Test: Sontronics Podcast Pro, dynamisches Sprechermikrofon

20. April 2020

Industriedesign fürs Heimstudio

sontronics podcast pro test

Sontronics Podcast Pro, dynamisches Sprechermikrofon

Das Sontronics Podcast Pro ist ein dynamisches Sprechermikrofon, für das der Hersteller nicht nur einem runden Klang bewirbt, sondern es soll auch unempfindlich gegen Umgebungsgeräusche sein. Mit Superniere und optimiert für Sprachanwendungen kann man es auch als Gesangsmikrofon einsetzen. Darüber, ob sich ein Mikrofon für dieses oder jenes eignet, entscheidet jedoch stets der persönliche Geschmack. Trotzdem gibt es gute Gründe, sich für das Podcast Pro zu entscheiden.

Wem der Hersteller Sontronics nicht geläufig ist, dem sei kurz ausgeholfen, denn es handelt sich um einen der in jüngster Zeit aufkommenden Newcomer im Bereich der Mikrofonhersteller. Inzwischen gibt es viele dieser zum Teil kleinen Firmen, die in Technik und Design doch sehr eigenständige Wege gehen, wobei die Mikrofone oftmals sogar in Handarbeit gefertigt werden. Viele tummeln sich dabei im unteren Preissegment und liefern dabei auch ansehnliche Qualität ab. Das müssen sie auch, denn sie konkurrieren schließlich mit etablierten Marken.

sontronics podcast pro test

So wurde Sontronics im Jahr 2004 von Trever Coley ins Leben gerufen, denn der Musiker und Audio-Enthusiast wollte sich laut Angaben des Herstellers einen langen Traum erfüllen und bringt seitdem Mikrofone in unterschiedlichen Formen und Farben auf den Markt, bis hin zu teuren Bändchen jenseits der 2.000,- Euro. Neben dem reichhaltigen Angebot an Mikrofonen und inzwischen überarbeiteten Klassikern aus eigenem Hause bietet Sontronics auch Zubehör vom Kabel bis hin zum Mikrofonstativ an. Die Modelle STC-2, ORPHEUS und APOLLO sind laut Hersteller beliebt und erfolgreich.

Spannend bei vielen dieser kleinen Anbieter finde ich, dass sie nicht bloß versuchen, altehrwürdigen Produkten nachzueifern, sondern sie beleben den Markt mit eigenen Konzepten und wie im Fall des Podcast Pro auch mit außergewöhnlichem Design. Es ist im Einstiegssegment angesiedelt und bedient den recht unübersichtlichen Markt an günstigem Audioequipment. Das Gesangsmikrofon CORONA war schon vor dem Virus da und ist als dynamisches Gesangsmikrofon sehr artverwandt, dies haben wir bereits bei AMAZONA.de getestet.

Erster Eindruck

Sontronics Podcast Pro Verpackung

Schlicht und sicher verpackt im Schaumstoff erreicht mich das erstaunlich leichte Mikrofon. Das irritiert angesichts des Shure SM7B und RODE PodMic etwas, die jeweils um 1 kg auf die Waagschale bringen. So wiegt das Podcast Pro inklusive Schwenkhalterung laut Küchenwaage nur 313 Gramm, wobei das Gewicht allein die Qualität nicht definiert.

Trotzdem dürfte die Elektronik in jedem Mikrofon den geringsten Anteil ausmachen, auch wenn ein solides Gehäuse die Innereien sicher nicht nur vor elektromagnetischen Einflüssen schützt, sondern auch vor Vibrationen. Zubehör liegt nicht bei, die Gewindeaufnahme mit 3/8 Zoll muss notfalls mit einem Adapter auf 5/8 Zoll erweitert werden. Es könnte sich zwar auch um ein eingeschraubtes Reduziergewinde handeln, aber einfach abschrauben konnte ich es irgendwie nicht.

Sontronics Podcast Pro Halterung

Typisch für Sontronics und vom Design etwas eigenständig ist der Grill mit den senkrechten Lamellen. Das kennt man als Funkamateur von diversen Handmikrofonen, aber im Pro-Audio-Bereich ist mir das so noch nicht begegnet. Hinter dem Grill befindet sich ein maschiger Drahtkorb mit dahinter liegendem Schaumwindschutz, beides soll Explosionslaute wirksam von der Kapsel fernhalten.

