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Test: Magix Sound Forge Pro 12, Audio-/Mastering-Software

25. Februar 2019

Magix macht das Dutzend voll

magix sound forge pro 12

Magix Sound Forge Pro 12

Sound Forge ist ein Klassiker. Ursprünglich von Sonic Foundry entwickelt, übernahm Sony 2003 diese (und weitere) Kreativprogramme, um es – zusammen mit SpectralLayers, Acid und Vegas – an Magix weiter zu verkaufen. In den letzten Jahren vor dem Verkauf hatte Sony dann auch nur noch wenig Enthusiasmus gezeigt, die Software weiter zu verbessern. Neue Versionen waren selten, die letzte – Sound Forge Pro 11 – stammt noch aus dem Jahr 2013. Ein Jahr nach der Übernahme brachte Magix dann zunächst mit Sound Forge Audio Studio 12 eine neue kleinere Version heraus (meinen Test dazu finden Sie hier); inzwischen hat auch die Pro-Version den Sprung auf die nächsthöhere Evolutionsstufe vollzogen. Aber lohnt sich der Umstieg? Was hat Magix Sound Forge Pro 12, was sein Vorgänger noch nicht hatte?

Sound Forge Pro 12

Sound Forge Pro 12

Drei Versionen von Magix Sound Forge Pro 12

Die Audio-Software gibt es in drei Versionen: Zum einen die Basis-Ausgabe „Sound Forge Pro 12“ (389,- Euro), die ich hier teste, zum anderen die erweiterte „Sound Forge Pro 12 Suite“ (549,- Euro). Letztere umfasst einige zusätzliche Plugins wie SpectraLayers Pro 5, die essentialFX Suite mit 11 weiteren Effekt-Plugins, die Analogue Modelling Suite (vier zusätzliche Mastering Plugins), die Vintage Effect Suite (drei Vintage Effekte), den Hall-Effekt VariVerb II und Vandal (Gitarren- und Bass-Verstärker). Und schließlich findet sich noch ein Sound Forge Pro 365 im Angebot (9,99 Euro monatlich für die ersten 12 Monate, anschließend 14,99 Euro) – auch Magix bietet seine Audio-Software inzwischen also im Abo-Modell an. Das bringt dann als kleinen Anreiz ebenfalls die essentialFX Suite und die Analogue Modelling Suite mit in die Ehe. Für die kleineren Ansprüche (bzw. für den kleineren Geldbeutel) hat man – wie erwähnt – das Sound Forge Audio Studio 12 (55,- Euro) im Angebot. Einen Versionsvergleich finden Sie hier.

Bis zum 16. Januar gab es (so zumindest die Ankündigung zum Zeitpunkt des Tests) übrigens beim Kauf der Sound Forge Pro 12-Version  auf der Magix-Seite noch ACID Pro 8 als Zugabe obendrauf (Einzelpreis: 149,99 Euro). Da sollte man vielleicht die Augen offen halten, ob es zukünftig ähnliche Aktionen gibt.

Sound Forge kann auch Video

Sound Forge kann auch Video

Was ist Magix Sound Forge Pro 12?

Sound Forge Pro 12 ist ein Editor zum Aufnehmen, Bearbeiten, Optimieren, Exportieren, Konvertieren und Mastern von Audiodateien. Aufnahmen sind in Mono, Stereo, 2.1, Quad, 5.1 und 7.1 mit bis zu 64 Bit (iEEE Float) / 384 kHz möglich. Die Software läuft mit Windows 7, 8 und 10. Eine Version für den Mac gibt es auch, allerdings ist Sound Forge Pro 3 (so der Name) bereits seit Mitte 2017 auf dem Markt, durchläuft also andere Zyklen und ist somit auch nicht bau- und featuregleich mit der PC-Version.

Das ist neu

Die wohl beiden größten Neuerungen: Sound Forge Pro liegt jetzt endlich in einer 64 Bit Version vor und unterstützt VST3. Beides war allerdings auch längst überfällig und ist in Konkurrenzprodukten wie etwa Wavelab schon lange Standard. Dazu kommt, dass selbst das kleinere Sound Forge Audio Studio 12 bereits im letzten Jahr auf 64 Bit umgestellt hatte. Insofern: Für Sound Forge-Pro-Nutzer zwar eine feine Sache, aber eben auch keine, die man jetzt übermäßig an die große Glocke hängen muss, da eigentlich inzwischen Standard.

Der neue Wave Hammer

Der neue Wave Hammer

Was sonst noch? Nun, zum Beispiel eine neue Version des „Wave Hammer“, dem hauseigenen Mastering-Plugin, mit dessen erster Version (bestehend aus Kompressor und Volume Maximizer) ich jahrelang meine ARD-Radio-Clips nachbehandelt habe und mit dem ich immer sehr zufrieden war; dank der sinnigen Presets konnte man da mit nur einem Klick in kürzester Zeit viel erreichen (und verbessern).

Die Version 2.0 bietet da ungleich mehr Möglichkeiten: Verteilung auf vier Bänder, mit „Comp.Max“, „Compressor“, „Expander“, „Gate“, „Limiter 100%“ und „Limiter“ mehr Modi, eine wesentlich überarbeitete Bedienoberfläche und ein erweitertes Preset-Angebot. Damit lassen sich Peaks glätten, um dann den Pegel zu maximieren, was das Audiomaterial insgesamt harmonischer und kräftiger macht. Eine Neuerung, die ich begrüße und zukünftig sicher oft nutzen werde.

