Skip to the navigation Skip to the content

Über den Autor

Theo Bloderer

Theo Bloderer widmet sich intensiv Synthesizern und elektronischen Klängen. Besitzt eine der größten Vintage-Sammlungen in Deutschland. Er ist Gründer der Webplattform Bluesynths.com und organisierte von 2007 bis 2009 das Synthesizer Treffen Kufstein. Bis 2011 ist ein Teil seiner Sammlung in München ausgestellt.

Amazona Charts

Platz 1 in:  V-Synthesizer Analog (Poly)

Roland Juno-60

Roland Juno-60

Jetzt alle Chartplatzierungen checken.

Diese Artikel könnten Ihnen auch gefallen

Momentan sind keine passenden Artikel vorhanden.
Amazona.de on Facebook

Blue Box: Oberheim OB-X

15.12.2007
vorige Seite 1 2 nächste Seite

Oberheim OB-X

Nun, der OB-X ist ohne Frage ein echtes Schlachtschiff. Größer als jeder Jupiter-8, Memorymoog, Elka Synthex und (durch die massiven, überstehenden Holzseitenteile) sogar massiver als seine eigenen Nachfolger OB-Xa sowie OB-8. Den Prophet-5 lässt er punkto Größe ohnehin links liegen, denn "echte" Konkurrenz gibt es betreffend Abmessungen höchstens aus eigenem Hause... Einzig der Four-Voice (bedingt durch die hohe Rückwand) bzw. der Matrix-12 (bedingt durch das enorm “tiefe” Bedienpanel) könnten dem OB-X das Wasser reichen (zusammen mit dem Rhodes Chroma und Waldorf Wave, zugegeben).


Oberheim OB-X - Zum Vergrößern Klicken

Klar, Größe ist nicht alles, auch wenn ein Meer an Spams rund um diverse Verlängerungsangelegenheiten die Männerwelt täglich vom Gegenteil zu überzeugen versucht. Sound - das ist letztlich die einzige relevante Frage. Doch zuerst mal ganz langsam...

Tom Oberheim...

...war ab 1975 sehr erfolgreich mit der Herstellung seiner SEM-Instrumente alias Two / Four / Eight Voice beschäftigt. Das Konzept der Speicherbarkeit bei 4/8 Voice blieb – trotz Einführung des Programmers und zusätzlich separat erhältlichem Kassetten-Interface – immer eine etwas unglückliche Lösung. Schließlich griff der Programmer nicht auf alle Klangparameter zurück, und so konnten nur Sounds namens “Ungefähr” oder “SoÄhnlich” gespeichert werden.

Aus musikalischer Sicht ist dies zwar sehr zu begrüßen, da totale Kontrolle und absolute Speicherbarkeit eigentlich einen wertvollen musikalischen Schaffensprozess unterbindet (Gedanken darüber auch aktuell zu lesen in Klaus Schulze’s Interview des Synthesizer Magazins, Ausgabe 5), doch war die Musikwelt mit “separaten” Stimmen und “ungefähren” Speichermöglichkeiten nicht zufrieden. So war es nur eine Frage der Zeit, bis Tom Oberheim den 4/8 Voice in einer etwas abeschlankten Version mit “richtigen” Presets und völlig gleichwertigen Stimmen auf den Markt bringen würde.


Oberheim OB-X - Zum Vergrößern Klicken

Der 1979 eingeführte OB-X verpasste die große Premiere als erster “richtiger” speicher- (und programmier-)barer Polysynth nur knapp. Ein Jahr zuvor war es der Sequential Prophet-5, der als Überraschungskandidat allen Konkurrenten zuvor kam. Und so war die Lebenszeit des Oberheim OB-X unter keinem guten Stern geschrieben. Gegen die Popularität des Prophet-5 kam das Instrument nicht an, und bereits zwei Jahre später war die Ablöse in Form des OB-Xa besiegelt. Seinem Klang entsprechend hätte sich der OB-X eine würdevollere Laufbahn absolut verdient...

