Test: Palmer PLI 04 USB, USB-DI-Box

19. Oktober 2020

Audiophiler Problemlöser

palmer pli 04 usb test

Die Firma Palmer hat mit der PLI 04 USB ein USB-DI-Interface im Programm. Bisher hat sich das Unternehmen vor allem durch hochwertige analoge Geräte zur Problemlösung für den Live-Betrieb und Gitarrenausrüstung hervorgetan. Nun kommt also der Computer dran. Was das bringt und wie es klingt, halten wir im Test fest.

DA-Wandlung

Die Palmer PLI 04 USB ist ein aktiver Isolator, die ein USB-Audiosignal in Stereo vom Computer in trafosymmetrierte Mikrofonsignale mit einem Übersetzungsverhältnis 1:2 wandelt. Das Gerät ist zwar ein klassenkompatibles USB2.0-Interface, aber die maximale Datenrate liegt bei 12 MBit/s, also USB 1.1-Geschwindigkeit. Für die D/A-Wandlung in 24 Bit sorgt ein Pickup-Board des taiwanesischen Herstellers TrigAudio. Dieses bietet die Sampling-Rates 8, 16, 32, 44, 48 und 96 kHz, 88 kHz werden nicht angeboten. Die am Computer eingestellten Samplerates 44 k, 48 k und 96 k werden am Gerät per LEDs in Orange, Weiß und Grün sowie Rot für die Betriebsbereitschaft angezeigt. Die Palmer PLI 04 USB wird dabei ausschließlich über USB-Strom (500 mA) betrieben.

Nicht für iOS

Das Interface ist leider nicht mit (Lightning) iOS-Geräten kompatibel. Es wird zwar erkannt, reagiert ansonsten aber nicht. Egal in welcher Kombination – mit iPhone, iPad, iOS Version (10.x, 13.x, 14.x) mit USB3-Lightning-Adapter, mit oder ohne aktivem USB-Hub 2/ 3 (5 Gbit) dazwischen, die Palmer PLI 04 USB war zu keiner Kooperation mit den Apple-Handhelds zu bewegen. Insgesamt sehr schade, vor allem, weil mir so etwas seit etlichen Jahren nicht mehr untergekommen ist. Allerdings konnte ein Samsung Galaxy S10+ mit Android 10 und OTG-Adapter die Palmer PLI 04 USB betreiben.

Elektrisch

Die beiden XLR-Ausgänge sind trafosymmetriert und besitzen separat aktivierbare Schalter für eine galvanische Trennung der Masseleitungen, was Brummschleifen den Garaus macht. Über einen Schalter lässt sich auch das Stereosignal vom Computer in Mono schalten.

Die Monoschaltung gilt für die beiden XLR-Ausgänge wie auch für den Kopfhörerausgang im 3,5 mm Klinkenformat. Da an beiden XLR-Ausgänge das monosummierte Signal anliegt, kann die Palmer PLI 04 USB auch als Splitter verwendet werden. Der Profi sitzt hier im Detail! Es kann noch erwähnt werden, dass die Monosummierung vor Trafosymmetrierung erfolgt. Die Mono-Summierung funktioniert im Übrigen exzellent bringt bis auf den Panoramaverlust eigentlich keine Klangeinbußen.

palmer pli 04 usb test

Der Lautstärkeregler gilt nur für den Kopfhörer und nicht für die XLR-Ausgänge. Das ist sowohl eine Sparmaßnahme an der richtigen Stelle, als auch absolut praxisnah. Das XLR-Signal wird eh über den Computer geregelt und eine separat einstellbare Möglichkeit zur Abhörkontrolle kann ein echter Lebensretter sein. Ansonsten lässt sich an der Palmer PLI 04 USB nichts „einstellen“.

Die Ausgangsimpedanz der XLR-Ausgänge ist mit 550 Ohm angegeben, die des Kopfhörers mit 43 Ohm. Der maximale Ausgangspegel der PLI 04 USB liegt bei +4,4 dBu für die XLR-Ausgänge und 8,5 dBu für den Kopfhörerausgang. Damit muss die DI-Box nicht zwingend über das Mischpult laufen, sondern kann auch einfach direkt über symmetrische Kabel an eine Endstufe  angeschlossen werden. Sehr gut ist auch der Frequenzumfang von 10 Hz bis 41 kHz.

