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Test: Polyend Play, Sample- und MIDI-basierte Groovebox

Der will doch nur spielen!

15. Juli 2022
polyend play test

Polyend Play, Sample- und MIDI-basierte Groovebox

Im Herbst ist es soweit: Die auf der Superbooth 22 vorgestellte Groovebox Polyend Play soll ausgeliefert werden. Wir bei AMAZONA.de haben bereits eines der begehrten Testexemplare ergattern können, um euch jetzt schon einen ersten Test liefern zu können.

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Polyend Play – was ist das?

Fangen wir vielleicht damit an, was sie (ja, d i e Groovebox) nicht ist. Sie ist kein Sampler. Es gibt weder Sample-Eingänge, noch kann man intern resamplen, obwohl es einen Loop-Buffer-Effekt gibt. Sie ist auch kein analoger Sequencer, CV-Ausgänge sucht man ebenfalls vergeblich. Das kann man nur über den Umweg MIDI-to-CV erreichen.

Peripherie der Polyend Play

Die Ein- und Ausgänge auf der Rückseite der Groovebox sind recht überschaubar. MIDI-In/Out im 3,5 mm Klinkenformat, MIDI-TRS Norm. Dazu ein Stereoausgang, ebenfalls im 3,5 mm Format, Adapter werden mitgeliefert. Ebenso wie ein solides USB-C-Kabel samt Stromadapter. Der USB-C-Port dient dabei sowohl zur Stromversorgung als auch zur USB-MIDI-Kommunikation. Diese findet nämlich getrennt vom TRS-Port statt, so dass Polyend Play auf 32 adressierbare MIDI-Kanäle kommt.

Auf der anderen Seite findet man leider nur einen DIN-TRS-MIDI-Adapter und beim Audio-Breakout-Kabel muss man raten, ob es sich um den rechten oder den linken Kanal handelt.

Nun zu den technischen Werten der Audioausgänge:

Line Output:

  • Output Impedanz: 10 kΩ,
  • Output Level: 9 dBu,
  • SNR: 97 dB.

Headphone Output:

  • Output Impedanz: 16 kΩ,
  • Output Level: 17,6 dBm,
  • SNR: 98 dB.

Abschließend findet man auf der Rückseite noch den Soft-Power-Button und den Mini-SD-Karten-Slot. Diese enthält neben der Firmware alle Daten wie Sample- oder Projektdateien. Auch hier wird ein SD-auf-USB-Adapter mitgeliefert, mit dem man sehr einfach die SD-Karte am Rechner betreiben kann. Außerdem leuchtet er blau. Schaut man genau hin, gibt es noch eine winzige Öffnung neben dem Power-Button. Hier kann man einen kompletten Reset ausführen, falls beim Firmware-Update etwas schiefgehen sollte.

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Die Polyend Play Kontrolloberfläche

Polyend Play bietet Kontrolle satt mit insgesamt 160 hintergrundbeleuchteten Soft-Buttons (nicht druckempfindlich), 15 ungerasterten Endlos-Encodern, 11 Federtastern sowie einem Menü-Encoder. Dabei sind alle von sehr guter Qualität. Die Endlos-Encoder verfügen über eine wirklich rutschfeste Gummierung, um in der Hitze der Nacht nicht peinlich abzurutschen.

Der Drehwiderstand ist schwer, aber im Zusammenspiel mit der Parametereditierung (meistens) eine wahre Wohltat beim Bedienen. Die Federtaster der Polyend Play sind, wie beim Polyend Tracker, mit einem (meiner Meinung nach) perfektem Druckpunkt ausgestattet. Sie gehen in Richtung Elektron-Taster, sind aber nicht ganz so laut und schwingen vor allem aufgrund der Gehäusekonstruktion nicht nach.

Das TFT-Display hat eine sichtbare Diagonale von 7,1 cm und ist gut ablesbar. Die Hauptinformationen werden ohnehin auf den 160 Soft-Buttons angezeigt. Die Encoder sind berührungsempfindlich, so dass der aktuelle Wert des gewählten Parameters sofort angezeigt wird.

Wie funktioniert die Polyend Play?

