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Kultbücher & Interview: Synthesizer von Gestern von Matthias Becker

5. Oktober 2019

Als die Synthesizer Vintage wurden

Wer sich mit Vintage-Synthesizern beschäftigt, stößt früher oder später auf den Namen Matthias Becker. Er hat zahlreiche Artikel für die Zeitschrift Keyboards geschrieben und seine Berichte zusätzlich in Buchform vorgelegt: Der erste Band von „Synthesizer von Gestern“ erschien vor fast 30 Jahren im MM Musik Media Verlag. Er enthält den Stoff aus dem die Vintage-Träume sind. Theo Bloderer spendet denn auch auf seiner Webseite GreatSynthesizers.com höchstes Lob: „DAS Meisterwerk der Synthesizer-Literatur im deutschsprachigen Raum“.

Es freut mich ganz besonders, dass meine Interview-Anfrage an Matthias Becker von ihm spontan mit „aber gerne“ beantwortet wurde. Matthias Becker tritt uns hier gewohnt meinungsstark,  aber auch mit Augenzwinkern  entgegen. Seine Antworten enthalten für mich eine gute Portion Altersweisheit. Das Interview bildet den Abschluss des Artikels.

Ein großes Dankeschön geht an meinen Kollegen Juni Schmitz, der mir vor einiger Zeit einen großen Schwung Musik-Bücher ausgeliehen hatte. Dabei entstand die Idee für diesen Artikel. Die beiden Bände  von Matthias Becker habe ich mir inzwischen selbst zugelegt. Als es dann um die alten Keyboards-Hefte ging, musste Juni, der in den 90ern auf Bonzai Records aktiv war, wiederum nur einmal ins heimische Regal greifen. Meine eigene Sammlung hatte ich vor Jahren verkauft, als ich mit meiner Familie nach Brüssel umzog. Things you do for love ;-)

Das Keyboards-Heft vom September 1987 kündigt auf dem Cover die erste Folge von Synthesizer von Gestern an.

Das Keyboards-Heft vom September 1987 kündigt auf dem Cover die erste Folge von Synthesizer von Gestern an. (Foto: Costello)

Synthesizer von Gestern – Der Minimoog macht den Auftakt

Die Serie „Synthesizer von Gestern“ startete im September 1987  in der Zeitschrift Keyboards mit dem Minimoog. Ein besonderes Editorial gab es nicht, lediglich eine kurze Einführung der Serie zu Beginn des Artikels: „Seit dem Erscheinen der ersten KEYBOARDS-Ausgabe im Dezember ’84 wurde immer wieder die Bitte an uns herangetragen, doch auch einmal etwas über ältere, ‚klassische‘ Synthesizer zu schreiben und nicht nur ausschließlich über die neuesten, dem ‚State of the art‘ entsprechenden Modelle zu berichten.“ Und etwas später heißt es: „Da viele der älteren Geräte, insbesondere die aus der Vor-MIDI-Ära, mittlerweile zu sehr günstigen Preisen auf dem Gebrauchtgerätemarkt angeboten werden, dürfte die Serie nicht zuletzt für all diejenigen interessant sein, die gerne für wenig Geld einen leistungsfähigen, gebrauchten Synthesizer erwerben würden, sich bisher im Dickicht der Typenbezeichnungen jedoch nicht zurechtfanden.“ Das liest man im Jahr 2019 natürlich mit feuchten Augen.

Synthesizer von Gestern – Die CDs zum Buch

Zusätzlich wurden damals auch CDs mit Klangbeispielen der vorgestellten Synthesizer angeboten. Matthias Becker wurde dabei von Klaus Stühlen und Ralf Weber unterstützt. Einen Überblick über die CDs mit allen Liner Notes zu den einzelnen Titeln gibt es auf der Website von Beckers Platten-Label Originalton West   Auf den CDs finden sich übrigens auch Klangbeispiele zu Synthesizern, die in den beiden Bänden nicht auftauchen – etwa Yamaha GS-2, Oberheim OB-8 und Sequential Circuits Prophet VS.  Einige der Aufnahmen sind heute auf YouTube verfügbar.

Mir persönlich gefallen die elektronisch-minimalistischen Klangbeispiele besonders gut  (ARP Odyssey, Buchla 100). Manche Synthesizer werden auch gegen den Strich gebürstet. So verzichtet das Klangbeispiel zum Memorymoog bewusst auf fette Bässe. Manchmal klingt es für meinen Geschmack auch etwas sehr nach easy listening.  Das Yamaha GS-2-Beispiel von Klaus Stühlen etwa könnte auch als beruhigende Fahrstuhlmusik laufen.

Mehr als Coffee Table-Bücher

Zum großen Erfolg der Serie trugen auch die hervorragenden Fotos von Dieter Stork bei. Trotz opulenter Bebilderung ist „Synthesizer von Gestern“ natürlich nicht als Coffee Table-Buch gedacht, obwohl es auch dabei eine gute Figur macht. Ich möchte euch die beiden Bände mit kritischem Blick vorstellen und der Frage nachgehen, ob sie immer noch relevant sind und ihre Anschaffung empfohlen werden kann.

Dieter Stork hat die hervorragenden Aufnahmen zu "Synthesizer von Gestern" beigesteuert.

Dieter Stork hat die wunderschönen Aufnahmen zu „Synthesizer von Gestern“ beigesteuert. (Foto: Costello)

Nur noch im Antiquariat erhältlich

Die beiden Bände sind damals mit einigem zeitlichen Abstand erschienen. Teil 1 kam 1990 heraus, Teil 2 erst 1995. Beide Bände sind längst vergriffen und nur noch antiquarisch zu beziehen. Die aktuellen Preise liegen bei 100 Euro für den ersten und rund 60 Euro für den zweiten Teil. Die Bücher waren allerdings auch bei Erscheinen nicht ganz billig: Auf der Rückseite von Band 1 ist ein Verkaufspreis von DM 69,- aufgedruckt. Dabei sind Beckers „Synthesizer von Gestern“ heute sogar noch relativ günstig zu erstehen. Im Gegensatz zu Peter Forrests ebenfalls längst vergriffenem zweibändigen Standardwerk „The A-Z of Analogue Synthesizers“.  Insbesondere die stark erweiterte „Revised“-Edition wird inzwischen von Sammlern mit Gold aufgewogen.

The A-Z of Analogue Synthesizers von Peter Forrest. Noch begehrter ist die erweiterte "Revised"-Edition

The A-Z of Analogue Synthesizers von Peter Forrest. Noch begehrter ist die erweiterte „Revised“-Edition. (Foto: Costello)

Auch mal einen Synthesizer bei Becker gekauft?

„Synthesizer von Gestern“ werden beim einen oder anderen Amazona.de-Leser sogar persönliche Erinnerungen wecken. Bernd-Michael Land schreibt auf Sequencer.de „ Ich war damals in Köln um ihm ein paar extrem seltene Module vom System 100M zu bringen. Die sind auch im Buch drin. Hatte ja über 70 Module davon, das wäre pures analoges Gold.“ Und auch Marko Ettlich (Retrosound) hat eine Geschichte parat: „Ich habe seinen ARP Odyssey gekauft. Ja, der aus dem Buch Synthesizer von Gestern“, und fügt hinzu: „Die Soundbeispiele sind teilweise genial, andere na ja. Trotzdem ’ne schöne Erinnerung an die Anfänge des Vintage-Synths.“ Und Stephen Parsick (aka iggypop) bekennt ebenfalls auf Sequencer.de, dass er seinerzeit scharf auf das Moog Modularsystem 55 war, als Becker den großen Kehraus machte. Er sollte wohl 11.000,– oder 12.000,– DM kosten. Es hat am Ende nicht geklappt. Ja Stephen, ich sehe Deine Tränen…

Die Kapitel zu raren Synthesizern wie dem RMI Keyboard Computer machen die Anschaffung von "Synthesizer von Gestern" heute noch lohnend.

Die Kapitel zu raren Synthesizern wie dem RMI Keyboard Computer machen die Anschaffung von „Synthesizer von Gestern“ heute noch lohnend. (Foto: Costello)

Synthesizer von Gestern – Ein Kessel Buntes

Anders als die Bücher von Peter Forrest, die alphabetisch geordnet sind, ist die Liste der Hersteller und Instrumente bei Becker bunt gemischt. Das hängt damit zusammen, dass es sich bei den vorgestellten Instrumenten „ohne Ausnahme um Stücke aus der Sammlung des Autors“ handelt, wie auf dem Rückumschlag des ersten Bandes vermerkt ist. Teil 1 enthält mit Minimoog, ARP Odyssey, Yamaha CS-Serie, Prophet 5, Oberheim Four Voice und Memorymoog zweifelsohne einige der ganz großen Klassiker.

Der erste band von "Synthesizer von Gestern" behandelt die großen Klassiker wie den Memorymoog.

