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Green Box: Yamaha VL1, VL1-m, VL7, VL70-m Physical Modeling

Der Driver

Am Anfang ist das Mundstück. Es modelliert ein Doppelrohrblatt, das durch Luftdruck oder Impulse angeregt wird und zudem komplexe Rückkopplungen von der Pipe erhält. Hier gibt es an die 30 Parameter wie z.B. Druck, Breite, Chaos, Viskosität, Resonanzen und der Zusammenprall der Blättchen. Das Ganze kann von einem Growl-LFO moduliert werden, was Zungenrolleffekte bis hin zu Streichertremolo erzeugt.
Es gibt eine stattliche Anzahl von Rauschtypen für den Luftdruck, wie metallisch, hölzern, plastikartig bis spuckig, die noch gefiltert werden können, bevor sie das Mundstück anregen. Der Impuls, auch wichtig für das Anzupfen von Saiteninstrumente, lässt sich in der Pulsbreite ändern, filtern und am Mundstück oder Pipe einspeisen.
An das Mundstück ist ein weiterer Throat-Resonator gekoppelt, der die Resonanzen im Rachenraum simuliert. Die Formantfrequenz und die Neigung zum chaotischen Geräusch sind selbstverständlich regelbar und haben wieder eigene HP/LP-Filter.

Yamaha VL1

Pipe/String

Als nächstes kommt die Pipe/String-Sektion, die für die Resonanz einer Luftsäule oder Saite zuständig ist. Hier gibt es weitere 8 verborgene Parameter, die maßgeblich für den Wohl- oder Unklang des Instruments sind. Hier gibt es neben der Hauptröhre eine Röhre für das Mundstück und zwei weitere Nebenresonanzen. Das zusammen kann für metallische Nebengeräusche für weiteren Realismus sorgen, was hauptsächlich für  Blechbläser wichtig ist. Einstellen lassen sich auch Dämpfung, Absorption und die Registerlage, ab wann die Obertöne Oberhand gewinnen. Es gibt wieder einen eigenen LFO für den Pitch und den Lippenansatz (Embouchure), der sich indirekt an Klangfärbung und Ansprache äußert.

Die Physik der Rohres in hellblau

Die Physik der Rohres in hellblau

Harmonic Enhancer

Danach in der Kette der Klangerzeugung ist der Harmonic Enhancer, ein komplexer FM-Effekt. Er besteht aus zwei „Operatoren“ Carrier und Modulator, die direkt von unterschiedlichen Signalquellen des Instruments gespeist werden. Diese Wahl der Quelle erzeugt dramatische Klangunterschiede. Das können sein: Normalmix, Breath Noise im Mundstück, Sättigung der Luftgeschwindigkeit im Mundstück, Beat (Kontaktgeräusch beider Blättchen), Reed (Direktsignal der Blättchen, Friction (Luftschlitz zwischen Reed und Kopfstück). Rückkopplungen und Overdrive und Filter lassen sich in weiten Bereichen verändern.

Impulse Expander, Resonatoren & Filter

Danach gibt es den Impulse Expander, der den Transienten bzw. schärferen Geräuschen durch resonierende Reflexionen weitere metallische Obertöne hinzufügt. Die nachfolgenden Resonatoren kommen mir schon vom Lexicon LXP1 bekannt vor: fünf stimmbare Delay-Lines mit gegenseitiger Beeinflussung, Diffusion, Filter etc. Das gibt, sparsam eingesetzt, dem Instrument weiteren Charakter und reicht im Extremen zu spacigen Mega-Gongs. Bevor das Signal in die wirklich gute Effekt-Sektion gespeist wird, durchläuft es noch ein konventionelles dynamisches Filter – subtraktive Synthesizer-Sounds müssen ja auch möglich sein – und einen parametrischen 5-Band Equalizer.

