Test: Vermona fourMulator, Vermona uniCycle, Eurorackmodule

18. April 2018

Vermona goes Eurorack, Oszillator und LFO

In drei aufeinanderfolgenden Teilen werden wir die aktuellen Module von VERMONA allesamt einmal genau unter die Lupe nehmen. Den Anfang macht dabei Vermonas fourMulator und Vermonas uniCycle.

Oder anders gesagt, dieser Test nimmt sich die drehenden Bestandteile des Vermona Eurorack-Systems vor, den Oszillator Vermona uniCycle und den vierfach-LFO Vermona fourMulator.

Vermona fourMulator

Der Vermona fourMulator ist ein 34 TE breites Eurorack-Modul, das vier gleichartige digitale LFOs enthält. So weit, so unspektakulär. Was aber macht den fourMulator dann aber meiner Meinung nach zu einem sehr vielfältig einsetzbaren Modul, auch außerhalb der üblichen LFO-Funktion?

Vier LFOs und ein Clocksignal, saßen im Eurorack und schwangen sich mal... Vermona fourMulator quadLFO

Vier LFOs und ein Clocksignal, saßen im Eurorack und schwangen sich mal … – Vermona fourMulator quadLFO

Generell denkt man bei LFOs im allgemeinen eher an „iuiuiuiuiu“ oder „wuahwuahwuah“. Also im ersten Fall an eine Modulation der Tonhöhe und im zweiten Fall an eine Modulation der Filtereckfrequenz eines Tiefpassfilters. Betrachtet man die Grundausstattung der vier (beinahe) identischen LFOs, so scheint nichts darauf hinzudeuten, dass es sich beim Vermona fourMulator um mehr als vier Standard-LFOs handelt.

Die Hardware

Die cremefarbenen Potis lassen einen beinahe das haptische Gefühl antizipieren. Die Potis laufen mit einem angenehm öligen Widerstand und die Schwingungsformschalter rasten sicher und satt in ihrer Position ein. Das Gleiche gilt für die Kippschalter der Sync-Funktion des jeweiligen LFOs, die übrigens nicht vom Miniaturtyp sind. Die Potis und alle Buchsen sind fest mit der Frontplatte verschraubt. Schrauben, Unterlegscheiben und Kabel sind im Lieferumfang enthalten. Das Gleiche gilt auch genauso für den Vermona uniCycle.

Grundaustattung

Jeder der LFOs verfügt über sechs Schwingungsformen: SawUp, SawDown, Pulse, Triangle, Sine und S&H. Sie operieren im Frequenzbereich von 0,05 Hz bis 100 Hz und reichen somit auch in den Audiobereich, obwohl es für FM-artige Glockenklänge nicht ausreicht. Jeder LFO kann über CV gesteuert werden, wobei er den oben genannten Frequenzbereich aber nicht überschreiten kann. Neben dem obligatorischen CV-Ausgang für die LFO-Schwingungsform, die von -5 V bis +5 V schwingt, gibt es noch einen Triggerausgang pro LFO, der immer dann ein +12 V Trigger-Signal ausgibt, wenn der LFO einen neuen Zyklus beginnt. Über einen Reset-Eingang kann schließlich der LFO zu jeder Zeit neu gestartet werden.

Was ist nun anders?

Dass LFOs einen Trigger ausgeben, ist etwas ungewöhnlich; natürlich kann man mit Zusatzmodulen (Komparator, z.B.) so etwas jedem LFO „beibringen“ – der Vermona fourMulator geht aber sogar noch weiter.

Jedes LFO-Modul besitzt zwei Aus- und zwei EIngänge. Der Triggerausgang gibt bei jedem Zyklus ein Triggersignal aus.

Jedes LFO-Modul besitzt zwei Aus- und zwei Eingänge. Der Triggerausgang gibt bei jedem Zyklus ein Triggersignal aus.

An die vier LFO-Sektionen angrenzend befindet sich die Clock- und Sync-Sektion, die mit einem Blick auf Live-Einsatz konzipiert wurde. Entweder kann der fourMulator durch eintappen selber eine analoge Clock (1PPQ) erzeugen, die er an die eigenen LFOs weitergibt und die auch anderen Modulen über die CLK OUT Buchse zugeführt werden kann. Oder er kann eben über eine externe Clock synchronisiert werden.

Und genau hier beginnt die Andersartigkeit des fourMulator. Jeder der vier LFOs kann entweder frei schwingen oder zur Clock synchronisiert werden. Ist der LFO in Sync mit der Clock, so bestimmt der Speed-Regler das Teilungsverhältnis. Je nach Position ergeben sich folgende Notenlängen: ganze Note, halbe Note, Viertelnote, Vierteltriole, Achtelnote, Achteltriole, Sechzehntelnote und Zweiunddreißigstelnote.

