Test: Solid State Logic UF8, DAW-Controller

10. Mai 2021

DAW-Controller reloaded

ssl solide state logic uf8 controller test

Solid State Logic UF8, DAW-Controller

Mit dem SSL UF8 will Solid State Logic, bekannt für gehobenes Studioequipment und legendär für seine Studiokonsolen, einen Fuß in die virtuelle Mischer-Welt der Controller setzen. Das ist aber beileibe nicht der erste Schritt in die Box, denn die Software-Plug-ins von SSL, deren Klang auf den alten Studiokonsolen beruht, sind lange bekannt und von allgemein guter Qualität.

Passend dazu die erste gute Nachricht für Käufer des Solid State Logic UF8: es sind zwei der SSL-Plug-ins im Kauf enthalten. Vocal-Strip und Drum-Strip, beide jeweils 199,- Dollar wert.

Was bietet der Solid State Logic UF8 DAW-Controller?

Mit dem UF8 Controller möchte Solid State Logic das Rad nicht neu erfinden, denn die Kommunikation mit dem Rechner beruht auf dem altbewährten Mackie-MCU-Protokoll.

Interessanterweise ist das Gerät auch ziemlich preisgleich mit dem offensichtlich direkten Mitbewerber, der originalen Mackie Control Universal Pro. Der Solid State Logic UF8 kostet 1.125,- Euro, die Version von Mackie 1.198,- Euro. Hier soll allerdings kein direkter Vergleich stattfinden – aber ein Seitenblick auf den Mitbewerber ist durchaus hilfreich zur Beurteilung.

Solid StateLogic UF8 - Front

Solid StateLogic UF8

Der 6 HE große Controller ist mit einer Frontplatte aus Aluminium versehen und steckt in einem Metallgehäuse. Ständer zum Aufrichten werden mitgeliefert, Rackohren können für 69,- Euro zusätzlich erworben werden. Auffälligstes Merkmal, neben den 110 mm Motor-Fadern und den rasterlosen Encodern mit Klick-Funktion, sind die acht 2,7 x 3,6 cm großen OLED-Farb-Displays.

Jeder der acht Kanäle verfügt zusätzlich noch über drei beleuchtete Gummitaster neben den Fadern, hauptsächlich für Mute-, Solo- und Select-Funktionen, sowie einen oberhalb des Displays. Diese werden im Zusammenhang mit kontextsensitiven Menüs verwendet und aktivieren z. B. die Regelung der Send-Anteile eines Kanals.

Diese DAWs werden ab Werk unterstützt

Diese DAWs werden ab Werk unterstützt

Auf der rechten Seite des Controllers befinden sich weitere Taster, um Plug-ins aufzurufen und vor allem die Automation zu bedienen, sowie die Quick-Taster und die Einstellung des Layers.

Dabei bezeichnet einer eine komplette Konfiguration für eine bestimmte DAW. Im Werkszustand werden die DAWs Pro Tools, Logic Pro, Cubase, Ableton Live und Studio One unterstützt. Interessierte sollten hier aber noch nicht aufhören zu lesen, denn durch die Nutzung des Mackie-MCU-Protokolls kann natürlich jede DAW, die dieses versteht, mit der Solid State Logic UF8 kommunizieren. Diese DAW-Presets beziehen sich auf den besonderen Aspekt des UF8, der noch besprochen wird.

Den Abschluss macht die rechte Seite mit einem Navigationskreuz und einem weiteren, diesmal gerasterten Push-Encoder sowie zusätzlichen Tastern zur Auswahl des Track-Modus und vor allem der Soft-Keys, hinter denen sich, je nach DAW, verschiedene Funktionen verbergen.

Welche Anschlüsse bietet der SSL UF8?

Anschlussseitig ist nicht viel zu vermelden: es gibt einen USB-C-Eingang und eine USB-A-Buchse zum Anschluss weiterer Geräte. So können bis zu vier UF8 hintereinander betrieben werden, was eine stattliche Anzahl von 32 Kanälen ergibt. Ein externes Netzteil sorgt für den Strom, so dass der USB-Bus nicht belastet wird.

