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Test: Knobula Kickain, Eurorack Drummodul

Bassdrum-Schleuder mit Kompressor

26. August 2022
knobula kickain test

Knobula Kickain, Eurorack Drummodul

Die Londoner Eurorack-Schmiede Knobula dürfte einigen Eurorack-Nutzern bereits durch ihr furioses Debüt mit dem sehr interessanten 8-stimmigen Synthvoice-Modul „Poly Cinematic“ bekannt sein. Zur Superbooth 22 legten die Briten nun nach und stellten ihr zweites Modul für den Eurorack-Kosmos vor. Endlich ist es auch erhältlich und natürlich sofort bei uns im Testlabor. Wir testen für euch heute das Knobula Kickain.

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Was ist das Knobula Kickain?

Der Name deutet schon an, wohin die Reise geht, er ist eine Komposition aus KICK und SidechAIN. Kickain ist in erster Linie ein Bassdrum-Modul für das beliebte Eurorack-Format, das für die erweiterte Klangbearbeitung einen Stereo-Sidechain-Kompressor bietet.

Knobula Kickain Herstellerbild Frontplatte angekippt

Knobula Kickain

Die Basis der Klangerzeugung bildet dabei ein von der Roland TR-909 inspirierter virtuell-analoger Signalweg, der dann mit dem integrierten Sidechain-Kompressor zusammengeführt und bearbeitet wird, um dann durch einem nachgeschalteten 24-Bit-Stereo-Digitalhall veredelt zu werden.

Der Verpackungsinhalt – der Krachmacher wird ausgepackt

Die im Knobula-Design gehaltene Umverpackung gibt den Blick frei auf die heute üblichen Zutaten: das gut in Bubblefolie eingehüllte und damit sicher zu mir transportierte Knobula Kickain, das Eurorack-Stromkabel, ein schwarzes Set Eurorack-Schrauben, ein Knobula-Sticker und ein im Kickain-Look gestalteter Quick-Start-Guide.

Knobula Kickain Userbild Modul ausgepackt Verpackungshinhalt

Auf der Website zum Kickain gibt es dazu noch ein etwas ausführlicheres Handbuch zum umweltfreundlichen Download. Der englischsprachige, sechsseitige Quick-Start-Guide erklärt neben einer kurzen Einführung zum Modul anschaulich jedes Bedienelement des Knobula Kickain und bietet auch einen ersten Patch als Übung mit dem Modul an. Im ausdruckbaren Online-Handbuch gibt es eine etwas ausführlichere Beschreibung der Bedienelemente und deren Abhängigkeiten untereinander. Das Ganze wird dann noch garniert mit leeren Patch-Sheets, damit man die Einstellungen für die zusammengeschraubte Lieblings-Bassdrum quasi auch optisch abspeichern kann.

Knobula Kickain Userbild Modul auf der Seite liegend

Das 12 Teileinheiten breite Knobula Kickain macht frisch aus der Verpackung geholt sofort eine sehr wertige Figur. Die großen Potis, Schalter und Buchsen sind mit der hübschen Frontplatte verschraubt. Der gelungene Farbauftrag ist edel, leicht metallisch glänzend ausgeführt und macht einen sehr wertigen Eindruck. Die Stummelpotis wurden mit farbigen Miniknobs aufgewertet und sind naturgemäß leider nicht mit der Frontplatte verschraubt. Alle Potis laufen butterweich mit einem angenehmen Drehwiderstand und sind im Regelweg gut skaliert.

Knobula Kickain Userbild Rückseite

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Der Eurorack-Stromanschluss auf der Rückseite des Knobula Kickain ist verpolungssicher angelegt. Auf der +12 Volt Leitung saugt der Klopfgeist moderate 90 mA. Die -12 Volt Leitung fordert weitere 5 mA, wobei die 5 Volt Leitung des Eurorack-Powerbusses nicht genutzt wird.

