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SPECIAL: Moog Minimoog, 45 Jahre Synthesizer-Legende

19. September 2016

45 Jahre. Die Legende lebt!

Minimoog Photo von RLmusic

Anlässlich der heutigen Minimoog Re-Issue-Meldung hier nochmals unsere Special zum wohl wichtigsten Synthesizer der Geschichte:

45 Jahre Synthesizer Legende – der Minimoog

USA 1969: Die Augen der Welt richten sich auf die erste Mondlandung. Apollo 11 bringt seine Besatzung Edwin Aldrin, Michael Collins und Neil Armstrong sicher zum Mond und wieder zurück. Armstrong spricht während seiner ersten Schritte auf dem Mond die legendären Worte „That’s one small step for a man, one giant leap for mankind!“. Kaum einer beachtet in diesen Tagen die bahnbrechende Entwicklung eines Musikinstruments, auf das Armstrongs Worte ebenso hätten passen können. 3 Prototypen hatte Bob Moog 1969 gemeinsam mit den Ingenieuren Jim Scott, Bill Hemsath und Chad Hunt bereits gebaut, bevor im Dezember 1969 die berühmte Variante „D“ erstmals funktionsfähig, aber noch lange nicht fertig, die ersten Töne von sich gab. Man hatte noch 6 Wochen Zeit, um nun diese Version zu vollenden und der Weltöffentlichkeit zu präsentieren.

Der 24. Januar 1970 war ein großer Tag für die Geschichte der Synthesizer. Es war jener Tag, an dem Robert Moog, oder besser bekannt als Bob Moog, den ersten Minimoog auf der amerikanischen Musikmesse NAMM SHOW der Fachwelt vorstellte. In 11 Jahren wurden rund 13.000 Stück dieses einzigartigen Instruments produziert und erfolgreich in die ganze Welt verkauft. 11 Jahre lang in dem es quasi als Blaupause diente für viele Synthesizer-Generationen, die folgten.

Und trotz des Nachfolgers Moog Minimoog Voyager und all seiner Ableger (Old School, RME, XL) und Farbvarianten, zieht uns der original Minimoog nach wie vor in seinen Bann. Ganz so, als wäre er erst gestern auf den Markt gekommen.

Kaum ein anderer Synthesizer hatte am Gebrauchtmarkt in den letzten Jahren einen so gewaltigen Wertzuwachs wie dieser monophone Analog-Klassiker. Je nach Serienvariante und Zustand, sind wir inzwischen bei weit über 3.000 €. Händler, die restaurierte Versionen mit Garantie anbieten, verlangen aber deutlich mehr.

Auf der einen Seite lässt sich das mit Sammlerleidenschaft erklären,  auf der anderen Seite ist der Moog Minimoog nach wie vor in erster Linie ein sensationelles Musikinstrument. Eines, dessen Liste aller Soft- und Hardware-Clones den Umfang dieses Reports sprengen würde. Und es mag ketzerisch klingen, darunter sind durchaus Kopien, die klanglich vom Original kaum mehr zu unterscheiden sind und oft auch deutlich mehr Möglichkeiten bieten als das Original selbst.

Macbeth Micromac-D

Macbeth Micromac-D

Zu dieser Thematik möchten wir auf zwei ganz besondere AMAZONA.de-Reportagen hinweisen. Einmal auf einen Report, in dem Minimoog-Softwareclone das Original herausfordern (HIER KLICKEN) und zum zweiten auf ein Klangexperiment, bei dem versucht wird, mit dem ALESIS ANDROMEDA authentische Minimoog-Klänge zu erzeugen (HIER KLICKEN).

Darüber hinaus  erzählte uns „Kazike“, Mastermind von CLUB OF THE KNOBS, dass sie gerade dabei sind, eine modulare Version des Minimoogs zu konstruieren. Wer von COTK die Moog-Kopie des Model 15 kennt, erahnt, dass sich hier erneut ein Meilenstein in Sachen Minimoog-Kopie anbahnen könnte.

Aber ob Kopie oder Original, es gäbe beides nicht ohne Erfinder und Namensgeber Robert Moog. Er war DER Synthesizer-Pionier, der nicht nur bahnbrechende Musikinstrumente entwickelte, sondern mit seinen Instrumenten die musikalische Entwicklung der populären Musik über viele Jahre maßgeblich beeinflusste.