Der erste Band von „Synthesizer von Gestern“ behandelt die großen Klassiker wie den Memorymoog. (Foto: Costello)

Andererseits taucht hier aber auch der obskure Davolisint auf. Und umgekehrt finden wir auch in Band 2 absolute Evergreens wie Oberheim OB-Xa, Fairlight CMI-System, Moog Prodigy, Roland SH-101 oder den Yamaha DX-7.

Keine Enzyklopädie

Enzyklopädische Vollständigkeit darf man nicht erwarten. So gibt es einige Lücken, wie etwa den Roland Juno 106, den Prophet VS oder den Yamaha CS-70M. Von den E-Mu-Samplern ist zum Beispiel nur der (extrem rare) erste dabei, wobei aber Emulator 2 sicher das musikalisch ergiebigere Instrument darstellt. Andererseits beschränkt sich Becker auch nicht auf die Gattung Synthesizer. Wir finden Artikel zum Mellotron und Birotron, zum Stringensemble Roland Paraphonic RS 505 und zu Vocodern wie dem Roland Vocoder Plus und dem Korg VC-10. Aber selbst die Drum Machine TR-606 mogelt sich dazwischen, so wie der EMS Synthi Hi Fli (mehr Effektgerät als Synthesizer) und das elektronische Blasinstrument „Steiner Electronic Valve Instrument“.

So entsteht eine bunte Mischung, die manchmal haarscharf an der Beliebigkeit vorbeischrappt, insgesamt aber doch für sich beanspruchen darf, die wohl bekanntesten Meilensteine in der Geschichte der Synthesizer zu würdigen.

Es gibt auch ein paar überraschende Fehlstellen in "Synthesizer von Gestern": So den Prophet VS von 1986, der ganz sich zu den Klassikern zählt.

Es gibt auch ein paar überraschende Fehlstellen in „Synthesizer von Gestern“: So den Prophet VS von 1986, der ganz sicher zu den Klassikern zählt. Er wurde aber 1995 in Keyboards vorgestellt. (Foto: Costello)

Synthesizer von Gestern – Viele Raritäten

Hochspannend sind vor allem die Artikel über Synthesizer, über die man sonst kaum etwas zu lesen bekommt: Etwa der mit additiver Synthese arbeitende Digital Keyboards Synergy (den ich im kommenden Jahr hier mit einem eigenen Blue Box-Artikel vorstellen möchte), der RMI Keyboard Computer KC-II, der nie nach Deutschland exportierte Gleeman Pentaphonic, sowie die großen Modularsysteme von Synlab, E-Mu oder das EMS System 100. Allein diese Artikel lassen die Anschaffung der beiden Bücher lohnend erscheinen.

Abgerundet werden die beiden Bände durch verschiedene nützliche Beigaben: Dazu gehört ein kurzer Überblick über die Entwicklung der elektronischen Klangerzeugung, ein Kapitel zu den Bausteinen eines klassischen Synthesizers,  ein Fachwörterlexikon, eine (überschaubare) Diskographie und  ein Interview mit dem Pionier der elektronischen Musik, Oskar Sala. Werfen wir nun einen Blick ins Buch.

Blick ins Buch: Das Feature über Oskar Sala gehört zu den Highlights des zweiten Bands.

Blick ins Buch: Das Feature über Oskar Sala gehört zu den Highlights des zweiten Bands. (Foto: Costello)

Die heilige Dreifaltigkeit: Moog, Buchla und EMS

Band 1 stellt uns gleich zu Beginn zwei maßgebliche Wegbereiter der elektronischen Musik vor: Bob Moog mit seinem bahnbrechenden  Modularsystem 55 und – für die Westküsten-Schule –  Don Buchla mit seiner Buchla Box. Ganz logisch schließt sich ein Kapitel über den russischstämmigen Synthesizer-Pionier Peter Zinovieff an, der in London gemeinsam mit Tristram Cary und David Cockerell die Firma EMS ins Leben rief. Becker lobt den eigenständigen Sound des Synthi A und nennt – mit Hinweis auf Ludwig Rehberg – als Besonderheit, „dass er – als einziger der klassischen Synthesizer – auch heute noch…gebaut und verkauft wird.“

EMS hat nicht nur "Koffersynthesizer" gebaut. Hier der EMS Synth 100

EMS hat nicht nur „Koffersynthesizer“ gebaut. Hier der EMS Synth 100. (Foto: Costello)

Wer will schon einen gesampelten Minimoog?

Da sieht die Situation heute doch ganz anders aus, wenn wir an die Odyssey-Remakes von Behringer und Korg denken oder das Minimoog-Reissue. 1990, als das Buch erschien, waren freilich Sampler en vogue, und so ist auch das Zitat von Matthias Becker zu Moogs All time-Klassiker einzuordnen: „Die Zukunft des Minimoogs ist noch lange nicht besiegelt, bietet er doch eine Fülle warmer analoger Sounds, die sich mit digitalen Geräten bisher nicht realisieren lassen. Auch das Übertragen einiger Minimoog-Sounds auf den Sampler ist keine wirkliche Alternative, da zum einen im Minimoog mit Sicherheit noch unendlich viele bisher ungehörte Klänge auf ihre Entdeckung warten und zum Anderen der Zugriff über das analoge Bedienfeld des Minimoog viel direkter und schneller ist, als etwa über den Data-Entry-Regler eines Samplers.“ Diese Aussage besitzt wohl heute noch so viel Gültigkeit wie damals.

Anderes als der Titel suggeriert, enthält "Synthesizer von Gestern" auch einige Instrumente, die zweifelsfrei nicht den Synthesizern zuzurechnen sind.

Anderes als der Titel suggeriert, enthält „Synthesizer von Gestern“ auch einige Instrumente, die zweifelsfrei nicht den Synthesizern zuzurechnen sind. (Foto: Costello)

Ist das Mellotron ein Synthesizer?

Auf den ARP 2600 – der unter Verweis auf den damaligen Synthesizerstudio Bonn-Techniker Achim Lenzgen mit der frohen Botschaft schließt, dass es durchaus möglich sei, die vergossenen Module des ARP zu öffnen und zu reparieren – folgt etwas unvermittelt ein Beitrag über das Mellotron. Becker sagt selbst gleich eingangs, das Instrument wäre „bei genauerer Betrachtung eigentlich gar kein Synthesizer im üblichen Sinne“. Die Beschreibung ist liebevoll und zum Schluss erfahren wir dann auch den Grund, warum es das Mellotron ins Buch schaffte. Die Anschaffung sei mit Blick auf die Anfälligkeit und schwierige Ersatzteilbeschaffung, „nur noch für denjenigen interessant…, der sich für die aufwändige und ausgeklügelte Mechanik des Geräts begeistern kann, oder der – wie ich – verrückt genug ist, solche Merkwürdigkeiten zu sammeln.“

Der ARP Odyssey wurde in der zweiten "Synthesizer von Gestern"-Folge im Dezember 1987 vorgestellt.

Der ARP Odyssey wurde in der zweiten „Synthesizer von Gestern“-Folge im Dezember 1987 vorgestellt. (Foto: Costello)

Moog oder ARP? Im Zweifelsfall beide!

Ausführlich wird der ARP Odyssey gewürdigt und Becker schafft es hier, sich in den gestressten Keyboarder jener Tage hineinzuversetzen, der damals 4000,– DM abdrücken musste. Und nicht wusste, ob er das Geld  für den relativ einfach bedienbaren Minimoog, „mit dem angesagten modischen Sound“ oder doch lieber für den komplexeren ARP investieren sollte, der mit S/H, Ringmodulator  und Zweistimmigkeit aufwarten konnte. Allerdings hält Becker nonchalant fest: “Die Gretchenfrage ’Odyssey oder Minimoog‘ stellte sich damals eigentlich nur für diejenigen, die sich nur eines der Geräte leisten konnte. Die Keyboarder, die Geld genug hatten, besaßen in der Regel beide, da sich die Geräte vom Sound her doch sehr stark unterschieden.“

Der vielleicht beste ARP-Synthesizer - der ARP 2600.

Der vielleicht beste ARP-Synthesizer – der ARP 2600. (Foto: Costello)

Blockflöten führen wir leider nicht

Damals galt halt der unausgesprochene Satz: Keyboardspieler müssen Kohle haben. Ich erinnere mich an Rick Wakeman, der damals im Interview über den Polymoog sinngemäß sagte: „Es gibt noch eine kleine Ausführung (gemeint ist das Polymoog Keyboard). Die ist gut für die Leute, die sich den großen nicht leisten können.“ Und Keyboards-Chefredakteur Gerald Dellmann sinnierte angesichts von schlanken 30.000,- DM, die für den DX-7-Vorläufer GS-1 aufgerufen wurden, ernsthaft über das etwas „problematische Preis-Leistungs-Verhältnis“.  Ne, echt jetzt?

Tja, dagegen sind die Moog Ones unserer Tage fast schon Budget-Synthesizer. Wenn man in den 80ern angesichts eines schwindelerregend hohen Preis-Tags im Musikgeschäft in Schockstarre verfiel, konnte es sein, dass ein empathieloser Verkäufer sagte: „Blockflöten führen wir leider nicht.“

Seinen ersten Synthesizer - den Davolisint - hat Matthias Becker schnell wieder ausgemustert.

