Test: Intellijel Designs Steppy, 4-Track Gate-Sequencer

26. Juli 2019

Eurorack Sequencer mit vielen Funktionen

intellijel designs steppy

Intellijel Designs Steppy, 4-Track Gate-Sequencer

Sequencer für das beliebte Eurorack-Modulformat gibt es mittlerweile in stattlicher Anzahl. Wir haben den neuen Intellijel Steppy „4-Track Gate-Sequencer“ getestet und zeigen euch, was ihr damit anstellen könnt und womit sich das Modul von der Konkurrenz abhebt.

Was ist der Steppy von Intellijel?

Der Steppy von Intellijel Designs ist in erster Linie ein flexibler 4-Spur Trigger-Sequencer mit bis zu 64 Steps pro Spur, wobei jede Spur eine unterschiedliche Länge haben kann. Stichwort: Polyrhythmik. Die Gate-Länge kann für jeden Track unterschiedlich eingestellt werden. Dazu gibt es für jede Spur individuelle Einstellungen für den Clock-Teiler, den Swing, die Verzögerung und die Wahrscheinlichkeit.

Intellijel Designs Steppy – auspacken und anschließen

Das Modul kommt gut verpackt in einer schicken weißen Schachtel, versehen mit dem Intellijel Logo. In der Schachtel durch Luftpolsterfolie gut geschützt befindet sich das Modul mit dem dazugehörigen Stromkabel und einem Satz Schrauben. Das Handbuch gibt es umweltfreundlich auf der Herstellerseite im PDF-Format als Download. Also alles dabei für den Start: Prima!

Schnell das schicke Modul in das Case geschraubt, natürlich mit Washer und zur Probe einfach mal intuitiv versucht, ob man auf die Schnelle ein paar erste Sequenzen erstellen kann. Also mit meinem Grundverständnis funktionierte das erst einmal nicht. Die Bedienoberfläche ist nicht sofort selbsterklärend und so musste ich zunächst das Handbuch bemühen.

Eine halbe Stunde Handbuch-Studium später erschließt sich mir die Bedienoberfläche dann doch und den ersten Sequenzen steht nichts mehr im Weg.

Die Bedienoberfläche des Intellijel Designs Steppy

Als Einführung beschreibe ich erst einmal die Frontplatte mit ihren Anschlussmöglichkeiten und Bedienelementen: Links oben ist die Eingangsbuchse CLK für die Clock. Eine Clock wird unbedingt  für den Betrieb des Steppy von Intellijel benötigt. Eine dort anliegende Clock lässt den Sequencer sofort in dem entsprechend aufgelöstem Muster losrattern und die zugehörige LED pulsiert in Rot zum Rhythmus der Clock.

Daneben auf der rechten Seite befinden sich die Trigger-Out-Buchsen für die vier Tracks, hier mit OUT A-D beschriftet. Unter dem Clock-Eingang befindet sich eine Eingangsbuchse, die mit RST beschriftet ist. Hierbei handelt es sich um den Reset-Eingang. Ein hier anliegendes Trigger-Signal schaltet den Sequencer wieder zurück auf den ersten Schritt. Auch hier zeigt eine darunterliegende rote LED einen Signaleingang an.

Unter den Ein- und Ausgangsbuchsen sind 16 Taster in 2er-Reihen zu je 8 Tastern nebeneinander angeordnet. Diese sind je nach Mode verschiedenfarbig beleuchtet. Im PLAY MODE zeigen sie die belegten Steps in grüner Farbe an und der aktive Step wandert als rotes Licht durch die Steps auf den Tastern. Das sieht auf jeden Fall schon mal sehr cool aus und hat darüber hinaus auch noch die praktische Bedeutung, dass man sofort die Anordnung der gesetzten Steps sieht und an welcher Stelle man sich in der Sequenz gerade befindet.

Ganz unten sind noch zwei MODE-Taster angeordnet, dazu gehört jeweils eine Status-LED. Der linke schwarze Taster SEL schaltet den SELECT MODE ein und aus. Die Status-LED leuchtet im eingeschalteten Zustand gelb. Der rechte rote Taster beschaltet den EDIT MODE, beschriftet mit EDIT. Seine zugehörige LED leuchtet rot, wenn der Modus aktiv ist.

