Test: Yamaha Reface DX, FM-Synthesizer

9. September 2015

Yamahas druckvollster FM?

Yamaha Reface DX

Vier Modelle der Yamaha Reface-Serie wurde in AMAZONA.de bereits ausführlich getestet. Bevor es gleich losgeht mit dem Test zum Yamaha Reface DX, hier die Links zu den beiden weiteren AMAZONA.de-Reface-Tests:

Da es genau vier Geräte gibt, die auf den Namen Reface hören, möchte ich hier auf den Reface CS Bericht verweisen. Dort gibt es zum Äußeren und den allgemeinen Möglichkeiten eine weitere Beurteilung der äußeren Dinge, da diese faktisch identisch sind. Der DX ist ein FM-Synthesizer mit langer Tradition bis 1983, dem Jahr des DX7. Er ist nicht ganz identisch mit dem, was man aus der früheren Zeit kennt. Deshalb werden auch Nerds in diesem Bericht ein paar Dinge finden, die man auswerten kann.

Ganz neu hinzugekommen ist der Dtronics Controller RDX, der sich fast nahtlos mit dem Yamaha Reface zusammenfügen läst. Einen ausführlichen testbericht dazu findet Ihr HIER

Preface

Reface ist mit einer dynamischen sehr guten Minitastatur ausgestattet. Der Pedalanschluss, Audioeingang und der Eingang für die MIDI-Adapterpeitsche (In/Out) befinden sich an der Rückseite. Außerdem gibt es ein Batteriefach. Das ist ein sehr mobiles Konzept, denn auch Lautsprecher sind verbaut. Das Gehäuse ist aus stabilem Plastik, also anders als der metallene CS im anderen Look. Die Steuerelemente sind allerdings ähnlich. Es gibt einen Bender sowie einen Oktavlagenschalter. Gespart wurde auch hier der Modulationshebel. Der DX ist der einzige Reface-Synthesizer mit internem Speicher. Ihre Inhalte können zwar auch über den Browser oder eine App gesichert wie geladen werden, aber man kann eben auch 32 Klänge direkt intern sichern. Weshalb man sich für diese Anzahl entschied, weiß niemand. Angemessen sind heute 128. Für ein Liveset reicht es jedoch aus. Austauschen kann man es aber mit dem Telefongerät oder dem Tablet sofort. Der DX selbst ist ein sehr solide gebautes Stück Technik mit einer vierfachen Touch-Eingabe-Sektion. Der Rest sind Tipptaster und ein großes Display für die Darstellung der Parameter und Strukturen. Das ist das einzige Instrument aus der Reface-Serie, das ein Display anbietet. Die anderen benötigen das nicht.

Interface

Wer jetzt noch nicht in den CS-Bericht geschaut hat, sollte das jetzt tun, da Wiederholungen eher langweilig sind. Fangen wir also direkt mit der Synthese an. Wir haben es mit einem 4-oszillatorigen System zu tun. Yamaha nennt die Oszillatoren zusammen mit ihren Hüllkurven „Operatoren“. Yamaha bot schon immer zwei Systeme an, solche mit vier und die anderen mit sechs Operatoren. Der DX7 und alle seine Ableger (DX7II, DX5, DX1, TX802, TX816, TX7, SY/TG77, SY99 …) haben 6 Operatoren (OPs), während es auch schon von Anbeginn eine Serie gab, die mit vier OPs arbeiten (DX 27, 21, 100, 9, 11, FB01, TQ5, V50 …). Diese waren in jeder Hinsicht ein wenig eingeschränkter gegenüber dem großen Klassiker. Über die Zeit veränderte sich auch die Wandlerqualität, jede neuere Generation brachte weniger Artefakte und schon ab der zweiten Generation (DX11/TX81z und später) gab es auch keine extremen Geistersounds mehr als Nebeneffekt. Der Klang des neuen DX ist in dieser Hinsicht sogar auch zu hören – mehr Druck! Die FM Synthese lebt sehr auf durch die Anschlagdynamik. Dies beherrscht der Reface DX ebenso, denn seine Tastatur ist wirklich extrem gut.