Key Scaling aller Parameter bis zum Abwinken

Key Scaling aller Parameter bis zum Abwinken

Wem das noch nicht genug Parameter sind, der kann sich ganz in Yamaha-Manier in den Key-Scalings austoben. Fast alle (!) Parameter lassen sich abhängig von der gespielten MIDI-Note über mehrere Stützpunkte skalieren und geben der Grundeinstellung des Instruments eine weitere Dimension an Komplexität.

Die eigentliche Physik wird nur von einigen (prinzipiell 32 plus deren Key Scalings) Parametern bestimmt, die es aber in sich haben und vermutlich nur von einer handvoll Experten auf dieser Welt meisterhaft intoniert werden können. Die anderen Parameter sind aber vom Benutzer am Gerät veränderbar. Vieles davon ist in Echtzeit steuerbar und kann beliebigen Controllern zugeordnet werden. Diese Parameter sind: Growl, Blasdruck, Rauschen, Embouchure, Zungenansatz, Scream, Throat, Pitchbend, Vibrato, Absorption, Dämpfung, Filterfrequenz und Harmonic Enhancer. In einem der Soundbeispiele habe ich mit einem Dauerton experimentiert, wobei alle diese Parameter mit einer MIDI-Faderbox live verändert wurden. Erstaunlich ist die Bandbreite des sich ergebenden Klangspektrums.

Klangmöglichkeiten

Der VL1 ist entweder bi-timbral oder 2-stimmig polyphon spielbar. Jedes der zwei Elemente kann ein eigenständiges Instrument simulieren. Es sind im Prinzip auch mehrere Geräte kaskadierbar, so dass man sich einen 16-stimmigen Synthesizer zusammenstellen könnte, würde man sich acht VL1 leisten wollen. Allerdings sind die einzelnen Sounds oft derart mächtig, dass alles leicht in einen monströsen Brei versinken würde.

Aber auch in Quinten gestimmte E-Gitarrensounds sind möglich, angeblich rockt kein Synthesizer auf der Welt so wie ein VL1. Aus dem VL1 kommt außerdem natürlich die am besten klingende Saxofon-Simulation heraus, die ich je gehört habe. Auch Trompete, Oboe etc. gibt es in etlichen überzeugenden Varianten.

Yamaha VL1 im Neonlicht mit PC-Editor

Da fängt aber das Dilemma an: Soll es wirklich authentisch klingen, dann muss auch geübt werden. Hat man dann ein virtuelles Instrument gemeistert und weiß, wann der Ton kommt, steht oder umkippt, dann beherrscht man eben nur dieses eine Patch richtig. Wenn ich dann auf Cello oder Gitarre umschalte, verhält sich alles wieder ganz anders. Wie richtige Instrumente eben. Oder anders gesehen: Wenn ein Instrumenten-Take mit entsprechenden CCs endlich im MIDI-Sequencer steht, dann ist dieses Take kaum auf ein anderes Patch übertragbar.

Man kann nun anhand des Instrumenten-Editors nach Herzenslust an den Patches biegen, so dass nicht mehr viel vom Originalklang übrigbleibt. Man denke an eine 100 m lange Posaune mit klebrigem Mundstück, unter Wasser. Das Problem ist, es klingt zu oft nach verstimmten Öltanks, über 90% der selbst kreierten Sounds sind nicht wirklich gut. Will sagen, man muss sich wirklich lange mit dieser Klangerzeugung beschäftigen, um tolle Sachen damit machen zu können. So habe ich in den Klangbeispielen, neben den Simulations-Highlights auch einige Klangexperimente beigefügt, die an die Grenzen der physikalischen Modelle gehen.

Yamaha VL70-m

Verwandtschaften

Es kamen zunächst die Keyboard-Version VL1 und die obligate Rack-Version VL1-m mit zweistimmiger Klangerzeugung heraus. Diese zwei Stimmen lassen sich übereinander legen oder polyphon spielen. Der kleine Bruder VL7 musste nur mit einer Stimme auskommen.
Die letzte Variante war die Low-Cost-Version VL70-m, die im Vergleich zum VL1 recht dünn klingt, einstimmig ist und der seltsamerweise die Version2-Verbesserungen vorenthalten wurde.

