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Test Focal Alpha 50 Evo, Alpha 65 Evo, Nahfeldmonitor

30. Juli 2021

Alpha Evo: Einfach nur ein Facelift?

Focal alpha evo 50 65 test

Focal Alpha 50 Evo, Alpha 65 Evo, Nahfeldmonitor

Eines vorab: Ich mag Focal! Ich hatte hier schon ein paar Modelle im Test und war vor einigen Jahren auch stolzer Besitzer einer Focal Alpha 65. Die französischen Lautsprecher haben mich nie enttäuscht, denn sie schaffen immer den Spagat zwischen einem sehr guten Studiomonitor und einem Lautsprecher, mit dem man auch gern und lange Musik hört.

Focal_Alpha_Evo_Non_Alpha

Die Vorgängermodelle

Nun hat Focal seine Einstiegsbaureihe aktualisiert: Die „alten“ 50er und 65er werden durch die hier getesteten Evo Modelle ersetzt – nur die Focal 80 bleibt im Programm. Offenbar hat man noch keinen passenden 8“ Woofer in der neuen Carbonbauweise parat.

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Focal_Alpha_Evo_Frontal

Focal Alpha Evo Modelle: Was ist neu?

Eigentlich…alles. Die Woofer bestehen nun aus einem Karbon-Werkstoff („Slatefiber Membran“) und auch die 1 Zoll Aluminium Kalotte wurde überarbeitet. Die Verstärker sind nun in modernen Class-D-Technik gehalten, während die ältere Baureihe noch auf klassische Class-AB setzte. Die Gehäuse bestehen, wie schon zuvor, aus einem Mix aus MDF (15 mm) und Seitenteilen aus Vinyl. Allerdings sehen die neuen Evos nun „spaciger“ aus. Dreieckige Ausfräsungen und ein nun einteiliger Bassreflexport geben den aktualisierten Monitoren einen sehr modernen Look.

Focal_Alpha_Evo_Bassreflex

In Sachen Abmessungen haben sich die Proportionen etwas geändert: bei der 65er ist es etwas weniger Höhe und Tiefe, dabei aber breiter (348 x 252 x 309 mm vs. 339 x 261 x 289 mm). Die kleinere 50er ist mit dem Vorgänger fast identisch, nur etwas weniger tief. Die geringfügig geringeren Volumina der neuen Evo Modelle ist nicht etwa eine Rotstift-Maßnahme, sondern sicher den geänderten Parametern der Woofer geschuldet. Außerdem benötigt die Class-D Technik weniger Platz als die Class-AB Variante.

Das macht sich auch im Gewicht bemerkbar: Haben die Non-Evos noch 7,3 kg bzw. 9,4 kg auf die Waage gebracht, so sind es nunmehr schlanke 5,95 kg bzw. 7.6 kg. Wow, fast bis zu 2 Kilogramm leichter. Übrigens haben die neuen Alphas sogar noch Gewinde für die Stativ- oder Wandmontage bekommen. Sehr gut!

Focal_Alpha_Evo_Side

In den Messwerten gibt es auch ein paar interessante Unterschiede: Die Class D Verstärker haben weniger Dampf als die Vorgänger. Alpha 50: 20 Watt im Hochton und 35 Watt im Tiefmittelton, Alpha 50 Evo: 20 Watt und 30 Watt im Bass. Die ältere 65er hatte 35Watt HT und 70 Watt TMT und bei der Evo Variante „nur“ 25 Watt bzw. 55 Watt. Laut Spezifikation macht das 2 dB weniger Maximalschalldruck: 101 dB bei der Evo 50 und bei der 65er Evo sind es nun 104 dB.

Bei der Konnektivität hat Focal nicht gespart: Symmetrische Eingänge gibt es nun als XLR und TRS und, wie zuvor, einen Cinch-Port als unsymmetrischen Eingang. Die Sensitivität kann bei beiden Generationen um 6 dB erhöht werden, aber die abschaltbare Auto Standby Option gibt es nur bei der Evo. Letztlich haben alle Varianten auch jeweils einen Shelving Filter für Höhen und Bässe.

Focal_Alpha_Evo_connect

Abschließend gibt es bei den Evos im Lieferumfang noch abnehmbare Gitter, um die Chassis zu schützen. In der recht ausführlichen Bedienungsanleitung wird aber empfohlen, diese für die beste Klangqualität abzunehmen.

Focal_Alpha_Evo_Front_Cover

Bringen wir es auf den Punkt: Die Evo Modelle sind kein Facelift mit ein bisschen Optik hier und ein wenig Chi Chi da. Es sind komplett neue Lautsprecher, die künftig den Einstieg in Focals Studioserie darstellen sollen.