Bob Moog Musikmesse AMAZONA.de

Bob Moog, mit Florian Wöhler am AMAZONA.de-Messestand 2002

Bob Moog verstarb leider viel zu früh am 21. August 2005 in Asheville an einem Gehirn-Tumor. Sein Andenken wird heute durch die MOOG DOUNDATION in Erinnerung gehalten, die sein Sohn ins Leben gerufen hat. Aber vor allem der „Moog-Sound“ in all den originalen und mehr oder wenig gut klingenden Ablegern sorgt dafür, dass wir Bob Moog nie vergessen werden.

Zum 35-jährigen Jubiläum des Moog Minimoogs stellen wir Ihnen daher nun einen ausführlichen Report des Vintage-Spezialisten Theo Bloderer vor und freuen uns über Ihre Kommentare und Reportagen mit Geschichten rund um Ihre ganz eigene Minimoog-Erfahrung.

Ihr Peter Grandl

Blue Box: Minimoog von Theo Bloderer

Nun ja, was soll man da sagen? Dieses Instrument hat Geschichte geschrieben, und es schreibt sie immer noch. Nur ein Minimoog ist ein Minimoog, oder nicht? Es gibt unterschiedliche Meinungen für und wider den Minimoog Kult, die vor allem seit Erscheinen des Moog (Minimoog) Voyager stärker differieren denn je.

Ist ein originaler Minimoog sein Geld überhaupt wert? Einen gebrauchten Voyager gibt es zum selben Preis, warum also nicht die Neuauflage mit MIDI und all den schönen halbmodularen CV-Eingängen nehmen? Noch dazu, wo man Programmspeicher, Velocity, umfangreiche Modulationsroutings und ein Touch Pad als Controller hat? Eine Antwort darauf ist schwierig, doch der Markt gibt uns die Richtung vor.

Wer einst geglaubt hat, dass mit Erscheinen des Voyager der originale Minimoog einem argen Preisverfall erliegen würde, hat sich beschämend getäuscht und darf als Spekulant an den Pranger gestellt werden. Woran liegt es also, dass das alte Fahrrad der neuen Harley gegenüber noch immer nicht blass geworden ist?

Nun ja, nur ein Minimoog ist ein Minimoog …

Wie es zu einem Klassiker kommt

Er fällt nicht vom Himmel, der Klassiker. Das wäre auch zu gefährlich, also wächst er lieber von unten nach oben. Langsam und stetig. Aus vielen Einzelheiten entsteht so nach mehreren Jahren ein Klassiker, der – wenn er Glück hat – bei sorgfältiger Pflege sogar zum zeitlosen Objekt wird. Der Minimoog hat dies geschafft, doch dass es so weit kommen konnte, ist das Ergebnis vieler positiver Einzelheiten.

Optimales Design

Grundsätzlich benötigt es natürlich ein gutes Produkt. Als portabler Synthesizer konnte sich der Mini in den frühen 70er Jahren schnell etablieren. Neben der übersichtlichen Signalführung war und ist es vor allem das klassisch “einfache” Design, welches den Mini noch heute auszeichnet. Vergleichen Sie zum Beispiel den Mini und einen ARP Odyssey. Gerade die frühe, weiße Version des ARP Synthesizers mit den hoch aufstehenden Seitenwänden (sehr praktisch zum Schutz der Fader, keine Frage!) sieht doch in Summe eher einem verunglückten Haushaltsgerät denn einem Synthesizer ähnlich. Der Minimoog ist anders. Wie schon bei den Modularsystemen dominiert hier Holz die klassische Linie. Eingebettet in eine klare und äußerst funktionale Holz-Chassis wurde im Minimoog die unübertroffen ideale Gehäuseform verwirklicht.

Einfache Signalführung

Ohne dem Mini mangelnde Klangvielfalt zu unterstellen, ist seine Signalführung vorbildlich einfach und musikerfreundlich übersichtlich aufgebaut. Wie bei kaum einem anderen analogen Synthesizer sind die einzelnen Klangbausteine deutlichst und auf einen Blick zu erfassen. Oszillatoren – Mixer – Filter – Hüllkurven – Amplifier, wie sonst könnte es sein? Wer beim Soundbasteln am Minimoog “verloren” geht, sollte besser zu einem anderen Hobby wechseln (Gartenarbeit etwa, das ist nebenbei auch sehr gesund). Das Besondere am Mini ist die Synthese von klarer Signalführung und dennoch erstaunlich flexiblen klanglichen Möglichkeiten.