 

Aufbau

Der als 4/6/8-stimmiger Polysynth erhältliche OB-X zeichnet sich durch eine – für frühe Oberheim Synthesizer typische – klassische Klangstruktur aus. Pro Stimme 2 VCOs, 1 LFO, VCF und VCA, 2 Hüllkurven, das war’s. So gesehen jedem Prophet-5 (mit Ausnahme der PolyMod-Ecke), jedem Jupiter-8 und vielen anderen Klassikern ebenbürtig. Wie immer im Leben sind es die Kleinigkeiten, die besonderen Extras, die den Unterschied zur Konkurrenz machen...


CV/Gate für Voice 1

 

Besonderheiten

Zunächst ist die Unterscheidung zwischen 4/6/8-stimmigen OB-X Modellen zu nennen. In einer dieser drei Varianten wurde das Instrument ausgeliefert, wobei minderstimmige Instrumente durch Zukaufen entsprechender Voiceboards aufgerüstet werden konnten. Jede Stimme war auf einer Platine von der Größe einer Videokassette untergebracht und ist – nach Aussagen von Technikern – noch stark an das Schaltungsdesign der SEM-Module angelehnt. Natürlich war ein 6- bzw. 8-stimmiger OB-X einem Prophet-5 punkto Polyphonie überlegen, und so war dies einer seiner wenigen echten “Pluspunkte”, die er vorzuweisen hatte.

Besonders schön ist ein Feature der OB-X Voicebaords, das theoretisch ALLEN Polysynths extrem gut stehen würde: Es erlaubt das Positionieren der einzelnen Stimmen im Panorama. Ganz simpel mittels eines kleinen Dr ehpotis. Diese Potis sind beim OB-X im (!) Instrument untergebracht, was aber keine große Affäre ist, da das Panel in 11,5 Sekunden nach Lösen von nur vier Schrauben hochgeklappt werden kann. Beim OB-8 sind die Potis gleich in das Seitenpanel integriert und daher von außen zugänglich, was sicher noch angenehmer ist.

Klangtechnisch ist vor allem die Möglichkeit der Cross-Modulation (X-MOD) hervorzuheben. Eine Besonderheit, die beim OB-Xa und OB-8 nicht mehr vorzufinden ist.


VCOs

Nun, und klangpuristisch betrachtet ist es vor allem der warme, sehr breite, ungeheuer lebendige Sound, der den OB-X wirklich einzigartig macht. Er ist sicher der “Wüstling” der OB-Serie. Ganz wie z.B. der Jupiter-4 innerhalb der Roland-Jupiter-Familie (scheint so, als wären die Erstgeborenen eben auch immer etwas ganz Besonderes gewesen).


Logo OB-X

Ganz von ungefähr kommt das dinosaurierhafte Verhalten des OB-X nicht... lassen wir die massiven klanglichen Verbiegungsmöglichkeiten rund um den Tipptaster namens X-MOD mal weg, ist es vor allem der (noch) verstärkt diskrete Aufbau der Voiceboards, dem die analoge Klangfülle und Wildheit zuzuschreiben ist. Das hat natürlich auch den einen oder anderen Nebeneffekt. Zuverlässigkeit ist (angeblich) keine große Tugend des OB-X, und ohne Auto-Tune Funktion (die es natürlich gibt) wäre man tatsächlich verloren... die Stimmen laufen sehr schnell “out of tune”... manchmal binnen weniger Minuten (was bis zu einem gewissen Grad aber auch sehr charismatisch sein kann).

 

Zu allen Punkten gibt es sehr unterschiedliche Erfahrungen von OB-X Usern. Ich hatte mit dem OB-X nie irgendwelche technischen Probleme. Andere sehr wohl. Mein OB-X verstimmte sich relativ schnell, das Instrument manch anderer User dagegen kaum. Jedenfalls ist klar zu sehen, wie sehr frühe analoge Synthesizer noch wirklich “Persönlichkeit” und Charakter hatten. Dieses Exemplar war so, jenes sah zwar identisch aus, verhielt sich jedoch völlig anders bzw. klang teils auch sehr unterschiedlich. Echt “vintage“ eben...

