei 2:45 – wo bei normalen Popsongs langsam das Fadeout einsetzt – bringt ein Drumbreak neue Spannung. Er leitet einen längeren Mittelpart ein. Bei 2:55 gibt es ein markantes Zwischenspiel von der Hammond-Orgel, die zuvor schon akkordisch zu hören war. Durch den deutlich wahrnehmbaren Leslie-Effekt und typische Orgeltechniken wie Glissando hat sie nun aber unsere volle Aufmerksamkeit. Bei 3:04 meldet sich Smith mit ausgefeiltem Bassspiel. Gleichzeitig hören wir ein neues Motiv der bereits zuvor eingeführten „Flöten“. Der hauchige Sararr-Sound ist einer der Signature-Klänge des Fairlights und trägt ebenfalls zum hohen Wiedererkennungswert von „Shout“ bei.

Bei 4:38 startet das Gitarrensolo und gibt dem letzten Drittel des Songs neuen Drive. Immer, wenn das Team damals dachte, jetzt hat der Song seine Struktur, bog Orzabal um die Ecke mit einer weiteren Idee: “We need to put this in, we need to punctuate it, and break the track up.” (Chris Williams: „Key Tracks“) Es gab am Ende so viele musikalische Events auf den Bändern, dass es beim Mischen schwerfiel, den Überblick zu behalten und die richtige Balance zu finden. Hughes schien es lange so, dass jeder neue Mix-Versuch nur die halbe Geschichte des Liedes erzählen würde. Vier Tage dauerte der Mix, der Hughes und Basecombe alles an Können abforderte: “’Shout‘ was a pain to mix. It was just difficult. It almost sounded right for a long time, but wasn’t quite right.“ (Chris Williams: Key Tracks“)

Songs from the Big Chair – Die Endmischung

Das Album „Songs from the Big Chair“ ist in einer durchaus relaxten Atmosphäre entstanden, „Shout“ vielleicht einmal ausgenommen. In dem Haus von Ian Stanley war immer wieder mal Zeit für eine Tasse Tee auf dem Balkon. Einige der musikalischen Ideen entstanden buchstäblich auf dem Sofa, wie Produzent Hughes erzählt. Im Kern ist es tatsächlich eine Homestudio-Produktion. Sequenzer und Drummachines machten es Mitte der 80er möglich. Hughes sagt: „The essence of the album was recorded in Ian’s house.“ Einige zusätzliche Aufnahmen fanden in Chelsea im Studio von Jethro Tull statt. Gemixt wurde im bereits erwähnten Union Studio in München, sowie in Primose Hill in London. Beide Studios waren in  Hughes Worten „totally professional, great quality, great facility recording studios where we mixed the songs“. (Chris Williams: Key Tracks“)

Nun, ganz so glatt scheint es doch nicht immer gelaufen zu sein: “Other tracks were recorded to two 24-tracks, then we would do edits on tape, and any piece of technology that could have gone wrong or held us up probably did.“ (Heather Johnson: „Classic Tracks“)

Ein Teil der Endmischung von „Songs from the Big Chair“ fand in München statt. (c by shuttestock)

Tears for Fears – Protest statt Urschrei

Auch wenn Tears for Fears mit „Songs from the Big Chair“ in etwas leichtere Gefilde aufbrechen wollten. Ganz abgeschüttelt hatten sie Janovs „Urschrei“ noch nicht. Der Albumtitel verweist auf „Sybil“, einen TV-Film von 1976. Dieser handelt von einer Frau mit einer dissoziativen Identitätsstörung, die sich nur im „Big Chair“ ihres Psychotherapeuten sicher aufgehoben fühlt. Und natürlich brachten manche auch den Song „Shout“ mit dem „Urschrei“ in Verbindung. Curt Smith sieht das Lied allerdings eher als allgemeinen Protestsong – und als eine Arenahymne, die die Konzertbesucher zum Mitsingen animieren sollte. „We consciously started with the chorus. It was kind of a singalong; a protest song – like ‚Give Peace A Chance‘, or ‚Hey Jude‘, even. It had a really in your face chorus.“ (Liner-Notes zur Deluxe Edition)

