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Feature: Die Bühne, meine Spielwiese


Rampensau oder Mischpult-Nerd?

Die Bühne, meine Spielwiese? Ist das so? Trittst du gerne vor eine mehr oder minder große Zahl von Zuschauern und hoffst auf zustimmende Gesten für deine Darbietungen? Oder bist du mehr die Person im Hintergrund, der Schrauber, der dafür sorgt, dass Dritte den Ruhm für deine Leistungen einheimsen und du in Form von Tantiemen, Gehältern oder Urheberrechten für dein Schaffen entlohnt wirst?

„Was sind denn das schon wieder für Fragen und was ist das überhaupt für ein merkwürdiger Artikel?“ höre ich bereits die ersten Leser ihren Unmut kundtun. Nun ja, neben all den Millionen von technischen Hilfsmitteln, die es dem ausübenden Künstler erleichtern sollen, sich kreativ auszuleben, bleibt immer noch die Frage wozu? Warum machst du Musik? Ohne zu sehr in psychologische Abgründe abzudriften, kann man uns letztendlich doch in folgende Gruppen einteilen.

Der Traum eines jeden Künstlers

1.) Der Genötigte

Mama und Papa haben erfahren, dass das Erlernen eines Instrumentes bestimmte Hirnareale ihres Sprösslings fördert, die ihn später zu einem besseren Menschen machen (eine detaillierte Beschreibung würde den Rahmen sprengen). Also bekommt Sohnemann oder Töchterchen Gitarren-, Klavier-, Geigen- oder Trompetenunterricht, der neben den drei zusätzlich laufenden Sportfördermaßnahmen und dem Nachilfeunterricht für das G8 Abitur platziert werden will.

Der Nachwuchs schlägt sich zunächst wacker, stellt aber später fest, dass regelmäßiges Üben ein Grundprinzip für die Weiterbildung darstellt und man nicht über die Zeit verfügt/verfügen will. Gute Ansätze sterben dann spätestens mit der Wahrnehmung des anderen Geschlechtes in der Pubertät ab.

Entwicklungschancen: „Ich habe früher auch mal Musik gemacht“

Bühnenwahrscheinlichkeit: Nur im besoffenen Kopp auf Hochzeiten, Firmenjubiläen oder Karaoke-Bars.

Unterhaltungswert: grenzwertig.

Startone 1/8 Konzertgitarre

 

2.) Der Nachzügler

Er/Sie hat die Berufsausbildung bereits hinter sich und ist erfolgreich im Berufsleben angekommen. Man leitet eine Firma, hat Familie und hat sich schon immer für Musik interessiert, aber bisher nicht die Zeit gefunden, ein Instrument zu lernen. Da man den Kindheitstraum aber nicht verenden lassen möchte, entschließt man sich Mitte 30, dann endlich dem Wunsch nachzukommen.

Aufgrund der guten wirtschaftlichen Situation mit mehr als nur Basis Equipment ausgestattet, sucht man sich einen guten Lehrer oder lässt diesen nach Hause kommen, um mit vollem Elan zu starten. Nach einigen Monaten wird auch diesem Exemplar klar, dass auch hier der Faktor Zeit nicht nur der Grund für die bisherige Abstinenz von einem Instrument war, sondern auch in Zukunft dafür sorgen wird, dass man bis auf unabsehbare Zeit im Arbeitszimmer immer wieder die gleichen drei Songs spielen wird, die man als erstes gelernt hat.

Entwicklungschancen: „Ich habe auch eine Gitarre zu Hause“

Bühnenwahrscheinlichkeit: null

Unterhaltungswert: null

PRS Private Stock

3.) Der ewige Blueser

Er/Sie hat als Jugendlicher ein Instrument gelernt, eine Band gegründet, ein paar Auftritte als Tanzmucker absolviert, nebenbei in einer Bluesband gespielt, dann den Job gelernt, nebenbei in einer Bluesband gespielt, dann eine Familie gegründet, nebenbei in einer Bluesband gespielt, dann ein Haus gebaut, nebenbei in einer Bluesband gespielt…

Entwicklungschancen: „Stevie Ray Vaughan ist der Größte und von Bonamassa habe ich alle Scheiben“

Bühnenwahrscheinlichkeit: 2-3 mal im Jahr auf Geburtstagsfeiern und in der örtlichen Stammkneipe.

Unterhaltungswert: Die Familie und enge Freunde freuen sich

Fender Vibro King

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    Violator

    Bassisten meinen immer, daß sie zu leise sind. Das ist schlimm.
    Zumindest ist das bei uns Amateurmusikern so. Ich denke mal, daß es bei den Profis anders aussieht.
    Woran liegt das?

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    Coin AHU

    Es fehlt noch der „Hartz4-Musiker“

    Die machen viel Musik weil sie viel Zeit haben.
    Ob Talent oder nicht.