 

vorige Seite 1 2 nächste Seite

Klangbeispiele

Bewertung

Bewertung: 5 von 5
Bewertung: 5 von 5
Benutzer werden und mit abstimmen

Kommentar erstellen Kommentare

  • Benutzerbild von m.ettlich
    m.ettlich, 27.11.2009 - 12:29 Uhr:
    Der Oberheim OB-X unterscheidet sich doch klanglich von den Nachfolgern OB-Xa und OB-8. Der Sound ist viel brachialer und ungezähmter. Der OB-X hat eine enorme Power und Druck. Im Unisono-Modus wackeln sogar die Gläser im Schrank.
    Software kommt nicht mal annähernd an die Klangfülle und Kraft des OB-X heran.
  • Benutzerbild von beroshima
    beroshima, 21.10.2009 - 23:18 Uhr:
    ich liebe die alten kisten aber ich benutze den OB nur noch wenn ich langeweile habe oder zuviel zeit. die kids hören ohnehin nur MP3s und da bleibt von dem angeblich hörbaren "warmen sound" ohnehin nichts übrig. ziehmliche mimose dieses modell. die instandhaltung hat unsummen verschlungen. trotzdem, eigentlich viel geiler als der matrix 12 weil unkontrollierbar.
  • Peter, 29.12.2007 - 21:07 Uhr:
    Ich habe mal nur zum Spass versucht, die Patches mit dem OP-X nachzubauen. Tönt dann so:

    http://www.sonicprojects.ch/obx/songs/opx_amazona.mp3


    Hier kann man die verwendeten Patches gratis herunter laden (auch für's Demo verfügbar):

    http://www.sonicprojects.ch/obx/userarea.html

    http://www.sonicprojects.ch/opxpro/userarea.html

    Grüsse Peter
  • Axel, 22.12.2007 - 16:08 Uhr:
    Na ja, die Frage:Warum sind Analoge Synthesiser so teuer?,beantwortet sich nicht durch die Tatsache, dass sie alle so toll klingen, doch wohl eher, weil sie so rar werden und irgendwann leider aussterben werden.Auch der Klang der Analogen war einmal Geschmacksache und vieles was heute so teuer verkauft wird, galt damals wg. nur 1 OSC als steril.

    Es ist einfach eine Geschmacksfrage und eine Frage der Bequemlichkeit, viele Sounds bestehen in beiden Welten und ändern gar nichts an der Musik.

    Mein Voyager und mein V-Synth GT haben die eins gemeinsam:Beide sind hervorragende Werkzeuge.
  • pete, 19.12.2007 - 22:31 Uhr:
    Ja die gute alte analog zeit ist echt ein anachronismus!
    ich habe auch zwei analoge tiere, zum einen den jupiter6 mit europa (sehr schöner synth)
    und den oberheim matrix 6 (das beste was es überhaupt im günstigen bereich gibt - der bläst einfach alles weg!!)