Lob von Linda und Paul

Die Rechnung sollte aufgehen. Und Orzabal und Smith bekamen auch jede Menge persönliche Anerkennung. Linda und Paul McCartney sandten eine Postkarte: „Great record, congratulations!“ Die professionelle Kritik war etwas gespalten. Don Shewey vom Rolling Stone meinte, das alles schon mal gehört zu haben: „U2’s social conscience, the Bunnymen’s echoing guitars and XTC’s contorted pop wit, as well as lead singer Curt Smith’s version of the affected sob that’s run through art rock from Yes to Spandau Ballet.“ Immerhin lobte er die „sparkling production“ von Produzent Chris Hughes und vergab 3 von 5 Punkten. (Don Shewey: „Songs from the Big Chair“, Rolling Stone 23.Mai 1985) 

Stanton Swihart dagegen sah eine musikalisch gereifte Band und spendierte auf All Music viereinhalb Sterne und damit fast die Höchstwertung: „Tears for Fears perfectly captured the zeitgeist of the mid-’80s while impossibly managing to also create a dreamy, timeless pop classic.Songs from the Big Chair is one of the finest statements of the decade.“ (All Music)

Als der Spaß aufhörte

Für Tears for Fears-Sänger Curt Smith bedeutete der fulminante Erfolg des Albums allerdings das Ende des Spaßes. „Recording the album was fine. It stopped becoming fun when ‚Songs From The Big Chair‘ took off worldwide and we had no time to really enjoy the success because we were working like you wouldn’t believe: interviews in America all day long, and then a soundcheck, more interviews, then you play live, then you try and sleep for a bit. It was ridiculous; unbelievably hard.“ (Liner Notes der Deluxe-Edition)

Aber wer hätte je behauptet, das Popstar-Dasein sei ein Zuckerschlecken?

Das dritte Album „The Seeds of Love“ hatte rein äußerlich so gar nichts Depressives an sich. Doch trotz Flowerpower-Look kriselte es zwischen Orzabal und Smith.

Fazit

1985 polarisierten Tears for Fears das Publikum. Man liebte oder man hasste die Jungs mit den auftoupierten Löckchen und ihren Sound zwischen Synthipop und Soulballade, beladen mit einer großen Portion „angst“ und Weltschmerz, wie es  damals so populär war. Heute fällt das Urteil wohl weniger emotional aus. Es bleibt die Bewunderung für eine großartige Popproduktion und eine Handvoll wirklich erinnerungswürdiger Songs. Roland Orzabal und Curtis Smith wollten ihren Stil damals weiterentwickeln. Und hatten das große Glück, Chris Hughes als Produzenten an ihrer Seite zu haben. Der erkannte das Potential ihrer Songideen und half der Band dabei, es voll auszuschöpfen. Und das manchmal sogar gegen den Widerstand der Musiker. „Songs from the Big Chair“ ist fraglos eines der Meilenstein-Alben der 80er Jahre. „Shout“ wurde die Hymne des Jahres 1985 – und ist bis heute einer meiner absoluten Lieblingssongs aus dieser Zeit.

Forum
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    Wah-Wah

    OPVielen Dank für diesen ausführlichen und detaillierten Artikel!
    „Pale Shelter“ war damals die erste Single, die ich mir als Grundschüler selbst gekauft habe, und bei „Shout“ war ich dann alt genug, um richtiger Fan zu werden. Kurz darauf habe ich dann auch die ersten Keyboardstunden haben wollen.
    Bis heute bin ich den beiden Engländern emotional treu geblieben und mag eigentlich alle Alben, auch die Solo-Veröffentlichungen. Nichts prägt mehr als das, was man als Jugendlicher aufsaugt.
    Leider-ein bisschen Kritik muss auch sein- ist schon seit Ewigkeiten bis auf langweilige Best Of-Touren nichts Gutes mehr gekommen. Und dass, obwohl Orzabal so ein hervorragender Songwriter ist. Schade drum!

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    Engholm  

    Wieder mal eine tolle Story Costello und nach dem Lamm ein weiteres Nachschlagewerk. Ich finde allerdings spätere Alben wie Seeds, Raoul oder das Sehr sehr Beatlesque Happy Ending viel besser als Hurting oder Chair.

