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Green Box: Korg Wavestation


Das Erbe des Prophet VS

Auf zum Wellenreiten…

Denken wir uns einfach mal 19 Jahre zurück. Synthesizer-Entwickler und Sequential-Circuits Gründer Dave Smith landete nach dem Konkurs seiner Firma erst kurz bei Yamaha und dann in der Entwicklungsabteilung von Korg. Dave Smith war nicht nur der Vater des überaus erfolgreichen Prophet-5 Synthesizers, sondern zeichnete unter anderem für den zukunftsweisenden Prophet VS verantwortlich. Leider war der Prophet VS seiner Zeit voraus, die potentiellen Kunden konnten sich zu jener Zeit eher für FM-Sounds und naturgetreue Samples begeistern.

So kam es, wie es kommen musste: Der Prophet VS verkaufte sich schlecht und wurde ein Ladenhüter. Erst nachdem die Firma „Sequential Circuits“ vom Markt verschwand, wurde dem VS endlich mehr Beachtung geschenkt. Leider war das Schicksal des Unternehmens dann schon besiegelt. Bei Korg fand Dave Smith schließlich ein neues Zuhause und konnte seine Vision der Vektor-Synthese weiter verfolgen. Das Ergebnis war ein neu entwickeltes Instrument, das auf den genialen Namen Wavestation hört.

Korg Wavestation

Korg Wavestation

Die aus dem Prophet VS übernommene Vektorsynthese wurde hierbei weiter verfeinert und um neuartige Funktionen wie Wave-Sequencing erweitert. Als Korg die Wavestation im Jahre 1990 erstmals dem Fachpublikum vorstellte, wurde sie mit Lobeshymnen nur so überhäuft. Bis dahin ungehörte Klänge lösten große Begeisterungen aus und ließen einem wortwörtlich das Wasser im Munde zusammen laufen. Korg wollte mit der Wavestation an den Erfolg der M1 anknüpfen. Leider gelang das jedoch nicht.

Betrachtet man heutzutage die Eckdaten der Wavestation, so wird mancher Leser bei nur 2 MB Samplespeicher (in der Grundversion), resonanzlose Filter, langsame LFOs und fehlende Funktionen wie Ringmodulation etc. nicht gerade euphorisch werden. Trotzdem wird die Wavestation heute immer noch sehr gerne eingesetzt und ist nach wie vor äußerst populär. Warum?

Die Verkaufs-Argumente für die Wavestation EX... ;-)

Die Verkaufs-Argumente für die Wavestation EX… ;-)

Nun zum einen haben sich die Sounds der Wavestation zu einer Art Industriestandard entwickelt, wenn es um Filmmusik und -vertonung geht. Brachiale Klänge sind nicht so ihr Metier, die Wavestation schlägt eine eher ruhigere Gangart ein. Ambient und Soundtracks – da ist die Wavestation zu Hause.

Konzeptionelles

Während die meisten anderen Synthesizer statische Wellenformen verwenden, geht die Wavestation einen völlig anderen Weg. Die schon aus dem Prophet VS bekannte Vektorsynthese erlaubt, das Lautstärkeverhältnis von bis zu vier verschiedenen Klangquellen mittels eines Joysticks – die Steuerung erfolgt dynamisch und in Echtzeit. Das Ergebnis sind leicht morphende und sich ständig verändernde Klangverläufe. So kann zum Beispiel ein perkussiver Glöckchen-Sound in einer Fläche überblendet werden, oder ein harter Digital-Sound kann in einer warmen Analog-Fläche enden. Der Fantasie sind hierbei keine Grenzen gesetzt.

Die Wavestation kann schon auf Wellenform-Ebene ein enormes Klangspektrum entwickeln, was mit anderen Synthesizern beim besten Willen nicht hinzubekommen ist. Und fast so, als wäre das alles noch nicht genug, gab man der neuen Wavestation noch eine bis dato völlig unbekannte Funktion auf den Weg. Die Rede ist vom …

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Klangbeispiele

  1. Avatar
    falconi

    Ganz so rosig ist es nicht mit der Langlebigkeit:
    Bei ALLEN Wavestations mit Punktmatrix-Display (also allen Modellen ausser der SR) schwächelt die Displayhinterleuchtung, wenn diese oder das gesamte Display nicht bereits getauscht wurden. Ein generelles Problem aller Geräte mit grafikfähigem Display, die von einer EL-Folie hinterleuchtet werden (alle grafikfähigen Displays der späten 80er bis späten 90er). Ein Ersatz ist mittlerweile nur noch mit erheblichem Umstand zu beschaffen gar nicht mehr über Korg oder den Hersteller des Displays. Für den Tausch muß gesamte Wavestation komplett zerlegt werden.
    Ich habe in meiner Wavestation EX mittlerweile ein recht teures Display von Roland…aus Schweden.

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      laubi

      habe die Prozedur EL-Folien-Tausch auch schon hinter mir… sehr grosser Aufwand bei der Tastaturversion, bei der A/D ohne größere Eingriffe. Mit etwas Vorsicht ist der Tausch relativ einfach: Alte Kontakte ablöten und entfernen, neue Folie über die alte schieben, anlöten – fertig.
      Die EL-Folien hab ich übrigens von „www.midi-rakete.de“ – Stk. ca. 30 Euro – Investition lohnt sich, da so gut wie alles bei der wavestation über das Display abläuft…

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    FischerZ

    DIE WS-Ex war mein erster richtiger Synth. Leider habe ich die Kiste aus Dummheit verkauft aber es gibt ja die VST-Version. Klanglich kein Unterschied aber viel besser zu programieren. Wie die Beispiele sehr schön zeigen ist die WS auch heute noch ein guter Lieferant von tollen Pads.