Die Hüllkurven sind im Gegensatz zu den anderen 4-OP-Synthesizern von der gleichen Komplexität wie die „Großen“. Sie bestehen aus 4 Zeiten und 4 Pegeln, sie sind sogenannte Multisegmenthüllkurven, die man frei selbst definieren kann. Wer es wünscht, kann sich damit auch einfache ADSR-Typen zusammenbauen (Pegel 1 = 0, Pegel 2 = 127, Pegel 3 = Sustain, Pegel 4 =0). Das ist für FM deutlich wichtiger als für andere Synthesearten, da jeder Operator mit Hüllkurve faktisch Schwingungsform, Lautstärke und Filterwirkung in Tateinheit entsprechen. Ein FM-Synthesizer benötigt deshalb auch kein Filter. Beim Ausprobieren bitte auch bedenken, dass die Zeiten bei Yamaha mit höheren Werten kürzer werden. Die längste Zeit ist mit 0 definiert.

Reface DX EG Levels
Yamaha löst das Bedienproblem, indem Zeiten und Pegel jeweils getrennt voneinander eine eigene Displayseite und Taster haben und die vier Touch-Slider zum Einsatz kommen können. Man wird deshalb beim Einstellen zwischen diesen beiden hin und her springen. Die Touch-Eingabe funktioniert über das Antippen der Pfeilspitzen oder durch die „Wischgeste“ über das Pad nach oben oder unten. Wenn der Parameter nur eine Schaltfunktion (on/off) hat, wird ein Punkt angezeigt. Eigentlich würden die vier OP-Taster und „Algo“ sowie LFO und PitchEG bereits ausreichen, um alle Parameter zu erreichen. Man hat sie nur der Übersicht und besserer Bedienung wegen mit eingebaut. Außerdem helfen kleine Grafiken und einfache Symbolik, um zuzuordnen, wo man sich gerade befindet und auch wo im Schaltplan, dem „Algorithmus“.

Der ist sehr essentiell und es gibt 12 solcher Algorithmen (statt sonst nur 8). Dadurch gibt es mehr Verschaltungsformen als bei früheren 4-OP-DX’en. Die Darstellung ist für Einsteiger etwas gewöhnungsbedürftiger, da er aus grafischen Gründen etwas „flacher“ dargestellt sind. Man muss also einfach näher hin sehen, welcher OP Träger und welcher Modulator ist und für wen. Es sind pro Taster maximal 4 Seiten (für 4 Operatoren; für die Hüllkurven) oder 3 Displayseiten (OP-Taster) vorgesehen. Die vier Taster mit „FM“ Beschriftung haben keine Unterseiten.

In your Face

Eigentlich könnte man alles über die OP-Taster erledigen, was unter „FM“ zu finden ist. Aber wenn man startet, dann initialisiert man am besten den Sound und startet mit den Frequenzen der OPs. Die sehr essenziellen Frequenzen der Operatoren werden über einen Taster lesbar und sind direkt zu ändern über die Touch-Slider. Diese sind bei FM Synthesizern absolute Zahlen, da sie ein Frequenzverhältnis angeben. Die kleinere Zahl ist die „Verstimmung“ oder Abweichung. Sobald diese nicht 0 sind wird der Klang schräger. Hier kann man auch intuitiv entlang streichen und den gewünschten Basissound suchen.

Das geschieht natürlich in Zusammenarbeit mit dem LEVEL-Taster, hinter dem die Pegel der OPs faktisch den Sound herstellen. Die Bewegung kommt dann durch die Einstellung der Hüllkurven zustande. Eine Verschaltung mittel Algorithmus-Taster muss man sich aber zu Beginn aussuchen. Man kann sie zwar auch ändern, aber der Aufbau ist gezielt am schnellsten, wenn man sich sehr genau entscheidet, damit man weiß, ob und welche Frequenzgruppe man hier auswählen muss und was sie bewirken wird. Ganz ohne Kenntnis der FM-Synthese als Ganzes ist es also kaum bis gar nicht möglich, etwas gezielt aufzubauen, was nicht eher zufällig ist. Es ist jedoch auch nicht so schwierig. Die Workshops, in denen ich FM erkläre, zeigen, dass es auch nicht unendlich schwierig ist, dies zu lernen.