OK, OK, das war jetzt aber genug der Äußerlichkeiten. Wie funktioniert die Polyend Play denn nun?

Meine erste Begegnung kam auf jeden Fall ohne Bedienungsanleitung aus, die es als Online- und PDF-Version gibt, so dass ich den beigelegten Quick-Start-Zettel gar nicht bemühen musste. Das PDF-Handbuch ist übrigens lediglich eine Kopie der Online-Version, ökonomisch, aber unansehnlich. Zumal die Links auf Demo-Videos im ausgedruckten Zustand wohl eher nicht funktionieren dürften.

Polyend Play - Sequenz

Im Handbuch steht auch, dass man auf jeden Fall mit den mitgelieferten Sample-Packs arbeiten sollte. Diese seien für die Polyend Play Performance bestens optimiert und böten genug Material für eigene Tracks. Natürlich könne man auch eigene Samples verwenden und alles von Grund auf selber machen.

Ich fand diese Aussage zunächst etwas seltsam, kauft sich doch wohl kaum einer eine Groovebox, um dann nur mit fremden Sample-Packs zu arbeiten. Nachdem ich mir aber einige der Sample-Packs angesehen habe und die Demo-Songs durchgegangen bin, wird mir die Aussage aber schon klarer. Um die Polyend Play vor allem live wirklich voll ausreizen zu können, muss man schon in einer gewissen Weise die Spuren nutzen – nur dann erreicht man den maximalen „Play“-Spaß.

Dem Demo-Video sieht man zwar an, dass ich die Polyend Play erst zum zweiten Mal benutze, ich habe wortwörtlich zuvor aber erst eine Viertelstunde damit verbracht.

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Was kann ich sagen? Es macht einfach Spaß! Nachdem ich einen Track von Grund auf selber erstellt hatte, musste ich merken, dass es eben nicht so einfach ist, diesen auch so live-tauglich zu machen. Auch das Einspielen über die vier seitlichen Pad-Reihen macht nicht so wirklich Freude. Man sollte besser einen externen MIDI-Controller nutzen.

Konzept der Polyend Play

Beginnen wir im Sequencer-Mode, in dem man klassisch die Eingabe über ein Lauflicht-Sequencer macht. Die ersten 16 Buttons sind für die Steps, die vier grün abgesetzten Buttons bieten pro Track die Funktionen Mute, Solo, Variation und Select. Select wählt alle Steps des Tracks aus, so dass man z. B. für jeden Step den Cutoff verstellen kann. Hinter Variation verbirgt sich die Möglichkeit, auf einem Track 16 verschiedene Sequenzen abzuspielen. Natürlich nicht gleichzeitig. Ein Chaining an dieser Stelle wäre nett gewesen.

Polyend Play - Variations

Polyend Play – Variations werden in Rosafarben dargestellt

Die Polyend Play bietet acht Sample-Tracks und acht MIDI-Tracks. Jeder Track kann bis zu 64 Steps lang sein und seinen eigenen BPM-Teiler haben. Auch Swing ist per Track einstellbar, ebenso wie einer von 35 Play-Modes. Neben den beiden Standards Forward, Backward finden sich hier allerlei ungewöhnliche Namen wie GoGo oder Averidger. Das sind aber nicht nur einfache Abspielrichtungen, viel mehr wird die Abspielreihenfolge teilweise komplett verändert.

Polyend Play - Track Länge

Ein Druck auf Shift zeigt, wie lange ein Track ist. hier haben zwei Tracks je vier Pages

Nehmen wir „GoGo“: Hier werden die ersten vier Steps zunächst vorwärts, dann rückwärts gespielt. Dann springt der Track zu der dritten Gruppe von vier Steps und macht dort das Gleiche. Mit dieser Technik bekommt man aus einem Grund-Pattern also viele Variationen gratis frei Haus. Toll wäre, diese Modes auf eine neue Variation übertragen zu können.

Für jeden Step eines Tracks kann man ein beliebiges Sample aus dem Sample-Pool wählen, den man vorher anlegen muss. Intern arbeitet die Polyend Play mit 16 Bit und 44,1 kHz Mono-Samples, das entspricht 32 MB. 6 Minuten passen so in den Speicher. Da aber auch geringere Sample-Rates genutzt werden können, kann die Länge variieren.