Knobula Kickain Userbild Modul seitlich Huckepack PCB

Das Knobula Kickain ist mit eingesetztem Eurorack-Powerstecker 32 mm tief und damit zur Freude der mobilen Modularisten bestens Skiff-tauglich. Die Rückseite zeigt ein Huckepack-PCB mit Programmierschnittstelle und auf dem untersten PCB noch einen DIP-Schalter für verschiedene Modi des Kickain, doch dazu gleich an passender Stelle mehr.

Der Kickain kommt ins Case – Vorbereitungen

Als Antreiber habe ich wieder den auch von mir getesteten Robaux SWT16+ Trigger-Sequencer auserkoren. Rechts daneben ist das Knobula Kickain mittlerweile auch im Testcase angekommen und mit Schrauben gesichert, natürlich mit Washern dazwischen, denn ich hasse Rackrash.

Knobula Kickain Userbild Module im Case

An dieser Stelle musste ich mich dann auch schon entscheiden, wie ich das Kickain in meinem Case nutzen will. Auf der Rückseite des Kickain ist dafür ein 4-facher DIP-Schalter angebracht. Über diesen Schalter werden Modus-Änderungen und Einstellungen vorgenommen.

Knobula Kickain Userbild DipSchalter und Programmierschnittstelle

Per DIP-Schalter 1 kann man zwischen Stereo- und Mono-Mode des Knobula Kickain wählen.

Knobula Kickain Manual StereoMode

Im Monobetrieb kann der nun freigewordene 2. Monokanal als Effekt-Send/ Return genutzt werden. Ich entscheide mich vorerst für den Stereobetrieb (Schalterstellung: OFF).

Knobula Kickain Manual MonoMode

Der DIP-Schalter 2 wirkt sich auf die CV-Eingangsbuchse 1 V/Oct (Level) aus. Mit Schalterstellung OFF wird an dieser Eingangsbuchse eingehende Control-Voltage als Tonhöheninformation ausgelesen, sprich: Man kann das Kickain dann tonal spielen, Stichwort: Bass, Besser Bässe!

Schaltet man den Schalter auf die Stellung ON, wird über eingehende Control Voltage statt der Tonhöhe die Lautstärke der Bassdrum dynamisch gesteuert. Die DIP-Schalter 3 und 4 sind ohne Funktion, laut Handbuch aber für spätere Firmware-Updates reserviert.

Knobula Kickain Manual DipSchalter

Den DIP-Schalter hätte ich mir lieber auf der Frontplatte gewünscht, das hätte die Flexibiliät des Knobula Kickain deutlich erhöht, denn so muss man das Modul für jede Modusänderung umständlich aus dem Case schrauben. Findige DIY-ler sehen hier mit Sicherheit schon ein schönes Projekt, bei dem die Schalter über eine separate Frontplatte nach außen geführt werden.

Rundgang über die Frontplatte des Knobula Kickain

Damit wird es Zeit für den in meinen Tests obligatorischen Rundgang über die Frontplatte des Probanden. Hier erkläre ich alle Bedienelemente des Knobula Kickain und mache dabei auch, wo nötig, auf Besonderheiten aufmerksam. Wer hier also gut aufpasst, kann sich später das Handbuchstudium sparen.

Knobula Kickain Herstellerbild Frontplatte

Los geht es diesmal in der Mitte des Moduls. Dort finden wir zwei blaue Regler, zuständig für die Hüllkurve. Warum beschreibt der jetzt die Hüllkurve als Erstes? Ganz einfach, weil die hier getroffenen Einstellungen auch auf andere Parameter des Kickain wirken. An passender Stelle wird das dann auch erwähnt. Rechts der kleine Regler ist für Attack, also das Einschwingverhalten und der große Regler in der Mitte für das Decay, also die Ausklingphase der Hüllkurve zuständig.

Userbild Eye in Action

Über dem Regler Decay, umkreist von diversen Reglern, finden wir einen blauumrandeten Triggerbutton. Dieser leuchtet bei Druck auf ihn hell auf und löst gleichzeitig die oben beschriebene Kick-Drum-Hüllkurve des Kickain aus. Er dient quasi zum manuellen Vorhören beim Soundschrauben und ist ein echter Eyecatcher, denn er leuchtet und pulsiert intensiv, wenn das Kickain über die Triggereingangsbuchse mit Triggersignalen befeuert wird. Das sieht im Dunkeln dann auch echt hammercool aus, wenn das Kickain zur brettharten Kickdrum visuell mithämmert, richtig technoid: Sehr stark, denn Auge hört bekanntlich mit!

