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Vintage: Charlie Lab Digitar, MIDI Guitar Controller

26. Juni 2021

Hosentaschengitarre am Telefonkabel

Fast alle Keyboards haben inzwischen ja mehr oder weniger brauchbare Gitarrensounds. Werden die aber auf einer Tastatur gespielt, klingen die dann eben auch nach Keyboard und nicht nach Gitarre, egal, wie geschickt man sich da auch anstellen mag – es fehlt einfach der gitarrentypische Anschlag. Die Lösung des Problems hatte Anfang 1994 der italienische Hersteller Charlie Lab, der eine „Pocket MIDI Guitar“ namens „Charlie Lab Digitar“ auf den Markt brachte  – ein MIDI-Controller, auf dem sich per MIDI empfangene Akkorde mit Hilfe von kleinen Stahlstäbchen in „gitarrige“ Anschlagtechniken übersetzen lassen. Heute ist das Teil fast komplett in Vergessenheit geraten, auch gebraucht ist es kaum noch zu bekommen. Warum aber ist die Digitar verschwunden? War sie so schlecht? Schauen wir uns diesen skurrilen MIDI-Controller doch mal an.

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Intermezzo 1: Was hat Charlie Lab denn sonst so gebaut?

Gibt man heute bei Google den Suchbegriff „Charlie Lab“ ein, so bekommt man die Seite einer italienischen Designerin (Charlie’s Lab), die Adresse einer Burgerbude nahe Bergamo (Charlie 2020 Burger Lab), den Link zu einer Multimedia-Agentur in London (Charlie Creative Lab) sowie den Hinweis auf einen Schweizer Spezialisten zur Veredelung von Cannabidiol (Charlie’s Laboratory). Dass „Charlie Lab“ in den 90er-Jahren mal ein italienischer Hersteller für Audiozubehör gewesen ist, ist anscheinend fast komplett der Vergessenheit anheim gefallen; und da soll noch mal jemand behaupten, dass das Netz nichts vergisst.

Anschluss zur Masterbox

Über die Firma ist heute kaum noch etwas in Erfahrung zu bringen; anscheinend wurde ein Teil der Produktpalette um das Jahr 2005 von der Schweizer Firma ESS (Electronic Sound Solutions) übernommen, später führt noch eine Spur zu einem Unternehmen namens „Smart Audio Pro“, danach verliert sie sich. Und auch die Handvoll Produkte, die Charlie Lab im Lauf der Jahre auf den Markt gebracht hatte – und die wohl in erster Linie auf das Alleinunterhalter-Klientel abzielten –  sind heute weitestgehend wieder von der Bildfläche verschwunden. Wie etwa der Hard-Disk MIDI-File-Player „Charlie Lab Megabeat One“ (1995) oder der „Charlie Lab Megabeat Pro“ – der neben MIDI-Files auch Audios und Lyrics abspielen kann und sich somit als Karaoke-Maschine etabliert hatte. Weitere Produkte aus der Charlie Lab-Schmiede waren der Megalite (MIDI-Player), Matrix One (Workstation), Mixtral 24 (8-Kanal-Digitalmixer) und die Dadi Combo (Guitar Amp Combo im Holzdesign). So war dann wohl auch die Digitar mehr für den Musiker am Arranger-Keyboard gedacht; Testberichte dazu gibt es kaum und auch auf dem Gebrauchtmarkt taucht die Hosentasche-Gitarre so gut wie gar nicht auf (und wenn, dann zu merkwürdigen Fantasiepreisen) – ein wirklich rarer Exot also.