Fähiges Marketing

Moog Music hatte es in den frühen 70er Jahre schwer, Synthesizer auf breitem Markt zu etablieren. Musikhäuser waren an Gitarren, Drums und Klaviere gewöhnt. Was jedoch ein tastenbestücktes Etwas mit Namen wie “Oscillator Bank” oder “Filter” sein sollte, darüber wussten nur wenige Bescheid. “DAS soll ich in meinem Laden verkaufen?” war eine von vielen – weniger herzlichen – Reaktionen. Es ist einem enthusiastischen Moog Mitarbeiter und engagierten Marketing-Experten zu verdanken, dass der Durchbruch schließlich gelang. David Van Koevering nahm sich alle Zeit und Mühe, um quer durch Amerika den zunächst verunsicherten Verkäufern in ihren Läden den Minimoog (be)greifbar zu machen. Von da an griff ein Zahnrad in das nächste. Musiker begannen, den Mini in ihre Auftritte einzubeziehen, sie verewigten seinen Sound in ihrer Musik, drückten dem progressiven Rock einen neuen klanglichen Stempel auf, machten das Instrument populär. Wo zunächst mit einer bescheidenen Auflage von wenigen hundert Minimoogs gerechnet wurde, entwickelte sich die Sache nun in ganz anderen Dimensionen. Bis 1981 wurden über 13.000 Minis gebaut …

Der Aufbau des Minimoog

Nicht nur der unverwechselbare Klang, sondern auch der logische und licht nachvollziehbare Aufbau des Minimoogs, verhalf ihm zu seinem Siegeszug.

Controllers

Wir beginnen ganz links außen und arbeiten uns Stück für Stück bis ganz rechts weiter. Die Controller Sektion verfügt über grundlegende Einstellungsmöglichkeiten. TUNE bestimmt die Gesamtstimmung des Mini. GLIDE kann in seiner Geschwindigkeit eingestellt werden, und der MODULATION MIX bestimmt, in welchem Verhältnis VCO3 und Noise als Modulationsquellen zum Einsatz kommen.

Oscillator Bank

Drei VCOs mit je sechs Schwingungsformen. Das Scaling von LO bis 2’ umfasst 6 Oktaven, was ausreichend sein sollte. VCO 2 und 3 lassen sich gegenüber VCO 1 verstimmen, für den (mühelos) fetten Bass. VCO 3 kann als (high range) LFO genützt werden, mit all seinen Schwingungsformen. Damit ist er einem Standard-LFO der meisten monophonen Analogsynths – wie etwa aus dem Hause Roland – weit überlegen.

Mixer

Neben den drei Signalquellen VCO 1, 2, 3 kommen in der Mixersektion zwei weitere hinzu: NOISE (umschaltbar als pink oder white) bzw. EXTERNAL. Vielfach wird der externe Audio-Eingang dazu genutzt, den eigenen Output des Minimoog nochmals durchzuschleifen, um somit ein leicht übersteuertes, aggressiveres Klangbild zu erhalten.

Der berühmte Ladder-Filter

Das legendäre – und garantiert “klassische” – 24 dB Tiefpassfilter des Minimoog ist im Grunde sehr einfach ausgestattet.

Cutoff Frequency, Emphasis (= Resonanz) und Amount of Contour (= Wirkungsgrad der Hüllkurve) lassen sich einstellen. Die roten Kippschalter zur Linken sind für die globale Filtermodulation sowie das Keyboardtracking zuständig. Der globalen Filtermodulation liegen – wie in der Oszillator Sektion – die Quellen VCO 3 und Noise zugrunde. Das ist musikalisch gesehen doch schon mal ganz angenehm, wenn das Filter von einem (Audio) Oszillator moduliert werden kann.

Keyboard Control kann entweder deaktiviert sein (beide Schalter auf OFF) oder mit leichtem Wirkungsgrad (1 = ON), stärkerem Wirkungsgrad (2 = ON) oder mit maximaler Wirkung (beide Schalter auf ON) justiert sein. Einfach und effektiv.

