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Test: RME Babyface Pro, USB-Audiointerface

RME-TFX-Inputs

Die Raumeffekte sind nicht DSP-basiert wie beim MOTU oder Presonus, sondern werden vom Host-Rechner übernommen. Nur die EQs sind Bearbeitungen, die im Interface stattfinden. Aber leider lassen sich diese trotzdem nicht ohne Host-Rechner benutzen.

Im Handbuch steht, die EQ-Einstellungen des Pro können auch ohne Rechner benutzen werden. Dazu müssen die Einstellungen in Total Mix gemacht werden und danach das Pro immer mit Strom versorgt sein, wenn es vom Rechner getrennt wird. Wird die Stromzufuhr unterbrochen, verliert das Pro die EQ-Einstellungen und der Soft-EQ wird ausgeschaltet. Das ist wohl als Gag gemeint, denn praktisch ist das völlig unpraktikabel. Für 739,- Euro hätte man dem Gerät doch ein paar Kilobyte an nichtflüchtigem Speicher für die EQ-Presets spendieren können.

Auch speziellere Funktionen der FX-Software, wie Phasenlage oder Mid/Side-Betrieb wissen zu gefallen, ist das doch sehr praktisch beim Mikrofonieren. Insgesamt wäre Total FX ja recht gut zu bedienen, wären erstens die Bedienelemente nicht alle so schrecklich klein, zweitens skalierbar und drittens nicht dieses ständige Aufklappen von Reiterfenstern, die sich hinter den Symbolen Schraubenschlüssel und EQ befinden.

Das Problem ist dabei nicht das Aufklappen an sich, sondern das seitliche Herausfahren, das mir ständig in die Mix-Übersicht im wahrsten Sinne des Wortes „reinfährt‟. Würde das vertikal und nicht horizontal passieren, würde das weniger nerven. So rutschen die Kanäle ständig hin und her. Die Oberfläche lässt sich zwar auf max. 200% zoomen, aber vertikale Scrollbalken für das Fenster gibt es nicht. Ein recht primitives Hardcoding für 4k- und 5k-Bildschirmgrößen, für den Rest der „alten‟ 1080p-Auflösungen aber ziemlich nutzlos.

Besonders bei den größeren RME-Interfaces wird der Platz sehr eng, wo es beim Babyface Pro noch übersichtlich ist. Ehrlich gesagt ist mir die Total FX Software nie wirklich anwenderfreundlich erschienen. Der Pokal der besten Mix-Software geht dieses Jahr bisher an Presonus. Aber ich kritisiere mal wieder auf hohem Niveau, weil die Total FX Software ihren Zweck ohne Macken und Murren völlig problemlos verrichtet. Sowohl unter OS X als auch unter Windows 7.

iPad / Class Compliant-Modus

Am iPad läuft das Babyface Pro anstandslos. Einziger bitterer Nachgeschmack ist, dass iOS-Musiker für die Kontroll-App noch mal 3,99 Euro abdrücken dürfen. Damit lassen sich dann auch alle Funktionen der Total FX Software auf dem iPad nutzen, inklusive Reverb und Delay. Da die Kleinteiligkeit aber auf dem iPad-Screen nicht besser wird, hält sich auch der Spaß mit der App in Grenzen. Da sich Eingangspegel und Phantomspeisung auch am Gerät einstellen lassen und es sowieso bessere Hall-Apps gibt, ist die Software nicht zwingend. Allerdings muss das Pro seine eigene Stromversorgung per Netzteil haben, sonst geht gar nichts.

Latenzen und Frequenzen

Latenzen im Loop (Roundtrip)

Mit dem RME USB-Treiber gibt es anscheinend einen Bug, der das eingehende Audiosignal entweder ein paar Samples vor dem Ausgangssignal platziert oder unrealistisch wenige (unter 50 Samples) danach. Sowohl unter OS X 10.11 als auch unter Window 7×64, beides mal unter Reaper. Die Audiolatenzen wurden deswegen im Class Compliant Modus auf dem iPad Air unter Cubasis mit UltraLow-Buffer-Einstellung ermittelt. Die MIDI-Latenzen wurde unter OS X und Windows mit Reaper 5.x ermittelt.

44 kHz
MIDI: 8 ms / 357 Samples
Audio: 147 Samples / 3 ms im USB Class Compliant Modus

96 kHz
MIDI: 4 ms / 394 Samples
Audio: 282 Samples /  2 ms im USB Class Compliant Modus

Diese Werte sind fantastisch. Entweder erkennt das Babyface diesen Test und schaltet in einen Spezialmodus wie bei Volkswagen oder das sind die niedrigsten USB-Latenzen, die ich je gesehen habe. Auch wenn Thunderbolt bei den Latenzen immer noch um die Hälfte darunter liegt, ist bei diesen Größenordnungen der hörbare Unterschied nur noch auf dem Datenblatt vorhanden.