Die Bedienung des Intellijel Steppy

Wie bedient sich der Intellijel Steppy? Nun, nach einer kurzen Einarbeitungszeit geht das Konzept auf und die Bedienung in Fleisch und Blut über. Die Status-LEDs zeigen optisch an, in welchem Modus man sich gerade befindet und je nachdem sind die beiden darüber liegenden Tastenreihen mit verschiedenen Funktionen belegt. Diese Mehrfachbelegung der Taster setzt auch einfach voraus, dass man sich bei dem Modul am Anfang ein wenig intensiver mit dem Thema Einarbeitung auseinandersetzen muss.

Handbuch-Muffel können sich aber wieder entspannen! Euch soll an dieser Stelle die Angst genommen werden. Das von Intellijel erstellte Handbuch für den Steppy ist sehr strukturiert und klar verständlich geschrieben. Wenn man der englischen Sprache halbwegs mächtig ist, sollte der schnelle Einstieg in die Arbeitsweise des Moduls kein Problem darstellen. Beginnend mit den Hinweisen zum Einbau des Moduls, folgt ein Quick Start Guide, mit dem man sofort erste Erfolge feiert. Danach steigt das Handbuch in die verschiedenen Modi des Moduls ein. Und genau das tun wir jetzt auch:

Der PLAY MODE des Intellijel Designs Steppy

Das ist so was wie der Arbeitsmodus des Steppy. Man befindet sich automatisch in ihm, wenn der SELECT- und der EDIT-Modus aus sind. Die meiste Zeit an dem Modul wird man in diesem Modus sein und Sequenzen auf den vier Tracks erstellen und diese dabei abfeuern.

Intellijel Steppy Gate Sequenzer Patch

Intellijel Steppy im Patch

„Das Geheimnis des Vorwärtskommens besteht darin, den ersten Schritt zu tun,“ sagte Mark Twain. Na, dann setzen wir doch mal den ersten Step, bitte gedanklich mitmachen: Clock liegt an, Sequencer läuft, alle Pattern leer, keine der grünen LEDs leuchtet. Druck auf SEL schaltet den SELECT MODE an (gelbe LED leuchtet unten links) und wir wählen über die oberen vier linken Taster Track A aus. SEL MODE wieder ausschalten und schon können wir auf den 16 Feldern des Tracks A aktive Steps setzen, die gesetzten Taster der LEDs leuchten dann grün. Die durchwandernde rote LED zeigt den aktiven Step.

Und das gleiche Spiel von vorne für den nächsten Track. SEL MODE ein, Track B ausgewählt, SEL MODE aus und Steps setzen. Einfach – oder? Dasselbe machen wir nun auch mit den Tracks C und D und schon spielen alle vier Tracks ihren Part. Aber da geht doch sicher noch mehr? Ja, denn man kann über den PLAY MODE auch gleich noch die Pattern-Länge einstellen. Gewünschten Track wie oben beschrieben über den SEL MODE auswählen und dann einen der vier unteren Taster auf dem linken 8er-Tastenfeld aktivieren. Das Prozedere schaltet dann zwischen den Seiten für die Steps 1-16, 17-32, 33-48 und 49-64 um. Die Taster sind mit 1:4, 2:4, 3:4 und 4:4 beschriftet und nennen sich PAGE Buttons. Danach auf der gewählten Seite dann den entsprechend gewünschten Endstep länger als eine Sekunde drücken und die Sequenz läuft auf diesem Track bis zum gewählten Endstep und springt dann wieder auf den ersten Step zurück.

Der EDIT MODE des Intellijel Steppy

Der EDIT MODE des Steppy wird mit dem unteren rechten roten Taster eingeschaltet und die entsprechende LED leuchtet dann rot. Dieser Modus nutzt die rechts neben den Trigger-Tastern der rechten Trigger-Reihe beschrifteten acht Befehle. Von oben nach unten: GATE, CLK+, SWING, DELAY, PROB, SHIFT, SAVE und LOAD. Eingestellt werden die Parameter über die linke Trigger-Tastenreihe, wobei der einzustellende Wert von oben nach unten größer wird.

Die Parameterbeschriftungen sind selbsterklärend. Mit GATE wird die Länge der auszugebenden Gates für den ausgewählten Track eingestellt. Beim Triggern von Drums wird man mit dem eingestellten kurzen Trigger-Gate immer gut zurechtkommen. Aber man kann den Steppy ja auch zum Triggern von Hüllkurven nutzen und da ist ein länger eingestelltes Gate durchaus sinnvoll.

Mit CLK+ wird die Clock-Teilung im Bereich von /1 bis /64 für den ausgewählten Track eingestellt. Mit SWING kommt die Sequenz dann ordentlich ins Swingen und Grooven. Der Wertebereich liegt hier zwischen 50 % und 78 %.