Vorderansicht Masterbox: Netzteil und MIDI-Converter des Digitar

Intermezzo 2: Reise in die Vergangenheit

Ich kann mich gar nicht mehr erinnern, woher meine Charlie Lab Digitar eigentlich stammt. Irgendwo mal billig auf dem Restetisch meines damaligen Berliner Musikalienhändlers geschossen (wie so vieles andere hier auch)? Ein nie zurückgefordertes Testmuster aus meiner Zeit beim Printmagazin „Music & PC“? Ich weiß es nicht. Jedenfalls schlummerte das gute Stück die letzten 20 Jahre ungenutzt in meiner Asservatenkammer (vulgo: Keller), verborgen unter anderem historischen Audiokrempel wie uralten Audiointerfaces, seltsamen DJ-Controllern und MIDI-Interfaces mit seriellem Anschlüssen für DOS-PCs. Was sich halt so in 30 Jahren ansammelt, wenn man zu viel Platz (und zu wenig Willen zum „sich Trennen“) hat. So stieß ich dann eher zufällig auf die Digitar („War hier nicht irgendwo noch mein alter Roland CM-500 Rompler?) und siehe da: Das Teil funktioniert erstaunlicherweise noch wie am ersten Tag. Nur der Gurt sitzt inzwischen etwas strammer – den hat sicherlich jemand irgendwann heimlich verstellt.

Auf der Rückseite ist das MIDI-Trio untergebracht, aber leider kein Power-Button

Metallkiste, Telefonkabel und Bauchtasche

Es hat im Laufe der MIDI-Historie schon einige recht seltsame und ausgefallene MIDI-Controller gegeben – und gibt sie immer noch, wie etwa den MIDI Ring Controller oder die MIDI Gloves – aber das Charlie Lab Digitar MIDI Interface dürfte da zumindest optisch den Vogel abschießen. Die „Pocket Midi Guitar“ – wie der Hersteller sie auch nennt – besteht aus zwei Teilen. Da ist zum einen eine kleine graue Metallkiste mit Namen „DG10“, ca. 10x10x6 cm groß und 660 g schwer, extrem massiv gebaut, Marke „Wohnwagen Bremsklotz“, die auf kleinen Gummifüßen ruht; hier werden die MIDI-Daten umgewandelt. Auf der Rückseite drei DIN-MIDI-Anschlüsse (IN/OUT/THRU) plus das fest verdrahtete Netzkabel (einen Powerbutton gibt es nicht), auf der Vorderseite eine Power-LED und eine Buchse für ein Standard-Telefonkabel mit RJ10-Stecker. Für die jüngeren unter den Lesern: Das waren die Stecker, die zum Beispiel am Spiralkabel zwischen Hörer und Telefon eingesetzt wurden. Und über genau so ein Kabel (da das Originalkabel verschwunden war, habe ich tatsächlich eines aus einem alten Telefon genommen – ja, mein Keller ist schon sehr groß) wird das Bedienteil mit der Box verbunden. Offiziell heißt dieses Bedienteil laut Bedienungsanleitung alleine „Digitar“ (und die graue Box dann DG10), aber da beides zusammengehört und auch unter dem Namen „Charlie Lab Digitar“ verkauft wurde, bleibe ich mal dabei, das ganze Konvolut so zu nennen.

Sechs Stäbe für ein Halleluja …

Das wiederum ist ungefähr 15x9x4 cm groß (und 360 g schwer) und hat praktischerweise sogar eine Art Quickstart-Guide direkt auf der Unterseite abgebildet. Die Bodenplatte und die hochgezogenen Kopfseiten bestehen ebenfalls aus Metall, der Rest – also Seitenteile, Oberseite und Bedienelemente – ist aus Kunststoff gefertigt; insgesamt macht das einen recht stabilen Eindruck. Den Großteil des Bedienteils nehmen sechs Metallstäbe ein, die hier die sechs Gitarrensaiten ersetzen, dahinter ein kleines Display und acht Taster für die Bedienung der Digitar. Das Ganze wird mit Hilfe eines verstellbaren Gurtes der Ausführung „Kofferband“ um die Hüften geschnallt, so dass man mit einer Hand dann entspannt in die „Saiten“ schlagen oder zupfen kann, während man mit der anderen auf dem Keyboard Akkorde greift. Das sieht ein wenig aus wie diese fürchterlichen Bauchtaschen – und vor allem (je nach Perspektive) auch sehr seltsam aus, wenn da jemand mit einer Hand anscheinend permanent seinen Bauchnabel kratzt.