Es ist nicht viel schwieriger, als einen mittelgroßen Klassiker von null auf kennen zu lernen und die Elemente, die man dazu braucht, sind gar nicht mal so viele an der Zahl. Die vier Taster Freq, FB und Level zeigen auch den Algorithmus im Display an. Bei den Tastern rechts gibt es die Anzeige der Funktion der Operatoren als Träger oder Modulator anhand der Umrandung als Hilfestellung. Die Pegel geben die Aggressivität und Obertonhaltigkeit der Sounds an, wenn sie Modulatoren sind. Wenn sie Träger sind, steuern sie die Lautstärke von allem, was sich über ihnen befindet. Träger sind die Operatoren, die ganz unten stehen, Modulatoren sind die, die mit ihnen Verbunden sind.

Reface_Panel

Das Kürzel FB steht für Feedback. Das ist komplett anders als bei jedem bisherigen FM-Synthesizer. Es gibt für jeden der Operatoren ein solches. Bisher gab es nur eine Feedbackschleife und die erzeugte Rauschen bei maximaler Feedback-Einstellung (7). Hier ist Feedback ein Wert von -127 bis 0 bis +127. Es regelt aber nicht die Stärke des Rauschens, sondern kann stufenlos den Sinus („0“) zum Sägezahn (+) oder Rechteck (-) werden lassen. Dadurch können sehr rauschige oder dem weißen Rauschen nahe Klänge nicht mehr ganz so brillant und einfach hergestellt werden, jedoch ist dieser Kniff dazu geeignet, schneller mit einem Oszillator mehr Klangvielfalt herzustellen, die klassischen Sounds mehr entspricht. Die bekannten übertriebenen Einstellungen mit den „Output Levels“ auf Maximum mit Algorithmus 1, wo sich jeweils alle OPs gegenseitig modulieren ohne Anschlagdynamik, ergeben dann einen sehr britzelig-hartem Leadsound, der in der EBM-Zeit extrem große Beliebtheit genoss (in Varianten können entstehen: Nitzer Ebb „Join in the Chant“ bis frühe Front 242, oder ein Sound wie der Lead aus „Push“ von Invincible Spirit, welcher allerdings mit einem Casio Synth gemacht wurde, bis hin zum Disco-“Lately“-Bass).

Der DX ist somit durchaus sehr geräuschhaft jedoch sind „Meeresrauschen“ und „Windpfeifen“ eher schwieriger herzustellen als „bisher“. Auch in der Stellung Rechteck oder Sägezahn (Extremeinstellungen) behält der Sound tonalen Charakter. Das Feedback ist durch Selbstmodulation bei früheren Modellen ein chaotischer Zustand, der dem Rauschen sehr nahe kommt, in 8 Stufen regelbar gewesen. Nun sind es je 127 Schritten in die Richtung des Sägezahns (nach oben) oder des Rechtecks (nach unten). Für die meisten Musikrichtungen außer Harsh Noise und Industrial ist das ausreichend. Für sehr experimentierwillige Krachfans ist das also der einzige Grund, einen anderen FM-Synthesizer zu wählen oder noch etwas weiter zu lesen. Natürlich ist das noch nicht alles in Sachen Noise: Das wäre so, wenn es nicht die Pitch-Envelope gäbe: …

Neben dieser grundsätzlichen Wahl gibt es auch eine Tonhöhenhüllkurve. Auch sie hat 8 Parameter und ist damit sehr vollständig. Sie kann man jeder der vier Operatoren in Form von „ein/aus“-Schaltern zuweisen. Wenn dies passiert, lässt sich sehr wohl Rauschen aus dem kleinen Gerät herauskitzeln, denn durch starke Unterschiede zu vorhergegangenen Modulation lässt sich ein Rauschen mit und ohne „Kratzen“ herstellen. Yamaha hat wohl sehr genau überlegt, wie man die FM-Synthese sinnvoll, aber minimal umsetzen kann und wo es sich eher nicht lohnt zu sparen.

