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Test: Yamaha AG08, Streaming-Mischpult

Kompakt und mit jeder Menge Features auf Sendung

6. März 2023
Yamaha AG08 test

Yamaha AG08, Streaming-Mischpult

Mit dem Yamaha AG08 kommt aus Japan ein kompaktes, 8-kanaliges Mischpult mit Zusatzfunktionen fürs Streaming auf den Markt. Das Streaming-Geschäft (nicht nur mit Twitch) boomt und mittlerweile werden auch Unterricht und Konferenzen verstärkt online durchgeführt. Das schreit nach maßgeschneiderter Tontechnik für diesen Einsatz. Mit dem AG08 stellt nun Yamaha ein Mischpult mit allerlei Extras wie Effekten, Sound-Pad und speziellen Routing-Optionen vor. Ein nettes Goodie ist, dass es den kleinen Mixer in Schwarz oder Weiß zu erstehen gibt und er so sich auch optisch schön einpassen kann.

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Yamaha AG08

Der erste Eindruck des Yamaha AG08

Beim Schälen aus dem Karton findet sich das AG08 selbst, ein Netzteil und ein USB-C-Kabel. Handbuch und der Gleichen befinden sich nicht in der Schachtel. Der Treiber, die Steuersoftware und das Software-Bundle – nebst Handbuch – müssen erst von der Yamaha Website heruntergeladen werden.

Das Software-Paket kann sich durchaus sehen lassen: Steinberg WaveLab Cast – die spezielle Podcast/Broadcast-Version von WaveLab – sowie Cubase AI stehen für Desktop-Rechner zur Verfügung. Für iOS-Geräte wird Cubasis LE beigelegt. Da ist für alle etwas geboten.

Laut Handbuch ist das Netzteil zum Betrieb nicht unbedingt notwendig. Wird genügend Strom über USB zur Verfügung gestellt, lässt sich das Mischpult bequem auch darüber mit Energie versorgen. Während meines Tests hat dies aber leider nicht funktioniert, weder direkt am Rechner noch über einen passiven wie auch aktiven USB-Hub.

Die Oberfläche des Yamaha AG08 offenbart, dass hier mehr als Mixing angesagt ist und auch Dynamics, EQs, Hall mit Echo, Stimmeffekte sowie ein einfaches Sound-Pad zur Verfügung stehen. Das macht Lust auf mehr.

Yamaha AG08

Welche Anschlüsse bietet das Streaming Pult AG08?

Das Yamaha AG08 ist nicht „nur“ ein einfacher USB-Mixer, sondern bietet auch professionelle Ausgänge via Klinke und XLR. Der Mix wird zwar hardwareseitig nur als Klinke zur Verfügung gestellt, der Anschluss für die Monitorboxen ist jedoch als XLR und Klinke verfügbar.

Mikrofone sind nur an Kanal 1 und 2 willkommen – etwas schade. Unterstützt werden dabei XLR und Klinke (sowie Headsets), natürlich mit Phantomspannung. Kanal 2 kommt auch mit Gitarren etc. zurecht (Hi-Z). Die anderen drei Kanäle sind Stereo ausgelegt (so ergeben sich die acht Kanäle bei nur fünf Fadern). Hier sind die Anschlüsse 6,3 mm Klinke (Kanal 3/4), Cinch (Kanal 5/6) sowie Mini-Klinke (Kanal 5/6 und 7/8). Ein kleines Highlight ist der Anschluss für einen Fußtaster. Dieser kann mit verschiedenen Funktionen belegt werden und bietet zusätzlichen Komfort: Der Fußtaster kann die Eingänge stummschalten, das Delay-Tempo eintappen, die Ausgänge dimmen oder die Stimmeffekte zuschalten. An der Gehäuseoberseite befinden sich neben zwei Kopfhöreranschlüssen – das AG08 ermöglicht zwei Kopfhörer-Wege – auch ein Anschluss für ein Headset. So kann auch ein solches direkt angeschlossen werden.

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Yamaha AG08

Hier gibt es Anschluss.

Übrigens: Die reinen Line-Kanäle (3/4, 5/6 und 7/8) können auch via USB aus dem Rechner mit Signalen versorgt werden. Jeder Eingang erscheint als eigenes Audiointerface in der Systemsteuerung. So lässt sich ein recht komplexes Routing/Setup (gemessen an der Mixer-Größe) aufbauen.

Yamaha AG08

Firmwareupdate geht einfach von der Hand.