Noch ein Wort zum Filter: Im User Manual wird es seitens von Moog dezidiert als “sechste Signalquelle” angegeben. Wir erinnern uns – VCO 1, 2, 3, External, Noise. Nummer Sechs ist das Filter, welches in Eigenresonanz einen Sinuston erzeugt, der wiederum nach Belieben mit den anderen Klangquellen “gemischt” werden kann. Musikalisch stelle ich mir das in Summe dennoch nicht so einfach vor, doch egal – sechs Klangquellen klingt beeindruckend!

Envelopes

Die Hüllkurven sind insofern Klassiker, als sie sehr schnelle Attackzeiten haben und deshalb gerne als Referenz für andere Synthesizer herangezogen werden. Ihr Aufbau ist mit ADS etwas spartanisch, doch tat dies dem musikalischen Einsatzwillen vieler Musiker keinen Abbruch, wie die Popularität des Mini zeigt. Filter und Amplifier sind jeweils mit einer eigenen ADS ausgestattet. Die ADS – ADS Lösung von Moog scheint mir etwas sinnvoller als die von ARP gefröhnte ADSR – AR Kombination (ARP-2600 und Odyssey). Letztlich hatte bei ARP die AR musikalisch so wenig Potential, dass man häufig doch lieber ausschließlich auf nur die eine (vollwertige) Hüllkurve zurückgriff. So gesehen hatte der Minimoog eine optimalere Lösung “abgeschlankter” Hüllkurven zu bieten.

Output

In der letzten Sektion ganz rechts des Panels finden sich schließlich Volume-Regler für Main Out und Phones sowie der A-440 Hz Testton. Die “elektronische Stimmgabel” war denn durchaus auch sinnvoll und hätte auch vielen ARP-Instrumenten (gerade in Ermangelung von Oktavwahlschaltern und somit ohne jegliche “Orientierungspunkte”) gut gestanden. Nicht zufällig ist die elektronische Stimmgabel auch beim Prophet-5 zu finden, für dessen Entwicklung Dave Smith ja großteils den Minimoog als Vorbild verwendete.

Minimoog aus der ReIssue-Edition

Spielhilfen

Nochmals ganz klassisch sind die Wheels. Pitch- und Modulation-Räder haben sich in dieser Form bei vielen Herstellern bis heute als Standard gehalten. Andere Controller-Lösungen – wie etwa die Levers bei Oberheim oder Joysticks à la Korg – konnten sich nicht so umfassend durchsetzen. Was beim Minimoog noch genial gewesen wäre (doch damit hätten wir seine klassische Linie durchbrochen), wäre ein drittes Wheel, welches man hätte frei zuordnen können (z.B. zur Steuerung der Attackzeit oder der Filter Frequency).

Als unmittelbarste aller Spielhilfen ist natürlich die Tastatur zu sehen. Sie ist einfach angenehm zu spielen! Da klappert nichts (nicht viel), sie ist zumindest ganz leicht gewichtet, sie fühlt sich ausreichend gut an. Es ist mir bis heute ein Rätsel, warum Roland viele Jahre nach Erscheinen des Minimoog eine komplette SH-Serie mit abscheulicher Tastatur auf den Markt bringen konnte. Oder warum sich Oberheim Keyboards der 70er Jahre beim Spielen eher als “Kampfplatz Mensch gegen Tastatur” denn als musikalische Spielwiese entpuppen. Die Minimoog Tastatur ist zuverlässig und angenehm – ein weiterer, wichtiger Baustein in der Erfolgsgeschichte.

Decay und Glide lassen sich beim Minimoog – quasi als Performance Controller – global ein- und ausschalten, sowie – über Fußtaster – auch extern anwählen. Weitere Controller gab es in Form von Accessories, also als Zubehör. Zu nennen wären etwa der Moog 960 Sequencer oder auch der legendäre Ribbon Controller sowie ein X/Y Joystick oder die Moog Drum.

Anschlüsse

Die Anschlüsse für das zuvor genannte Zubehör findet man auf der Rückseite, wo sich direkt neben dem Voltage Selector zwei der Accessory Buchsen befinden.

Weiterhin kommt man ohne Audio-Out natürlich nicht weit. Zu finden als LOW oder HIGH Ausgang. Hier lässt sich auch ein externes Signal einspeisen (oder – wie gesagt – das eigene Signal des Minimoog nochmals durchschleifen).

