Test: Macbeth Elements, Analog-Synthesizer

21. November 2015

Der Synthesizer Bastard

alex4; reseller; vertrieb; Audio Damage; Broken Silicon; Cwejman; Doepfer; Erfindungsbuero Rest und Maier; Flame; Haken Audio; Hornberg Research; Kenton; KOMA Elektronik; Macbeth; Manikin; Meeblip; Rebel Technology; Sherman; SND; Verbos Electronics; Vermona

Zwei Jahre sind vergangen und Ken Macbeth hat wieder einmal die Türen seines Laboratoriums geöffnet. Für gutbetuchte bzw. sparsame Synthesizer-Enthusiasten hat er einen neuen Desktop-Synthesizer erschaffen. Kein Bonsai, wie es die Micromac-Serie noch gewesen ist, sondern ein ausgewachsener Desktop-Synthesizer „für große Hände“. Die ersten Exemplare des Macbeth Elements haben ihren Besitzer gefunden. Für diesen Test bekam ich von Schneidersladen einen von drei Prototypen des Synthesizers.

Erwartungen

Ken Macbeth ist seit ca. 15 Jahren einer der erfolgreichsten Erbauer der zweiten analogen Synthesizerwelle. Seine Produkte zeichnen sich durch einen hervorragenden Klang und eine großartige Verarbeitung aus. Er entwickelt allein über Jahre hinweg einen Synthesizer und lässt seine Fangemeinde per Facebook und Youtube an der Entwicklung teilhaben – eine etwas eigentümliche, aber bei Ken erfolgreiche Werbe- und Verkaufsstrategie. Zwischen Ankündigung und tatsächlicher Auslieferung können mitunter Jahre vergehen. Wenn sich ein Synthesizer nicht mehr verkauft, wird er abgekündigt und nicht wieder aufgelegt, denn Ken hat sich schon wieder eine neue Herausforderung gesucht. Die aufgerufenen Preise für die Exemplare sind sehr hoch. Durch die große Beliebtheit und die Boutique-Fertigung sind die Wertverluste minimal bzw. mancher Macbeth Synthesizer steigert sogar seinen Wert im Laufe der Jahre.

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Klangbeispiele
Forum
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    Marko Ettlich  AHU

    Ich konnte den Elements auf der Musikmesse direkt bei Ken ausprobieren und war total begeistert. Der Klang ist eigenständig und sehr edel. Was den Preis angeht, es handelt sich hier um eine Synthesizer Manufaktur und es ist keine Massenware. Dafür muss man natürlich etwas tiefer in die Tasche greifen aber man bekommt als Gegenwert einen fantastischen Synthesizer der dem Preisverfall nicht so erliegen wird wie die meisten anderen heutigen Synthesizer.

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    Joghurt  AHU

    Sehr schöner Bericht, besten Dank! Ich liebe solche kleinen, tollkühne Firmen und „unterstütze“ sie sehr gerne. Bei meinem nächsten Berlinabstecher werde ich mich mal mit dem Elements beschäftigen. Auf den ersten Blick scheint er mir aber doch ganz schön teuer…

    Noch eine Frage (vermutlich habe ich es schlicht überlesen, oder die Frage zeugt von Ignoranz meinerseits): Wie viele Stimmen hat der Elements?

    Und eine kleiner Bemerkung: du bemängelst zweimal die Tastatur, bei den „Minus“ kommt sie aber nicht vor.

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      j.rauner  RED

      Hallo Joghurt72,
      manchmal vergisst man das Selbstverständlichste und missachtet, die die sich noch nicht so gut auskennen. Der Macbeth Elements ist ein monophoner Synthesizer. Bei Ken rechnet auch keiner mit einem polyphonen.
      Einige Kritikpunkte kann man schlecht in ein Minus-Plus-Schema pressen. Meine Kritik am Touchplate ist so ein schwieriger Fall. Ich möchte die Leser darauf hinweisen, was man beim Elements nicht erwarten darf. Dies kann ich aber nicht mit einem Minus bewerten.

