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Test: SSL UltraViolet, API500 Stereo-Equalizer

Moderner SSL Equalizer

5. September 2022
SSL UltraViolet test

SSL UltraViolet, API500 Stereo-Equalizer

Bei dem SSL UltraViolet handelt es sich um einen neuen API500 Stereo-Equalizer des legendären Herstellers Solid State Logic aus England. Die unterschiedlichen Filtersektionen der SSL Mischpulte sind berühmt für ihren klaren, durchsetzungskräftigen Klang und gehören deswegen bis heute zur Standardausstattung in großen Studios.

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Im Gegensatz zu dem erst neulich getesteten 611 E-EQ Modul, das den Kanal-Equalizer der klassischen SSL Konsolen aus den 80er-Jahren reproduziert, basiert der UltraViolet zum Großteil auf einer neuentwickelten Topologie. Ausgestattet mit vier Bändern und einer Tiefensperre eignet er sich für Recording-, Mix- und Mastering-Anwendungen.

SSL UltraViolet EQ auf den ersten Blick

Schon das Design des UltraViolet EQs signalisiert auf Anhieb, dass SSL mit diesem Modul Tradition und Fortschritt vereinen möchte. Zum einen werden die für SSL charakteristischen bunten Knöpfe verwendet, zum anderen sind die Sektionen der vier Bänder recht modern und unkonventionell in Kreisform angeordnet.

Wie bei Stereo-Modulen üblich, müssen für den UltraViolet EQ zunächst zwei freie Schächte in einem 500er Rack mit Standardnetzteil eingeplant werden, denn beide Kanäle benötigen separate Strom- und Audioanschlüsse. Dementsprechend fällt auch das aus gebürstetem Aluminium bestehende Frontpaneel doppelt so groß aus, so dass alle Bedienelemente einen gesunden Abstand zueinander haben.

SSL UltraViolet

LF und HF

Das Höhen- und Tiefenband bietet jeweils ein Kuhschwanzfilter mit wählbarer Eckfrequenz, wogegen die zwei Mittenbänder eine vollparametrische Glockencharakteristik haben. Im normalen Modus besitzen alle Bänder einen Spielraum von +/-9 dB für Anhebungen und Absenkungen. Zusätzlich ist ein Hochpassfilter mit einer Flankensteilheit von 18 dB pro Oktave eingebaut, auf ein Tiefpassfilter zum Abschwächen der Höhen wurde leider verzichtet.

Alle Potentiometer sind ungestuft, allerdings rasten die Gain-Regler der Bänder in der Mittelposition ein. Das Gleiche gilt auch für den Trim, mit dem sich das Ausgangssignal im Rahmen von +/- 12 dB anpassen lässt.

Die vier Filtersektionen haben leider keine eigenen Bypass-Schaltungen, jedoch gibt es eine Übergeordnete für alle Bänder. Ob es sich dabei um einen echten Hardwire-Bypass handelt, lässt sich den recht spärlichen technischen Angaben des Herstellers leider nicht entnehmen.

SSL UltraViolet

LMF und HMF

Technische Details zum SSL UltraViolet API500 Stereo-Equalizer

Das Höhen- und Tiefenband kam erstmalig vor rund 5 Jahren in dem analogen Effektprozessor Fusion unter dem Namen Violet EQ zum Einsatz. Dabei handelt es sich um den ersten, neuentwickelten Equalizer von Solid State Logic seit rund 25 Jahren, der minimale Phasenverschiebungen verspricht.
Die Form der Kuhschwanzfilter lässt sich nicht verändern, allerdings stehen jeweils vier verschiedene Eckfrequenzen zur Auswahl. Bei dem Höhenband liegen sie bei 8, 12, 16 und 20 kHz, das Tiefenband greift wahlweise bei 30, 50, 70 oder 90 Hz.