Den Abschluss machen zwei 6,3 mm Klinkeneingänge, an denen Fußtaster angeschlossen werden können, die später beliebige Funktionen in der DAW ausführen können.

Oberflächendesign des Solid State Logic UF8

Ich finde die Gestaltung der Oberfläche gelungen und die Anordnung der einzelnen Elemente sehr ergonomisch. Die Bedienelemente liegen weit genug auseinander, um Fehlbedienungen zu verhindern, aber nicht zu weit, um ständig große Wege zurücklegen zu müssen.

Die Displays sind gut lesbar und ausreichend groß. Allerdings schwächelt der Solid State Logic UF8 ein wenig bei seiner eigentlichen Hauptfunktion: Während die 110 mm Fader haptisch in Ordnung gehen, obschon auch sie minimal wackeln, sind die Gummitaster für meinen Geschmack suboptimal. Der UF8 verfügt über Soft-Tasten, die sich entweder zentral, aber auch seitlich herunterdrücken lassen und für mich haptisch nicht zu einem 1.000,- Euro Gerät passen. Um mich nicht missverständlich auszudrücken: bedienen lassen sie sich einwandfrei, und manch einer wird dankbar sein, dass es nicht ständig „Klick“ macht, wenn man einen Taster bedient; mir persönlich sagen sie aber nicht zu.

Solid StateLogic UF8 - Layer Buttons

Solid StateLogic UF8 – Layer Buttons

Ähnliches empfinde ich bei den rasterlosen Encodern, die mir ein bisschen zu leichtgängig sind. Hinzu kommt, dass der Encoder des dritten Kanals im Vergleich etwas schwerer läuft als die anderen.

Das alles hört sich zunächst sehr nach Jammern auf höchsten Niveau an. Doch vergessen wir nicht, das diese Bedienelemente ständig in Benutzung sein werden.

Was macht den Solid State Logic UF8 nun besonders?

Hier sei ein Seitenblick auf die Mackie-MCU gestattet. Was dem Solid State Logic UF8 nämlich fehlt, ist eine dedizierte Transport-Sektion. Über die Soft-Keys ist die Transport-Steuerung zwar grundsätzlich möglich, man hat aber eben keinen ständigen Zugriff auf Play/Record/Stop/Pause, was mir persönlich während des Tests doch sehr gefehlt hat. Ebenso gibt es keine Timecode-Anzeige, auch nicht über ein Untermenü oder ähnliches.

Für einige könnten diese beiden Tatsachen unter Umständen schon ein K.O.-Kriterium sein. Aber die besondere Eigenschaft des Solid State Logic UF8 könnte auch diese umstimmen.

Solid StateLogic UF8 - Locator anspringen und Soft Keys

Locator mit den Soft Keys anspringen

Der große Unterschied zu einer herkömmlichen MCU ist nämlich die Nutzung als Keyboard, mit dem man beliebige Tastaturbefehle an die DAW senden kann. Als Mac-User fällt einem das sofort nach dem ersten Hochfahren auf: der Rechner fragt sofort nach Art und Herkunft der neuen angeschlossenen Tastatur. Diesen Schritt überspringt man zunächst, denn zuerst muss man die Steuerungssoftware SSL 360° installieren. Nach einer kurzen Registrierung auf der SSL-Website bekommt man den Download-Link (Windows und macOS). Erst wenn die Software installiert ist, sollte man beim Mac mit der Erkennung fortfahren. Ist alles erledigt, kann man über den 360°-Taster auf dem Solid State Logic UF8 sofort die Software aufrufen.

Freie Konfiguration

Die drei Layer entsprechen drei verschiedenen DAW-Konfigurationen, die man nebeneinander nutzen kann. Da das Mackie-Protokoll immer dasselbe ist und davon unberührt bleibt, handelt es sich dabei ausschließlich um die Konfiguration der drei Quick-Keys auf der linken Seite, sowie der acht Softkeys oberhalb der Displays, die in fünf Bänken geschaltet werden können.