Einzustellen gibt es nichts, das XLR-Kabel findet hinten Anschluss. Wie üblich bei solchen Sprechermikrofonen lässt sich die Halterung auch für die Montage auf den Kopf drehen und erlaubt die Befestigung an einem Galgen. Die beiden seitlichen Rändelschrauben halten das Mikrofon mit den Gummiunterlegscheiben sicher in Position und bei Bedarf lässt es sich schnell neigen, was jedoch auch zum Quietschen führen kann.

Sontronics Podcast Pro Seite

Grundsätzlich ist das in Schwarz oder Rot erhältliches Sontronics Podcast Pro solide verarbeitet, die Schrauben des aufgesetzten Deckels mit den Lamellen sind seitlich sichtbar, Stichwort Industriedesign. Daran erinnert auch das Metallgehäuse, das anscheinend einen Drahtkorb umschließt, dieser ist in Teilen sichtbar und hat keine klanglichen Auswirkungen. Mit einer Länge von 180 mm ist das Gehäuse recht kompakt gehalten, der Durchmesser beträgt 60 und mit Halterung 82 mm.

Sontronics Podcast Pro Rückseite

Anwendungstypisch nutzt das Podcast Pro eine Superniere. Dadurch ist die Richtwirkung stärker als bei einer herkömmlichen Niere und dämpft Raumreflexionen somit wirkungsvoller, als Tauchspulenmikrofon benötigt es zudem keine Phantomspeisung. Der Hersteller bewirbt es auch für den mobilen Einsatz, leicht genug dafür ist es jedenfalls. So würden vier PodMics oder SM7B alleine schon über 4 kg auf die Waage bringen, Tischstative kämen also noch hinzu. Vier Podcast Pro sind mit rund 1,3 kg dagegen vergleichsweise tragbar, sofern man ein mobiles Podcasting-Setup benötigt.

Auch wenn Sontronics es für den Außeneinsatz bewirbt, halte ich den Formfaktor des Podcast Pro dafür eher nicht geeignet. Für Reportagezwecke ist ein Stabmikrofon sinnvoller und lässt sich besser auf den Sprecher ausrichten, ohne Stativ oder Handgriff gestaltet sich das mit dem Podcast Pro eher schwierig. Für das Heimstudio ist die Handhabung hingegen einfach, weil es sich auch bedenkenlos an leichten Stativen montieren lässt.

Technisch gibt Sontronics eine Impedanz von 600 Ohm und eine Empfindlichkeit von -50 dB bei 2 dB Toleranz an, der Frequenzgang beträgt 50 Hz bis 15 kHz. Trotz hoher Impedanz ließ es sich tadellos an verschiedenen Eingängen betreiben und verrichtete laut und rauscharm seinen Dienst. Das hätte ich angesichts der Daten nicht erwartet und ist auch gut so für den avisierten Einsteiger.

Der Frequenzgang ist typischerweise etwas eingeschränkt, was für die Praxis und Angesichts des auf Sprache ausgerichteten Einsatzbereichs kein nennenswerter Nachteil ist. Im Gegenteil ist bei Sprachaufnahmen weniger der Frequenzgang wichtig, sondern ob ein Mikrofon zur jeweiligen Stimme passt. Ebenso ist nicht zu erwarten, dass die Zielgruppe über einen optimierten Aufnahmeraum verfügt. Leider hält sich der Hersteller mit weiteren Angaben und Frequenzdiagrammen zurück, so dass ein Sprachtest zur Beurteilung ausreichen muss.

Das Podcast Pro in der Praxis

Sontronics Podcast Pro Red and Black

Am Zoom LiveTrak L-8 angeschlossen habe ich es mit dem RODE PodMic verglichen. Es liegt in derselben Preisklasse und bietet mit der dynamischen Kapsel einen ebenbürtigen Gegner. Hierbei zeigte sich, dass das Podcast Pro deutlich lauter ist und den einfallenden Schall seitlich und rückwärtig sehr gut dämpft. Hier zunächst das Sprachbeispiel.