Focal Alpha Evo: Praxistauglichkeit und Verarbeitung:

Bei Focal wird in der Einsteigerklasse kein Wert auf bunte Membranen oder Hochglanz-Furniere gelegt. Es handelt sich um funktionale und sehr gut verarbeitete Lautsprecher mit einem sehr hohen Verarbeitungsstandard. Alle Ausfräsungen, Spaltmaße, Buchsen und Details sind von sehr hoher Qualität. Die Stand-By-Funktion ist überaus zuverlässig und unauffällig.

Nur die steckbaren Lautsprechergitter fallen etwas ab. Hier wäre eine magnetische Haltung eleganter gewesen. Aber man soll sie ja sowieso abnehmen. Übrigens ist – wie bei Focal üblich – jedem Speaker eine recht ausführliche Bedienungsanleitung mit Aufstell-Empfehlungen beigefügt.
Nun, dann schließen wir die Neulinge mal an…

Focal_Alpha_Evo_HT

Wie klingen die Focal EVO Alpha 50 und EVO Alpha 60?

Zunächst hören wir mal…nix. Und das ist gut so. Sowohl im Standby (weniger als 0,5 Watt Verbrauch), als auch in mit grüner LED signalisierter Bereitschaft muss man schon nah mit dem Ohr an den Hochtöner gehen, um ein Rauschen zu vernehmen – toll! Starten wir mit der größeren 65er Evo. Ja, wir wissen alle, dass sich das Ohr keinen Klang merken kann. Aber durch meine jahrelange Erfahrung mit dem Vorgängermodell habe ich mich sofort zuhause gefühlt. Naja, fast, denn klanglich legt die Evo schon eine deutliche Schippe obendrauf. Gehen wir die einzelnen Testparamenter der Reihe nach durch (die Shelving Filter auf Neutral gestellt):

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Bass und untere Mitten

OK, WOW – Einmal Lars Danielssons Scheibe “Libra Me” über Qobuz abgespielt und zum letzten Track „Asnah“ gesprungen. Das ist schon mehr als ordentlich, was der 6,5 Zöller der Focal Alpha 65 Evo da abliefert. Sehr tief, warm und voluminös. Der gezupfte Bass ist dabei schon fast einen Touch zu viel. Der Druck ist da, aber die Definition fehlt etwas. Anschlaggeräusche gehen fast ein wenig im Druck unter. Auch trockene Synthiebässe kommen nicht so tight auf den Punkt – aber das Volumen und der Tiefgang überraschen. Ein wenig runtergeregelt gewinnt das Klangbild klar und die Definition kehrt weitestgehend zurück. Die 65 war und ist kein Bassanalytiker. Hier mag ich mir kein Vergleich zur alten 65er erlauben, denn ich habe diese in einem völlig anderen Raum installiert. Wenn Sie mich mit (viel) Alkohol zu einem Urteil zwingen würden, dann würde ich sagen: Die „Non-Evo“ 65 hatte weniger Tiefgang, aber dafür etwas mehr Definition.

Focal_Alpha_Evo_TT

Und die 50er? Die war mir in der ursprünglichen Version stets zu substanzlos. Die Focal Alpha 50 Evo hingegen ist hier ein Ausnahmespeaker in der Preisklasse. Das Volumen und die Qualität des Basses – das habe ich in der Einstiegsklasse so bisher nicht gehört. Hier bin ich schlichtweg begeistert. Trocken und kaum weniger tief als die große Schwester kann die Kleine auch meinen recht voluminösen Hörraum gut ausfüllen und bleibt dabei knackig und präzise in den tiefen Lagen.

Die mittleren Frequenzen der Focal EVO Lautsprecher

Das war und ist schon immer eine der Stärken der Focal-Monitore. Auch hier bin ich vom Ergebnis der 65er nicht hundertprozentig begeistert. Verglichen mit meiner Referenz, der KS Digital C88 Reference klingen Singstimmen einen Hauch (!) zu hohl und zu bauchig. Bei Wechsel auf die 50er wieder verdutztes Staunen. Anspieltipp: Annie Lennox 2014 Album „Nostalgia“ mit “Georgia On My Mind” und Ihnen wird definitiv der Mund offen stehen. Die gehaltenen Töne mit abschließendem Vibrato werden neutral und klar wiedergegeben. Ein riesen Schritt im Vergleich zum Vorgänger und auch ein weiterer Punkt im Vergleich zur großen Schwester.