Die drei Layer der 360° Software

Die drei Layer der 360° Software

In der 360°-Software kann man hier nun beliebige Tastenkombinationen eingeben und so das Verhalten den eigenen Wünschen anpassen. Zur Verfügung stehen vorgefertigte Kommandos, die sich je nach DAW unterscheiden und eben frei wählbare Tastaturkommandos. Sehr gut ist hier die Unterstützung von Mehrfachkommandos pro Soft-Key – man kann also quasi kleine Macros anlegen. Natürlich kann man die Konfiguration für eine gänzlich andere DAW, in meinem Beispiel Cockos Reaper, vornehmen, sehr gut.

Kleiner Tip für Reaper-Nutzer an dieser Stelle: ladet euch Moßgrubers DrivenByMoss4Reaper herunter. Damit werden auch die Editierung von Plug-ins und Sends in Reaper mit einer Mackie MCU möglich.

Damit der Solid State Logic UF8 Controller funktioniert, muss nicht zwingend die 360°-Software aktiv sein. Schaut man im Task-Manager nach, sieht man allerdings einen Hintergrundprozess, der ständig mitläuft. Keine große Sache, sollte man meinen, aber auf einem Mac Mini 2014, 2,6 GHz Intel Core i5, 8 GB verbraucht dieser, je nach Nutzung der Oberfläche, zwischen 8 und 14 Prozent der CPU-Zyklen. Das finde ich doch etwas happig für einen Hintergrundprozess, der im Prinzip nur Tastaturkommandos überwacht.

ssl uf8 controller test

Praxiseinsatz des DAW-Controllers

Getestet habe ich den Solid State Logic UF8 mit der Ableton Live- und der Logic Pro-Konfiguration. Wie gesagt wird das Mackie MCU-Protokoll unterstützt. Wie weit diese Unterstützung geht, hängt dann auch von der DAW selber ab, denn nicht alle DAWs unterstützen den vollen Befehlssatz.

Dafür dient in Live das Steuerkreuz unten rechts zur Auswahl und Start bestimmter Clips – man bekommt also einen Clip-Launcher frei Haus.

Solid StateLogic UF8 - Steuerkreuz

Solid StateLogic UF8 – Steuerkreuz

Das Plus ist hier sicherlich immer die zusätzliche Unterstützung der Tastaturbefehle. Aber auch so stellt sich nach einiger Zeit ein recht flüssiges Arbeitserlebnis ein. Plug-ins lassen sich über den Wechsel in das Plug-in Layer und einen Klick auf den entsprechenden Encoder editieren. Dann zeigen sich die verschiedenen Plug-in-Parameter mit abgekürzten Namen in den OLED-Displays, sehr gut.

Weil in Ableton Live ein zusammengesetztes Gerät als ein Plug-in gilt, können hier auch lediglich die Macro-Regler bedient werden – aber genau das ist ja Sinn dieser zusammengesetzten Geräte. Sind zwei Plug-ins separat auf einem Kanal, kann man auch beide getrennt voneinander editieren.

Solid StateLogic UF8 - Plug-In-Parameter

Solid StateLogic UF8 – Plug-In-Parameter im direkten Zugriff

Da bei Ableton Live die Parameterfahrten direkt mit den Plug-ins korrespondieren, zeigen hier die Automations-Taster keine Wirkung. Stattdessen geht man in die erste Soft-Keys Bank des Solid State Logic UF8. Hier findet man alles zum Transport Nötige. Aufnahme gestartet, Parameter am Encoder verstellt und schon ist die Parameterfahrt im Kasten – simpel.

Gestört haben mich eher Kleinigkeiten im Bedienkonzept. So z. B. kann ich über den Taster „Send“ auf die Send-Anteile der Spur zugreifen. Rein intuitiv möchte ich wieder über denselben Taster zurück auf die Seite mit den Volume-/Pan-Fadern – das geht aber leider nicht. Stattdessen muss ich ganz nach rechts langen, um auf den „Pan“-Taster in der „Selection Mode“ Abteilung zu drücken.