Ebenfalls zum Thema „Mastering“ gehört die Dreingabe der iZotope Ozone 8 Elements (hier der Test zu. Da lässt sich mit dem Wizard recht bequem das Soundmaterial analysieren; der schlägt dann von sich aus die passenden Signalketten und Einstellungen vor. Das Ergebnis kann dann natürlich noch individuell nachbehandelt werden. Unseren Test zur Vollversion von Ozone 8 finden Sie hier.

De-Hum aus den RX Elements 6

De-Hum aus den RX Elements 6

Und auch bei der Sound-Restauration wurde nachgelegt. Zum einen gibt es da mit DeClipper, DeHisser und DeClicker (aus den Sequoia FX) neue Effekte, zum anderen gehören nun auch die iZotope RX 6 Elements mit zum Pro-Paket, die ebenfalls einige Werkzeuge zur Audio-Reparatur wie DeClip, Voice De-Noise, De-Hum und De-Click mitbringen, die allesamt einen sehr ordentlich Job machen. (hier geht es zu unserem Test der Vorgänger-Vollversion iZotope RX5)

Und schließlich neu sind auch der Export von DDP (Disc-Description Protocol)-Master für das Presswerk, Im- und Export im DSD-Format (Direct Stream Digital) sowie POW-r Dithering (Set aus drei Dithering- und Rauschformungsalgorithmen für abgestimmte Audioaufnahmen).

Mit Hilfe der VAD werden Vocals herausgesucht

Mit Hilfe der VAD werden Vocals herausgesucht

Zeig mir, wer da singt

Neu hinzugekommen ist dann auch noch die „sensAI SINGING VAD“-Funktion, wobei „VAD“ für „Voice Activity Detection“ steht. Das Tool von audEERING ermittelt menschliche Stimmen in Musikstücken und markiert Passagen, in denen Gesangslinien vorkommen. Das geschieht ganz ordentlich, wobei in komplexeren Songs mit vielen Instrumenten im Hintergrund schon mal die eine oder andere Passage nur fragmentarisch erfasst wird. Leider schweigt sich das ansonsten extrem umfangreiche (englische) Handbuch zu diesem Thema aus; immerhin verrät zumindest die Hilfefunktion, wo sich die VAD in den Tiefen der Menüstruktur recht gut versteckt. Allerdings nicht, dass es da auch einen kleinen Button gibt, der unter dem Data Window noch zusätzlich betätigt werden muss – den entdeckt man entweder zufällig oder durch Nachfrage beim (zuverlässigen und schnellen) Support.

„Du bist keine Schönheit

… vor Arbeit ganz grau“ – singt Herbert Grönemeyer. Der meinte damit zwar seine Heimatstadt Bochum, aber das trifft auch auf Sound Forge zu, denn eine Schönheit ist die Benutzeroberfläche mit ihrem sehr zweckmäßigen Windows 3.1-Charme nun wirklich nicht. Und daran hat sich auch in der Version Pro 12 nichts geändert, optisch kommt auch die immer noch ein wenig altbacken/oldschool rüber. Was mich als SF-Altnutzer, der seit gut 20 Jahren (also schon seit Sonic Foundry-Zeiten) mit dabei ist, aber nicht weiter groß stört: Die Bedienoberfläche ist mit dem zentralen Waveform-Fenster übersichtlich strukturiert, die (skalierbaren) Fenster lassen sich frei anordnen und auf Wunsch andocken, mit wenigen Mausklicks bin ich dort, wo ich hin will, für fast alles gibt es dazu auch Key-Shortcuts – und das alles, ohne dass ich mich nun bei jeder Version umstellen müsste. Auch wenn so mancher Neu-Nutzer da vielleicht erst einmal abgeschreckt wird, so ist das insgesamt doch effizient und schnörkellos. Was ich persönlich wichtiger finde als ein „ansprechendes, modernes“ Outfit. Aber das mag man gerne auch anders sehen.

Forum
  1. Profilbild
    Sudad G  

    Setze seit den späten 90ern Soundforge als Audio- und Sample-Editor ein und ziehe es auch heute noch Steinbergs Wavelab vor. Gerade die nüchterne Bedienoberfläche mit wenig Schnick-Schnack macht es zu einem extrem schnellen Bearbeitungstool.
    Was mir gegenüber Wavelab immer besonders gut beim Soundforge gefallen hat, ist das grafische Verhalten der Zoom-Funktion via Mouse-Wheel. Der gezoomte Audio-Ausschnitt bleibt stets zentriert in der Mitte des Bildschirms und muss nicht – wie so oft bei anderen Audioeditoren – manuell wieder gesucht und in die Mitte zurückgezogen werden. Super nervig z.B. bei Wavelab und Cubase. Man kann zwar dort auch die Funktion „Event verfolgen“ aktivieren, doch funktioniert es nicht so gut wie beim Soundforge. Dadurch lassen sich Start und Endpunkte viel schneller zurecht schneiden.
    Der Batch-Prozessor ist auch ein dankbares Tool für immer wiederkehrende Anwendungen.
    Ich liebe Soundforge und hoffe, dass es so simpel in der Grafik bleibt. Es macht einfach, was es soll.

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