Green Box: Generalmusic S2 Turbo, S3, S2R Synthesizer

12. Januar 2008

Italienische Super-Workstation

Der Synthex-Nachfolger?

Die Synthesizer-Historie von Generalmusic (firmiert heute wieder unter GEM) lässt sich mit der von Casio vergleichen, denn eigentlich betrat der italienische Keyboardhersteller 1992 Neuland, als er mit seiner ersten Workstation den Platzhirschen Roland, Korg und Yamaha Konkurrenz machen wollte.

Ein wenig koketierte Generalmusic dabei mit dem italienischen Analog-Flaggschiff ELKA SYNTHEX. Einige der Presets nahmen auch direkten Bezug auf den Synthex. Tatsächlich hatte der GEM S2 mit dem Elka Synthex rein gar nichts zu tun.

Wie auch einst bei CASIO mit der CZ Serie war der S-Serie kein durchschlagender Erfolg beschert. Eigentlich zu unrecht, wie der folgende Artikel zeigen wird.

Drei Modelle gab es von dieser Serie. Die 61-Tasten Version S2, die 76-Tasten Version S3 sowie die Rackversion S2R. Im Folgenden werde ich aber immer vom S2 sprechen, da alle drei Modelle klanglich identisch sind und sich nur durch unterschiedliche Tastatur-Ausstattung voneinander abheben.

1994 hatte sich die italienische Zentrale entschlossen, den Vertrieb für den deutschsprachigen Raum an AKAI PROFESSIONELL zu übergeben. Ich war zu jener Zeit Marketingleiter bei AKAI PROFESSIONELL und durfte daher für kurze Zeit die Geschicke der Firma Generalmusic mitbestimmen. Im selben Jahr erschien auch die verbesserte TURBO Version der S-Serie.

Angesichts der schwachen Verkaufszahlen beschlossen wir 1995, den Expander S2R über den Techno-Hype zu puschen. Ausschließlich für den deutschen Markt entstand daher damals folgendes Anzeigenmotiv.

Tatsächlich belebte es den Umsatz und sogar heute noch finde ich in Foren Artikel von Usern, die überzeugt sind, dass einst der S2R in der Techno-Szene sehr beliebt war.

Tut mir leid, aber das ist natürlich weit hergeholt. Klar kann man den S2 selbst bei Techno-Musik einsetzen, prädestiniert ist er aber nicht dafür. Seine Qualitäten liegen in einer ganz anderen Richtung wie der folgende Bericht zeigen wird.

Global Facts

Im folgenden sprechen ich nur noch von der Turbo-Version, die ich auch unbedingt bei einem Gebrauchtkauf empfehlen möchte. Die Turbo Version löste 1994 die Ur-Version des S2 ab. Über einen Einbaukit ließen sich auch die alten S2 der ersten Generation zur Turbo-Version aufrüsten. Mehr über die Features der Turbo-Erweiterung weiter unten im Bericht.

Die S2 Serie (wie gesagt Turbo Version) ist 32-stimmig polyphon im Single-Modus und 16-stimmig polyphon im Dual-Modus. Durch Layers und Splits im Performance-Modus kann die Polyphonie bis zur Monophonie degradiert werden..
Einzelne Sounds (Single und Double) sind in 100 Performances organisiert. Eine Performance kann entweder nur einen Klang beinhalten, ein Layer (aus bis zu 16 Sounds!!!), einen Split (aus bis zu 16 Sounds) oder ein Midi-Multimode-Set mit 16 Midikanälen.