Yamaha VL7

Diese Variante wurde auch in etlichen Plug-ins neuerer Synthesizer integriert. Sehr fern verwandt ist der 16-stimmige VP1, dessen Modell sehr viel abstrakter ist und sich mehr an dem Saitenmodell orientiert. In Deutschland gibt es davon nur wenige Stück und wurde zuletzt gemeinsam mit dem Yamaha VL1, CS80 und GS1 in Berlin 2018 auf der Superbooth gesichtet.

YT-VIDEO

Zum Yamaha VL1 gibt es zahlreiche YT-Videos, aber wir empfehlen tatsächlich das folgende Video in japanischer Sprache!!! Weil: Erstens mögen wir den Chanel musictrack.jp und zum anderen ist er einer der ganz wenigen, der den Yamaha VL1 mit seinem wahren Soundpotential beeindruckend demonstrieren kann:

Fazit

Aus heutiger Sicht kann man dem Physical Modelling leider keinen Markterfolg bescheinigen. Ein Jammer, dass Yamaha das Gerät nur als Saxophon-Simulation vermarktet hat. Ein günstigerer Preis und mit ein paar VP1-Modellerweiterungen hätte man die Synthesizer-Zunft bis heute damit begeistern können. Ein weiterer Grund scheint mir auch klar: viel zu kompliziert! So hat der VL1 über 1000 (!) Parameter, die auch noch holistisch wirken, also einzelne Veränderungen wirken sich kaum aus, sondern erzeugen im Extremfall eher ein verstimmtes, krächzendes Instrument. Man muss also an vielen Parametern gleichzeitig gekonnt drehen, um wirklich ein neuartiges und gut klingendes Patch zu erzeugen. Und dann muss man sich wirklich Jahre intensiv damit beschäftigen, in Zeiten von sinkenden Frustrationsschwellen überlässt man so etwas lieber den Asiaten. Diesen Trend hatte das Yamaha Marketing auch aufgrund des schwächelnden Absatzes beobachtet und hatte das große Betriebssystem-Update zur Version 2 unter dem Techno-Fahrwasser beworben und dem VL1 noch ein paar TB303-Bässe und Distortion-Sounds spendiert – nur leider nicht die VP1-Modelle.

Die kleineren Modelle, allen voran die Rackvariante VL70-m und dessen diverse Variationen, die als Erweiterungskarten für einige Yamaha Synthesizer gab, klingen dünn und lang nicht so warm wie der Yamaha VL1. Sie sind tatsächlich nur ein müder Ersatz für Vl1 und VL7.

Alles in allem ein unerhört komplexes Instrument mit Klängen, an die kein anderes Instrument annähernd heranreicht. Wenn man heute noch einen tadellosen VL1 findet, sollte man sofort zugreifen. Dieser einzigartige Synthesizer wird sicher unter Sammlern gesucht und im Wert steigen.

Plus

  • Bläsersounds
  • Steuerbarkeit
  • Flexibilität

Minus

  • Bedienbarkeit
  • Preis

Preis

  • Stand Syntacheles-Liste Juni 2018:
  • Yamaha VL1 - ca. 2.100,- Euro
  • Yamaha VL1-m ca . 1.400,- Euro
  • Yamaha VL7 ca. 700,-Euro
  • Yamaha VL70-m ca. 350,- Euro
Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    ogerich

    Ich habe einen und ich werde den niemals weggeben! Es ist so ziemlich das unerhörteste elektronische Musikinstrument aller Zeiten – unglaublich bis heute!