    aber ich muss jetzt auch mal ne lanze für manche VAs brechen, zb ist das creamware (soniccore) zeug, vor allem der minimax, profit, pro one, prodessy, etc der hammer!
    es gibt schon VAs die gut sind, bloss kriegt das keiner mit.
    die vst scheisse ist bloss so populär weil man das für lau überall runterladen kann, klar gibts auch da gute sachen, zb den FM8, Absynth oder den Timewarp, aber an den druck die filter von creamwares neueren VAs kommen die nicht ran!
  • axel.jungkunst, 19.12.2007 - 18:54 Uhr:
    @Alle: Ich verstehe Euch, ich bin auch mit analogen Synths groß geworden und benutze sie heute noch. Die Vollmundigkeit von Herstellern bzgl. perfekter Emulationen finde ich auch überzogen, VAs und Softsynths sind definitiv anders, aber auf ihre Weise schon brauchbar. Der Einsatz ist nun mal Geschmacks- und oft auch Kostensache. Ich weiß nicht, wer hier einen Vergleichstest machen wollte, ich war es bestimmt nicht, es wäre Zeitverschwendung! Einfach direkt ansprechen/-mailen!
  • RetroSound, 19.12.2007 - 07:04 Uhr:
    Daß die virtuell analoge Clonerei nicht wirklich überzeugen kann, spiegelt sich auch in der Preisentwicklung echt analoger Geräte wieder. Noch nie wurden diese so hoch gehandelt wie jetzt. Warum wohl?
  • Piet, 18.12.2007 - 20:52 Uhr:
    @axel.
    Wenn ich mir so die Werbung der verschiedenen Hersteller so angucke sehe ich doch immer wieder den Begriff "perfekte Emulation" oder "dem Original perfekt nachempfunden"usw. Wie auch immer. Auf dieser Website wurde mir/uns von einem hier tätigen Mitarbeiter vor doch schon einiger Zeit ein Test versprochen der zeigen sollte, wenn ich es richtig verstanden habe, wie klein der Unterschied zwischen Analog und Digital mittlerweile ist.
    Bin da noch immer sehr gespannt drauf.
  • doc, 18.12.2007 - 20:18 Uhr:
    Klar haben die Analogen Ihren Reiz, Sounds und Haptik sprechen für sich. Den Druck und Schub eines Analogen erreichen die VAs bei weitem nicht. Aber den Soundcharakter treffen viele allemal. Und der finanzielle Aspekt ist auch nicht zu verachten. Viele VA benutze ich nur weil mir die alten Schlachtrösser einfach zu teuer und zu anfällig sind.
  • Philipp, 18.12.2007 - 19:30 Uhr:
    Hi Axel, gegen ein eigenes Konzept hab ich ja auch nichts einzuwenden und einen Mix aus Analog und virtuell analog ist auch OK, ich störe mich halt an diesen ganzen kalten / sterilen Notebookproduktionen die komplett im Rechner entstehen und einfach nach nichts klingen - wenn ich dann im Vergleich ein paar produktionen aus den 80ern höre macht mich das traurig das sich alles komplett in den Rechner verlagert - auf kosten des Sounds. Arturia beispielsweise bewirbt ihr Plug-In als leistungsfähiger wie das Original, ich find es klingt im A/B Vergleich einfach nur dünn und nichtmal ähnlich wie ein Prophet-5 wird aber mit dem Namen beworben. Gruß Philipp
  • axel.jungkunst, 18.12.2007 - 17:45 Uhr:
    Ohne Euch in Sachen analog widersprechen zu wollen glaube ich in den meisten Fällen nicht, dass es die Intention der VA-Erbauer ist, ein analoges Modell auf Biegen und Brechen nachzustellen. Gehe ich z.B. von den Clavias aus, dürfte es genau so schwer fallen, viele dieser Sounds mit einem alten Oberheim zu erstellen. Ich schätze einfach beide Welten!
  • ph303, 18.12.2007 - 15:17 Uhr:
    Hi Piet, da kann ich mich absolut anschließen... nach einem Jahr nur mit Software (hab mich damals von der total recall Fähigkeit des virtuellen Studios blenden lassen und umgestellt...) fange ich jetzt wieder an real analoges Equipment zu kaufen - es ist halt einfach nicht das gleiche... Wenn ich da den Amazona Test über den virtuellen Prophet 5 lese kann ich nur den Kopf schütteln - wer da keinen Unterschied wie Tag und Nacht hört sollte sich mal die Ohren checken lassen :-) cheers Philipp
  • Piet, 17.12.2007 - 20:46 Uhr:
    Und wieder mal zeigt sich daß all die Virtuell Analogen Lichtjahre von der Fülle und Wärme der richtig Anolgen entfernt sind. Welcher Programmierer schafft es solche Sounds dem Rechner zu entlocken.

neuen Kommentar erstellen

Über Ihren Kommentar würden wir uns sehr freuen. Dazu ist eine kurze Registrierung notwendig, die nicht viel Zeit beansprucht.
Los geht's...