Dem Kanal 7/8 kommt hier besondere Bedeutung zu, da dieser auch einen Ausgang integriert hat. So kann ein Smartphone o. ä. via TRRS-Kabel angeschlossen werden. TRRS (Tip, Ring, Ring, Shaft) meint dabei ein Klinkenkabel mit vier Kontakten, wie diese für kabelgebundene Smartphone-Headsets genutzt werden. Im Handbuch sind auch die notwendigen Zubehörteile aufgeführt. Entsprechend können so über den kleinen Mixer Telefongespräche in den Stream geholt werden, sehr praktisch.

Wird der Kanal 7/8 im USB-Modus betrieben, stellt der Mixer für diesen auch Ein- und Ausgang zur Verfügung, so dass Discord-Audio, Skype, Zoom und andere Chat-Quellen genutzt werden können. Ein wirklich tolles Feature. Leider hat man nicht daran gedacht, eine Option für ein Vorgespräch einzubauen. So könnte die Person im Streaming-Studio eine Audiodatei beispielsweise über Kanal 3/4 einspielen und währenddessen bequem mit der Person am Telefon bereits sprechen (und so auch prüfen, ob die Leitung funktioniert).

Yamaha AG08

Der Fußschalter lässt sich flexibel einsetzen

Die Effektsektion des Streaming-Mixers Yamaha AG08

Generell sind Mischpulte mit Effekt-Sektion nichts Neues, allerdings in dieser Qualität und in diesem Umfang bei einem so kleinen Mixer, ist es doch nicht ganz alltäglich. Der Equalizer ist ein 5-bandiger Vertreter seiner Zunft. Es gibt vier parametrische Bänder und einen Low-Cut (hier High Pass Filter genannt). Der EQ ist für Kanal 1 und Kanal 2 verfügbar und macht einen guten Job. Die Bedienung kann grafisch, also mit der Maus in der Kennlinie (Simple Mode) oder parametrisch (Detail Mode) erfolgen, gut. Klanglich geht der Equalizer vollkommen in Ordnung – bei dem Preis und dem Hersteller auch zu erwarten.

Yamaha AG08

Ein vollwertiger EQ ist inklusive

Bei Kanal 1 und 2 kann der „Channelstrip“ – also EQ und Kompressor – zusammen hinzugeschaltet oder aus dem Signalfluss genommen werden. Zusätzlich lässt sich der EQ und der Kompressor noch mal einzeln schalten, beim EQ ist sogar der Low-Cut einzeln schaltbar.

Der Kompressor ist schlicht, jedoch völlig ausreichend und er klingt letztlich gut. Auch hier gibt es den Detail- bzw. Simple-Mode. Auch der Kompressor kann – wie der EQ – nur auf den Kanälen 1 und 2 genutzt werden.

Yamaha AG08

Volle Kontrolle über den Hall

Auf Kanal 1 steht noch ein Voice-Changer zur Verfügung. Hier können die Tonhöhe (Pitch) und die Formanten bearbeitet werden. Ergänzt wird dieser Stimmwandler von einem Voice-Effekt, der Tremolo, Pitch-Fix (eine Art einfaches Auto-Tune), Dual-Pitch und eine Radio-Simulation anbieten. Kanal 2 des Yamaha AG08 muss ohne diese Effekte auskommen, bietet jedoch stattdessen einen Amp-Simulator. Dieser kann sich nicht mit den top Vertreten messen, klingt aber trotzdem recht gut und ist mehr als ein nettes Gimmick.

Yamaha AG08 BL
Yamaha AG08 BL
Kundenbewertung:
(1)

Der Send-Effekt steht wieder Kanal 1 und 2 zur Verfügung und kann Reverb und/oder Delay liefern. Weltbewegend ist dieser Effekt sicher nicht, macht aber klanglich eine ordentliche Figur.

Vier Buttons auf der Gehäuseoberseite (links unten) erlauben es, ebenso viele Presets auf Knopfdruck zu laden. Im Kontext einer Live-Sendung erscheint das ausreichend und bietet guten Komfort.

Yamaha AG08

Volles Metering

Die Streaming-Summe lässt sich mit einem Dreiband-Kompressor, dem Maximizer, bearbeiten. Mit dem Summen-Processing eines Formatradios kann es dieses Tool natürlich nicht aufnehmen, so weit weg ist es dann allerdings auch nicht. Es ist hier gut möglich der Sendung den nötigen „Dampf“ zu verleihen und an radiotypischen Sound heranzukommen, gut gemacht.