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    AMAZONA Archiv

    Ich erinnere mich noch genau an die Veröffentlichung des VL-1.
    Das Ding wurde überall hochgelobt, aber keiner wollte ihn kaufen. Der Grund war eigentlich klar. In einer Zeit in der es Quasi nur Workstations mit Standardsounds gab und alle elektronische Sounds wollten, kam Yamaha mit einem Trompeten-Synthesizer (und Korg mit einer Hand-Trommel). Ausgerechnet Clavia (bis dahin hauptsächlich Hersteller von E-Drums) schätzte die Zeit richtig ein und zeigte dann allen wo´s lang ging.

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      AMAZONA Archiv

      Stimme Dir absolut zu. Es ist fast schon ein Sickerwitz der Geschichte, dass diese Technologie ausgerechnet im Modellieren analoger Synthesizer ihren Erfolg fand.

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    psv-ddv  AHU

    Kleine Korrektur zum Vortext: Der VL1m ist nicht einstimmig.
    Die Rackversion des VL1 hat exakt die gleiche Klangerzeugung wie der tastenbewehrte Bruder.
    Lediglich der VL7 hat aus Kostengründen eine Stimme weniger.

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      Coin  AHU

      Das sind ja nur aneinandergereihte Geräusche.
      Keine Drums, keine Melodie, nichts ausser Geräusche.
      Das finde ich unfair.

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    Son of MooG  AHU

    War bei einer Präsentation des VL-1 auf der Musikmesse dabei und ebenfalls begeistert. Neben Sax und Trumpet beeindruckten mich auch die Lead-Guitars, Sitar und Koto. Umso enttäuschter war ich dann Jahre später vom VL-70m, den ich mal für ein Wochenende ausgeliehen hatte. Dessen Presets hatten so gut wie nichts mehr von der Tiefe des Vorbildes und konnten allenfalls zum Layern mit anderen Synthies gebraucht werden. Dafür war er mir zu teuer…

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    psv-ddv  AHU

    Ich hatte zeitweilig einen VL1 und mehrere VL1m, da ich die Meinung des Autors, ein vielfach polyphoner VL1 sei klanglich unbrauchbar, nicht teile. Im Gegenteil. Das klingt dann ziemlich abgefahren. Problem war nur, dass der „Midi Owerflow Mode“ zum Verketten der VLs viel zu buggy ist. Das hat leider, ganz Yamaha untypisch, nicht richtig funktioniert. Daher und weil mich der Klang der eingebauten Wandler irgendwann genervt hat, mussten die VLs gehen.

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    AMAZONA Archiv

    Die Gitarre der Bass und das Cello sind schrecklich. Das kann der Korg Prophecy und sein großer Bruder Z1 besser. Die Blech Abteilung dagegen ist sehr gut. Ich war zur Zeit der Markteinführung im Session Walldorf zur Präsentation. Man behauptete damals der erste VL1 ging an einen Alleinunterhalter! Hahaha Flippers und Co waren heil froh um die Kiste!

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      TobyB  RED

      Hallo amazonaman,

      an die Flippers, Wildecker Herzbuben musste ich bei den Tröten auch denken. Ich hatte sofort Schlager im Kopf.

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    TobyB  RED

    Ich bin unentschlossen was diesen Synth angeht, entweder ist der total genial. Und ich ich blicks nicht. Oder die Physikalischen Modelle kratzen an der Oberfläche dessen was geht.

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    Schorsch

    Ich erinnere mich an eine Vorführung in einem Musikhaus. Der Vorführer spielte zuerst ein Sax aus dem SY99, damals so etwa State-Of-The-Art. Dann kam der VL-1: der Unterschied an Authentizität war echt beeindruckend. Beim Ausprobieren des Instrumentes fand ich die Beeinflussbarkeit der Klänge tatsächlich unglaublich. Allerdings ist es extrem schwierig, etwas anderes als Sax, Klarinette und Co. oder aber wirre Noises aus dem Gerät zu bekommen. Meine Hoffnung, damit etwas Neues abseits der ausgelatschten Standard-Filter-Reso-Sounds mit vor allem neuen Echtzeit-Eingriffsmöglichkeiten zu bekommen, hat sich leider nicht erfüllt.

