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Test: Jomox ModBase 09 MK2, Eurorack Bass Drum Modul

7. Mai 2021

Analoge Kick Drum im Eurorack

jomox mod base 09 mk2 test

Jomox ModBase 09 MK2, Eurorack Bass Drum Modul

Im Jahre 1996 erschien die erste XBase 09 Drummachine, deren analoge Kick Drum zur Legende wurde. 25 Jahre später bringt Jürgen Michaelis nun das Jomox ModBase 09 MK2 Eurorack Bass Drum Module auf den Markt. Dabei handelt es sich um eine Neuauflage der inzwischen eingestellten ModBase 09, die nur ganz geringfügig verändert wurde.

Jomox ModBase 09 – Informationen vorab

Wer erst einmal mehr über die grundlegenden Funktionen der ModBase 09 erfahren möchte, sollte zunächst den bereits vor zwei Jahren erschienenen Bericht von Gerhardt Kusche lesen:

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Dieser Artikel hier ist als Ergänzung zu verstehen und beschäftigt sich vornehmlich mit der ModBase 09 MK2 in der Praxis.

Jomox ModBase 09 MK2

ModBase 09 MK2 in der Praxis

Eine kurze Übersicht

Das Jomox ModBase 09 MK2 Eurorack Bass Drum Module hat die übliche Einbauhöhe von 3 HE und eine stolze Breite von 20 TE. Es lässt sich wahlweise über analoge CV-Eingänge auf der Front oder mittels eines MIDI-Duos auf der Rückseite steuern.

Die Klangerzeugung ist relativ simpel. Es gibt einen Sinus-Oszillator, der den Bassanteil erzeugt, seine Regler sind ganz im Stile der Roland TR-909 etwas eigentümlich betitelt: Per Pitch wird das Tuning eingestellt und via Tune wiederum die Intensität der Pitch-Hüllkurve. Die Ausklingzeit bestimmt das Decay-Potentiometer und Harmonics sorgt für eine Obertonanreicherung der Wellenform.

Jomox ModBase 09 MK2

Das Midi-Duo auf der Rückseite

Wie schon bei allen Jomox Bass Drums zuvor lässt sich die Attackphase aus einem Pulse- und einem Noise-Anteil zusammenmischen, während die Summe beider Parameter per Attack-Regler gesteuert wird. Als Besonderheit bietet die ModBase 09 nicht nur weißes Rauschen, sondern auch das seit der 888 und 999 bekannte Metal Noise gleich in zweifacher und sehr unterschiedlich gearteter Ausführung – hierzu aber später mehr.

Ein Lowpass-Filter rundet bei Bedarf den Klang noch etwas ab, um zum Beispiel TR-808 ähnliche Klänge zu generieren.

Ansonsten besitzt die ModBase 09 insgesamt 100 Speicherplätze, einen Kompressor und zwei LFOs, mit denen wahlweise das Tuning der Bass Drum oder die Pattern-Auswahl des Metal Noises moduliert werden kann.

Jomox ModBase 09 MK2

Eine der wenigen Neuerungen: der Accent-Eingang

Die Neuerungen der Jomox ModBase 09 MK2

Die Änderungen an der MK2 gegenüber der MK1 sind für den Anwender mehr als überschaubar und lassen sich in wenigen Sätzen zusammenfassen:

  • Die Klangerzeugung ist identisch mit der des ModBase 09 Modules, ebenso das Betriebssystem einschließlich sämtlicher Bugfixes, welche bereits das letzte Update der ersten Auflage beinhaltet. Dennoch empfiehlt der Hersteller, das jeweilige Betriebssystem für die vorgesehene Version zu verwenden.
  • Die Trigger-Buchse, die zuvor ausschließlich für Audiosignale bestimmt war, ist gegen einen Accent-Eingang ausgetauscht worden. Mit ihm lässt sich die Anschlagsstärke der MK2 nun per CV steuern oder direkt mit einem dynamischen Gate triggern, sofern der verwendete Sequenzer ein entsprechendes Signal generieren kann.
  • Die Steuerung der Klangerzeugung hat als Erweiterung einen neuen Parameter erhalten: Über das Menü kann als „Hidden-Feature“ das Fine-Tune angewählt werden, mit dem sich die Bass Drum noch genauer stimmen lässt. Das ist ein sehr wichtiges Produktions-Tool, damit die Bass Drum auch wirklich in der richtigen Stimmung zu dem Rest des Songs erklingt.
Jomox ModBase 09 MK2

Frei konfigurierbare CV-Eingänge

Jomox ModBase 09 MK2 – Bass Drum

Das ModBase 09 Module wurde primär für das Generieren von Bass Drums konzipiert – eine Aufgabe, die es bekanntermaßen in beeindruckender Qualität meistert.