Zum Glück wurde nicht bei der Komplexität der Hüllkurve gespart und auch bei der Tonhöhenhüllkurve nicht. Denn durch sie lassen sich noch einmal ziemlich interessante Elemente hinzufügen. Es ist jedoch eine solche für alle Operatoren zuständig. Es gibt keine Vorjustage oder Gewichtung der einzelnen OPs, weshalb es sich anbietet, spezielle unkonventionelle Rauschsounds mit Modulatoren zu basteln, während eine klassische Tonbeugung mit dem Träger die besten und konventionellsten Ergebnisse erzielt. Es ist also alles da für jeden Haushalt – von Klassik bis Noise. Wenn man mit einem Update Freude für Nerds herstellen will, macht man eine weitere Seite, in der die Intensität pro OP vorwählbar ist.

Auch ein LFO ist an Bord. Auch er besitzt Schalter, die ebenso wie die Pitch-Envelope mit einem grafischen Bild der Zustände sowie dem Bild des aktuellen Algorithmus‘, also der aktuellen Verschaltung der Operatoren dienen kann. Hier sind die Intensitäten des LFOs jeweils pro Operator auf einer weiteren Displayseite zu finden. Der LFO reicht nicht ganz in den Audiobereich hinein. Er ist für Tremolo/Lautstärkensteuerung (auf Träger OPs) und Klangfarbenmodulation (Modulator OPs) geeignet. Vibrato wird als „Pitch Modulation Amount“ auf alles angewendet, was aktiviert wurde, während die Pegeleinstellungen für die Amplitudensteuerung zuständig ist. Es wirken also im Extremfall Lautstärken und Tonhöhenmodulationen auf die ausgewählten Operatoren. Die Schalter sind demnach wie bei der Pitch-Envelope dazu gedacht zu bestimmen, welcher Operator eine Tonhöhenmodulation durch den LFO bekommt. Tonhöhenmodulation erfolgt mit der Stärke, die global für alle OPs eingestellt wurde, während Lautstärkenmodulation pro OP justiert wird.

Die Operatoren-Taster 1-4 bieten ein Scaling in 2 Werten und 2 Kurven an. Das ist etwas feiner als die klassische Methode und funktioniert ganz gut, um den Klang über eine größere Klaviatur hin anzupassen. Auf der ersten Seite wird eingestellt, ob der OP überhaupt aktiv ist und ob der OP als Oszillator oder LFO fungieren soll (Ratio oder Fixed Mode) als auch die Stimmung mitsamt der Feinstimmung, die man auch über den FREQ-Taster erreichen kann. Auf der nächsten Seite befindet sich der Pegel, der extrem wichtig für den Klang ist und der ebenfalls eine eigene Taste hat (Levels) und ebenso der Wert für Feedback mit ebenfalls eigener Taste. Es sind demnach also hier nur die Anschlagdynamik-Empfindlichkeit und das Tastenabhänge modulieren der Hüllkurvenzeiten untergebracht, wenn man die anderswo untergebrachten Werte weg ließe. Nie aufhören sollte man über die Bedeutung der Anschlagdynamik zu sprechen, was die FM-Synthese so bekannt gemacht hat. Sie lässt sehr feinfühlige und extreme Veränderungen herstellen.

Sieht schon edel aus

Zum Thema Redundanz – man könnte auch nur 2 (statt 4) Displayseiten für die Operatoren machen und den Rest über die vier „FM“ genannten Tasten bereits erschlagen. Weshalb man sich entschied, diese noch einmal zu integrieren mag wohl als Kompromiss gemeint sein. Meine Einschätzung ist, dass das Weglassen ein schnelleres Arbeiten ermöglichen könnte, da es einfach nur noch 2 statt 3 nicht redundante Display-Seiten gäbe. Man hat wohl auf Übersicht setzen wollen und die Justage nicht komplett aus dem klassischen OP-Edit herausnehmen wollen.

