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Interview: Andreas Rieke alias And.Ypsilon, Teil 1

Damals nannten sie sich noch "The Terminal Team": ein Konzertplakat aus der Frühphase der Fantas.

Damals noch „The Terminal Team“: ein Konzertplakat aus der Frühphase der Fantas.

Amazona.de:
Wie habt Ihr Eure ersten Songs technisch umgesetzt?

And.Ypsilon:
Im Tapedeck-Verfahren. Das erste Layer konnte ich mit dem selbstgebauten Drumcomputer aufnehmen. Ich hatte diese zwei Drummachines, die dritte kam dann auch noch dazugeschlichen, und dieses selbstgebaute System hat diese neuen Klangerzeuger, die diese Eproms als Klangerzeugung drin haben. Linn Sounds und Drum Sounds vom Emulator waren da drin, zwar nicht in derselben Qualität wie in den professionellen Geräten, aber mit vollgeiler Attitude. Dieses System hat mich soundmäßig seriöser gemacht und hat vor allem all diese Drum Machines miteinander synchronisiert.

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Mehr als das. Denn der Dr. Rhythm, der lief ja nicht synchronisiert dazu, sondern ferngesteuert. Das heißt, ich konnte seine Instrumente in einer Pattern Anzeige zusammen mit den Sounds meiner B-Box anzeigen. Sie haben also einen Verbund gebildet, was in den Prä-MIDI-Zeiten schon ein Riesending war, dass man zwei Instrumente von einer Oberfläche programmieren kann, als wär’s ein Instrument. Das hat mich unglaublich schnell gemacht. Viel schneller, als die Kisten alle parallel zu programmieren, was davor der Stand war. Die LX Maschine konnte über MIDI-Clock mitlaufen, was sie manchmal auch machte. Vielleicht ein paar Hihats gespielt oder Claps oder so. Vom Programmierungsaufwand her war das vertretbar, diese noch parallel zu programmieren. Und die Percussion Maschine hat manchmal auch Shaker oder Schellen gemacht, selten wirklich volle Percussion.
Die Basslinie kam dann auf einem weiteren Layer vom MS-20.

Amazona.de:
Wie wurde das Ganze gesteuert?

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And.Ypsilon:
Zu Beginn über einen Commodore VC 20, später über einen VC 64, den ich in Maschinensprache programmieren konnte, was die Engine viel tighter gemacht hat, als die Varianten davor, die nur in BASIC programmiert waren.

Amazona.de:
Du hast Dir Deinen eigenen Sequencer programmiert?

And.Ypsilon:
Genau. Das ist natürlich schon chic. Eine selbstgeschriebene Software hat den Vorteil, dass sie nicht so viel können muss wie eine kommerzielle Software, sondern nur genau das, was ich brauch. Das Programm war auf meinen Workflow abgestimmt und hat mich sehr schnell gemacht.
Die Bedienung verlief über ein Grid. Ich kann’s Dir ja mal zeigen. (Steht auf und startet den VC 64). Das Programm heißt schlicht B, für B-Box. Der ursprüngliche Name war Bronx-Box und nicht etwa Beat-Box. Zudem gab es damals den Begriff B-Boys, das waren Breakdance Tänzer.

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Forum
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    AMAZONA Archiv

    Geschichten die das Leben schreibt…Sehr interessante Story. Danke.

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    Joghurt  AHU

    Ach, das waren noch Zeiten. Ich erinnere mich an ein RUN DMC-Konzert in Berlin, ganz zu Beginn der 90er-Jahre. Da waren die Jungs deren Vorband – ich fand sie deutlich besser als den Hauptakt.

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    TobyB  RED

    Klasse Interview :-) Ich finds interessant und inspirierend zu sehen, wie viel man aus wenig machen kann :-) Klasse (Y)

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    AMAZONA Archiv

    Ich höre Fanta 4 seit „Jetzt gehts ab“ und halte diese Scheibe nach wie vor für eine der besten Fanta-Alben neben „Die vierte Dimension“ und „Lauschgift“. Ich hatte mich immer gewundert wer sowas produziert weil es sehr eigen war aber immer einen etablierten Mastermind im Hintergrund vermutet. Falsch gelegen! So kann es gehen wenn alles passt und ich nehme mal bewusst das Wort Schicksal in den Mund. Da ich nun selber Papa bin, sehe ich mal wieder wie (teils nerdige) Interessen zu echten Pionierleistungen führen können. Wie standen denn deine Eltern zu deinen Interessen? ;) Diese Programmierleistung selber zu entwickeln war selbst mit der damaligen Standardlektüre „Happy Computer“ schon eine echte Leistung. Die Hard/Software/Musiker als ein Instrument zu verstehen die Gedanken in Minuten zu Klängen und Beats formen können, das ist worum es geht. Schade das du nicht bei Logic/Steinberg angeheuert hast. Musiksoftware sähe heute anders aus, jede Wette! Die Musik/Welt vom Kern als ganzes verstehen und nicht auf der Oberfläche schwimmen und konsumieren. Danke das es das noch gibt. Ich ziehe jetzt eine schneise durch die Scheisse und verweis im Kreis auf die Beweise!