Verantwortlich dafür ist zum einen der Sinusanteil, der für ein kräftigen, warmen und druckvollen Bass sorgt und durch eine unglaublich straffe und klare Kontur besticht.

Zum anderen ist es die Attack-Phase, die nicht nur überaus sauber getrennt von dem Bassanteil erklingt, sondern sich auch auf mannigfaltige Weise gestalten lässt. Das erste Klangbeispiel zeigt eine kleine Auswahl der Werk-Presets:

Noise und Metal Noise

Im Gegensatz zu allen anderen Bass Drum Klangerzeugern von Jomox ist die ModBase 09 als Einzige mit zwei verschiedenen Metal Noises ausgestattet, welche auch in dem Mod.Brane 11 Module zum Einsatz kommen.

Der erste Generator erzeugt entweder weißes Rauschen oder 499 verschiedene Metal Noise Pattern, die sich aus digitalen Multitönen und Bitmustern zusammensetzen. Der Klang hat tendenziell einen geräuschhaften Charakter, ähnlich einem Kaleidoskop.

Im Gegensatz dazu können mit dem zweiten Metal Noise tonalere Ergebnisse erzielt werden. Auch hier stehen 499 unterschiedliche Pattern zur Verfügung, die zusätzlich über eine Bitmaske mit 16 verschiedenen Presets veränderbar sind. Allein mit dem zweiten Rauschgenerator ergeben sich somit knapp 8000 mögliche Klangvariationen.

jomox mod base 09 mk2 test

Acht Potentiometer und ein Encoder

Hinzu kommt dann die Kombination beider Generatoren, bei deren Überlagerung sich ebenfalls neue Muster formen; die Summe der möglichen Noise-Sounds multipliziert sich an dieser Stelle nochmals.
Mit diesem riesigen Fundus an Sounds lassen sich nicht nur die Attack-Phasen und Transienten von Bass Drum und Percussions nach Belieben gestalten, sondern auch experimentellere Klänge realisieren.

Anhand einer Percussion-Sequenz wird zunächst nur der erste Noise-Generator demonstriert, wobei ein LFO mit Sinusschwingung zusätzlich das Noise moduliert. Im ersten Durchgang ist das normale weiße Rauschen zu hören, in den weiteren eine Auswahl an verschiedenen Metal Noise Pattern.

Weiter geht es mit der gleichen Sequenz, dieses Mal aber mit dem zweiten Metal Noise. Dabei wird die Bit Maske manuell verstellt; insgesamt sind 9 der 16 Settings zu hören.

Je nach Einstellung des Tunings, der Decay und des Kompressors lässt sich der Bassanteil weitestgehend ausblenden, so dass fast nur noch das Metal Noise wahrnehmbar ist. Auf diesem Wege können die beiden isolierten Rauschgeneratoren zum Beispiel für perkussive Sounds verwendet werden:

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Gate Time

Ein weiteres, enorm wichtiges Feature der ModBase 09 ist die variable Gate Time, die eine Einstellung der Impulsdauer des Triggers von 0,1 bis 15 mS erlaubt. So können die Attack und der tonale Verlauf der Bass Drum sehr vielseitig geformt werden. Leider ist dieser Parameter nicht per CV-Eingang steuerbar, dafür aber über Midi. Bei typischen Club-tauglichen Bass Drums besteht auch nicht unbedingt der Bedarf, diesen Wert nach dem Einstellen noch zu modulieren; für lebhafte, perkussive Sequenzen wäre es allerdings ein tolles Feature.
In dem folgenden Beispiel ist nun die Veränderung der Gate-Time anhand einer Vierviertel-Bass Drum zu hören; es beginnt mit dem niedrigsten Wert, der alle vier Schläge erhöht wird:

Jomox ModBase 09 MK2 in einem Modularsystem

Genau genommen handelt es sich bei der ModBase 09 MK2 um einen in sich geschlossenen Bass Drum Synthesizer, der dank seiner CV-Eingänge eine Steuerung der wichtigsten Parameter ermöglicht.
Über Gate und Accent lässt sich die ModBase triggern und dynamisch spielen, wobei man das Verhältnis zwischen dem leisesten und lautesten Anschlag sehr schön über das Untermenü „Accent Dynamics“ individuell einstellen kann.