In dieser Abbildung gibt es noch einen MIDI Input zu sehen sowie eine Gate/CV Output Buchse, welche das Weiterleiten der aus MIDI abgeleiteten analogen Steuerspannung auf einen anderen Synthesizer erlaubt. Damit entpuppt sich der vorliegende Minimoog als Lintronics Modell, auf welches später noch kurz eingegangen wird.

Am anderen Ende der Anschluss-Seite gibt es noch CV-Eingänge für VCA, VCF sowie VCO. Schließlich noch der etwas umstrittene S-TRIG Eingang, und damit ist die Serie komplett. Die S-TRIGger Philosophie von Moog hat sich – zumindest aus der Sicht des Musikers – als nicht so ganz optimal erwiesen. Kommt man bei allen anderen Herstellern mit standardmäßigen Klinkenkabeln (und gewöhnlichem Triggersignal) aus, ist es bei Moog eben anders. Das erfordert oft Konvertierungskabel oder spezielle Einstellungen, auf die man lieber verzichtet hätte. Auch kann man so nicht ganz ohne weiteres den Minimoog mit Synths anderer Hersteller koppeln.

Nach 35 Jahren in vielen Studios im Einsatz, der Minimoog

Der klingt aber gut …

Tja, ein Schicksal, mit dem der Minimoog zu leben hat, ist seine eigene Legende. Sein viel zitierter Bass-Sound, seine feeeetttten Oszillatoren, sein bööööses Filter, einfach eben sein Mooooog Sound. Die Vergleiche von fast allen auf diesem Erdball befindlichen Synthesizer-ähnlichen Instrumenten mit dem Minimoog haben viele Nerven gekostet. In den 90er Jahren – beispielsweise zur Zeit des Waldorf Pulse – bekamen manche Musiker grün-gelb gestreifte Pusteln im Gesicht, die von übermäßigen Minimoog-Vergleichstests seitens geschickter Marketingstrategen herrührten.

Doch damit genug und zurück zum Klang des Mini. Bass-Sounds sind natürlich eine Stärke des Instruments. Der voluminöse Klang ist wirklich beeindruckend, vor allem bei ausreichender Verstimmung der VCOs gegeneinander. So leicht lässt es sich aber denn doch nicht sagen. Frühe Minimoogs haben oft noch die etwas weniger stimmstabilen Oszillatoren. Ihnen wird allgemein mehr “Klangfülle”, ein “analogerer” Charakter und mehr “Wärme” nachgesagt. Die driftenden VCOs eignen sich besonders für extrem füllige Bass-Sounds. Spätere Modelle wurden puncto VCOs stabilisiert und werden bevorzugt für Lead-Klänge empfohlen.

Moog Minimoog – Foto: www.emc-de.com

Um dem fehlenden Driften der Oszillatoren entgegen zu wirken, wird hier eine bewusste Verstimmung der VCOs vorgeschlagen. Nun, es ist zu bezweifeln, dass das Ergebnis wirklich annähernd dasselbe ist. Doch es spielt keine Rolle, so wie kein Korg MS-20 wie der andere klingt, ist kein Sequential Pro-One gleich dem anderen, ist auch kein Minimoog dem anderen identisch. Für alle, denen bisher nur das “veränderte VCO-Board” als wesentliche Entwicklungsstufe innerhalb der Minimoog Produktion bekannt war, sei noch auf http://monsite.wanadoo.fr/MiniMoog/ hingewiesen. In der Minimoog SN History wird ausführlich auf die vielen baulichen Veränderungen im Laufe der Moogschen Geschichte hingewiesen. So wurde etwa auch am Filter einiges verändert, so wie sich praktisch alle Sektionen Entwicklungen und Veränderungen unterzogen haben.

Doch nochmals zum Klang. Bass-Sounds sind zweifelsfrei eine große Stärke. Lead-Sounds ebenso. Überraschend weich und cremig kann er klingen, der Mini. Vor allem die besonderen Schwingungsformen der VCOs (jene Zwischenstufen von Dreieck- und Sägezahn) schaffen ein Klangspektrum, das man auch bei anderen Moog Modellen kaum findet. Durch die vorhandenen Modulationsroutings und zusätzlichen CV-Eingänge rückseitig ist der Minimoog zudem auch für abgefahrene, experimentelle Sounds geeigneter, als man es seinem allgemeinen (Bass-lastigen) Ruf zutrauen würde. Ohne Osc Sync gibt es beim Mini aber auch keine Sync-Sounds. Da hat z.B. der kleine Prodigy schon die Nase ganz weit vorne.