Damit ist der Syntheseteil komplett. Er ist übersichtlich und gut gegliedert, ließe sich aber auf schnelles Arbeiten noch leicht optimieren. Ich selbst würde bei den Hüllkurven ein zweites Drücken als Umschaltung zwischen Rates und Levels bevorzugen. Allerdings wäre auch da irgendwie festzulegen, welchen der 4 OPs man einstellen möchte. Es kann also insgesamt als eine recht gut gemachte Oberfläche bezeichnet werden. Wenn man das mit Fadern oder Potis machen würde, wäre es sicher noch zugänglicher wie etwa beim DX200. Allerdings wäre es dann nicht vollständig umzusetzen, da man eine beträchtliche zusätzliche Anzahl von Bedienelementen benötigen würde. Das Reglerset des Reface CS würde dann eine Editorsoftware benötigen und das wäre in der heutigen Zeit eine tickende Bombe, bis das Gerät keine Updates mehr bekäme. Deshalb ist diese Lösung gut, jedoch optimierbar. Aber nur in einer größeren Luxusversion. Ein Zusatzgerät in Form eines Programmers wäre ebenso denkbar, welches eine „mehr analoge“ Oberfläche zeigt oder auch mit Macro-Reglern im Stile des FM8 oder eben des DX200 agiert und den Rest der Taster dennoch anbietet. Das wäre ein guter Kompromiss, FM auch „live“ zu verwenden.

YamahaReface307

Face off!

Die weiteren Bedienelemente auf dem DX dienen der Speicherung und Wahl der globalen Einstellungen wie MIDI-Kanal und Pitch-Bending-Stärke sowie eine einfachen Anwahl des Init-Sounds, also der „Nullstellung“, von der aus man einen Klang besser aufbauen kann als aus einem Preset heraus und einiges mehr. Die Store-Funktion hat eine Art Vorschau, die dem Nutzer VOR dem Speichern zeigt, welchen Sound man jetzt überschreiben kann mitsamt des Namens. Das ist eine richtig gute Sache, zumal es ja nur 32 Soundspeicher gibt. Das sollten sich andere mal abgucken!

Der Looper aus dem CS ist auch hier wieder mit verbaut worden. Er ist im Wesentlichen ein Echtzeit-Recorder für MIDI-Noten. Er zeichnet nach einem Klick einfach auf, was man spielt. Es ist also kein Looper, sondern ein MIDI-Mini-Sequencer für Echtzeiteinspielungen. Noten mitsamt ihrer Dynamik werden festgehalten, nicht aber Parameteränderungen. Schaltet man den Sound um, so wird die Sequenz vom neuen Klang gespielt. Die Bedienung ist durch das Display und die Touch-Anzeige einfacher als bei den anderen Refaces und ebenso dadurch etwas intuitiver. Es stehen zwei unabhängige Effektblöcke zur Verfügung. Der DX hat die meisten Effekte von allen Refaces zu bieten und beide Effektblöcke erlauben Hall, Delay und natürlich die Klassiker Verzerrer, Wah, Chorus, Flanger und Phaser.

