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Test: Kurzweil SP-7 Grand 88Key Stagepiano

Der neue Standard für Stage Pianos?

5. April 2023

Mit dem Kurzweil SP-7 Grand erscheint ein neuartiges Stage Piano der guten Mittelklasse an, zumindest, was das Preisniveau betrifft. Das Kurzweil SP-7 Grand Stage Piano steht für 16-fache Multitimbralität, eine Polyphonie von 256 Stimmen, die „legendäre“ Kurzweil Klangqualität und ein moderates Gewicht. Zu einem Preis von gut 2.000,- Euro ein rundum perfektes Paket?

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Der erste Eindruck des Kurzweil SP-7 Grand

Das Kurzweil SP-7 Grand besticht durch ein Metallgehäuse mit Kunsttoff-Seitenteilen. Das Design wirkt auf den ersten Blick edel und übersichtlich und wird durch das zentrale 7″ Touchdisplay dominiert. Links daneben finden sich die Gainpotis der beiden Audioeingänge, der Joystick für Modulations und Pitchbending, zwei Volume-Regler („Monitor“ und „Main“), zwei Schalter für die Transponierung sowie acht Echtzeitregler für Effekte und acht Pads, um einzelne Klänge eines Multis ein- und auszuschalten.

Ein Multi besteht aus bis zu 16 „Zonen“ mit jeweils einem Sound („Program“), vier Effektbussen und acht Arpeggiatoren. Außerdem legt man für jede Zone fest, ob sie mit der internen oder über MIDI mit einer externen Klangerzeugung verbunden ist.

Die rechte Seite der Bedienoberfläche dient der Soundauswahl über das große Datenrad respektive 16 Buttons, die alle für eine Klangkategorie stehen.
Der Kurzweil SP-7 wird mit zwei Tastaturen angeboten: Das hier getestete Modell „Grand“ verfügt über eine Fatar TP110, während das Standardmodell mit einer selbstentwickelten (oder No Name) gewichteten Klaviatur bestückt ist. Das einfachere Modell ist mit 12,5 kg erstaunlich leicht, wobei das Grand mit gut 16 kg auch zu den leichteren Modellen am Markt gehört. Außerdem bietet das Grand ein größeres Display. Ansonsten sind die beiden Varianten identisch aufgebaut und bieten kurz gesagt folgende Funktionen:

Technische Eigenschaften des SP-7 und SP-7 Grand

Klangerzeugung

  • Sample-basiert mit Filtern und Hüllkurven
  • 256 Stimmen
  • 16-fach multitimbral
  • 301 Klänge, 512 Multiprogramme, 128 User-Multis
  • 2 GB Samples

Effekte

  • 4-Band-EQ
  • Hall
  • Modulationseffekte: Delay, Chorus/Flanger, Rotary Speaker, Vibrato, Tremolo, Auto Wah-Wah
  • Compressor, Noise Gate
  • Distortion, Bit Crusher
  • Vocal Pitch Correction
  • vierstimmiger Vocoder
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Kurzweil SP-7 Grand
Kurzweil SP-7 Grand
Kundenbewertung:
(1)

Display, Controller, Spielhilfen

  • SP-7: 4,3″, 480*282 pixel, touch screen
  • SP-7 Grand: 7″, 1024*600 pixel, touch screen
  • Pitch-/Modulations-Joystick
  • 8 Echtzeitregler
  • Unterstützung für Halbpedal
  • komplexer Arpeggiator

Weiteres

  •  integriertes USB-Interface: 2in/2out, 24 Bit, 48 kHz
  • System Samplingrate: 48 – 196 kHz
  • System Bitrate: 48 Bit (fixed point)

Anschlüsse

  • Stereo Audio Out („Main“, symmetrische Klinken)
  • Stereo Audio Out („Monitor“, symmetrische Klinken)
  • Kopfhörer (auf der Rückseite)
  • Stereo Audio In (zwei XLR/Klinke Kombibuchsen)
  • MIDI In / Out
  • USB B
  • 2 Switch-Pedal Anschlüsse, 1 Controller Pedal
  • Stromversorgung über 15 V, 2,5 A Netzteil

Gehäuse, Abmessungen und Gewicht

  • SP7: Kunststoff. 135*38*15 cm. 12,5 kg
  • SP7 Grand: Stahl und Aluminium. 132*37*12 cm. 16,3 kg

