Report: Portablism – Hype oder Kult?

19. September 2019

Alles, was du über Portablism wissen solltest!

PortablismPortablism ist ein Kult und zugleich Hype. Ein Hype, der gefühlt aus dem Nichts entstand und der derweil eine eigene weltweite Szene, eine Kultur nahezu schon begründet hat.

Es gibt unzählige Mods für die Geräte auf dem Markt, es gibt eigene Webshops, Hersteller von Teilen, eigene Blogs und Magazine. Und es gibt viel Input auf allen Kanälen.

Portablism, das ist eine Abwandlung von Turntablism, wobei es irgendwie um dasselbe geht, jedoch reduziert von in der Regel einem Mixer und zwei Plattenspielern auf einen „portablen“ Plattenspieler, auf dem sich dann auch noch 7-Inches drehen. Das ist Reduktion, Reduktion auf ein kleines Gerät und kleinere Platten.

Das bietet einen günstigen Einstieg und eine Möglichkeit zum Scratchen und Jammen überall auf der Welt.

DJ TechTools hat vor Kurzem einen kleinen Bericht veröffentlicht mit sechs Gründen, warum jeder DJ Portablism probieren sollte – Six Reasons Every DJ Should Try Portablism. Ein Punkt davon ist die starke Community, die ich ansonsten im DJ-Bereich selten so erlebt habe, schon gar nicht mit dieser Hilfsbereitschaft und dem Austausch von Wissen. Auch ein Grund, die Möglichkeit, alles selber zu modifizieren.

Die Geräte der Portablisten

Alles begann mit dem Vestax Handy Trax. Er ist quasi der Pionier unter den mobilen DJ-Plattenspielern und legt den Grundstein für alles, was heute unter dem Namen Portablism geschieht. Wann genau der Vestax Handy Trax auf den Markt kam, kann ich gar nicht mehr sagen. Ich schätze 2011? Vielleicht weiß es ja jemand noch genau? Derweil gibt es diesen allerdings nicht mehr, zumindest nicht mehr im Handel, dafür noch gebraucht auf den bekannten Börsen, gern zu Preisen von über 200,- Euro, die limitierte schwarze Edition zu mehr als 300,- Euro.

Kleiner Einblick? DJ Relyt auf dem Vestax Handy Trax samt Frisk Fader:

Damit jedoch gab es keinen Stillstand, sondern ein neues Modell, das den Platz eingenommen hat. Der Numark PT-01 Scratch ist die „Portablism“-Version des PT-01, des vorherigen reinen mobilen Plattenspielers von Numark, mit ähnlichen Komponenten bestückt wie der Handy Trax. Verloren gegangen ist der Crossfader, der durch einen Crossfader-Schalter ersetzt wurde. Die Szene nahm den neuen mobilen Plattenspieler dankend an und wie bei kaum einem anderen DJ-Produkt begann hier ein Modding-Hype. Numark PT-01 ScratchDass es dazu Möglichkeit gibt, liegt vielleicht auch daran, dass der Numark PT-01 Scratch einiges an Möglichkeiten dazu bietet, in zwei separaten Tests (HIER und HIER zu Lesen) hat dieser bei uns nämlich nicht so gut abgeschnitten. Verbessert werden kann das Gerät derweil mit einem Crossfader von Jesse Dean Designs zum Beispiel oder von Raiden Fader, mit einem Start/Stopp-Schalter für den Motor, mit anderen Tonabnehmersystemen am Headshell oder gar einem komplett neuen Tonarm. Es gibt eine Lösung für das Netzteil-Problem in Form eines Anschlusskabels für Powerbanks, eine Nadelbeleuchtung oder komplett neue interne Lautsprecher. Gefühlt wurde alles an diesem Gerät gemoddet, sogar komplett neue Platinen, um die Stromversorgung für all die Umbauten zu ermöglichen. Wir haben auch fleissig an einem rumgebastelt und die Arbeit und das Ergebnis in einem Workshop für euch festgehalten. Genau diesen findet ihr HIER.

