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Test: ZVex Fuzz Factory Vexter, Fuzz-Pedal

31. Oktober 2021

Das Evergreen - eine Liebeserklärung an die ZVex Fuzz Factory

Test: ZVex Fuzz Factory Vexter, Fuzz-Pedal

In unserer Redaktion zähle ich zu denjenigen, denen das Thema Fuzz besonders am Herzen liegt. Das soll nicht heißen, dass ich die gesamte Historie des Fuzz gepaukt habe und beispielsweise weiß, welche Germanium-Dioden in den 90ern in welchen Modellen verbaut wurden. Aber manchmal verliebt man sich eben in einen Sound. Um mich war es geschehen, als ich den Hoof von Earthquaker Devices über einen Fender Twin Reverb spielte, angeheizt durch die Vintage Pickups einer Fender Jazzmaster. Ein Stück weit dient der Sound auch dem Kaschieren spielerischer Schwächen – klar. Aber wenn es schneidend und mit ordentlich Low End wummert und brutzelt, die Verstärkerstufen der Transistorschaltung schön übersteuert werden – nun denn! In mir tut sich da was! In Millionen anderen auch.

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Eine der Vorzüge, Teil einer Redaktion wie dieser zu sein, ist der, dass man neuen Fuzz-Pedalen auf den Zahn fühlen darf. Das geht seltener als gewünscht – eben, weil wir von Interfaces bis Metal-Gitarren alles abdecken und Fuzz-Boxen nicht jedem zusagen. Nichtsdestotrotz hatten wir in den letzten Monaten und auch Jahren eine kleine Auswahl unterm Fuß:

Die Palette ist groß, und es ist wie gesagt unmöglich, alles in Betracht zu ziehen. Jedem aufmerksamen Leser wird aber im Laufe der letzten Jahre vielleicht aufgefallen sein – ein Name fehlt.

ZVex.

Ganz ehrlich? Einen richtigen Grund gibt es dafür nicht. Vielleicht am ehesten noch der, dass die Firma aus Minnesota jetzt nicht monatlich Neuerscheinungen raushaut und deshalb nicht regelmäßig auf unserem Radar auftauchte. Aber uns war klar, dass sich das ändern muss. Wir werden also nun die Hirngespinste und irren Einfälle des Zachary Vex in ein paar Artikeln würdigen – angefangen mit (neben dem Benson Germanium Fuzz) meinem Allzeit-Lieblings-Fuzz-Pedal: der Fuzz Factory, genaugenommen der Vexter. Klar – ZVex haben Fuzz-Pedale im Repertoire, die nochmal eine Ecke wilder und fetter klingen. Aber in Sachen Preis-Leistung ist der Vexter so etwas wie die goldene Mitte und deshalb für uns besonders interessant.

Zvex Fuzz Factory Vexter – Fuzz-Pedal-Klassiker

Wie eingangs erwähnt – ich selbst bin kein Pedalbauer. Ich bin Fan. Ich nehme den Blickwinkel des Gear-Enthusiasten und semiprofessionellen Musikers ein und orientiere mich daran. Wer also wissen will, warum die Fuzz Factory Vexter so gänzlich anders klingt als der Wammoth und an welchen Bauteilen und Subsystemen der Schaltkreise das liegt – das Netz ist voller Enthusiasten, die Zacharys Pedal aus technischer Sicht regelrecht sezieren.

Test: ZVex Fuzz Factory Vexter, Fuzz-Pedal

Der Mad Scientist höchstpersönlich: Zachary Vex

Für mich als Spieler ist eins klar: Die Zvex Fuzz Factory Vexter ist die eierlegende Wollmilchsau. Wir hatten vor kurzem das Source Audio Ultrawave Multiband Processor im Test. Ein digitales Wunderwerk mit so ziemlich jedem denkbaren Zerrsound in petto. Ist im Vergleich dazu so etwas wie eine alte Vexter noch brauchbar? Und wie. Es ist eine wild oszillierende, wütende und oft schwer zu zähmende Box. Und genau das macht ihren Reiz aus.

Ordnen wir das Fuzz Factory Vertex mal historisch ein wenig ein: Was hier produziert werden soll, ist der typische „60s“ Fuzz Sound. Und der bedeutet mitunter Klangchaos. Gated Fuzz, das sofort abreißt, sobald man aufhört zu spielen, höhenlastiger, stechender Sound, wilde Oszillation, straffe Riffs, hartes Clipping. Es ist der Fuzz des 60er Jahre Psychedelic. Der Sound, mit dem Hendrix sein Spiel mitunter entfesselte. Der Tonebender, der Muff und der Fuzz Face sind besonders bekannte Schaltkreise aus dieser Zeit, und der ZVex Vertex bedient eine sehr eigene, sehr wilde Schnittmenge zwischen all dem.

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Jetzt werden sich einige Tüftler sicher räuspern und mich darauf hinweisen, dass die Fuzz Factory Vertex weder Fuzz Face, noch Tonebender, noch Muff ist, sondern ein ____. Okay. Ich bleibe aber dabei, von allen legendäre Schaltkreisen kommt diese Fuzz Factory dem Fuzz Face-Prinzip noch am nächsten – und das hat seine Gründe. Wie der Fuzz Face arbeitet das Fuzz Factory Vertex mit Germanium-Transistoren – aber da hören die Gemeinsamkeiten mehr oder minder schon auf. Fakt ist: das Fuzz Factory Vertex ist nicht ein neu aufgelegter, klassischer Schaltkreis, sondern ein eigenes Biest. Und das schauen wir uns jetzt mal im Detail an.