Seinen ersten Synthesizer – den Davolisint – hat Matthias Becker schnell wieder ausgemustert. (Foto: Costello)

Synthesizer von Gestern – Tretroller und Düsenflugzeuge

Ein Satz auch zum Davolisnt, weil wir ihn oben schon als Exoten in der Runde angekündigt haben. Es war Beckers erster Synthesizer und er beschreibt ihn denn auch in erster Linie aus „Sentimentalität“. Allerdings hat er ihn damals nach zwei Wochen wieder rausgeschmissen: „Denn selbst ich, der zu diesem Zeitpunkt nicht die geringste Ahnung von Synthesizern hatte, brauchte nicht länger als ganze drei Tage, um festzustellen, dass die Möglichkeiten des Davolisint mehr als begrenzt waren und er mit einem Minimoog soviel gemeinsam hatte wie ein Tretroller mit einem Düsenflugzeug.“

Becker bespricht mehrere Oberheim-Synthesizer in seinen beiden Bänden. darunter den OB-1, den einzigen einstimmigen Synthesizer der Firma, wenn man von den SEM-Modulen absieht.

Becker bespricht mehrere Oberheim-Synthesizer in seinen beiden Bänden. darunter den OB-1, den einzigen einstimmigen Synthesizer der Firma, wenn man von den SEM-Modulen absieht. (Foto: Costello)

Der zahme Four-Voice

Beim Oberheim Four-Voice war ich etwas erstaunt zu lesen, dass dieser „zahm“ klinge und „dem Vertrauten stark verhaftet“ sei. So hatte ich den SEM-Sound gar nicht abgespeichert. Aber klar: Becker vermisst Cross- oder Ringmodulation, Rauschen, ein übersteuerbares Filter und beklagt die eingeschränkten Möglichkeiten des LFO. Um dann einfühlsam den Zauber zu beschreiben, der entsteht, wenn man alle vier Stimmen ähnlich aber eben nicht gleich programmiere: “Sind Hüllkurve, Stimmung, Klangfarbe und Modulation bei den einzelnen Stimme nur minimal voneinander verschieden, so reicht dies schon aus, um den Oberheim Four Voice zehnmal lebendiger und natürlicher klingen zu lassen, als jeden seiner homophonen Synthesizer-Kollegen.“

Den Oberheim Four Voice findet Matthias Becker etwas zahm im Klang und überschaubar in den Möglichkeiten.

Den Oberheim Four Voice findet Matthias Becker eher zahm im Klang.

Roland gibt’s ja auch noch

Die Japaner stehen bei Becker manchmal ein wenig im Schatten der großen US-Synthesizerbauer. Der Roland SH-5 reiche an die Vorbilder Moog und ARP nicht heran. Immerhin besäße er einen „eigenständigen Klangcharakter“ und böte mit seinen Modulationsmöglichkeiten und dem integrierten Ringmodulator „eine Fülle interessanter Sounds“.

Becker sieht in ihm eine verbesserte Kombination der Module 100 und 101 des 100er Systems. Da Becker dieses dem „etwas sterilen Sound des Roland 100M System“ eindeutig vorzieht, hält er den SH-5 für eine gute Wahl.

RSF Blackbox und Roland SH-101

RSF Blackbox und Roland SH-101 (Foto: Costello)

Roland SH 5 vs SH-7

Im Vergleich zum (im Teil 2) besprochenen SH-7 verhält sich Becker sehr diplomatisch. Er sieht den SH-7 bei perkussiven Sounds vorne, lobt auch hier die zahlreichen Modulationsmöglichkeiten – aber (und hier bekommen SH-7-Fans regelmäßig die Krätze, vergleiche hierzu auch unser Roland SH-Special), die wirklich unverwechselbaren Sounds, die das zusätzliche resonanzfähige Bandpass- und das Multimode-Filter des SH-5 ermöglichen würden – die suche man beim SH-7 leider vergeblich. Um dann salomonisch zu schließen: „Aber das ist sicher auch zu einem großen Teil Geschmackssache, und über Geschmack sollte man ja bekanntlich nicht streiten.“ Beckers ganze Liebe gehört allerdings dem System 700 – da ist er Feinschmecker:

Der unbedienbare Yamaha CS-30

Beim Yamaha CS-30 steht Matthias Becker im Verdacht, mit verantwortlich zu sein, dass dieser Synthesizer den Ruf der Quasi-Unbedienbarkeit besitzt. Das Bedienfeld des CS-30 sei „extrem unübersichtlich und gewöhnungsbedürftig.“ Am Ende gibt es freilich ein versöhnliches Fazit: „Sieht man vom Handicap der schlechten Benutzerführung ab, so ist der CS-30 jedoch selbst heute noch jedem Klangtüftler wärmstens zu empfehlen, da er eine wahre Fundgrube für ausgefallene und exotische Klänge darstellt.“

Den CS-Synthesizern bescheinigt Becker Defizite im Bassbereich. das sehen nicht alle so.

Den CS-Synthesizern bescheinigt Becker Defizite im Bassbereich. Das sehen nicht alle so. (Photo by RLmusic)

Yamaha CS-60 – Im Bassbereich unterbelichtet

Dieses Kapitel  behandelt die komplette CS-Reihe, wobei Becker sich aber vor allem auf den CS-60 bezieht, der damals Teil seiner privaten Kollektion war. Es findet sich zwar ein wunderbares Foto vom Flaggschiff CS-80 und es fehlt auch nicht der Hinweis, dass dieser „nicht nur von seinen Abmessungen und vom Gewicht her – mit Recht zu den ganz großen klassischen Synthesizern“ zählt. Aber die klanglichen Einschätzungen Beckers basieren auf seinen Erfahrungen mit dem CS-60: „Grundsätzlich lässt sich sagen, dass der Sound des CS-60 eher in Richtung ’dünn’ tendiert und im Bassbereich etwas ’unterbelichtet’ ist.“ Der etwas dünnere Klang resultiert freilich vor allem daraus, dass dem CS-60 im Vergleich zum CS-80 der zweite Oszillator fehlt.

Aber auch der CS-60 hat für Becker durchaus seine Meriten: So ermöglichen die beiden hintereinander geschalteten Filter (speziell der spannungsgesteuerte Hochpass mit Resonanz) Klangfarben, die andere Synthesizer nicht bieten. Und im Fazit rückt Becker die Dinge dann wieder etwas gerade, wenn er feststellt, „dass es sich beim CS-60 keinesfalls um eine Art Heimorgel, sondern vielmehr um einen sehr ausgereiften, flexibel einsetzbaren polyphonen Synthesizer handelt.“

Niemand wird behaupten können, dass Becker die Korg MS-Serie ignoriert hätte. Er findet sie nur soundmäßig nicht sonderlich überzeugend.

Niemand wird behaupten können, dass Becker die Korg MS-Serie ignoriert hätte. Er findet sie nur soundmäßig nicht sonderlich überzeugend. (Foto: Costello)

Korg MS-Serie – niedriger Preis und dünner Klang

Die Korg MS-Reihe bietet für Becker gute „Einsteiger-Modelle“, da sie „für damalige Verhältnisse – recht preiswert waren und dennoch recht vielfältige Möglichkeiten boten“.  Allerdings stellt der Autor klar „dass die Korg-Modelle vom Klangcharakter her etwas dünn und flach klingen.“ Dabei müsse man noch nicht mal Moog und als ARP als Referenz heranziehen: „Selbst einem Synthesizer aus der SH Serie sind sie meiner Meinung nach, was die klangliche Qualität angeht, unterlegen. Die Bässe klingen nicht so fett und die Filter arbeiten nicht so sauber, sondern entwickeln vielmehr ein recht starkes und – je na Einstellung – oft sogar störendes Eigenleben.“ Becker räumt allerdings ein, dass „viele gerade den unsauberen und bei hohen Peak Einstellungen sogar aggressiven Klang des Filters besonders interessant finden.“

 

Die Korg PS-Reihe heimst im Gegensatz zu den Geräten der MS-Serie höchstes Lob ein.

Die Korg PS-Reihe heimst im Gegensatz zu den Geräten der MS-Serie höchstes Lob ein.

Ehrenrettung für Korg: Die PS-Reihe

Gut dass Korg noch die PS-Reihe im Angebot hatte, die Becker – obgleich sie sich vom „Klangvolumen her sicherlich nicht mit dem Sound eines Oberheim oder Prophet vergleichen lässt“, richtig gut findet. Zum PS 3100 schreibt er: „Was in ihm steckt, das zeigt das Gerät eigentlich erst im Studio, wo man ihm mit etwas Geduld durchaus spektakuläre Klänge und Effekte zu entlocken vermag.“ Seine Empfehlung gilt aber – nein nicht dem Flaggschiff der Serie, dem PS 3300 – sondern dem programmierbaren PS 3200: „Mit Sicherheit das gelungenste Modell der PS-Serie, da durch die 16 Klangspeicher ein wirklich schneller Zugriff auf die enormen klangliche Möglichkeiten des Instruments möglich wird.“ Damals schon – vor bald 30 Jahren – warnt er potentielle Liebhaber vor, sich auf eine lange Suche einzurichten. Wegen der kleinen Stückzahl produzierter Instrumente, und zum anderen weil die Korg PS-Synthesizer „von ihren derzeitigen Besitzern – wenn überhaupt – wohl nur sehr ungern abgegeben werden dürften.“

 

Ausführlich geht Becker auf den Polymoog ein, dem er ein einzigartiges Klanpotential bescheinigt.