Auf der Rückseite des Controllers gibt es eine kleine Anleitung

So funktioniert die Charlie Lab Digitar

„DIGITAR empfängt Noten auf dem eingestellten MIDI-Kanal, die am MIDI-Eingang anliegen und wandelt diese mit Hilfe komplexer Formeln in sechs gitarrentypische Noten, die durch Anschlagen der „Saiten“ über den MIDI-Ausgang gesendet werden. Unterschiedliche Anschlagtechniken und die Tonhöhe der Eingangsnoten erzeugen eine äußerst realistische gitarrentypische Spielweise.“ Sagt das Handbuch. Aber gehen wir mal etwas mehr ins Detail.

Die sechs angesprochenen „Saiten“ bzw. die Stahlstäbe sind am hinteren Ende leicht beweglich befestigt und enden vorne in einer quadratischen kleinen Öffnung im Metall-Kopfende, die den Bewegungsdrang der Stäbe dann in enge Grenzen verweist: Mehr als ein paar Millimeter sind da nicht drin, aber das reicht völlig. Dort untergebracht sind auch kleine Lichtschranken, eine für jeden Stab: Wird der bewegt, wird das von der Lichtschranke erkannt und als Saitenanschlag interpretiert.

Mit der einen Hand greife ich nun am Keyboard einen Akkord, mit der anderen schlage ich die Metallstäbe an – sogar Fingerpicking funktioniert ganz leidlich, die Empfindlichkeit der Erkennung ist einstellbar. Übrigens lässt sich die Digitar auch auf Linkshänder umstellen; ein Knopfdruck genügt und die oberste Saite ist die unterste usw. – das ist auf einer echten Gitarre deutlich umständlicher.

In der Box werden die ankommenden Noten (bzw. MIDI-Signale) interpretiert und in die gewünschten Signale umgewandelt, die Töne also auf die Saiten verteilt. Laut Hersteller können über 600 unterschiedliche Akkorde erkannt werden. Wichtig ist dabei nur, dass auf dem Keyboard mindestens drei, höchstens aber vier Noten gleichzeitig gegriffen werden, aber das sollte bei einhändigem Spiel ohnehin die Regel sein. Die Box wandelt die gegriffenen Akkorde dann in gitarrentypische Akkorde um, wobei sowohl die Lage (tief, mittel oder hoch) als auch die Verteilung der Noten auf den Stahlstäben voreingestellt werden kann. Wie das funktioniert und was da noch alles eingestellt werden kann, das erkläre ich in den nächsten Absätzen.

Hinter den Öffnungen sind die Lichtschranken angebracht

Das Spielgefühl des MIDI Guitar Controllers

Die Stahlstäbe sind schon etwas sperriger und widerspenstiger als eine Gitarrensaite und erfordern ein wenig mehr Einsatz beim Spiel. Das Spielgefühl ist – gerade am Anfang – doch etwas gewöhnungsbedürftig, immer wieder mal gerät man dezent aus dem Rhythmus, weil die „Saite“ nicht so schnell reagiert wie gewohnt/erwartet. Beim Picking fällt auch auf, dass es mit der Dynamikauswertung nicht ganz so weit her ist: Wo eine Gitarrensaite selbst auf kleinste Änderungen sensibel mit geänderter Lautstärke reagiert, ist bei der Digitar die dynamische Bandbreite eher überschaubar. Zwar verspricht mir die Einstellung „real“ die Anschlagsempfindlichkeit einer echten Gitarre auf Grundlage der Dynamikauswertung des Drucks, der zuvor auf die Saite (bzw. den Stahlstab) gegeben wurde, doch ist die Umsetzung dann eher „geht so“. Zudem stört beim Picking, dass nicht immer alle Saiten/Stäbe vom Algorithmus mit Tönen belegt sind, manche bleiben dann einfach mal stumm, was dem nicht immer durchschaubaren Akkord-Voicing geschuldet ist, das ja versucht, aus vier Tönen einen sechsstimmigen Akkord zu machen. Gelingt halt nicht immer.