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      Wah-Wah

      Orzabals Alben aus den 90ern werden ja leider nicht sehr wertgeschätzt, meiner Meinung nach zu Unrecht. Noch besser ist „Tomcats screaming outside“
      von 2001.

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        toneup  RED

        Tomcats ist MEIN Lieblingswerk von Herrn Orzabal, aus meiner Sicht ein notwendiger Bruch nach Raoul and the Kings of Spain , im Vergleich auch zu Soloalben von Curt Smith (halfway pleased) kann man schon
        aufgrund der Albumtitel herausarbeiten, wer die kreative Triebfeder von TFF war, insofern finde ich den Vergleicheich mit Wham zulässig

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        0gravity  

        Für mich ist „Tomcats Screaming Outside“ das zweitbeste „TFF“-Album, nach „The Hurting“ ;-)

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    Coin  AHU

    Ooh, bei Head over Heels hab ich Tears for Fears lieben gelernt.
    Ist ein Song aus dem Soundtrack von (meinem Lieblingsfilm) Donnie Darko.
    Der Stil ist dermaßen packend/ergreifend, naja spricht mich halt als 80er Kind an.
    Danke für den Artikel Costello : )

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    Tyrell  RED 12

    Wieder mal ein großartiger Artikel Costello. TFF hat mich lange und intensiv begleitet (Vom ersten Walkman bis zum ersten Auto mit Cassettenplayer). Großartig.

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    costello  RED

    Herzlichen Dank für das supernette Feedback. Ich sitze gerade in Erich Honeckers ehemaligem Jagdschloss Hubertusstock in der Schorfheide bei unserer alljährlichen Klausurtagung. Liebe Grüße und einen schönen Samstagabend mit TFF , Costello :)

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      hejasa  AHU

      Jagdschloss? Du bist in einer Wildschlachterei! Informiere dich mal, wie Wild unter und mit Honecker und Genossen zum Abschuss gebracht wurde. Dem Wild ging es wie den Menschen der DDR, es durfte kein erwünschtes Wild entkommen! Zum Schüsseltreiben lagen dann Jäger und Treiber unter dem Tisch dank Wodka vor Jagdglück:-(((
      Sorry für die harten Worte!

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        costello  RED

        Das ist heute eine moderne Hotelanlage mit mehreren Gebäuden in der landschaftlich schönen Schorfheide. Gejagt wird hier schon sehr lange nicht mehr. Das Jagdhaus beherbergt heute ein Standesamt. Aber das Zimmer Honeckers kann man tatsächlich noch im Originalzustand besichtigen. Hübsch hässlich im Stil der 70er.

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          TobyB  RED

          Immer dran denken, das Wild in seinem Lauf, hält weder Fuchs noch Igel auf ;)

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            hejasa  AHU

            …no, heißt „…Ochs noch Esel auf“, aber egal, bin glücklich, dass wir die Wiedervereinigung haben! Gehört auch nicht hier her, ich habe mich nur darüber aufgeregt, dass die hohen Herren Wild an Schleusen lang in den Tod treiben ließen und dann von Jagd und Schloss sprachen, widerlich!

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              TobyB  RED

              Der Witz wurde grade zur Strecke gebracht ;) Btw., ich hab mich 1989 als DDR Flüchtling um die Staatsbürgerschaft in Österreich beworben. Ich kenne als das ursprüngliche Zitat.

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    Jörg Hoffmann  RED

    Tolle Arbeit, Costello – good job. Dem Album „Songs from the big chair“ hört man meiner Meinung immer an, das es unter einem gewissen Kommerz zwang entstanden ist. In einem Interview mit Orzabal habe ich gelesen, dass es Shout fast nicht aufs Album geschafft hat, weil es zu kommerziell sei (was Costello ja auch gut beschreibt).
    Das Folgealbum „The seeds of love ist zwar unter den zwischenmenschlichen Spannungen des Duos entstanden, aber es hat für mich mehr kompositorische Tiefe. Insbesondere der Opener „Woman in Chains“ ist ein Meisterstück, welches es (als kleiner Funfact) auch in der Hifi/High End Szene zu großer Verbreitung geschafft hat, denn die Dynamik des Intro ist heute noch eine Herausforderung für jede HiFi Anlage.

