Test: GRP A2, Analogsynthesizer

GRP A2 im Kreis seiner Familie

(von Peter Grandl)

Am ähnlichsten dürfte der GRP A2 dem GRP A3 sein, über den AMAZONA.de bereits 2008 berichtete. Zwar verfügte dieser über drei VCOs und unterschied sich auch sonst in einen wesentlichen Punkten, war aber dennoch so etwas wie die Blaupause für einen „kleinen GRP“, der nun im handlichen Format vorliegt. Auch ging der GRP A3 nie in Serie – und soweit wir wissen, dürfte der GRP A3 Prototyp heute im Besitz von Theo Bloderer sein, der einen großen Anteil an der Popularität der GRP Synthesizer in Deutschland haben dürfte.

GRoppioni Paolo mit dem GRP A3 Synthesizer

GRP A6 und GRP A8 darf man getrost eher in die Boliden-Ecke stellen, mit sechs bzw. gleich acht analogen Oszillatoren sind diese reichlich an Möglichkeiten ausgestattet, leiden aber auch an einer gewissen Unübersichtlichkeit, die ein System dieser Größe mit sich bringt, das ausschließlich über Kippschalter und nicht mit Kabeln gepatcht wird.

Ein vernünftiges Mittelmaß zwischen Möglichkeiten und Bedienbarkeit stellte sicher der GRP A4 dar, den Gründer GRoppioni Paolo 2012 entwickelte und mit 4 Oszillatoren und einem ausgefeilten Stepsequencer sicher bislang der am weitesten verbreitete GRP am Markt sein dürfte und auch in mehreren Auflagen hergestellt wurde. Mit 4.400 Euro Einstandspreis gehört er dennoch immer noch zu den Luxus-Analogen.

GRP A4

Mit dem GRP A2 hat also nun GRoppioni Paolo den wirklich faszinierenden GRP-Sound in eine erschwingliche Einheit gepackt, die uns im Test voll und ganz überzeugt hat.

Den extrem vielseitigen Analog-Sequencer aus GRP A8 und GRP A4 hat Paolo zudem als separate Unit unter der Bezeichnung GRP R24 in sein Portfolio aufgenommen. Übrigens erscheint ein ausführlicher Test zum GRP R24 in wenigen Tagen am kommenden Sonntag hier auf AMAZONA.de in der Redaktion BEATS.

Sequencer GRP R24

Erwirbt man GRP A2 und GRP R24 zusammen, wird man für ca. 2.900 Euro mit einem erstaunlich leistungsfähigen Set belohnt, das einem GRP A4 klanglich nur noch in wenigen Punkten nachsteht, dabei aber deutlich handlicher und übersichtlicher ist. So schön wie die Wohnzimmerschränke der GRP-Familie auch sein mögen, so sperrig sind sie im täglichen Gebrauch – vor allem aber im Service-Fall, kommt man um eine kostspielige Spezialverpackung nicht herum. Der handliche GRP A2 hingegen gibt sich mit einem Standard-Karton zufrieden und dürfte auch in kleinen Homerecording-Studios sehr leicht Platz finden.

Ich persönlich besaß lange Zeit den GRP A8, trennte mich aber auf Grund von Platzmangel und der (für mich maßgeblichen) Unübersichtlichkeit wieder von diesem Koloss. Mit dem GRP A2 sehe auch ich nun die Möglichkeit, den GRP-Sound wieder in die heimischen vier Studiowände zu holen.

YT-Video

Zum Schluss nun wie üblich noch ein paar weitere Sounddemos, die wir in YouTube gefunden haben:

Fazit

GRP stellt mit dem A2 einen komplexen Synthesizer im kompakten Desktopgehäuse  mit enormer klanglicher Bandbreite und sehr hochwertiger Klangerzeugung vor. Dass er mehr kostet als viele Konkurrenzgeräte, ist vor diesem Hintergrund gerechtfertigt.

Wer nahezu modularmäßige Möglichkeiten der Klangestaltung im tragbaren Format benötigt, sollte sich den A2 auf jeden Fall näher ansehen.

Plus

  • Modulationsmöglichkeiten
  • Klang
  • Fertigungsqualität

Minus

  • -

Preis

  • 1.200,00 + 22 % Mehrwertsteuer + Versand aus Italien
Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    costello  RED

    Macht mich sehr an – der Look mit den Knebelschaltern, wie bei einem alten Herd.
    Die Modulationsmöglichkeiten, Ringmodulator, Arpeggiator – alles da. Und der Sound stimmt auch :)

  2. Profilbild
    XCenter  

    In dieser Preisklasse darf man aber gerne bemängeln, dass das Gerät keinen Audioeingang hat. Gerade bei den zahlreichen Modulationsmöglichkeiten und dem Pseudostereo wäre das lohnend. Habe ernsthaft drüber nachgedacht jetzt bei GRP einzusteigen, aber bei dem Kurs erwarte ich, dass alles in meinen Augen Essentielle an Bord ist. Schade.

  3. Profilbild
    iggy_pop  AHU

    Die ringmodulierte Sequenz fand ich klanglich noch am ergiebigsten.
    Ich bin mir allerdings nicht sicher, ob noch ein Analogsynthesiser von einem Boutiquehersteller eine Antwort auf alle unsere Fragen ist.
    Das ist sicherlich nur meine Meinung, da ich sowieso mit der Konzeption der GRP-Geräte nicht wirklich warm werde und mir der Klang zu „modern“ ist („modern“ in der Art eines Anyware SEMtex).

  4. Profilbild
    xtront  

    Im Sommer 2015 hatte ich die Gelegenheit bei Hioeber Lindberg den A4 testen zu können. Bis dahin war ich überzeugter MacBeth-Fan. Aber der A4 hatte mich eines besseren belehrt. Das war ein bisschen Liebe auf den ersten Blick! Mit etwa 4400€ nicht gerade ein Schnäppchen (ja, MacBeth noch weniger!) aber der neue A2 versönt durchaus mit seiner Flexibilität, ausgesprochen gutem Sound und einer übersichtlichen Bedienung.
    Könnte mir gut vorstellen den A2 künftig daheim zu nutzen.

    Weiss jemand ob die CV-Eingänge vom A2 intern etwas ersetzen oder hinzufügen? Und was bitte ist mit Velocity?

    • Profilbild
      lightman  AHU

      Die Klangbeispiele (auch in den anhängenden YT-Videos) klingen gut, aber auch etwas generisch (um nicht zu sagen charakterschwach), es will mir nicht gelingen, den Grundschnarr des A2 rauszuhören. Das klappt bei den Instrumenten von Macbeth problemlos, deshalb würde mich interessieren, was dich den A2/A4-Klang bevorzugen läßt.

  5. Profilbild
    Tyrell  RED 112

    Ich habs gewagt und soeben ein Exemplar bestellt. Mich macht das Ding auf jeden Fall sehr an.

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