Ausführlich geht Becker auf den Polymoog ein, dem er ein einzigartiges Klangpotential bescheinigt. (Foto: Costello)

Ein Herz für Frequenzteiler

Was mich sehr für Becker einnimmt: Er lässt den Instrumenten mit Divider-Technik durchaus Gerechtigkeit widerfahren: Dem Polymoog und – mit Einschränkung –  auch dem ARP Quadra, der in Band 2 besprochen wird. Becker begegnet diesen Instrumenten unvoreingenommen und nicht mit der Verächtlichkeit, die Liebhaber von VCO-Vollblutsynthesizern im Angesicht eines Frequenzteiler-Synthesizers gerne mal von einer „Orgel“ reden lassen. Ausführlich zitiert er den Vater des Polymoogs, David Luce: „Musiker interessieren sich wirklich zu allerletzt dafür, wie das Innere ihrer Instrumente organisiert ist. Sie interessiert der Klang. Sie sagen nicht etwa die Schwebungsverhältnisse bei dieser und jener Note sind verschieden, weil dieser Oszillator und jener Oszillator die und die Art von Schaltung haben. Aber sie werden den Sound wahrnehmen. Und der ist beim Polymoog eindeutig anders als bei einer Orgel.“ (Bd. 1, S. 40)

Der unterbewertete Polymoog

Becker – und da treibt es einen angesichts des heutigen Preisniveaus die Tränen in die Augen – resümiert: „Mittlerweile schon ab und an für weniger als DM 1000,– angeboten, gehört der Polymoog meiner Meinung nach zu den unterbewertesten Synthesizern überhaupt…Der Polymoog ist in Verbindung mit dem Poly Pedal ein enorm musikalisches Instrument mit einem durch und durch eigenem Charakter.“

ARP Quadra – Enorme Fülle

Beim ARP Quadra bedauert er, dass das Instrument durch die zahlreichen Kompromisse, die die Entwickler aus Kostengründen hatten eingehen müssen, „weder Fisch noch Fleisch“ sei: „Dass der Gesamtsound des Quadra trotz der für sich genommen recht spartanisch ausgestatteten Einzelsektionen dennoch eine enorme Fülle und einen sehr eigenen unverwechselbaren Charakter hat, das dürfte in erster Linie wohl auf zwei Dinge zurückzuführen sein: Erstens sind die Signale der einzelnen Synthesizersektionen nicht phasensynchronisiert, so dass stets minimale, den Klang belebende Schwebungen zwischen den einzelnen Signalen entstehen können, und zweitens trägt der eingebaute Stereo-Phaser nicht unerheblich zur Aufwertung des Gesamtsounds bei.“ Was es nebenbei bemerkt auch schwierig bis unmöglich machen würde, den Quadra überzeugend nachzubauen. Aber wer will das schon?

Matthias Becker gesteht dem ARP Quadra einen eigenständigen Klangcharakter zu, sieht solche Multikeyboards aber durch MIDI als überholt an. Das sieht der Sammler naturgemäß anders.

Matthias Becker gesteht dem ARP Quadra einen eigenständigen Klangcharakter zu, sieht solche Multikeyboards aber durch MIDI als überholt an. Das beurteilt der Sammler heute naturgemäß anders. (Foto: Costello)

An dieser Stelle wollen wir noch einen Blick auf einige der „Big Polysynths“ werfen.

Synthesizer von Gestern  – Die großen Polyphonen

Beim Elka Synthex lagen zwischen der Markteinführung 1984 und der Veröffentlichung von Beckers erstem Band gerade mal 6 Jahre. Dass er es trotzdem ins Buch schaffte verdankt er Beckers Einschätzung, „dass der Elka trotz seines späten Erscheinens dennoch alles Tugenden der ’guten alten Analogen’ in sich vereint. Beckers Urteil hat mitgeholfen, den Synthex aus der Obskurität, die ihn als Produkt einer Orgel- und Keyboardbauerfirma anfangs umgab, herauszuhelfen. Der Autor sieht ihn auf Augenhöhe mit den Besten seiner Klasse: „Der Sound des Gerätes ist überzeugend und der Synthex kann sich durchaus mit Instrumenten wie etwa dem Jupiter 8 oder dem Prophet 5 messen.“

Matthias Becker zählt den Elka Synthex zu den großen polyphonen Synthesizern.

Matthias Becker zählt den Elka Synthex zu den großen polyphonen Synthesizern. (Foto: Costello)

MKS-80 besser als Jupiter 8

A propos Jupiter 8: Bei ihm rühmt Becker „seinen vollen warmen Klang, sowie die charakteristischen Cross Modulation und Sync-Sounds“. Allerdings empfiehlt er nachdrücklich den Roland MKS-80 als Alternative, und das nicht nur, weil er von Hause aus mit MIDI ausgerüstet sei: „Zusätzlich hat man den Grundsound des Gerätes im Bassbereich gegenüber dem Jupiter 8 noch weiter verbessert und sowohl Klangfarbe als auch Lautstärke sind per Anschlagdynamik steuerbar was zu einem gegenüber dem Jupiter 8 entschieden lebendigeren und ausdrucksstärkeren Klangbild führt.“

Großartiger Synthesizer: Der Jupiter 8. Becker bevorzugt freilich den MKS-80.

Großartiger Synthesizer: Der Jupiter 8. Becker bevorzugt freilich den MKS-80.

Industriestandards Roland MKS-80, Yamaha TX816 und Oberheim Xpander

Der MKS-80 bildet gemeinsam mit dem Yamaha TX 816 und dem Oberheim Xpander eine Art Industriestandard, schreibt Becker und kommt zu dem aus heutiger Sicht doch verblüffenden Schluss: „Da der Preis für einen gebrauchten MKS-80 kaum über dem eines gebrauchten Jupiter 8 liegt, ist ihm aufgrund seines überzeugenderen Klanges und der umfassenden MIDI-Möglichkeiten meiner Meinung nach eindeutig der Vorzug zu geben.“ Der Gebrauchtmarkt spiegelt diese Einschätzung heute nicht mehr: Während der Jupiter 8 sich als wohl einziger Vintage-Polyphoner eindeutig über der Preismarke von 10.000 Euro etabliert hat, kommt der MKS-80 (ohne Programmer) gerade mal auf ein Fünftel dieses Preises. Aber wer hätte das vor 30 Jahren sicher vorhersagen können?

Besser als der Jupiter 8? Die Empfehlung in Synthesizer von Gestern galt klar dem MKS-80.

Besser als der Jupiter 8? Die Empfehlung in Synthesizer von Gestern galt klar dem MKS-80. (Foto: Costello)

Roland Jupiter 6 – Nicht nur ein Abklatsch der Juppi 8

Beim Jupiter 6 weicht unsere Gesichtsblässe wieder einem frisch-rosigen Ton. Becker sieht in ihm dankenswerterweise einen eigenständigen Synthesizer und nicht etwa einen kleinen Jupiter 8. Denn bei diesem Vergleich kann der 6er nur den Kürzeren ziehen. Tatsächlich bescheinigt ihm Becker einen flacheren und höhenbetonteren Klang, weniger Druck und „einige konzeptionelle Schwachpunkte“, etwa den monophon konzipierten Audioausgang: Andererseits listet er eine ganze Reihe Punkte auf der Habenseite auf. Der zweite LFO, Unisono Detune, mischbare Wellenformen, Multimode-Filter und MIDI. So ließen sich dem Instrument „eine ganze Reihe von Sounds entlocken, die nicht zum Klangrepertoire des Jupiter 8 gehören.“

Sequentials bester Analoger: Der Prophet T8

Bei Sequential Circuits will ich nicht auf den Prophet 5 eingehen, den Becker natürlich unter die klassischen Synthesizer einreiht, sondern auf den seltener besprochenen T8. Becker schildert ausführlich Keyboard Modes und Stimmenarchitektur. Er rühmt die „hervorragende gewichtete 76-Tasten-Holztastatur“ und die Anschlagdynamik: „Die Velocity-Sensitivity-Sektion kann getrost als das Kernstück des Instrumentes bezeichnet werden, da sie dem Anwender ermöglicht, die von der exzellenten Tastatur gebotenen Ausdrucksmöglichkeiten an seine persönliche Spieltechnik anzupassen und musikalisch überzeugende Ergebnisse umzusetzen.“

Der Prophet T8 steht heute im Schatten des Prophet 5. Vielleicht sollte man das eindrucksvolle Instrument einer Neubewertung unterziehen.