6 MB an Wellenformen sind in einem ROM Speicher abgelegt und decken das übliche Kraut-und-Rüben-Sortiment gängiger Workstations ab. Klavier, Trompeten, Streicher, etwas Ethno, einige analoge Wellenformen und jede Menge Schlagwerk.Spannend ist aber der 2MB große RAM Speicher, in den Samples eingeladen werden können. Der S2 akzeptiert neben seinem eigenen Format (HD Disketten) auch das AKAI S1000 Format. Selbst sampeln geht mit dem S2 allerdings nicht. SCSI oder gar interne Festplatte sucht man leider auch vergebens. Zumindest ist aber LOAD WHILE PLAY möglich um im zeitaufwendigen Ladevorgang beim Live-Gig keine Pause entstehen zu lassen.Nicht vergessen darf man auch die „unterschiedlichen“ Stimmungen, die sich auf Knopfdruck abrufen lassen. (Nicht die Stimmungen Ihrer Frau, für die müssen Sie schon selbst sorgen … wäre aber schön, wenn es da auch einen Knopf gäbe ;-) Bis zu 16 unterschiedliche Stimmungsarten („Temperaturen“) sind verfügbar. Vier davon können sie selbst programmieren. (Bitte auch Audio-Demo ARABIC Style anhören.)

Anschlüsse

Die Italiener sind ein kommunikatives Volk und haben wohl daher mit Anschlüssen nicht gegeizt. Neben einem Summen Stereoausgang gibt es vier Einzelausgänge und die Möglichkeit 3 Pedale anzuschließen. Der Clou ist aber das doppelte Midi-Trio das den S2, dank Sequenzer, zur idealen Live-Midizentrale macht. Ach, den Kopfhörer-Anschluss hätte ich beinahe vergessen.

Leider ist der S2 am Audio-Out etwas schwach auf der Brust. Nicht schlimm, aber eben so, dass man am Mixer noch etwas anschieben muss.

Sequenzer

Auch wenn die Sequenzer in Workstaions gerne vernachlässigt werden, so darf man dem S2 Sequenzer (der auch im Rack steckt) durchaus gute Noten vergeben. 16 Spuren mit maximal 250.000 Events reichen aus um auch komplette Arrangements aufzunehmen. Auch hier macht sich die LOAD WHILE PLAY Funktion positiv bemerkbar. Denn während noch der eine Song läuft, lässt sich bereits der nächste laden. Der aktuelle Song wird erst gelöscht, wenn der nächste Song bereits läuft. Realtime Recording, Overdub etc. sind Standard. Darüber hinaus gibt es einen graphisch aufbereiteten Microscope Editor und – hoppla – Realtime Editing. Ganz nebenbei liest und schreibt der Sequenzer Standard-Midi-Files!!!!

Realtime Fader

Seiner Zeit voraus war GENERALMUSIC vor allem durch die Realtime-Fader. Diese lassen sich entweder einer Spur zuordnen um z.B. bei einen Synthesizer-Sound gleichzeitig Hüllkurve, Filter etc. verändern können, oder einer Funktion. Dann steuert jeder Fader einen Midikanal, aber immer den selben Parameter an. Für diesen Fall gibt es die Shortkeys VOLUME, ATTACK, RELEASE, FILTER 1, FILTER 2 und PAN.

Zwar führt das italienische Design dazu, anzunehmen, die Buttons wären exakt je einem Fader zugeordnet, dies ist aber nicht so. Drückt man VOLUME so sind alle 8 Fader, 8 Audio- oder Midikanälen zugeordnet und erlauben wie ein Mischpult das Einstellen der Lautstärke der ersten 8 Spuren.

Durch und durch italienisched Design

Zusammengefasst: Die Fader arbeiten einwandfrei, erlauben einen schnellen Zugriff auf diverse Parameter dank der Short-Keys und die Zuordnungen lassen sich sogar noch pro Performance abspeichern. Super!

Polyphoner Aftertouch

Viel zu selten gibt es leider Synthesizer Tastaturen mit polyphonem Aftertouch. Lässt man also z.B. nur auf der Taste C4 über Aftertouch ein Vibrato aus, wird auch ausschließlich die Note C4 zum Schwingen gebracht und nicht der gesamte Tastaturumfang wie das selbst bei aktuellen Keyboards (MOTIF, TRITON etc.) der Fall ist. Polyphonen Aftertouch effektiv einzusetzen ist natürlich eine Sache der Übung. Wer es aber mal richtig beherrscht, wird seine wahre Freude dran haben. Überhaupt empfinde ich das Spielgefühl der S2 Tastatur als hervorragend. Ich kenne kaum eine bessere Tastatur unter den Plastiktastaturen.