Focal_Alpha_Evo_50-on_KSD

Die Höhen und die Raumabbildung

Hier, wie könnte es anders sein, ein klares Patt mit deutlichem Vorsprung vor den älteren Modellen. Focal hat offensichtlich viel aus der Beryllium Technologie gelernt und diese auf die Aluminium Inverskalotten übertragen. Sehr seidig und (endlich) auch mit genügend Auflösung und Präzision stellen auch hier die Alpha Evo Versionen den Maßstab der Einsteigerklasse. Das gilt übrigens auch für die räumliche Darstellung: Wie Annie Lennox Stimme aus dem Nichts in den Raum gezeichnet wird, ist schon ein Augenbrauenhochziehen wert.

Focal_Alpha_Evo_tweeter

Musikalität und Farbenreichtum

Nein, ich kann es mir nicht verkneifen, diese Aspekte in den Klang einzubeziehen. Warum? Weil dies einfach Teil der Gesamtperformance ist. Wie oft haben wir alle schon neutrale, hochauflösende und bass-starke Lautsprecher gehört und trotzdem ist der Funke nicht übergesprungen? Das kann man den Focal Alpha Evo Modell wirklich nicht vorwerfen und das ist eigentlich auch deren größte Stärke. Für Mixing- und Masteringfreaks mit Tendenz zur maximalen Transparenz mögen sich diese Lausprecher vielleicht weniger empfehlen (wie kaum ein Einstiegsmonitor), aber gerade im Homestudiobereich müssen die Monitore ja oftmals sowohl Arbeitsmittel als auch Quelle zum Konsumieren der Lieblingsmusik herhalten. Und das geht nur, wenn die Speaker auch das gewisse „Etwas“ transportieren. Dieses „Etwas“ unterscheidet den singenden Klang einer Stratocaster von einem nervtötenden Geschramme. Die Oberwellen einer komplexen Stimme, wie die der erwähnten Annie Lennox oder Alison Moyet von Yazoo. Hören Sie mal in „Midnight“ vom Yazoo Album „Upstairs at Eric’s (1982) rein. Hier können Sie schon anhand der Menge Ihrer Gänsehaut entscheiden, ob der Lautsprecher abliefert. Eine tolle Demonstration der Qualität der neuen Focal Evo Monitore und ein klares Statement, dass man mit diesen Modellen aktuell in der Top-Liga der aktuellen Einsteigermonitore residiert.

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Fazit

Nur eine Evolution? Nein, ich würde sagen: Die Focal Alpha Evo Serie ist ein sehr großer Schritt im Vergleich zur Vorgängerserie. Man hat hier nix kaputt entwickelt oder nur des Änderns wegen geändert, sondern man ist von den sehr guten Vorgängern ausgegangen und hat praktisch jedes klangrelevante Bauteile verändert – und so sind zwei wirklich gute, musikalische und hochwertige Monitore entstanden, die sich gerne auch die Besitzer der Vorgänger mal anhören sollten.

Plus

  • Sehr gute Klangqualität
  • Bass-stark
  • neutral
  • präzise
  • sehr musikalisch
  • Sehr gute Verarbeitung
  • preisgünstig

Minus

  • bei der 65er in "Neutral"-Stellung etwas zu viel Bass

Preis

  • Alpha 50 Evo: 279,- Euro / Stück
  • Alpha 65 Evo: 349,- Euro / Stück
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Forum
  1. Profilbild
    AMAZONA Archiv

    Hallo Jörg,

    ich hatte die Alpha Evo 50 zwei Wochen daheim zur Probe und mich haben sie leider nicht überzeugt.

    Ich habe sie in einem akustisch optimierten Raum mit einem Prism-Wandler im Hörabstand von 1,20 Meter betrieben. Ich war auf der Suche nach kleinen aber guten Monitoren auf denen ich meine Mischungen nach meinen Adam S3V gegenhören kann. Zudem hat mich die Optik der Evos sehr angesprochen.

    Die Lautsprecher sind für den Preis toll verarbeitet, aber klingen eindimensional. Alles befindet sich vorn im Mix und das platzieren von Signalen in der Tiefe war für mich nicht möglich (das Problem haben viele LS in diesem Preissegment). Ich habe verschiedene Positionierungen im Raum versucht und habe sie auch zusätzlich mit Sonarworks eingemessen, da ich ihnen eine Chance geben wollte, aber es sollte nicht sein.

    Danke für den Test und die investierte Zeit!

    • Profilbild
      vssmnn  AHU

      Gibt es in dieser preisklasse überhaupt Lautsprecher, welche dein angesprochenes Problem lösen könnten?