Was den Minimoog gegenüber vielen Synthesizern auszeichnet, ist die Synthese von warmem Grundklang, schnellen und “lebendigen” Hüllkurven sowie einem prinzipiell einfachen, aber rundum gut klingenden Filter. Dazu kommt die übersichtliche Bedienung, welche intuitive, spontane und eine “mit der Musik gehende” Klanggestaltung erlaubt. Dieses Zusammentreffen ist wohl ein Schlüssel des Erfolges. Gute klangliche Strukturen alleine hätten nicht genügt, es musste auch die Performance passen!

Rudi Linhard an einem Oberheim

Lintronics und EMC

Es bedarf schon einer Erwähnung, dass sich Rudi Linhard seit vielen Jahren vor allem um Minimoog und Memorymoog Synthesizer kümmert. Seine Lintronics Upgrades (http://www.lintronics.de/) haben einen guten Ruf und machen Mini- wie Memorymoog zu sehr zuverlässigen und noch leistungsstärkeren Synthesizern. Stefan Hund von EMC (www.emc-de.com) bietet in Zusammenarbeit mit Rudi Linhard völlig überarbeitete Minimoogs an, wie etwa das in diesem Test abgebildete Modell.

Dabei wird z.B. die Elektronik auf Vordermann gebracht, ein eigener Netzstecker anstelle des fest montierten Kabels angebracht, das Gehäuse komplett restauriert, Lintronics MIDI eingefügt, alte Schalter und Knöpfe werden erneuert etc. Kurzum, es ist eine Komplettwäsche, die fertigen Instrumente werden inklusive neuem, speziell angefertigten Case geliefert.
Nachtrag:
Laut einem AMAZONA.de-Leser, der im April 2015 diesen Service in Anspruch nehmen wollte, wurde dieser bei Lintronic aber aus dem Programm gestrichen. Die Erwähnung ist trotz allem wichtig, da sicher der ein oder andere Linntronics-Moog auf dem Gebrauchtmarkt auftauchen wird.

Stage-Edition Minimoog Voyager

Moog Minimoog Voyager

Nach langen Jahres des Wartens, erschien 2002 endlich ein legitimer Nachfolger, an dem Bob Moog noch selbst mitgearbeitet hatte, der Minimoog Voyager. Aus einem Modell entwickelte sich mit der Zeit eine ganze Familie aus verschiedenen Editions und technisch unterschiedlichen Versionen.

Selbstverständlich haben wir sie ALLE unter die Lupe genommen. Hier die Links zu den entsprechenden Artikeln und Tests:

Jubiläums-Modell Minimoog Voyager in Gold

Anlässlich des Jubiläums hat MOOG für Hardcore-Sammler und Fans nun auch eine limitierte Version des Minimoog Voyagers auf den Markt gebracht.

Der limitierte Minimoog Voyager Gold ist mit 24 Karat Gold überzeugen und wurde weltweit nur 31 mal gebaut.

Eines dieser Exemplare ist bei THOMANN erhältlich und kann in Treppendorf auch live bestaunt werden.

Moog Voyager in der Gold-Edition für 12.000,-€

Der Minimoog on YouTube

Auf YouTube finden sich zahlreiche Video_Demos zum Minimoog. Wir haben zwei für Euch ausgesucht:

Hier ein wunderbarer Audiovergleich zwischen dem Originalband seinem ReIssue-Clone von 2016:

Fazit

Nur ein Minimoog ist ein Minimoog. So war es seit jeher und so wird es auch bleiben. Die klassische Synthese von warmem Analogsound und idealer Performance des Mini wird wohl schwer zu übertreffen sein. Auch kein Voyager kann dem Original den Rang streitig machen, obwohl ich bei einem 1:1 Vergleich keine großen klanglichen Unterschiede zwischen Minimoog und Voyager ausmachen konnte. Insgesamt sind die musikalischen Möglichkeiten und Vorgänge am neuen Gerät natürlich wesentlich umfassender, und so ändert sich auch zwangsläufig die Performance. Obwohl sehr übersichtlich aufgebaut, bleibt die Intuivität des Minimoog-Spiels am Voyager etwas auf der Strecke (was angesichts des größeren, vielfältigeren Instruments auch logisch ist). Somit wird trotz des Voyagers und trotz anderer sehr leistungsstarker Produkte im Bereich “Neue Analoge” dem Minimoog sein Platz in der Valhalla der Synthesizer immer gesichert sein.