Für den normalen Modus der zwei vollparametrischen Mittenbänder diente als grobe Vorlage die Schaltung des G-Series 292-EQs, den SSL ab 1987 in seine Mischpulte einbaute. Im Studiovolksmund ist er auch als „Pink-Knob-Version“ bekannt, bei seiner Entwicklung orientierten sich übrigens die Techniker wiederum an der Bauweise des Focusrite ISA EQs von Rupert Neve.
Die variable Einsatzfrequenz des unteren Mittenbandes erstreckt sich von 100 Hz bis 1,1 kHz, die des Oberen von 600 Hz bis 9 kHz.

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Ein völlig andere Form haben die beiden Mittenbänder, sobald der Focus-Modus aktiviert wird: Die Spanne für Anhebungen und Absenkungen beträgt dann +/-18 dB und die Güte verjüngt sich deutlich.
Der Focus-Modus eignet sich sehr gut zum Entzerren von Problemfrequenzen, bei starken Anhebungen geht der Klang schon fast in Richtung Selbstoszillation und lässt viel Spielraum für kreative Anwendungen.

Leider gibt Solid State Logic zu den tatsächlichen Q-Werten keine Angaben preis.

SSL UltraViolet

Die Platine des SSL UltraViolet

SSL UltraViolet EQ in der Studio-Praxis

Für diesen Test wird ein Fredenstein Bento S6 Rack verwendet. Wie auch bei anderen, unverkapselten Modulen ist der Einbau etwas unübersichtlich, daher bedarf es mehrerer Anläufe, bis die zwei Kontaktleisten endlich in den für sie vorgesehenen Schienen stecken.

Die Verarbeitungsqualität des in England entwickelten und in China gefertigten UltraViolet EQs erinnert sehr an die erst kürzlich getesteten 611 E-EQ und 611 E-Dyn Module:
Alle Potentiometer sitzen fest und erzeugen beim Drehen einen gesunden Widerstand, allerdings haben sämtliche Drucktaster in den Öffnungen des Frontpaneels viel Platz zu den Seiten und wackeln. Grund dafür sind auch hier die weichen Kunststoffführungen zur Platine.

Klanglich überzeugt der UltraViolet mit dem typischen SSL-Ton, der sehr klar und sauber in Erscheinung tritt. Dabei wirkt er aber in keiner Weise steril, sondern hat einen durchaus musikalischen Charakter. Gerade bei Einstellungen mit breiter Güte verhalten sich die Mittenbänder sehr entspannt und gutmütig, so dass auch kräftigere Anhebungen, besonders in den oberen Mitten, nicht überbetont wirken – das Gleiche trifft auch auf die Kuhschwanzfilter zu.

SSL UltraViolet

SSLs neuster EQ

Überaus präzise Ergebnisse lassen sich mit dem Focus-Modus der Mittenbänder erzielen. Zunächst einmal können hervorstechende Frequenzen sehr genau mit einer spitzen Filterform reduziert werden, während aber auch niedrigere Q-Faktoren im Focus-Modus, zum Beispiel bei Absenkungen der unteren Mitten, für äußerst straffe Resultate sorgen.

Ähnlich verhält sich auch das Zusammenspiel von dem Tiefenband und dem Hochpassfilter. Durch ihre Kombination erhält der Bassbereich eine wesentlich klarere Kontur, wodurch die tiefen Frequenzen vor allem an Druck gewinnen. Das präzise Klangverhalten erinnert dabei durchaus an die SSL Black-Knob-Version.
Leider bietet der UltraViolet aber nicht die Möglichkeit, die Charakteristik des Höhen- und Tiefenbandes zu verändern, so wie es bei dem 611 E-EQ der Fall ist. Dadurch wären beide Filter noch deutlich flexibler einsetzbar.

SSL UltraViolet

Die linke Seite des Moduls

Klangbeispiele mit dem SSL UltraViolet EQ

Alle Audiofiles sind wieder wahlweise im WAVE-Format (44,1 kHz, 24 Bit) oder als MP3 (320 kBit/s) aufrufbar.