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    martin stimming  

    geil, reizt mich sehr, das gerät! habe nen cwejman s1 und ungefähr drei jahre gebraucht bis ich ihn dieses jahr endlich so eingesetzt habe wie er es verdient. würde hier wahrscheinlich ein bisschen schneller gehen weil er zumindest vom interface viel klarer strukturiert ist.
    ich sollte ihn mir nicht anhören sonst kauf ich ihn ;)

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    gutzufuss  

    Die Klangbeispiele gefallen mir sehr gut. Sie lassen erahnen, welches Potential in diesem Gerät steckt. In der zweiten Hälfte von Nr. 13 wurde ich spontan an bestimmte Stücke von Oskar Sala mit seinem Mixturtrautonium erinnert. Und mit Nr. 19 kann der Autor ohne Weiteres in der Hörbar in Hamburg auftreten.
    Den Klang des Macbeth empfinde ich als zeitlos schön, edel und geschmeidig, mit einer guten Prise charmanter Rauheit und tollen experimentellen Möglichkeiten. Ich habe allerdings noch nie einen Macbeth „in echt“ gehört.

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    AMAZONA Archiv

    Sehr guter Test, Danke. Gerade auch , weil Kritikpunkte heraus gearbeitet wurden, die ich sonst noch nirgendwo so gelesen habe. Federhall im Gerät, aber Netzteil (ohne An/ Aus Schalter) außen sind sicher kein entscheidendes Argument gegen den Elements, aber die Schönheit des Gerätes lässt manche Lobeshymnen im Netz doch manchmal zu extrem ausfallen, zumindest für meinen Geschmack.

    Das ist ein toll klingendes Luxus Gerät, das konkret auch auf das Ästhetikempfunden des potentiellen Käufers zielt. Man stelle sich vor, das Gerät , ohne die Potikappen, anstatt dessen mit Standardknöppen (ich meine nicht die Potis) ? Insofern ist Ken MacBeth auch ein sehr professioneller Marketeer. Das Auge hört mit.

    Ich hätte den Elements gerne in meiner Sammlung, und bin gespannt, ob man aufgrund der verwendeten SMD Technik doch den einen oder anderen ohne Warteliste, und ohne Schneiders Laden erhalten kann.

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    olduser  

    Der Synth gefällt mir, schöner Formfaktor, toller Klang. Ich habe mich erst vor 2 Monaten für den Grp 4 entschieden und empfinde 1000€ mehr für den Elements, als nicht so angemessen, zumal der GRP 4 aus meiner Sicht viel mehr Möglichkeiten bietet. Trotzallem reizt mich der Elements als gearjunkie nach Boutique Geräten . Danke für den tollen Test.

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      AMAZONA Archiv

      Ja, für das, was er bietet ist auch mir der Elements gefühlte 40 % zu teuer. Besonders z.B. auch im Vergleich zu einem Cwejman S1Mk2 , der die Klänge des Elements locker drauf hat (und deutlich mehr) . Aber bei analogen Boutique Synthesizer geht es ja nicht allein um den (hier hervorragenden) Klang, sondern auch um das Instrument selbst. Das schließt Haptik und Design mit ein. Die Optik vom Elements und auch -um Missverständnisse zu vermeiden- der Klang sind superklasse … das reizt mich extrem. Aber nicht für diesen Preis.

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    costello  RED

    Das zeitlose Design dieses wunderschönen Synthesizers ist fast 45 Jahre alt. Hier stand eindeutig der EMS Synthi „A“ Pate – klar, das Patchfeld fehlt, das Touchboard hängt direkt am Synth und beim EMS waren einige Faderkappen in bunten Metallicfarben gehalten, nicht unähnlich den Kapseln eines bekannten Kaffeeherstellers. Tolle Klangbeispiele, ein Instrument für lange Winterabende.

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    Filterpad  AHU

    Da sieht man mal wie groß die Preisunterschiede bei Synthesizern sind. Da gibt es den ‚Microbrute‘ für 299,- und den ‚ME‘ für 5490,-. Mal abgesehen von der deutlich besseren Verarbeitungsqualität wird es als Laie doch recht schwierig zu erkennen, warum man preislich einen Kleinwagen hinlegen muss. Aber die Klangbeispiele hauen mich um. Ich war im anderen Kosmos unterwegs und konnte gar nicht glauben was die Kiste hier zum Vorschein bringt. Von Klangspektrum Theremin,- und FX-ähnlich bis Moog-Bass/Lead und von Horror,- bis Vangelis-Sounds scheint alles möglich zu sein. Vielleicht rechtfertigt das den Preis und es kann jemand mehr dazu erklären.

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    Viertelnote  AHU

    wenn man so zusammenzählt, was im Studio
    für Klangerzeuger rumstehen, die speziell nur
    eine Sache können, dann rechnet sich das zwar nicht ganz auf, aber man merkt dass man mit dem ME ein Instrument erwirbt, was eine ganze Pallette kann und somit das eine oder andere Gerät überflüssig macht.
    Klanglich ist das hier ganz großes Kino.

