width=

Test: Zoom H3-VR, 360 Grad Audiorecorder

Wie bei Rekordern dieser Klasse üblich, tastet auch der Zoom H3-VR mit maximal 96 kHz bei 24 Bit Wortbreite ab, auf MP3 hat man verzichtet. Das gilt auch für die Ordnerstruktur, die Dateien werden im Hauptverzeichnis als mehrkanalige Einzeldateien abgelegt. Wie beim Zoom H1n lassen sich allerdings Ordner erstellen und Dateien verwalten. Ob Apple es gut findet, dass Zoom diese Dateiverwaltung „Finder“ nennt? – Neben stereophoner und binauraler Aufzeichnung stehen Ambisonics-A, FuMa und AmbiX zur Verfügung. Die Erzeugnisse können entsprechend nur mit Programmen geöffnet werden, die Mehrkanalformate verstehen, mein seit Langem genutzter Total Recorder gehört nicht dazu. Standardmäßig speichert der Recorder die Dateien mit Aufnahmedatum und -Uhrzeit, was sich in den Einstellungen ebenfalls ändern lässt, nach 2GB wird die Datei geteilt. Hören Sie im folgenden Klangbeispiel den Zoom H3-VR im Vergleich mit dem H2n bei einer trockenen Sprachaufnahme.

Nutzer von Camcordern können wie beim H1n auch Slate-Töne über den Line-Ausgang zur Synchronisation ausgeben. Entsprechend kann man den Zoom H3-VR auch als Kameramikro nutzen und bei Bedarf den Ton als binauralen Downmix ausgeben. Bei der binauralen Aufzeichnung wird das Prinzip des Kopfmikrofons mit hörbaren Phasenverschiebungen nachgestellt. Dabei werden Zwei Kapseln mit Kugelcharakteristik an den Ohrpositionen angebracht und nehmen seitlich 180^des Schalls auf, wobei der Kopf als natürliche Grenzfläche dient. Der Zoom H3-VR ist natürlich kein Kopf, dennoch versucht das Gerät die Nachbildung einer räumlichen Aufnahme. Während dieser Effekt im binauralen Modus fest in den Aufnahmen verankert wird, kann er im Ambisonics-Modus zum Monitoring verwendet werden. Hören Sie in folgendem Klangbeispiel den H2n mit der räumlichen Aufnahme und den binauralen Modus des Zoom H3-VR. Dieser ist übrigens auf 24 Bit bei 48 kHz begrenzt, was vermutlich an der internen Umrechnung des Audiosignals liegt. Mir persönlich fehlt allerdings ein nicht so breitgezogener, aber räumlicher Stereomodus, wie ihn der Zoom H2n bietet.

Im Ambisonics-Modus ist die binaurale Abhörmöglichkeit natürlich nur ein Kompromiss, die Aufnahmen sind ganz klar auf leistungsfähige Decoder angewiesen. Trotzdem lässt sich der Zoom H3-VR mit seinem 6-Achsen-Gyrosensor quasi als Fernbedienung nutzen. Dadurch kann der Fokus nachträglich verlagert werden, so dass man rudimentär den Ambisonics-Effekt überprüfen kann. Ich habe im folgenden Beispiel das Line-Signal mit dem Sony PCM-D100 abgenommen und den Zoom H3-VR bei der Wiedergabe gekippt und verdreht, sogar Saltos vollzogen. Am Anfang hört man schön, wie ich meinem eigenen Fokus zur Haustür gefolgt bin. Im Verlauf allerdings beeindruckt der Effekt weniger, vor allem die Ortung in der Höhe wird nicht akkurat abgebildet. Stellt man sich hingegen ein 360°-Video mit Audiounterstützung vor, wäre die Kombination mit Bewegtbildern deutlich eindrucksvoller.

Die Fernsteuer-App des Zoom H3-VR

Zoom H3-App Screenshot 1

Im App-Store steht die H3-App für iOS kostenlos zur Verfügung und dient als umfangreiche Fernbedienung, einschließlich Pegelanzeige. Das ist eine sinnvolle Weiterentwicklung und besser, als eine auf wenige Tasten und in der Reichweite begrenzte Kabelfernbedienung. Die Verbindung klappt sehr einfach, so zeigt der Zoom H3-VR den Code an, welchen man beim Erststart in die App eingibt. Danach ist der Rekorder als Bluetooth-Gerät gekoppelt, beim erneuten Start wird die Verbindung zügig wiederhergestellt. Die App zeigt die Pegeleinstellungen und Displaydaten an, auch mit zeitgemäßem, schwarzem Hintergrund. Die Ausrichtung kann direkt vom Hauptbildschirm aus verändert werden und die großflächigen Transporttasten erlauben die Aufnahme und Wiedergabe, der Ton wird jedoch nicht über die App abgespielt.

