
Das 1 HE Memotron
Oberheim OB-X
Nun, der OB-X ist ohne Frage ein echtes Schlachtschiff. Größer als jeder Jupiter-8, Memorymoog, Elka Synthex und (durch die massiven, überstehenden Holzseitenteile) sogar massiver als seine eigenen Nachfolger OB-Xa sowie OB-8. Den Prophet-5 lässt er punkto Größe ohnehin links liegen, denn "echte" Konkurrenz gibt es betreffend Abmessungen höchstens aus eigenem Hause... Einzig der Four-Voice (bedingt durch die hohe Rückwand) bzw. der Matrix-12 (bedingt durch das enorm “tiefe” Bedienpanel) könnten dem OB-X das Wasser reichen (zusammen mit dem Rhodes Chroma und Waldorf Wave, zugegeben).
Klar, Größe ist nicht alles, auch wenn ein Meer an Spams rund um diverse Verlängerungsangelegenheiten die Männerwelt täglich vom Gegenteil zu überzeugen versucht. Sound - das ist letztlich die einzige relevante Frage. Doch zuerst mal ganz langsam...
Tom Oberheim...
...war ab 1975 sehr erfolgreich mit der Herstellung seiner SEM-Instrumente alias Two / Four / Eight Voice beschäftigt. Das Konzept der Speicherbarkeit bei 4/8 Voice blieb – trotz Einführung des Programmers und zusätzlich separat erhältlichem Kassetten-Interface – immer eine etwas unglückliche Lösung. Schließlich griff der Programmer nicht auf alle Klangparameter zurück, und so konnten nur Sounds namens “Ungefähr” oder “SoÄhnlich” gespeichert werden.
Aus musikalischer Sicht ist dies zwar sehr zu begrüßen, da totale Kontrolle und absolute Speicherbarkeit eigentlich einen wertvollen musikalischen Schaffensprozess unterbindet (Gedanken darüber auch aktuell zu lesen in Klaus Schulze’s Interview des Synthesizer Magazins, Ausgabe 5), doch war die Musikwelt mit “separaten” Stimmen und “ungefähren” Speichermöglichkeiten nicht zufrieden. So war es nur eine Frage der Zeit, bis Tom Oberheim den 4/8 Voice in einer etwas abeschlankten Version mit “richtigen” Presets und völlig gleichwertigen Stimmen auf den Markt bringen würde.
Der 1979 eingeführte OB-X verpasste die große Premiere als erster “richtiger” speicher- (und programmier-)barer Polysynth nur knapp. Ein Jahr zuvor war es der Sequential Prophet-5, der als Überraschungskandidat allen Konkurrenten zuvor kam. Und so war die Lebenszeit des Oberheim OB-X unter keinem guten Stern geschrieben. Gegen die Popularität des Prophet-5 kam das Instrument nicht an, und bereits zwei Jahre später war die Ablöse in Form des OB-Xa besiegelt. Seinem Klang entsprechend hätte sich der OB-X eine würdevollere Laufbahn absolut verdient...
Aufbau
Der als 4/6/8-stimmiger Polysynth erhältliche OB-X zeichnet sich durch eine – für frühe Oberheim Synthesizer typische – klassische Klangstruktur aus. Pro Stimme 2 VCOs, 1 LFO, VCF und VCA, 2 Hüllkurven, das war’s. So gesehen jedem Prophet-5 (mit Ausnahme der PolyMod-Ecke), jedem Jupiter-8 und vielen anderen Klassikern ebenbürtig. Wie immer im Leben sind es die Kleinigkeiten, die besonderen Extras, die den Unterschied zur Konkurrenz machen...
Besonderheiten
Zunächst ist die Unterscheidung zwischen 4/6/8-stimmigen OB-X Modellen zu nennen. In einer dieser drei Varianten wurde das Instrument ausgeliefert, wobei minderstimmige Instrumente durch Zukaufen entsprechender Voiceboards aufgerüstet werden konnten. Jede Stimme war auf einer Platine von der Größe einer Videokassette untergebracht und ist – nach Aussagen von Technikern – noch stark an das Schaltungsdesign der SEM-Module angelehnt. Natürlich war ein 6- bzw. 8-stimmiger OB-X einem Prophet-5 punkto Polyphonie überlegen, und so war dies einer seiner wenigen echten “Pluspunkte”, die er vorzuweisen hatte.
