Test: Oktava MKL 5000, Röhren-Großmembran Studiomikrofon

10. Januar 2020

Modern, stimmig, röhrig - super Sound

oktava mkl5000

Oktava MKL 5000, Röhren-Großmembran Studiomikrofon

Nachdem ich kürzlich das MK 012 20 Set des russischen Herstellers testen durfte und mehr als angetan war, begeben wir uns dieses Mal an das andere Ende der Preisspanne. Das MKL 5000 ist das kostenintensivste Angebot von Oktava, wir werden sehen, wie das Röhrenmikrofon abschneidet.

Das MKL 5000 in Überblick

Beim MKL 5000 handelt es sich um ein um ein Röhrenmikrofon mit Doppelmembran-Kapsel, damit lassen sich die Richtcharakteristiken Niere, Acht und Kugel erzeugen. Diese werden direkt am Mikro umgeschaltet, weitere Einstellungsmöglichkeiten gibt es nicht.

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Niere, Acht, Kugel werden am Mikrofon geschaltet

Mit 255 mm Länge und einem Durchmesser von 64 mm ist das Teil ein ganz schöner Brocken, da verwundert auch das Gewicht von 1,1 kg nicht. Für das Design wurde die klassische Bottle-Form gewählt, die Elektronik sitzt in dem Zylinder, die Kapsel in dem oben aufgesetzten Lollipop. Sie ist mit zwei 27 mm Membranen bestückt und wird durch ein zweilagiges Einsprechgitter geschützt.

Das Mikrofon wird von einer umschließenden Spinne gehalten, die das Prädikat „schlicht und funktional“ verdient. Ersatzgummis für die Spinne liegen bei.

oktava mkl5000

Mikro mit Spinne

Leider wird das nötige Reduziergewinde 5/8“ auf 3/8“ nicht mitgeliefert. Dieses befindet sich aber in einem ebenfalls zum Lieferumfang gehörenden Mikrofonhalter und kann hier ausgeschraubt werden.

Bei den technischen Angaben ist aufgeführt, dass der Frequenzgang den Bereich von 20 Hz – 20 kHz umfasst, die Ausgangsimpedanz bei 350 Ohm liegt, die Empfindlichkeit bei 12 mV/Pa und der maximale Schalldruck bei 125 dB.

Weitere Informationen sind der beiliegenden DIN A5 Anleitung zu entnehmen, vorausgesetzt, man ist mit der russischen Schrift und Sprache vertraut. Ein DIN A4 Blatt auf Englisch liegt allerdings bei, hier werden die wichtigsten Infos zusammen gefasst.

Als Röhre kommt eine 6ZH1P Pentode aus russischer Fertigung zum Einsatz. Seine Stromversorgung erhält das Mikrofon mit dem BP-103 Netzteil.

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Das Netzteil in Ziegelsteinoptik

Hier befinden sich auf der Vorderseite die 5-polige Buchse zum Mikrofonanschluss und die XLR-Ausgangsbuchse. Ebenfalls ist hier die Betriebs-LED verbaut. Rückseitig befindet sich die Netzanschlussbuchse mit Power-Schalter und Sicherung. Auf der Unterseite ermöglicht eine kleine Aussparung den Zugang zum Umschalter von 220 auf 110 Volt.

Verpackt ist die ganze Herrlichkeit in einer Holzbox, die mit 500 x 305 x 165 mm alles schlägt, was ich bisher an Mikrofon-Umverpackungen erlebt habe.

Die riesige Holzbox, im Vergleich das MK 012 20 Kistchen

Das MKL 5000, Verarbeitung

Vorsichtig wird das Mikrofon aus dem Schaumstoff gehoben. Moment, irgendwas stört mein geschultes Auge. Tatsächlich, die Kapsel sitzt etwas schräg auf dem unteren Body. Mit einem einfachen Test überprüfe ich meine Wahrnehmung. Liegt das Mikro auf einer Seite, liegt es auf Kapsel und hinterem Gehäusering auf, mittig ist etwas Luft. Drehe ich es um die eigene Achse, liegt der Zylinder plan und die Kapsel hängt ein wenig in der Luft.

Die Kapsel hat mal was abbekommen

Das ist nun sicher kein Nachteil in der Funktion, aber beim Spitzenprodukt eines Herstellers erwarte ich einfach etwas mehr Sorgfalt in der Endkontrolle. Ein Anruf beim deutschen Vertrieb ergibt dann, dass es sich bei der Lieferung um ein Testmodell handelt, das evtl. schon mal etwas unsanft behandelt wurde. Erklären kann man es sich dort nicht und anscheinend gab es auch noch nie Beanstandungen.