Apropos Sample-Auswahl: Hier waren mir die rasterlosen Encoder zu feinfühlig, um zielgenau einzelne Samples auszuwählen. Zum Glück kann man hier auf den Menü-Encoder ausweichen.

polyend play test

Sample-Manipulation

Hier kommen auch die Sample-Packs in Spiel. Sie bestehen aus gut aufeinander abgestimmten Samples, die meist einer bestimmten Stil-Richtung folgen. In den Packs sind auch Fill- und Randomizing-Daten hinterlegt, doch dazu später mehr.

Jedes Samples eines Steps kann mit einem der begrenzten Sample-Manipulationen verändert werden. Die direkten Sample- bzw. Klang-Manipulationen sind

  • Note/Microtune,
  • Volume/Panning,
  • Cutoff/Resonance,
  • Sample-Start/-End,
  • Sample-Attack/-Decay,
  • Overdrive/Bit Depth,
  • Reverb /Delay Send.

Diese Pärchen liegen auf einem Encoder und man kann entweder durch die seitlichen Menü-Taster zwischen ihnen wechseln oder die „Double-Tap“-Funktion der Encoder benutzen. Zum Glück kann man diese auch ausschalten, denn bei einer Live-Performance stört diese eher, da man zu oft versehentlich den Parameter wechselt.

Es funktioniert dabei genau wie mit Parameter-Locks. Man wählt einen Step aus und hält ihn gedrückt, danach verstellt man den Parameter. Wird „Live Rec“ aktiviert, kann man so auch Parameterfahrten aufnehmen. Einige Encoder geben dabei ebenfalls MIDI-CC aus, die man im Systemen selbst bestimmen kann. So sind Panning, Filter Cutoff/Resonance, Sample Attack/Decay, Reverb/Delay Send, Overdrive/Bit Depth alles Quellen für CC-Werte.

Polyend Play - Live Rec

Polyend Play – Im Live Rec Modus können auch Parameterfahrten aufgenommen werden

Eine Sache ist mir dabei aufgefallen, wenn über den MIDI-Ausgang die MIDI-CC des entsprechenden Encoders ausgegeben werden: Wenn der Sequencer steht und ich z. B. Filter-Cutoff bediene, hört man immer auch das aktuelle Sample mit den aktuellen Filtereinstellungen. Das ist fürs Editieren an der Polyend Play gut, macht es aber unmöglich, über MIDI-Learn, z. B. in Ableton, den ausgegebenen CC-Parameter zur Fernsteuerung zu nutzen. Dort wird immer die Note ankommen. Hier wäre eine Möglichkeit gut, die Notenausgabe temporär zu deaktivieren.

Polyend Play

Polyend Play

Kundenbewertung:
(4)

Gib dem Zufall eine Chance

Es gibt dann noch vier Encoder, die mit der Position bzw. Abspielwahrscheinlichkeit des Samples zu tun haben. Diese sind

  • Chance/Action,
  • Randomize/Randomize Type,
  • Repeat Type/Repeat Grid,
  • Move/Micormove.

Dahinter versteckt sich in der Polyend Play ein voll ausgebautes Ratcheting- und Conditional-Trigs-System, wie man es von Elektron-Sequencern kennt. Randomize arbeitet hier aber anders. Auf ein Ziel (Randomize Type) angewendet, erhält man beim Einstellen der Prozentzahl (Randomize) nicht bei jedem Durchgang eine neue Variation, sondern bestimmt darüber eine Zufallsverteilung, die bei jedem Durchgang für eine Einstellung identisch ist. Erst ein Ändern der Prozentzahl ändert auch die Wiedergabe. Vielleicht hätte man statt Prozent einfach „Seed“ schreiben sollen, so wäre das Verhalten schneller zu verstehen. Randomize kann dabei unter anderem „zufällig“ auf Samples aus dem Sample-Pool bzw. dem aktiven Sample-Ornder zugreifen oder gleichzeitig Einstellungen für Samples im Folder, Filter-Cutoff, Resonance, Overdrive, Panning (Duke) verstellen. Die Kombination aus Samples im Pool, Filter-Cutoff, Filter-Resonance, Overdrive, Panning trägt gar den lieblichen Namen „Duke Nuke“.