Der Yamaha Reface DX on YouTube

Fazit

Er ist somit eigentlich der leistungsfähigste Synthesizer in der Reihe mit der komplexesten Klangerzeugung. Rechentechnisch mag der CS mehr Anforderungen stellen, aber ihm fehlt der Hall und hat „nur“ eine Effekt-Abteilung. Das liegt allerdings primär auch an der Fläche für weitere Bedienelemente. DX User haben mit Reface etwas, was dem alten DX100 ziemlich überlegen ist. Er hat zwei Effekte, Anschlagdynamik, einen extrem druckvollen Sound und einen kleinen Sequencer. Außerdem sind die Hüllkurven komplexer und es gibt eine Pitch-Envelope und das neue Feedback-Konzept. Einen DX7 kann er nicht ganz ersetzen, bietet aber viele reizvolle Dinge an, um die beiden Operatoren, die Reface DX zum DX7 machen könnten, zu kompensieren. Die Navigation ist im Prinzip einfach und für alle, die FM kennen, recht schnell erschlossen. Wer FM kennen lernen will, kann das hier in etwa mit der Bedienung der klassischen DX-Synthesizer vergleichen, hat jedoch noch eine Hilfe durch das Display. Es ist nicht unendlich schwierig, erfordert aber etwas Abstraktionsvermögen beim Betrachten der Schaltbilder und was sie bedeuten. Aber es ist noch immer ein Lieferant nicht so abgegriffener Sounds und beherrschbar ist es auch. Natürlich sind Glocken und E-Pianos möglich, aber die Synthese kann viel mehr. Auch sehr vielseitige Texturen und Flächen bis zu dynamischen Bässen und „realistisch“ nach einem Fantasieinstrument klingende Sounds kann der DX sogar noch besser erzeugen, da seine Engine offenbar durch die neue Technologie stark an Tiefe, Auflösung und Druck zunehmen konnte, dass sich auch Fans der älteren FM-Synthesizer hier mal umhören sollten. Der 8OP-Synth FS1R klingt eher Hifi, jedoch nicht so druckvoll wie der DX. Der TG/SY77 bzw. SY99 kann zwar mehr, hat auch einen hohen Druck aufzuweisen, ist aber sicher komplexer und der Druck selbst ist von anderer Natur. Er klingt etwa so, als wären die früheren FM-Synthesizer eine Art Demo gewesen und hier ist nun die finale Version, welche womöglich noch als große Version mit etwas Reglerkomfort in Mischform wieder kommen könnten und mit 6-8 Operatoren aufwarten könnte sie möglicherweise auch eines Tages. Das wäre sogar durchaus typisch für Yamaha. Reface DX ist für alle, die keine Lust auf Konventionelles haben und genug analoge Sachen im Setup haben oder einfach mal etwas anderes zu haben und das vielleicht auch auf eine kleine Bühne mitnehmen wollen. Außerdem kann man auch unterwegs irgendwo mal jammen, klimpern und ausprobieren. Es ist ja alles klein und robust und klingt gut.

YamahaReface316
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Zu den Audio-Demos:

Zwei Mal:
Bass-Klänge mit Veränderungen, zunächst Levels, später Feedback
Alles nur über die Touch-Fader und Handbetrieb

Glockensterben: Ein Klischee-Glocken-Sound, live beim Spielen bearbeitet: Levels, Algorithmen, Feedback ändern, Pitch Envelope und LFO einbauen und „rumspielen“

Experiment V: Man kann auch abgefahrene Britzelsachen basteln

Plus

  • druckvoller Sound
  • Touch-Feld und Vielfalt
  • Display und Hilfe beim Erstellen von Sounds

Minus

  • nur 32 Speicher
  • kein Modulationsrad

Preis

  • Yamaha Reface DX: 315,-€
  • Dtronics RDX Controller: 299,--
Klangbeispiele
Forum
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    dflt  

    vielen dank für den test! irgendwie macht der trotz minitasten, preis und geringem speicher ziemlich neugierig auf das teil ;)

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    Viertelnote  AHU

    vielen Dank für den ausführlichen Test.
    Kann man die Sounds des DX auch anders
    extern sichern? (externer MIDI Dump)
    Ansonsten sind 32 Speicherplätze schnell erschöpft.

    mfG

  3. Profilbild
    moogulator  RED

    Titel wurden nicht von mir so gesetzt. Bitte das zu entschuldigen. ;)
    „…der Welt“ oder ähnliches sind nicht mein Sprachschatz.

    1000 Jahre FM…!! ;)

    Sound-Dump – manuell kann man den Dump nicht auslösen, ein Editor könnte ihn sicher lostreten.
    Es ist zur aktuellen Stunde auch denkbar, dass da noch ein Update kommt – also siehe Datum dieser Mail (für spätere Referenz).

