width=

Test: U-He ACE

5. Mai 2010

U-He ACE

U-He ACE ist ein semimodularer Software-Synthesizer mit virtuell-analoger Klangerzeugung. Er stammt aus der Byteschmiede von Urs Heckmann, der mit dem eher auf digitale Synthesearten spezialisierten Zebra einen der wohl innovativsten Synths der letzten Jahre programmiert hat. Nun geht es „back to the roots“, der ACE entspricht den kleinen analogen Modularsystemen der 70er Jahre, wie sie z.B. Roland gebaut hat.

Any Cable Everywhere: Alles ist erlaubt

Any Cable Everywhere: Alles ist erlaubt

ACE steht für „Any Cable Everywhere“, das heißt, zwischen Audio- und Modulationssignalen wird wie bei einem analogen System nicht unterschieden und es lässt sich jeder Ausgang in jeden Eingang routen. Dabei werden alle Signale mit mindestens der doppelten Frequenz der Sample-Rate des Hostprogramms abgetastet, die Oszillatoren werden sogar mit 500-fachem Oversampling betrieben.

Beim ACE kann man alles Modulierbare auch mit Audiofrequenzen modulieren, beispielsweise Filter-Cutoff und -Resonanz, Pulsweite bei den Oszillatoren, Mixerpegel und so weiter. Außerdem sind die Modulationsquellen schnell, die Hüllkurven machen „Knack“ und nicht „Schwupp“, die LFOs sind sogar als vollwertige Oszillatoren einsetzbar.

Das hat natürlich seinen Preis, ACE ist sehr prozessorhungrig. Auf der höchsten Qualitätsstufe verfrühstückt er die Gigahertz wie Appetithäppchen. Dafür ist der Klang fast frei von digitalen Unreinheiten. Auch wurden die Module nach dem „true analog modeling“-Prinzip programmiert, also mit analogen Nichtlinearitäten, Übersteuerungsverhalten etc., was natürlich ebenfalls rechenintensiv ist.

Technische Daten

Software Synthesizer Plugin mit virtuell-analoger semimodularer Klangerzeugung

Formate: VST (Windows XP), VST/AU/RTAS (MacOS X 10.4), kein Standalone
Systemvoraussetzungen: VST2-kompatible Host-Software, Prozessor mit SSE2-Befehlssatz bzw G4.
Stimmenzahl: Abhängig von PC-Prozessor und der gewählten Qualitätsstufe.
Effekte: Zwei plus Equalizer
Installation und Freischaltung mit Codenummer verliefen kurz und schmerzlos.

Bedienung und Oberfläche

Die Größe des ACE-Fensters kann in sieben Schritten von 512×288 bis zu kinoformatigen 2560×1440 Pixel geändert werden.

Die Soundqualität lässt sich in vier Stufen einstellen, auf „good“ und „accurate“ kann man aus einem 3GHz-Rechner 6-8 Stimmen holen. Auf „standard“ und „draft“ sind viel mehr möglich, wobei die obere Grenzfrequenz aber deutlich beschnitten wird. Für die meisten Sounds reicht standard aber aus.

Auf der ersten Edit-Page befinden sich die Module. Mittig ist ein Oszilloskop platziert, das das Ausgangssignal anzeigt. Für Feineinstellungen ist es wirklich nützlich und für das Verständnis der Klangsynthese sehr förderlich, leider hapert es noch ein wenig mit der Auto-Synchronisation, man muss bei hoher Auflösung oft manuell nachregeln.

Immer nützlich: Das Oszilloskop

Immer nützlich: Das Oszilloskop

Die Knöpfe lassen sich auch per Mausrad drehen und bei gehaltener Shift-Taste hat man Feineinstellung (die leider nicht per Rad). Mit einem Doppelklick stellt man sie zurück auf Default, Rechtsklick auf einen Regler öffnet das MIDI-Learn-Popup.

Die zweite Edit-Page beherbergt den Mapping-Generator, das Unisono- und Micro-Tuning sowie einige Circuit-Bending- und Tweak-Einstellungen.

Auf der dritten ist das Patch-Managemant untergebracht, übersichtlich, einfach und großformatig. Die Patches kann man mit den Up/Down-Tasten der PC-Tastatur schnell durchprobieren. Nur der Kontrast könnte etwas besser sein.