Die Klangerzeugung des Kickain – der 909-Strang

Über dem Triggerbutton finden wir ein kleines graues Poti namens Tune. Dies ist der Tonhöhenregler für den Drum-Oszillator. Mit ihm stellt man die Startfrequenz des Kick-Sounds ein. Links neben Tune finden wir den weißen Regler Drive. Technisch gesehen wird mit diesem Regler die Schwingungsform des Drum-Oszillators verzerrt. Vom linken Reglerbereich an verändert sich die geglättete Sinusschwingung über die Mitte hin zu einem verzerrten Dreieck. Das Signal verändert sich beim Potidreh hörbar von einem trockenen Umm zu einem resonanten Drenng. Für sich gesehen, wird mit diesem Regler der Resonanzkörper geformt.

Knobula Kickain Userbild 909Strang im Fokus

Unter dem Regler Drive finden wir den großen Regler Level, der im Prinzip nur die Lautstärke der Bassdrum regelt.

Darunter erspähen wir den Regler Click. Mit diesem Parameter mischen wir der Bassdrum je nach Reglerstellung verschiedene Attack-eräusche hinzu. Das geht von der Linksstellung ohne Klick, weiter mit kurzen elektronischen Klick-Geräuschen, die dann länger werden, in der Mitte der Reglerstellung in Rauschen übergehen um dann gefilterte Varianten von Klicks bereitzustellen. Die gefilterten Varianten bieten dann Richtung Rechtsanschlag des Reglers immer mehr abnehmende Grenzfrequenz und zunehmende Resonanz. Auch die Lautstärke des Klicks wechselt in den Reglerstellungen zwischen leise und laut, sodass über den gesamten Regelweg eine große Bandbreite an Attack-Geräuschen bereitgestellt wird und den Variantenreichtum der erzielbaren Bassdrums enorm erhöht. Das Klangbeispiel 03 bietet eine schnelle Parameterfahrt, wobei ich natürlich nicht alle Einstellungen erwischt habe, aber sie zeigt zumindest, wohin mit Click die Reise geht.

Userbild System gepatcht

Nach den Attack-Geräuschen benötigt unsere potentielle Lieblingsbassdrum natürlich noch ein wenig Energie. Eine Etage tiefer unter Click finden wir dafür den blauen Regler Punch, der macht auch genau das, wonach sein Name klingt, er erhöht den Druck im Kessel und beeinflusst in seiner Reglerstellung auch den oben beschriebenen Parameter Drive, indem Punch diesen dann in die Verzerrung fährt. Während der Parameterfahrt in Klangbeispiel 04 kann man sich ein Bild davon machen, wie der Regler wirkt.

Rechts neben Punch finden wir den blauen Regler Bend. Dieser Parameter regelt die Intensität der Tonhöhensteuerung. Im Linksanschlag des Reglers wird ausgehend vom Wert Tune eine konstante Tonhöhe erzeugt, danach erhöht sich die Tonhöhe, von der das Pitchbending auf den Wert Tune fällt. (Parameterfahrt in Klangbeispiel 05) Dieser Vorgang wird in seiner Länge durch die Stellung des Reglers Decay beeinflusst.

Knobula Kickain Userbild Click Punch Bend im Fokus

Ganz links in der Reglerreihe finden wir dann noch den Regler Hall, ein 24 Bit Stereo-Reverb. Dieser fügt dem Klang verschiedene akustische Raumeffekte hinzu. Bei niedrigen Reglerwerten erzeugt man leichtes Flanging und Delay über Reverb bis hin zum Gated-Reverb. Die Ausklingzeit wird durch das Decay der Hüllkurve gesteuert, hier können auch extreme Nachhallzeiten erreicht werden, eine endlose Spielwiese.

