Test: Twisted Electrons microAcid8, hapiNES, Synthesizer

20. Februar 2019

Die Zukunft ist retro

Mit dem Twisted Electrons microAcid8 bringt der französische Hersteller den kleinen Bruder der acid8 Desktop-Variante auf den Markt. Dazu gibt es den Twisted Electrons hapiNES, einen vierstimmigen Multitrack-Chiptune-Synthesizer, der von dem RP2A07-Chip aus der NES-Konsole inspiriert wurde.

Twisted Electrons microAcid8 und hapiNES: Mikro-Acid und Konsolen-Sound

Super Mario World, Zelda, Donkey Kong: Zur NES-Generation gehöre ich zweifellos dazu. Zwar wusste ich als kleines Mädchen noch wenig von elektronischer Musikproduktion, aber gefeiert habe ich den Sound meiner Konsole schon damals. Umso cooler, dass man sich ihn jetzt mit dem Twisted Electrons hapiNES ins Studio holen kann. Der Klang dieses kleinen Mini-Synthesizers ist inspiriert vom RP2A07-Prozessor, der in europäischen und australischen NES-Konsolen steckte.
Auch die Begeisterung für Acid-Sound nimmt kein Ende und so freuen sich die Fans über jeden Retro-Synthesizer, der sich davon inspirieren lässt – wie auch der Twisted Electrons microAcid8. Zudem überzeugte dessen großer Bruder acid8 ja bereits schon durch seine Vielfältigkeit, weshalb er auf keinen Fall ausschließlich als 303-Klon gelten kann.

Twisted Electrons microAcid8 und hapINES

So sehen die beiden Mini-Synthesizer in der Rückansicht aus. Man kann sie mit Batterien oder über micro-USB-Kabel mit Energie versorgen.

Bei hapiNES handelt es sich wie bei dem Twisted Electrons microAcid8 um einen 55 g leichten Synthesizer mit freier Platine. Nicht umsonst nennt Twisted Electrons-Gründer Alex Smith die beiden Geräte „Slim Synthesizer“. Schon beim Auspacken entstehen Pocket Operator-Gefühle.  Twisted Electrons hapiNES und microAcid8 lassen sich entweder über zwei AAA-Batterien oder  über Micro-USB betreiben. An- und ausschalten kann man sie über einen kleinen Kippschalter an der Oberseite. Farblich ist der hapiNES in weiß-rot gehalten, der Twisted Electrons microAcid8 hingegen genau wie sein großes Pendant in schwarz-weiß. Besonders beim hapiNES verstärkt dieses Look & Feel also auch noch einmal den Retro-Eindruck.

Klangerzeugung: NES-Chip und Acid8-Bruder

Der Twisted Electrons hapiNES ist ein 4-Kanal-Synthesizer mit einer Triangle-Waveform, zwei Rechteckschwingungsformen, deren Pulsbreite über ein Poti moduliert werden kann sowie einer Drum-Spur. Diese Arcade-Drums bestehen jedoch nicht aus Samples, sondern werden synthetisch erzeugt.

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Sequenzen werden bei beiden Synthesizern über einen Step-Sequencer generiert. Dazu gibt es eine Tastatur mit 12 Steps. Insgesamt stehen 5 Oktaven auf der Tastatur zur Verfügung. Dazu lassen sich 16 Patterns speichern.

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Zum Programmieren der Sequenzen wählt man mit der Shift-Taste die jeweilige gewünschte Spur aus. Programmiert wird das Ganze entweder in Step-Sequencer-Manier, man gibt also jeden Schritt hintereinander ein (es gibt auch Slide. und Rest-Tasten) oder über den Live-Modus. Auch Randomize ist möglich.

Grundsätzlich ist der Sound des hapiNES sogar satter, als ich es erwartet hatte.

Vom Desktop-Acid8-Synthesizer hat die Miniversion die 8-Bit Wavetable-Engine der großen Version übernommen. Hier kann man zwischen den Oszillatoren mit Rechteck-, Dreieck- und Sägezahn-Waveform wählen.

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Zusätzlich stehen noch Effekte wie Dopplungen, Stutter, Slow Down oder Vibrato zur Verfügung. Über Decay kann man sich die Töne verlängern. Außerdem kann man
zwischen 16 verschiedenen Arp-Typen wählen. Key Changes sind ebenfalls möglich.