Die Tastatur des Kurzweil SP-7 Grand

Ehe wir uns den Klängen widmen, erst ein paar Worte zur Klaviatur, die mich in den ersten Tagen des Tests nicht zu überzeugen vermochte. Die verbaute TP110 mit Dreifachsensoren von Fatar erschien mir etwas träge, zumindest im Vergleich zu meinem etwa 20-jährigen PK88 von Doepfer, weil die Tasten weniger schnell wieder hochkommen, wenn man sie abrupt loslässt. Nach kurzer Zeit hatte ich mich aber daran gewöhnt und die Tastatur des Kurzweil SP-7 Grand fühlte sich sehr natürlich an, so dass auch schnelle Repetitionen mühelos gelangen. Als ich sie eins zu eins mit meinem Flügel verglich (Pfeiffer 191 jüngeren Datums mit Rennermechanik), musste ich konstatieren, dass Fatar gute Arbeit geleistet hat. Das SP7 spielt sich hervorragend und eignet sich auch zum Üben pianistischer Feinheiten, sofern man sich ein bisschen an sie gewöhnt hat. Die Tasten sind leicht angerauht und sorgen so für besseren Halt.

Die Sounds des Kurzweil SP-7

301 Sounds bilden das klangliche Rohmaterial des SP7. In 512 programmierten Multis sind bis zu 16 Sounds samt Effekten und teilweise Arpeggiator Einstellungen zusammengefasst. Für eigene Multis stehen 128 Speicherplätze zur Verfügung. Die Klangkategorien wählt man über dedizierte Tasten, anschließend scrollt man mit dem Datenrad oder den beiden +/- Tasten durch die Soundlisten. Die Klangqualität ist – wie auch nicht anders zu erwarten bei einem Kurzweil-Instrument – gut bis sehr gut. Allen voran natürlich der Flügel, der sich sehr aussdrucksstark spielen lässt mit einem beachtlichen Dynamikumfang von Pianissimo bis Fortissimo. Warm, kraftvoll, luftig, lebendig … zweifelsfrei ein hervorragender Pianosound.
Der gesampelte Steinway D-274 Konzertflügel aus Hamburger Produktion spielt sich wunderbar, jede noch so feine spieltechnische Nuance wird klanglich abgebildet, auch dank der hervorragenden Tastatur von Fatar. Da ist es auch zu verschmerzen, dass im Gegensatz zur Konkurrenz nur ein Flügelmodell zur Verfügung steht. Alle Piano-Sounds des SP7 basieren auf denselben Samples. Ob man sich dadurch längerfristig eingeengt fühlt, muss jeder für sich entscheiden. Tatsache ist aber, dass die Konkurrenz an Stage Pianos meistens über mehrere Flügels-Samples verfügt, was zweifelsfrei Vorteile bietet. Auf der anderen Seite gehört das Steinway-Sample des Kurzweil SP7 zum Besten, was heute angeboten wird. Ein Sound, den ich tage- und wochenlang spielen könnte.

Die nächste Kategorie an Sounds ist den elektrischen Pianos gewidmet. Das Rhodes („Vintage EP“) klingt warm und kernig und reagiert fein auf die Anschlagsdynamik. Ob das Sample auf einem Mark 1 oder 2 basiert oder ob allenfalls ein eher seltenes „Fender Rhodes“ zum Zug kam, wird nicht dokumentiert, ist im Endeffekt aber auch egal, da der jeweilige Zustand eines Instrumentes weit wichtiger für den Sound ist als das Modell und das Baujahr. Gewiss haben die Leute von Kurzweil das Rhodes für die Sampling-Session sorgfältig ausgewählt, gestimmt und justiert. Der Bass ist kräftig und rund, die Mitten warm und die Höhen glockig.
Im direkten Vergleich gefällt mir zwar das Nefertiti Sample von Nord etwas besser, aber da spielt auch mein persönlicher Geschmack mit.
Außerdem finden sich vier weitere „E-Pianos“, darunter ein Wurlitzer Sound sowie fünf „Digital EP“-Klänge als Reminiszenz an Keyboards der 80er- und 90er-Jahre.