Unter der Reglerreihe finden wir noch einen einsamen dreistufigen Schalter, beschriftet mit Bass Cut. Mit diesem Schalter begrenzt man die von der Bassdrum erzeugte Frequenz. Off hat logischerweise keine Wirkung und ermöglicht es Kickain sogar, ultratiefe Frequenzen im unhörbaren Bereich rauszublasen. Die 40-Hz-Einstellung dämpft den Ton, wenn er 38 Hz erreicht, ein Limit, das einem echten Schlagzeug ähnelt. Die 60-Hz-Einstellung eignet sich gut für leicht erhöhte Kick-Sounds.

Der Sidechain-Kompressor

Um die Arbeitsweise des Kompressors im Kickain zu verstehen, müssen wir erst noch die fehlenden Anschlüsse erklären. Ganz links finden wir die Eingangsbuchsen Input L und Input R/Return. Es handelt sich hier um den Side-Chain-Input. Im Stereomodus kann man hier einen externen Stereomix zur Verarbeitung im Sidechain-Kompressor anlegen. Darüber findet man eine Clip-LED, die man dabei im Auge haben sollte, sonst gibt es hörbare Verzerrungen im Mix. Bei Übersteuerung leuchtet sie rot, logisch. Ganz rechts finden wir dann den Side-Chain-Output mit den Buchsen Output L und Output R/Send. Im Stereomodus liefert dieser Ausgang dann die Summe des Mixes aus Kompressor und Bassdrum, wobei die Bassdrum immer in die Mitte gepannt, also im Center ist.

Knobula Kickain Userbild Eurorackbuchsen LED unteres drittel vom Modul

Im Mono-Modus legt man den Mix an den Input L. Hierbei ist zu beachten, dass die Kick über den rechten Kanal in den Signalweg eingespeist wird, der im Mono-Mode ein Send/Return-Kanal ist. Also entweder patcht man hier tatsächlich ein Effektmodul dazwischen oder man verbindet einfach den Output R/Send mit Input R/Return über ein Patchkabel, ansonsten bleibt die Bassdrum des Kickain im Mono-Mode stumm.

Knobula Kickain Userbild KompressorSektion

Die Regler Attack und Decay wirken auch auf den Kompressor des Kickain. Der Regker Attack steuert die Anfangsdynamik des Mixes aus Kick- und Eingangssignal. Bei Linksanschlag hat die Bassdrum ein sehr hohes Attack-Level und das Sidechain-Signal wird sofort gedämpft. Dreht man den Regler in Richtung 12 Uhr, ist das Attack-Level immer noch hoch, aber der Spitzenpegel beginnt niedriger und das Eingangssignal wird nun leicht eingeblendet. Noch höhere Werte komprimieren die Kick weiter.

Decay steuert neben der schon erwähnten Hüllkurve auch die Release-Zeit des Sidechain-Kompressors, dies kann über Control-Voltage auch dynamisch erfolgen. Über die Eingangsbuchse Decay kann mit einer bipolaren CV-Spannung das Decay der Kick-Drum-Hüllkurve erhöht oder verringert werden. Dort eingehende CV summiert sich zum Decay-Regler.

Ganz oben in der Kompressorsektion des Kickain finden wir einen Dreifach-Schalter, beschriftet mit Normal / Spectral I / II. Mit diesem Schalter wählt man zwischen zwei verschiedenen Sidechain-Methoden aus:

Normal: Diese Einstellung dämpft das Eingangssignal im Verhältnis zur Kick-Drum-Hüllkurve, auch bekannt als „Ducking“.

Manual SideChain

Die beiden Spectral-Einstellungen verwenden einen dynamischen EQ, um bestimmte Frequenzen aus dem Mix zu entfernen, die der Kick ähneln. Spectral I entfernt aus dem Eingangssignal mittlere bis tiefe Frequenzen um die Tonhöhe der Bassdrum. Im Klangbeispiel 02 habe ich dafür ganz bewusst Rauschen benutzt. Am Anfang hört man es pur, dann wirkt das Sidechain und beeinflusst die Frequenzen, ohne dass die Bassdrum hörbar ist, danach wird diese dort dann eingebettet.