Retro-Sound und Neuzeit-Handling

Aufgrund der angesprochenen freiliegenden Platine sollte klar sein, dass ein vorsichtiger Umgang mit den Instrumenten Pflicht sein sollte. Nimmt man diesen Mini-Synthesizer mit zum Live-Gig, sollte man ihn lieber gut einpacken. Twisted Electrons-Gründer Alex Smith arbeitet jedoch bereits an einer Desktop-Version des hapiNES im Metall-Case. Die Bedienung der beiden Geräte funktioniert zu einem Großteil über Tastenkombinationen, die man allerdings schnell verinnerlicht hat. Dabei dient die Shift-Taste meist als Brücke, um zu weiteren Funktionen zu gelangen. Diese sind dann auch über der jeweiligen Taste gekennzeichnet. LED-Lichter sind zur Orientierung vorhanden.

Beide Synthesizer haben einen 3,5 mm Klinkenein- und Ausgang, sodass man sie mit anderen Instrumenten und natürlich untereinander verbinden und synchronisieren kann. So sind sie beispielsweise auch kompatibel mit den Teenage Engineering Pocket Operators. Die „Slim Synthesizer“ können Sound und auch Clock-Signale senden und empfangen, was sie zu vielfältigen Instrumenten sowohl für Live-Gigs als auch im Studio macht. Für den Audioausgng benötigt ihr ein 3,5 mm Stereo-Splitter-Kabel oder Kopfhörer.

Über den micro-USB-Anschluss lässt sich sowohl hapiNES als auch microAcid8 als component- (MAC)  oder dll-File (Windows) in die DAW integrieren. Die Editoren sind als kostenloser Download auf der Website verfügbar. Um die Twisted Electrons-Plugins zu nutzen, wählt man einfach das Gerät im Menü der jeweiligen DAW als Output aus und aktiviert das Plugin in einer MIDI-Spur.

Twisted Electrons microAcid8 hapiNES 3

Zu der Hardware Twisted Electrons microAcid8 und hapiNES gibt es auch Plugins für die DAW.

In dieser Spur kann man dann auch Automationen in der DAW vornehmen.

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Außerdem lassen sich die kleinen Synthesizer in der DAW auch über USB-MIDI ansteuern – dazu wählt ihr einfach in eurer DAW die entsprechenden Einstellungen aus und es ist ein Tempo-Sync möglich.

Fazit

In den beiden kleinen Geräten steckt mehr, als man auf den ersten Blick vermutet. Chiptune-Liebhaber und Konsolen-Fans sollten vor allem am hapiNES ihre Freude haben. In Verbindung mit anderen Mini-Synthesizern wie den Pocket Operators lässt sich daraus gut ein Retro-Setup erstellen. Vor allem in Zeiten des Chiptune-, Synthwave- und 80er-Hypes sollte der Twisted Electrons hapiNES viel Anklang finden. Der microAcid8 überzeugt ebenfalls durch überraschend satten Sound und steht seinem großen Bruder acid8 in nichts nach. Kombiniert mit Effekten, ob analog oder in der DAW, lassen sich neue Klangwelten entdecken.

In Bezug auf Platz und Gewicht sind die beiden Minis wirklich unschlagbar. Stört euch jedoch die Empfindlichkeit der Geräte, könnt ihr auf die Desktop-Variante acid8 zurückgreifen. Auf die große Version des hapiNES müsst ihr leider noch etwas warten, aber laut Hersteller dauert es nicht mehr lange.

Plus

  • realistischer Chiptune-Klang
  • microAcid8 steht dem Acid8 in nichts nach
  • USB-MIDI
  • DAW-Plugins
  • niedriges Gewicht

Minus

  • empfindliche Oberfläche
  • nur 3,5 mm Klinkenein- und Ausgang

Preis

  • Ladenpreis: 99,- Euro
Klangbeispiele
Forum
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    Emmbot  AHU

    Ich finde den HapiNes schick und für 99 Euro auch sehr erschwinglich. Was ich vermisse sind ein Midi In ggf. als 3,5 Klinke für beide. Aber es gibt ja schon ein USB-Midi was das fehlen einer Midi-Buchse etwas kompensiert.

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      Juliane Wolf  RED

      Stimmt, das ist ein bisschen schade, aber wie gesagt, das USB-MIDI inkl. des AU/VST-Plugins kompensiert es ziemlich gut.

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    Numitron  AHU

    Ich bin ein großer chiptunefan, habe schon den therapsid und den atmegatron. Der hapines klingt auch interessant, wenn dann warte ich aber lieber auf die L Version mit gehäuse. Super mario World war auf dem snes. Der nes hatte super mario bros .