Alles in allem hat man bereits auf der Sequencer-Ebene eine Menge Freiheiten, die Pattern lebendig zu gestalten, so dass schon eine Sequenz von nur 16 Steps den Eindruck erweckt, sie hätte wesentlich mehr.

Die Fill-Funktion: Editieren auf der Überholspur

Die Fill-Funktion wurde eigens dafür entwickelt, um Sequenzen schneller erstellen zu können. Ähnliche Werkzeuge gibt es auch beim Tracker. Um eine 4-4 Bassdrum zu setzen, wählt man den Track aus, stellt den Type auf Euclidian und die Events auf 4. Interessant ist hier der Type „Beat“. Selektiert man drei Tracks, wird ein kompletter Beat aus Bassdrum, Snare und HiHat eingefügt. Über die anderen Types Kick, Snare, HiHat kann man so auch Pattern aus verschiedenen Beats mischen. Und hier unterscheiden sich auch die Sample-Packs voneinander. Diese vorgefertigten Sequenzen sind in jedem Sample-Pack unterschiedlich und dem Genre angepasst. Leider kann man zurzeit noch keine eigene Fill-Patterns erstellen.

Jetzt wird’s bunt: Performance Mode der Polyend Play

Polyend Play - Performance Mode

Zum Schluss kommt der Modus, der aus der Groovebox den eigentlichen Spielspaß herausholt: der Performance Mode. In acht farblichen Unterteilungen à zwei Reihen. Hier die Auflistung, was diese im einzelnen machen:

  • Red – Tune mit vordefinierten +/- Werten,
 Orange – Low-Pass/High-Pass Filter-Cutoff,
  • Yellow – Overdrive/Bit Depth FX mit vordefinierten +/- Werten,
  • Green – Rearrange Algorithmic Shuffler Presets, 
Blue – Repeat Algorithmic Step Repeater
  • Presets,
Violet – Delay Punch-in Presets,
 Purple – Reverb Punch-in Presets,
 Pink – Loop Audio
  • Buffer-Type Punch-in Presets (Master Effekt betrifft immer alle Tracks).

Diese sind fest vorgegeben und können nicht verändert werden. Aber vor allem gibt es keinen Performance-Mode für die MIDI-Tracks. Verständlich bei den Audioeffekten, aber eine großer Verlust bei den Repeat- und Rearranger-Effekten – hier sollte unbedingt nachgeliefert werden, wertet es doch den Anspruch der Polyend Play als Studio-Zentrale enorm auf.
polyend play test

Patterns-Mode

Dieser Mode wählt einfach zwischen den erstellten Patterns aus. Maximal können 128 Patterns gespeichert werden. Man bedenke: Ein Pattern kann dabei einen ganzen Song enthalten! Aber auch ein Pattern-Chaining ist möglich. Man kann sogar mehrere Ketten anlegen, indem man ein Pattern zwischen zwei Ketten nicht aktiviert.

Master-FX und Rendering in der Polyend Play

Die Master Effekte sind nicht editierterbar, bieten aber Presets. Zur Verfügung stehen:

  • Reverb,
  • Delay,
  • Sound,
  • Limiter,
  • Saturation.

Der Limiter hat eine Side-Chain-Funktion, die von jeden Audio-Track aus angesteuert werden kann. Eventuell könnte man auch irgendwann die Parameter der Master-FX freigeben.

Ich gebe zu, die Abschnittsüberschrift mag nun irritieren, aber die Polyend Play beherrscht eben kein Rendering, wie z.B. der Polyend Tracker – nun, noch nicht. Denn ich bin mir sicher, auch diese Groovebox wird regelmäßige Updates erhalten und viele Verbesserungen erfahren.