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    andreas1303 •••

    Für mich sind die Punkte 4 (Songs) und 5 (Persönlichkeit) auf Seite 3 der Schlüssel. Wobei sich der Punkt „Persönlichkeit“ daraus ergibt herauszufinden, wie man mit der Musik der eigenen Persönlichkeit eine Art „Sprache“ verleihen kann. Wenn man diesen Punkt einmal gefunden hat, „kriegt“ man die Zuhörer immer. Ich denke aber, dass das auch ein Instrumental-Solist erreichen kann, der selbst nicht singt. Es hat damit zu tun, dass im Kopf die ganzen Zwischenschritte bei der Umsetzung von Ideen zu Musik wegfallen und die Musik ein natürliches Ausdrucksmittel wird.
    Zu „Songs“ finde ich noch interessant, was von den Hits so übrig bleibt, wenn man sie einfach mal ganz trocken nur mit Gitarre durchsingt Das ist bei den meisten Hits nicht viel. Aber ab und zu findet man echte Perlen. Manchmal komme ich mir vor wie ein Schatzsucher.
    Was den Einsatz von Effekten angeht, ist es ein Riesenunterschied, ob die Effekte fehlende Substanz ausfüllen sollen oder ob man erst was Substanzielles hat, auf das dann gezielt und sparsam noch ein paar Effekte draufgesetzt werden. Das unterscheidet die „Wegwerf-Songs“, die sich nach ein paar Wochen verbraucht haben von den Klassikern, die auch nach 20 Jahren noch geil sind.

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    dflt ••

    für mich ist der artikel viel zu sehr aus sicht des (meiner persönlichen meinung nach) furchtbar langweiligen rock-kontexts geschrieben (ich verallgemeinere da jetzt mal ein wenig).
    das wäre an sich nicht weiter dramatisch, ist dem autor überlassen. wenn es nicht auf kosten anderer musikstile ginge…
    die aussage, dass man sein publikum nur mit dem richtigen song auf ner gitarre gewinnt und unterhält, ist doch quatsch. es gibt auch leute, die stundenlang ihr publikum allein mit einem drumcomputer unterhalten und zum tanzen bringen. braucht man hierfür eine anlage zur verstärkung? klar. aber das kann ja wohl kein kriterium sein. die gitarre ohne verstärkung funktioniert auch nur am lagerfeuer.
    was denkst du, wieviele leute von „synthetischer musik“ perfekt unterhalten werden? sie tanzen, haben spaß… genau das, was sie wollen. setz da mal jemanden mit ner gitarre hin und lass ihn blowing in the wind spielen…

    da passt das beispiel kurt cobain übrigens perfekt. ich kann absolut nicht nachvollziehen, was irgendjemand an nirvana findet. konnte ich nie. dieses gitarrengeschrammel mit gebrüll drüber berührt mich in absolut keiner weise ;)

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        dflt ••

        hi coin. klar. ;) jeder ist doch irgendwo intolerant. und bei musikern und ihren musikstilen/instrumenten ist das doch nun wirklich nicht überraschend. ich bin nur der meinung, man sollte das dann einfach für sich behalten… wenn ich dann solche artikel lese, klappt das allerdings nicht immer so gut. glaub mir, ich hab mich mit den paar eingeworfenen intoleranzen sehr zurückgehalten ;) hauptsächlich hab ich doch versucht, die meinung des autors halbwegs sachlich zu widerlegen.

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    Wellenstrom AHU

    Also, ich halte das Dingen hier für ’ne Glosse, eine überspitzt-pointierte, subjektive Meinung (über die man sich streiten kann – aber auch nicht muss). Nicht mehr, nicht weniger. Was die nun in der Rubrik „Workshops“ zu suchen hat, ist mir ein Rätsel.

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    andreas1303 •••

    Habe doch noch eine Anmerkung zum „Genötigten“:
    Das Problem sind m.E. nicht die Eltern, die völlig richtig die Bedeutung des Musizierens für die Entwicklung ihres Kindes erkannt haben, sondern das Problem sind die Instrumentallehrer, die übertrtieben auf „üben, üben“ herumreiten, weil sie selbst nicht begriffen haben, was den Spaß an der Musik ausmacht. Das ist nämlich nicht das „Üben“, sondern das „Spielen“ und zwar in der wörtlichsten Bedeutung. Es heißt nicht umsonst „ein Instrument spielen“, auch wenn alle nur noch ihre Instrumente „üben“.

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      Wellenstrom AHU

      Yep! Auch der Musikunterricht an vielen staatlichen Schulen demotiviert junge Talente leider eher, als dass er diese dazu bringt, sich leidenschaftlicher mit Musik zu beschäftigen. Warum auch in diesem System? Als Wirtschaftsfaktor vollkommen irrelevant.

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    gaffer AHU

    8. Der Wissende

    Er/Sie hat als Jugendlicher ein Instrument gelernt und für sich sehr schnell erkannt, dass dies tief drinnen genau das ist, was man schon immer machen wollte und auch immer machen will. Er/Sie glaubt, dass nur diszipliniertes Üben und absolute Fokussierung den gewünschten Erfolg bringt, also lernt und übt man, bis sich die Balken biegen.