Display

Der S2 hat nun wirklich schon einige Jahre auf dem Buckel, aber die hell leuchtenden Displays strahlen wie am ersten Tag. Keine Ahnung, wie das GEM geschafft hat. Manche Synthesizer aus der gleichen Zeit lassen sich nur noch mit Taschenlampe und Lupe ablesen.

Dazu kommt das Hüllkurven etc. fein säuberlich und in einer guten Auflösung grafisch dargestellt werden. Rund um das Display sind 14 Funktions-Buttons angeordnet, die selbst in komplizierten Situationen einen direkten und schnellen Zugriff auf einen Parameter erlauben.

Effekte

Damals sicher ein ganz wichtiges Feature, heute nette Dreingabe, die beiden Stereo-Effekte des S2. Die beiden Effekte können über so genannte Librarys mit Einzeleffekten geladen werden. Die Librarys umfassen die beiden Kategorien Hall und Delay. Nicht umwerfend, aber in Live-Situationen vollkommen ausreichend.

Synthese

So sehr ich Bluesynths.com auch schätze, der S2 hat nun rein gar nichts zu tun mit dem ELKA Synthex. Außer vielleicht ein paar nach dem Analog-Boliden benannte Werksounds.

Der S2 erreicht natürlich niemals die Wärme und Fülle – und schon gar nicht den Klangcharakter, eines ELKA SYNTHEX.

Aber: Zum einen machen die resonanzfähigen Filter im S2 einen sehr guten Job, zum anderen ist der S2 die Geheimwaffe in Sachen Pads, Blässer, Ethno und Fantasy Sounds.

Prinzipiell muss erwähnt werden, dass der Single-Modus des S2 nur eingeschränkt nutzbar ist, da Hüllkurven und LFO entfallen. Der Synthie ist dann zwar 32stimmig, aber eignet sich nur noch für das Abspielen von Drumsets, Sampels und Effekten.

Richtig Spaß kommt erst auf im Dual-Modus, wie Sie gleich sehen werden:Die Hüllkurven gehen weit über die typische ADSR Hüllkurven hinaus und erlauben mit bis zu 10 Segmenten und frei setzbaren Loop. (Das toppt selbst den FZ1 bzw. die Hüllkurven des VZ1.) Selbstverständlich können Sie auch Segmente einzeln ausschalten um eine klassische ADSR Hüllkurve zu bekommen. Auf Wunsch gehen aber durch die 10 Segmente extrem abgefahrene Verläufe von Filter und Amplituden.
Übrigens erhält jeder der 32 Sounds seine eigenen Parameter, selbst die Filter sind 32 mal vorhanden!

Apropos Filter:

Der S2 verfügt pro Stimme über 2 Filter. Jeder Filter kann einer der folgenden Filterarten zugeordnet werden: Lowpass, Highpass, Bandpass, Paramteric-Boost und Parametric Cut.

Die beiden Filter sind immer in Reihe geschalten und verfügen über eine Flankensteilheit von 12dB/octave. Bei exakt gleicher Einstellung beider Filter hat diese Filter Kaskade eine Charakteristik von 24db/octave.

Der, die oder das Filter, ganz ehrlich, mir schnurz-piep-egal. Für mich ist und bleibt es DER Filter (und wenn sich Dirk grün und blau ärgert ;-). Jedenfalls klingt DER Filter des S2 wirklich gut für digitale Imitate. Ich würde sagen, er geht in Richtung FZ1 Filter, also bei hohen Resonanzwerten neigt er zur Übersteuerung, klingt unsauber und dreckig, aber irgendwie nicht steril digital. Ich finde, er hat einfach Charakter und deshalb schätze ich den S2 auch.