DELAY verschiebt die Sequenz um Nuancen von 0 – 58 % nach hinten, was mit Bedacht gewählt auch für sehr viel Groove sorgen kann.

Der Parameter PROB vergibt für den Track eine Wahrscheinlichkeit für das Ausgeben eines Steps. Das sorgt für zufällige Variationen in den Sequenzen. Bei einer Wahrscheinlichkeit von 75 % sorgt dieser Parameter dafür, dass bei vier Durchläufen jeder aktive Step des ausgewählten Tracks mindestens einmal die Chance hat auszufallen.

Probability

Mit SHIFT kann man die Sequenz um bis zu vier Schritte verschieben. Die oberen vier Taster in der linken Reihe verschieben die Sequenz um 4, 3, 2 und 1 Step nach oben, die unteren vier Taster entsprechend 1, 2, 3 und 4 Steps nach unten.

Die Taster LOAD und SAVE sind selbsterklärend. Ein Preset wird in einem der acht linken Slots abgespeichert und auch von dort wieder geladen. Ein Preset beinhaltet dabei alle vier editierten Tracks und die dazugehörigen Parameter aus dem EDIT und dem SEL MODE.

Der SELECT MODE des Steppy von Intellijel

Ihr habt es sicher gemerkt: Immer wieder taucht bei den bisher beschriebenen Modi PLAY und EDIT bei der Beschreibung der SELECT MODE auf. Dieser Modus ist im Prinzip das Bindeglied zwischen den beiden anderen Modi. Er ist in erster Linie zum Auswählen des zu spielenden oder zu bearbeitenden Tracks da, hat aber auch ein paar Besonderheiten zu bieten.

Der SEL MODE Schalter ist schwarz und korrespondiert damit zu den Beschriftungen mit schwarzem Untergrund links neben den zwei 8er-Tastenfeldern. Die Track- und Page-Buttons des linken 8er-Felds hatten wir schon beschrieben, jetzt die rechte Seite.

SEL MODE

Im SEL MODE kann man die vier Tracks auf die Schnelle stummschalten. Dazu gibt es rechts neben den Track-Tastern entsprechende MUTE-Taster, beschriftet mit X. Funktioniert auch sehr simpel: SEL MODE ein, entsprechende MUTE-Taste drücken und schon ist der gewählte Track aus oder eben an, wenn er vorher aus war. Die gelbe Status-LED zeigt den Zustand an. Das funktioniert auch mit temporär gedrückt gehaltenem SEL MODE Taster, er fungiert gleichermaßen als Switch-Taster. Also: SEL MODE Taster halten, entsprechenden MUTE-Button drücken, SEL MODE loslassen, Spur ist stumm.

Unter den vier Mute-Tastern ist der Taster PAGE FOLLOW. Wenn eine Sequenz länger als 16 Steps ist, kann sie nicht mehr dargestellt werden und hier kommt diese Funktion ins Spiel. Mit dem Taster PAGE FOLLOW wird die Darstellung der Steps bis zum Endstep aktualisiert. So wird zum Beispiel bei 64 Steps zwischen den Pages 1:4, 2:4, 3:4 und 4:4 der Reihe nach die Anzeige der Steps umgeschaltet. Sollte man einschalten oder?

Jetzt wird es spaßig! Der LOOPY-Button unter dem Taster PAGE FOLLOW sorgt für offene Münder und kann im Live-Set für coole Momente sorgen. Dieser Button schaltet in den Loop-Modus. Man kann nun zwei Steps auf einem Track auswählen und der Steppy loopt die Sequenz zwischen diesen beiden Steps. Das wird auf dem Track im PLAY MODE dann auch visuell angezeigt, sehr cool und bringt ordentlich Leben in das Pattern! Hier zeigt sich, dass der Steppy auch für eine Live-Performance wie geschaffen ist. Die klare Anzeige des aktuellen Status ist immer gegeben. Da hat jemand mitgedacht.

Dann gibt es noch den selbsterklärenden Taster RST für RESET. Analog zur entsprechenden Eingangsbuchse setzt dieser Taster den Sequencer wieder auf Step 1 zurück. Länger gehalten dient er auch als Panic-Button.

Und der letzte verbliebene Taster ist auch selbsterklärend CLR für CLEAR. Kurz gedrückt löscht er die eingegebenen Trigger-Daten des ausgewählten Tracks. Lang gedrückt löscht er zusätzlich auch noch die zum Track gehörenden Parameter, wie zum Beispiel: Gate-Länge, Clock-Division und Wahrscheinlichkeit.

