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Modular Serie: Die Oszillatoren (Teil 3)

Modular: VCOs (3)

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Der dritte Teil der Amazona-Serie rundet das Kapitel der (analogen) Oszillatoren ab. Nachdem zunächst die Schwingungseigenschaft der Schwebung angesprochen wurde, in Folge dann die Bereiche Oszillator-Synchronisation und „Der VCO als Modulationsquelle im Studio“ im Mittelpunkt standen, geht es diesmal um Pulsbreitenmodulation, Frequenzmodulation, Crossmodulation sowie das Prinzip der Oszillator-Schichtung (Stacking).

A-100 Modular System, rechts hinten der zur Serie gehörige A-155 Trigger Sequenzer

A-100 Modular System, rechts hinten der zur Serie gehörige A-155 Trigger Sequenzer

Pulsbreitenmodulation – PWM (Pulse-Width-Modulation)

Sie ist natürlich allen Synthesizer-Enthusiasten ein klarer Begriff, die „Verschiebung der Pulsbreite“. Ihre klanglichen Resultate sind eindeutig und gehören gewissermaßen zum Standard-Repertoire analoger Synthesizer. Doch lassen wir zunächst Peter Gorges zu Wort kommen. Er definiert Pulsbreitenmodulation als eine…

„Externe Beeinflussung der Pulsbreite durch eine Modulationsquelle. Bei starker periodischer Modulation (LFO) ergibt sich ein Schwebungseffekt. So ließe sich in analogen Synthesizern mit nur einem Oszillator der Klang zweier schwebender Oszillatorwellen imitieren.“ (Gorges, Peter: Das Keyboard Lexikon, 1994)

Der genannte Schwebungseffekt (wohlgemerkt: nicht „Schwebung“) ist sicher klangliches Haupt-Merkmal Nummer Eins der Pulsbreitenmodulation. Fette Bässe oder dicke Leadsounds finden hier (unter anderem) ihren Ursprung. Besonders jene Synthesizer, die über nur einen Oszillator pro Stimme verfügen, sind um etwas „Volumenvergrößerung“ ihres Klanges dankbar.

ARP Axxe: Die Pulsbreitenmodulation wertet den 1-VCO Synthesizer auf und zählt zu seinen klanglich schönsten Features

ARP Axxe: Die Pulsbreitenmodulation wertet den 1-VCO Synthesizer auf und zählt zu seinen klanglich schönsten Features

Monophone Synthesizer mit einem VCO und PWM:

- Roland SH-1, SH-3A, SH-09, SH-101
- Yamaha SY-1/2, CS-5/10

- ARP Axxe

- Teisco S-60F

- Moog Micromoog

- Korg MS-10

- u.v.m.

Polyphone Synthesizer mit einem VCO pro Stimme und PWM:

- Roland Juno-6, Juno-60, Jupiter-4
- Yamaha CS-50, CS-60

- Sequential Six-Trak, Max, Multi-Trak
- u.v.m.

Modularsysteme bieten nun den Vorteil, dass man (in der Regel) die Pulsbreitenmodulation auf unterschiedlichste Art steuern kann. Im Gegensatz zu den meisten der oben genannten Synthesizer, ist man daher nicht auf LFO (oder Envelope) als Modulationsquelle beschränkt.

Doch bleiben wir kurz bei der „klassischen“ Situation der Pulsbreitenmodulation und gehen – die Pulswelle für sich betrachtend – gar einen Schritt zurück. So möchte ich den etwas banalen Satz loswerden, dass die Pulswelle „als solches“ – ohne Modulation – sehr gut klingt. Vor allem im ausgewogenen „Mittelbereich“, wenn die Pulsbreite bei ca. 50% liegt und der Klang dadurch am meisten Volumen erfährt. Ihrer – im Gegensatz zur Sägezahnwelle – etwas eingeschränkten Obertöne wegen, wird die Pulswelle gerne für flötenähnliche Klänge (sehr, sehr klassisch), „rundliche“ Leadsounds oder „platte“ Bässe verwendet. Bewegt man sich von der hier beschriebenen Rechteckwelle (Pulsbreite bei 50%) weg, so ändert sich das Verhältnis der Obertöne, und damit auch die Klangfarbe. Die Pulswelle wird zunehmend „nasaler“ und dünner.

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Klangbeispiele

  1. Avatar
    READYdot

    Hallo! Ihr Amazonanier! Ich finde eure Artikel immer genial spannend, aber das von Seite zu Seite geklicke nerwt dann doch unheimlich! Könntet ihr nicht einen Link einbauen wo alles dann gleichzeitig angezeigt wird. Das würde mir auch viel angenehmer machen eure Artikel auf meinem iPhone zu lesen.

    MfG,
    Gilles aka READYdot

    • Avatar
      Eylhardt

      Ich unterstütze den Antrag! Und wenn man dann noch die Links auf die Soundbeispiele so ändern könnte, dass sie immer in einem neuen Fenster oder Tab aufgehen, wäre das toll.
      Ansonsten: tolle Artikelreihe!

  2. Avatar
    L. Lammfromm

    Prima Artikel mit zunächst etwas überraschenden, dann aber sehr überzeugenden, ja sogar inspirierenden Schwerpunkt zur Klangkunst bzw. elektronischen Klangkomposition. Die Audiobeispiele sind üppig geraten und schön. Danke Theo!

    • Profile Photo
      Bloderer AHU

      Vielen Dank! Ich habe zur Gegenüberstellung von Monophonie – Homophonie – Polyphonie noch ein Soundfile nachgereicht. Im Zuge der Modular-Testreihe wird mir immer klarer, wie wichtig sehr grundlegende Gesetzmäßigkeiten der musikalischen Umsetzung sind. Die Vorstellung vom klanglichen Ablauf beginnt eigentlich im Kopf – da können diverse Analysen und “Gedanken über die Musik” eine Hilfe sein. Das Gute daran ist, dass die Ideen oder Gedankenansätze “weiterarbeiten”, selbst wenn man gar keine Musik macht – im Alltag sozusagen. Viele Grüße!

  3. Avatar
    wusician

    Auch als “nur Software-User” sage ich Danke für diesen 3-teiligen Beitrag mit den äußerst interessanten Grundlagen der Klangerzeugung und -gestaltung sowie den hervorragenden Audio-Beispielen!

  4. Profile Photo
    TZTH

    Super Artikel!
    Gerade auch wegen dem schönen Exkurs zu Polyphonie etc. Du hast damit möglicherweise wirklich Recht, warum durch die aus der Einschränkung geborenen alten Jarre Sachen dadurch spannender sind. Auch erfreulich, dass Du betonst, dass nicht die Menge an Modulen die Qualität der Musik bestimmt.

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