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    psv-ddv  AHU

    Ein wunderbarer Artikel costello! Ganz herzlichen Dank, dass Du Dir die Zeit dafür genommen hast. Wieder viel Neues erfahren und alte Ahnungen bestätigt. …unter anderem, dass noch viel der gehobenen homerecording Vorproduktion auf dem Album durchzuhören ist und die Ergüsse des Rolling Stone Magazins noch nie besonders sinnvoll waren.
    Abgefahren auch die SKA Anfänge. Lustiger YT-Clip, wer hätte das gedacht. Deiner Einschätzung von Mothers Talk muss ich mich leider anschliessen. Mein Favorit auf dem Album ist mit Abstand „The Working Hour“.
    Super, dass Du etwas detaillierter auf das Equipment eingegangen ist, denn das hat den Sound und auch die Musik des Albums sehr stark geprägt.
    Bleibt nur die Frage: Wann kommt der costello Bericht zu Seeds of Love?

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    hejasa  AHU

    Ich schließe mich den Komplimenten für Costello sehr gerne an, Chapeau!
    @Jörg Hoffmann
    „Woman in Chains“ kannte ich bislang nicht, bin halt jazzverliebt. Aber was da aus dem Kopfhörer schallt, alle Achtung. Werde mir „seeds of love“ bestellen. Danke für den Super Tipp!

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    gaffer  AHU

    Schöner Text, Costello. Ich bin eher der Mad World Fan, obwohl Shout gut ist. Aber eine Korrektur: so einen Pulli trägt man nicht ohne Hemd auf T-Shirt, sondern direkt auf der Haut. ;))))

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    Willemstrohm  AHU

    Super Artikel inkl. großzügiger Quellenangaben. So geht das. Nix hinzuzufügen, außer, dass da die Zeichen der Zeit richtig erkannt wurden. Die britische Welle war schon durch und so war es geschickt, das Album internationaler zu stricken, weg vom reinen Synthpop. Denn nun drängten wieder die US-Amerikaner in die europäischen Charts. Der britische Style verlor an Attraktivität.
    Nebenbei noch erwähnt: Zwischen der Graduate Zeit und TFF waren Smith und Orzabal (aber auch Manny Elias) Teil von Neon. Eine Zwischenstation, die zur anderen Hälfte aus den Musikern bestand, die dann Naked Eyes gründeten. Einer von ihnen (der leider viel zu früh verstorbene Keyboarder und Songwriter Rob Fisher) war später vor allem mit dem Projekt Climie Fisher erfolgreich.
    Aus diesem „Neon“ Projekt (also mit Smith und Orzabal) resultierten 2 Singles. 1980 z.B. diese:
    https://bit.ly/2R7T6cD
    1981 diese:
    https://bit.ly/2NjfT43

    Zu dem Zeitpunkt, als Graduate es mit Ska versuchten, war es allerdings sehr gut möglich, in UK ordentlich Hits einzufahren. Siehe The Specials oder Madness. Aber die waren einfach nicht gut genug.

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      Willemstrohm  AHU

      Wobei wohl Orzabal/Smith/Elias nur an der 2. Single von Neon mitwirkten. Sie stießen nach der 1. Single hinzu und verließen das Projekt, aus dem dann Naked Eyes wurde, Ende 1981 wieder – um dann TFF zu gründen.

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        TobyB  RED

        Bristol und Bath sind auch eher Blues. ;) Stell dir mal TFF mit einem Bowler oder Porkpie vor. So stehen die dann in London bei 2Tone rum. Was ich an Songs from the Big Chair sehr gut finde, ist das es bewusst oder unbewusst geschafft haben, ein Gefühl der Melancholie einzufangen. Im Sinne von die New Wave Party ist vorbei, was kommt jetzt? Das sie sich vorher an anderen Stilen ausprobiert haben macht sich bemerkbar, obwohl ich meine die Saat so richtig erst bei The Seeds.. auf. Oder eben später bei Raoul and the King of Spain. Wobei, ich meine die Texte und nur die Texte „entwerten“ das Album etwas.