Das Yamaha AG08 und das Sound-Pad

Das integrierte Sound-Pad erlaubt es, sechs Samples live hinzuzuspielen. Dabei können die Audiodateien über die Software geladen (und getrimmt) oder direkt am Yamaha AG08 aufgenommen werden. Mehr Taster und Speicherplätze hätten die Buttons kleiner werden lassen müssen (bei gleicher Gehäusegröße), was letztlich zu Lasten der Bedienbarkeit gegangen wäre. Schön wäre jedoch die Möglichkeit gewesen, verschiedene Soundbänke anzulegen und diese mit einem Taster am Mixer durchzusteppen. Gemeint ist hier eine Mehrfachbelegung der Taster. Ebenso etwas schade ist, dass die Buttons sich nicht auch wie ein Streamdeck nutzen lassen können, um bspw. Szenen in OBS zu schalten. Eine solche Option hätte glasklar zur Vereinfachung des Arbeitsplatzes beigetragen. Es darf allerdings bezweifelt werden, dass solches noch für den gleichen Preis möglich gewesen wäre.

Yamaha AG08

Die Sound Pads im Einsatz

Das Laden der Samples kann auch während der Live-Sendung über die Software bewerkstelligt werden. Allerdings ist das nicht eben komfortabel und kaum geräuschlos „nebenbei“ zu erledigen, also während moderiert oder ein Interview geführt wird. Beim Radio hatten wir für solche Tasks Laufpläne (=Playlists) in der Sendeablaufsteuerung (wie die Software dort auch genannt wird). Da liegt der Wunsch nach wechselbaren Soundbänken nahe.

Das Live-Sampling in das Sound-Pad geht zwar, aber so richtig bequem ist das nicht und das Zurechttrimmen braucht Zeit. Eine Normalisierungsfunktion bietet die Desktop-Software zum Mixer erst gar nicht an, hier sollte Yamaha meiner Meinung nach nachbessern. Besonders eine Loudness-Anpassung wäre wünschenswert. Einen eigenen Regler bekommt das Sound Pad nicht, ein Poti muss ausreichen. Wenn wir ehrlich sind, tut er das auch.

Auf Sendung mit dem Mischpult Yamaha AG08

Die Kanäle 3/4, 5/6 und 7/8 sind die Stereo-Line-Kanäle des Mischers. Warum Hersteller Stereokanäle wie einzelne Monokanäle aufzählen, ist eines der großen Mysterien dieser Branche. Fakt ist, dass das nur einer Fraktion hilft, nämlich dem Marketing. Also liebe Hersteller: Hört auf mit diesem Unsinn!

Yamaha AG08

Lässt sich auch mit großer Hand gut bedienen.

Die genannten drei Kanäle können entweder einen physischen Eingang auf der Rückseite bedienen, oder das Audiosignal via USB aus dem Rechner beziehen. Somit kann eine kleine Radiostation aufgebaut und zwischen den Wortmeldungen Musik gespielt werden. Leider kann das Yamaha AG08 keinen Faderstart bieten. Gemeint ist, dass die Musik (bzw. die betreffende Audiodatei) gleichzeitig mit dem Hochziehen des Faders gestartet wird, schade. DJ-Mixer und Broadcast-Pulte können das und Programme wie Traktor können das auswerten.

Yamaha AG08

Flexibles Ducking bietet das AG08 auch.

Positiv fällt auf, dass die drei Line-Kanäle von der Streaming-Summe via Schiebeschalter heruntergenommen werden können. Es gibt sogar noch eine AUX-Summe (Kanal 7/8) und eine Sprach-Summe, die das Yamaha AG08 als eigene Sound-Devices dem Betriebssystem zur Verfügung stellt – eine sehr gute Idee! Das bringt ein wenig Flexibilität ins Routing. Leider wurde hier nicht weitergedacht, um beispielsweise bei Skye-CallIn Vorgespräche mit den Anrufenden führen zu können.

Eine Rotlicht-Steuerung findet sich am Yamaha AG08 ebenso nicht. Das ist allerdings bei der Größe wohl deutlich zu viel verlangt. Trotzdem: Praktisch wäre es, wenn – immer, wenn ein Mikrofon „offen“ ist – ein optisches Feedback zur Ruhe mahnt.