Preis

  • Original - gebraucht ca. 3.000 € und je nach Modell und Zustand bis zu 4.000 €
  • Minimoog Voyager Stage Edition 3.199 €
  • Minimoog Voyager Electric Blue 3.399 €
  • Minimoog Voyager Gold 11.990 €
Klangbeispiele
Forum
  1. Avatar
    AMAZONA Archiv

    Ich besitze einen von Rudi Linhard midifizierten Minimoog. Der Moog ist soundtechnisch der Rolls Royce unter den analogen Synthesizern. Der Sound setzt sich in JEDER akustischen Umgebung durch. Mit dem Bass kann man ein Orchester umblasen! Der Mini produziert so gut wie keinen Müllsound – auch geräuschig experimentelle Sounds klingen immer gut. Zu erwähnen ist noch, dass die einfache und intuitive Bedienoberfläche ihn zu DEM Live-Instrument. Ich jedenfalls habe auf der Bühne nie das Fehlen von Speicherplätzen. Die Monophonie „erzieht“ den Spieler zu einfallsreichem (auch zweihändigen) Spiel!

  2. Avatar
    AMAZONA Archiv

    Habe auch einen Lintronics Minimoog und diesbezüglich sollte noch unbedingt erwähnt werden, daß der Mini durch diese sehr umfangreiche MIDI-Erweiterung auch noch einen LFO bekommt, der auch ohne externes MIDI-Signal genutzt werden kann. Eine Einschränkung ist nur, daß sich Frequenz und Wellenform nur per MIDI-Programmwechselbefehl einstellen lassen. Ich habe den LFO i.d.R. auf Wellenform Dreieck und auf kleiner Frequenz für Standard-Vibrato stehen. Sprich einer Standard-Einstellung für Solo-Sounds. Dieser LFO ist in meinem Mini so verdrahtet, daß entweder sein Signal oder das des Rauschgenerators am Modulation-Mix-Regler anliegt. Umgeschaltet wird mit dem External-In-Schalter, da dieser bei Mini-Usern 1. meist selten benutzt wird und 2. einen zweiten unbenutzten Schaltkontakt besitzt. Die flexibelste Lösung wäre aber sicher ein separater Schalter, wodurch aber zwangsläufig auch die Original-Optik leidet. Da ich aber i.d.R. den Audio-Eingang gar nicht nutze stellt die o.g. Lösung für mich keine Einschränkung dar. Ich habe aber auch schon Minis gesehen, die dafür einen kleinen Schalter neben der MIDI-Buchse haben, was sicherlich die Optik auch nicht großartig stört.

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    MidiDino  AHU

    Eine tolle Story, Dank an euch beide, auch wenn ich das Instrument inzwischen etwas satt habe, das über Jahrzehnte prägend war … auch gesampled oder emuliert … der alten Holzkiste war kaum zu entkommen ;-)
    E-mus Modular würde mich interessieren …

    • Profilbild
      electro3000  

      Du sagst es, ich habe den Sound schon lange satt und wenn, dann kann ich den mit meinem Alesis Andromeda A6 fürstlich erzeugen – aber dann auch mit 16 Voices statt mit einer Stimme für viel zu viel Geld! Alles nur Nostalgie Getue… Wirklich gut ist der ANIMOOG fürs iPad. Den sollten die mal als Hardwaresynth mit 2 Touchscreens, vielen Potis, 24 Stimmen und einem 5 Oktaven Keyboard rausbringen. Ein irres Instrument, sehr experimentell und kann zu 99% wie ein analoger Moog klingen, wenn man es unbedingt will. ;-)