Zvex Fuzz Factory Vertex – experimentelles Verzerrerpedal

Ich kann mich erinnern, als ein Bekannter von mir meine ZVex Fuzz Factory Vertex im Proberaum testete und ausprobierte und irgendwann regelrecht frustriert meinte, „Das Ding macht überhaupt nicht, was es soll!“ Tja. Jap. Stimmt. Anders gesagt: „Die Regler machen gar nicht, was sie sollen!“

Test: ZVex Fuzz Factory Vexter, Fuzz-Pedal

Was sollte ich dem guten Mann sagen – er hat ja Recht. Beziehungsweise – bedingt. Denn die fünf Regler der Vertex, auch wenn sie dann doch sehr konkret benannt sind, leben von einer ziemlich spannenden Interaktion untereinander, die nun mal auch dazu führt, dass man Kompressor dreht und plötzlich ein irres Sustain hat. Aber der Reihe nach – das sind die Regler und die angedachten Parameter, die sie bedienen:

  • Gate: Das Gate ist im Grunde genommen dafür da, das Anhängsel des Sustains zu „cutten“. Jede Soundtextur, die das Sustain normalerweise nach sich zieht, kann komplett rausgedreht werden, wenn man den Regler ganz nach rechts schiebt – alles Fiepen, Brummen und mehr. Wer jedoch auf diese Rückkoppplungen steht, für den gilt: Gate ganz rausnehmen.
  • Compress: Hier wird der Attack eingestellt – aber nicht nur. Der Grad der Kompression sorgt dafür, dass der Ton „schärfer“ wird, aber es lässt sich hierüber auch die Feedback-Tonalität stimmen. Ein eigenes Ding, zweifelsohne.
  • Drive: Hier wird die Verzerrung reingedreht, der eigentliche „Fuzz“ und die Fettheit des Sounds. Wohlgemerkt tut sich hier nicht viel, wenn Compress auf ganz rechts steht.
  • Stab: Stab ist „Voltage“ – also die Spannung, mit der das Signal angegangen wird. Ganz links wird der Fuzz sanft, fast zurückhaltend und eignet sich besonders gutfür warme Dinosaur Jr. Sounds. Gen Osten dreht Stab ein ordentliches Feedback und Oszillation rein.

Das war’s – mehr ist es nicht. Das sind die Zutaten, mit denen die ZVex Fuzz Factory Vertex ihre Sounds produziert. Und kommen wir mal zum Punkt – kommen wir zum Grund, weshalb mir soviel an der Fuzz Factory Vexter liegt – die Praxis:

Fuzz Factory Sounds Vertex mit E-Gitarre

Wir speisen die Fuzz Factory ausnahmsweise in ein digitales Multieffektgerät – das Quad Cortex – um das Klangbild ein bisschen zu beleben. Die Amps im Cortex reagieren derart real und authentisch, dass hier Repräsentatives passiert.

Test: ZVex Fuzz Factory Vexter, Fuzz-Pedal

Ich sag’s nochmal – the gift that keeps on giving. Was anderes ist die Fuzz Factory nicht: die perfekte, dreckige Zerre. Die zwölf Hörbeispiele sollen in erster Linie demonstrieren, wie endlos vielfältig die Fuzz Factory ist – von dreckigen, modulierenden, knapp gehaltenen, stickigen Fuzz-Kapriolen, bis hin zu explodierenden Rückkopplungen und endlos sägenden Oszillationen – die Fuzz Factory Vexter hat zusätzlich eine ganz eigene Art, Harmonien und Dissonanzen zu halten und schwelen zu lassen. Gearbeitet wurde hier abwechselnd mit dem Humbucker und den Singlecoils einer HSS Godin.

Es ist trotz allem nicht leicht, jemandem zu erklären, wie die Fuzz Factory zu zähmen ist. Wer Stab voll aufdreht und das Gate komplett zurücknimmt, hat Krach, Krach, Krach. Ein Tupfer Kompression verändert das Klangbild dann radikal. Weshalb genau? Weiß ich nicht. Müsste man wohl den Mad Scientist persönlich fragen. Die Art, wie Drive auf Stab beispielsweise anspringt, macht das Gerät zum Traum eines jeden Punk- und Noise-Gitarristen. Es obliegt jedem selbst, seinen Zugang zur Fuzz Factory zu finden, zu verstehen, wie der eigene Amp auf das Gerät anspringt, wie man seine Rückkopplung will, wieviel Gate und Stab dem eigenen Sound gut tun und ob die Fuzz Factory dann vielleicht doch zu wild ist für „konventionelle“ Sounds. Ich kann mir nicht vorstellen, dass jemand nach zehn Minuten zum ersten Mal mit der Fuzz Factory weiß, wie der Hase läuft. Man wächst zusammen. Man kapiert, wie man den Fuzz Factory Vertex zu behandeln hat. Und das Gerät dankt es einem dann mit einer Bandbreite an Fuzz-Sounds, die ihresgleichen sucht.

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Fazit

Es ist, wie es ist – meines Erachtens ist die ZVex Fuzz Factory (Vexter) das beste Fuzz Pedal, das man für unter 200,- Euro kriegen kann. Es ist eine eierlegende Wollmilchsau und ein Kumpane, mit dem man über die Jahre hinweg zusammenwächst. Der Kult kommt nicht von ungefähr – es steckt eine unfassbare Power in dieser Box. Wer konventionelle Zerren sucht, ist hier falsch beraten. Alle anderen brauchen eine Fuzz Factory in ihrer Sammlung. Bedauern wird’s niemand. Eine späte Würdigung – und ein Best Buy, auf dass ZVex ihrer Linie treu bleiben.

Plus

  • endlos vielfältig
  • wuchtig im Sound
  • Preis-Leistungs-Verhältnis

Preis

  • 192,- Euro
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