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Hingegen bezweifle ich, dass ich für die Entwicklung eigener Klänge mit dem SP-7 glücklich würde. Hierzu ist das Instrument dann doch zu eingeschränkt, da man stets auf vorgefertigte Klänge angewiesen ist, die man zwar verändern und mit Effekten versehen, aber nicht von Grund auf neu gestalten kann. Ein direkter Zugang zu den Klangquellen bleibt einem verwehrt. Auch die teils sehr gut klingenden Synthi-Sounds sind letzten Endes alles Presets, die in ihren Grundzügen vorgegeben sind. Es gibt keine Möglichkeit, Schwingungsformen, Stimmung oder Lautstärkeverhältnis der Oszillatoren zu editieren. Die Editierung beschränkt sich auf Filter-Cutoff und -Resonance, eine dreistufige Hüllkurve (ohne Sustain), Vibrato und Portamento. Weitergehende Bearbeitungen sind nicht möglich, also auch kein LFO auf dem Filter oder verschiedene Filtertypen und Filterflankensteilheiten.

Auch die eigentlich gut klingenden Hammond-Sounds sind fest vorgegeben. Virtuelle Drawbars, Percussion-Schalter oder Vibratoscanner sucht man vergeblich. Stattdessen scrollt man sich durch eine Liste von acht „Organ“ Sounds, davon gerade mal eine „Percussive Organ“. Diese klingt zwar gut, wäre mir auf die Dauer aber zu eingeschränkt. Und da es sich um Samples handelt, reagiert die Percussion anders als gewohnt, da die Percussion einer Hammond ja nur dann auslöst, wenn keine anderen Tasten gedrückt sind. In Synthi-Sprache würde man von Single-Trigger sprechen, während der Perc-Sound des SP7 im Multi-Trigger die Percussion bei jedem Tastenanschlag spielt. Ein Detail, das viele nicht stören wird, aber nicht unerwähnt bleiben sollte.

Des Weiteren finden sich die üblichen Verdächtigen an akustischen Instrumenten mit Kirchenorgeln, Streichern, Blech- und Holzbläsern, Perkussion und Gitarren respektive Bässen. Eigentlich sollten Soundwechsel „smooth“ möglich sein, was sich nicht immer bewahrheitete. Bei schnellem Spiel und Pedaleinsatz kam es manchmal zu kurzen Aussetzern oder Latenz. Der Fehler ließ sich nicht konstant reproduzieren und trat auch nur bei sehr schnellen Läufen und Patterns auf, soll hier aber nicht unerwähnt bleiben.

Die Effektpallete das SP-7

Die acht Potis links des Displays steuern normalerweise die globalen Effekte: einen 4-Band-EQ, ein Delay und ein Reverb. Während EQ und Reverb über alle notwendigen Parameter verfügen, fehlt beim Delay der doch ziemlich wichtige Feedback-Parameter, was für ein Live-Instruement keine besonders weise Entscheidung ist. Über einen Menüpunkt lässt sich das Feedback natürlich editieren, aber das ist im Live-Betrieb umständlich bis kaum praktikabel. Außerdem fehlt ein Tap-Tempo. Die Delay-Zeit lässt sich nur manuell über das Poti einstellen und dabei nicht in Millisekunden oder BPMs, sondern in willkürlichen Werten zwischen 0 und 127. Seltsamerweise stehen hohe Werte für kurze Delay-Zeiten und umgekehrt. Vielleicht bin ich selbst zu konservativ, aber aus meiner Sicht ist dies nicht gerade intuitiv. Problematisch ist auch, dass schnelle Veränderungen der Delay-Zeiten digitale Artefakte auslösen können. Ein gewisser Trost ist, dass über den Effekt-Bus auch ein tapbares Delay zur Verfügung steht, das aber nur über verschiedene Menü-Seiten editiert werden kann.

Effekt Bus

Jeder Sound kann einem von vier Effektwegen zugewiesen werden. Diese bieten je einen Effekt aus den Gruppen Kompressor respektive Verzerrer, Equalizer (4-Band parametrisch mit Q), Modulation resp. Auto Wah sowie Delay resp. Tremolo. Die Reihenfolge der Effekte entspricht bekannten Gepflogenheiten der Gitarrenfraktion und ergibt in vielen Situationen bestimmt Sinn, ändern lässt sie sich hingegen nicht. Seltsamerweise gibt es kein visuelles Feedback über die aktiven Effekte, so lange man diese nicht einzeln anklickt. Außerdem lassen sie sich nicht einzeln bypassen, sondern nur jeweils der gesamte FX-Bus.