      • Profilbild
        AMAZONA Archiv

        Hallo vssmnn,

        nein leider nicht. Ich hatte hier wohl aufgrund des Namens eine zu hohe Erwartungshaltung und war von dem Design angetan. Sie waren auch von der Größe perfekt. Ich möchte die Evos in keinem Fall schlecht reden. Für den Preis sind sie toll.

        Ich denke beim Kauf immer langfristig. Und als Einsteiger würde ich vorzugsweise sparen und in die 1000 Euro Kategorie schauen. Hier gibt es Neumänner, APS, Genelecs …., die aus meiner Sicht eine solide Beurteilung zulassen. Und ich spreche nicht von subjektiven Eindrücken.

    • Profilbild
      dAS hEIKO  AHU

      Ich finde deine Erfahrungen und deine Einschätzung nachvollziehbar. Schließlich hat Du offnesichtlich neben dem baulichem Aufwand ein 5000-Euro-Premium-Pärchen am Start, das kleine Boxen schnell „alt“ aussehen lassen kann. Da wäre vielleicht die Shape- oder Solo-Serie besser, wenn man etwas mehr ausgeben möchte. Oder halt gleich ein NS-10 Clone, die ich aber für recht teuer halte. Oder ne alte Control1 ;-) die die meisten aber hassen.

      Letzten Endes sollen Boxen in diesem Bereich ja auch den geneigten Homerecorder ansprechen. Und wie man ließt, machen die das wohl ganz gut.

      • Profilbild
        AMAZONA Archiv

        Hallo das heiko,

        wie Jörg unten schon schreibt, hat er ganz andere Erfahrungen gesammelt, was ich nicht anzweifeln möchte. Es scheint wohl an den Räumlichkeiten zu liegen.

        Ich habe mir jetzt die Solos zur Probe bestellt und bin mal gespannt wie diese klingen. Mit NS10 kann und konnte ich noch nie etwas anfangen. Bin immer wieder überrascht wie Leute damit einen tollen Mix hinbekommen, aber es geht und das schon über Jahrzehnte:) Danke für deine Hinweise!

    • Profilbild
      Jörg Hoffmann  RED

      Hallo, Deinen Eindruck der Eindimensionalität – den kann ich nicht nachvollziehen. Der Klang löst sich sehr gut von den Lautsprechern und ich konnte Tiefen- und Breitenstaffelung sehr gut wahrnehmen. Klar, nicht in den Ausmaßen eines 5000 Euro Pärchens, aber doch sehr anständig. Bei standen die Focal sehr frei im Raum, ca. 1,70m Abstand und „befeuert“ von einem Apollo Twin X Audiointerface. Als Quellen nutze ich Qobuz via Roon. Alternativ Hab ich ein SSL SiX Analogmixer – an allen Quellen ein sehr überzeugendes Ergebnis.
      Gruß, Jörg

      • Profilbild
        AMAZONA Archiv

        Hallo Jörg,

        ich lese deine Tests immer gern und stimme auch in vielen Themen mit deiner Meinung überein, daher war ich hier überrascht.

        Ob der Raum mir hier einen Streich spielt? Ich hatte habe von der Wand nach hinten zu den LS einen Abstand von 1,50 Meter und zu den Seitenwänden von jeweils 2,50 Meter. Alle Ecken und Reflektionspunkte inkl. Decke und Boden sind vom Akustiker behandelt. Daher wundert es mich, dass wir hier zu so unterschiedlichen Ergebnissen kommen. Ich habe bisher keine Box erlebt, die in meinen Räumen bei der Tiefenstaffelung so geklungen hat und ich habe nicht die Erwartungshaltung der Adams an den Tag gelegt, was auch total unfair wäre.

        Zum Glück hält der Markt einiges an Alternativen bereit und so ist etwas für jeden Raum dabei.

    • Profilbild
      JensNieco  

      1000 und Neumann? die Dinger kosten ehr 3000, und die kleinen 5″ Neumann können inzwischen fast nicht mehr mit diesen Focal hier mithalten, jedenfalls sind die in der tiefe sicher nicht besser und 1,2 Meter ist vielleicht auch schon zu wenig. Jedenfalls sind grade die Focal für einen deutlich und gut hörbaren Raum bekannt, ich hatte auch schon Adam Speaker und wegen deren gehypten Tweeter klang wirklich alles on front weswegen ich die auch verkauft habe. Lautsprecher brauchen Eingewöhnung, es kann schon sein das für jemand der lange ATM nutzt plötzlich nicht genau weiß wo er hinhören soll um die Räumlichkeit zu erkennen.

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