Die LFOs lassen sich synchron phasenverschoben nutzen

Die LFOs lassen sich synchron phasenverschoben nutzen

Aber die LFOs #2 bis #4 haben noch eine andere Sync-Einstellung. Sie lassen sich mit dem jeweils vorigen LFO koppeln, so dass sie in der gleichen Frequenz schwingen, allerdings bekommt dann der Speed-Regler eine andere Bedeutung. Die zweite Bezeichnung diese Reglers ist deswegen auch mit Phase angegeben. In diesem Phase-Lock-Modus wird dann über den Regler die Phasendifferenz zum vorigen LFO eingestellt, die von 0° (LFOs sind gleichlaufend) bis zu 180° (LFOs laufen gegeneinander) reicht.

Es stehen die üblichen Wellenformen zur Verfügung. Der LFO kann entweder frei schwingen, zur Clock synchronisiert oder in einen Phasen-Bezug zum vorangehenden LFO gesetzt werden.

Es stehen die üblichen Schwingungsformen zur Verfügung. Der LFO kann entweder frei schwingen, zur Clock synchronisiert oder in einen Phasen-Bezug zum vorangehenden LFO gesetzt werden.

Bevor wir gleich zu ein paar Anwendungsfällen kommen, müssen aber noch die restlichen zwei Buchsen der Clock-Sektion besprochen werden. Der Reset-Eingang ermöglich es, alle vier LFOs auf einmal zurückzusetzen. Der TRIG SEQ-Ausgang gibt die Summe aller vier Trigger-Ausgänge der einzelnen LFOs aus (jedoch immer nur maximal +12 V).

Und jetzt sollte es einem langsam dämmern. Der Vermona fourMulator ist nicht einfach ein LFO mal vier, sondern durch seine verschiedenen Sync- und Verkopplungsmöglichkeiten auch als Trigger-Sequencer nutzbar.

What‘s in an LFO?

In den Klangbeispielen habe ich das mal ein wenig exerziert. Als Empfänger der Trigger-Sequenzen dient der Vermona twinCussion, der bereits vom werten Kollegen der Jim getestet wurde. Den TRIG SEQ-Ausgang wurde auf einen HiHat-Sound gepatcht und der Trigger-Out des LFO#1 auf einen perkussiven Sound. LFO#1 wurde zur analogen Clock synchronisiert und die anderen drei im Phase-Lock-Modus auf den jeweils vorigen LFO betrieben. Um eine Variation Open/Close-HiHat zu erlangen, wurde der Wave-Ausgang des dritten LFOs auf die Decay-Länge des HiHat-Sounds gepatcht.

Das Interessante bei dieser Konfiguration ist, dass man, bis auf den Grundimpuls, auf kein festes Raster festgelegt ist. So gelingen mit den verschiedenen Phaseneinstellungen der Slave-LFOs allerlei lebendige Pattern, abseits des 16tel Rasters.

Das Patch aus dem Soundbeispiel

Das Patch aus den fourMulator Soundbeispielen

In diesem Soundbeispiel wurde eine einfache Variation erreicht, in dem ich den LFO#3 von Phase-Lock-Sync zu Free-Running und dann zu Clock-Sync schalte. Dank der ausreichend großen Schalter gelingt das auch problemlos in Timing-kritischen Situationen.

Wer weiteres über die Einsatzmöglichkeiten erfahren möchte, ist herzlich eingeladen, in der Modmatrix#5 mehr über das gesamte Vermona-System zu erfahren, dessen Teil auch der Vermona fourMulator ist.

Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    amazonaman  AHU

    Momentan hat man so das Gefühl dass die Welt auf nichts anderes als Modular systeme gewartet hat. Allerdings sind diese Art elektronischer Maschinen nicht unbedingt für jeden geeignet. Es gibt enorme Nachteile gegenüber dem normalen Klangerzeuger. So ist es zum Beispiel ein Graus damit einer Band zu spielen, denn Klänge abspeichern und abrufen ist nicht, und dazu noch überwiegend monophon. Der Einsatz ist also Beschränkt auf das spezielle. Eigentlich für jeden Keyboarder in einer Band eher ein zusätzlicher Kostenfaktor und dazu noch ein stressfaktor falls der Patch nicht stimmt, dann gute Nacht. Ich kann mir gut vorstellen dass ein zusätzlicher Keyboarder der nur als Operator seines Modular Systems agiert in einer Band um extravagant zu sein. In der heutigen Zeit jedoch ist ein Modular System nicht zwingend notwendig um spezielle Klänge zu formen. Trotzdem ist es geil! Hier siegt eindeutig die Unvernunft.