Der Prophet T8 steht heute im Schatten des Prophet 5. Vielleicht sollte man das eindrucksvolle Instrument einer Neubewertung unterziehen. (Foto: Costello)

Nur Licht, kein Schatten

Über die von anderen Rezensenten kritisch hervorgehobene etwas lahme CPU-Leistung des T8 lesen wir bei Becker nichts. Auch nichts Nachteiliges über Hüllkurven und LFO, die in Software ausgeführt wurden und angeblich hörbare Treppenstufen beim Filter. Sein Fazit: „Unter Berücksichtigung aller Faktoren (wie Sound, Bespielbarkeit, MIDI Features etc) ist der T8 meiner Meinung nach der beste Analogsynthesizer, und es kommt daher auch nicht von ungefähr, dass sich der Preis für einen gebrauchten T8 nach wie vor stabil in der Region zwischen DM 4000,- und 5000,- hält.“

Hier ist die aktuelle Bewertung augenscheinlich gekippt: Denn viel mehr zahlt man für den T8 heute auch nicht in Euro, während die Preise für einen Jupiter 8, Memorymoog oder Synthex davon galoppiert sind. Wie kommt das? Hier wäre eine Revision unseres Urteils über den T8 vielleicht angebracht. Zuletzt hatte sich auch Mr. Fairchild gegen die heute weitverbreitete Meinung gewandt, der T8 sei nur ein besserer Prophet 600 mit Nobeltastatur. (Falls also jemand in Berlin einen T8 besitzt und an einer Zusammenarbeit interessiert ist, freue ich mich, von ihm zu hören ;-)

Einer der Großväter der Synthesizer-Literatur: Matthias Becker hat die Gattung mit begründet.

Einer der Väter der Synthesizer-Literatur: Matthias Becker hat die Gattung mit begründet.

Strenger Blick vs nostalgische Verklärung

Die Maßstäbe, an denen wir Vintage-Synthesizer messen, verändern sich mit der Zeit. Damals – als Matthias Becker seine Bücher veröffentlichte – konnte man selbst analoge Spitzensynthesizer für teilweise lächerlich geringes Geld einsammeln. Einen Rhodes Chroma etwa für 2000,- bis 3000,- DM, dessen Neupreis bei 12.000,- DM gelegen hatte.  Deshalb ist der Blick von Becker oft strenger und wie mir scheint auch objektiver, als unsere heutige Sicht. Wenn Angebote für einen Jupiter 8 heute 10.000,– Euro oft weit übersteigen, dann wird zum Beispiel plötzlich ein Korg Trident interessant. Für den hätte der Musiker von 1990, der über Multimode-fähige MiDI-Expander verfügte, in Beckers Sicht „allenfalls ein nachsichtiges und wehmütiges Lächeln“ übriggehabt. Für Liebhaber bombastischer Analog-Klänge ist der Trident heute durchaus wieder ein schönes und dazu noch halbwegs erschwingliches Vintage-Instrument – keine Frage. Aber natürlich nicht in einer Liga mit einem Jupiter 8, OB-Xa oder Prophet 5. Letzteren übertrifft der Korg zwar bei Polyphonie und Layermöglichkeiten, kann aber den ausgefuchsten Modulationsmöglichkeiten des Prophet 5 nicht das Wasser reichen.

Synthesizer von Gestern – Immer noch gültige Bewertungen

In der großen Zahl der Fälle kommt Becker zu Bewertungen, die heute noch Gültigkeit besitzen: Ein Jupiter 4 galt ihm zum Beispiel damals schon als überzeugender Synthesizer, auch wenn er noch viele Jahre ein Underdog-Dasein führen sollte. Die Vorzüge eines preiswerten Polysix oder Juno 60 würdigt auch Matthias Becker. Er ist kein Snob, wie ihm manchmal unterstellt wird. Klar: Er stellt einen ARP Chroma oder Oberheim Expander in den Synthesizer-Olymp. In letzterem sieht er den legitimen Erben der großen Modularsysteme. Aber er erweist auch einem Korg Sigma die Referenz oder einem Moog Prodigy, den er klanglich so nahe beim großen Vorbild Minimoog sieht, wie keinen anderen Moog. Manche Urteile sind aus der Zeit zu verstehen: Ein MKS-80 wirkte damals zweifellos moderner als ein Jupiter 8, auch wenn er an dessen Wärme und Klanggewalt nicht ganz heranreicht.

Wer ohne Schuld ist, der werfe den ersten Stein

In Foren wird heute manchmal auf einige Unschärfen und Fehler in den beiden Bänden hingewiesen. Es mag schon sein, dass bei einem Roland-Synthesizer beim Filter mal die falsche dB-Zahl angegeben ist – aber gelegentliche Fehler hat sich auch Altmeister Gordon Reid mal geleistet. Und wer von den Amazona.de-Autoren sich noch nie geirrt hätte, der werfe den ersten Stein. Der Unterschied: In einem Online-Bericht kann man Unstimmigkeiten, sobald ein kundiger Leser auf sie aufmerksam macht, sofort korrigieren. Der Artikel lässt sich jederzeit aktualisieren. Aber gedruckt ist nun mal gedruckt.

Für den Moog Prodigy spricht Matthias Becker eine klare Empfehlung aus.

Für den Moog Prodigy spricht Matthias Becker eine klare Empfehlung aus. (Foto: Costello)

Keyboards – eine Zeitschrift mit Monopolstellung

Bevor wir zum Interview mit Matthias Becker kommen, noch ein Wort zur Wirkmächtigkeit der alten Synthesizer-Journalisten. Ihr, liebe Amazona-Leser seid es gewohnt, von einer Plattform zur nächsten zu switchen, euch überall zu informieren. Das war früher anders:  Die Zeitschrift Keyboards war  – bevor es das Internet und Synthesizerforen wie Amazona.de gab – die wohl wichtigste Informationsquelle über Synthesizer, Orgeln und Keyboards. Erschien ein neues Heft, war der Gang zum Kiosk voll freudiger und gespannter Erwartung. Die Testberichte und Features wurden ein- ums andere Mal förmlich verschlungen. Chefredakteur Gerald Dellmann und Redakteure wie Matthias Becker oder auch Peter Gorges genossen Expertenruf. Was da schwarz auf weiß gedruckt stand, war sozusagen sakrosankt und „gültig“. Die Keyboardhefte wurden im Plexiglasschuber quasi schon für die Nachwelt aufbewahrt.

Die Demokratisierung des Synthesizer-Journalismus

In dieser Beziehung hat der heutige webbasierte Synthesizer-Journalismus (der freilich auch seine Schattenseiten besitzt) doch zu einer gewissen Demokratisierung geführt. Das Feedback der User, die Erfahrungen und unterschiedlichen Blickwinkel der Community bilden einen Mehrwert, der bei den einsamen Leitwölfen unter den frühen Synthesizer-Journalisten noch nicht zum Tragen kam. Eifriges Kopfnicken, wenn etwas meine Zustimmung als Leser fand, oder das Anschwellen der Halsadern, wenn mein Lieblingssynthesizer im Heft gnadenlos verrissen wurde – das spielte sich damals alles im stillen Kämmerchen ab. Die Leserbriefe an Keyboards betrafen in aller Regel Sachfragen im Stile von: „Gibt es eine Musik-Software für meinen Kawai K3?“

Auch das Fairlight-System wird in Synthesizer von Gestern vorgestellt.

Auch das Fairlight-System wird in Synthesizer von Gestern vorgestellt. (Foto: Costello)

Interview mit Matthias Becker

Costello:
Lieber Matthias, vor den Büchern gab es bereits die Serie „Synthesizer von Gestern“ in Keyboards.  Wer hatte die Idee, wie kam es zu der Serie?

Matthias:
Ich glaube es war eine Anregung von Gerald Dellmann, ich weiß es aber ehrlich gesagt nicht mehr ganz genau.

Costello:
Die großen Analogsynthesizer waren ja schon mit dem Erscheinen von Yamahas DX7 ab 1983 angezählt. Ab Mitte der 80er gab es erschwingliche Sampler, 1988 kam Korg dann mit der ersten Workstation M1 raus. Hat sich denn damals ernsthaft noch jemand für die analogen Synthesizer interessiert?

Matthias:
Das Interesse war eigentlich schon sehr groß, wie wir an der guten Resonanz auf die Artikel feststellen konnten. Aber damals sah man auf die Instrumente eher mit historischem Blick und das Hauptinteresse richtete sich auf neue Instrumente mit MIDI und Hauptthemen waren Polyphonie und Speicherbarkeit. Die Geräte wurden zu der Zeit merkwürdigerweise in erster Linie daran gemessen, wie realistisch sie echte Instrumente imitieren konnten und wie gut ihre Pianosounds waren. :-) Sampler waren angesagt und die Samplingtechnologie wurde in Instrumenten wie D50 und M1 in die Klangerzeugung integriert. Mit einem experimentellen Synthesizeransatz , wie dem von Donald Buchla – zu hören auf Morton Subotnicks „Silver Apples of the Moon“ – hätte damals kein Mensch etwas anfangen können.