Ganz frisch im Business ist der Reloop Spin, der mobile DJ-Plattenspieler im Format des Handy Trax, der bei uns im Test echt überzeugen konnte. Reloop SpinDer Reloop Spin bietet viele Funktionen, Bluetooth-Streaming und Audio-Aux-In, powered durch wechselbare Akkus oder per USB, Netzteil oder Powerbank, Pitch-Bereich von +/-20 %, Recording direkt auf USB-Sticks per Knopfdruck, das sind nur einige der Möglichkeiten. Dazu gibt es einen verbauten Crossfader, der sowohl rechts als auch links eingebaut werden kann. Am Kabelstrang auf beiden Seiten gibt es auch noch einen Anschluss für Crossfader anderer Hersteller, zum Beispiel Jesse Dean Designs. Man ist also schon vorbereitet auf mögliche Verbesserungen.
Ohne Frage wird der Reloop Spin der zweite relevante Player im Business der portablen DJ-Plattenspieler neben dem Numark PT-01 Scratch.

Auf ein neues Modell wird noch gewartet, das bisher nur als Prototyp zu sehen war: Headache Sound Omni. Das in Hongkong ansässige Mini-Unternehmen bietet neben einem Gitarren-Preamp und einem Bodentreter auch einen mobilen Plattenspieler an, als 7“-DJ- oder als 12“-HiFi-Version. Dieser geht noch einen komplett anderen Weg als Reloop Spin und PT-01 Scratch und bietet ab Werk aus zwei kontaktlose Crossfader mit Fader-Direction-Schalter, diverse Einstellungen wie bereits bekannt und dazu einen Tonarm aus Metall mit einstellbarem Auflagegewicht, Headshell am einstellbaren Tonarm und damit die Möglichkeit, ein eigenes Tonabnehmersystem zu installieren, wie man es von normalen Plattenspielern kennt. Es gibt diverse Ein- und Ausgänge und auch Bluetooth.
Aktueller Status des Projekts? Aktuell kann man offenbar noch eine Pre-Order setzen, Kostenpunkt 280 USD, die Auslieferung soll passenderweise in diesem Monat beginnen. Nach der Pre-Order soll der Preis bei 332,- USD liegen.Headache Sound Omni

Modding the shit out of it

Modifikationen sind in der Portablism-Szene schon fast so notwendig wie früher getönte Scheiben, dicker Auspuff oder Spoiler am ersten eigenen Auto.
Also, an allem wird rumgebaut und die Anzahl der Teile ist schon fast nicht mehr zu verfolgen. Vom komplett neuen Tonarm bis zu „nur“ anderen Potikappen gibt es wirklich alles. Es helfen Blicke zum Beispiel in die Shops von Jesse Dean Designs oder in Deutschland von Portablism-Gear.

Wir können ja mal überfliegen, was es alles gibt (ohne Anspruch auf Vollständigkeit):

Tonarme in verschiedenen Variationen
Nadelbeleuchtung
Start/Stopp-Taster
Pitch-Control-Veränderung
Crossfader
verschiedene Designveränderungen vom ganzen Gehäuse oder nur Teilen
Tonarmhalterungen
interne Phono-Preamps
Umbau auf normale Headshells

Wechsel des internen Lautsprechers
Umbau auf Stromversorgung per Powerbank
Halterungen für innoFader oder Mixfader
LED-Beleuchtung unterm Plattenteller
Plattenteller aus Kunststoff oder Metall
3 in 1 Mod: Start/Stop, Reverse und Ultrapitch

Quellen der Bilder sind die Homepage von Jesse Dean Designs wie auch die Facebook-Page, sowie Portablism Gear.

Was haben wir vergessen? Sicher so einiges. Und ebenso viel wird noch dazu kommen. Mit dem Reloop Spin gibt es ja nun ein neues Gerät, für das Mods entstehen können.

Wer Bock hat sich anzuschauen, wie man einen Jesse Dean Tonarm in einen Reloop Spin Scratch verbaut, der sollte sich dieses Video hier anschauen.