Im SEL MODE ist auch die Kopierfunktion realisiert. Das Kopieren von Patterns funktioniert sowohl im gleichen Track (Page to Page) als auch trackübergreifend (Track to Track). Den Kopiermodus Page to Page wird man in der Regel nutzen, um in den nachfolgenden Wiederholungen des Patterns auf den anderen Pages Variationen einzubauen. Beachten muss man hier, dass man den Endstep auf der letzten kopierten Page manuell setzen muss, sonst spielt Steppy weiterhin nur die erste Page ab.

Intellijel Steppy Shakmat ClockOPawn

Dynamisches Duo: Intellijel Steppy + Shakmat Clock O’Pawn

Das Beispielvideo zum Intellijel Steppy

Die Clock kommt von einem Shakmat Clock O*Pawn DIY Modul. Angesteuert werden für die Drums die MFB-Module aus der 522-Serie Bass und Snare sowie die HiHat. Gezeigt wird die Basisbedienung in den verschiedenen Modi und natürlich darf auch das Loopy Performance Feature nicht fehlen. Für tonalen Output sorgt später im Video Track D, der den Sequencer eines Analogue Solutions Leipzig SK mit jedem gesetzten Step im Takt weiterschaltet. Im letzten Teil des Videos schaltet Track D einen Rossum Electro-Music Control Forge, der einen Morpheus aus gleichem Hause moduliert, weiter. Die Drums werden dabei durch den modulierten Morpheus geleitet.

Was gibt es noch zu sagen über den Intellijel Steppy?

Das sehr beliebt gewordene Ratcheting beherrscht der Steppy ebenso wie Tap-Recording. Diese beiden Features können über einfache Tastenkombinationen erreicht werden, haben also keinen eigenen Button.

Intellijel Steppy 1U Herstellerbild

Intellijel Steppy 1U

Den Steppy gibt es neben der getesteten Variante in drei Höheneinheiten auch als Modul mit nur einer Höheneinheit, dafür aber 28 TE Breite mit gleicher Funktionalität. Vielleicht auch ein Kaufkriterium? Schaut man sich nach Alternativen um, hat man zwar mehr Spuren, aber auch deutlich mehr Platzverbrauch im Case. Spontan fallen mir da der Doepfer Trigger-Sequencer A-157 und der Robaux SWT16 ein. Es ist schon erstaunlich, wie es die Entwickler bei Intellijel geschafft haben, so viele Features bei guter Bedienung auf so wenig Platz unterzubringen.

Modulbreite: 8 TE
Modultiefe: 24 mm
Stromverbrauch: 15 mA @ +12 V | <1  mA @ -12 V

Fazit

Wer bereit ist, Zeit in die Einarbeitung zu investieren, bekommt ein schickes Modul mit nachhaltigem Spaß geliefert. Mit den vier Spuren vier andere Module gleichzeitig anzusteuern und rhythmisch zu triggern, funktioniert tadellos. Samples abfeuern, Drums antriggern, Hüllkurven per Gate auslösen oder LFOs resetten, die Einsatzgebiete für dieses Modul sind vielfältig. Die mitgelieferten Parameter lassen einen detaillierten Eingriff in die erstellten Sequenzen zu und lassen sie dabei ordentlich grooven. Das Loopy Performance Feature macht Riesenspaß und erhebt den Sequencer in die Live-Tauglichkeit. Der Parametersatz des Intellijel Steppy sorgt mit seinem gut gewählten Raster für durchweg musikalisch verwertbaren Output. Mit 8 TE und einem Stromverbrauch unter 20 V geht das tolle Modul zudem sehr sparsam mit den immer knappen Case-Ressourcen um und ist mit 25 mm Einbautiefe auch sehr gut geeignet für flache Cases. Einzig der hohe Preis für nur vier Spuren nagt etwas an der ansonsten ganz klaren Empfehlung meinerseits.

Plus

  • nach kurzer Einarbeitungszeit flüssige Bedienung
  • Drucktaster mit gutem Feedback
  • musikalische Parameterwahl
  • Loopy Performance Feature
  • Speicherplätze für Presets

Minus

  • Preis

Preis

  • Ladenpreis: 249,- Euro
Forum
  1. Profilbild
    Son of MooG  AHU

    Für das Gebotene finde ich den Preis nicht allzu hoch; der vergleichbare Varigate 4+ von Malekko kostet 269,-€ und bietet nur 4×8 Steps…

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