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Test: Harley Benton SC-550 II DFB, E-Gitarre

15. August 2021

Viel Paula für wenig Geld - die Harley Benton SC-II

Als der Autor dieses Testberichts noch ein Jüngling mit lockigem Haar war, gab es 2! Gitarrenmarken, mit denen man für das persönliche Ego und im Bekanntenkreis Staat machen konnte. Beide kamen aus Amerika, beide waren sehr teuer, die eine hieß Fender, die andere Gibson – aus. Wer nicht in den erlauchten Kreis dieser beiden Anbieter kam, musste sich mit einem stattlichen Sammelsurium japanischer Anbieter anfreunden, welche allesamt die gleichen Formen wie die beiden Protagonisten aufwiesen, sich im Detail jedoch massiv von diesen unterschieden. Wohlgemerkt, Japan fing gerade erst an, E-Gitarren zu bauen und verfügte über entsprechend wenig Expertise, in China lief man noch im Blaumann rum und Länder wie Vietnam hatten weiß Gott andere Probleme, als für europäische Bubis wie mich Gitarren zu bauen. Wer heute ein Instrument aus asiatischer Fertigung erhält, erhält zumeist ein völlig anderes Qualitätsniveau als in der Frühzeit der E-Gitarre, womit wir bei unserem Testinstrument, der Harley Benton SC-550 II DFB, angekommen sind.

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Harley Benton SC-550 II DFB Test

Harley Benton SC-550 II DFB – Profil

Aufbau und Konstruktion

Der Aufhänger der Harley Benton SC-550 II DFB ist mit einer ganz einfachen Zahl verbunden, 279. So hoch ist der Ladenpreis in Euro beim Musikhaus Thomann für diese Les Paul Kopie, welche in Indonesien gefertigt wird. Man lasse sich einmal kurz diesen Preis auf der Zunge zergehen und überlege im Anschluss, wie es überhaupt möglich ist, ein Instrument, selbst wenn es nur von durchschnittlicher Qualität wäre, zu diesem Ladenpreis einzustellen. Ermöglicht wird dies nur aufgrund von Direktimport durch den Verzicht auf Zwischenhändler und die Nutzung von OEM Fertigung, ansonsten müsste das Instrument mindestens mit dem doppelten VK aufwarten.

Thomanns Hausmarke Harley Benton bedient dabei die großen Trademarks von Gibsons Zugpferd #1, umschifft dabei aber gekonnt die Details, welche bei vielen anderen Anbietern bereits vor Gericht endeten. Ein direktes Modell lässt sich nicht als Vorlage ausmachen, vielmehr verbaut Harley Benton gleich mehrere Elemente, welche in unterschiedlichen Dekaden der Les Paul verwendet wurden.

Erwartungsgemäß ist Mahagoni das primäre Tonholz, welches im Korpus und im eingeleimten Hals verbaut wurde. Der Hals besitzt allerdings eine schräge Verbindung am Halsfuß, so dass sich die Bespielbarkeit in den hohen Lagen etwas leichter gestaltet. Jedoch wird bereits während des ersten Griffs an das Instrument klar, dass dieses Instrument aus Gewichtsgründen einen „Chambered Body“ besitzt. Das Gewicht von immer noch 3,7 kg würde einen RG Spieler wahrscheinlich schon schreiend aus dem Raum treiben, der klassische LP Spieler hingegen kann bei solchen Angaben nur lächeln. Gibson selber hat kürzlich erst wieder diese Bauweise ad acta gelegt, da der Kundenwunsch den hohleren und Sustain-reduzierten Klang zugunsten der Rückenschonung abgelehnt hat. Der geneigte Kunde möge sich hier sein eigenes Urteil bilden, mir persönlich kann ein Instrument gar nicht schwer genug sein, aber das ist eine andere Geschichte.

Harley Benton SC-550 II DFB Test

Harley Benton SC-550 II DFB – Tuner

Als Blickfang wurde bei der Harley Benton SC-550 II DFB ein intensiv gebeiztes und entsprechend auffälliges Riegelahorn-Furnier auf den Mahagoni-Korpus aufgeleimt, was sich aber aufgrund seiner geringen Dicke klanglich nicht auf das Instrument auswirkt. Hübsch anzusehen ist sie dennoch. Das Griffbrett wurde einmal mehr aus Pau Ferro gefertigt, welches dem Resonanzverhalten von Palisander sehr nahe kommt, sich allerdings deutlich günstiger im Preis verhält. Als Griffbretteinlagen werden im LP Standard Style Pearloid-Trapez-Einlagen verwendet.