Audio und MIDI Scale-Filter

Um noch mal zum MIDI zurückzukommen. Es gibt ein globales Scale-Filter, das alle MIDI- und Audio-Noten eingehend und ausgehend auf eine von 39 Skalen transformiert:

  • Chromatic
  • Minor
  • Major
  • Dorian
  • Lydian
  • Lydian Minor
  • Locrian
  • Phrygian
  • Phrygian Dominant
  • Mixolydian
  • Melodic Minor
  • Harmonic Minor
  • BeBop Major
  • BeBop Dorian
  • BeBop Mixolydian
  • Blues Minor
  • Blues Major
  • Pentatonic Minor
  • Pentatonic Major
  • Hungarian Minor
  • Ukrainian
  • Marva
  • Todi
  • Whole Tone
  • Diminished
  • Super Locrian
  • Hirajoshi
  • In Sen
  • Yo
  • Iwat
  • Whole Half
  • Kumoi
  • Overtone
  • Double Harmonic
  • Indian
  • Gypsy
  • Neapolitan
  • Neapolitan Minor
  • Enigmatic.

Eigentlich sind es aber weniger, betrachtet man die Kirchentonleitern oder z. B. „Super Locrian“, die das Gleiche wie „Harmonic Minor“, basierend auf einer anderen Stufe ist. Aber sei es drum. Natürlich kann die Polyend Play nicht riechen, welche eigentlich Tonhöhe nun ein Sample hat. Das muss man schon selber wissen, und auch die Root-Note eines Samples kann man nicht verstellen. Vielleicht wäre das eine Addition in einer zukünftigen Sample-Setup-Page, die Infos über jedes Sample anzeigt.

Polyend Play - Sidechain für Limiter

Alle Encoder haben auch hier eine Funktion, wenn auch, wie erwähnt, keine Audio-Effekte möglich sind. Eine Interessante Option bieten hier aber die MIDI-Chords. Denn obwohl auf einen Track nicht polyphon aufgenommen werden kann, können sehr wohl polyphone MIDI-Daten gesendet werden. Der Encoder „Sample Start“ stellt dabei einen von 20 Chords ein:

  • Power 4th,
  • Power 5th,
  • Major,
  • Minor,
  • Diminished,
  • Augmented,
  • Sustained2,
  • Sustained4,
  • Major 6th,
  • Minor 6th,
  • Major 7th,
  • Minor 7th,
  • Minor Major 7th,
  • Dominant 7th,
  • Major 9th,
  • Minor 9th,
  • Major 11th,
  • Minor 11th,
  • Major 13th,
  • Minor 13th.

Falls der Chord jedoch nicht zu einem gewählten Scale-Filter passt, wird das auch angezeigt.

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Fazit

Sicherlich war das Beschriebene nicht bis ins letzte Detail, aber dennoch spare ich mir einen Abschnitt zur Bedienung. Denn diese ist einfach, intuitiv und schnell zu erlernen. Die Lernkurve liegt hier im Anlegen der Tracks, so dass sie optimal mit den Performance-Funktionen genutzt werden können.

Der Workflow mit der Polyend Play macht nach kurzer Zeit sogar richtig Laune, man verbringt gerne Zeit an dem Gerät. Das mag auch daran liegen, dass der Bildschirm meistens nur unterstützende Funktion hat – der eigentliche Bildschirm sind die Pads.

Vom Klang her gibt es nichts zu meckern, man darf zwar kein 24 Bit / 96 kHz Sound erwarten, aber die Effekte sind ordentlich und können durchaus in der Produktion angewendet werden, außer dem Reverb – der ist eher enttäuschend.

Sicher gibt es hier und da einige Details, die zu verbessern wären. Aber – wir sind bei Firmware-Version 1.0.0. Polyend ist bekannt für seine Produktpflege und ich denke, in der Hardware selber steckt noch sehr viel Potenzial. Ich würde vor allem gerne die Möglichkeit sehen, eigene Fills zu erstellen und die Repeat-Effekte des Performance-Mode auch auf MIDI anwenden zu können.

Aber bereits jetzt is die Polyend Play eine Groovebox, die einfach Spaß macht und zum Live-Gig förmlich einlädt.