Forum
  1. Profilbild
    boboter

    Man kann das Babyface Pro auch ohne Netzteil in den CC-Modus versetzen, wenn es von einem USB Hub mit Strom versorgt wird. Ist sicher ein interessanter Hinweis für alle, die neben dem Interface zB noch einen Midi-Controller mit dem iPad verbinden wollen.

    • Profilbild
      ONEPOLYMER  

      Kann ich bestätigen, läuft 1a über einen powered-Hub mit einem iOS Device / Midi und der Digital I/O zu einem anderen Wandler. Es gibt ja kaum anderen Karten, welche neben Midi auch noch eine Digital I/O bieten (SPL Crimson mal ausgenommen).

  2. Profilbild
    AMAZONA Archiv

    Für mich käme aufgrund der benötigten IO ohnehin nur das Presonus in Frage, jedoch…. War der Roundtrip ohne aktives ADAT-IO? Es wäre nicht das erste Interface das pro dazugeschalteten ADAT-Wandler anfängt zu knacksen. Die Leistung von Midi-Interfaches an Wandlern finde ich ebenfalls unterirdisch. 8ms? Mein altes Multiface wollte mal per MidiOX partout nicht den JP-8000 aktualisieren. Ein ESI M4U wurde dann fällig. Diese beiden Sachen hätte ich im Vergleich noch gerne getestet. Im Teufel stekt das Detail. ;)

  3. Profilbild
    Danny Who  AHU

    Das Softwareinterface, was wie Windows anno 2000 wirkt, gehört dringend mal überholt. Da ist mit Macs und Retina Screens so viel passiert die Jahre und die Konkurrenz hat durch die Bank weg gute Lösungen.
    Da merkt man echt, dass das weder RMEs Stärke noch Fokus ist. Steht leider in fettem Widerspruch zur hochwertigen Hardware. Ingenieuren wird ja gern mal nachgesagt, sich nicht an schlechtem Design (hakelige Bedienung und altbackene Optik) zu stören. Scheint leider zuzutreffen.

    Was die „Studio-Untauglichkeit“ angeht: die steht und fällt wahrscheinlich mit nem ADAT-Wandler. Damit wird das Teil am Laptop unterwegs wunderbar mobil und im Studio kann man aber bei Bedarf gleich ein ganzes Drumkit abnehmen.

  4. Profilbild
    AQ  AHU

    Sieht ja echt schick aus. Nur, was nützt das hübsche, schlanke Gehäuse wenn dann auf dem Tisch nach allen Seiten Stecker und Kabel aus dem Ding ragen. Da macht sich das alte Babyface mit der Kabelpeitsche wesentlich besser, das neue ist dagegen eher ein „Stachelschweinchen“ ;-) und kriegt auch bei guten Daten mindestens einen Stern Abzug.

    • Profilbild
      Markus Schroeder  RED

      Da kann ich Dir nur absolut zustimmen! Wollte ursprünglich noch was in der Art schreiben, habs dann aber doch vergessen.

      „Stachelschweinchen“- sehr passend!
      :)

  5. Profilbild
    Down Jones

    Ich finde das gehammere über nur XLR und kein Netzteil ein wenig übertrieben.
    Nicht jeder braucht NOCH ein Netzteil, vor allem wenn man es nicht im cc Modus betreibt, was ganz sicher nicht jeder macht.
    Und es liegt vor der Hand, dass keine Kombo-Buchsen verwendet wurden, weil eine 1/4″ Klinke wesentlich tiefer im gehäuse eindringen würde und damit vermutlich zuviel Platz braucht.

    Die Schwächen liegen bei den seitlichen Anschlüsse und auch Totalmix könnte ein etwas benutzerfreundlicheres Interface bekommen. Treiber, Wandler, Support und Robustheit sind 1A. M.M. nach sind 3 Sterne wohl zu sehr auf ein persönliches Umfeld basiert. Aber jeder seine Meinung, trotzdem ein sehr gut geschriebes Artikel, was eher selten vorkommt.

  6. Profilbild
    timvommeer

    Hallo!

    Ein wirklich sehr guter Artikel! Ich bin auf der Suche nach einem neuen Audiointerface, vor allem für Gesang und Sprache. Das wichtigste ist der Klang, dennoch sollte es ein guter Allrounder für mein Heimstudio sein.

    Bisher war ich bei genau diesem Babyface pro oder dem Apollo twin (leider nicht für das iPad zu gebrauchen) und bin über diesen Artikel noch auf das Motu Ultralite gestoßen.

    Könnte mir hier jemand eine Empfehlung aussprechen? Die scheinen nämlich alle irgendwie verdammt gut zu sein ;)

    Wie gesagt: Sprache, Gesang, dann noch Midi Keyboard und Gitarre. Das Wichtigste ist die Klangqualität der Stimme. Ich benutze einen iMac mit Logic pro X und Pro Tools. iPad Funktionalität mit Auria wäre ebenfalls fein.

    Ich hoffe, ich stelle diese Frage hier an der richtigen Stelle.
    Vielen Dank und liebe Grüße!
    Tim

    • Profilbild
      Markus Schroeder  RED

      Hallo Tim,

      ja, das stimmt klanglich sind alle diese Interface
      sehr gut.