Die Patch-Page ist übersichtlich, aber etwas schwach im Kontrast

Die Patch-Page ist übersichtlich, aber etwas schwach im Kontrast

Zunächst präsentiert sich der ACE ganz aufgeräumt, er ist unter der Haube vorverkabelt und man kann ohne Strippen loslegen. Neue Verbindungen werden einfach per drag&drop von Buchse zu Buchse gezogen und unterbrechen die vorhandenen, ein Ausgang kann in beliebig viele Eingänge geroutet werden. Die Kabel versperren natürlich den Blick auf Anzeigen und Regler, deshalb kann man sie mit Rechtsklick auf irgendein Kabelende transparent/dünn schalten oder ganz ausblenden, auch die Farbe ist mit Linksklick auf das Kabelende frei wählbar.

Die Kabel-Ansicht ist umschaltbar

Die Kabel-Ansicht ist umschaltbar

Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    BA6  

    Ein toller Testbericht, finde ich. Gut geschrieben, die Möglichkeiten und auch Schwächen gut ausgelotet und dargestellt, dazu die passenden und erläuternden Klangbeispiele und alles auf den Punkt gebracht. So muss ein Test sein. Vielen herzlichen Dank.

    • Profilbild
      h.gerdes  AHU

      Danke, hört man gerne :)
      Kleiner Nachtrag: Lineare FM produziert nicht immer chaotisches, es gibt vielmehr verschiedene Arten davon, wie bei logarithmischer FM auch. Zusammen mit Yamaha-FM komme ich insgesamt auf sechs FM-Varianten…

  2. Profilbild
    gaffer  AHU

    Heckmann ist eine echt coole Nummer. 69.-, da kann man nicht meckern. Die Prozessorlast ist mMn auch das entscheidende Manko. Aber wenn man mit reduzierter Last (mittlere Quali) den Song aufbaut und mit hoher Qualität abmischt, notfalls über Freeze oder offline, dann ist das durchaus ein gangbarer Weg. Guter Test

    • Profilbild
      h.gerdes  AHU

      Genau, solche Maßnahmen helfen, wenn auch nicht im Live-Einsatz. Bei Monster-Stack-Sounds muss man allerdings die Soundqualität sehr runterschrauben, und dann wird der Klang bei höheren Frequenzen arg verfälscht und lässt sich nicht mehr korrekt beurteilen… dann muss man wohl doch Kleingeld lockermachen für den Power Mac Quatro ;-)

  3. Profilbild
    AMAZONA Archiv

    Warum wird eigntlich immer die hohe CPU-Last bemängelt? Qualität hat seinen Preis. Wenn der ACE wie ein C64 Soundchip klingen würde, aber nur einen Bruchteil der Last verbrauchen würde, gäbe es auch Gemecker.

    • Profilbild
      gaffer  AHU

      Weil man die CPU Last im Rahmen halten KANN. Es erfordert höhere Programmierarbeit. Damit Kosten, aber angesichts des Preises darf man das Argument hier nicht bringen. Würde das Plug 250.- kosten und diese Last erzeugen, fände ich das überhaupt nicht gut. Dann erwarte ich, dass optimiert wird. Ja, ich finde das ist eine berechtigte Forderung.

      • Profilbild
        AMAZONA Archiv

        Also hat Urs beim Programmieren geschlampt um dadurch den Preis niedrig zu halten. Na da bin ich aber mal gespannt was er dazu sagt. Wenn er bei seinem Modularsystem auch so arbeitet muss der Rechner wohl erst noch gebaut werden der die Power bringt um ne Stimme zu erzeugen.
        Ne, im Ernst. Ein Urs Heckmann weis wie man Plugins programmiert und es hat seinen Grund warum der ACE so leistungshungrig ist. In der Anleitung zu Zebra2 steht u.a. Was die Klangqualität angeht so macht Zebra praktisch keine Kompromisse. Alle digitalen
        Algorithmen wurden sowohl für Geschwindigkeit als auch Klangqualität optimiert und wenn
        man sich für eines der beiden entscheiden musste, dann fiel die Entscheidung immer für die
        Klangqualität aus.
        Meine Meinung. Entweder ein schneller Rechner oder ne Tischhupe kaufen.