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          Willemstrohm  AHU

          Yep. Die Zeit bei Neon muss da entwicklungstechnisch ordentlich auf die Sprünge geholfen haben. Orzabal war von Haus aus Gitarrist, Smith Bassist. Sie kamen stilistisch aus einer Ecke, die nicht sonderlich stark von Synths geprägt war. Ich denke, dass Rob Fisher (den ich für einen wirklichen Studiowizard am Synth halte), da ordentlich Einfluss hatte auf die Weiterentwicklung für Tears for Fears. Ich halte es auch nicht für einen Zufall, dass die Auswahl der Synths bei beiden Bands (Naked Eyes – Tears for Fears) sehr ähnlich, fast identisch, ist.

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            TobyB  RED

            Hallo Willem,
            ich denke auch das die Wahl der Synths kein Zufall ist. Zumal Songs from the Big Chair ziemlich Synthlastig ist. Bis runter auf die DX Bässe. Und aus der Linndrum und Drumulator einen „Beat“ raus zu holen, geht auch nicht so eben. Ich hab mich zwei Jahre mit der Linndrum gequält bis ich mehr als Lambada und Disco konnte. Bei Naked Eye Promises Promises fühl ich mich schon an TTF erinnert. Always Something There To Remind Me, klingt irgendwie nach Burt Bacharach. Das geht nicht an mich.

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              Willemstrohm  AHU

              Hehehe, beim 1. Album von Tears for Fears hörst du die Parallelen noch deutlicher raus.
              Vergleich mal das Ending vom Neon Song „Making Waves“ mit dem Schlussteil von „Suffer the Children“!

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                TobyB  RED

                Wo du Recht hast! Habs mir noch mal A/B angehört. Das ist eindeutig nicht zu überhören. Wobei man froh sein sollte, das TFF noch die Kurve bekommen haben. Andernfalls würden wir sie in der Ecke One Hit Wonder treffen. Mein Ohr hat sich bei Bacharach und Naked Eyes nicht getäuscht. Always something ist ein Cover. Das klebt wie Honig im Ohr. ;)

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                  Willemstrohm  AHU

                  Man muss allerdings auch sagen, dass Naked Eyes komplett unter dem Radar geblieben ist. Die hätten eigentlich mehr Hits haben müssen damals. Wenn man sich mal z.B. „No Flowers Please“ anhört vom 2. Album, ist das ein wirklich sehr interessantes, fantastisch zusammengebautes Arrangement. Ist aber nicht mal als Single ausgekoppelt worden.
                  Und den typischen TFF Sound/Song hätten se auch gekonnt. Hör mal beim Song „Flag of convenience“ rein.

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                    TobyB  RED

                    Ich denke ein Grund war, dass Naked Eyes ihre Songs nicht Live aufführen konnten. Zum anderen, war die Songstruktur und die Arrangements der Zeit etwas voraus. Von der Technik fang ich gar nicht mal an. Eine nahezu unbekannte Band setzen als Erste ein Album mit dem Fairlight CMI um. Mit Arthur Baker als Produzent und Madonna als Background Sängerin, hätte eigentlich nichts schief gehen können. Byrne haben wir die Synth Performance von Stevie Wonders Part Time Lover zu verdanken. Ich denke alte MI Business-Regel, das dritte Album ist das schwerste. Nur gabs das nie. Ich denke die haben sich zu sehr auf das Biz in den USA fokussiert, zu einer Zeit als da auch alle auf Synths und Soul/Soulful gesetzt haben. Und das hat nicht funktioniert. Es ist wie es ist.