Wie erwähnt müssen Stimme und Mikrofon zueinander passen, das finde ich in meinem Fall weniger optimal. Die Abstimmung ist vergleichsweise dunkel und einen Mindestabstand sollte man nicht unterschreiten. Bespricht man es zu nah, ist der Windschutz quasi wirkungslos und Explosionslaute treten in den Vordergrund, ebenso ein leicht nasaler Klangcharakter. Mit etwas größerem Abstand klingt es zwar weiterhin dunkel, dennoch bleibt die Stimme präsenter als beim PodMic, das man dafür näher besprechen kann und dafür mehr Höhen mitliefert. Dabei klingt das Podcast Pro weniger feingezeichnet, was in dieser Preisklasse durchaus verschmerzbar ist, aber es wohl weniger für die Abnahme von Instrumenten brauchbar macht. Die tiefere Abstimmung hat auch Vorteile, besonders bei hohen Stimmen mit scharfen Sibilanten. Diese treten dann nicht so stark in den Vordergrund und unschönes Zischeln wird ohne Nachbearbeitung direkt vermieden.

Beim Anstoßen an das Mikrofonstativ hat sich das leichte Gehäuse gerächt, das derartige Vibrationen eher unzureichend abfangen kann. Wer es an einem Computertisch mit externen Festplatten betreiben will, könnte trotz Richtwirkung ein Brummen nur durch physische Entkopplung verhindern. Immerhin ist das Podcast Pro sehr unkompliziert, vor allem auch bei der Einsprechrichtung. Eine Superniere lässt befürchten, dass man es direkt von vorne besprechen muss, was bei seitlichen Bewegungen zum Abweichen von Klang und Lautstärke führen kann. Erfreulicherweise stellt sich das Podcast Pro als unkomplizierter Partner zur Verfügung, denn bei größerem Abstand von mehr als 10 cm kann man sich auch etwas von der Einsprechrichtung weg bewegen. Dennoch sorgt der reduzierte Einfallswinkel dafür, dass Raumreflexionen bei ungünstiger Aufstellung weniger ein Problem bedeutet.

sontronics podcast pro test

Wem es allerdings zu dumpf erscheint, sollte nicht anfangen, den Klang mittels Equalizer zu verbiegen, denn besonders das Anheben von hohen Frequenzen wirkt sich mitunter negativ auf das Rauschverhalten aus. Für Voiceover-Anwendungen in nicht ganz optimaler Umgebung kann das Podcast Pro durchaus interessant sein, zumal es sich aufgrund der zurückgestellten Höhen möglicherweise besser durchsetzen kann. Empfehlenswert ist es daher nicht nur für Design-Liebhaber, sondern für Anwender, die recht einfach gute Sprachaufnahmen auch bei ungünstiger Aufnahmesituation erstellen wollen. Zwar ist es etwas stoßempfindlich, dafür trotz hoher Impedanz recht unkompliziert zu betreiben.

sontronics podcast pro test

Fazit

Das Sontronics Podcast Pro ist ein günstiges Sprecher- und Gesangsmikrofon fürs Heimstudio in solider Verarbeitung bei einfacher Handhabung. Die Klangqualität ist gut, wenn auch etwas dunkler im Grundsound. Nah besprechen ohne Windschutz sollte man es allerdings nicht, dafür liefert es bei rund 15 bis 20 cm Abstand noch ausreichend Gain. Das leichte Gewicht kommt dem mobilen Setup zugute und das Design ist in jedem Fall ein Hingucker. Grund genug, die rote Farbe zu bevorzugen.

Plus

  • extrem leicht für mobilen Einsatz und kleine Stative
  • ausreichend Gain für größere Sprechabstände
  • gute Richtwirkung und nicht zu enger Einfallswinkel
  • solides Metallgehäuse und gut verarbeitet

Minus

  • nur ausreichend windunempfindlich
  • etwas dunkle Abstimmung

Preis

  • 115,- Euro
Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    8 Bit Fighter  

    Dieses Mikro klingt viel zu dumpf und ist viel zu teuer..Samson Q8x kostet nur 87 Euro ,klingt kristallklar und ist auch für weibliche Stimmen geeignet.