Robust gebaut.

Das Abdämpfen der Saiten funktioniert zwar, bedarf aber einer Umgewöhnung, da ich zum Abdämpfen nicht – wie gewohnt – die Hand auf die Saiten, sondern auf den Steg bzw. die Bridge legen muss. Und auch nur, wenn ich eine der beiden Fun-Taster mit der Funktion „All off“ belegt habe. Ist die Bridge aber anderweitig belegt (etwa mit dem Durchschalten der Sounds), ist ein Abdämpfen gar nicht möglich, da die All-off-Funktion nicht in den Globals verankert ist – klassischer Designfehler. Eine andere  Möglichkeit, das Nachklingen der Saiten zu beenden ist, bei aktivierter Staccato-Funktion einfach die Hand vom Keyboard zu nehmen, was dann auch keine Probleme macht.

Das Bedienfeld mit Display und Telefonkabel-Anschluss

Praktische Bedienung mit vielen Möglichkeiten

Die kleine Kiste bringt mit ihren acht kleinen, gut beschrifteten Tastern und dem vierstellig Display ein erstaunliches Maß an Bedienbarkeit mit. Über IN/OUT ändere ich den MIDI-Kanal, über die Taste „Level“ die Lautstärke. Die Bridge fungiert dabei stets als Plus/Minus-Taster; drücke ich die rechts herunter, wird der Wert erhöht, links erniedrigt – damit kann ich im „Global“ dann auch durch die Menüs schalten. Das funktioniert sogar mit umgeschnallter Digitar, da die Bridge-Schalter recht groß und stabil sind und zudem eine geriffelte Oberfläche besitzen.

Über die „Sound“-Taste kann ich bis zu acht Program-Changes plus die jeweils dazugehörigen Einstellungen in der Digitar einspeichern und an das MIDI-Gerät schicken; auch hier wird mit der Bridge einfach durchgeschaltet. So kann man auch auf der Bühne mal eben einen anderen Sound abrufen. Die Einstellungen bleiben übrigens auch nach dem Ausschalten erhalten, sofern man nicht vergessen hat, die auch abzuspeichern. Jede Einstellung greift nämlich ungewohnter Weise zwar sofort, auch ohne dass man die Enter-Taste gedrückt hat, ist aber ohne Save dann nach dem Ausschalten wieder weg. Daran muss man sich erst mal wieder gewöhnen. Andere Zeiten, andere Schaltvorgänge.

Die Tasten „Fun1 „ und „Fun 2“ lassen sich frei mit Befehlen belegen. Darüber kann ich zum Beispiel die Lage des erklingenden Akkordes bestimmen, mal zwischen Akkorden und Solospiel umschalten (was die Digitar dann aber nicht zur Solo-Leadguitar macht, sondern nur Einfluss auf die Verteilung der Noten auf die Saiten hat), Sustain, Legato oder Staccato-Funktionen ein- oder Fret- bzw. Saiten-Noise zuschalten oder diverse Pitchbend-Befehle darauf ablegen (etwa, um eine Steelguitar zu simulieren). Dadurch, dass ich ja acht Speicherplätze habe (Sound-Taste), kann ich theoretisch bis zu 16 freie Befehle ablegen und wieder aufrufen.