 Dazu kommt das Gerät in einem unverwüstlichen Aluminiumgehäuse mit einer Größe von 140 x 95 x 35 mm bei 680 g.

In der Praxis zeigt sich die Palmer PLI 04 USB problemlos, bis auf das deutliche Knacksen beim Trennen und Zuschalten der Masseleitungen. Bei normalen Zimmerlautstärken ist das kein Problem, bei hohen Pegeln sollte man jedoch Vorsicht walten lassen! Außerdem ist das Kopfhörerpoti sehr kurz. Das macht zwar unabsichtliches Verstellen fast unmöglich, ist aber alles andere als komfortabel.

Latenzen

(Ableton Live 10)

  • 48 k, 64 Samples: 3,35 ms
  • 48 k, 256 Samples: 7,35 ms
  • 96 k, 64 Samples: 2,68 ms
  • 96 k, 256 Samples: 4,68 ms

E
in Puffer von 32 Samples wird anscheinend nicht unterstützt, da sich der Latenzwert nicht weiter verringert.

Klang

Wie jeder DA-Wandler, der mir unter die Finger kommt, muss auch die Palmer PLI 04 USB ihr klangliches Können unter Beweis stellen und hier gab es eine Überraschung nach der anderen.

Making of Cyborg (Ghost In The Shell-Anime-Intro) – Schellenintro

Die Hallfahnen der Schellen verklingen vor Sekunde 4 von 7, was im Mittelfeld liegt. Aber auch die meisten High-End-Interfaces mit neutraler Klangphilosophie kommen über eine 5 kaum hinaus und wir reden hier von der Größenordung eines SPL Mercury. Stufe 6 und länger kenne ich eigentlich nur vom Antelope Amari, Universal Audio Apollo x6 und Focusrite Clarett.

Making of Cyborg (Ghost In The Shell-Anime-Intro) – R-Test (siehe Mytek Brooklyn)

Hier wird es dann schon spannender. Der R von „teRu tsuki“ (1.Strophe, 2. Zeile) wird schon sehr deutlich ausbuchstabiert, aber die Abbildung des „Verschluckens“ des nachfolgenden „U“ schafft die Palmer PLI 04 USB dann doch nicht ganz, was aber üblicherweise nur deutlich teureren High-End-Interfaces vorbehalten ist. Das deutet aber immerhin auf eine sehr exakte Transientendarstellung hin und ist für die Preisklasse, in der sich die Palmer PLI 04 USB tummelt, geradezu phänomenal (auch wenn hier gerade die Audiointerface der unteren Preisklassen (bis 300,- Euro) in den letzten Jahren stark aufgeholt haben).

Nine Inch Nails – „We‘re In This together“

Der Sport ist hier zu beobachten, wie vor allem Interfaces mit alleiniger USB-Stromversorgung in der Dynamik einbrechen, wenn in dem Song die Energie bzw. der Refrain einsetzt. Ein gutes Stück, um auch zu zeigen, wie die Implementierung des DACs bzw. des Rekonstruktionsfilters und die Stromversorgung der Ausgangsstufe drauf reagiert, wenn das Signal gegen 0 dBFS geht. Welches von beiden jetzt zutrifft, ist bei einem einfachen Hörtest nicht wirklich feststellbar, das Ergebnis ist jedoch immer, dass die Gesamtdynamik einfach wegbricht.

palmer pli 04 usb test

Das passiert z. B. beim ansonsten sehr guten Audient EVO 4, wie beim Apogee One, als auch immer noch hörbar beim exzellenten RME Babyface Pro FS, wo sich dieses Verhalten aber mit einem Netzteil komplett beheben lässt. 

Deswegen waren ich und meine Mithörer nicht schlecht erstaunt, dieses Verhalten bei der Palmer PLI 04 USB nicht feststellen zu können!