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            Hectorpascal  AHU

            Ohne damals viel über TFF gewußt zu haben, trug ich lange das Urteil von künstlich gepushten Popmukern tief in mir drin. Ich und andere haben sich teils auch lustig gemacht über „Shout, let it all out“. Das war mir in der Wahrnehmung einfach zu plakativ. Nachdem alle Sounds gehört und abgehakt waren blieb erstmal nicht viel übrig. Seeds hatte ich später mal geschenkt bekommen und fand die Scheibe arg nach glattem Blabla-Pop klingend. Gute Hintergrundmusik für Feten auf denen man reden will. Meine Fave ist Mothers Talk. Das fetzt bis heute! ;)

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              TobyB  RED

              Hallo Hectorpascal,

              Bis Mecury, Phonogram, Polygram durch UMG übernommen wurden war TFF eine Indie Band. Mecury war das Label für UK und unter dem Fontana wurden Songs from the Big Chair für die EU veröffentlicht. Das heisst knappes Budget. Aiplay wurde damals durch Bemusterung der Radio DJs generiert. Klar gibt es im Indie Bereich auch gecastete Bands, der Begriff Hitfactory kommt ja aus UK. Nur TTF haben eine andere Domestizierung durch.

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    Piet66  RED

    Lieber Costello, auch von meiner Seite ein DICKES Dankeschön für diese wunderbare Lektüre, die ich mit großem Genuß verschlungen habe. Zu meinen TFF Favoriten gehören Mad World und Seeds of Love. Off topic: „Saxophon“ finde ich trotzdem schöner ;-) .

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    Michael Arlt

    Sehr interessanter Bericht. Dazu einige Anmerkungen: Der 84‘er Hit von Duran Duran heißt Wild Boys, Chris Hughes aka Merrick war auch Schlagzeuger bei Adam & the Ants.

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      costello  RED

      Ganz genau: Es geht um wilde und nicht um große Jungs bei Duran Durans großem Hit von 1984. Da hatte ich wohl gedanklich den „Big Chair“ vor Augen.

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    iggy_pop  AHU

    Mit „Mad World“ und „Pale Shelter“ (und sogar noch „Shout“) im Ohr wollte ich nicht glauben, daß ich es mit derselben Band zu tun hatte — in der Rückschau betrachte ich den Stilwandel als ähnlich drastisch wie den Übergang zwischen dem ersten und dem zweiten Album von John Foxx. Oder den Übergang zwischen „Architecture and Morality“, „Dazzle Ships“ und „Junk Culture“ bei OMD.

    Interessant, daß TFF als Sprungbrett für andere Musiker diente, allen voran Will Gregory, ohne den Portishead oder Goldfrapp wohl eine Ecke anders klängen.

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    chain25  

    Danke für den tollen Bericht! War superspannend zu lesen!
    Für meinen Geschmack hätte noch mehr in Richtung Pale Shelter kommen können … gern auch noch etwas elektronischer. Aber vermutlich wären sie dann zu dicht an DM rangerutscht. Bei uns in HH dachten Mitte der 80er eh viele zunächst Shout wäre von DM.
    Alles nach dem großen Sessel, was mir zu Ohren kam, empfand ich als irgendetwas zwischen langweilig und nervig … ist leider meine individuelle Wahrnehmung.

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    nativeVS  AHU

    Super artikel, aber fuer jeden der probleme mit den ohren hat sollte man noch die menge an Lexicon auf dem album erwaehnen (ich nehme an 224, 244X und vielleicht PCM70).

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    0gravity  

    Wieder mal ein sehr lesenswerter Artikel von Costello, vielen Dank dafür.

    Obwohl ich mir diese Scheibe im vergangenen Jahr doch nochmal für ein paar Euro zugelegt habe, fand ich sie damals und auch heute noch zu sehr auf kommerziellen Erfolg getrimmt.
    Klar, der Wucht von „Shout“ kann ich mich kaum entziehen und es sind auch noch ein paar andere schöne Songs dabei (mir gefällt z.B. das vielgescholtene „Mothers Talk“ sehr gut :-)), aber im Vergleich zu „The Hurting“ empfand ich das, bis auf die hervorragende Produktion, als Rückschritt.
    Und “ Everybody Wants To Rule The World“ kommt in meiner Liste der langweiligsten Nr. 1 Hits aller Zeiten gleich hinter Whitney Houstons „I Wanna Dance With Somebody“ ;-)

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      gaffer  AHU

      White Christmas nicht vergessen ;) nee, läääst krimäs hiess das Unding. Hätte er wenigstens noch laaast gesungen….