LFO

Da hat man sich bei GEM leider nicht mit Ruhm bekleckert. Lediglich Tonhöhe, Amplitude, Filter 1 und Filter 2 können moduliert werden. Eine Synchronisation über Midi-Clock fehlt leider auch.

TURBO – The Big Differenz

Also – unbedingt TURBO kaufen weil:

  • – doppelte Polyphonie gegenüber der Ur-Version
  • – 500 statt 350 interne Sounds
  • – sowie einige Software-Verbesserungen (z.B. Single-Oszilator-Mode)

Verarbeitung

Der S2 bringt ganze 16 kg auf die Wage, sein 76-Tasten Bruder gar 18,5 kg. Das Gehäuse ist wirklich robust gebaut und macht sicher auch Live keine Macken. Da kann nichts abbrechen und es stehen keine gefährdeten Teile ab wie Joy-Sticks etc.

Einzig das Eingaberad macht nach einigen Jahren starken Gebrauchs gerne Mucken. Aber diese Krankheit haben z.B. auch die E4 Sampler von EMU. Beim S2 ist das nicht weiter tragisch, da die Parameter auch über Plus/Minus Taster verändert werden können sowie über die direkte Zahleneingabe und teilweise auch über die Controller-Fader. Also keine Panik wenn sie beim Kauf feststellen, das Alpha-Dial spinnt. Bei einem Gebrauchtmarktpreis von ca. 250,– Euro für einen S2, lohnt sich nämlich ein Austausch des Eingaberades nicht.

Generalmusic S2 on YouTube

Fazit

Der GEM S2 ist ein sehr gut klingender digitaler Allrounder. Seinen Zeitgenossen, wie z.B. dem O1W von Korg, ist er klanglich meines Erachtens deutlich überlegen. Die resonanzfähigen Filter laden geradezu zu Experimenten ein. Dies wird unterstützt durch die optimale Bedienung und das grafische Display. Da man sich aber ständig im Performance-Modus befindet, kann man blitzschnell aus einem Single-Sound einen 4fachen Layer basteln, über die Fader für jeden geschichteten Sound GLEICHZEITIG und UNABHÄNGIG voneinander die Filter verändern UND UND UND..Einfach sensationell. Der polyphone Aftertouch ist aber das Tüpfelchen auf dem i!!!! Ich bitte Sie, wo bekommen Sie sonst für 250,– Euro eine sehr gute Midi-Tastatur mit polyphonem Aftertouch???
Mein Tipp: Auf eBay kaufen, testen und bei Nichtgefallen wahrscheinlich zum selben Preis wieder verkaufen. Risiko gleich Null.

Eines ist jedenfalls sicher, der S2 ist auf Grund seiner geringen Verbreitung ein echter Geheimtipp und ein Hingucker dazu!!

Plus

  • Super Grundsound mit 2 resonanzfähigen Filtern pro Sound
  • Polyphoner Aftertouch, sehr gute Tastatur
  • Realtime Control über die Fader und Short-Key Tasten
  • 2MB Sample Ram-Speicher, S1000 kompatibel
  • Sequenzer mit zweifachem Midi-Trio,GM-File kompatibel
  • 16 unterschiedliche Scales (Stimmungen)
  • 6 Audioausgänge
  • sehr starke Library verfügbar, die jeweils über satte Demosongs das Soundpotential toll anspielt

Minus

  • SCSI wäre der Hit gewesen
  • Alpha-Dial sehr schnell abgenutzt
  • wenige Modulationsziele des LFOs

Preis

  • Derzeitiger Gebrauchtmarktpreis liegt bei ca. 250,-- Euro für einen S2 TURBO
Klangbeispiele
Forum
  1. Avatar
    AMAZONA Archiv

    Der Artikel ist gut geschrieben und inhaltlich zutreffend. Hatte bis vor kurzem auch noch einen S2 als MidiController und polyphones AT machte wirklich Laune. Die Sounds sind m.E. nur in einigen wenigen Fällen noch zeitgemäß. Masse und Gewicht zwangen dann irgendwann zum Ausmisten bei ebäh – tatsächlich für knapp 250€.