Zoom H3-App Screenshot 2

Mit einer virtuellen Menütaste lässt sich auf fast alle Geräteeinstellungen zugreifen, das klappt in Echtzeit ohne nennenswerte Latenz. Für blinde und sehbehinderte Anwender hat die App sogar noch einen positiven Nebeneffekt, denn dadurch wird der Zoom H3-VR weitestgehend blind bedienbar, einzige Barriere ist das Ablesen des Codes und die Ersteinrichtung. Alle verfügbaren Menüeinträge werden erschlossen, auch lassen sich die Dateien verwalten und gegebenenfalls mit der iPhone-Tastatur umbenennen. Die Beschriftung der Schalter könnte zwar noch etwas besser sein, grundsätzlich ist aber die abgelieferte Leistung vorbildlich. Was man beispielsweise nicht über die App erreicht, ist der USB-Modus, dafür lassen sich Datum und Uhrzeit mit dem iPhone synchronisieren.

Der Zoom H3-VR als Audiointerface

Zoom H3-VR schräg

Nicht vernachlässigen möchte ich den Umstand, dass man den Rekorder auch am Computer oder iPhone als Mikrofon nutzen kann. Während es am Computer als 360°-Mikro Einsatz findet, beschränkt sich die mobile Nutzung aktuell auf den Stereomodus. Im Menü muss man jedoch zuvor den USB-Modus auswählen, auch der Zugriff auf den Kartenleser ist möglich. Zoom stellt die universellen ASIO-Treiber zur Verfügung, welche die latenzarme Einbindung unter Windows erlaubt. Am Mac funktioniert das via CoreAudio und einzig stört mich der Umstand, dass man den USB-Modus für jedes Gerät entsprechend ändern muss. Weiterhin lässt sich wählen, ob der Zoom H3-VR auch zur Wiedergabe als Monitor genutzt werden soll. Dadurch kann man ihn mit einem Kopfhörer als vollständiges Interface in beide Richtungen einsetzen. Ergänzend sei noch erwähnt, dass via Bluetooth nur die reine Steuerung des Geräts möglich ist.

Fazit

Mit Ambisonics trifft Zoom voll den Zeitgeist und es ist eine sehr spannende Erfahrung, sich mit dem Zoom H3-VR auseinanderzusetzen. Er ist endlich mal ein Audiorekorder, der sich konstruktionsbedingt von der Masse abhebt und vor Allem auch flexibel zum Erstellen traditioneller Aufnahmen genutzt werden kann. Bis auf den fehlenden Audioeingang und Lautsprecher muss man im Gegensatz zum H2n auf nichts verzichten, selbst die M/S-Stereophonie ist sogar in weitaus flexiblerer Weise vorhanden. Der hellere Klangcharakter, die übersichtliche Menüstruktur und die Steuerung per Smartphone sind ein Zugewinn, Festspeicher für Einstellungen hätten ihm jedoch gut getan. Gemessen am Preis sind Ausstattung und Klangqualität exzellent, zumal er ohnehin derzeit ein Alleinstellungsmerkmal einnimmt.

Plus

  • Ambisonics-Aufnahmen aus der Hand ohne Vorkenntnisse möglich
  • binaurale und herkömmliche Stereoaufnahmen möglich
  • Hochpassfilter und programmierbarer Kompressor
  • Gyrosensor zur freien Positionierung
  • solide Verarbeitung und übersichtliche Bedienung
  • selektierte Mikrofonkapseln
  • sinnvolles Zubehör im Lieferumfang
  • übersichtliche und barrierefreie H3-App zur Fernsteuerung

Minus

  • kein rundum Stereomodus ohne Basisverbreiterung
  • Bluetooth nur optional nachrüstbar
  • LC-Display nicht ganz zeitgemäß
  • weder Audioeingang noch Lautsprecher

Preis

  • Zoom H3-VR: 344,- Euro
  • Zoom BTA-1: 39,- Euro
Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    iggy_pop  AHU

    Ich hatte mal von Zoom so ein Handheld, H1 hieß der (glaube ich). Alles, was nicht im Abstand von einem Meter um die Kapseln herum aufgestellt war, verlor komplett an Ortungsschärfe und wurde geradezu „mono“ in der Wirkung. Selbiges befürchte ich bei diesem Gerätchen hier auch, es sei denn, die Entwickler haben die Kapseln grundlegend weiterentwickelt.
    .

    • Profilbild
      Stephan Merk  RED

      Der H1 war seinerzeit ein günstiges Einstiegsgerät und sehr kompromissbehaftet. Zoom konnte es damals schon besser und der H3-VR ist damit nicht vergleichbar. Wenn schon, dann mit dem H1n, der klanglich dem H1 auch überlegen ist und sich dem H4n sehr nähert.