In Sachen Halsprofil orientiert sich Harley Benton mit den Stärken 20 mm am 1. Bund, 22 mm am 12. Bund und der Form eines moderaten „C“ an dem Sechziger LP Halsprofil von Gibson, während zum Beispiel die Potiaufsätze der beiden Volume- und Tone-Regler aus dem Fünfziger-Fundus entliehen wurden. Man sieht, Harley Benton sucht nicht die Authentizität, sondern verfolgt einen eigenen Ansatz.

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Harley Benton SC-550 II DFB Test

Harley Benton SC-550 II DFB – Body

Wie es sich bei einem Instrument dieser Form gehört, wurde die kurze Mensur von 62,8 cm verwendet, was mit einer etwas geringeren Saitenspannung als bei der langen Mensur einhergeht. Als Pickups wurden zwei Tesla Opus-1 AlNiCo-5 Humbucker verbaut, eine Firma, von der ich bis dato noch nie etwas gehört hatte und welche anscheinend in Korea beheimatet ist.

Alles soweit in bester Ordnung? Nun, ich weiß nicht, welcher Designer bei Harley Benton das letzte Wort hat, bevor das Instrument in die Fertigung geht, ich glaube allerdings, dass dieser Posten schnellstens neu besetzt werden sollte. Das an sich attraktive Erscheinungsbild des Instruments wird leider im Bereich der Kopfplatte massiv beeinträchtigt. Zum einen haben wir hier einen Sattel aus hochweißem Kunststoff. Leider ein echter Downer, wenn man in Betracht zieht, dass alle anderen Kunststoffteile, wie das Binding am Hals und Korpus, die Rahmen der Pickups und die Kunstplatte unterhalb des Drei-Wege-Schalters, in einem vintage-farbenen Creme/Elfenbein gehalten ist. Die optische Diskrepanz mindert das Erscheinungsbild enorm, zumal das cremefarbene Hals-Binding am weißen Sattel anliegt.

Harley Benton SC-550 II DFB Test

Harley Benton SC-550 II DFB – Rückseite

Dies ist allerdings nichts im Vergleich zu den Stimmwirbeln der Mechaniken, welche in grün (!) ausgeführt wurden! Ja, ihr habt richtig gelesen: grün! Kein leuchtendes Gras-Grün, mehr eine Art Jade-Grün, aber definitiv auf Platz 1 der unpassendsten Farbgebung an einer Tobacco-Burst-farbenen Gitarre, die ich je in meinem Leben gesehen habe. Ob der Designer der Meinung war, so würden Vintage Mechaniken nach Dekaden des Gebrauchs aussehen, ich habe keine Ahnung, aber sollte man auf das optische Erscheinungsbild seines Instruments Wert legen, sollte man beim Kauf des Instruments direkt einen Satz neue Stimmmechaniken mit einplanen. Eigentlich sehr schade, denn von ihrem Regelweg und der Qualität her gibt es an den Mechaniken nichts auszusetzen.

Harley Benton SC-550 II DFB Test

Harley Benton SC-550 II DFB – Headstock

Die Harley Benton SC-550 II DFB in der Praxis

Nimmt man das Instrument das erste Mal in die Hand, erscheint einem alles sehr vertraut. Harley Benton gelingt es problemlos, vom ersten Augenblick an ein gutes Spielgefühl aufzubauen und keinerlei haptische Ungereimtheiten aufzubauen. Wie auch bereits von anderen Harley Benton Produkten her bekannt, liegt auch die schwingungstechnische Qualität des Instruments deutlich über dem aufgerufenen Ladenpreis. Bekam man früher für diesen Kurs eine Planke Schichtholz mit dem Schwingungsverhalten eines Küchentischs, so bietet die Harley Benton SC-550 II DFB eine gute Basis für ein befriedigendes Spiel. Zwar erweisen sich die Korpusaushöhlungen einmal mehr als leichte Sustain-Killer und verpassen dem Instrument einen latent hohlen Klangansatz, aber die stets massive Konstruktion des Instruments im Allgemeinen gleicht diesen Punkt problemlos wieder aus.