Besonders spannend ist die „Beat“-Funktion: Damit kann ich auch komplexere Harmonieverläufe in meiner DAW aufzeichnen und anschließend mit der Digitar abrufen. Dazu muss die DAW so eingestellt werden, dass sie extern durch MIDI-Clock synchronisiert wird; dann kann ich mit Bridge+ von einem Akkord zum nächsten springen und muss zudem auch nichts auf einem Keyboard greifen. Ob man dann aber live mal eben über die Bühne toben kann, habe ich nicht ausprobiert. Zwar gibt es die RJ11 Telefonkabel auch mit Längen bis zu 20 m; ob die Digitar dann aber noch zuverlässig und vor allem latenzfrei arbeitet, konnte ich mangels eines 20 m Kabels nicht ausprobieren.

Weitere nützliche Funktionen findet man im Global-Menü. Dazu gehören unter anderem die Änderung der Transponierung (bis zu zwei Oktaven), der Anschlagempfindlichkeit, des Noise-Typs und der Saitenlage für Rechts- oder Linkshänder. Mit „All Channels“ versucht die Digitar sogar, Akkorde aufgrund bereits fertiger Musikstücke, die am MIDI-Eingang anliegen, zu erzeugen und wertet dazu die MIDI-Informationen von zwölf MIDI-Kanälen gleichzeitig aus (1 bis 9 und 12 bis 14). Schon erstaunlich, was da alles in der kleinen Kiste steckt. 23 der wichtigsten Funktionen der Digitar können übrigens auch per MIDI-In-Befehl ausgelöst werden.

Einige dieser Features setzen allerdings einiges an Bastelei an den MIDI-Einstellungen des Klangerzeugers voraus und nicht alles gelingt auf an Anhieb. Ich konnte beispielsweise meine Korg Microstation nicht dazu überreden, die Saiten per Tritt auf das angeschlossene Pedal zu dämpfen, und auch an der Bend-Funktion für den wachechten Steel-Sound muss ich wohl noch etwas weiterbasteln, bis ich die Lösung gefunden habe.

So klingt die Charlie Lab Digitar

So, Zeit für ein paar Sounddemos. Verbunden mit der üblichen Warnung, dass ich nun mal Keyboarder und kein Gitarrist bin. Letzterer würde vermutlich – nach einer gewissen Eingewöhnungsphase) erheblich mehr aus der kleinen Kiste herausholen können.

Für meine Beispiele habe ich die Digitar mit der Korg Microstation verkabelt, von der dann auch die folgenden Sounds stammen. Die gelegentlichen Timing-Probleme sind zum einen den etwas störrischen Metallstäben geschuldet (an die man sich wie gesagt erst einmal gewöhnen muss), zum anderen der Tatsache, dass ich besser auf Tasten drücke als an Saiten zupfe.

Beispiel 1 ist ein improvisierter Mix aus Picking und etwas Strumming. Die Akkorde dazu habe ich nicht auf der Microstation gegriffen – die stammen aus einer der acht fest installierten Demos der Digitar. Leider lassen die sich nicht ändern, sonst könnte man tatsächlich auch sein abendliches Song-Setup vorab abspeichern.

Im nächsten Beispiel greife ich abwechselnd zwei Akkorde auf dem Keyboard und versuche, etwas Abwechslung durch das „Zupfen“ unterschiedlicher Saiten reinzubringen.

Etwas Jazzgitarre gefällig? Kein Problem.

Hier mal ein Beispiel für die drei möglichen unterschiedlichen Lagen der gespielten Akkorde, umgeschaltet über den Bridge-Schalter und die Fun-Taste. Die Lage lässt sich allerdings nicht während eines Akkordes ändern, dazu muss auf dem Keyboard neu gegriffen werden.

Und hier etwas typisches Lagerfeuer-Geschrammel:

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Es muss natürlich nicht unbedingt ein Gitarrensound sein. Gut, Solo Synth oder Streicher bieten sich da jetzt nicht unbedingt an, aber vielleicht ein E-Piano?

Flach konstruiert, um sich gut umhängen zu lassen

Die Drei-Akkorde-Bratgitarre darf natürlich nicht fehlen. „Stromgitarre“ nannte meine Oma die immer. Diese Bezeichnung konnte sich in der Musikszene aber nie so recht durchsetzen.