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    Filterspiel  AHU

    Im Andreas einen der (sicherlich) wenigen Kollegen zu finde, die den C64 in Assembler programmiert haben, war auf jeden Fall eine Überraschung. Ich habe das immer sehr gezielt eingesetzt, also nur die zeitkritischen Teile in Assember und so Sachen wie Laufwerk öffnen und Daten dumpen in Basic gelassen, das war schnell genug und in ein paar Sekunden geschrieben. Coole Info auf jeden Fall!

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    AMAZONA Archiv

    Über den Produzenten der F4, und seine Kompetenzen, zu lesen ist sehr interessant! GI´s prägten selbst erlebt das musikalische Bild des damaligen Undergrounds. Funk & Soul, Hip Hop , Rap und folgend Elektro, teilweise extrem von Kraftwerk inspiriert, waren u.a. auch der Soundtrack meiner Jugend. Der erste erworbene Atari mit Cubase die Offenbarung! Der damalige Durchbruchtrack mit „Die Da“, war persönlichen Geschmack folgend eher eine Lachnummer.

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    AMAZONA Archiv

    Richtig fettes Interview, mit sehr interessantem Einblick in die Anfangstage! Für mich sind solche Interviews meist viel interessanter, als die wo es nur um das aktuell verwendete Equipment geht. Denn in den Anfangstagen, haben ja die allerwenigsten meist alles was sie brauchen. Dann zu lesen, wie solche Leute improvisiert haben, oder welche Lösungsmöglichkeiten sie gefunden haben (die eventuell später sogar zu einem Markenzeichen geworden sind), ist oft auch ziemlich inspirierend! Auf den Fotos kann man übrigens sehr gut sehen: Andy hat’n dicken Pulli an, mann ;)

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    AMAZONA Archiv

    Super interessanter Betrag. Ich freue mich schon auf den nächsten Teil.

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    Stephan Merk  RED

    Mir wird beim Lesen wieder mal bewusst, wie überladen die heutige Technik ist. So ein Sequenzer, der einfach und für mich übersichtlich ist, sah ich im Voyetra Sequencer Plus. Das bietet mir aktuell keines meiner Software an. Und das geht bei mir zumindest deutlich zu Lasten der Kreativität. Wenn ich schon eine halbe Stunde ein Sample aus der 5 GB und größeren Library der MPC suche, habe ich schon keine Lust mehr und mache was anderes. Als ich Mitte der 80er meinen DDM-110 von Korg hatte, konnte ich mich mit dem Teil ganze Wochen am Stück beschäftigen.

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    AMAZONA Archiv

    Genau! Alles überladener Kommerzscheiss der alles macht nur keinen Spass. Aus dem Beitrag inspiriert habe ich gestern Cubase SX3.1 wieder installiert und seitdem richtig Spass. Seit Cubase 4 habe ich irgendwie die Lust verloren und alleine der Waldorf A1 mit seinen FM-Leads machen so richtig Laune. Mein Profire2626 mit Windows 10 läuft übrigens super unter SX3.1.
    Wenn es so weiter läuft tausche ich gerne mein 8.0 Dongle gegen eine SX3.1-Lizenz! Alleine das kontrastreiche Raster im Midi-Editor habe ich trotz allerlei Spielereien nie mehr so hingekriegt. Wäre jetzt noch die Toolbar aus Cubase VST da….. Und es bootet wie sau innerhalb von Sekunden. Bei 8.5 kann ich dabei Kaffee trinken. :)

  11. Profilbild
    micromoog  AHU

    Super! Da kann man so richtig mitfühlen.

    Wie von einem anderen Stern muss unsere Combo (Keys/Dr/Git/Voc) rübergekommen sein als wir 1988 mit Atari St und Creator mangels 2. Keyboarder und Bassist die Bühnen „stürmten“.
    Die Zeit war außerhalb der EM noch nicht reif für Computer in der Live-Performance.

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