Einer englischsprachigen Ausgabe von Synthesizer von Gestern wäre sicher ein noch größerer Erfolg beschieden gewesen.

Einer englischsprachigen Ausgabe von Synthesizer von Gestern wäre sicher ein noch größerer Erfolg beschieden gewesen. (Foto: Costello)

Costello:
Die beiden Bände „Synthesizer von Gestern“ sind heute längst vergriffen und richtig teuer. Was natürlich unmittelbar mit der Renaissance der Analog-Synthesizer zusammenhängt. Hast Du jemals an eine Neuauflage gedacht? Inzwischen könntest Du ja spielend drei Bände füllen.

Matthias:
Es war mal eine englische Gesamtausgabe beider Bände geplant  – sie waren ja leider aus globaler Sicht in der falschen Sprache erschienen :-) Das scheiterte aber letztlich an den Kosten..

Costello:
Die beschriebenen Instrumente entstammten ja größtenteils Deiner eigenen Sammlung.

Matthias:
Tja, die waren in der Tat fast alle aus meiner Sammlung. Bis auf das Trautonium und das Synlab der Essener Folkwang Hochschule habe ich grundsätzlich nur über Instrumente geschrieben, die ich auch wirklich zu Hause stehen hatte und entsprechend testen konnte. Wenn ich die Teile nicht selbst besessen hätte, hätte sich eine so zeitaufwändige Produktion wie die der drei „Synthesizer von Gestern“-Cds nicht realisieren lassen. Das Trautonium hat ja Sala selbst gespielt.

Matthias Becker heute.

Matthias Becker heute.

Costello:
Deine Sammlung genoss legendären Ruf und wurde mehrfach auf Ausstellungen gezeigt. Irgendwann hast du dann aber Tabula rasa gemacht. Warum?

Matthias:  
Tja – 1995 wurde mein Sohn geboren und irgendwann muss man Prioritäten setzen und die Schwerpunkte verschieben. Ich hatte mich 18 Jahre lang intensiv mit Synthesizern auseinandergesetzt, 11 davon beruflich. Mein Studio und unsere Wohnung waren bis zum Rand voll mit Instrumenten.  In einem Raum stand als Raumteiler quer der Synthi 100 :-)  Und die Teile mussten versichert werden. Sie wurden über die Jahre nicht besser und mussten permanent gewartet werden, die ersten Eproms in einigen der neueren Instrumenten zeigten bereits erste Anzeichen akuter Amnesie und hatten vergessen, wozu sie mal programmiert worden waren. Ich glaube, der erste und zu der Zeit einzige, der dieses Problem frühzeitig erkannt hatte,  war Dirk Matten vom Synthesizerstudio Bonn, der die ganzen Eproms systematisch auslesen lies und die Inhalte archivierte. Aber ich glaube, das, was letztlich den Ausschlag gab, war die Tatsache, dass da knapp 100 Synthesizer drauf warteten gespielt und benutzt zu werden und ich einfach keine Zeit mehr dazu hatte. Das habe ich dann eher als belastend gefunden und mich daher nach und nach von ihnen getrennt und sie verkauft.

Costello:
Ein Jammer! Nie bereut?

Matthias:
Aus heutiger Sicht war das natürlich leider viel zu früh und viel zu billig. Die Sammlung wäre heute sicher ein kleines Vermögen wert. Aber ich habe die Entscheidung nicht bereut – obwohl ich manchmal doch dem Moog 55 die ein oder andere Träne nachweine :-) Mein Sohn macht gerade seinen Bachelor in Philosophie, meine Tochter steckt mitten in ihrer Schauspielausbildung und hat ihre erste CD aufgenommen. Das ist mir wichtiger als ein Synthesizermuseum.

Costello:
Was waren oder sind Deine fünf „All time favourites“-Synthesizer?

Matthias:
Ich halte wenig von solchen Best of-Listen, aber sei‘s drum: Moog System 55, EMS Synthi AKS, Arp 2600, Reaktor, Absynth, Alchemy.

Der ARP 2600 schafft es in Beckers Short List.

Der ARP 2600 schafft es in Beckers Short List.

Costello:
Wie siehst Du den derzeitigen Analog-Hype mit Wiedergeburten alter Klassiker wie Minimoog und ARP Odyssey?

Matthias:
Na – die Wiedergeburten lassen sich ja zumindest besser in den Workflow integrieren als die Originale und man hat halt die Möglichkeit in Echtzeit am Gerät selber rumzuschrauben, was man ja bei den Computeremulationen so nicht hat.

Aber ich glaube die Hauptmotivation bei Kauf dieser Geräte dürfte wohl sein, dass man schon viel Legendäres von den Originalen gehört hat und sich selbst den Traum erfüllen will, auch so ein Teil zu besitzen. In Hinblick auf das, was heute mit den virtuell-analogen am Rechner machbar ist,  fehlt mir persönlich dafür etwas das Verständnis. Aber ich werde nächstes Jahr ja auch schon 65, da wird man mir das sicher nachsehen.  :-)

Die Vintage-Renaissance bringt immer mehr Klone hervor: Hier Roland Vocoder Plus und Behringer VC340. Matthias Becker kann darin keinen rechten Sinn sehen. (Foto: Costello)

Die Vintage-Renaissance bringt immer mehr Klone der berühmten Originale hervor: Hier Roland Vocoder Plus und Behringer VC340.  (Foto: Costello)

Costello:
Ich möchte nochmal auf Deine Arbeit bei Keyboards zurückkommen: Die Zeitschrift hatte damals eine ziemliche Monopolstellung. Was Du, Dellmann und andere geschrieben habt, beeinflusste oft unmittelbar, für welches Instrument das in den Ferien sauer verdiente Geld ausgegeben wurde. Wart ihr euch eurer Verantwortung eigentlich bewusst oder habt ihr eher 10 cm über dem Boden geschwebt ;-)

Matthias:
Wir haben nicht geschwebt, sondern gearbeitet :-) Grundsätzlich kann man sagen, dass wir stets das geschrieben haben, was unserer persönlicher Eindruck von den Instrumenten war. Wobei man da natürlich einschränkend sagen muss, dass man bei Erstellung eines monatlichen Heftes für das Testen neuer Geräte eigentlich immer nur begrenzte Zeit zur Verfügung hat, weil dann ja irgendwann auch schon Redaktionsschluss ist.

Costello:
Du hast Dich vor dezidierten Bewertungen nie gescheut, auf die Gefahr hin, auch mal danebenzuliegen. Heute lese ich in Reviews oft „einerseits, andererseits“. Dabei denke ich immer, der Leser erwartet eigentlich, dass der Tester auf sein eigenes Urteilsvermögen vertraut.

Wer sich in den 80er Jahren für Synthesizer interessierte, kam an der Zeitschrift Keyboards nicht vorbei.

Wer sich in den 80er Jahren für Synthesizer interessierte, kam an der Zeitschrift Keyboards nicht vorbei. (Foto: Costello)

Matthias:
Diesen Wischi Waschi Gefälligkeitsjournalismus, wie man ihn heute leider nur allzu oft sieht, gab es damals nicht.  Beim Lesen heutiger Testberichte kann ich mir ein Schmunzeln nie so ganz verkneifen. Egal was da getestet wird: Für irgendwen und irgendeine Zielgruppe ist es immer gut. Man hütet sich vor klaren Stellungnahmen und pointierten Aussagen.  Ehrlich gesagt bin ich oft nach Lesen eines solchen Testes nicht schlauer als vorher.

Eine Ausnahme sind da allenfalls die Tests in Production Partner, wo dann richtig viel gemessen wird und dann auch wirklich objektive belastbare Ergebnisse vorliegen, was Frequenzganz, Klirrfaktor, Abstrahlverhalten oder ähnliches angeht. Aber auch da wird es, sobald es an Dinge wie Sound und persönlichen Geschmack geht, kritisch. Das liegt einfach in der Natur der Sache: Jeder hat halt auch andere Vorlieben und daran orientiert sich letztendlich, ob einem etwas gefällt oder nicht.

Costello:
Ein Urteil fällen ist ja immer subjektiv.

Matthias:
Ja und da kann man sich gar nicht von freimachen. Kritiken sind zwangsläufig immer subjektiv. Und ein Instrument und Gerät nur aufgrund einer guten Kritik zu kaufen ist schon recht verwegen. Ich würde eine solche Kritik höchstens zum Anlass nehmen, mir das jeweilige Teil mal selbst in Ruhe anzuhören und es auszuprobieren. Und von daher: Die Verantwortung für den Kauf liegt letztlich beim mündigen Käufer und nicht beim Kritiker. Und ganz nebenbei: Nicht nur gute Kritiken können einen Kaufimpuls auslösen. So habe ich z.B. viele der für mich interessantesten Schallplatten entdeckt, nachdem ich zuvor einen feurigen Totalverriss irgendwo darüber gelesen hatte :-)

Kein Testbericht kann einem das Selberausprobieren abnehmen. Synthesizer-Fans auf der Superbooth 2019 in Berlin.