Spectral II macht im Prinzip das Gleiche, nur genauer, wobei die meisten mittleren und hohen Frequenzen aber intakt bleiben für eine subtile Bereinigung des Mixes. Im letzten Klangbeispiel habe ich extra nur einen Bass genommen, um das Sidechain genau in diesem Bereich ein wenig zu stressen – fies wa?

Unter dem Sprectralschalter finden wir noch den Regler Depth, der für die Regelung der Kompressionsstärke zuständig ist. Bleibt zu resümieren: Der Kompressor knallt ordentlich rein und kann der Bassdrum in der Livesituation schon ordentlich Luft im Mix verschaffen, aber ob es für die in der Werbung zum Kickain beworbenen Masteringqualitäten reicht, müssen geübtere Ohren entscheiden. Meiner bescheidenen Meinung nach fehlen ihm dann aber doch noch einige Parameter zur Feinjustage gegenüber den Spezialisten.

System gepatcht Frontansicht

Was fehlt noch? Na klar: Das Beste kommt zum Schluss! Mein Lieblingstrigger-Eingang, beschriftet mit Accent. Dieser fügt dem Kicksound bei gleichzeitiger Auslösung mit dem Triggereingang zusätzliche Lautstärke und Punch hinzu. Wird Accent dagegen nur allein ausgelöst, erzeugt dies einen tiefen Kick im „Reverse“-Stil. Das ist ein absolut abgefahrenes Feature und sorgt noch einmal für ordentlich Extraschub im Groove: Unbedingt ausprobieren!

Die Bedienung des Knobula Kickain

Die Bedienoberfläche ist in sich logisch strukturiert und auch optisch in farbliche Bereiche getrennt. Ja selbst die Farbe der Potentiometer ergibt in diesem Kontext seinen Sinn.

Knobula Kickain Userbild Quick Start Guide

Der Bereich für die Bassdrum ist in Blau gehalten und der Bereich für den Kompressor in dezentem Rosa. Wirken hier Parameter auf beide Bereiche, ist der Bereich um die Potis auch in beiden Farben schraffiert – sehr raffiniert! Die Ein- und Ausgänge sind dunkelgrau unterlegt und die CV-Eingangsbuchsen thronen auf dem silbernen Tablett. Wenn man genau hinschaut, erkennt man auch an der Farbwahl der Potis die Zusammenhänge in den Bereichen und deren Abhängigkeiten untereinander. Weiße Potis gehören zur Klangerzeugung, blau ist für das Shaping der Bassdrum zuständig, wobei hellblau abgestuft dann die Hüllkurve ergibt. Das ist tatsächlich sehr gut gelöst und schnell durchschaubar!

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Die clevere farbliche Aufteilung der Bedienoberfläche hat zur Folge, dass man unbewusst schon nach kurzer Einarbeitungszeit zielsicher die gewünschten Parameter anvisiert. Durch die unterschiedlichen Potigrößen weiß man auch direkt, ob man beim richtigen Parameter angelangt ist. Die clevere Potikombination schafft natürlich auch Platz zwischen den Potis und damit eine gute Ergonomie bei der Bedienung des Modules, schmeichelt darüber hinaus bei längeren Sessions auch den Fingern und wirkt damit Krämpfen entgegen. In Sachen Bedienoberfläche und Ergonomie kann das Kickain hier also voll punkten.

Was bietet das Kickain an Sounds?

Was erwartet man an Sounds bei einem Bassdrum-Modul? Natürlich satte Bassdrums – oder? Und die liefert das Kickain in allen erdenklichen Varianten, von knochenhart bis Pudding. Klar ist hier mit dem analogen 909-Klangerzeugungspfad eine gewisse elektronische Richtung vorgegeben, aber die gute Parametervorwahl verschiebt die Grenzen des Machbaren in dieser Kategorie nach oben wie unten sehr deutlich.