Ein spezielles Verhalten zeigt das Delay, das beim Umschalten von Mono auf Ping-Pong-Modus (im SP7 „Stereo“ genannt) doppelt so schnell klingt. Die Delay-Zeiten der Effektwege beziehen sich auf das Master-Tempo des Multiprogramms und werden in Notenwerten angegeben: von 1/2 bis 1/64 jeweils auch punktiert und triolisch, also: 1/4, 1/4d („dotted“, punktiert), 1/4t („triplet“, Triole) etc. Im Test kam es mehrmals zu Störgeräuschen, als ich die Delay-Zeit ändern wollte. Der Fehler ließ sich nicht reproduzieren, trat aber mehrmals auf. Hoffen wir, dass dies nur eine Eigenheit meines Testinstrumentes war.

Ein Multi bietet vier Effektbusse, bestehend aus maximal vier Effekten, unter anderem Delay

Arpeggiator

Interessant ist der Arpeggiator des SP7, wobei dies schon eine Untertreibung ist: Es finden sich ganze acht unabhänige Arpeggiatoren, die auch als Stepsequencer fungieren. Das Tempo richtet sich nach dem Mastertempo eines Multis und kann mit den Faktoren 0,5, 1 und 2 multipliziert werden. Andere Faktoren sind nicht vorgesehen, womit auch polyrhythmische Arpeggiator-Strukturen wegfallen, beispielsweise „drei über vier“.
Es gibt drei Modi der Laufrichtung, die hier „Key Sort“ heißen (Up, Down und As Played) und vier Swing Faktoren (0, 25, 50 und 75 %). Außerdem vier unterschiedliche Gate-Längen (90, 75, 50 und 25 %). Mir persönlich wären stufenlose Werte für Swing und Gate lieber, da manchmal die richtig groovigen Einstellungen irgendwo dazwischen liegen. Soweit, so bekannt.

Etwas komplexer wird die Geschichte auf der nächsten Seite, die für bis zu 32 Schritten eines Arpeggios bzw. Sequencers einzelne Vorgaben zulässt: Von der Transponierung, über programmierte Velocity-Werte bis zur Art des Klangereignisses (gespielter Ton, Pause, Legato-Ton oder ein ganzer Akkord) und die Frage, welche gespielten Töne welche Ereignisse triggern. Insgesamt also ein potenter Arpeggiator/Sequencer, sofern man sich etwas damit auseinandersetzt. Einziger Wermutstropfen ist, dass er über keine dedizierten Bedienelemente verfügt. Auch die Basic-Befehle wie Start, Stop und Hold sind standardmäßig nur über das Display erreichbar. Da die Buttons und Regler links des Displays aber frei belegbar sind, könnte man sich sein eigenes Arpeggiator-Setup basteln.

Die „Steps“-Ansicht des Arpeggiators/Sequencers erlaubt komplexe Editierungen der 32 Schritte

Mikrofoneingang und USB-Schnittstelle

Eine Besonderheit des SP-7 sind die beiden Mikrofoneingänge. Externe Signale können mit Effekten versehen werden, ausserdem sind Harmonie-Effekte und Auto-Tuning möglich. Sogar eine Phantomspeisung ist vorgesehen.
Das eingebaute Stereo In/Out USB-Interface funktionierte problemlos an meinem Mac und könnte auch dazu genutzt werden, das Audiosignal von Software-Synthesizern über den SP7 auszugeben.

Die Bedienung des Kurzweil SP-7

Gerade mal vier Sekunden benötigt das SP-7 nach dem Einschalten, um spielbereit zu sein, was für Live-Musiker ein relevantes Detail sein kann, falls – aus welchen Gründen auch immer – die Stromversorgung ausfällt. Beim ersten Einschalten ist man beeindruckt von den vielen bunten Lichtern des SP-7. Der SP-7 befindet sich stets im Multimodus, was bedeutet, dass jederzeit bis zu 16 Klänge in Layer und Split-Anordnungen gespielt werden können. Standardmäßig dienen die acht Buttons links des Displays zum Aktivieren der ersten acht Sounds eines Multis.
Die Buttons und Regler selbst lassen sich für jedes Multi frei belegen und mit passenden Farben versehen. Mit wenig Aufwand kann man sich die Bedienoberfläche somit nach eigenen Wünschen gestalten.