Einzig die Tesla Pickups können mich nicht wirklich überzeugen. Wenngleich die Tonabnehmer im Crunch-Bereich mit ihrem klanglich dezent spröden Ansatz einen wirklich guten Eindruck hinterlassen und auch der High-Gain-Bereich recht passabel daher kommt, zeigt insbesondere der Clean-Bereich, dass es den Pickups an klanglichem Charakter mangelt. Der Grundsound wirkt etwas „belegt“, es fehlt an Spritzigkeit und den nötigen Frequenz-Peaks, um die nächst höhere Stufe in der Qualitätsskala zu erklimmen. Man sollte sich aber auch hier noch einmal den Ladenpreis vor Augen führen, welcher irgendwo seine wirtschaftlichen Grenzen setzt. Wer möchte, kann sich jederzeit einen Satz hochwertiger Humbucker dazu kaufen und liegt dann immer noch knapp im 500,- Euro Bereich.

Das Instrument kam übrigens sehr gut eingestellt beim Tester an, ein Fakt, der bei preiswerter Fernost-Produktion nach wie vor keine Selbstverständlichkeit darstellt. Das ordnungsgemäße Einstellen des Instruments bei der Endkontrolle muss immer von Hand gemacht werden, nimmt mindestens 20 Minuten in Anspruch und da menschliche Handarbeit den Hauptpunkt für den Endpreis des Instruments darstellt, wird hier von anderen Herstellern zuweilen gerne gespart. Was habe ich früher nicht alles aus Asien bekommen, konkave Hälse, dass man einen Finger darunterschieben konnte, schiefsitzende Hälse, Oktavreinheit, was ist das?

Alles in allem überzeugt die Harley Benton SC-550 II DFB in vielen Bereichen und wird nicht nur denen gefallen, welche ausschließlich ihren Fokus auf den Ladenpreis setzen werden. Die Klangbeispiele wurden mit einem ENGL Savage MK II, Cordial Kabeln, einem Marshall 412er Cabinet mit Celestion G75T und zwei Shure SM 57 erstellt.

Harley Benton SC-550 II DFB Test

Harley Benton SC-550 II DFB in der Praxis

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Fazit

Mit der Harley Benton SC-550 II DFB hat die Thomann Hausmarke eine gute und sehr günstige LP-Kopie in ihrem Portfolio. Das Instrument ist sehr gut verarbeitet, bietet schwingungstechnisch eine gute Basis und liefert dank OEM-Produktion und Direktimport ein herausragendes Preis- Leistungs-Verhältnis. Wer sich mit den etwas spröde klingenden Tesla Tonabnehmern anfreunden und die farblich unpassendsten Stimmwirbel aller Zeiten ignorieren kann, sollte das Instrument einmal antesten.

Plus

  • Preis-Leistung-Verhältnis
  • Verarbeitung

Minus

  • Farbe Stimmmechaniken

Preis

  • 279,- Euro
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Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    RainerJ45  

    Eine Harley Benton ist keine Paula sondern allenfalls Billigholz oder im schlimmsten Fall das Produkt von „Billigstarbeitnehmern“ (im vorigen Jahrhundert noch Sklaven genannt).

    Genauso wie ein Stück in schmuckem Blech verbaute Software kein echter Verstärker ist.

    Beides ist wie ….. vegane Wurst

    Tut mir leid … auch wenn der Test gut ist.

    • Profilbild
      Axel Ritt  RED

      Hallo Rainerj45

      ich kann einige Punkte deines Kommentars verstehen und bin auch in vielen Punkte sehr ambivalent aufgestellt, aber deinen letzter Satz kann ich leider so nicht stehen lassen.

      Eine „Wurst“ muss nicht zwangsläufig mit Tierleid einher gehen, sondern bezieht sich ausschließlich auf die Formgebung und die Beschaffenheit des Produktes, von daher ist eine eine gute vegane Wurst einem mit Fleischabfällen gefüllter Dickdarm geschmacklich ebenbürtig und ethisch überlegen.

      • Profilbild
        RainerJ45  

        … das mit der veganen Wurst war natürlich pure Polemik.
        Auch kann ich verstehen und auch vollends akzeptieren, dass nicht jeder tausende Euro für ein Instrument hinlegen kann .. zumal als Einsteiger.