        • Profilbild
          h.gerdes  AHU

          Tja ich war auch etwas unschlüssig bei dem Punkt mit der Prozessorlast. Peter Grandl sagt, auf einem Power Mac Quatro hätte er garkeine Probleme ;-) ich habe ACE auf einem Athlon64 3200+ gefahren (low-cost rechner), da ist natürlich eher Schluss. Aber im Zweifelsfall gilt: Sound vor Stimmen. Was nützen einem 64 Voices, die vor sich hinmumpfen? Sowas gibts zuhauf, als freeware und teuer bezahlt.
          Aber man kann auch mit einfachen Mitteln die Last reduzieren, zb nicht benötigte Module oder nicht mehr klingende Stimmen abschalten. Das kann der ACE nicht, alle laufen immer mit. Ein kleines Minus finde ich daher gerechtfertigt.

  4. Avatar
    AMAZONA Archiv

    Sehr guter Bericht mal wieder! Bei „Plus“ fehlt eindeutig der Support, einen besseren als bei Urs wird man nirgendwo auf der Welt finden!

    Nun einmal zur Prozessorlast. Glaubt mir, Urs hat alle seine Plugins so weit optimiert wie es eben geht.! Außerdem kann ich nicht ganz verstehen warum die Leute immer besser klingende Plugins wollen, die dann aber die Prozessorlast eines 10 Jahre alten Plugins haben sollen.

    Ich bin jedenfalls beeindruckt vom ACE! Ich sollte vielleicht erwähnen das der einzige Grund warum ich ACE NICHT habe………..die Prozessorlast ist ^^

    MFG
    Dennis

    • Profilbild
      h.gerdes  AHU

      Stimmt, die Produktpflege bei U-He ist prima. Wenig im Angebot, aber ständig verbessert.
      Nicht wie bei einer gewissen Konkurrenzfirma, bei der nach Jahren in Version xx noch immer die Bugs der ersten beta rumkrabbeln…

  5. Profilbild
    GeorgK

    Es ist richtig, auf den CPU-Verbrauch hinzuweisen, damit keiner auf die Idee kommt, den ACE live mit einem Netbook einzusetzen.
    Es ist aber Blödsinn, den Verbrauch zu bemäkeln. Bezogen auf die flexible Struktur und die Tatsache, dass alles auf Audiofrequenz läuft, ist ACE sicher sehr effizient programmiert. Viel mehr ist da auch mit „mehr Programmieraufwand“ nicht drin – oder hat jemand ein Beispiel, wie das eine „grosse Firma“ mit „richtigen Programmieren“ besser macht (Vorsicht: Ironie)? Wenn man sich anhört, was so manches aktuell hochgelobte Plug-In (ich nenn jetzt keine Namen, um keine Flames zu provozieren) selbst bei Brot-und-Butter-Sounds frisst, nur um dann zu klingen wie ein 80er Synth bei 12bit und 32kHz, wundert man sich eher über die überschaubare CPU-last bei ACE.

    • Profilbild
      Tyrell  RED 2

      Ich sehe das genau so. Die Softwareentwickler dürfen auf gar keinen Fall auf die CPU-Leistung der gerade aktuellen Rechnergeneration Rücksicht nehmen. Entscheidend ist die Qualität. Das technisch machbare immer wieder auszureizen sollte für meinen Geschmack oberste Priorität haben. Nur so wird eine Weiterentwicklung gefördert. Was gestern noch als CPU-Killer galt (z.B. Massive von NI) lässt uns heute kalt, angesichts der aktuellen Prozessoren. Klar schließt das automatisch eine große Gruppe von Usern aus die sich nicht ständig ein schnelleres System zulegen möchten oder können, aber es gibt ja auch genügend Software die diesen Umstand berücksichtigt. ;-)

      • Avatar
        AMAZONA Archiv

        Besser hätte man es nicht sagen können!

        MFG
        Dennis

      • Profilbild
        AMAZONA Archiv

        Richtig. Vor 100 Jahren hat auch keiner daran geglaubt das einmal Menschen auf dem Mond wären. Die Entwicklung geht immer weiter und je besser die Rechner werden umso autentischer wird die Software klingen.
        Nebenbei sei bemerkt das Urs einen Todesfall in der Familie hat. Wer möchte kann ihm in seinem Forum bei KVR was schreiben. Er würde sich bestimmt darüber freuen denn ein Elternteil zu verlieren steckt keiner so einfach weg.

      • Profilbild
        gaffer  AHU

        Ich finde Massive ein gutes Beispiel, einige der NIs finde ich klasse, Massive gehört definitiv nicht dazu. Der frisst Leistung ohne Gegenleistung. Und in einem möchte ich widersprechen: ich finde es wichtig, die Leistung der durchschnittlichen Rechner zu beachten. Der durchschnittlich ausgestattete Musiker soll die Plugs ja auch kaufen.