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Durch den 1 V/Oct-Eingang sind natürlich auch tonal spielbare Sounds möglich, Synthbässe also kein Problem, aber auch nicht gerade die Paradedisziplin eines Drum-Moduls. Darüber hinaus kann das Kickain auch Effektsounds und elektronische Perkussionsklänge.

Userbild Gepatcht im System seitlich

Sehr cool fand ich die oben schon kurz angedeutete gleichzeitige Ansteuerung der Triggereingänge Trigger und Accent per Trigger-Sequencer. Der normale Triggereingang befeuert die eingestellte Bassdrum, der Accent-Eingang dazu ausgelöst, betont diese oder wenn Accent nur allein ausgelöst wird, gibt Kickain einen satten Reverse-Füllsound aus. Damit kann man nur mit dem Knobula Kickain schon echt fette und irre groovende Loops zaubern (Klangbeispiele mit Acc im Dateinamen). Dabei lohnt es sich durchaus, den 2. DIP-Schalter auf Lautstärkekontrolle zu stellen und durch eingehende Control-Voltage weitere Betonungen im Groove zu setzen. Das ist ein endloses Stundengrab und macht einfach irre Spaß!

Der Vergleich mit dem SSF Entity Ultra-Kick

Da ich ja auch das Vergnügen hatte, das SSF Entity Ultra-Kick für euch testen zu dürfen, kann ich hier auch gleich den direkten Vergleich ziehen, denn beide Module spielen in derselben Preisklasse.

Vergleich mit UltraKick

Beide Module sind sehr wertig verarbeitet und bieten einen sehr hohen Spaßfaktor. Die Optik ist bekanntlich Geschmackssache und bleibt bei diesem Vergleich mal außen vor. Das coole im Takt leuchtende Triggerpad als Eyecatcher und zum Vorhören der Sounds ziert beide Module omnipräsent. Sie haben auch beide eine Kompressorsektion für den ultimativen Tiefgang. Hier punktet das Kickain leicht durch verschiedene Modi und Schaltungen, wobei man sogar externes Material durchschleifen kann, um die Bassdrum optimal darauf abzustimmen. Dazu bietet das Kickain dann noch den tollen Hall, der zusätzlich den ausgegebenen Sound veredelt.

Die Bedienung ist beim Kickain durch den 909-Strang mit der analogen Klangerzeug ein wenig direkter. Man sollte meinen, dass das SSF Ultra-Kick deshalb durch die vielen Sweetspots und die zwei Resonanzkomponenten in puncto Klangvielfalt die Nase vorn hat – oder? Dem ist aber nur bedingt so. Durch geschickte Parametervorwahl kann man auch beim Kickain in der anvisierten Paradedisziplin „Bassdrums“ eine sehr breite Palette an Kicks hervorzaubern. Satte tonale Bässe können beide Module im Rahmen ihrer Möglichkeiten. In Sachen dynamischer Ansteuerung mittels Control-Voltage hat das Ultra-Kick im direkten Vergleich die Nase vorn. Hier hätte ich mir beim Kickain doch ein paar CV-Eingänge mehr für die dynamische Klangmodulationen seiner Parameter gewünscht.

Einen wirklichen Sieger würde ich hier gar nicht küren wollen, eher auf ein gutes Remis nach einem starken Spiel beider Mannschaften plädieren, denn hier entscheidet einzig und allein der persönliche Geschmack in den Punkten Bedienung, Sound und bei der Optik sowieso. Man sollte hier also die eigene Gewichtung für die bevorzugten Parameter anlegen und am besten einfach mal selbst vor Ort beim Händler des Vertrauens antesten, welches der beiden Module besser ins eigene Setup passt. Empfehlen kann ich nach meinen Tests aber beide Klopfgeister.

Knobula Kickain Userbild Kickain seitlich

Modularpuristen werden bei solch einem Modul natürlich die Nase rümpfen und sich denken: „Drumsounds bastel ich mir doch mit meinen vorhandenen Modulen selbst und auch den Kompressor habe ich mir ganz schnell zusammengepatcht!“ Die andere Fraktion, die mobil unterwegs ist, ständig mit Platzproblemen im Case zu kämpfen hat und sich die Klänge schnell zusammenschrauben will, ohne wild herumzustöpseln, freut sich über diese Art von kompakten Instantmodulen natürlich. Wenn man bedenkt, wie viele Module (sprich Geld), Kabel und Platz im Case nötig wären, um die Drumstimme und den Kompressor von Hand zu patchen, dann wird man den anvisierten Preis des Knobula Kickain getrost als fair durchwinken.