        Ich habe halt ein kleines Problem mit der immer weiter um sich greifenden Billig-Mentalität …. sowohl bei den Instrumenten als auch bei der z.T. produzierten Musik.

        Wenn Bands wie Metallica mit der „Axt“ oder Künstler wie Marc Knopfler mit nem Kemper auftreten … und das aus reinen (monetären) Effizienzgründen … dann finde ich das irgendwie blöd … bin aber trotzdem in deren Konzerte gegangen …

        • Profilbild
          Axel Ritt  RED

          alles klar, danke für die Erklärung!

          Nun, da Metallica und Mark Knopfler im Multi-Millionen-Dollar Bereich unterwegs sind, bin ich mir recht sicher, dass es keine montäre Gründe sind, die Weltstars auf Kemper zurück greifen lassen.

          Es ist vielmehr ein logistischer Punkt im Bühnenmanagement, der vielen Künstlern noch wichtiger ist, als der ultimative Sound. Mit einem XLR Kabel direkt in die PA / Inear, dabei ca. 90% des Originalsounds rüber retten und dabei alle Unwägbarkeiten der klassischen Mikrofonierung eliminieren ist von der Haptik her halt sehr verführerisch …

          Ich teile aber durchaus deine Meinung bzgl. billig produzierter Musik, was ich gerade im Heavy Bereich selbst von etablierten Bands in der letzten Zeit an „Dreck“ gehört habe, ist nicht mehr in Worte zu fassen, aber wenn die Fans selbst so einen Müll dennoch abfeiern, welche Argumente hat man dann schon dagegen …

          • Profilbild
            Rough  

            Als Metal Fan der ersten Stunde gebe ich dir recht, es gibt unzählig viel Mist in dem Genre, zum Teil bekomme ich Fremdschämen.

            Zum billig Teil. Niemals würde ich mir so eine Klampfe kaufen. Deswegen habe ich mich immer nach einer gebrauchten, hochwertigen umgesehen, kaum teurer, aber besser. Evtl.andere Pickups rein und gut ist.

          • Profilbild
            TheTick123  

            Bzgl. Logistik: Das checken halt viele nicht. Als Künstler möchte man jeden Abend immer den gleichen Sound ans Publikum bringen. Und jeder, der schon mal nen Amp mikrofoniert hat, weiß, wie viel da 2mm ausmachen können. Auf dieses „Zittern“ ob der Soundmann es nicht vielleicht doch versemmelt, haben die wenigsten Bock und greifen dann zum Kemper und verlieren (wenn’s hoch kommt) 2% Sound, wissen aber, dass die wichtigste Fehlerquelle ausgeschlossen ist. Und hier haben wir noch nicht über eine abgerauchte Endstufe, alternde Vollröhrenamps oder zerschossene Speaker etc. gesprochen.

        • Profilbild
          Codeman1965  

          „Hauptsache billig“, wenn es nicht nötig ist, finde ich auch nicht so prickelnd.
          Das hat u.A. zur Folge, daß immer mehr Arbeitsplätze in andere Länder verlegt und somit letztendlich auch immer mehr Vermögen aus unserem Kreislauf entzogen wird.
          Schwieriges, umfangreiches Thema…

          Deine Aussage zum Thema „Effizienzgründe“ kann ich aber nicht nachvollziehen.
          Die haben es sicherlich nicht nötig, bei ihrem Setup auf den Euro zu achten… ;-)

          Für viele Andere eröffnen Instrumente wie die hier beschriebene HB die Möglichkeit, ihrer Leidenschaft zu frönen und trotzdem ihre Butter auf dem Brot zu haben.

          Was die Arbeitsbedingungen angeht, hat Asien für uns immer einen bitteren Beigeschmack. Man muss aber auch sehen, daß es auch bei uns eine Menge Menschen gibt, die unter äusserst fragwürdigen Bedingungen ihren Lebensunterhalt erstreiten müssen.
          Und auch die Asiaten essen gerne dreimal täglich.
          Ich will es nicht kleinreden oder ‚runterspielen, aber „Sklavenarbeit“ ist kein Problem, daß nur die sogenannten „Schwellenländer“ betrifft.