Nachtrag:
Erst nach diesem Test fielen mir noch Sachen auf, die definitiv die Nutzung als MIDI-Sequencer stark einschränken:
  1. Bei einer polyphonen MIDI-Aufnahme muss man, wie erwähnt, auch mehrere MIDI-Tracks dafür opfern. Doch selbst wenn man das macht, so hat man bei der Aufnahme mit Notenhängern zu kämpfen. Diese verschwinden erst, wenn man das MIDI-Gerät dazu bringt, alle Noten auszuschalten. Dann ist die Aufnahme aber so, wie sie eingespielt wurde.
  2. Nicht so schwerwiegend, aber ärgerlich: Koppelt man die Play mit dem Tracker, so gibt der CC für Bit-Crush immer nur Werte von 4 bis 16 aus. Der Tracker erwartet aber 0 bis 127. Und das bedeutet, dass die Instrumente immer nur in 4 oder 5 Bit abgespielt werden.
Aufgrund dieser Entdeckungen, muss ich eine Bewertung nach unten gehen. Dennoch gilt das gesagte: ich bin mir sicher, dass diese Probleme bald der Vergangenheit angehören.

Plus

  • intuitiver Workflow
  • Chance und Conditional Trigs Funktionen
  • viele Möglichkeiten, einzelne Tracks lebendig zu gestalten
  • Performance-Mode: ideal für Live-Einsatz geeignet
  • einzelne MIDI-Tracks können Chords ausgeben

Minus

  • keine eigene Fills-Patterns
  • kein Performance-Mode für MIDI-Tracks
  • keine polyphone Aufnahme auf einzelne MIDI-Tracks
  • Reverb eher mittelmäßig

Preis

  • 799,- Euro
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Forum
  1. Profilbild
    suwannee

    Was soll das sein? 799 € für für viele Taster? Ein bisschen arg teuer für etwas das kaum richtig als Groovebox einsetzbar ist. Nur zum spielen? Wer braucht 39 Scalenl Mal ehrlich! Schon 3 – 4 Scalen übersteigen den den Gebrauchswert eines normalen Musikers. Ich wünschte mir ein Hersteller würde mal einen wirklich brauchbaren Controller Schafen. Ideen hätte ich, aber leider keinen Finanzie für eine Entwicklung, geschweige denn einer Fertigung.

  2. Profilbild
    DJ Ronny

    Oh was für ein Spielzeug. Ich gebe gerne zu, ich hatte nur so um die 2000er eine Groove Box von Yamaha. Was hier aber alles für Beschränkungen aufgezählt sind. Da liebe ich doch Software Lösungen mit zum Beispiel Akai oder Novation. Gut ich sehe das aus der Perspektive des DJ’s. Das Teil soll doch aber für Live sein, oder?

  3. Profilbild
    Blaerbi

    „keine polyphone Aufnahme auf einzelne MIDI-Tracks“?
    In den FAQs auf der Herstellerseite wird doch die Polyphonie auf Midi-Tracks ausdrücklich erwähnt. Kannst du das bitte nochmal klären?

    • Profilbild
      t.goldschmitz RED

      Hallo Blaerbi!
       
      Ich stand genau deswegen in Kontakt mit dem Hersteller. Und ich gebe zu im Manual ist es vlt. nicht eindeutig genug formuliert.
       
      Aber es stimmt: Für eine polyphone AUFMNAHME muss man mehrere MIDI-Tracks opfern. Habe es gerade vor Ort noch einmal ausprobiert.
       
      Du kannst aber einzelnen MIDI-Noten auf einem Track die vorgegebenen Akkorde „spendieren“.
       
      Bin mir sicher das werden wir bald in einem Update sehen.

      • Profilbild
        Blaerbi

        Wenn das kommt, dann ist die Kiste für mich schon fast perfekt…
        Danke dir und bin sehr gespannt!