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    AMAZONA Archiv

    Ehrlich gesagt, echte Blasinstrumente klingen deutlich komplexer und sind auch bezahlbar. Also dafür gibt es gute Alternativen zu den VL und VPs. Aber jaaaa es geht ja auch um sounds und synthesizer und künstliche Welten. Trotzdem ist ein echtes Blasinstrument irre was es kann. Genau so sieht es bei Bässen und Gitarren aus. Da reicht ein kontroller nicht aus. Trotzdem hat jedes Ding seine Daseinsberechtigung! Wie soll man sich denn da entscheiden können?

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    gaffer  AHU

    Ich meine, ich sag’s gerne zum x-ten mal. Synthesizer wurden definitiv nicht erfunden um akustische Instrumente zu imitieren. Der Ansatz ist armselig, sorry, muss mal gesgt werden. VL-1 war ein super Ansatz, nur in der ersten Hälfte der Neunziger hatte kein Schwanz die Lust und Energie ein neues Instrument zu lernen. Nein, eine Taste gedrückt und die Hölle sollte sich auftun. War aber nicht so bei dem Instrument. Es machte dann nur trööööt. Da war richtig Arbeit angesagt: lernen, üben, arbeiten. Kam daher gar nicht gut an. Ausgerechnet der langweiligste Ansatz zur Imitation bereits bestehender Klänge setzte sich durch, die analoge Synthese wurde imitiert. War ja auch deutlich einfacher.

    Das sagt viel über die Innovationsfreude der elektronischen Musiker. Wäre aber eigentlich noch kein Grund zum Jammern. Nur ein VIERTELJAHRHUNDERT später sieht es noch nicht viel besser aus. Ich durfte auf der Soundbooth die polyphone Version dieses Synths spielen. Es gibt angeblich nur drei davon, also durfte ich nicht so lange das Instrument blockieren und das nötige Kleingeld zum Kauf habe ich auch nicht. Aber eigentlich hat Yamaha die richtige Richtung eingeschlagen und leider nicht weiter verfolgt. OK, Video 2000 und Betamax haben damals auch den Vergleich mit dem Schwächsten des Trios, VHS, nicht bestanden.

    Ach so, Wavedrum hatten wir auch mal im Laden, jeder fand das interessant, keiner wollte das haben. Virtuell Analoge verkauften sich sogar ohne einen Sound drin (Access Virus Mk1) ich dachte zuerst an einen Fehler, aber die hatten es schlicht nicht mehr geschafft und das Geld sollte fliessen. Ging dann ja auch gut….

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      AMAZONA Archiv

      Das Manual zum Korg MS-20 hatte ausschließlich Beispiele wie man dieses oder jenes Naturinstrument nachmachen kann. Für mich fühlte es sich an als wenn Synthesizer exakt für diesen Zweck konzipiert wurden. Und das war in den Jahren ja auch die Hauptangst klassischer Musiker — von einem Synthesizer ersetzt zu werden. Dazu kam es aber erst als die Sampler soweit waren. Filmmusik vom Orchester gibt es seit ein paar Jahren nur wenn das Budget nicht zwackt. Hat dann doch sehr lange gedauert.
      .
      Das erste Preset im Synthesizer war lange Zeit das „Piano“, und danach die Strings. Und es war peinlich. Aber die Dinger waren gut. Das Synthesizer als eigenständige Instrumente wahrgenommen wurden kam ja erst mit dem Synth-Pop, und für die wenigen Mutigen unter uns im Krautrock bzw. in der experimentellen Musik.
      .
      Wie gesagt, so habe ich das wahrgenommen …

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        gido  

        Huhu!