          JEDEN Kauf, den wir hier tätigen, sollten wir hinterfragen. Denn gerade bei uns ist es so, daß viele Leute auf der Welt sich krumm machen, damit unsere Bedürfnisse erfüllt werden können…

          • Profilbild
            Armin Bauer  RED

            Ist natürlich Quatsch, weil überhaupt nicht zu kontrollieren.
            Und was passiert hier bei uns?
            Ich habe z.B. als Schüler für meinen Vater, der u.a. als Sub für einen lokalen Filterhersteller gearbeitet hat, Filterrahmen an einem nicht dafür ordentlich vorbereitetem Arbeitsplatz mit entsprechendem Abzug geschweißt.
            Ergebnis: 2x Schwermetallvergiftung ( Zink), mit ca. 95% Verlust des Geruchssinns.
            Muss ich halt mit leben, kaufen wir deshalb alle keine in Deutschland produzierten Klimaanlagen mehr?
            Ist also eine schöne, aber nicht durchführbare Einstellung. Außer du schlägst dir ein Stück deutscher Erle, gehst damit zum deutschen Gitarrenbauer und vergewisserst dich, dass Elektronik, Pickups, Brücke, Mechaniken, Steg und selbst die Saiten nachvollziehbar nicht aus „Sklavenarbeit“ resultieren.
            Nicht falsch verstehen, ich mag die Einstellung, ist aber nur schwer zu kontrollieren.

            • Profilbild
              lightman  AHU

              Das „Sklavenarbeit“-Ding ist immer schnell zur Hand, aber es kann halt nicht jeder so den Wanst gestopft kriegen wie bei uns hier.

              Für das, was ich für meinen Vollzeitjob monatlich kriege, würden die Meisten hier morgens nicht mal ein Bein aus’m Bett stellen, dementsprechend „kaufkräftig“ bin ich. Soll ich jetzt aufs Klampfen oder Tastenquälen verzichten, nur weil ich mir die biologisch-dynamisch angebauten Gitarren oder die Synths mit hübschen er-sie-es Darstellern und Topfpflanzen im Promovideo für nur noch 2500 Steine für die weißen Tasten + Steuer nicht leisten kann?

              Bei aller Ablehnung von Ausbeutung und Umweltkaputtmachdingens, mann kanns auch übertreiben.

            • Profilbild
              m-ex  

              Hallo Armin,

              Du würdest mir aber hoffentlich schon zustimmen wolllen, dass seit Deiner Schulzeit gerade in Deutschland bzgl. Arbeitsschutz schon einiges gelaufen ist?!

              Liebe Grüße in die Nachbarstadt
              m-ex

              • Profilbild
                Armin Bauer  RED

                Hi m-ex,

                bedingt. Das war schon damals verboten, aber mein Vater, würde er noch leben, würde das immer noch so machen, wer soll es kontrollieren?
                Oder schau dir an, wieviel Kinder auf Bauernhöfen sterben, weil sie regelwidrig auf Anhängern, Anbauten oder in der Schaufel des Baggers mitfahren. Oder sie fahren gleich selbst Trecker und mähen das 3-jährige Schwesterlein um. Passiert nahezu wöchentlich, aber versuch das mal zu verhindern.
                Habe bis vor 4 Jahren direkt neben einem Bauernhof gewohnt. Da wurde der riesige Trecker ohne Führerschein gefahren, der alte Daimler auf öffentlichen Straßen ohne Zulassung und Nummernschild. Der Kamin wurde so befeuert, dass das ganze Tal morgens in einem Dunstnebel versinkt. Die Äcker völlig überdüngt, die Gülle nachweislich im Naturschutzgebiet verklappt (inkl. Vergiftung der fürs örtliche Trinkwasser benötigten Quelle….
                Das interessiert schlicht niemanden, der Bauer ist in der dorfregierenden Partei, die nächste Polizeistation ist 30 km weg.
                Was denkst du, wieviel geltende Arbeitsschutzbedingungen „kreativ“ umgangen werden?

                Grüße Armin

                • Profilbild
                  m-ex  

                  Hi Armin,

                  dass Arbeitsschutzbedingungen gerne „kreativ“ umgangen werden, ist mir durchaus bewusst.
                  Das Problem an der ebenso kreativen Suche eines Fertigungsstandortes ist aber, dass es durchaus Orte auf diesem Planeten gibt, an denen man nichts umgehen muss.
                  Der Unterschied:
                  In Deutschland kräht kein Hahn danach solange nichts passiert, im Falle eines (Un-)falles kann es aber durchaus ungemütlich werden.
                  An anderen Orten kräht nie der berühmte Hahn.