Der Rest der Verarbeitung ist völlig in Ordnung, schlicht und etwas rustikal, aber sowohl die Metallverarbeitung als auch der Farbauftrag sind ohne Makel.

Das trifft so auch auf die Spinne zu, die sogar eine Filzdämmung bietet, um die Unterseite des Mikros nicht zu verkratzen. Allerdings muss das Mikro so eng in die Fassung eingeführt werden, dass ein Verkratzen des Zylinders am oberen Ring möglich erscheint.

Bitte mit ruhiger Hand einführen

Das passiert bei dem zweiten Mikrofonhalter sicher nicht, der aber ob seiner Schlichtheit eher als Notbehelf dienen wird.

Der Notnagel

Das zugehörige Netzteil ist aus stabilem Stahlblech gefertigt und kommt ohne Lüftungsschlitze aus. Die Fertigung ist sauber, die Formsprache schlicht. Als einziger Kritikpunkt käme evtl. die sehr grelle grüne Betriebs-LED in Betracht. Das benötigte 5-polige Spezialkabel ist mit Neutrik Steckern ausgestattet und mit ca. 5 m auch ausreichend lang.

Soweit also alles ok beim MK 5000, wenn wir das Malheur mit der schräg sitzenden Kapsel außer Acht lassen. Ich bin geneigt, mich da auf die Aussage des deutschen Vertriebs zu verlassen, dass dies ein bedauerlicher Einzelfall ist, also Schwamm drüber.

Das MK 5000 im Soundcheck

Wie es sich für ein Röhrengerät gehört, sollte man auch dem MK 5000 einige Minuten zum Warmwerden gönnen. Um eine Relation zu haben, nehme ich zunächst wieder mein altes AKG C414 B-ULS mit hinzu, beide mit Nierencharakteristik und angeschlossen am UA Apollo Interface.

Einen Pluspunkt kann das Oktava direkt für sich verbuchen, es braucht ca. 5 dB weniger Gain, was das schon geringe Grundrauschen nochmals verbessert.

Ein erstes Antesten überrascht mich zunächst. Ich hatte ja kürzlich mit dem MK 012 Modul-System drei Kleinmembran- und eine Großmembrankapsel des russischen Herstellers im Test und war von dem recht eigenen, eher erdigen und mittengepägten Sound wirklich angetan.

Das MK 5000 liefert nun genau das Gegenteil, zu hören ist ein moderner, schlanker Sound mit offenen Höhen. Hier klingt das AKG etwas belegter, erzeugt aber mehr Druck in den Mitten und lässt so die Stimme voller und intimer klingen. Das MK 5000 bietet linearer an, ohne eine Frequenz besonders zu betonen. Dabei fallen besonders die Höhen auf, die sehr fein auflösen und trotz ihrer Präsenz nie hart werden. Die typische Röhrenwärme kann ich allerdings weniger heraushören, das MK 5000 gehört zu den neutraleren Röhrenmikros und möchte wohl auch nicht mit einer eigenständigen Klangcharakteristik plakativ hervortreten.

Das Oktava kann einen recht weiten Entfernungsbereich abdecken, bevor es anfängt indirekt zu klingen. Zwischen einer Handbreit und ca. 60 cm Abstand klingt alles gut. Die Niere ist recht breit angelegt, so lässt sich bei geringem Abstand auch ganz gut minimal an der Kapsel vorbei singen, um den Luftstrom zu verringern.

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Die Niere spricht recht breit an

Die Transienten gibt das Mikrofon sehr gut und schnell wieder, da verschmiert nichts, auch dieses Mal wieder mit dem Shaker überprüft.

Beim Umschalten auf die Achtercharakteristik wird das Mikro noch etwas heller. Hier kann man sogar bis auf ca. 5 cm an die Kapsel herangehen. Gleichzeitig treten die tiefen Mitten ein wenig mehr zutage. Die Acht kann also gern als Alternativsound eingesetzt werden, der etwas mehr Charakter in das Klanggeschehen einbringt.

Naturgemäß klingt die Kugelcharakteristik recht indirekt und bietet sich weniger zur Aufnahme einer Solopassage an. Als Ambientsound ist aber auch diese Option gewinnbringend und weitgehend linear abgestimmt einsetzbar.