        Ich bin auch schwer der Meinung, Synthesizer sind damals mindestens teilweise mit dem Hintergrund entwickelt und konzipiert worden, reale Instrumente nachzuahmen. Damit auch „Ungeübte“ ein Instrument zumind. ansatzweise simulieren konnten, ohne das (teure, unspielbare) Instrument selbst besitzen zu müssen. Jeder der das völlig wegdiskutieren will, hat m. E. einen entscheidenden Aspekt der Synthese-Geschichte nicht verstanden bzw. versucht, diesen zu verdrängen.
        Warum auch immer.
        Dass viele humanoide Lebensformen die Synthies einfach als Synthies benutzen und die Geräte auch oft nur bedingt die Charakter- und Klangeigenschaften eines akustischen Instruments wiederzugeben vermögen, steht auf einem anderen Blatt.

  11. Profilbild
    AMAZONA Archiv

    „Synthesizer wurden definitiv nicht erfunden um akustische Instrumente zu imitieren.“

    Naja, dass sie es nicht können – oder (noch) nicht zu 100 %, kann man durchaus zu recht behaupten. Aber wenn man sich mal den Hüllkurvergenerator des Subtraktiven Synthesizers ansieht, dann wird einem klar, dass man den so konzipiert hat, dass er schon das Einschwingverhalten, Sustain etc. eines akustischen Instruments nachbilden kann. Nicht umsonst spricht man dann ja auch von Synthstrings, Synthbrass, Synthbass etc. Denke schon, dass die frühen Konstrukteure mit ihren Synthesizerkonzepten, einschließlich Moog, immer auch das Klangverhalten akustischer Instrumente analytisch verfolgten und zu imitieren versuchten.
    Und der Reiz liegt ja auch nicht unbedingt in einem 1:1 Imitat, sondern Bereiche auszuloten, die NAH am akustischen Instrument sind, aber zugleich auch artifiziellen, „synthetischen“ Charakter aufweisen. Also in Bereiche, in die man weder mit dem (elektro)akustischen Instrument hinkommt, noch mit dem klassischen Synthesizer.

    • Profilbild
      herw  

      „ Aber wenn man sich mal den Hüllkurvengenerator des Subtraktiven Synthesizers ansieht, dann wird einem klar, dass man den so konzipiert hat, dass er schon das Einschwingverhalten, Sustain etc. eines akustischen Instruments nachbilden kann.”

      Das denke ich gerade nicht. Die Klangwiedererkennung eines akustischen Instruments hängt nicht ausschließlich vom Einschwingverhalten des Gesamtklanges ab sondern vielmehr vom Einschwingverhalten einzelner Obertöne oder Obertonbereiche zu Beginn des Klangaufbaus, ist also viel komplexer.
      Eine subtrakive Synthese ist daher nur eine grobe Simulation. Das physical modelling ist dagegen dafür viel besser geeignet, da sich der Klang „aufbaut”.
      Der Hemmschuh der sehr vielen steuerbaren Parameter ist natürlich ein Argument dagegen. Wenn man sich ein wenig mit dem PlugIn Absynth (NI) beschäftigt, kann man jedoch auch schon mit relativ wenigen Paramateränderungen erstaunliche Ergebnisse bekommen.
      Einen zugegebenermaßen einfachen Blaswandler, wie ihn die Yamaha-Synths der DX-Reihe als Standard hatten, vermisse ich dagegen in den neueren Masterkeyboards sehr.

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        TobyB  RED

        Hallo Herw,

        das ist von Wellenstrom ja verkürzt dargestellt und aus Sicht des Musikers betrachtet schon richtig. Allerdings ist die Mathematik und Physik hinter Physical Modelling, leider, recht komplex. Am DESY in Hamburg gabs da mal eine Vortragsreihe s.a, https://bit.ly/2LjDoqt
        Für mich wäre der Hemmshuh, der Controller oder das Eingabegerät. Absynth ist da ein gutes Beispiel. Für mich ist dieController Frage eh der spanndere Part hier. Siehe Blaswandler. Mich wundert das hier viele Konzepte nicht über die Forschung hinauskommen. Weil die Reduktion auf die Klaviatur ist dann künstlerisch oftmals schon eine Einschränkung, die sich m.E schlecht kompensieren lässt. Und da bin ich dann wieder bei der Eingabe und Ansteuerung.