  2. Avatar
    AMAZONA Archiv

    Leider ist der Artikel unvollständig. Nach dem S3 war bei GEM das Thema Workstation noch nicht durch. Wieso wird der direkte S3-Nachfolger EQUINOX mit keinem Wort erwähnt?

  3. Profilbild
    Tyrell  RED 2

    Hallo Frank, der Equinox gehört nicht unmittelbar zur S-Serie. In einem Artikel zum Korg M1 wird ja auch kein Korg Trinity oder Triton erwähnt ;-). Grüße, Peter

  4. Avatar
    AMAZONA Archiv

    Toller Bericht, ich "arbeite" bereits seit über 10 Jahren mit dem S3 Turbo und freue mich, dass er sogar noch was wert ist ;-) Ich könnte noch ein paar von diesen Sound-Disketten brauchen, wenn jemand welche hätte…. (ulrich_s@hotmail.com) Stay tuned!

    (Ps: beim Satz mit den Stimmungen und der ausschweifenden Anmerkung bezüglich der Stimmungen der eigenen Frau scheint mit dem Autor für einen kurzen Moment sein Temperament durchgegangen zu sein ;-))

    • Avatar
      AMAZONA Archiv

      Hallo,
      sehr guter Bericht und tolle Beschreibung !!!

      kann mir jemand sagen wie man Sounds vom PC in den S2 bringt ?
      Wie ist das mit den 1,60 MB Disketten ? gibt´s einen editor ?

      Danke

  5. Avatar
    AMAZONA Archiv

    Hallo Peter, als direkter, auch und gerade, technischer Nachfolger des S3 und letzter Ableger der Kategorie Synthesizer-Workstation von GEM, wäre eine Erwähnung des EQUINOX m.M. nach zwingend gewesen. Um deinen KORG-Vergleich aufzugreifen: wer einen Artikel über die M-Serie Workstations schreibt kommt der Vollständigkeit halber auch nicht um einen Nennung der T-Serie und 01/W herum.

  6. Avatar
    AMAZONA Archiv

    Hallo! Ich habe den S2 Turbo und bin mit ihm soweit, all die Jahre, immernoch ganz zufrieden.

    Allerdings finde ich es sehr schade, dass es mir leider nicht gelungen ist, für diesen unterschätzten Synthesizer, ein Sound- oder Editorprogramm für Atari oder PC zu finden. Kennt zufällig jemand ein solches? Für evtl. Hilfe wäre ich sehr dankbar.

    Kennt jemand vielleicht auch Seiten, wo es Sounds gibt?

    Sollte jemand zufällig Seiten oder ein Programm kennen, kann mir gern schreiben, aber auch zum Erfahrungsaustausch, wäre ich gern bereit: nostalgiger@freenet.de

    Vielen Dank und viele Grüße
    Mike

  7. Avatar
    AMAZONA Archiv

    Hallo! Ich bins nochmal… Nach fast endlosen Suchen und Ausprobieren, habe ich nun endlich eine Möglichkeit gefunden, wie man S2 Sounds und Samples auf dem PC archivieren kann, aber auch diese widerum auf den S2 bekommt. Bei Interesse helfe ich gern weiter. nostalgiger@freenet.de Viele Grüsse Mike

  8. Avatar
    AMAZONA Archiv

    Ich hab das Ding nun auch schon einige Jahre und daß es keinen Editor für diverse rechner gibt wundert mich nicht denn das Sysex-Format ist neben dem des JX-10 eins der übelsten die mir jemals unterkamen (und ich habe im Rahmen von Polyframe und Sounddiver einige Formate kennengelernt und bekämpft). Mit einem Universaleditor wie Sounddiver ist da nichts zu wollen, zu speziell der Handshake etc, da muß man selbst programmieren.