  4. Profilbild
    Acidkat

    Hmm, optisch finde ich das Gerät ansprechend und die vielen Buttons machen Lust auf schnelles Sequenzen. Bei dem Preis würde ich dann aber eher zu einem Digitakt tendieren, wenn ich den Elektron-Workflow mag. Auch 8 Sample- und 8 Midi-Spuren, dafür vernünftigen Reverb und bessere Klangverformer.
    Oder eine MPC One, damit hab ich dann schon eine komplette Produktionsumgebung.
    Wie ich es drehe, als neues Spielzeug oder zum Einstig (wenn es mir nicht auf den Preis ankommt) vielleicht eine Überlegung wert, ansonsten würde ich mir eine Alternative suchen.

  5. Profilbild
    ollo

    799€ sind schon viel, wenn man bedenkt was man anderswo für das Geld bekommt.
    Aber Medusa zb ist dann ja auch recht schnell im Preis gesunken. Tracker für 555€ klingt auch preislich realistischer.

    Ansonsten ist ein tolles Reverb immer wichtig finde ich, grade bei einem Gerät mit Samplegrundlage was am Ende fertige Tracks ausspucken will.

  6. Profilbild
    8-VOICE AHU

    Als Sequenzer sicher toll, aussert dass keine eigenen Akkorde möglich sind. Aber als Sampler ungenügend. Keine LFO’s, Filterenvelopes. Keine Stereosamples, Wavetables, Granular wie beim Tracker, da empfehle ich doch eher ein Gerät von Akai.

  7. Profilbild
    Maximilian

    Ich mag den workflow, aber eine Produktentscheidung finde ich schwierig:
    Diese Pick and Place Funktion bedeutet dass man zwar einerseits beliebig viele unterschiedliche sounds überall im Grid verteilen kann Also viel mehr als 8 – nicht via one-instrument-per row wie man es vielleicht erwarten würde. Aber der Nachteil ist: man kann dann nicht einfach noch ein paar (e.g. hihghat-)steps in einer row hinzufügen – stattdessen muss man super genau aufpassen was man gerade „gepicked“ hat, was immer es ist wird dann auf den Step gelegt. Ist bestimmt super für Leute die möglichst viel Funktionalität erwarten, aber ich hätte das 8×16 Grid gerne gehabt für mehr Übersichtlichkeit beim Komposen. Diese Erwartung wurde leider nicht erfüllt.
    Hab meinen Play deshalb verkauft.

  8. Profilbild
    Flowwater AHU

    Nachdem ich Tilos Test gelesen habe, die Kommentare hier und nachdem ich mir den Test von loopop auf YouTube angesehen habe … ich kann mir nicht helfen, ich finde das Ding ziemlich sexy. Ich glaube Tilo auf’s Wort, dass es einfach Spaß bringt, damit zu arbeiten.

    Gäbe es für mich privat persönlich nicht die folgenden Gründe, wäre ich sogar sehr an dem Gerät interessiert:

    a) ich arbeite (im Moment) so gut wie nicht mit Samples; mich interessieren Synthesizer
    b) meine Musik basiert nicht unbedingt auf Grooves und Rythmen (zumindest nicht im modernen Sinne mit vorgefertigten Loops und/oder vorgefertigten Samples)

    Wegen a) und b) bin ich auch an DigiTakt und OctaTrack (im Moment) nicht so interessiert. Dagegen durchaus an dem „Synthstrom Deluge“.

    c) ein rein auf MIDI basierender Sequencer wäre für mich spannend (natürlich mit umfassender CC-Kontrolle, etc.; der hochverehrte OoraMusic auf YouTube verwendet zum Beispiel den »Oxi One«)
    d) im Moment (!) nutze ich fast ausschließlich Software, allerdings eher aus ökonomischen Gründen
    e) ich gebe (noch) keine Live-Performances
    f) ich habe hier einen alten »Novation Circuit«, der in der Hierarchie der ungenutzten aber unbedingt zur Anwendung kommenden Geräte deutlich vor allen anderen neu anzuschaffenden Geräten steht

  9. Profilbild
    d_eric

    Hmmmm. Ich habe von Polyend den Tracker, das Gerät würde ich im Moment im nichts in der Welt hergeben. Für mich passen Workflow und Features gleichermaßen, es macht einfach Spaß, mit ihm zu arbeiten. Von daher denke ich, dass Polyend sich beim Play keine Blöße gibt und ein tolles, gut benutzbares Tool gebaut haben.
    Nach dem Lesen von dem Test bin ich mir aber tatsächlich unsicher, ob es der große Wurf ist, der Focus auf vorgefertigte Samplepacks scheint mir seltsam.

