Test: Korg, Radias, Synthesizer

2. März 2006

Korg Radias

Radio Radias ruft rund: Achtung! Achtung!

Electribe oder ein neuer MS2000?
Er ist da, der ungewöhnlich futuristisch aussehende Radias hat nicht nur einen ungewöhnlichen Namen, er ist zweifelsohne auch optisch nicht uninteressant. Vielleicht haben sich ein iPod und ein Minimoog heimlich „im Dunkel“ der Nacht getroffen? Man weiß es nicht. Das Bedienfeld ist aufstellbar, kann aber auch runtergeklappt werden. Die (rechts-links) Position ist ebenfalls verschiebbar. Es mag unterschiedliche Meinungen geben, er ist definitiv kein 80er-Revival-Versuch, auch wenn er ein wenig an einen supermodernen Minimoog erinnert.

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Abgesehen von den optischen Reizen ist Radias innerlich mit drei Korg-Instrumenten verwandtschaftlich verbunden. Die Familie Korg spendete die Synthese und einige Sequenzer-Eigenschaften von den Electribes, die Kernidee und Basis vom MS2000 (der Papi), und vom Oasys gibt es aus dem Modell AL1 einige Technologie-Spenden. Das Design ist von Korg, nicht von Apple – auch wenn es so aussieht…

iKorg?

Radias gibt es als Rack oder Keyboard, wobei letzteres auch nachgekauft werden kann. Das Rack enthält alle Anschlüsse im oberen Teil, wodurch man etwa 2 HE als Raum für die Kabel einplanen sollte, wenn man ihn als Rack einsetzt. Die Tastatur ist über ein Mini-DIN-Kabel mit dem Rack verbunden. Es enthält auch den eigentlichen Synthesizer. Keyboardbesitzer können daher durchaus das Rack vom Keyboard-Teil abschrauben und als Desktop oder Rack verwenden, dazu bietet es auch eine Anspielfunktion über die Steptasten als Not-Klaviatur an.

Der Radias ist etwas mehr als ein aufgebohrter MS2000, er hat auch in vielen Sektionen Neuerungen erhalten. Bekannt ist natürlich der interne 16-Band-Vocoder, er hat die Möglichkeit eigener Vocoding-Formant-Aufnahmen dazugewonnen. Faktisch ist dies wie 7.5 Sekunden langes Sampeln, dabei werden aber „nur“ die Formantfahrten der 16 Bänder gespeichert. Der Vocoder ist fester zusätzlicher Bestandteil der 4-Timbre-Struktur, er ist also immer vorhanden und benötigt keinen Verzicht auf Stimmen oder Effekte. Er kann frei zugewiesen werden, wenn es um seine Grundversorgung mit Audiosignalen geht: Die übliche Nutzung ist meist ein Audioeingang als Modulator und einer der vier Multimode-Slots als Trägersignal, welcher den Grundsound der Stimme (oder Drumloop etc.) des Vocoders bestimmen wird. Die Multisounds heissen bei Korg Timbres. Sie enthalten einen kompletten Synthesizersound oder eine Drum-Map aus 16 Einzelklängen.

Die Drum-Maps selber bestehen aus kompletten Synthesizersounds und können faktisch frei zusammengebastelt werden, dabei gibt es auch eine Kopierfunktion, um die Patches zwischen den Drum-Maps umzukopieren. Das System ist klanglich sehr flexibel, da es nicht nur PCM-Klänge verwenden kann, sondern jeden Klang, den der Radias erzeugen kann. Die Struktur ist identisch, jedoch fehlen natürlich die Effekte pro Sound und der Mod-Sequenzer. Hatte ich erwähnt, auch der Audio-Eingang kann ein „Drumsound“ sein! Mehr dazu gleich auf diesem Sender..