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      Filterpad  AHU

      Richtig, du hast es auf den Punkt gebracht! Das war auch mein Gedanke, als ich den Beitrag geschrieben habe. Ein guter Synth deckt vieles ab und beschränkt sich nicht nur auf eine hervorgehobene Stärke (z.B. Pianosounds oder Bässe). Bei den Soundbeispielen lässt sich das sehr gut erkennen. Manchmal dachte ich, hier läuft ein VST Plug-in, so dünn klingt er und dann hört man wieder einen Analog-Bass der Extraklasse. Definitiv eine Anschaffung für’s Leben. Aber preislich (für die Größe) IMO die Luxusklasse der oberen Luxusklassen. :-/

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    TinMonkey

    „Aber nicht dabei erschrecken, der wurde nicht elektronisch entkernt, sondern die SMD-Technik macht dieses Federgewicht möglich.“

    SMD Technik wurde laut Kent nur für das Keyboard verwendet. Alle sound-erzeugenden Teile sind „through-hole“. Das ist ihm sehr wichtig zu betonen.

    Der Cwejman S1 MK2 wird übrigens nicht mehr hergestellt, da Wowa aufgrund erhöhter Preise seiner Zulieferer locker 1000EUR draufschlagen müßte. Das erschien ihm zu hoch.

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      j.rauner  RED

      Hallo TinMonkey,

      Ken hat mich auch darauf hingewiesen. Ich habe es jetzt im Artikel ergänzt!

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    dilux  AHU

    natürlich begeistert auch mich die an ems erinnerende gestaltung und der luftige, seidene edelklang des macbeth.
    aber der preis. der preis erscheint mir fast schon sarkastisch elitär. man muss nur einmal bedenken, wieviele hochwertige monophone analoge es für dieses geld gibt. zum beispiel einen as leipzig + einen sub phatty + einen mfb dominion, und dann hätte man nicht nur ziemlich viel klang, sondern sogar noch geld übrig, für eine nette drummachine z.b.
    und wenn man schon in dieser preisregion verweilt, würde mich ein polymath sehr viel mehr reizen, allein schon wegen der semi-modularität.
    applaus aber für den sehr detaillierten und hochwertigen testbericht.

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    Son of MooG  AHU

    Den EMS VCS3 kann man ja nur noch mit sehr viel Glück gebraucht erstehen, allerdings wird der AKS 80, den man als Nachfolger des Synthi A (der wiederum die Kofferversion des AKS war) betrachten kann, auf Nachfrage immer noch gebaut. Wäre ich in der Situation, zwischen diesem und dem Elements zu wählen, würde ich mich wahrscheinlich für den EMS entscheiden. Das mag aber auch nostalgische Gründe haben. So bleibt mir immerhin die Eurorack-Version des EMS-VCOs in Gestalt meines geliebten AS RS-95E (der übrigens auch nicht besonders günstig ist, aber das war er mir wert)…

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    Pflosi  

    Wow, mir war gar nicht klar, dass das externe Netzteil 5-polige Din Stecker benutzt, um den Synth mit Power zu speisen. No Go in meinen Augen, Unfälle mit „Midi“ Verwechslungen sind da ja vorprogrammiert…

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      j.rauner  RED

      Ich bin mir sicher, ob das in der Praxis wirklich so relevant ist. Wer ist so bescheuert und steckt das Netzteil in die Midibuchse? Alles ist am Gerät ordentlich beschriftet und die relevanten Buchsen sind jeweils auf der gegenüberligenden Seite. Ich kam im gesamten Test nicht einmal in die Verlegenheit die Buchsen zu verwechseln. Übrigens halten die 5pol Stecker besser als die anderen externen Netzteilstecker.

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      TobyB  RED

      Hallo Pflosi,

      da Midi Links und Power Rechts liegt, ist die Wahrscheinlichkeit des Eintreten dieses Ereignissen gering. Wenn es eintreten sollte, könnte es rauchen. Massnahme zum verhindern des Eintritts, systematische Vorgehensweise beim Verkabeln. Erst alle Audioleitungen, dann Steuerleitungen CV/Midi. Power zum Schluss, nach vorhergehender Sichtprüfung. Ken hat sich bei dem 5 poligen Din Stecker was gedacht. Und das auch ziemlich gut umgesetzt.

      Grüße ToB

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        Pflosi  

        Murphy’s Law gilt: was schief gehen kann, geht auch schief.