  2. Profilbild
    Franz Walsch  AHU

    Natürlich ist es Industriedesign (Produktdesign).
    Jeder Gegenstand, außer Kunst/Kunstgewerbe, wird für den Massenkonsum gestaltet und vertrieben.
    Leider ist der Leitspruch der Design- /Architekturbewegung des letzten Jahrhunderts »Form follows function« heute wo das Marketing die Musik bestimmt (und mit jeder Weinlese eine neues mobiles Telefon aufgelegt wird), keine Leitlinie mehr.
    Ich erinnere mich sehr gerne an die »Valentine« Schreibmaschine (1968) von
    Ettore Sottsass, das MacBook der 70er Jahre.
    Nach dem Grundsatz müsste ein Apple MacBook Pro, die von vielen Nutzern bemängelten fehlenden Anschlüsse am Gerät haben.
    Auch war die Werterhaltung ein wichtiger Faktor, wie z. Bsp. bei Nagra Tonbandgeräten. Das gibt es heute nur noch in Museen zu erleben.

  3. Profilbild
    ctrotzkowski  

    Also ich empfinde den Sound des RODE Podcasters als um Klassen besser (bzw. ich empfinde den Klang es Sontronics als unterirdisch schlecht…).
    Einen separaten POP-Schutz zum Davorklemmen sollte man in allen Fällen mit einkalkuieren – schon allein daß die bewusste oder unbewusste feuchte Aussprache nicht doch einen Weg auf bis die Membranen in der Kapsel findet….

  4. Profilbild
    dAS hEIKO  AHU

    Vielleicht seh ich das acuh total falsch, aber ich würde den Haltebügel solcher Konstruktionen eher als Guillotine bezeichnen. Klar, dass das Mikrofon im Einsatz vorzugsweise abgewinkelt ist. Aber ein Bügel, der kürzer ist als der Anschlußstecker + Knickschutz ist doch schon das eingebaute Kaputt. Beim genannten PodMic von Rode (und vielen anderen, auch teureren) ist das wohl auch so. Dabei haben die anderen Micros der Australier oder auch das SM7B eine vernünftige Halterung am Befestigungsring, bei der das Anschlußkabel frei herausstehen kann. Und wenn Telefunken das bei einem 2000€+Microfon so macht, kann das ja Gründe haben. ;-)
    Dass man für einen 100-Euro-Knochen keine Spinne anbietet versteht sich von selbst. Aber solche Fehlkonstruktionen triggern mein Kopfkino immer hart.

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      Stephan Merk  RED

      Das sehe ich anders, XLR-Anschlussbuchsen sind schon ziemlich robust und egal wo Du hinschaust, ob Studiomonitore oder Gesangsmikrofone, zeigen sie immer nach Hinten weg und stützen das Kabel nicht. Die einzige Ausnahme sind neben dem SM7B Kondensatormikrofone, die man nicht endfire bespricht. Ich kann mich zumindest bei vernünftigen Kabeln nicht an Probleme erinnern, selbst wenn man mal drauf tritt. Klar, Zugentlastung ist immer gut, wobei Knickschutz und Mantelmaterial als Stütze schon ausreichen sollten, verriegelt sind sie auf dieser Seite stets immer. Beim SM7B würde ich primär auf eine Designentscheidung tippen, nach Unten lässt sich so ein Kabel sauber verlegen. Wenn dann aber mal das verlötete Kabel defekt ist, muss es zurück. Spinnen für dynamische Mikrofone sind mir übrigens nicht bekannt, würde wohl auch wenig Sinn ergeben. Bei einer Stativmontage empfiehlt es sich aber auch für Kondensatormikrofone, das Kabel zu führen und die Buchse zu entlasten. Ein schweres Kabel nach Unten hängend ist auch nicht schön.

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        dAS hEIKO  AHU

        Ich möchte da acuh nicht die nächsten 14 Tage drauf rumreiten. Nur gehört mMn kein bewegliches Teil in den Dunstkreis eines Kabels. Wenn sich das vermeiden läßt, lößt man es eben anderst. Da hängt deswegen auch kein Kabel grade runter – das Kabel wird natürlich über Schlaufen am Gelgen des Ständers geführt. Dann ist es sauber.

        Mechanische Belstung an Kabeln ist zu vermeiden – wer es anderst machen möchte: Ist ein freies Land :-D

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