      Also wenn Du beim BPro mit der Anzahl der analogen Ein- und Ausgänge hinkommst und dich nicht daran störst, dass es bei allen eingestecken Kabeln aussieht wie ein Stachelschweinchen und damit sehr unpraktisch aufzustellen ist, weil es sehr viel Platz braucht, ist es klanglich ein erstklassiges Interface.

      Für das „Stachelschweinchen“-Design würde ich dem BPro heute glatt einen Stern abziehen, das ist definitiv eine Verschlechterung zum alten Baby.

      Deshalb, wenn RME, dann würde ich gleich zum UCX greifen!

      Beim MOTU würde ich auch mal einen Blick auf das Microbook IIc werfen (test hier bei Amazona) – klingt wie die Großen!

      MOTU und RME klingen völlig verschieden, das musst Du selber hören, was Dir besser gefällt.

      Wenn Dir iPad sehr wichtig ist, ist der McMillen K-Mix (Test auch von mir) derzeit das Non Plus Ultra! Ich möchte live und am Rechner nie mehr auf meinen verzichten. Klingt auch super.

      soweit mal,
      greetz,
      M. :)

      • Profilbild
        timvommeer

        Danke Markus, für die schnelle Antwort!
        Das UCX wird aber rein vom Klang nicht besser sein oder? Ich habe irgendwie das Gefühl, dass ich durch die Unison Technologie beim Apollo Twin rein klanglich am meisten erreichen kann, weil es Möglichkeiten eröffnet, die man sonst so nicht erreichen kann oder irre ich mich da?
        Ich muss dazu sagen, dass ich noch absolut kein Vollprofi bin ;)
        Und kann das K-Mix wirklich mithalten oder sind die PreAmps und Wandler eher ein Kompromiss und man hat vor allem einfach ein wirklich gelungenen digitalen Mixer?
        Das Teil finde ich nämlich auch RICHTIG interessant :)
        Zur Zeit benutze ich eine Avid Mbox 3, die mir von der Qualität nicht mehr reicht – dazu noch gefragt: Den erhofften Qualitätsgewinn werde ich schon merken oder gebe ich mich da grade einer Illusion hin?

        Noch einmal vielen Dank! Macht wirklich Spaß, hier auf der Seite zu stöbern!
        LG
        Tim

        • Profilbild
          Markus Schroeder  RED

          Hi Tim,

          Apollo ist natürlich auch gut und alle lieben den warmen Klang, wenn aber, dann Thunderbolt, sonst mach Unsion wenig Sinn, IMHO. Dann kannst Du iPad-Nutzung allerdings vergessen. Was mich bei Apollo und Apogee nervt ist die restriktive Mac / Win Treiber-Politik.

          Auch das man mit Apollo Unison extrem Software-abhängig bist, hat mich an immer gestör. Man kann nur beten, dass Apollo UAD2 noch lange unterstützen wird und es danach nicht zum Elektromüll wird wie UAD1.

          RME und MOTU haben den Vorteil, dass selbst die alten Geräte noch unterstützt werden.
          BTW: Einen relevanten klanglichen Unterschied zwischen BPro und UCX gibt es anscheinend nicht. Allerdings gefällt mir das UCX vom Aufbau wesentlich besser.

          Was den K-Mix betrifft, hat er mich als Audiointerface und als Perfomance-Mixer voll überzeugt (Best-Buy-Prädikat) erhalten. Ich hab ihn auch gleich da behalten und ich bin sehr wählerisch geworden.
          Was aber noch den letzen Ausschlag gegeben hat war, dass der K-Mix eines der Software- unabhängigsten Interfaces ist, das es derzeit gibt.

          Der K-Mix kann zu 98% am Gerät bedient werden. Das ist von Erlebnis schon mal auf einer ganz anderen Ebene.

          Aber eigentlich kannst Du (technisch) weder mit MOTU, RME, Apollo, McMillen etc. etwas falsch machen.
          Das perfekte Interface ist aber immer noch eine sehr persönliche Sache.

          greetz, :)
          M.

  7. Profilbild
    artfac

    ..etwas spät
    aber hoffentlich nicht zu spät.

    Das Thema Treiber geht leider immer völlig unter in diesen
    subjektiven Test!s

    Als Tonschaffende im Theatersegment (seit ca. 15 J.)
    muß ich hier mal eine Lanze für RME brechen.
    Wer auf beiden Plattformen (Mac und Windows) unterwegs ist
    und damit seinen bescheidenen Unterhalt verdient,
    kommt einfach nicht umher ein RME Interface zu benutzen.
    Wir haben alle möglichen Hersteller schon gehabt und getestet
    und einzig RME biete absolute Treiberstabilität und gute Latenz auf Mac
    und auf (Windows 7/8.1/10)

    Die unzähligen Interfaces auf dem Markt haben zwar klanglich etwas drauf
    aber sobald ein Windows Rechner als Zuspieler oder DAW fungiert,
    trennt sich die Spreu vom Weizen.

    Nur unsere bescheidene subjektive Meinung

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