Besonders schön ist ein Feature der OB-X Voicebaords, das theoretisch ALLEN Polysynths extrem gut stehen würde: Es erlaubt das Positionieren der einzelnen Stimmen im Panorama. Ganz simpel mittels eines kleinen Dr ehpotis. Diese Potis sind beim OB-X im (!) Instrument untergebracht, was aber keine große Affäre ist, da das Panel in 11,5 Sekunden nach Lösen von nur vier Schrauben hochgeklappt werden kann. Beim OB-8 sind die Potis gleich in das Seitenpanel integriert und daher von außen zugänglich, was sicher noch angenehmer ist.
Klangtechnisch ist vor allem die Möglichkeit der Cross-Modulation (X-MOD) hervorzuheben. Eine Besonderheit, die beim OB-Xa und OB-8 nicht mehr vorzufinden ist.
Nun, und klangpuristisch betrachtet ist es vor allem der warme, sehr breite, ungeheuer lebendige Sound, der den OB-X wirklich einzigartig macht. Er ist sicher der “Wüstling” der OB-Serie. Ganz wie z.B. der Jupiter-4 innerhalb der Roland-Jupiter-Familie (scheint so, als wären die Erstgeborenen eben auch immer etwas ganz Besonderes gewesen).
Ganz von ungefähr kommt das dinosaurierhafte Verhalten des OB-X nicht... lassen wir die massiven klanglichen Verbiegungsmöglichkeiten rund um den Tipptaster namens X-MOD mal weg, ist es vor allem der (noch) verstärkt diskrete Aufbau der Voiceboards, dem die analoge Klangfülle und Wildheit zuzuschreiben ist. Das hat natürlich auch den einen oder anderen Nebeneffekt. Zuverlässigkeit ist (angeblich) keine große Tugend des OB-X, und ohne Auto-Tune Funktion (die es natürlich gibt) wäre man tatsächlich verloren... die Stimmen laufen sehr schnell “out of tune”... manchmal binnen weniger Minuten (was bis zu einem gewissen Grad aber auch sehr charismatisch sein kann).
Zu allen Punkten gibt es sehr unterschiedliche Erfahrungen von OB-X Usern. Ich hatte mit dem OB-X nie irgendwelche technischen Probleme. Andere sehr wohl. Mein OB-X verstimmte sich relativ schnell, das Instrument manch anderer User dagegen kaum. Jedenfalls ist klar zu sehen, wie sehr frühe analoge Synthesizer noch wirklich “Persönlichkeit” und Charakter hatten. Dieses Exemplar war so, jenes sah zwar identisch aus, verhielt sich jedoch völlig anders bzw. klang teils auch sehr unterschiedlich. Echt “vintage“ eben...
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Software kommt nicht mal annähernd an die Klangfülle und Kraft des OB-X heran.
http://www.sonicprojects.ch/obx/songs/opx_amazona.mp3
Hier kann man die verwendeten Patches gratis herunter laden (auch für's Demo verfügbar):
http://www.sonicprojects.ch/obx/userarea.html
http://www.sonicprojects.ch/opxpro/userarea.html
Grüsse Peter
Es ist einfach eine Geschmacksfrage und eine Frage der Bequemlichkeit, viele Sounds bestehen in beiden Welten und ändern gar nichts an der Musik.
Mein Voyager und mein V-Synth GT haben die eins gemeinsam:Beide sind hervorragende Werkzeuge.
ich habe auch zwei analoge tiere, zum einen den jupiter6 mit europa (sehr schöner synth)
und den oberheim matrix 6 (das beste was es überhaupt im günstigen bereich gibt - der bläst einfach alles weg!!)
aber ich muss jetzt auch mal ne lanze für manche VAs brechen, zb ist das creamware (soniccore) zeug, vor allem der minimax, profit, pro one, prodessy, etc der hammer!
es gibt schon VAs die gut sind, bloss kriegt das keiner mit.
die vst scheisse ist bloss so populär weil man das für lau überall runterladen kann, klar gibts auch da gute sachen, zb den FM8, Absynth oder den Timewarp, aber an den druck die filter von creamwares neueren VAs kommen die nicht ran!
Wenn ich mir so die Werbung der verschiedenen Hersteller so angucke sehe ich doch immer wieder den Begriff "perfekte Emulation" oder "dem Original perfekt nachempfunden"usw. Wie auch immer. Auf dieser Website wurde mir/uns von einem hier tätigen Mitarbeiter vor doch schon einiger Zeit ein Test versprochen der zeigen sollte, wenn ich es richtig verstanden habe, wie klein der Unterschied zwischen Analog und Digital mittlerweile ist.
Bin da noch immer sehr gespannt drauf.