Buttons und Potis können frei in der Farbe gestaltet werden

Nicht ganz warm wurde ich mit dem Touchscreen, das für meinen Geschmack etwas träge reagiert. Vielleicht lagen auch meine Finger etwas neben der vorgesehenen Zone, was sich aber auch nach zwei Wochen Testphase nicht besserte. Was auch immer der Grund war, hege ich bestimmte Zweifel, ob ich damit auf die Bühne gehen wollte. Der Touchscreen des SP7 fühlt sich weit weniger reaktiv an als beispielsweise ein iPhone. Vielleicht war dies eine bewusste Entscheidung, die für mich aber nicht ganz schlüssig ist. Hat man sich erst einmal daran gewöhnt, funktioniert die Bedienung in den meisten Fällen ganz gut, aber eben nicht immer.

Um Werte zu verändern, zieht man den Finger auf dem Display hoch oder runter, selbst wenn der Parameter über ein virtuelles Poti, also kreisförmig dargestellt wird. Für geübte Nutzer einer DAW ist dies ein vertrautes Verhalten, andere Musiker, die vor allem Hardware gewohnt sind, werden sich eventuell etwas wundern.

Insgesamt geht für mich das Bedienkonzept in Ordnung. An einem Nord Stage oder Roland RD-2000 fühle ich mich zwar etwas wohler, was aber auch eine Frage der Gewohnheit und des Preises ist.

Jeder „Zone“ kann ein eigener Tastaturbereich zugewiesen werden

Das Kurzweil SP-7 Grand on YouTube

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Mehr Informationen

 

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Fazit

Das Kurzweil SP-7 überzeugt klanglich. Vor allem der gesampelte Steinway D-274 Konzertflügel aus Hamburger Produktion spielt sich wunderbar. Auch die E-Pianos überzeugen. Bei anderen Sounds bin ich zwiegespalten: Die Hammond bietet lediglich eine Handvoll Presets, aber keine virtuellen Zugriegel. Ähnliches gilt für die Synthi- und Pad-Sounds, die zwar gut klingen, aber nur eingeschränkt editierbar sind.

An der Bedienung gibt es ein wenig Kritik. Manche, eigentlich simple Vorgänge sind unnötig kompliziert gestaltet. Natürlich spielen da auch persönliche Vorlieben und Erfahrungen mit, aber gewisse Design-Entscheidungen halten einer objektiven Prüfung nicht Stand, beispielsweise das fehlende Feedback-Poti oder Tap-Delay des globalen Delays auf dem Bedienpanel. Platz wäre ja genug vorhanden. Das Touch-Display ist weniger sensibel als beispielsweise ein iPhone und erfordert eine gewisse Einarbeitungszeit. Wer sich aber einmal damit vertraut gemacht hat, wird bestimmt seine Freude daran haben.

„Perfekt“, wie in der Eingangsfrage formuliert, ist wahrscheinlich kein Instrument, aber für den Preis bietet Kurzweil ein ziemlich ausgeklügeltes Stage Piano.

Plus

  • Klangqualität
  • sehr gute Flügel- und Rhodes Samples
  • 256-fach polyphon
  • 16-fach multitimbral
  • Echtzeitregler und Buttons
  • komplexer Arpeggiator
  • großes Display

Minus

  • Touchscreen etwas träge (zumindest in der Wahrnehmung des Testers)

Preis

  • Kurzweil SP-7 Grand: 2.159,- Euro
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Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    Markus Galla RED

    Hi,
    ich finde, dass man einige Punkte noch ergänzen sollte, da diese geradezu richtungsweisend für Kurzweil sind: Während Kurzweil beim K2700 immer noch auf V.A.S.T. setzt, ein zu kleines Display ohne Touch-Funktion verbaut und sogar in vielen Bereichen einen Rückschritt hingelegt hat (siehe meinen Testbericht), überrascht ausgerechnet das deutlich günstigere Kurzweil SP-7 Grand plötzlich mit einer neuen Sample-basierten Synthese (A.T.S.T.) und einem Touch Display. Das ist für Kurzweil geradezu revolutionär und es stellt sich schon die Frage, warum man ausgerechnet jetzt hier auf diese Änderungen setzt. Der Klang ist toll und der Preis auch mehr als in Ordnung. Ich bin gespannt, wie K2700-Kunden auf das SP-7 Grand reagieren.

    • Profilbild
      Tai AHU

      @Markus Galla Ich schreibe das jetzt aus meiner Erinnerung, aber ist da mehr gemeinsames bei K2700 und SP-7 ausser dem Namen? Also nicht vergleichbar. Der 2700 ist doch ein richtiger Synth und deshalb mit VAST nicht schlecht bedient. Und das Touch-Display scheint ja auch nicht der Weisheit letzter Schluß zu sein.