    Der Wissende ist bemerkenswert oft in den Sparten Klassik und Jazz zu finden. In den Rocksparten ist der ProgRocker gefährdet. Was er von anderen Musikstilen hält, erkennt man manchmal in seinen Nebensätzen. Das gute bei ihm ist, man braucht ihm gar nicht erst einreden, dass sein Standpunkt eventuell überdenkenswert wäre, man würde nur unglaublich erstaunte Blicke ernten. Er schafft 450 Anschläge/min wie die besten Schreibmaschinisten, groovt aber womöglich überhaupt nicht.

    Unterhaltungswert: ?

  8. Profilbild
    DJ Ronny ••

    Ich habe es gelesen, sollte aber unter der Rubrik „muss man nicht“ erscheinen. Workshop? Was hast du uns vermittelt? Was sollten wir hier lernen.
    Auf mich macht dein Artikel den Eindruck, dass du Musik und alles was damit zu tun hat, zur Zeit nicht magst.
    Wie kommst du denn zu dieser Aussage „Unser Gehirn kann leider nur optische Effekte abspeichern, keine akustischen. „?
    Ich beherrsche zwar kein klassisches Musikinstrument, aber Musik und DJ zu sein, ist ein großer Teil meines Lebens.

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      Axel Ritt RED

      Hallo „DJ Ronny“, wahrscheinlich ist es dir entgangen, aber bei diesem Artikel handelt es sich nicht um einen Workshop, sondern um ein Feature. Weiterhin viel Spaß beim Lernen. VG

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    calvato

    …war sicher lustig gemeint, die aneinanderreihung von seltsamen klischees. naja, nicht mein humor.
    ich finde auch, dass jemand mit solch einem profilbild vorsichtig sein sollte mit der äusserung über das erscheinungsbild anderer. aber vielleicht ist das profilbild auch nur lustig gemeint??

    • Profilbild
      Axel Ritt RED

      Hallo „Calvato“, vielen Dank für deinen interessanten Kommentar zu meinem Profilbild. Es freut mich, dass es dir so gut gefällt und ich hoffe, du wirst noch weitere Kommentare einstellen, welche sich mit meinem optischen Erscheinungsbild beschäftigen. Liebe Grüße – Axel

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        calvato

        naja, wer sich an dem aussehen anderer stört sollte sich auch mal an die eigene nase fassen. „wer austeilt muss auch einstecken können“ hat meine oma immer gesagt, aber vieleicht hab ich auch einfach nur den humor net verstanden. ist einfach jenseits meines humor-horizonts. genau wie deine antwort.

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        Saxifraga ••

        Also mir gefällt deine Frisur und Styling!
        Mal ’ne andere Frage, müssen Tonmeister und Mischpultbediener auch mal an und ab zum Gehörtest?
        Mich regt es auf wenn ich bei einem Konzert >110 dbA auf die Ohren gehauen bekomme. Ich praktisch nicht mehr zu Konzerten und Veranstaltungen mit elektrischer Verstärkung, denn da werde ich Taub. Die meisten Leute am Mischpukt scheinen schon taub zu sein.
        MfG

        • Profilbild
          Axel Ritt RED

          das ist in der Tat auch für mich ein Riesenproblem, aber solange jeder eine andere Vorstellung von einem „fetten“ Sound hat, wird sich das auch nicht ändern. Besonders übel ist es für die Musiker auf der Bühne, die nicht mitbekommen, wie unerträglich sie im Saal klingen. Da werden die kleinsten Details von Hölzern, Widerständen, Röhren etc. für den perfekten Sound zusammen getragen und dann kommt der FOH und zertrümmert alles …

  10. Profilbild
    Wellenstrom AHU

    Naja, so hart sollte man mit dem Artikel hier nicht ins Gericht gehen. Wir haben doch alle unsere Klischees, ausnahmslos. Wer das verneint, lügt.

  11. Profilbild
    Coin AHU

    Meine Eltern haben mir von Anbeginn an eingebläut:
    „Musik machen ist eine Brotlose Kunst“

    Naja, irgendwann dachte ich auch, es kann nicht mehr schlimmer werden. ^^

  12. Profilbild
    Wellenstrom AHU

    Heutzutage ist es nicht nur brotlose Kunst, man zahlt sogar ordentlich drauf. Was aber auch nicht schlimm ist für ’ne Droge ohne böse Nebenwirkungen.

  13. Profilbild
    k.rausch RED

    Wunderbare Glosse, hat Kolumnenqualität. Hab 11 Jahre an der Front im Musikalienhandel verbracht, da lernt man die Stereotypen alle kennen. Und lieben. Es gibt sogar noch ein paar mehr. Manche davon gehen zum Lachen in den Keller, dort wo das Equipment rumsteht :)

  14. Profilbild

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