Die LIN FM Buchse ist für lineare Frequenzmodulationen vorgesehen und der einzige Port, der unmittelbar Einfluss auf die analoge Klangerzeugung nimmt und nicht durch das Sampling der CPU begrenzt ist. Alle frei konfigurierbaren Eingänge (CV 1-4) können lediglich Spannungen von 0 bis 5 Volt verarbeiten. Da die Steuerung der ModBase 09 digital erfolgt, muss das analoge Signal zunächst gewandelt werden, wodurch einige Einschränkungen entstehen.

jomox mod base 09 mk2 test

Die Seitenansicht des Moduls

Zum einen lassen sich nicht alle Parameter in Echtzeit modulieren, so dass immer nur der zum Zeitpunkt des Triggers anliegenden Wert entsprechend der Notenlänge gehalten wird. Das gilt für ungefähr die Hälfte aller Modulationsziele, bei allen anderen ist eine vom Trigger unabhängige Steuerung möglich. Fairerweise wird in der Bedienungsanleitung auch darauf hingewiesen.

Zum anderen entspricht die Spannung von 0 bis 5 Volt nicht dem vollen Umfang der Parameter. Wenn der Ausgangswert eines Modulationszieles auf Null steht und die Modulationsintensität voll aufgedreht ist, wird ungefähr die Hälfte des Regelweges abgegriffen.

Trotz dieser Einschränkungen hat die ModBase 09 MK2 ein großes klangliches Potential, in das die nächsten drei Beispiele einen kleinen Einblick geben sollen:

Bass Drum, Toms und High-Hat

Mit mehreren Spannungssignalen lässt sich ein kleiner Beat realisieren, dazu reicht schon eine einfache Sequenz bestehend aus acht Steps. Zunächst wird die Anschlagsstärke und der Pitch-Regler automatisiert, je nach Modulationsintensität der Tonhöhe kann man neben einer Bass Drum auch Toms oder einen Bass erzeugen. Ein weiteres Steuersignal regelt den Anteil des Noises im Offbeat, so dass auf den Tom-Schlägen eine zusätzliche High-Hat entsteht. Wird die Modulationsintensität weiter erhöht, ist die High-Hat auf allen Schlägen zu hören.
Mit dem EQ lässt sich die Sequenz nach belieben filtern, entweder – wie in diesem Fall – manuell oder über ein weiteres Spannungssignal.

Jomox ModBase 09 MK2

Module mit 20 TE Breite

Preset-Change via CV

Ähnlich dem AFX-Mode der Novation Bass Station 2 bietet die ModBase 09 die Möglichkeit, mittels einer Steuerspannung die Presets zu wechseln, sofern diese Funktion einem der vier CV-Eingänge zugewiesen wird. Je nach Höhe der Steuerspannung lassen sich die Speicherplätze sehr präzise anwählen.

Bei dem folgenden Beat werden mit ähnlich klingenden Presets eine Bass Drum, eine High-Hat und einzelne perkussive Sounds erzeugt. Das erste Metal Noise ist bei allen Presets aktiv, die Sinus-Schwingung eines externen LFOs moduliert zusätzlich dessen Pattern-Muster.
So entsteht nicht nur eine harmonische High-Hat-Figur, sondern auch ein leichter Clicks-and-Cuts-Charakter, dank der mit Artefakten versehenen perkussiven Sounds. Mittels einer weiteren Steuerspannung, welche die Attack moduliert, werden die High-Hat-Schläge betont:

Das letzte Beispiel zeigt eine kleine Sequenz, bei der sich durch das Wechseln der Presets
Bass Drum, Bass und Percussion bilden. Zusätzlich wird per CV-Umschalter der LIN FM Eingang mit verschiedenen Steuerspannungen gespeist. So ist zum einen eine Veränderung der Melodiestimme möglich und zum anderen lassen sich FX-Fill-Ins realisieren. Letztere haben einen leichten Delay-Charakter, der durch einen mehrfach getriggerten Hüllkurvengenerator entsteht:

Klangbeispiele

Klangbeispiele: Jomox ModBase 09 MK2, Korg SQ-64, Korg SQ-1, diverse Doepfer Module

Aufnahme: Studer 962 (nur Preamp, kein EQ oder Kompressor)

Audiointerface: Lucid 88192

DAW: Logic Pro

Die Klangbeispiele sind unbearbeitet, nur die Lautstärken wurden angepasst.

jomox mod base 09 mk2 eurorack test

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Fazit

Das Jomox ModBase 09 MK2 ist ein hervorragend klingendes und sehr vielseitiges Eurorack Bass Drum Module, auch wenn die Neuerungen gegenüber der ersten Version sehr dezent ausfallen.

Im Kontext eines Modularsystems eignet sich die ModBase 09 neben Kick Drums vor allem für perkussive Klänge, Bässe und experimentelle Sounds, die sich dank der vier CV-Eingänge abwechslungsreich gestalten lassen. Das funktioniert leider nicht ganz ohne Einschränkungen, bietet aber trotzdem ein großes kreatives Potential.

Unverändert ist der Sound der Bass Drum ein Alleinstellungsmerkmal, das die Jomox Produkte aus gutem Grund so erfolgreich und beliebt macht. Wer ausschließlich Interesse an reinen Kick Drums hat, ist wahrscheinlich mit der MBase 11 besser und günstiger beraten, wobei die ModBase 09 MK2 auch durch das zweite Metal Noise noch mehr Möglichkeiten zur Klangformung bietet. Ein weiterer großer Vorteil gegenüber der MBase mit ihrem einen Encoder sind die acht Potentiometer, die einen deutlich schnelleren Zugriff auf die wichtigsten Parameter ermöglichen.

Wer bereit ist, dafür den stolzen Preis von 369,- € zu zahlen, wird mit einem wirklich großartig klingenden Modul belohnt.

Plus

  • Hervorragend klingender Bass Drum Synthesizer
  • Klangvielfalt
  • Flexible Nutzung via CV und Midi

Minus

  • Begrenzter Modulationsbereich der Parameter via CV

Preis

  • 369,- Euro
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Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    Anthony Rother  AHU

    Die von Jürgen Michaelis (Jomox Chef) entwickelten BASSDRUMS sind mindestens in einer Liga mit den Klassikern der Firma Roland TR-808 / TR-909 / TR-606.

    Die Jomox BASSDRUM übertrifft die klanglichen Möglichkeiten und den Druck aller am Markt erhältlichen Bassdrums.

    Jomox spielt in seiner eigenen unerreichbaren Liga was den Bassdrum Sound angeht.
    Jürgen’s Sounds sind moderne Klassiker.

    Ich würde mir eine Jubiläums Ausgabe der XBase09 wünschen :-)

      • Profilbild
        Ral9005  

        Ich bezweifle, dass du die beiden Module schon ernsthaft verglichen hast. Das Erica Synths Modul ist klanglich schon deutlich eingeschränkter.
        Anfangs war ich davon durchaus auch angetan. Nach tieferer Auseinandersetzung mit dem Thema wird allerdings klar, was Anthony bezüglich Druck der Jomox Kick im Verlgeich zu den anderen Bassdrums behauptet.

        Natürlich klingt auch eine Erica Kick erstmal druckvoll, im direkten Vergleich mit einer klanglich angeglichenen Jomox schiebt diese jedoch ganz anders die Luft durch den Raum. Für die Erica spricht im Vergleich zu einer mBase01/11 natürlich die deutlich direktere Bedienbarkeit, alles andere ist gebraucht für 50,- weniger bei Jomox besser. Oder man legt etwas drauf und holt sich das getestete Modul, bei dem dann auch die Benutzerfreundlichkeit etwas akzeptabler ist.

        Am Besten wäre natürlich die Alpha, bei der das Schrauben am Sound nochmal deutlich angenehmer ist und deswegen nochmals deutlich mehr Spaß macht. Diese Endgame-Maschine ist trotz des zunächst happig wirkenden Preises aus meiner Sicht für Liebhaber elektronischer (Tanz-)Musik klanglich jeden Cent wert.

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