Bei einem vorwiegend neutral abgestimmten Mikrofon, wie es das Oktava MK 5000 ist, interessiert natürlich auch, wie es auf unterschiedliche Preamps reagiert. Beginnen wollen wir mit dem SSL XR627 im X-Rack-Format.

Der XR627 im X-Rack

Der SSL ist auch ein neutraler Geselle, der dem gesamten Sound noch etwas mehr Feinzeichnung mitgibt. Frappierend sind die Unterschiede zu den guten Apollo Preamps nicht, aber schon wahrnehmbar. Die Impulsfreude nimmt zu und der Höhenbereich wird noch etwas smarter dargestellt. Aber der SSL hat mit VHD, der Harmonische zweiter und dritter Ordnung zusteuert, noch einen Trick im Ärmel.

Gerade die dritte Harmonische macht das Signal griffiger und bringt es direkter rüber. Kein schlechtes Duo.

Weiter geht es mit dem Warm Audio WA73-EQ. Der Preamp auf Basis des Neve 1073 ist für seine prägenden Mitten und seidige Höhen bekannt. Das kommt auch dem Oktava MKL 5000 zugute, das hier deutlich an Charakter gewinnt, das Signal gewinnt an Tiefe und Durchsetzungsvermögen. Die Höhen werden ein wenig zurückgenommen und verlieren an Brillanz, was aber den sahnigen Grundcharakter unterstreicht.

Nun besitzt der WA73-EQ einen dreibändigen Equalizer mit Festfrequenzen. Da lässt sich also schön überprüfen, wie das Mikro auf verschiedene Einstellungen reagiert. Nun, übertreiben sollte man es damit nicht, aber eine kleine Betonung bei 10 kHz, um die Höhen wieder zu pushen und eine Zugabe bei 1600 Hz, um die Stimme noch mehr nach vorne zu kriegen, das verträgt der Sound schon.

Dezenter EQ Einsatz ist ok

Grundsätzlich liefert das MKL 5000 aber von Haus aus einen sehr ausgewogenen Klang, der nicht unbedingt mit dem Equalizer zurechtgebogen werden muss.

Nicht ganz so gut verträgt sich das Oktava mit dem nächsten Preamp, dem Channel One von SPL, ein- und ausgangsseitig mit Lundahl Übertragern bestückt. Hier wird das Signal unangenehm körnig, was dem Grundcharakter des MKL 5000 zuwider läuft. Nein, diese beiden bilden keine Traumkombination.

Einen Versuch haben wir noch, der Ebony A1 von TL Audio verfügt über eine Röhrenstufe, die sich stufenlos zufahren lässt.

Der Channel One passt nicht, der A1 dafür umso besser

Hier verliert das Signal zunächst ein wenig an seiner schönen Höhenzeichnung, setzt sich aber in den Mitten deutlich durch. Mit der hinzugeschalteten Röhre nehmen die Höhen wieder zu und erzeugen Obertöne, die eine leichte, aber angenehme Verzerrung mit ins Bild bringen. Gerade für Rockstimmen kann dies das Mittel zur Wahl sein. Nicht verhehlen sollte man auch, dass diese Kombi nicht die rauschärmste ist, für ruhig und fein gezeichnete Klangaufnahmen darf es also gerne ein anderer Vorverstärker sein.

Fazit

Mit dem MKL 5000 liefert Oktava ein Röhrenmikrofon, das mit einem modernen und stimmigen Sound besticht. Dabei versteht es sich vorwiegend als neutraler Übertrager der Performance, weniger als klangprägendes Element.

Mit verschiedenen Preamps lässt sich das Signal schön formen und gut auf den jeweiligen Verwendungszweck anpassen. Eine weitere Variationsmöglichkeit bieten die verschiedenen Richtcharakteristiken.

Grundsätzlich ist der Oktava Produktpalette ein sehr gutes Preis-Leistungs-Verhältnis zu assistieren. So auch hier, das MKL 5000 ist nicht billig, trotzdem Preis-Leistung sehr gut.

Plus

  • moderner, neutraler und fein gezeichneter Sound
  • sehr gutes Preis-Leistungs-Verhältnis
  • umschaltbare Charakteristiken
  • ordentliche Verarbeitung aller Komponenten

Preis

  • 1.099,- Euro
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