      • Profilbild
        Markus Galla RED

        @Tai Ja, aber der K2700 bietet weder klanglich noch haptisch Neues. Selbst die Bedienungsanleitung ist Copy & Paste von Anleitungen uralter Kurzweil-Synths. Man mag sich das schönreden, aber es hat keine Entwicklung stattgefunden. Der K2700 wirkt im Vergleich zu einem Fantom oder Montage wie ein Relikt aus den 90ern und beim genauen Hinsehen ist er das auch. Hier wird jetzt bei einem viel günstigeren und einfacheren Gerät von Kurzweil das alte Muster aufgebrochen und man tastet sich zaghaft an das heran, was woanders seit 15 Jahren Standard ist. Und das ist noch nicht einmal das Top-Modell. Ich hatte beim Test des K2700 das Gefühl, an einem Vintage Digitalsynth zu sitzen und nicht an einer modernen Top-Workstation. Es wird Zeit, dass man bei Kurzweil mal in Jahr 2023 ankommt. Das hier scheint ein erster zaghafter Schritt zu sein, der überraschend kommt.

    • Profilbild
      bopegasus

      @Markus Galla Danke für die detaillierte Beschreibung. Zwar habe ich die Tastatur nicht unter den Fingern gehabt, aber das wird wahrscheinlich auch nie geschehen.
      Entscheidend ist, was ich höre. Das erinnert mich an mein Antesten im Jahre des Herrn 2010 (als es in München noch Musikgeschäfte gab). Im Direktvergleich zwischen einem Korg SV1 und einem Kurzweil hat das Kurzweilkeyboard in zwei Bereichen verloren: Die Tastatur und die Sounds. Natürlich ist beides Geschmackssache, ich tendiere eher zu einer schwer gewichteten Tastatur… aber die Sounds? Da habe ich von allen Sounds den Eindruck gehabt, alles irgendwie vorhanden, aber irgendwie billig, nichts herausragendes. Ein Korg SV1 hat nicht gerade viele Sounds, aber ein paar davon sind eben „the real thing“. Verbunden mit einem Direktzugriff der einfach und wirkungsvoll ist…
      Touch Display. Habe ich bei meinem Yamaha ModX6+ und bin vorgewarnt. Bezüglich Zielgenauigkeit und… woher kommt der Name Touch? sollte es nicht besser Strike- oder Hit- Display heißen?
      Fazit: was ich hier lese und höre entfacht sicher nicht die direkte Kauflaune.

  2. Profilbild
    costello RED

    Hi Martin, danke für den Test und die schönen Klangbeispiele. Das Concert Grand klingt wirklich super. Das Rhodes ebenfalls. Auch die erste Orgel hat mir persönlich gut gefallen. Natürlich ist es schade keine Zugriegel zu haben, allerdings war ich auch nie ein großer Fan der Kurzweil KB3-Orgelemulation. Bei den übrigen Klängen dachte ich dann schon eher – wie gehabt, wobei ich die Kurzweilklänge (trotz der nicht allzu großen Samples) immer sehr gut gefunden habe. Ausreichend realistisch und gut im Bandkontext nutzbar. Deine einschränkenden Bemerkungen zum Touch Screen kann ich sehr gut nachvollziehen. Aber insgesamt scheint das SP-7 ein richtig schönes Stage Piano zu sein.

  3. Profilbild
    tantris

    Die Klangbeispiele 8 und 9 (Saxophon und Sitar) klingen wie ein billiger Super-Mario-Sound. Diese Sounds hätte man auch samplen können. Bei vielen Piano-Sounds sind die Höhen unangenehm hervorgehoben. Im beigefügten Video ist in ein wasserfallartiges Rauschen zu hören. Tut mir leid, da hat sich Kurzweil keine Mühe gegeben. Die Kundenbewertung beim Musikhaus Thomann vom 28.03.2023 lässt auch nichts besseres hoffen.

  4. Profilbild
    vssmnn AHU

    Kurzweil und Nord sollten sich zusammen tun.
    Pianos, EPs und Orchester+ Sample-Unit von Kurzweil, Orgel und Synth + Bedienkonzept ( + ein großes zeitgemässes reaktionsschnelles Touch-Display) von Nord.
    Das wäre die ultimative Kiste.

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