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    AMAZONA Archiv

    Hier scheinen ja einige Minis durch Rudi Linhardt`s Hände gegangen zu sein.
    Ich habe auch einen Lintronics Minimoog und die Features, wie von Heiko oben schon gut beschrieben, werten ihn nochmal sehr auf. Vorallem ist es ein Mod den man optisch nicht sieht und das begrüße ich natürlich sehr.
    Über den MM selbst muss man nicht mehr viel schreiben, das ist ein Klassiker optisch wie auch klanglich. Und er kann nicht nur abgrundtiefe Bässe und Wakeman Lead Sounds. ;) Es gibt kaum einen Synth der so robust gebaut ist wie der Mini. Die Bauteile sind im Gegensatz zu heute noch von ausgezeichneter Qualtät. Wenn die Potis kratzen oder die Tastatur Probleme macht, dann ist das immer ein Zeichen dass der Mini in letzter Zeit spieltechnisch vernachlässigt wurde. Was ich irgendwie überhaupt nicht verstehen kann. ;) Ein Minimoog will gespielt werden dann überlebt er jeden modernen Synth noch um Jahre.

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      electro3000  

      Also ich will ihn nicht mehr spielen. Der Sound ist altbacken, abgedroschen und ich kenne von Underground bis hochkommerziell keine Produktion der letzten 20 Jahre, wo ein Moog eine maßgebliche heraus hörbare Rolle ‚gespielt‘ hätte. – Ich bin kein Sammler, ich komponiere und produziere Musik seit 25 Jahren …kenne niemanden, der einen Moog haben will – ANIMOOG ausgenommen. Aber du verdienst ja auch deine Kohle mit den Vintage Sachen… da muss man das eben hochhalten… grins!

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    micromoog  AHU

    wenn die aktuelle Gerüchteküche wahre Quellen hat, dann kann mann sich evtl. über eine Neuauflage des Model D freuen!

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    Violator  

    Legende – ja!
    Trotzdem sind für mich 3.000,-€ bis 4.000,-€ für einen MM völlig überzogen.

    Ich bin über all die Jahre auch ohne einen MOOG ausgekommen, und vermisst habe ich auch nix.

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    iggy_pop  AHU

    „Der Mini produziert so gut wie keinen Müllsound“ — Rick Wakeman hat da aber mehr als nur einmal überzeugend den Gegenbeweis erbracht.
    Wack-wack-wack, der kleine Maulwurf geht spazieren.
    Bei Richard Stutenkerl… äh, Weckmann klang sogar ein Mellotron noch beschi… scheidener als es ohnehin schon klingt…

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    Petertet

    hallo zusammen :-)
    ich finde es GEIL GEIL GEIL egal was andere sagen ,das der mini wieder als neu kommt.
    habe mir einen bei MS bestellt auch wenn ich einige andere anschaffungen zurückstellen muss.
    und kann es kaum erwarten.
    :-)))
    habe auch einen orginal mini,aber da zickt die tastatur rum (drifftet):-(
    darum Ja Ja Ja.

  9. Profilbild
    gaffer  AHU

    In der Rockmusik hat mich als Mini Musiker immer Manfred Mann begeistert, obwohl ich die Musik der Gruppe eher mainstreamig durchschnittlich finde. Aber im Gegensatz zu den deutschen Zwitscher Elektronikern hätte MM mich zum MiniMoog überzeugen können

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    Saxifraga  

    Moog Model D = 75% Nostalgie + 25% Sentimentalität

    Eine Neuauflage des Andromeda A6 würde ich jederzeit bevorzugen.

  11. Profilbild
    Diodenfreak

    Ich hatte nur einen Moog Prodigy 1980 gekauft, für 1040.-DM, die ich mir mit einem Schülerjob in einer Manometerfabrik in Bonn verdient hatte. Der Minimoog kostete damals bei Matten&Wiechers 2500.-DM, der Moog Modular 50.000.-DM. Ein Erfolgsrezept des Minimoog Model D war der Sound mit hohem Wiedererkennungswert, brummig, knarzig bis dünn und giftig. Für jeden etwas. Außerdem gab es in den 70ern nicht viel Konkurrenzprodukte. Der bekannte Moog-Ladder-Filter, der auch im Minimoog Model D eingebaut war (mit großzügig bemessenen 68nF-Filterkondensatoren), wird noch heute gebaut und – das Patent ist längst abgelaufen – kopiert.

    • Profilbild
      Dirk Matten  RED

      Der Prodigy kostete bei mir DM 865,–, später mit Interface-Buchsen DM 895,-.
      Der Minimoog DM 2.995,-, das zur Richtigstellung.

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