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    gaffer

    Dem Test würde ich in fast allen Punkten zustimmen. Allein der Ruf nach Reso Filtern kann ich nicht ganz nachvollziehen. Resonanzfilter sind bei wellenformarmen Synths notwendig und wer einen Sweep hören will, kann dafür ja einen seiner anderen 26 Synths bemühen. Diese Syntheseform zielt woanders hin und wie sagte vor vielen Jahren ein Waldorf Werbespruch: eine gefilterte Geige ist kein neuer Sound sondern eine dumpfe Geige, oder so ähnlich….Frohe Eier

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    laubi

    habe alle WS-Modelle, die SR dürfte dieselben Wandler wie die 01/W-Serie verwenden (gleiches PCM-Format), ist um einiges klarer als EX und A/D (M1-Wandler?), dafür aber im Bass nicht so präsent. SR = mehr HiFi.

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    kpr

    Die Zugabe Piano-Multisample war ein Tribut an die Tanzmusiker, die damals wichtig als zahlungskräftige Kaufkundschaft waren. Klar als Synthi wollte Korg die ursprünglich WS getaufte Sache dennoch positionieren. Mit Wave Slicing war eine Idee umgesetzt worden, Filterbewegungen analoger Synths zu simulieren. Daher die entsprechenden Wellenformen im notgedrungen kleinen ROM. Soweit ich weiß, hat John Bowen die Samples beigesteuert.

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    filterfunk

    Ich hatte mich damals mit der Wavestation A/D ziemlich intensiv beschäftigt, und konnte diese auch gewinnbringend bei Produktionen einsetzen. Dennoch war die Wavestation meilenweit von dem enfernt, als was sie damals auch in der Fachpresse gepriesen wurde: Als Klang- und Synthese-Monster. Die Möglichkeit der wavesequencen war zwar nett und machten schon was her, dennoch hatte man diese recht schnell über. Und dann wurde es eng: Keine resonanzfähige Filter, und dann der typische Korg \

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      FischerZ

      Korg hat die WS nie als ….Monster angepriesen sondern als ein Instrument mit einer Quasi neuen Synthesetechnik. Klar hatten die PPG Instrumente mit ihren Wavetables eine gewisse ähnlichkeit. Der Vorteil des Wavesequencing besteht darin das die Anordung der Waves verändert werden konnte und Filter mit Resonance, vielleicht dann auch noch die 24dB/Octave Moogkaskade,hat man nun doch schon genug gehört. Dave Smith hat mit der WS den Synth der 90er erschaffen und da ziehe ich meinen Hut davor.

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        filterfunk

        Ich sprach von „Fachpresse“: Im amtlichen Test der A/D- Version, in der Fachzeitschrift „Keyboards“ wurde der A/D damals sehr wohl als das wohl ergiebigste Synthsschlachtschiff angepriesen. Ich hatte mir deshalb den Synth zugelegt. Es erging mir aber dann wie im Beitrag von user elektronalin beschrieben. Den Grundsound der Digitalsynths Anfang der 90er, mit einer ausschließlich auf Samplerom basierenden Klangerzeugung habe ICH PERSÖNLICH einfach über. Insbesondere den von Korg (das wollte ich noch erwähnen, ich höre denn schon den Aufschrei der JD800 freaks). Das an sich tolle wavesequencing, o. osc-hardsync kann daran auch nichts ändern.

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          FischerZ

          Wie bei vielen anderen Dingen alles eine Frage des Geschmacks. Die analogen Sounds werden einem in fast jeder Produktion um die Ohren gehauen. Mir sind die neuen, anderen Klänge, auch wenn diese als Digital beschrieben werden, lieber denn mit diesen Instrumenten kann ich eher Klangforschung betreiben. Ein Sägezahn und ein Filter sind, für mich, nicht so ergiebig wie ein großer Fundus an Waves mit denen ich basteln kann. Das gilt auch für die Wavetablefraktion von PPG oder Waldorf. Wie der Affe schon meinte als er in die Seife biss. Alles Geschmacksache.

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    Schorsch

    Ein toller Bericht! Ein Feature fehlt mir dennoch in der Beschreibung: auch Osc-Hardsync ist möglich, was es meines Wissens nach bei den Digitalen damals sonst nur im Roland JD990 gab. Dabei spielen bei Nutzung aller 4 Teilklänge eines Patches dann OSC1 2 und 3 4 zusammen, ergibt also 2 separate Sync-Sounds in einem Patch.Das mit der Resonanz-Simulation per Overdrive-Effekt funktioniert ganz gut, nur kann man dieses „Filter“ nicht per Hüllkurve steuern. Hier ist also Controller-Einsatz gefragt.

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      Marko Ettlich RED

      Schorsch, da hast du absolut recht. Hard-Sync ist bei der Wavestation, als ein ganz seltenes Feature bei sample-basierten Synthesizern vorhanden und kann je nach Wellenform sehr eigenwillige Klänge hervor bringen.

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    elektronalin

    Ja, er war auch mein erster, Luxus-Synth, nach einem DW8000 und einem Poly61M.

    Als ich damals die ersten Flächen von der Wavestation EX angespielt hatte, da musste ich ihn haben, aber irgendwie bin ich dann doch lieber bei den warmen analogen Sounds geblieben und habe die Wavestation EX wieder verschleudert.

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