                  Grüße
                  Markus

      • Profilbild
        Hein Schlau  AHU

        Ich bin selbst Pescetarier, mir passt aber die vegetarische/vegane Arroganz nicht. Eine Wurst kann ethisch durchaus überlegen sein, wenn sie von vernünftig großgezogenen Tieren stammt und ihr Inhalt wg. Nose to Tail Verarbeitung dazu führt, dass auch das ganze Tier gegessen wird.
        Die vegane Wurst (übrigens meist ein hoch verarbeites Industrieprodukt), für deren Soya der Regenwald abgeholzt wurde, indigene Stämme vertrieben wurden und auf der arme Pächter ihre Kinder schuften lassen müssen, hat da leider ethisch überhaupt keinen Vorteil und macht unter Umständen die gleichen Rügenwalder Bazillionäre fett, die vorher Qualfleisch in den Darm gestopft haben.

        Die Billig-Instrumente von HB kann ich allerdings echt nicht mehr sehen und das Argument, die würden ja den Anfängern helfen, zieht nicht – die Gitarrenverkäufer gehen trotz immer billiger werdender Instrumente weiter zurück. Ich vermute eher, dass die Dinger mehrheitlich von Menschen gekauft werden, die einfach jeder mögliche Gitarrenform in ihrer Butze einstauben lassen wollen.
        Seriously, wieviel Gitarren braucht man als Hausmusiker?

        • Profilbild
          Axel Ritt  RED

          @Hein Schlau

          ich habe mir lange überlegt, ob ich zu deiner Aussage noch einmal Stellung nehmen soll, denn es sind alle Argumente hinlänglich bekannt, aber so kann ich deine Argumente nicht stehen lassen kann.

          – Arroganz: Absolut nicht, es geht nicht um Überlegenheit in der Lebensführung, es geht um Aufklärung, da die meisten Menschen nur nachleben, was ihre Eltern ihnen vorgegeben haben.

          – hoch verarbeitetes Lebensmittel: stimmt, aber man isst eine vegane Wurst ja auch nur aus geschmacklichen Gründen, nicht aus gesundheitlichen.

          – Sojaanbau: über 70% des weltweiten Sojaanbaus wird für die Ernährung der Massentierhaltung verwendet, d. h. die o. g. Punkte von dir treffen zu 75% für die Fleischindustrie zu.

          – „vernüftig groß gezogene Tiere“: Völlig unmöglich, kein Tier will freiwillig sterben, alle wollen leben. Warum ein Tier quälen und töten, wenn das perfekte Leben auch ohne das Leid, was man selbst zu verantworten hat, möglich ist.

          • Profilbild
            m-ex  

            Ich verstehe jetzt nur nicht so genau, warum das Sterben, welches in irgendeiner Form so ziemlich jeden Lebensweg beendet, ein vorausgehendes vernünftiges Großziehen unmöglich macht?!

            Ansonsten gehöre ich zu denen, die – zugegebenermassen initiert durch die Tochter – ihren Fleischkonsum deutlich eingeschränkt haben.

            Freundliche Grüße
            m-ex

            • Profilbild
              Axel Ritt  RED

              @m-ex

              Wie kann das „Großziehen“ eines Lebenwesens mit der Absicht, es vor dem regulären Ablauf seines Lebens zu töten, aus der Sicht des Lebewesens „vernüftig“ sein. Was ist an der Zucht von Tieren „vernüftig“? Nur weil ein Tier nicht in Kastenständen ständig unter Schmerzen und Todesangst sein kurzes Leben lang qualvoll vor sich hin vegetiert, so ist es doch immer noch ein Verbrechen, ein Tier aus persönlichem Gaumenkitzel seines Lebens zu berauben.

              Jedes Lebewesen, inklusive des Menschen, will nicht von Dritten getötet werden, zumal wenn es für die Ernährung, was ja die Ausrede für das Töten des Tieres ist, geradezu unendlich viele Möglichkeiten gibt, dieses Leid persönlich zu verhindern.