Yamaha AG08

Die Mikrofonkanäle

Soll der Host ein Headset nutzen, kann dieses einfach an der Gehäuseoberseite eingesteckt werden. Kein Adapter ist notwendig und auch keine „fummelige“ Verkabelung mit dem Mikrofoneingang auf der Rückseite und der Kopfhörerbuchse auf der Geräteoberseite – sehr schön mitgedacht. Aus dem Team „Mitgedacht“ ist auch die Option, die Mikrofone jeweils aus den Kopfhörermischungen zu entfernen. Auf Knopfdruck kann Kopfhörer 1 von Mikrofonsignal 1 befreit werden, Gleiches gilt für Kopfhörer 2 und Mikrofon 2. Sogar der Halleffekt wird mit ausgeblendet! Gerade weniger geübte Mitmenschen sind irritiert, wenn sie sich selbst im Kopfhörer hören – gut gemacht.

Der Ducker lässt sich für alle drei Line-Kanäle getrennt konfigurieren. Dabei wird eingestellt, ab welchem Pegel aus dem Mikrofon das Signal wie weit abgesenkt wird und wie schnell der Mixer das abgesenkte Signal wieder hochregelt. Das kann sich wirklich sehen lassen!

Yamaha AG08

Hier ein Demo mit dem Ducker, einmal mit langsamem Decay und einmal mit schnellem Decay:

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Fazit

Auf den ersten und zweiten Blick macht das Yamaha AG08 einen guten Eindruck: Die Verarbeitung ist klasse und wirkt wertig, die Oberfläche ist aufgeräumt und durchdacht und auch das Konzept scheint sinnvoll und praxisnah. Etwas schade ist, dass Musik (etc.) nicht via Faderstart zugespielt werden kann und das Sound-Pad nicht auch zur Steuerung von bspw. OBS umfunktioniert werden kann.

Der integrierte Reverb ist gut, wenn auch nicht weltbewegend, das Delay geht voll in Ordnung. Die Voice-Effekte sind nett, dürften aber bei den meisten Streamerinnen und Streamern nicht zum Standard gehören. EQ und Kompressor können sich hören lassen, und der Ducker zeigt sich sehr flexibel.

Für alle unter uns, die regelmäßig streamen und Wert auf guten (und gut bedienbaren) Ton legen, gilt eine glasklare Kaufempfehlung.

Plus

  • gute Software im Bundle
  • Netzteil im Lieferumfang
  • Effekte sind brauchbar
  • flexibles Ducking
  • flexibles Monitoring auf den Kopfhörern
  • Desktop-Software zur Steuerung ist übersichtlich
  • integriertes Sound-Pad
  • wertige Haptik und Optik

Minus

  • kein Faderstart
  • keine Sound-Pad-Buttons um bspw. OBS zu steuern
  • nur zwei Mikrofone möglich

Preis

  • 659,- Euro
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Klangbeispiele
Forum
    • Profilbild
      Florian Scholz RED

      @2r2n Der Preis ist so ein Ding! Immerhin versucht Yamaha mit der Softwarebeilage, den Effekten und den Optionen (einige leider nur via Software) ein echts Gegengewicht zu bieten…

  1. Profilbild
    Jazzheini

    Ich hab nicht viel Radioerfahrung, war nur ein paar wenige male bei einer Sendung dabei in einem freien Radio. Aber selbst da wären 6 Abspieltasten für Sounds (jingles, Werbung etc.) zu wenig gewesen.
    Warum bei so einem Praxisfeature unnötig gespart? Selbst bei einem normalen Podcast reicht das kaum.
    Dann wär das Gehäuse eben ein klein wenig breiter geworden .. so what.
    Und dann nur zwei Kopfhöreranschlüsse. Reicht für eine Moderatortion und einen Gast. Schon zwei ModeratorInnen und ein Gast geht nicht, oder eine Moderation und zwei Gäste …

    Mir scheint da der RODECaster Pro irgendwie durchdachter. Und günstiger ist der sogar auch noch.

    • Profilbild
      Stephan Merk RED

      @Jazzheini Naja, die Beiden sind schwer vergleichbar. Der RODECaster Pro (nicht II), hat vier Mono-Inputs, nur die Mini-Klinke für Smartphones, also im Prinzip keine Line-Eingänge. Dann eher Tascam Mixcast 4 oder RODECaster Pro II, der aber auch teuerr ist. Einigen Radioleuten hatte ich vorletztes Jahr den RODECaster Pro empfohlen, den nutzen einige Moderatoren der Oldie Antenne, wenn sie Voicetracking machen, aber da läuft ja die Musik nicht live drüber. Aber man hat schon eher eine Art Cartmachine eingebaut, was gerne genutzt wird.

  2. Profilbild
    vssmnn AHU

    Schade, ein integrierter Bluetooth-Channel wäre ja mal ganz nett gewesen, vor allem für die Smartphone-Integration

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