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    TZTH  

    schönes review, Danke – ich weiss ja dass Du (Mic) ein FM Freund bist. Geht mir aber genauso, werde das Teil mal antesten.
    Vermute, dass Yamaha den Markt mit dem reface DX sondiert um dann den „vollwertigen“ FM synth rauszubringen. Es fehlen ein paar features, die absolut unlogisch sind sie nicht zu implementieren, z.B. wieso kann der LFO nicht feedback modulieren wie Nick (sonicstate) anmerkte. Macht keinen Sinn sowas wegzulassen, kostet auch nichts es einzubauen, ein paar Zeilen DSP code. Wieso nur 1 LFO etc etc. Das sieht sehr danach aus, dass wenn die Nachfrage anzieht man was Ausgewachsenes nachlegt. Bin auch gespannt was Yamaha demnächst als neues synthese modell bringen wird.

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      moogulator  RED

      Feedback-Modulation ist aber auch nicht direkt Tradition bei Yamaha, wäre ja eher sowas wie eine Waveform-Morph-Mod –

      der hier ist mehr wie ein DX7 was Hüllkurven und Co angeht (8parameter) und bei FB sowieso total anders, der LFO moduliert direkt PEGEL wie beim 7’er..

      Weiss nicht wie viel Nick damit macht und die alten Teile kennt, aber Pitch ENV und so.. das war damals nicht in dieser Weise da.

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        moogulator  RED

        ps – fand eher schade, dass der LFO wirklich unter audio speed bleibt – weitgehend.

        und pegel für Pitch pro OP wäre gut. etc..

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          TZTH  

          stimmt finde ich auch, der DX ist schon ziemlich „basic“, aber du hast bei FM ja nicht so den grossen Bedarf an audiorate mod vom LFO, da das selbst mit 4OP hinzubekommen ist. Hab seit dem Wochenende den DX zum testen da und bin positiv überrascht. Ich mag die Kiste.

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    Son of MooG  AHU

    Als ich einen lange geliehenen Casio CZ-1000 zurück geben musste, konnte ich sehr günstig einen DX-100 als Ersatz ergattern. Auch wenn ich die Hüllkurven des CZ vermisste, hat er mir alle Sounds gegeben, die ich von ihm haben wollte. Deshalb verkaufte ich ihn auch erst, als ich auf einem Musiker-Flohmarkt einen tadellosen TX81Z für 50,- DM erstand. Der wird bis heute gerne genutzt; so machen mich die Neuerungen im Reface DX sehr neugierig. Für eine 19“-Version hätte ich noch Platz im Rack; eine weitere Tastatur, ob Mini oder nicht, geht nicht mehr…

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      moogulator  RED

      Kein Wunder, der TX81Z und DX11 sind aus der nächsten Generation (siehe Links oben), die haben viel mehr Druck. Es gibt einen gewissen Reiz den diese Geistersounds mit dem alten Wandler ausmachen, aber es ist auch bei Bässen verdammt gut, wenn man das abschalten könnte. Der Reface DX klingt mindestens so wie dieser Sprung. Das ist zumindest mein Eindruck.

      Und das sage ich nicht schnell, war lange TG77 User – bin es auch noch. Auch weil der einfach mehr Druck und HiEnd-Sound hat.

      Hier kann man gern auch interpolieren, ob der eigene Geschmack damit zusammen passt.

      Für dich wären die Hüllkurven interessant – weil komplexer und mehr Algorithmen. Der Nachteil könnte das mit dem Noise sein, wenn du in diese Richtung gerne gehst. Aber nur in der Extreme.

      Eine 6 oder 8OP Version wäre auch nicht schlecht – denke das das Rack auch ginge oder Desktop – aber die Hersteller wissen, dass sich Racks nicht mehr so gut verkaufen – als Trend. Die Idee hinter den Refaces würde vermutlich mit einem Rack nicht gut wieder gegeben werden. Aber was entwickelt ist ist da und findet nicht selten an anderen Stellen Einsatz.

      Schauen wir mal, was da an Großem noch kommt.

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    Tyrell  RED 31

    Das mag alles gut und schön sein, aber warum denn nur 4 Operatoren???? Das sieht schwer nach Marketing aus. Preislich hätte es für Yamaha überhaupt keinen Unterschied gemacht dem DX mehr Operatoren zu spendieren. Sieht fast so aus, als wenn da zu einem späteren Zeitpunkt noch eine Unit mit mehr Operatoren kommen würde. Abgesehen davon ist für mich ist das Konzept alles andere als rund. Ein Mini-SY77 oder ein Mini-FS1R, von mir aus mit Editor-Software, dass wäre schon etwas anderes gewesen.