              Die ganze Litanei von der Gesundheit, Umweltschutz, Klimawandel, Ausbeutung, Corona etc. lasse ich jetzt mal bewusst weg …

              • Profilbild
                m-ex  

                Hallo Axel,

                ich gebe durchaus zu, dass ich das Wort „vernünftig“ rein mit „tiergerecht“ übersetzt habe.
                Wenn ich nun davon ausgehen darf, dass ein (für den Verzehr vorgesehenes) Tier ab seiner Geburt nichts von seiner Bestimmung ahnt, dann macht es – gerade aus Sicht des Tieres – bestimmt einen Unterschied, wie es großgezogen wird.

                Wenn man allerdings in das Wort „vernünftig“ eine gute Portion Moral mit einpackt (was ja auch ok ist), dann mag ein „vernünftiges Großziehen“ gerne in Frage gestellt werden.

                Freundliche Grüße
                Markus

    • Profilbild
      SynthUndMetal  

      Es gibt mittlerweile einige Firmen die ihre hochpreisigen Gitarren in Vietnam und Indonesien produzieren lassen, wie z.B. Solar und Chapman (siehe YT Videos). Selbst Yamaha hat bei Jakarta einen Produktionsstandort für Akustikgitarren. Ich denke man bewegt sich hier auf dem lokalen Lohnniveau, welcher natürlich deutlich niedriger als bei uns ist, aber das hat sicher nichts mit „Sklavenarbeit“ zu tun. Qualitativ hochwertig kann man dort mittlerweile auf jeden Fall produzieren. Thomann macht hier natürlich Massenproduktion mit Abstrichen bei der Qualität. Das muss einem natürlich bewusst sein. Aber für Leute die einfach Spaß am Musizieren haben möchten, ohne zu tief ins Portemonnaie zu greifen sind diese Gitarren ein guter Einstieg. Ich habe selbst zwei HBs neben einigen „Markenprodukten“ und für zuhause sind die für mich ok.

  2. Profilbild
    Codeman1965  

    Danke für den Test, Axel…!

    Eine Paula/Nachbau habe ich bisher nicht, steht auch nicht ganz oben auf der Liste.
    Aber die SC-II hier ist schon interessant.

    Ich habe noch keine Gitarre gehabt, die „out of the box“ so richtig „Meins“ war, irgend etwas gab es immer zu fummeln und zu pfriemeln.
    Body und Neck müssen stimmen, weil da das Nacharbeiten ein echtes Geduldsspiel sein kann.
    Das ist hier ja durchaus gegeben.

    Pick-Ups gibt es ja zur Genüge, aber da muss man halt erst mal hören, wie sich die Teslas im eigenen Setup so machen. Tuner und Sattel kosten auch nicht die Welt.
    Wer den Aufwand nicht scheut, hat hier bestimmt eine gute Basis für’s Upgraden.

    Und was die Farbe der Tuner angeht, kann man nur froh sein, daß HB hier kein Pickguard angebracht hat.
    DIE sind bei Denen richtig sick!!! :-)

    • Profilbild
      Axel Ritt  RED

      Nun ja, dass man in Asien zum Teil andere Vorstellungen von „geilen“ Farbkonstellationen hat, ist ja hinlänglich bekannt ;-) , aber diese Variante ist schon sehr speziell.

      Man muss schon einige Punkte dem VK unterordnen, das lässt sich kaufmännisch nicht anders rechtfertigen. Wenn der VK hingegen eine untergeordnete Rolle spielt, kann ich guten Gewissens die aktuelle LP 50s empfehlenen, ein in jeder Hinsicht qualitativ herausragendes Instrument, siehe

      https://www.amazona.de/test-gibson-les-paul-standard-50s-tb-e-gitarre/

      • Profilbild
        Codeman1965  

        Jaaaa, bei SOLCHEN Instrumenten tropft es Einem schon mal von der Unterlippe! :-)

        Aber für Alle, die seinerzeit nicht Lottokönig gelernt haben, gibt es ja eine Menge Alternativen. Auch wenn es dann eher in Richtung Zweck- und Verhältnismäßigkeit statt „die Liebe meines Lebens“ geht.