Drum Bus

Als erstes soll der UltraViolet EQ seine Qualität bei der Bearbeitung einer Schlagzeug-Summe unter Beweis stellen. Dafür dient eine Aufnahme, die Christoph Eggener für den Test des UnderToneAudio MPDI-4 eingespielt hat. Die rohe Version klingt wie folgt:

Zunächst werden die Höhen bei 16 kHz um ca. 5,4 dB angehoben, damit das Schlagzeug offener und luftiger erscheint. Eine deutliche Verstärkung von ca. 7,2 dB bei 3 kHz im Focus-Modus verleiht der Aufnahme mehr Präsenz. In den unteren Mitten sorgt eine drastische Absenkung im gleichen Maß für mehr Klarheit, wobei die Güte des Filters breiter ausfällt. Die Bassdrum wird schließlich noch bei 50 Hz um 6,3 dB angehoben und mit dem Hochpass-Filter abgerundet.

Das Ergebnis klingt wesentlich sauberer und druckvoller. Vor allem die Bassdrum hat eine schöne straffe Kontur, während die Becken, die Snare und das Raumsignal offener und transparenter wirken:

Einstellungen:

HF: 16 kHz, ca. +5,4 dB, HMF: 3 kHz, Focus on, Q: 1 Uhr, ca. +7,2 dB, LMF: 400 Hz, Focus on, Q: 8 Uhr, ca. -7,2 dB, LF: 50 Hz, ca. +6,3 dB, HPF: 30 Hz

SSL UltraViolet

Kreisförmige Anordnung der Bänder

Drummachine

Nach dem akustischen Schlagzeug folgt nun die Aufnahme einer Drummachine aus den 90er-Jahren, der Jomox XBase 09. Ohne den UltraViolet Equalizer klingt sie so:

Während zuvor bei dem Schlagzeug die Frequenzen oberhalb von 10 kHz noch viel Spielraum für Anhebungen boten, muss nun das Höhenband für die 8 Bit Samples der XBase HiHat-Sektion wesentlich tiefer, bei 8 kHz, einsetzen. Die oberen Mitten werden bei 1,5 kHz betont und die unteren Mitten bei 370 Hz abermals stark reduziert. Um das Lowend hervorzuheben, greift das Tiefenband bei 70 Hz, zusätzlich ist wieder das Hochpassfilter bei 30 Hz aktiv.

Ähnlich wie bei dem Schlagzeug klingt das Resultat deutlich aufgeräumter. Allein das Absenken der unteren Mitten verleiht der XBase mehr Klarheit, das Lowend tritt viel präziser in Erscheinung und die oberen Frequenzen wirken offener und präsenter.

Einstellungen:

HF: 8 kHz, ca.  +6,3 dB, HMF: 1,5 kHz, Focus off, Q: 11 Uhr, ca. +5,4 dB, LMF: 370 Hz, Focus on, Q: 10 Uhr, ca. -7,2 dB, LF: 70 Hz, ca. +5,2 dB, HPF: 30 Hz

 

611 E-EQ vs. UVEQ

Zu guter Letzt soll nun ein Vergleich mit dem 611 E-EQ die Unterschiede zwischen dem klassischen und modernen SSL-Sound demonstrieren. Hierfür dient die Aufnahme einer Westerngitarre, erstellt mit einem Neumann U87 Kondensatormikrofon und dem Vorverstärker der Chandler Limited TG Microphone Cassette:

Bei dem Einstellen beider Module fällt direkt das sehr unterschiedliche Regelverhalten
der Bänder auf, so dass nur eine ungefähre Angleichung der Werte möglich ist. Im Gegensatz zu den zwei vorherigen Klangbeispielen bewegen sich nun alle Eingriffe im dezenten Rahmen von +/-3 dB.
Dem leichten Dröhnen der tiefen Saiten wirkt eine Absenkung bei 210 Hz entgegen, die oberen Bässe, oberen Mitten und Höhen werden behutsam angehoben.