Kein Testbericht kann einem das Selberausprobieren abnehmen. Synthesizer-Fans auf der Superbooth 2019 in Berlin. (Foto: Costello)

Costello:
Eine Anekdote muss ich loswerden. Deine hymnische Bewertung des Roland JP-8000 hängt Dir bis heute nach. Auch Amazona-Chef Peter Grandl kam damit gleich um die Ecke, als ich ihm das Thema  Beckers „Synthesizer von Gestern“ vorgeschlagen habe.

Matthias:
Tja – so ganz schlecht fand Peter Grandl den JP 8000 im Jahr 2008 rückblickend ja eigentlich auch nicht, wenn ich hier mal an seinen Amazona-Artikel erinnern darf.

Costello:
Gut gekontert. Wer damals deiner Empfehlung gefolgt ist und den VA gekauft hat, und nicht die seinerzeit 3000,- DM für den Jupiter 8 ausgegeben hat, würde sich heute vermutlich in den Allerwertesten beißen. Wollte Dich deswegen schon jemand vor den Kadi zitieren?

Matthias:
Nein es wollte mich noch niemand vor den Kadi zitieren. Und jeder, der meine damalige Meinung zum JP 8000 jetzt heute im Rückblick als eindeutige Fehleinschätzung sieht, übersieht dabei, dass solche Wertungen und Einschätzungen wie bereits gesagt erstens stets subjektiv sind und zweitens immer vor dem Hintergrund der Zeit gesehen werden müssen, in der sie geschrieben wurden. Und virtuell-analog war das, was wir halt damals für die Zukunft hielten.

Als der Synthesizer von Gestern-Artikel zum Minimoog erschien, fand sich im Heft diese aufschlussreiche Werbung zum Kurzweil 250. Realistische Streicher- und Flügelklänge elektrisierten damals mehr als analoge Synthesizer.

Als der Synthesizer von Gestern-Artikel zum Minimoog erschien, fand sich im Heft diese aufschlussreiche Werbung zum Kurzweil 250. Realistische Streicher- und Flügelklänge elektrisierten damals viele Musiker mehr als analoge Synthesizer. (Foto: Costello)

Costello:
Heute spielt der Print-Journalismus – gerade auch im Musikbereich – keine große Rolle mehr. Und statt einer alles beherrschenden Zeitschrift wie Keyboards gibt es viele Angebote im Web. Wie siehst Du diese Entwicklung?

Matthias:
Ich finde es gut, dass es mittlerweile viele Online Foren zum Thema gib,  in denen ich auch oft gerne stöbere, aber gerade da merkt ganz besonders, das die soundliche Einschätzung von Instrumenten, Plug Ins etc. stets doch sehr subjektiv ist und sich nicht zuletzt daran orientiert, wo der eigene musikalische Horizont und /oder Schwerpunkt liegt.

Costello:
Woran arbeitest Du gerade, was machst Du aktuell?

Matthias:
Ich arbeite nach wie vor – mittlerweile schon im 40. Jahr – für die Kölner Band Bläck Fööss. Ab und an sitze ich dort noch bei Konzerten am Monitormixer, kümmere mich aber mittlerweile hauptsächlich um Management und Booking und arbeite gerade an den Vorbereitungen für das 50jährige Bandjubiläum in 2020. Im Studio, das eigentlich nur noch aus einem Applerechner mit viel Software, einem Digitalpult, zwei Nearfield Monitoren und einem Komplete Kontrol Keyboard von Native besteht, mische ich z.Z. eine CD mit meditativer Gitarrenmusik eines Freundes und arbeite mit meiner Tochter an deren zweiter CD.   

Bei der Kölner Band Bläck Fööss kümmert sich Matthias Becker ums Management und sitzt auch hin und wieder am Mischpult. (Foto: Leonie Handrick)

Bei der Kölner Band Bläck Fööss kümmert sich Matthias Becker ums Management und sitzt auch hin und wieder am Mischpult. (Foto: Leonie Handrick)

Costello:
Und setzt Du noch analoge Synthesizer ein?

Matthias:
Einen original Minimoog ab und an, ansonsten aber ausschließlich Arturia V- Collection und Native Kontakt mit Soniccouture Instrumenten etc.

Costello:
Wenn Du aus Deiner jahrzehntelangen Beschäftigung mit Synthesizern ein Fazit ziehen solltest?

Matthias:
Ein Instrument ist immer nur so gut ist, wie der, der es bedient. Oskar Sala ist ein gutes Beispiel: Das Trautonium machte als Instrument aus meiner Sicht nur Sinn,  wenn er es bediente. Er hatte sein ganze Leben der Beherrschung dieses Instrumentes gewidmet. Ähnliches gilt für Clara Rockmore beim Theremin.  Ich finde, woran es heute meist fehlt,  ist an der Zeit die Möglichkeiten eines Instrumentes wirklich auszuloten. Gilt insbesondere für Softwareinstrumente, die sich zudem mit jedem neuen Update schon wieder verändern und noch zusätzliche Möglichkeiten bekommen. Hat man sich an eine Benutzeroberfläche gewöhnt, kommt schon die nächste um die Ecke. Da hilft wirklich nur Selbstdisziplin und Zurückhaltung. Man muss nicht auf jeden Zug gleich als erster draufspringen. Höher, schneller, weiter, mehr ist ja heute das allgemeine Credo. Aber langsamer und weniger bringt einen manchmal weiter.

Costello:
Vielen Dank, Matthias und jetzt schon viel Spaß und Erfolg im nächsten Jahr beim Jubiläum von Bläck Fööss! Gerne noch an dieser Stelle der Hinweis, dass die CDs Vintage Synths vol.3., die Vintage Synths Doppel-CD,   sowie Best of „Elektronische Musik aus Köln“ und Oskar Salas “Resonanzen” nach wie vor bei Dir erhältlich sind.

Der Minimoog war der erste Synthesizer, den Matthias Becker in der Keyboards-Serie Synthesizer von Gestern vorstellte. Und er ist das einzige Vintage-Instrument, das er heute noch ab und an einsetzt.

Der Minimoog war der erste Synthesizer, den Matthias Becker in der Keyboards-Serie Synthesizer von Gestern vorstellte. Und er ist das einzige Vintage-Instrument, das er heute noch ab und an einsetzt. (Foto: Costello)

Fazit

Die beiden Bände „Synthesizer von Gestern“ sind meiner Meinung immer noch wertvoll. Zum einen als zeitliches Dokument, das zeigt, wie nach der analogen Blütezeit die Spreu vom Weizen getrennt wurde. Und als Leitfaden für alle Sammler und generell an alten Synthesizern Interessierten. Damals entstand die Nomenklatur der Vintage-Synthesizer, die – mit wenigen Ausnahmen – bis heute Gültigkeit besitzt.

Matthias Becker bringt die wichtigen technischen Details der Instrumente, erzählt oft auch  die Geschichte ihrer Entstehung, stellt ihre Konstrukteure  und ebenso ihre berühmten Nutzer vor. Er schreibt – von gelegentlichen Worteigenschöpfungen wie „soundlich“ – abgesehen –  frei von Manierismen, immer meinungsstark und drückt sich nicht davor, die klanglichen Meriten und Defizite eines Synthesizers klar beim Namen zu nennen. Und für alle, die bis Mitternacht mit geröteten Augen in Synthesizerforen abhängen. Es ist wirklich zur Abwechslung mal schön, ein wundervoll bebildertes Buch zum Thema Vintage-Synthesizer durchzublättern. Der antiquarische Preis ist allerdings sehr hoch  und  viele werden gut 150,– Euro vielleicht lieber in ein neues Effektgerät investieren wollen. Vielleicht lassen sich die Bände ja mal in der örtlichen Musikbücherei ausleihen. Und hey, Weihnachten steht vor der Tür, vielleicht sucht ja eure reiche Tante Paula noch ein Geschenk für euch ;-)

 

Preis

  • Band 1 antiquarisch ca. 100,- Euro
  • Band 2 antiquarisch ca. 60,- Euro
Forum
  1. Profilbild
    Willemstrohm  

    „Ich finde, woran es heute meist fehlt, ist an der Zeit die Möglichkeiten eines Instrumentes wirklich auszuloten. Gilt insbesondere für Softwareinstrumente, die sich zudem mit jedem neuen Update schon wieder verändern und noch zusätzliche Möglichkeiten bekommen. Hat man sich an eine Benutzeroberfläche gewöhnt, kommt schon die nächste um die Ecke. Da hilft wirklich nur Selbstdisziplin und Zurückhaltung. Man muss nicht auf jeden Zug gleich als erster draufspringen. Höher, schneller, weiter, mehr ist ja heute das allgemeine Credo. Aber langsamer und weniger bringt einen manchmal weiter.“
    Damit spricht der gute Mann mir aus der Seele. Denn mit Softsynths kommt man genau dahin, wohin man will – WENN man will. Und dafür braucht es gar nicht mal so viele.