  2. Profilbild
    Franz Walsch  AHU

    Das Marketing hat hier wieder einmal zuviel getan.
    Ein Ambisonic Mikrofon ist ein Ambisonic Mikrofon. Punkt.
    Es gibt nur dann eine hörbare Bewegung wenn auch das Mikrofon bewegt wurde!
    Stereo oder Kunstkopf kann gar nicht gleichwertig funktionieren.
    Ambisonic ist ein freies Audioobjekte-Format und die Software zu großen Teilen Freeware.
    Im Gegensatz zur spurenbasierten Tonaufzeichnung werden hier Audioobjekte aufgezeichnet. Erst via Software werden diese Audioobjekte richtungs- und zeit bezogen oder auch frei im Raum verteilt. Das ist meist bei großen Filmproduktionen wie z.Bsp. IMAX der Fall. So sind im Kino/Heimkino 13 oder mehr Lautsprecher für die Wiedergabe im Einsatz. Damit lassen sich extreme Richtungsklänge nachbilden wie z.Bsp. ein Flugzeug über dem Kopf (Voice-of-God-Speaker sei dank).

  3. Profilbild
    Franz Walsch  AHU

    Für Facebook Audio gibt es die kostenlose »Facebook FB360-SpatialWorkstation« zur Bearbeitung des Ambisonic-Formates.
    Wer mehr zu dem Format wissen will, findet Vorträge zum Ambisonic-Format auf der Seite des «Schoeps« Kanals bei »YT«.
    Wozu man dafür unterwegs eine App und Bluetooth braucht, erschliesst sich mir nicht.
    Der Bauform des Mikrofons (das gilt auch für das Sennheiser Ambeo, RØDE – NT-SF1 etc.) ist ein Apfelsinen großer Sweetspot geschuldet.
    Mir scheint der »ZOOM H3-VR Ambisonic Recorder« das bessere und flexiblere Gesamtpaket zu einen moderateren Preis zu sein.
    Mich nervt an dem Recorder die schlechte Entkopplung der Mikrofone vom Recorder, das Steinzeit-Display und das Plastik-Stativgewinde. Der ZOOM WSU-1 Windschutz ist Pflicht.
    Zum Transport eignet sich ein Objektivköcher.
    Warum hat man das Ambisonic Mikrofon nicht als steckbare Mikrofonkapsel zum ZOOM H6 konzipiert? Da wäre das Display besser und der ZOOM F8 hat auch das volle Ambisonic Format an Bord.
    PS.: Für den H2n gibt es das kostenlose 3D »Jump« Audioformat als Erweiterung.

  4. Profilbild
    Franz Walsch  AHU

    Noch eine Anmerkung zum Test. Den Photos nach zu urteilen wurde die Mischung in einer Stereoumgebung gemacht. Bei 3D-Sound wohl nicht artgerecht.
    Natürlich hat nicht jedes Tonstudio eine 3D-Suite, aber das verfälscht doch die Bewertung.
    Mittlerweile scheint auch die Hardware der Software (Datenträger) weit enteilt. Was bei der Mischung alles passieren kann, hört man/frau im Zweifelsfalle (es fehlt an 3D!) nicht.
    Eine gute Informationsquelle zu diesem Problem liefert GrobiTV auf »YT«. So gab es in 2018 nur wenige überzeugene Filme und Musikwerke, wo 3D-Sound sehr gut eingesetzt wurde.
    »Jim Knopf« und das Kraftwerk 3D-Projekt von Tom Ammermann sei hier genannt.
    Ein interressanter Einstieg in 3D ist immer noch Kunstkopf. Das »Roland CS-10EM« Kunstkopf-Mikrofon ist preislich sehr interessant und es braucht auch keine Software.

    • Profilbild
      Sydsyd

      @Frank Walsch: Der H6 besitzt meines Wissens nicht die Möglichkeit, den Preamp-Gain global/kanalgekoppelt zu regeln, was die eigentlich schöne Idee eines aufsteckbaren Kapsels obsolet macht. Dieses Feature besitzt der F8 glücklicherweise.

      • Profilbild
        Franz Walsch  AHU

        Danke für den Hinweis.
        Selbstverständlich wäre eine Kapsel nur mit einem entsprechenden Firmware Update realisierbar.
        Beim ZOOM F8 (und »n«) werden bei Verwendung des Sennheiser AMBEO die Kanäle mithilfe eines Rauschgenerators z.Bsp. »Monacor CTG-1NOISE« einzeln eingepegelt.
        Das zeigt Sennheiser sogar in Schulungsvideos so.
        Wie das beim »RØDE – NT-SF1« gelöst ist, weiß ich nicht.

Kommentar erstellen

Die AMAZONA.de-Kommentarfunktion ist Ihr Forum um sich persönlich zu den Inhalten der Artikel auszutauschen. Sich daraus ergebende Diskussionen sollten höflich und sachlich geführt werden. Haben Sie eigene Erfahrungen mit einem Produkt gemacht, stellen Sie diese bitte über die Funktion Leser-Story erstellen ein. Für persönliche Nachrichten verwenden Sie bitte die Nachrichtenfunktion im Profil.