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      Schorsch

      Ich denke, das gesamte Konzept von Reface beruht auf möglichst einfachem, schellen,intuitiven Zugang. Deshalb auch beim CS one-knob-per-function und keine Speicherplätze. Ich finde, beim DX haben sie das gut gelöst eben mit dieser Beschränkung auf 4 Ops. Das passt mit dem UI gut zusammen, FM-Sounds sind um Lichtjahre schneller einzustellen als bei meinem alten DX21, trotz des leicht komplexeren Systems. Vielleicht kommt ja noch eine große Version, mit 6 oder 8 Ops, großem Display und entsprechend vielen Touch Strips – oder gleich Touch Screen…?

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    moogulator  RED

    mehr so, dass etwas anderes „großes“ kommen wird..

    „Alien Technologie“ .. siehe Forum.
    sagt die Gerüchteküche.

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    gaffer  AHU

    Pitch Envelope gezielt für Operatoren, das war es, wonach wir bei DX7 lechzten, denn den Modulator in der Tonhöhe zu ändern, das erschliesst einen riesigen Schritt nach vorne.

    @ Peter: Dieser Punkt wiegt für mich schwerer, als es 8, auf jeden Fall 6 Operatoren könnten und ich habe mich sehr intensiv mit FM befasst ;)

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    Flyer

    Ich hab mir den DX zugelegt um selbst einmal Klänge zu generieren und nicht nur auf Samples angewiesen zu sein. Mit den Ergebnis bin ich recht zufrieden, auch wenn es natürlich nicht an die komplexen Klänge eine SY77 heran kommt. Dafür ist er einfacher zu bedienen und lässt sich leicht editieren. So kann man eine Hammondorgel einstellen oder interessante Sound aus den Presets ableiten.
    Die Neuerstellung einer Voice hingegen stelle ich mir schwieriger vor, da mir die Grundkenntnisse dazu fehlen. Vielleicht gibt es einmal eine Anleitung dazu.

  10. Profilbild
    xh9o

    Tolles Teil. Auf der Couch oder im Garten Sounds basteln (Batteriebetrieb mgl.), drinnen per Master-Keyboard spielen. Touchslider nicht ultrapräzise, aber bei FM sind 50% der weniger überlegten ja die besseren. Toll die neue Morphing Funktion per Feedback, Chorus und der Grundsound. Plus natürlich Sample & Hold im LFO. Sogar in zwei Varianten. Der Preis hat mich lange zögern lassen, totaler Quatsch. Jeden Cent wert.

  11. Profilbild
    BA6  

    Dickes Lob für die Klangbeispiele, insbesondere „Experiment V“ und „Glockensterben“. Das sind Sounds wie aus einer anderen Welt. Ich kann wieder verstehen, warum die Musiker in den 80ern ihre analogen Synthesizer verkauft haben, um sich einen DX7 zu kaufen.

    • Profilbild
      moogulator  RED

      Danke – das Experiment basiert auf einem schnell gedrehten LFO und sonst wenig Voodoo. Das zweite ist reine Spielerei mit den Parametern und immer der gleichen Sequenz, um zu zeigen, was das verändern kann und immer kontinuierlich. Alles nur am Gerät, keine externen Hilfsmittel. Hall ist intern, Druck war so wie er hier zu hören ist.

  12. Profilbild
    1-Mann-Band Berlin  

    Was mich an diesem Teil besonder reizt, sind zum einen die glockigen Stagepiano-Sounds und dann noch Röhrenglocken, die leicht künstlich klingen.
    Vermutlich dürfte dieses Teil zusammen mit einem Roland D-05 alles an 80er Jahre-Sounds abdecken, was die normalen Synthesizer so nicht vermögen, die dafür wiederum alles das können, was die ganzen eigentlich analogen Synthesizer so konnten.

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