Die Signaltreue des Interfaces steht stabil und unbeeindruckt da und bricht nicht weg. Björks „Mutual Core“ ist noch so ein Stück, an dem sich dieses Absackverhalten ausgezeichnet demonstrieren lässt und auch hier bleibt das Signal absolut stabil. Das ist phänomenal für ein ausschließlich USB-gespeistes Interface!

 Auch die Durchhörbarkeit beim NIN-Stück ist absolut erstklassig. Alle Spuren wie Rhythmussektion, Gitarrenriffs, die sich bei mittelmäßigen Konvertern wie ein Sumpf anhören, lassen sich klar unterscheiden.

Und da wir gerade bei versumpften Produktionen sind: für mich ist Björks Utopia mixtechnisch gesehen ein ganz schwer und nervig anzuhörendes Album. Nicht weil Björk nun endgültig zum Kunstlied abgewandert ist, sondern weil dem Mix von Arca die musikalische Kohärenz fehlt.
 Das ist natürlich Geschmackssache, aber die PLI 04 USB schaffte es tatsächlich, auch hier einen musikalischen Zusammenhalt zu schaffen, den auch so mancher High-End-DAC, der mir unter die Finger gekommen ist, nicht liefern konnte – wenn auch vornehmlich dadurch, dass er auf „Analyse“ gestrickt war. Das aber nur am Rande. Hier bleibt festzuhalten, dass die Palmer PLI 04 USB nicht nur die für die Bühne extrem wichtige Musikalität liefert, sondern auch immer noch genug Analyse für Studioanwendungen.

Palmer PLI 04 USB

Etwas weniger bemerkenswert dagegen ist die räumliche Darstellung. Sicher, eine Tiefenstaffelung ist gegeben, aber ein 3D-Gefühl will nicht richtig aufkommen. Das erinnert etwas an den Focusrite-Sound. Das manifestiert sich u. a. bei „Down to the River to Pray“ von Alison Krauss („O Brother Where Art Thou“-OST) wie auch bei Björks „Mutual Core“ Wellen-Bass (nach den ersten zwei Zeilen), auch z. B. bei Vivaldi – Recitative and Aria from Cantata RV 679, Che giova il sospirar, povero core vom 2L-Label (kostenlose CD-Version), indem sich kaum ein „Bühneneindruck“ zum Eintauchen manifestiert.

Auf der anderen Seite ist die Offenheit und Unkratzigkeit in den Höhen wieder absolut top und stellt sogar ein Babyface in den Schatten, weil hier bei vergleichbarer Offenheit die Höhen nicht nerven und die PLI 04 USB damit ein weiteres „sagenhaft“ verdient. Sicher, an die Seidigkeit eines UA Apollo x6 kommt es nicht ran, das gilt aber für (fast) jedes andere Interface auch.

Was festgehalten werden muss ist, dass der Sound der Palmer PLI 04 USB dennoch insgesamt nur als „amtlich“ zu bezeichnen ist und schon in der Mastering-Grade-Qualität-Klasse mitspielen darf. Selbst ein Babyface Pro FS oder ein Grace Design m902 konnten rein vom Klang da nicht all zu viel hinzufügen. Es sind Unterschiede hörbar, vor allem bei besagter Räumlichkeit, aber jetzt holen wir uns noch mal kurz in Erinnerung, auf welchem Niveau das Babyface Pro spielt und warum es den BEST BUY bekommen hat und dann halte man diese USB-DI-Box für knapp 150,- Euro daneben. Wenn ich es eben nicht gerade getan hätte, dürfte man echt niemandem davon erzählen.

Fazit

Mit der Palmer PLI 04 USB erhalten die Käufer einen hervorragend verarbeiteten Digital-Analog-Wandler im Formet einer USB-DI-Box für Computer mit Windows und MacOS (Linux nicht getestet). An (Lightning) iOS-Geräten funktioniert die Box jedoch nicht! An Android mitunter. Was sehr schade ist, denn mit einem Akkupack wäre das ein ultramobiles Killergespann.