        Wer das Geld für ein Instrument wie die 50s TB hinlegen kann, hat meine aus tiefstem Herzen empfundene Mißgunst. ;-)

        Ich mache Musik als Hobby/Therapie/wegen der Mädels, da kann ich keine derart großen Sprünge machen.
        Wie gesagt, Instrumente wie die HB hier machen eine Menge möglich. Wer mehr braucht, bessert nach oder steigt entsprechend höher ein. Glücklich werden (und vor Allem Musik machen) können sie alle mit den Paddeln.
        Wenn der Anspruch da ist oder irgendwann steigt, geht halt die Kohle über den Tisch…

  3. Profilbild
    soulhammer

    Also ich möchte (als blutiger Anfänger) hier mal eine Lanze für HB brechen, und bitte korrigiert mich, falls ich Unsinn schreibe.
    Was immer wieder außer acht gelassen wird, ist der Vertriebsweg von HB Instrumenten, da fehlt zumindest eine Großhändler Marge. Rechnet man die drauf kämen die Instrumente in einen Preisbereich, in dem auch andere Hersteller ihre Produkte anbieten. Wenn man außerdem noch in Ländern produziert, in denen ein kleines Bier an der Theke 10$ kostet, kommen enorme Lohnkosten zusammen, eine automatisierte, rechnergestützte Produktion mal außer acht gelassen. (als Fotograf habe ich meinen Produktionsstandort von Köln aufs Land verlegt um nicht jedes Jahr die Mieterhöhung an meine Kunden weitergeben zu müssen)
    Wie gesagt, ich bin Anfänger und habe nach 40 Jahren elektronischer Musik vor 8 Monaten mit Gitarre angefangen und es macht mir richtig (!) viel Spaß. Ich hatte mir einen Gibson Nachbau von HB gekauft. Was wäre aber passiert, wenn ich den 10-fachen Preis für das Instrument hätte hinlegen müssen…?

    • Profilbild
      chardt  

      Ich habe mir vor ein paar Jahren meinen Jugendtraum erfüllt und das Original angeschafft – eine Gibson LP „Black Beauty“ für ~1800 €. Anschließend setzte die aber hauptsächlich Staub an, da ich mich kaum traute, dieses edle Teil auch nur anzufassen … dann schon lieber die Epiphone oder die Ibanez Artist. Am Ende hab ich sie wieder verkauft.
      (Mein Hauptinstrument ist Bass, Gitarre eher nebenbei aber mit viel Sammlerei und Selbstgebastel.)

      Noch eine Anmerkung / Tipp: Generell finde ich an den Gibson(-artigen) Dreiwegschaltern den Plastikgnubbel zu leicht. Ein Austauschteil aus Metall macht mir viel mehr Spaß, fühlt sich bei der Betätigung einfach solider an. Nur mal so …

  4. Profilbild
    Eibensang  

    HB ist nicht gleich miserabel, ebenso wenig, wie Gibson automatisch für Qualität bürgt. Ich spiele eine Gibson Les Paul, eine Ibanez AZ Premium und eine teure Ovation Collector. Klanglich alle erste Sahne.

    Der Ärger jedoch, den ich mit Verarbeitungsmängeln dieser drei Markeninstrumente hatte (allen voran die Ovation, gefolgt von der Gibson), passte hier, wollte ich alle Reparaturen auflisten, nicht ins Textfeld.

    Ich spiele auch eine Fender Standard Telecaster, eine Ibanez S, und eine (für unter 300,- gebraucht gekaufte) Harley Benton Fusion. Deren Floyd Rose ist stimmstabil und der Ahornhals mit rostfreien Bünden ein Spieltraum. (Ich ließ bessere Pickups einbauen, die ab Werk klangen matt. Aber die Verarbeitung der Billiggitarre ist hervorragend. Nur den falschen Inbusschlüssel hatten sie mitgeliefert, das machte den ersten Saitenwechsel zum Ächz-Abenteuer.) Die fabrikneue Fender hatte eine Kerbe im 20. Bundstäbchen, wodurch beim Bending zuweilen die B-Saite hängenblieb. Die Ibanez S ist makellos – war aber kaum halb so teuer wie die AZ Premium, die gerade als Garantiefall repariert wird (bevor sie eine Bühne sah: Volumepoti wackelt und mittlerer Pickup löst sich immer wieder und knallt beim Spiel gegen die Saiten. Vergleichsweise Kleinigkeiten, haha)!

    Vom Preis lässt sich also nicht auf die Fertigungsqualität schließen. Verstörenderweise. ;-)

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