  10. Profilbild
    HOLODECK Sven

    Ich fasse zusammen:

    Mono Samples / Max 32 MB Speicher
    Mono Midi Tracks
    Pro Track Max 64 Steps
    Einzelausgänge 0

    Zielgruppe: Künstler die keine Akkorde spielen können/wollen, nicht live auftreten, nicht gerne sampeln, nur Mono Synthesizer anschließen wollen, gute interne Effekte nicht benötigen, es ausreichend finden eine Stereo Summe zu recorden (wenn überhaupt Bedarf besteht) und 800€ als vernünftigen Gegenwert betrachten.

    Ich hoffe, ich konnte helfen.

  11. Profilbild
    superdisco101

    Kann der polyend auch program change ausgeben? Nice fände ich wenn die Hersteller einen ähnlichen probability mode wie bei elektron einbauen könnten. Dort können die notensteps bspw nach jedem 2., 3., oder 4. durchlauf eines 1-Bar Patterns auf mute oder on gesetzt sein. Leider keine Polyphonie per step? Ich bleibe erstmal bei meiner octatrack, mc-707 kombi.

    • Profilbild
      t.goldschmitz RED

      Ja und Ja :)
       
      Die Play hat ein Pendant zu conditional Trigs. Findet man unter „Chance“ im Manual.
       
      Program Change können per Step ausgegeben werden (0 -127).

  12. Profilbild
    ozzardofwhizz

    was dieser play soll insbesondere neben dem viel mächtigeren tracker erschließt sich mit so garnicht es sei denn man braucht eine presetschleuder (wie mein cs1x)
    was ich aber noch weniger nachvollziehen kann ist warum der digitakt so sehr gehyped wird… der sampler ist gehobenes mittelmaß ok – der reverb ist für mich einer der schlechtesten die ich bisher gehört hab ein gutes sample klingt damit wie vom handyspeaker in ne blechdose als resonanzkörper gespielt – für gitarren könnte der ok sein ansonsten ist der effekt eine zumutung – und der sequenzer der immer soviel lob bekommt hat mich so richtig enttäuscht man kann keine skalen einstellen – ok man könnte die skalen mit denen man spielen will lernen 😉 – es gibt keine transponierfunktion patterns und sequenzen können nur global für alle spuren gewechselt werden… der beatstep pro von arturia macht das sequencing in jeder hinsicht wesentlich besser abgesehen vom microtiming was das einzige ist wo der digitakt im vergleich auftrumpfen kann

  13. Profilbild
    zuggamasta

    Ich war kurzzeitig der Überlegung entweder Polyend Play oder Polyend Tracker mit in mein Studio aufzunehmen, aber irgendwie verwirrt dann doch die fehlende Ausrichtung (für meine zwecke).

    Wenn auch der Play controller noch besser zum Modular Synth passen sollte vermisse ich die direkte Programmierung des Trackers … schwierig.

  14. Profilbild
    Steppenwolf

    Ich habe unter dem Amazona Video eine Frage gestellt. Und unter einigen anderen die ich schon wieder vergessen habe übrigens auch. Es wäre nett wenn dort dann auch irgendwann eine Antwort kommt. Youtube ist immer noch eine Community, und nicht nur ein Platz zum Videos abladen. ;)

    • Profilbild
      t.goldschmitz RED

      Also ehrlich…. da muss ich Dir recht geben.
       
      Es ist so, dass wir keine automatischen Benachrichtigungen bekommen, wenn etwas unter einem YT-Video geposted wurde. Das bessere Forum ist immer hier die Kommentarspalte.
       
      Falls deine Frage diese war: „This sounds very good! What was your recording chain like?“
       
      Ist die Antwort: Polyend Play Ausgang direkt in RME Fireface802 Instr-Eingang. Gepegelt und dann normalisiert (+1,48 dB FS). Also im Prinzip: die Kiste klingt einfach so :)

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