Crossfader/mobile Fader und mobile Mixer

Was war eigentlich zuerst da? Fader oder portable Plattenspieler? Unwichtig. Wichtig ist nur, sie gibt es in verschiedenen Ausrichtungen. Bluetooth für DJ-Apps (HIER unser Workshop zum Thema DJ-Apps) oder per realem Audioeingang, real also im Sinne von „Kabel“. Wer wäre da zu nennen? Mixfader, Raiden Fader oder Stokyo, das wären einige spontane Ideen. Der Frisk Fader von Stokyo wäre da so ein kabelgebundener Aspirant. Miniklinke rein, Miniklinke raus und fertig. Das ganze im Hosentaschenformat. Der Raiden Fader VVT-MK1 nutzt das gleiche Prinzip. Zumeist kommen diese mit Klebestreifen auf der Unterseite oder Klett, damit man diese am Tisch, Tablet oder am portablen Plattenspieler befestigen kann.

Check out Dirty Swift mit einem Mixfader, Reloop Spin und Edjing Scratch App:

Wer ein wenig „mehr“ mag, der wird aber auch fündig. Mini DJ-Mischpulte gibt es auch im Hosentaschenformat. Der Raiden RPM-100 wäre so ein Beispiel. Phono- und Line-Input, 2-Band-EQ, Gain und ein Crossfader (innoFADER Mini Plus) samt einstellbarer Kurve. Das ist mehr, als die meisten Portablisten brauchen. Portabel wird der Mixer durch die eingebaute Batterie.

Raiden RPM-100

Raiden RPM-100

Natürlich gibt es dann auch noch die Pokket-Mixer oder den Gnome-202 von Omnitronic. Auch wenn die nicht primär für Portablism entwickelt wurden, können diese natürlich dafür verwendet werden. Ebenso der DJ-Tech Handy Kutz, der keine Mixer mit internem Akku und bis zu sechs Stunden Akkulaufzeit, in dem sich ein innoFADER Pro verbaut findet.

Ein Blick auf die notwendige Stromversorgung sollte aber vorher getätigt werden, denn der Gnome-202 braucht zum Beispiel ganz klassisch Strom per Netzteil, was dann dem Portablism-Fun im Freifeld einen Strich durch die Rechnung macht.

Was gibt es noch? Viel, viel, viel. Das würde den Bericht komplett sprengen zu schauen, was noch alles gemoddet und entwickelt wird. Bausätze in Form von 3D-Druck-Dateien gibt es derweil auch schon. Vor nichts wird Halt gemacht…und das ist auch verdammt gut so. Kaum eine Szene, eigentlich keine Szene im DJ-Bereich ist so modern, so schnell, so agil und so lebhaft.

Mach es kleiner! Mobiler Plattenspieler für 3,5“-Format

Zum Record Store Day 2019 gab es noch ein kleines Highlight. Crosley hat einen portablen Miniatur-Plattenspieler veröffentlicht, passend für 3-Inch Vinyl. Der Mini-Plattenspieler bietet USB-Anschluss, einen Kopfhöreranschluss, Line-Ausgang, internen Lautsprecher und ist batteriebetrieben. 3-Inch Vinyl? Ja, die gibt es und es werden mehr. Sogar Third Men, das Label von Jack White oder auch Epitaph, produzieren 3-Inch Scheiben.

Crosley

Der kleine Turntable für 3,5 Inches von Crosley

Portablism goes DMC

Übrigens, es gibt nicht nur DMC Showcases, Portablism wird derweil als offizielle World-Championships ausgetragen, als DMC Portablist World Final Ende September. Präsentiert wird das Ganze von Numark und teilnehmen darf natürlich nur, wer sich über ein eingesendetes Video mit einer Performance, mit dem Numark PT-01 Scratch als „Instrument“ der Wahl qualifiziert.

Das wird spannend, was da noch so passiert. Skateboarding wird Olympische Disziplin, Portablism Teil im DMC-Zirkus.

Mehr Infos dazu gibt es HIER.

DMX Portablist

Portablism goes DMC

Forum
  1. Profilbild
    swift  

    Ich will ja Amazona nicht überbewerten, aber wenn es nach einem Tag kein Kommentar gibt, handelt es sich wahrscheinlich weder um einen Hype noch um einen Kult. Eventuell sollte man wieder auf wenig reisserische Überschriften besinnen?

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