    • Profilbild
      h.gerdes  AHU

      Es würde CPU sparen, wenn man unbenutzte Module abschalten könnte, mausuell oder automatisch. Bei NI Reaktor ist das für mich inzwischen unverzichtbar und funzt prima, auch im VST-Betrieb.
      Bei ACE läuft immer alles.

      • Avatar
        AMAZONA Archiv

        Leider ist das nicht möglich. Ich möchte hier nichts mit Links zuspammen, aber hier ein paar sehr hilfreiche Informationen zu dem Thema: http://www.....p?t=285153 (englisch). Urs gibt wirklich alles um seine Plugins CPU freundlich zu halten, allerdings ist er nicht gewillt hier einen Kompromiss mit der Klangqualität einzugehen. Und das ist auch gut so.

        MFG
        Dennis

        • Profilbild
          h.gerdes  AHU

          Ah ja, interessant! Zumindest kann man nicht behaupten, Urs hätte aus Zeitgeiz nicht optimiert. Wie es aussieht, ist ACE nicht sparsamer zu betreiben.
          Ich will hier nicht mein Minus bis aufs Blut verteidigen, aber die CPU-Last schränkt die Verwendbarkeit halt etwas ein. Als Breitseiten-Stimmenwerfer ist er nicht so geeignet.

  6. Profilbild
    Michael Kathke

    Die Demo macht schon süchtig. Für den Preis muss ich nicht lange überlegen. Weniger ist manchmal einfach mehr.;-)

    Ich finde das extrem ansprechende GUI schreit geradezu nach einem Touchscreen oder besser gleich iPad.

    • Profilbild
      h.gerdes  AHU

      Noch mehr Spaß macht es mit einem Hardware-Controller, mit meinem Korg Legacy-MS20 kommt schon richtig Analogfeeling auf. Schade nur, daß man die Strippen nicht wie bei Korg per MIDI ziehen kann…

      • Profilbild
        Michael Kathke

        Ja die Strippen (genauer jeder Eingang) sollten auch noch ein MIDI-Learn bekommen. Ein Eingang entspricht eigentlich nur einer Auswahlliste der möglichen Ausgänge.

        • Profilbild
          Urs  

          Das MIDI-Learn für die Kabel kann man mit etwas Geschick faken… dass die Kabelsteckplätze keine MIDI-Learn-Funktion haben, heißt ja nicht, dass es nicht geht ;-)

          Einfach mal die com.u-he.ACE.midimap.txt in einem Texteditor aufmachen. Das ist nur ’ne Liste im Format

          CC:Modul:Parameter

          Wenn Du nun auch noch ein Preset im Texteditor aufmachst, kannst Du die meisten Kabel erraten und zuweisen, indem Du nach der Sektion für Module guckst, und dann nach dem entsprechenden Kabelslot. So ergibt z.B.

          1:VCF1:FMSrc1

          ein Zuweisung des ModWheels auf den ersten Modulationseingang von VCF1 (sehe gerade, die Eingänge der Filter sind auch FMSrc/FMDpt benannt… naja… muß man durch…)

          Cheers,

          ;) Urs

          • Profilbild
            Michael Kathke

            Vielen Dank Urs.

            Ich hab mich durchgebissen und es funktioniert alles bestens. Die Kurznamen zu finden ist etwas zeitraubend, die Mühe aber wert. ;-)

  7. Profilbild
    HerrFrey  

    Ich bin immer wieder vom lebendigen Klang begeistert, wenn ich mit ACE arbeite. Der drückt alles was ich an (namhaften und teureren) VA-Synths im Plugin-Ordner habe, an die Wand. Außer DIVA – den kaufe ich mir auch noch, wenn die Konkurrenz ihre Produkte früher oder später nicht auf das gleiche Klangniveau updatet. ;-)

Kommentar erstellen

Die AMAZONA.de-Kommentarfunktion ist Ihr Forum um sich persönlich zu den Inhalten der Artikel auszutauschen. Sich daraus ergebende Diskussionen sollten höflich und sachlich geführt werden. Haben Sie eigene Erfahrungen mit einem Produkt gemacht, stellen Sie diese bitte über die Funktion Leser-Story erstellen ein. Für persönliche Nachrichten verwenden Sie bitte die Nachrichtenfunktion im Profil.