Ok, ihr habt sicher schon darauf gewartet: Flamenco Time!

So, zum Abschluss noch etwas verträumtes Picking.

Die Beispiele auf YouTube sind dünn gesät (was erneut zeigt, dass die Charlie Lab Digitar kein Massenartikel war). Dieser Kollege aus Spanien demonstriert, wie man die Digitar im Stehen spielt und gibt (nach einer kurzen Aufwärmphase) erst einmal „Knockin‘ on Heaven’s Door“ zum Besten. Und kommt mit der Digitar schon deutlich besser zurecht als ich – Übung macht den Meister.

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Man muss sich die Digitar aber auch gar nicht umschnallen, sondern kann sie einfach auf die Knie legen – funktioniert auch.

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Und der dänische Musiker hier beweist in Verbindung mit seinem Tyros 5, dass die Digitar auch für Alleinunterhalter ein Gewinn sein kann.

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Fazit

Eigentlich erstaunlich, dass sich die Charlie Lab Digitar nie richtig durchsetzen konnte; am Preis (der, wenn ich mich recht erinnere, damals bei recht moderaten 300 DM lag) kann es nicht gelegen haben. Noch erstaunlicher, dass es da bis heute keinen ähnlichen Nachfolger gibt, der es erlaubt, Gitarren-ähnliche Anschlagtechniken in die DAW zu bringen, ohne selber in echte Saiten greifen zu müssen. Die kleine Kiste zaubert jedenfalls ein permanentes Grinsen aufs Gesicht und weckt den Saitenhelden im Keyboarder, der sich – ohne großes Üben – wenigstens ein klein wenig wie ein Gitarrist fühlen darf. Solltet ihr also mal irgendwo auf die Digitar stoßen: Schlagt zu. Das Teil macht Spaß, hält eine Ewigkeit und kann – trotz kleinerer Unzulänglichkeiten – den entscheidenden Unterschied in den DAW-Mix bringen.

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Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    AMAZONA Archiv

    Oh mein Gott. Ich hatte das Teil kurz, ich meine nicht gekauft, sondern als kurze Leihgabe. Es war wohl sowas wie ein Ladenhüter und der Verkäufer hatte mir den im Paket mit einem EES PC MIDI 2/4-Interface mitgegeben. Der erste Versuch mit PC statt Atari was zu produzieren. Einen Track hatte ich damit gemacht. Die Wavestation steuerte eine brauchbare Gitarre dazu bei und für einen Opener wurde damit ein Akkord reingeschrammelt. Alter, was für Erinnerungen machst du hier auf? :) Die DAT-Kassette mit dem Track habe ich dann an einen Medienverlag verkauft. GEMA frei, für 800DM. Kommst du jetzt noch mit Triple-Dat, dann haben wir das nostalgische Paket komplett. Bin übrigens später fürs Sequencing wieder zurück zum Atari. MIDI und PC, das war damals nicht immer erfolgreich. Der Digitar funktionierte jedenfalls besser als man glaubt und hat durchaus inspiriert. Ich hätte das am Synth damals so nie einspielen können.

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    Brot-Cast

    … was geht ab… das Ding klingt ja fantastisch. Frage an die Gemeinde: So etwas muss es doch auch in neu geben, oder nicht?

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    mdesign  

    steinwachs-artikel bürgen für unterhaltung – wäre eine fun-taste drunter, ich hätte sie gedrückt. und kompetent sind sie auch – spannendes teil, nie begegnet. ich hab meine keyboard-gitarren in den frühen 90ern nur per boss-bodentreter unkenntlich gemacht, kam damit natürlich nicht annähernd an die qualität der artikel-beispiele ran. so ein teil sollte man nochmal erfinden!

  4. Profilbild
    liquid orange  AHU

    Tolles Teilchen, schon seltsam dass so was nie wieder produziert wurde. Und dann der Name „Digitar“, der ist doch einfach brillant!!!