Dabei verhindert die Palmer PLI 04 USB nicht nur Brummschleifen zwischen Laptop und PA und läuft absolut stabil, sondern spielt klanglich nur geringfügig unter dem Niveau unseres derzeitigen BEST BUYS, dem RME Babyface Pro FS, das selbst wiederum klanglich in einer zwei- bis dreifach teureren Liga spielt. Kurz: der Klang der Palmer PLI 04 USB ist „amtlich“ und auch für Mastering-Aufgaben geeignet. Das gilt auch für den der Kopfhörerausgang, der fast ohne Abstriche genauso überzeugen kann. Preis und Klang stehen hier in einem sagenhaften Verhältnis zueinander. Wenn also der Klang auf der Bühne schlecht ist, liegt es definitiv nicht an der Palmer PLI 04 USB!

Plus

  • Klang
  • Verarbeitung

Minus

  • LIFT-Taster erzeugen ein deutliches Knacken
  • Kopfhörerregler schwierig zu bedienen

Preis

  • 155,- Euro
Forum
  1. Profilbild
    Armin Bauer  RED 1

    Hi Markus,

    von dir so eine Bewertung in der D/A Wandlung zu dem Preis?
    Dann muss das Teil in jeden Notfall-Koffer, ohne Alternative.

    Gruß Armin

    • Profilbild
      Markus Schroeder  RED

      Hi Armin,
      IMHO auf jeden Fall! Die Qualität der Palmer Übertragertrafos war mir zwar schon früher aufgefallen, hatte aber jetzt keine großen Erwartungen an das PLI04. Dann wurden meine Mithörer und ich aber gründlich überrascht, was das Teil leistet! :)

  2. Profilbild
    Marco Korda  AHU

    Ich bin geradezu fassungslos und habe mich darüber hinaus an der sehr schönen Soundbeschreibung erfreut (wie immer). Scheint ein tolles Teil zu sein, dass ich mir näher anschauen werde.

  3. Profilbild
    Kutscher  

    Vielen Dank für den Test.
    Diese DI-Sind ja schon eine kleine Wucht.

    Jetzt ist aber Schwarmwissen gefragt:

    USB to Line Interface gibt es ja schon wie Sand am Meer, von Palmer, Radial, und auch von Audiowerkzeug.

    Was aktuell richtig oft fehlt ist so eine Box welche neben den ISO-LineOutputs auch noch isolierte Line-Eingänge bereit stellt.

    Die Aktuelle Situation (ja Corona) sorgt dafür das ich fast täglich mit Konferenzen in Hybriden Studiosetups für Events zu tun habe. Und jedes mal kostet mich das Einrichten der Soundkarten den letzten Nerv. Treiber installieren, DSP Mixer ausschalten oder das Richtige Routing erstellen. Windows dazu zu überreden doch bitte den WDM Treiber zu fressen und zu behalten, was bei Profikarten wie Motu auch nicht so einfach ist.(HDMI auto detect)
    Und wenn es in Windows klappt heißt es ja noch lange nicht dass BrowserPlattformen damit klar kommen.
    Was aber immer geklappt hat ist eine Billo Soundkarte von CSL welche praktischerweise miniklinke Buchsen für Dreipol In/Out und eine 4Pol-Headsetbuchse anbietet.
    Das Gerät sagt Windows uPnP und es läuft immer. Aber man Brauch jedes mal noch nen PLI-04 für den Ausgang und Line isolatoren für den Input und alles auf Miniklinke.

    Meine Recherche hat folgendes Gerät gefunden:
    http://www.....usb_io.htm

    Kennt das Jemand? Oder kennt jemand eine Alternative

    • Profilbild
      Armin Bauer  RED 1

      Hallo Kutscher,

      kenne das von dir verlinkte Gerät nicht, hatte von ARX aber mal den Afterburner, ein Stereokompressor, der sich aber auch mono frequenzselektiert schalten lies.
      Meiner Meinung nach eine Company mit guten Produkten und praxisbezogenen Lösungen. Ist schon lange am Markt aber hier eher unbekannt (Australier). Ich würd´s probieren.

      Grüße Armin

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