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IOszillator und der Dickmann™

Die Oszillatoren sind mit Sägezahn, Sinus, Rechteck und Dreieck Wellenformen bestückt, im zweiten Oszillator befinden sich die Optionen Ringmodulation und Sync. Das kennen viele sicher schon vom Vorgänger. Neu sind jedoch viele Möglichkeiten des ersten Oszillators, die aus der Electribe MX stammen. Es gibt ROM-Samples (128 Drum, 64 Synth), Crossmodulation, VPM (faktisch FM), Wellensymmetrie- und Formant-Shaping und den Unison-Modus. Letzterer ist faktisch (mit Sägezahnwellenform) die Verkörperung der vielgewünschten „Supersaw“, ohne es zu sehr an eine große Glocke zu hängen. Nebenbei kann man Glocken ohnehin besser mit dem VPM-Algorithmus erstellen (sic)! Übrigens gibt es auch einen Globalen Unison-Mode, der einfach alles vervielfacht und dick macht.
Um das große Audio-In-Mysterium zu lösen: Der Oszillator wird wahlweise zum Audio-Eingang und kann durch den Envelope-Follower, unabhängig davon, ob er auch Audio-Eingang ist, durch eine externe Klangquelle gesteuert werden. So könnte ein synchronisierter Beat von außen eine Bassline rhythmisch modulieren oder der Drumloop selber „wie ein Drumsound“ gestartet und bearbeitet werden (abhängig von seinem Lautstärke-Verlauf).

Klangbeispiele
Forum
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    Hinweis: Der Preis für das Rack beträgt in Deutschland etwa 1.400 Euro (Stand 1.9.2006). In Großbritannien gibt es das Rack allerdings bereits für 700 Pfund incl. VAT, das sind nur 1040 Euro. Dieser Preisunterschied ist einigermaßen rätselhaft und dürfte, der Europäischen Gemeinschaft sei Dank, zu vermehrten Bestellungen auf der Insel führen.

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    Die Preispolitik von Korg Deutschland ist erschreckend, so sind die Preise in GB und den USA zwischen 15% und 30% niedriger als bei uns. Beim Triton Extreme bekommt man zudem das Moss-Board kostenfrei dazu- insgesamt eine Ersparnis von fast 1000€.
    Eine Anfrage, ob das Moss-Board auch bei uns bald als Aktion mitgeliefert wird, wurde von Korg Deutschland verneint. Man sollte klarstellen, daß deutsche Musiker keine Melkkühe sind und Preise von den großen Musikfirmen global angemessen und gleichwertig gestaltet werden.

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    Sooo…wegen des Preises…mittlerweile gibt´s den Radias auch hierzulande für 999Euro.

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    Kennt jemand eine Website, auf der man brauchbare Soundbeispiele für den Radias anhören kann?

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    AMAZONA Archiv

    1. Der aktuelle Preis von 999 € für den Radias Rack ist m. E. der logische Preisverfall bei Korg, s. a. Korg R3 für 555 €.

    2. Ob`s immer ein brauchbarer Sound ist sei mal dahingestellt, aber ich surfe gerne auf Youtube und schaue mir die Homevideos von Synthbesitzern an. Hier und da bekommt man einen anderen Eindruck als durch das hochglanz-mp3-Demo.

  6. Profilbild
    Faust 1

    Auf YouTube wissen viele auch nicht was sie tun, …somit sind die Soundbeispiele dort meistens nichts wert. (meistens, aber nicht immer) Aus dem R3 bzw Radias kommt ein schön satter Klang.

  7. Profilbild
    AMAZONA Archiv

    der radias ist ein sehr gutes rundum sorglos-paket. ich möchte ihn nichtmehr missen. vor allem finde ich diese wavetables sehr schön, welche sich mit dem zweiten oscilator gut mischen lassen. der radias ist einfach zu bedienen und bietet wirklich alles, was man braucht. ich kann sogar eine externe gitarre anschließen und nur die filter vom radias benutzen. das klingt auch fett, da ja verschiedene effekte wie mehrere delays, raumsimulationen, pitchshifter, verzerrer usw mit dabei sind

  8. Profilbild
    Full Bucket

    Immer noch ein großartiger Synthi! Sehr vielseitig, sehr aggressiver Sound, allerdings trotz vieler Regler nicht ganz unkompliziert zu bedienen. Ich missbrauche ihn auch als Gitarreneffekt :-) und würde ihn live viel mehr einsetzen, wenn er nicht auf so manchem Ständer einfach „nach hinten durch“ fallen würde: das blöde Keyboardteil hat nämlich keine Bodenplatte und besteht de facto nur aus einem Rahmen mit Tastatur… dämlich.

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