    • Profilbild
      AMAZONA Archiv

      Gab damals schon tolle Sachen und irgendwie war es noch ein Abenteuer mit der Suche nach neuen Sounds und Ausdrucksformen. So ein Teil hätte heute definitiv mehr Erfolg. Aus der Erinnerung, die tollen Multisamples aus meinem ASR-10 haben damit nicht so gut geklungen wie die Rompelsounds aus der Wavestation. Letztere waren anscheinend wesentlich sensibler was Anschlagsdynamik und Notenlänge betrifft. Kann mir sehr gut vorstellen wie das Ding an heutigen Workstations rocken würde. Ich hatte den Digitar fest auf dem Schreibtisch fixiert um präziser und härter anschlagen zu können. Mit Gitarre hatte das nicht viel zu tun. Wie gesagt, heute wäre das z.B. an einem Synth neben den Tasten ein Killerfeature. Oder am Modular, oder im Aquarium…. Gerade gefunden, so haben die das tatsächlich mal gemacht:
      https://images.app.goo.gl/QZB4GqKAgjNS7Nrm9

  5. Profilbild
    Linus  AHU

    Kann mich noch genau erinnern, als mein Kollege aus der Keyboard-Abteilung des Musikgeschäftes in dem wir arbeiteten, dieses Gerät auspackte.
    Wir standen alle da und staunten was für Töne aus der kleinen Kiste kamen.

  6. Profilbild
    toneup  RED

    Wirklich ein exotischer Controller, hatte sowohl die Digitar als auch die Version die seitlich in ein Keyboard eingebaut war. Die Stäbe waren aber doch recht dick, strumming hat gut funktioniert, Picking war da schon schwieriger. Spätestens mit dem Einzug des Eigenharp Tao ins Studio war die Digitar obsolet. Es gibt heutzutage Alternativen wie den Jam Stick oder das Artiphon Instrument. Beides meiner Meinung nach authentischer spielbar. Trotzdem ein geniales exotisches Teil, die Digitar, danke für den Artikel.

  7. Profilbild
    swissdoc  RED

    Toller Bericht zu einem kleinen Kasten, den ich seit Erscheinen immer wieder beäugt habe. Damals wohl im Vertrieb von TSI. Somit muss ich eine Vorführung auf der Messe mal gesehen haben. Bei mir müssen Casio DG 20 oder PG 310 ran (hier noch ein Recapping nötig), wenn es was in diese Richtung geben soll.

  8. Profilbild
    dAS hEIKO  AHU

    Midicontroller ab den späten 80ern haben des öftern für Achselzucken, wenn nicht sogar kopfschütteln geführt. Vieles wurde als Koriosum belächelt. WX und EWI Blaswandler, Lightbeam oder Rhythm Stick. Aber allzuoft kommt es nur darauf an, wichtig damit umzugehen. Bei Costantino (Erstes Video) klingt das schon deutlich virtuoser als in den Klangbeispielen.
    Die Frage ist immer, wers braucht. Und die zu erwartenden Abnahmemengen gepart mit den Entwicklungskosten luden nicht immer zum „mal ausprobieren“ ein. Nachdem ich das Ding jetzt erstmals in Aktion gesehen hab, kommt es mir vor wie das Equivalent zum Yamaha Breathcontroller, bei dem ja auch die Tastatur gespielt und mit dem Wandler lediglich die Spielweise immitiert wird. Interessant.

    Übrigens: Aus dieser Zeit und ebenfalls für MIDI-interessierte Gitarristen: Blue Chip Axon. Aber das ist eine andere Geshcichte.

  9. Profilbild
    musicparadise

    Ja, ich habe das Teil Anfang der 90er erworben. Mit dem Roland U-220 und der Akustik- Gitarren Soundkarte bei Live Gigs gerne die Zuschauer zum staunen gebracht….

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