SSL 500-Series UltraViolet EQ

SSL 500-Series UltraViolet EQ

Kundenbewertung:
(4)

Die Unterschiede sind nicht riesig, aber durchaus wahrnehmbar – um sie besser hören zu können, empfiehlt sich eine erhöhte Wiedergabelautstärke. Der 611 E-EQ wirkt ein bisschen kompakter, während der UltraViolet etwas offener und heller erklingt. Beide lassen sich nicht kategorisch mit „besser“ oder „schlechter“ bewerten, vielmehr ist es eine Frage des Geschmacks und der Art der Anwendung, welchen Sound man favorisiert.

Ungefähre Einstellung:

HF: 12 kHz, +3 dB, HMF: 3 kHz, Q: 12 Uhr, +3 dB, LMF: 210 Hz, Q: 10 Uhr, -3 dB,
LF: 100 Hz, +3 dB

E-EQ: Brown-Knob-Mode, HF und LF: Shelving
UVEQ: Focus off, ohne HPF

Infos zu den Klangbeispielen

Drum-Bus:

Schlagzeuger: Christoph Eggener
Schlagzeug: Pearl Masters Custom Maple Shell
Cymbals: Custom Crash 16“, K Ride 20“, K Dark Crash Thin 14“, Oriental China Trash 16“, Sabian HHX 10“ Splash, Paiste 14“ Signature Dark Energy MK1 HiHat
Mikrofone:
Bassdrum: Electro-Voice RE 320 (Kick Drum Mode)
Snare: Shure SM 57
Overheads: 2x Sennheiser MKH 40
Close Ambiance: 1x Sennheiser MKH 40
Room: 2x Sennheiser MKH 40
Vorverstärker: UnderToneAudio MPDI-4MPEQ-1, Studer 962 (Room)

Drummachine:

Klangerzeuger: Jomox XBase 09
Preamps: Studer 962

Westerngitarre:

Gitarre: Suzuki Threes GW-15
Mikrofon: Neumann U 87
Preamp: Chandler Limited TG Microphone Cassette

Audiointerface: RME Fireface 800, Lucid 88192

DAW: Logic Pro

Die Klangbeispiele sind unbearbeitet, nur die Lautstärken wurden angepasst.

SSL UltraViolet

SSL UltraViolet, API500 Stereo-Equalizer

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Fazit

Der SSL UltraViolet ist ein sehr guter API500 Stereo-Equalizer für professionelle Anwendungen im Tonstudio. Seine Verarbeitung macht weitestgehend einen soliden Eindruck und auch die Bedienung ist dank des Doppelmodulformats recht komfortabel.

Klanglich liefert der UltraViolet in typischer SSL-Tradition sehr präzise, ungefärbte und transparente Ergebnisse, die trotzdem einen überaus musikalischen Charakter haben. Gerade der Focus-Modus der zwei Mittenbänder erlaubt drastische Eingriffe, mit denen sich ein Signal sehr schön in Form bringen lässt. Auch das Zusammenspiel des Hochpassfilters mit dem Tiefenband ist gelungen umgesetzt, lediglich eine Option zum Umschalten von der Kuhschwanzcharakteristik zur Glockenform, wie bei dem 611 E-EQ, wäre wünschenswert.

Wer auf der Suche nach einem platzsparenden Stereo-Equalizer für vielseitige Anwendungen mit einem sauberen und klaren Ton ist, sollte den SSL UltraViolet unbedingt einmal ausprobieren.

Plus

  • moderner SSL-Sound
  • sauberes und transparentes Klangverhalten
  • Focus-Modus der Mittenbänder

Minus

  • Höhen- und Tiefenband nur in Kuhschwanz-Form

Preis

  • 1.174,- Euro
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Klangbeispiele
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