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        Robot

        Super Mario World war für den Super Nintendo (SNES), nicht für den Nintendo (NES). Macht aber nichts, die dinger haben beide den gleichen oder ähnlichen geilen Sound ;).

        Ich stehe auch total auf Chiptune, da ich mit dem Commodore64 aufgewachsen bin. SID Töne machen mich einfach nur glücklich und erinnern mich an meine Kindheit.

        Ich überlege mir auch den microacid8 und den hapines zu holen, die würden aufjedenfall gut zu meinen Pocket Operatoren passen ;)

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          Juliane Wolf  RED

          Ahhh, entschuldigt :) man lernt ja nie aus! Aber der Klang ist zumindest ähnlich ;)
          Ich mag sehr gern Chiptune-Klänge, weil ich die Textur interessant finde und eh auf retro stehe.
          Kann die beiden empfehlen, oder eben auch die „großen“ Versionen für Live Gigs. Kommt dann natürlich auch wieder auf das Budget an. Oder man ist vorsichtig mit den kleinen Synths ;)

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    SimonChiChi  

    wow…endlich hat auch Amazona für Synths eine weibliche Autorin!!! Gratulation Julia, toller Artikel. Hoffentlich lesen wir bald mehr von dir.

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        Markus Schroeder  RED

        Das wäre bei dem Einstand wünschenswert. Leider sind die Autorinnen immer wieder sehr schnell abgewandert. Der Rekord liegt meines Wissens nach bei zwei Artikeln.

        BTW: schöner Test, schöne Audiobeispiele. 8bit forever! :D

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          Juliane Wolf  RED

          Das wird bei mir nicht passieren! :)
          Dankeschön, ich steh‘ auch auf 8bit, warte schon auf die größere hapiNES! :)

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    lena  

    Hallo Juliane, schöner Test und tolles Profil. Wo lebst du denn und wo kann man dich mal live erleben?

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      Juliane Wolf  RED

      Hey, vielen lieben Dank :)
      Live erstmal größtenteils auf Malta, aber auch bald in Wien. Termine findest du eigentlich am einfachsten auf meiner Facebook-Seite. (facebook.com/julianewolf.music)

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    Son of MooG  AHU

    Freut mich, dass endlich eine Frau zur RED kommt, auch wenn mich diese Chiptune-Teile nicht so interessieren. Ich fand schon die Sounds meines Schneider CPCs grauenhaft; ist wohl neben dem Geschmack auch eine Altersfrage…

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      Juliane Wolf  RED

      Dann wäre wohl eher der acid8 was für dich :)
      Und danke, freut mich auch, für Amazona zu schreiben!

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          Tyrell  RED

          Leider, leider sind ja weibliche Synth-Autoren Mangelware. Freue mich auch schon auf weitere Artikel von Juliane. Außerdem werden wir immer internationaler:
          Der Ingmar (Dr. Walker) lebt in Portugal, Juliane auf Malta, der Markus in Tokyo .. das wird schon :-).

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    SynthUndMetal

    Vielen Dank für den sehr schönen, informativen Test. Also PO Fan stehen die beiden Minisynths bei mir auch ganz oben auf der „will haben“ Liste.

    Bei den ersten Hörbeispielen ist mir ein leichtes höherfrequentes Summen aufgefallen. Nich ganz so präsent, weil hier anscheinend vor dem Ausgang noch ein Noisegate sitzt. Aber ich würde mal darauf tippen, dass hier die Synths mit USB betrieben und analog über die Miniklinken aufgenommen wurden. Mir ist früher schon aufgefallen, dass man sich manchmal bei USB Betrieb unangenehme Nebengeräusche einfangen kann. Beim Test des Modal CraftSynth hier auf Amazona wurde das schon mal thematisiert. Mit den Roland Boutiques habe ich selbst die Erfahrung gemacht, dass je nach verwendetem USB Netzteil schon mal ein leises Summen am Analogausgang zu hören ist.

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      Juliane Wolf  RED

      Danke! :)

      Zum Noise: Beim Test habe ich den Synth über USB angeschlossen, da ich ja auch das Plugin testen wollte. Jetzt gerade habe ich den hapiNES im Batteriebetrieb dran. Ein leises, hochfrequentes Rauschen ist tatsächlich auch ohne USB-Anschluss vorhanden.

      • Profilbild
        dr w  

        ein kleiner tip: wann man das volume nicht zu 100% aufdreht sondern nur zb zu 98% dann ist das rauschen fast ganz weg…

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