Die Integration in Logic Pro ist tiefgreifender: So kann man Screen-Sets aufrufen, Marker anfahren, Plug-in-Fenster öffnen und vieles mehr, alles über die Soft-Keys. Mit einer großer Funktionsvielfalt kommt aber auch große Lernphase und so wird es ein wenig dauern, bis man die Kommandos über die Konsole so gut beherrscht, wie über die Rechnertastatur.

Die Integration in Studio One scheint hier am besten gelungen zu sein, was aber eher an der Art und Weise liegt, wie diese DAW die Kommunikation mit einer Mackie MCU handhabt. Man kann nämlich genau aussuchen, welche Parameter eines Plug-ins auf den OLEDs des Solid State Logic UF8 dargestellt werden.

Solid StateLogic UF8 - Zuweisung in Studio One

Solid StateLogic UF8 – Zuweisung in Studio One

Fazit

Die Idee, eine Tastatur mit Makrofunktionen und einen Mackie MCU Controller in ein Gerät zu packen, ist mit dem Solid State Logic UF8 gut gelungen. Die Displays sind groß und zeigen immer an, was Sache ist. Die Oberfläche ist sauber strukturiert und auch komplexere DAWs kann man nach einer gewissen Zeit bedienen, ohne auf den Bildschirm zu schauen. Es gibt ein paar Kleinigkeiten, die nicht so intuitiv sind, z. B. das hin- und herschalten zwischen Send- und Volume-Ansicht.

Kritik gibt es von meiner Seite aus für das Verschieben der Transport-Funktionen Play/Rec etc. in die Soft-Keys-Sektion und das Fehlen der Time-Code-Anzeige. Das dürfte für viele User leider ein Hinderungsgrund sein. Wer diese nicht benötigt, wird mit dem UF8 mit Sicherheit glücklich.

Dennoch ist der Solid State Logic UF8 alles in allem ein gutes Produkt und ein anständiger Einstieg von SSL in die Controller-Sparte.

Plus

  • einfache Installation
  • gutes Layout
  • VocalStrip/Drumstrip als Bundle
  • große Displays pro Spur

Minus

  • keine Timecode-Anzeige
  • versteckte Transport-Buttons
  • recht hohe CPU-Last des Hintergrundprozesses
  • überschaubare Anzahl der DAW-Presets

Preis

  • 1.125,- Euro
Forum
  1. Profilbild
    Markus Galla  RED

    Schick sieht das Teil ja aus, aber der Preis ist auch ganz schön happig für einen solchen Controller, dessen Regler dann doch wackelig sind. Ich habe einen Behringer X-Touch Controller und mag nur nicht, dass dieser so klobig ist. Die Einbindung in Software ist sehr gut. Auch bei Avid ist das sehr gut gelöst, vor allem dann, wenn man parallel ein iPad im Controller stecken hat. Was ich bei Avid wie SSL nicht mag, ist die Notwendigkeit von Zusatztools, die im Hintergrund laufen. Bei Avid ist das EuCon und diese blöde Avid-App, die immer online ist und Lizenzen und Updates verwaltet. Es geht zwar auch ohne die App, aber es ist schon irgendwie Gängelei seitens des Herstellers.

    Für Mac gibt es übrigens auch Freeware-Tools wie MIDIStroke, die MIDI-Daten in Tastaturkommandos umwandeln. Das verbraucht im Hintergrund kaum Ressourcen und funktioniert prima. Damit geht es dann auch mit jedem anderen Controller. Da sich aber in fast allen Programmen wirklich alles per MIDI steuern lässt, braucht man so etwas eigentlich kaum.

Kommentar erstellen

Die AMAZONA.de-Kommentarfunktion ist Ihr Forum um sich persönlich zu den Inhalten der Artikel auszutauschen. Sich daraus ergebende Diskussionen sollten höflich und sachlich geführt werden. Haben Sie eigene Erfahrungen mit einem Produkt gemacht, stellen Sie diese bitte über die Funktion Leser-Story erstellen ein. Für persönliche Nachrichten verwenden Sie bitte die Nachrichtenfunktion im Profil.