    Was auffällt:
    1. Die komplette Software wurde scheinbar auf einem Atari entwickelt und auch dort anleihen gemacht. Entwickler war ein Deutscher Namens Jürgen Schmitz
    2. Die Verarbeitung dieser Kiste ist beispiellos. Vor allem die Tastatur hat noch echte Kontakte, nix Gummi+Kohle.

    3. offenes System: sowohl bei Soft und Hardware sind Schnittstellen für Erweiterungen vorhanden. Eine RAM-DISK kann man einfach durch Stecken von 4 SRAMs auf das Turbo-Board einbauen, einfacher gehts nimmer. Auch eine SCSI-Schnittstelle ist vorgesehen, aber scheinbar nie realisiert worden, zudem kann man per Diskette auch Zusatzmodule nachladen. Sysex war bei Nicht-Turbos eine Nachladeoption, später dann im ROM.

    4. leider ist das letzte OS nicht fehlerfrei. Schonmal probiert einen Tastatursplit zusammen mit reduzierter MIDI-Dynamik einzusetzen? Geht nicht. Somit kann man keinen TX802 im Splitmode ansteuern, für mich sehr ärgerlich. Für jemanden der 68xxx-Assembler kann sicher schnell zu finden dieser Fehler, kann nix Wildes sein, aber erstmal der Aufwand des „zerlegens“ – ich schiebs schon Jahre vor mir her:)

    5. Sound. Ich verstehe nicht warum diese Kiste keiner haben will. nur weil GEM draufsteht? Scheinbar haben die Wenigsten mitbekommen daß GEM die Entwicklungsabteilungen von Elka und Crumar eingesackt hat – man merkts der Kiste IMO an. Selten einen digitalen Synth aus dieser Zeit gehört der so analog klang wie der S3 Turbo. Ich bin immer wieder erstaunt wie gut diese Kiste meinen weggegebenen JX-10 bei den Dual/Layer-Flächen imitieren kann. Da ist ne Menge Dampf dahinter.

    6. Tastatur: Fatar, made in italy, was sonst? Die können das. Nach vielen Jahren JX-10 habe ich mit dem S3 Turbo meine Leib-und Magen-Tastatur gefunden. Kunstoff und leicht gewichtet, damit komme ich bestens zurecht.

    Es gab mal eine Seite mit Sounds und Samples, aber die weiß ich nimmer auswendig. Einen Editor für DOS hatte ich mal gesehen, Atari und Mac leider Fehlanzeige. Würde mich interessieren was Du da gefunden hast, Mike!

    LG Dietmar

  9. Avatar
    AMAZONA Archiv

    Hi DietmarVolle Zustimmung, ich finde den S3 Turbo nach wie vor eine Superkiste, toller Sound, Supertastatur. Ich würde gerne mal in die Tiefen des sysex eintauchen, doch die Dokumentation, die ich habe reicht mir nicht aus (habe nur die Turbobeschreibung), vor allem fehlen mir die Bescheibungen der .h include-Dateien auf die im Manual refenziert werden. Falls du mehr Dokus zum Sysex hast als im Manual, bin ich sehr interessiert daran: dani@sturzberg.chHerzlichen Dank jetzt schon.GrussDani

  10. Avatar
    AMAZONA Archiv

    Hallo S3 turbo-liebhaberIch hab mir vor vielen viele Jahren den S3 turbo gekauft(neu).Nun da waren Midifiles und demos,Drums usw. dabei. Ich habe noch ein Korg aber dessen midis laufen auf dem S3 nicht. Eigentlich spiele ich seit Jahren nur die mitgelieferten songs ab.Wer kann mir da helfen das ich auch GM Formate ablaufen lassen kann. Danke

  11. Avatar
    AMAZONA Archiv

    @dani: erst jetzt gesehen, ich schau mal was mein Archiv hergibt, iirc war da auch mal was auf http://www.equinoxx.com rumgelegen …@jörg: SMF sollte der schon spielen wenns Diskettenformat paßt, aber das ist zu lange her daß ich das letzte mal was damit machte, habe das gute Stück die Tage mal abgeswiffert und nu siehts aus wie neu:)Gruß, Dietmar