        Natürlich kann man das prinzipiell verhindern, indem man gut aufpasst. Kann aber in der Hitze des Gefechts durchaus auch schiefgehen. Stell Dir einen Aufbau eines Livesets vor, bei dem mehrere Personen involviert sind; jemand legt alle Kabel bereit, der nächste steckt alles ein. Da liegt dann ein Kabel, das aussieht wie Midi, aber Power ist. Not good.

        Es gibt eine einfache Praxis für die Hersteller, um das unmöglich zu machen: keine Standardstecker benutzen. 3-Pol XLR für Power geht auch überhaupt nicht. Nicht ohne Grund gibt es PowerCon.

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          TobyB  RED

          Hallo Pflosi,

          da ich lange genug Qualitätsmanager war, kann meine Antwort nur lauten, Murphys Law gilt nur wenn mehrere Leute sich nicht auf ein gemeinsames Verfahren einigen können und unstrukturiert Arbeiten. Sowas geht gar nicht. Für sowas gibts Bühnen und Aufbauanweisungen und Colorcoding. Wenn dann da ein Kabel liegt und man es nicht zuordnen kann guckt man, wohin es führt. Nur „aussehen wie“ ist kein Kriterium. Selbst wenn es schnell gehen muss, ist das nur eine dumme Ausrede für Faulheit. Sicher hätte der Stecker anders aussehen können. Aber so kannst Du ein Netzteil für alle MacBeth Produkte nehmen. Und mehr als eine Spannung aus der PSU führen, was auch nicht unwichtig ist.

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            Pflosi  

            Die Argumentation leuchtet mir jetzt nicht so ein, vor Allem nicht von einem (ehemaligen) Qualitätsmanager: warum da einen möglichen Fallstrick einbauen, wenn es nicht sein muss? Idiotensicher ist immer besser, oder nicht?

            Man könnte das externe Netzteil auch genau gleich bauen (für den Vorteil „ein Netzteil für alle Macbeth Produkte, bzw. mehrere Spannungen aus einer PSU“), aber einfach vernünftige Buchsen verwenden (nämlich eben PowerCon, oder von mir aus irgendwas halbwegs seltenes wie Vier-Pol XLR oder so). Ich spekuliere jetzt einfach mal, dass man zumindest mit PowerCon auch die Impedanzen des Wegs von PSU zum Synth niedriger halten könnte, weil dickere Kabel möglich sind…

            For the record: ich will den Synth nicht dissen, schätze die Arbeit von Ken sehr und verfolge das Projekt von Anfang an über Ken’s zahlreiche Updates. Mir war dieses kleine Detail vorher einfach noch nicht bewusst, und diese Wahl erstaunt mich sehr.

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              TobyB  RED

              Moin Pflosi,

              der QM überwacht nur die Regeleinhaltung und gibt Feedback. Siehe ISO 9001. :-) Die Regeln sind kurzgefasst, Designtauglichkeit, Zwecktauglichkeit, Verfahrentauglichkeit und Anwendungstauglichkeit. Ich bin bei dir, bezogen auf das Risiko der Verwechslungsmöglichkeit. Aber das lässt sich minimieren. Dazu macht man gedanklich eine kritsche Kontrollpunkt Analyse und multipliziert Wahrscheinlichkeit mit Wirkung. Niedrigste Wahrscheinlichkeit 1, höchste 6.
              Wirkung, keine oder geringe 1, Katastrophe 6. Gegenmassnahmen werden ab 6 definiert. Meine Massnahmen habe ich oben definiert. Rechne dir das bitte auch mal aus. Wie schon angedeutet, bevorzuge ich eine strukturierte Arbeitsweise und da ist das eher unwahrscheinlich, das hier eine Verwechslung passiert.

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      AMAZONA Archiv

      Yep, es ist wirklich eine Scheiß-Idee, DIN-5-Pol für die Stromversorgung zu nehmen. Unabhängig davon, dass alle sorgsam mit ihrem Equipment umgehen sollen und auch die Beschriftung ganz dolle ist, und eh nur Idioten so einen Fehler begehen können: Dieser Fehler, wenn er denn passiert, kostet richtig Geld.
      Von daher ist es schlicht eine Fehlkonstruktion, und das kann man nicht schönreden. Andernfalls spricht ja auch nichts gegen Stroversorgung via 6,3mm-Stereoklinke oder per Einschub, der wie ein SD-Karten-Slot gebaut und beschaltet ist.
      Ein anderes Design hätte niemanden weh getan, hätte halt nur etwas weniger retro ausgesehen.

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