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      sltp

      Dann gehörst du wohl auch nicht zur Zielgruppe. Keyboards und Synthesizer sind für mich auch nicht vergleichbar. Für Leute die in einer Band spielen gibt es auch ein breites Spektrum an Presetschleudern. Für Klangschrauber ist ein Modularsystem eine spannende und sehr interessante Sache und gerade das breite Angebot ermöglicht es einen sich sein System nach eigenen Vorstellungen zu bauen. Man kann damit durchaus auch wunderbar live spielen und das auch mit Keyboard. Und die Vergänglichkeit die ein Midularsystem mit sich bringt hat für mich auch einen gewissen Reiz. Ich persönlich empfinde digital gerasterte Regler als größeren Nachteil als den Sound speichern zu können. Da kann man sich mit patch books oder modulargrid Abhilfe schaffen. Alles hat seine Vor- und Nachteile. Den perfekten Alleskönner wird es nie geben. Dafür ist das Spektrum an Anforderungen aller einfach zu groß also sollte man schon schauen welche Zielgruppe man erreichen will. Manchmal mag diese auch sehr klein sein umso erfrischender finde ich es wenn es Nischenprodukte gibt die mit viel Herzblut gemacht wurden und der kommerzielle Erfolg eher nebensächlich ist. Also hoch lebe die Unvernunft. =)

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      swellkoerper  AHU 2

      Bitte nicht schon wieder einer deiner sich wiederholenden Kommentare. Musik und ihre Komposition hat sicher immer stark an den herrschenden technischen Möglichkeiten orientiert. Das gilt auch für deine geliebten Klaviere und Keyboards – auch akustische Instrumente sind technische Produkte und wachsen nicht auf Bäumen. Momentan geht der Trend eben zu Modularen, weil dort das Herzblut passiert und die grossen Hersteller nicht gewillt sind, etwas anderes als beliebige Massenware zu produzieren. Von daher, die einzige Zielgruppe, die sich berechtigt über Gear aufregen dürfen, sind Sänger, deren Instrument ist angeboren.

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    Ralle373  

    Juhuuuu !!! …ich bin unvernünftig!
    Modular ist geil. Da ich blind bin nutze ich fast ausschließlich mein Modularsystem. 4 VCOs, 2 Wavetable DCOs, einHaufen Filter, Hüllkurven und ner Menge VCAs. Warum? Hier habe ich die Möglichkeit genau den Sound zu patchen und zu modulieren, wie ich ihn brauche. Dieser direkte Zugriff bleibt mir bei einem Synthesizer von der „Stange“ verborgen.
    Ach so… den Fourmulator habe ich auch.

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    Tolayon  

    Ich bin eigentlich auch kein Freund von Modularsystemen – würde mir zumindest nie selbst ein komplettes zulegen -, verfolge aber trotzdem regelmäßig die Berichte über dieses Gebiet auf Amazona.
    Interessant finde ich dabei vor allem den Trend, dass in letzter Zeit immer mehr digitale Module auf den Markt kommen, sowohl Oszillatoren als auch Filter und in diesem Fall auch LFOs betreffend. Das Verrückte dabei ist aber, dass der ganze Signalfluss zwischen den Modulen trotzdem analog erfolgt und sie auch analog per CV-Steuerung angesprochen werden – generiert von inzwischen ebenfalls überwiegend digitalen CV-Modulen ;)

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      swellkoerper  AHU 2

      Das ist genau der Punkt, wo momentan die Innovationen passieren. Digitale Schaltungen hinter Ein-Knopf-pro-Funktion Oberflächen gesteuert mit analogen Spannungen. So wird völlig nebensächlich, ob das Modul hinter dem Panel nun analog oder digital ist. Zu dem Thema kann ich nur das Intellijel Plonk-Video von Andrew Huang empfehlen. Gegen Ende zeigt er einen Patch, wo mit dem Triggerpad jedesmal ein neuer Sound erzeugt wird und gleich abgesampelt wird. Intuitiver gehts kaum, obwohl alle involvierten Module digitaler Natur sind.

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    amazonaman  AHU

    Ich bin auch unvernünftig und will aber nicht gleich so viel Geld investieren. Deshalb kaufe ich mir mal das was am meisten für wenig Geld gibt. So werden es sicher viele Leute geben und die einen bleiben eben dabei hängen und die anderen verkaufen wieder alles. In der Summe dürfen es mehr Modular Musiker geben und auch neue Ideen, also damit meine ich die Sequenzer Dudelei ist ja auch ganz nett, aber nach 5 Minuten ist es bei mir eben schon wieder vorbei, zu langweilig für mich. Dabei betone ich, dass ich nicht alle bin, andere können das den ganzen Abend lang und dabei so richtig entspannen. Die Geschmäcker dürfen da ruhig unterschiedlich sein.

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