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Fazit

Das Knobula Kickain ist ein toller Soundlieferant, wenn es um abgrundtiefe Schläge in die Magengruben der Zuhörerschaft geht. Eine logisch und ergonomisch sehr gut aufgebaute Bedienoberfläche benötigt nur eine kurze Einarbeitung und erleichtert die Bedienung enorm. Eine sehr wertige Verarbeitung, der hohe Spaßfaktor sowie der Stereo-Compressor und der nachgeschaltete Stereohall bringen dem Kickain weitere Pluspunkte. Leider geizt der Kickain mit CV-Eingängen für die dynamische Steuerung seiner vielen Parameter. Wer darüber hinwegsehen kann und gern mit seinen Händen selbst am Modul schraubt, der sollte sich das Kickain unbedingt mal anschauen, zumal der Preis stimmt.

Plus

  • hoher Spaßfaktor
  • leichte Bedienung
  • kurze Einarbeitung
  • wertige Verarbeitung
  • Stereo Spectral Compressor mit Sidechain-Funktion
  • 24 Bit Stereo-Reverb

Minus

  • DIP-Schalter für globale Einstellungen auf der Rückseite
  • wenige CV-Eingänge für dynamische Modulationen

Preis

  • 375,- Euro
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Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    ollo

    Schade, dass der Drive Regler keinen CV-Input hat, Drive durch eine Hüllkurve steuern zu können wäre nämlich sicherlich sehr praktisch. Jedenfalls nutze ich das wenn ich mit Plugins Bassdrums bastel sehr gerne.

  2. Profilbild
    Garfield Modular AHU

    Hallo Dirk,

    Herzlichen Dank für deinen ausführlichen & interessanten Artikel!

    Schade das es (zu) wenig CV Inputs gibt, einer der Key-Faktor beim Eurorack… Ich werde erst mal der Poly Cinematic von Knobula auf meine Wunschliste setzten und sollte der gut gefallen dann werde ich mir diesen Kickain überlegen und noch mal zurück blicken hier auf dein Artikel!

    Vielen Dank, schönes Wochenende und viele Grüße, Garfield.

    • Profilbild
      Dirk E. aka Xsample RED

      Hi Garfield,
      Danke für Dein Lob! :) Mit dem Cinematic zusammen im Case bilden die beiden Module sicher eine hübsche Einheit. Die wenigen CV-Eingänge sind sicher nicht schön, aber letzten Endes wird an einer Bassdrum auch nicht so wild rum-moduliert, wie z.B. an einem Bass. Dadurch dass DECAY mehrere Parameter beeinflusst und selbst per CV steuerbar ist, relativiert sich das auch ein wenig.
      Dir auch ein Schönes Wochenende! Viele Grüße, Dirk

    • Profilbild
      Dirk E. aka Xsample RED

      Ja sicher kann man das anders sehen, denn ein Test ist ja auch immer auch von der eigenen subjektiven Meinung geprägt (ob man will oder nicht). Ich hatte zumindest ausgeführt, warum ich das so sehe: Featureliste + „…Wenn man bedenkt, wie viele Module (sprich Geld), Kabel und Platz im Case nötig wären, um die Drumstimme und den Kompressor von Hand zu patchen, dann wird man den anvisierten Preis des Knobula Kickain getrost als fair durchwinken.“ Wenn man sich die MARKTÜBERSICHT: DIE BESTEN DRUMMODULE FÜRS EURORACK https://www.amazona.de/marktuebersicht-die-besten-drummodule-fuers-eurorack/
      anschaut, wird man schnell feststellen, dass man bei Modulen mit ähnlicher Featureliste immer in diese Preisregionen rutscht.

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