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      Fredi  

      Hallo 0gravity,
      da sieht man wie unterschiedlich die Geschmäcker sind.
      Ich finde „Everybody wants to rule the world“ ein sehr gutes Stück: guter Shuffle-Groove und ein extrem geschmackvolles Gitarrensolo von Neil Taylor am Schluss. Letzteres wird leider immer in Radio ausgeblendet, weil natürlich die drei Minuten schon vorher voll sind, sehr schade…
      Danke für den interessanten Bericht!
      Gruß Fredi

  17. Profilbild
    Woody  

    Sehr unterhaltsamer und kurzweiliger Bericht.
    Animiert mich gleich zum Regal zu laufen und aufzulegen.

  18. Profilbild
    Maxi  

    Tears for Fears, die sind aus einer Zeit, in der ich noch nicht über mögliche Produktionsgeräte spekulierte. Es ging um Musikvideos, damit transportierte Stimmungen und eine Identifikation mit den Musikern: Erzählen die Geschichten für mich? Dann hatte man eine Single in den Händen. Die Papierhülle hatte eine bestimmte Haptik und das Auflegen der Schallplatte war ein besonderer Moment. Die gesamte Aufmerksamkeit gehörte der Musik, die etwas auslöste, Assoziationen oder den Wunsch, sich darüber auszutauschen. Was die Musik bewirkte, war der eigentliche Zauber. In diesem Moment war sie kein Entertainment-Produkt, was Popmusik natürlich immer ist. Rückblickend hat „Shout“ eine starke Hookline. Everybody Wants to Rule the World – und Musiker erobern die Welt mit Hitalben. Trotzdem schön, wenn das Ergebnis aus Talent, mühsamer Studioarbeit, Technik und geschicktem Marketing den Zuhörern wie ein Zauber erscheint.

  19. Profilbild
    hejasa  AHU

    „Seeds of love“ plus Bonus ist heute angekommen für lächerliche 7 Euro. Sofort angehört und nur noch baff am Kopfhörer gehangen. Warum ist diese Band nur an mir vorbeigegangen? War auch seltsamerweise nie im Gespräch in meiner Clique:-((
    Ich verstehe jetzt die Diskussion um die eingesetzten Hallgeräte!
    Nochmals Danke für diesen wunderbaren Artikel an Costello! Johnny Panik… und dieses fantastische Intro von Bad Man´s Song lassen mich nicht mehr los, Hammer!!!

  20. Profilbild
    ThomasFunna

    @costello – Danke für diesen sensationellen Artikel! Sehr ausfürhlich, sehr informativ und unterhaltsam zugleich. TFF gehörten schon immer zu meinen Lieblingsbands der 80er. Und ich fand auch, dass sie stets unterbewertet waren. Für mich gehört „The big Chair“ und vor allem „the Seeds of Love“ zu den besten Alben dieser Epoche. Wobei letzteres Album (vielleicht zusammen mit Peter Gabriels „US“) quasi der Höhepunkt und das Ende dieser Ära war. Perfekt produzierter Pop-Rock mit richtig guten Musikern. Was ich an diesen beiden Alben liebe ist die Leichtigkeit, die wie selbstverständlich daher kommt – und dabei sind es wahrlich keine banalen Kompositionen. Da steckt auch musikalisch eine Menge dahinter. Höhepunkt von TFF war m.M.n. das Konzert-Video „Going to California“ von 1990 mit Oleta Adams – kein Show-Schnick-Schnack – sondern Live-Musik Pur von und mit einer sensationellen Band. Marketingmäßig fehlte TFF der charismatische Frontman á la Bono, Jim Kerr, Peter Gabriel, Dave Gahan. – umso erstaunlicher ihr Erfolg in dieser Decade. Unverständlich für mich auch, dass TFF auch bei „Live Aid“ schwänzten…

  21. Profilbild
    EinTon  

    Im Gegensatz zum Autor halt ich seit jeher das ambitionierte und dramatische „Mothers Talk“ für den deutlich besten und originellsten Song von TfF. Demgegenüber fallen die anderen, konventionelleren Titel für mich deutlich ab (jedenfalls was die mir bekannten Titel betrifft, ich kenne zugegebenermaßen primär die Singles).

    Allerdings finde ich die (gekürzte) Single-Version am stärksten, das Geblubber am Schluss hätte man sich sparen können.

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