  12. Profilbild
    Yogi1506

    Hallo,

    ich habe mit vor gut einem Jahr mehr durch Zufall günstig einen S3 zugelegt, leider ist dieser ohne Turbo-Kit. Nichtsdestotrotz eine Maschine, die bei Analogklängen sehr fett klingt, ohne viele Sounds stacken zu müssen. Leider sind einige Samples im internen ROM für heutige Verhältnisse unbrauchbar (für den ultimativen Flügelklang gibts bestimmt andere Lösungen). Ich bin immer noch ein Fan dieses Synthesizers.
    @Mike:
    Durch meine Suche nach einem Turbo-Kit für das Gerät bin ich dann auch auf eine Homepage gestoßen, auf der eine Menge Sounds und Samples zum Download bereit stehen (außerdem ein Forum etc.). Alles leider in italienisch. Wer es sich anschauen möchte (alles legal!):

    http://xoo.....turbopage/

    Ansonsten: Wenn jemand noch zufälligerweise ein Turbo-Kit sein Eigen nennt und dieses geren los werden möchte, bitte bei mir melden.

    Viele Grüße

    Jörg

    • Profilbild
      Wesyndiv

      Hi Yogi,

      ein Musikverkaufsladen hier in Köln wollte damals immer bis zu 1000 DM für Kit und Einbau haben. Drei Tage nach meinem letzten Anruf find ich das Kit bei denen in der Grabbelkiste für 50 Kröten.

      Halterung, bestückte Platine+Stecker, Pufferbatterie, diverse Käbelchen und Kleinteile und nicht vergessen, den „Turbo“ Aufkleber. ;-) Achso, Einbau und Bedienungsanleitung müsst ich suchen.

      Allerdings kriegt man den gebraucht so günstig das sich ein Einbau nicht lohnt und selbst löten kann ich immer noch nicht ;-).

      Anmerken möchte ich noch: Wer sich einen Gebrauchten zulegt. Die Kupferplättchen in den Schaltern sind nach einiger Zeit durch.
      Endlosregler problematisch. (Aber alles nur durch all zu regen Gebrauch).

      Habe Die defekten einmal austauschen lassen. Lohnt sich dann auch nicht mehr.

      Die Kontakte der Tastaturfedern und die Federn selbst hab ich selbst gereinigt und er spielt sich wieder wie ne Eins.

      Verwende ihn sehr selten. Spaß macht er mir durch die Multisegmenthüllkurven bei den Flächen und durch clippboards kann man sich einigen Aufwand ersparen. Einmal erstellen und auf immer anderen Kram anwenden ;-).

      schönen Gruß
      Wesyndiv

      Gruß
      Wesyndiv

  13. Profilbild
    microbug  

    Das Turbokit ist nichts Besonderes, sondern letztlich nur eine Speichererweiterungsplatine. Die Schaltung selbst ist simpel, kann man nachbauen. Kern und clou des Ganzen sind die neuen ROMs, und ohne die geht nichts. Wer die sucht, wird auf der hier genannten italienischen Seite fündig, sind im Forum versteckt.

    Obacht geben sollte man vor allem auf den meist bei den Turbos verbauten Pufferakku (mal wieder so ein Varta-Murksdings), wenn der nicht mehr will schleunigst auswechseln, sonst hat man schnell den Polysix-Effekt: Platine hin. Einfach gegen eine CR2032 austauschen, aber nicht vergessen, den Ladewiderstand durch eine Diode zu erstzen, sonst knallts innen. Im neueren Schaltplan und auf neueren Platinen wie meiner ist bereits die Diode eingezeichnet (und bei einem NC-Akku mit einem Widerstand bestückt) – einfacher gehts nimmer.