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        AMAZONA Archiv

        Es ging mir um die Aussage:
        „Synthesizer wurden definitiv nicht erfunden um akustische Instrumente zu imitieren.“ Kann man m.E. so nicht stehen lassen.
        Nochmal, ein rein analog subtraktiver Synthesizer (und das sind ja die ersten vollwertigen Synthesizer, die gebaut wurden) kann kein Naturinstrument wirklich adäquat nachbilden. Ich habe da ja nichts anderes behauptet. Vielmehr schrieb ich, dass Bob Moog und viele andere frühe Synthesizerbauer sich durchaus am Klangverhalten und -Verlauf von akustischen Instrumenten orientiert haben werden (im Fall von Bob Moog speziell kommt da noch das Theremin dazu in der Betrachtung) und aus damaliger Sicht mit Sicherheit soviel Authentizität wie technisch machbar, angestrebt wurde. Und das kannn man gut an dem klassischen Aufbau des Hüllkurverngenerators (Moogscher Prägung) sehen.
        Das man mit 2 oder 3 VCOs, einem LFO, einem Lowpassfilter und 2 Hüllkurven nicht einmal eine Blockflöte realistisch nachbilden kann, ist doch klar. Behauptet ja niemand. Aber er war durchaus ein Ziel, dahin zu kommen.
        Physical Modelling war in den 60ern, 70ern und auch 80ern de facto nicht realisierbar. Übrigens wurde auch schon mit der FM Synthese früh die Nachbildung von Naturklängen oder elektroakustischen in Angriff genommen. Kurz: es war mitnichten so, dass die Synthesizerkonstrukteure nur artifiziellen Klang im Kopf hatten. Wie auch? Die Pioniere waren ja größtenteils von akustischer und elektroakustischer Musik und Naturgeräuschen geprägt worden. Sie betraten Neuland, und mussten ersteinmal die Basics ergründen, analysieren und nachvollziehen, wie (natürlicher) Klang entsteht.

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          herw  

          vollkommen richtig :)

          Ich finde es schade, dass physical modelling mit Hilfe von plugIns mittlerweile nicht so gestaltet werden kann, dass man mit relativ wenigen Parametern (makro-Parametern) auskommen kann.

          Das wäre aber sicherlich noch ein Forschungsgebiet mit Hilfe von REAKTOR; allein es fehlt die Zeit, sich als Laie dahinter zu klemmen.

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      Tyrell  RED 2

      Na ja, Schnäppchen ist übertrieben. Vollkommen angemessen, aber der ging bei realen Versteigerungen auch schon für weniger über den Ladentisch (er wird eben nur selten angeboten)

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        TobyB  RED

        Ich hab keine Erfahrung mit der Kiste, der Preis scheint mir aber ok. Aber ich glaube Sculpture, OSCiLLOT und Reaktor reichen erstmal, und selbst die nutze ich nicht voll aus.

  12. Profilbild
    Violator  

    Sorry, aber auch aus einem VL-1 klingt ein Baritonsax nicht nach Baritonsax, und eine Posaune nicht nach Posaune. Ich sehe die Stärken eines VL-1/VL-70m in seinen metallischen, industriellen, synthetischen Sounds.
    Hatte das Glück, in den letzten Jahren äußerst günstig ein paar VL-70ms zu bekommen.
    Habe 4 Stück zusammengeschlossen, 1 Master 3 Slave >> 4 stimmig!!! Leute das rockt.
    Und „dünn“, „nicht warm“, etc… wie oben beschrieben klingt das keineswegs!
    Leider gehen die Morphingsachen wie beim VP-1 nicht, das wär’s noch!!!

    Schade, daß man die VL Plug-In Boards z.B. in einem Motif7 nicht kaskadieren kann, dann könnte man dort die VL-Sounds auch 3-stimmig spielen. Vielleicht geht das doch – weiß das jemand von euch?

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