    Was mir nach meinem Batterietausch auffiel:
    – Datum geht nur bis 2011 einzustellen
    – nach Batterietausch spinnt die Einstellung teilweise, daher einfach erstmal irgendwas einstellen, Menü verlassen und nochmal reingehen, dann ist alles korrekt. Scheinbar greift die Überprüfung der Einstellung erst nach einer Eingabe.

    Zu Punkt 4 meiner Aussage weiter unten: Das ist kein Firmware-sondern ein Denkfehler meinerseits gewesen, weil bestimmte Sachen nicht in allen Modi gehen. Zudem ist der Velocity Range Einsteller nichts Anderes als ein Werkzeug, um 2 oder mehr Klänge über die Steuerung der Anschlagstärke anzusteuern. Wenn ich also eine max. Velocity von 100 dort einstelle, wird der jeweilige Sound ab dieser Anschlagstärke einfach nicht mehr erklingen.
    Mit der passenden Einstellung läßt sich jetzt auch mein TX802 ordentlich ansteuern.

    • Profilbild
      franklight

      Hy, bei meinem S2 war auch der akku kaput,ist aber noch was anderes hin, deshalb suche ich einen Schaltplan, kann da jemand weiterhelfen?

  14. Profilbild
    funexpress

    Toller Artikel. Man merkt dem Schreiber an, das er das italienische Teil genauso mag wie ich. Habe den S3 damals von meinem Kumpel gekauft und nach einer defekten Batterie und Austausch eines Floppylaufwerks steht er immer noch bei mir rum.
    Habe ne Menge Songs mit dem Teil gemacht. Denke mal in 10 Jahren hab ich ihn immer noch :-)

  15. Profilbild
    Wangan

    Wie ist denn jetzt diese 90s Popdemo gemacht,kommt die direkt aus dem Synth,klingt ja bald besser als das Original,wurde der bei dem Song auch verwendet,gebt mal Details? :)

    • Profilbild
      Tyrell  RED 2

      Das ist tatsächlich einfach eine Werksdiskette die der S3 abspielt. Samples und Sequenzer – alles nur S3 – ohne externe Effekte oder EQs.

      • Profilbild
        Wangan

        HI!

        Also Respekt,finde der Shanice – I Love Your Smile Titel klingt super toll! :)
        Geht der Track vielleicht noch weiter,könnteste evtl. die ganze Demo mal online stellen?

  16. Profilbild
    Ramiri

    Der Bericht war sehr ausführlich nur fand ich es Schade das der S2r nicht weiter erwähnt wird. Mich würde z.B. sehr interessieren ob man den S2r auch in der Turboversion zu bekommen kann. Ich habe gerade ein Händler aufgetan der noch ein S2r original Verpackt hatte. Ich habe ihn z.Z. Zum testen bei mir zu Hause und habe festgestellt das es die normale Version ist.
    Gibt es eine Turbo Version? Wenn ja kann man das Turbo Kit noch bekommen?

    • Profilbild
      Tyrell  RED 2

      Ja, den S2R gibt es ebenfalls in der Turbo-Version. Leider kann man die Turbo-Option heute nicht mehr nachkaufen.

      • Profilbild
        Ramiri

        Gibt es sonst eine Möglichkeit den S2r aufzurüsten? Ich habe irgendwo mal gelesen, das jemand eine Festplatte eingebaut hat und dafür flog das Diskettenlaufwerk hinaus.
        Gibt es noch Schaltpläne zum S2r?

        • Profilbild
          Tyrell  RED 2

          Tut mir leid, keine Ahnung. Da musst du in einschlägigen Foren auf die Suche gehen.

Kommentar erstellen

Die AMAZONA.de-Kommentarfunktion ist Ihr Forum um sich persönlich zu den Inhalten der Artikel auszutauschen. Sich daraus ergebende Diskussionen sollten höflich und sachlich geführt werden. Haben Sie eigene Erfahrungen mit einem Produkt gemacht, stellen Sie diese bitte über die Funktion Leser-Story erstellen ein. Für persönliche Nachrichten verwenden Sie bitte die Nachrichtenfunktion im Profil.