    • Profilbild
      costello  RED

      Ich finde es auch höchst bemerkenswert, dass Matthias Becker, der die Vintage-Synths nun wirklich alle unter den Fingern hatte und viele davon sogar selbst besaß, hier eine Lanze für die Softsynths bricht. Und die Analog-Renaissance mit den Reissues und Klonen mit eher amüsierter Distanz sieht. Ich finde, dass gute virtuell-analoge Instrumente den analogen Neuschöpfungen oft mindestens ebenbürtig sind.

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        TobyB  RED

        Ich denke das jedes seine Vorteile hat und nichts gegen Softsynths und neue Konzepte oder Ansätze spricht. Die Distanz von Herrn Becker, in der Art von Scholl-Latour, finde ich ausgesprochen sympathisch. Ich für mich fahre mit dem Credo, was will ich machen? Musik mit Elektronik, ganz gut. Analog, Digital, Sch…Ganz Egal. Entscheidend ist, kenne deine Instrumente und kenne die Unterschiede zwischen Analoger und Digitaler Signalverarbeitung. Mehr ist das neben Noten üben nicht.

  2. Profilbild
    costello  RED

    Peter M. Mahr hat mich völlig zu recht darauf hingewiesen, dass außer dem Jupiter 8 auch ein Yamaha CS-80 inzwischen nicht mehr unter 10.000 € angeboten wird. Der Preis wurde in der Syntacheles-Liste im März 2019 zuletzt aktualisiert: 25.000 €! Der CS-80 gehört allerdings für mich zu einer Reihe von „Über-Synthesizern“ (wie etwa auch ein Oberheim 8 Voice), die sozusagen außer Konkurrenz laufen. Unter den klassischen Polysynthesizern verstehe ich hier tatsächlich die voll speicherbaren Instrumente in der Folge des Prophet 5, die alle recht ähnlich aufgebaut waren.

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      swissdoc  RED

      Da passt ja noch diese Fundsache dazu, das Fazit der Synthesizer von Gestern Folge zum E-MU Modular:
       
      „Allerdings kann man wohl mit einiger Sicherheit davon ausgehen, dass der augenblickliche Boom in Sachen VINTAGE SYNTHS eine ebenso vergängliche Erscheinung ist wie das derzeit allgegenwärtige Dinosaurierfieber und dass sich die Preise für analoge Synthesizer irgendwann auch wieder in normaleren Regionen bewegen werden.“ (Quelle: Keyboards 12.1993, Seite 63)
       
      Leider hat Matthias Becker sich hier geirrt.

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        HX  

        Jo, so ein ähnliches Fazit stand auch beim Artikel der Roland 101, 202 und 303, irgendwann werden mal andere Geräte hip…dann schrob er noch das man die 303 auch problemlos mit der 101 hinbekommt, na mit dieser Meinung würde er aber heute hier in so einem Forum was zu hören bekommen ;-)

  3. Profilbild
    swissdoc  RED

    Dein Artikel weckt Erinnerungen an die alte Zeit, wenn die neue Keyboards sehnlichst erwartet wurde, um genau die Artikel von Matthias Becker zu verschlingen. Auch die später erschienenen CDs habe ich geliebt und tue es immer noch, sehr erhellend auch die Liner Notes, die zeigen, wie manche Geräte sich diva-mässig gesträubt haben.
     
    Die Sammlung von Matthias Becker konnte man auf der Klangart 1991 hinter Glas bestaunen, es waren 30 Synths ausgestellt. Bis zum interaktiven Erleben solcher Vintage Schätze dauerte es noch eine Weile, Kufstein 2007 sei hier stellvertretend erwähnt.
    https://bit.ly/2APreC9
     
    Auf einer der Musikmessen in Frankfurt hat Matthias Becker einen Yamaha CS01 verlost, dort konnte ich ein paar brennende Fragen an ihn loswerden. Der CS01 ging an jemanden anderen.
     
    Ich finde die Bücher, die Serie und vor allem auch die CDs einen grossen Schatz. Ist vor allem im Vergleich zu Newcomb, Vail, Colbeck oder Forrest die medial umfassendste Würdigung zum Thema. Print, Buch, Fotos und CDs. Wow.
     
    Ach ja, es gibt noch eine LP von Matthias Becker, das Cover zeigt einen ARP 2600, ein umfanreiches Heft liegt bei, dort wird die Funktionsweise eines Synthesizers erklärt und mit Klangbeispielen ergänzt.

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      Tyrell  RED 3

      Nichts was wichtiger als die „neue Keyboards“. Vor allem auch der legendäre Kleinanzeigenteil. Kam die KEYBOARDS ins Haus, wurde die Tür verriegelt und das Telefon ausgehängt.

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        swissdoc  RED

        Sehr fein auch die Einleitungen der Test von Peter Gorges. Zum Kringeln. Legendär auch der eine Hörtest, so mit WAVE und anderen Konsorten. Leider hat die Redaktion die alten Webpages mit den Online-Materialen mal gespült.

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        Sven Rosswog  RED

        100% nachvollziehbar. Keyboards war auch für mich unglaublich wichtig. Toll fand ich, dass sie die Leute hinter den Stars interviewt haben, also Produzenten, Musical Directors etc. So hörte ich zum ersten mal z.B. von Jörg Schaaf. Die Begeisterung in den Texten hat mich auch mitgerissen. Ich war Peter Georges Fan. Besonders wichtig war aber der Autor, welche die NRPN AWE 64 Liste erstellt hat, leider fällt mir dessen Namen nicht ein. Dank ihm hatte ich endlich Echtzeitzugriff auf den Emu8000 Chip. Neulich habe ich wieder 6 Kopien dieser Liste gefunden. So wichtig war die. Die Love The Machines Serie wird unvergessen bleiben. Ich habe durch Keyboards unglaublich viel gelernt.

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      Numitron  AHU

      Ah der cs 01!
      Hab vor ein paar Jahren einen um 100€ bekommen (mk2)
      War recht erstaunt, dass der mittlerweile für um die 300€ gehandelt wird.
      Bitte einen bluebox Artikel!
      Ein Nachdruck der bücher wäre toll.
      Vielleicht hilft ja Uli.
      8-)

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    Tyrell  RED 3

    Die Bücher lagen lange…. sehr lange … auf meinem Nachttisch. Ich glaube, am Ende konnte ich die Texte auswendig ;-)

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      costello  RED

      Und man kann feine Kreuzchen mit dem Bleistift machen, bei den Synthesizern, die man selbst besitzt. Der Becker-Score :-)

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        swissdoc  RED

        Bei mir ist das:
        Buch 1: 11 von 35
        Buch 2: 3 von 50
        CD 1: 9 von 22 (doppelte sind hier doppelt gezählt, dauert mir sonst zu lange)
        CD 2: 4 von 20
        CD 3: 5 von 18

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          costello  RED

          Sehr ordentlich :-) Jetzt müssten wir noch wissen, um welche Instrumente es sich handelt. Der Davolisint ist wohl nicht zufällig dabei?

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            swissdoc  RED

            Das müsste man mit etwas Mathe fast schon lösen können. Und nein, ein Davolisint ist nicht dabei.

  5. Profilbild
    Tyrell  RED 3

    Dieter Stork, DER offizielle MUSIK MEDIA-Fotograf, gehört meines Erachtens besonders gewürdigt. Seine Produkt-Bilder für den Verlag, und insbesondere für Keyboards, waren immer von ausgewählter Qualität und sprühten vor Kreativität. und das in der Pre-Digital-Ära. Im internationalen Vergleich der MI-Magazine konnte ihm da niemand das Wasser reichen. Dieter, solltest du das zufällig mitlesen, ein ganz großes Danke für Deine tolle Arbeit!!!!

    • Profilbild
      mb

      In der Tat Dieter, deine Fotos waren immer super und deine Plattentipps auch. Ich habe meine Synths stets gerne zum Fotografieren in dein Studio geschleppt.

  6. Profilbild
    spacelight  

    Ein Artikel der mir aus der Seele spricht.
    Das Keyboards verschlungen und analoge Geräte zu einem, aus heutiger Sicht , Spotpreis gekauft . Mein Minimoog kostet 800Mark !!
    Ich hatte den Alesis drumcomputer und Alesis sequenzer.
    Den Ensoniq EPS 16 plus.
    Damit sampelte ich den Minimoog , dieser war mit der Zeit total verstimmt und machte Fehlgeräusche . Also verkauft , Juno 106 her , da fielen dann zwei Stimmen aus.
    Wollte man im Musikgeschäft eine Reparatur winkte man ab , es gäbe doch so tolle neue Geräte……

    Novation Drumstation , Vintage Keys , diverse VA -Geräte folgten bis sich der Vintage Analoghype so richtig durchsetzte.

    Heute sind wir aber doch alle dort angekommen wo wir hinwollten , oder ??
    Dank New Minimoog und Doepfer und nicht zuletzt Behringer und erschwinglichen Effektgeräten haben wir heute das Setup was wir uns in den 90ern erträumten , oder ??

    Und ich bin genau diesen Weg gegangen , Synthesizer von gestern 1 +2 habe ich ebenfalls auswendig gekonnt , die Keyboards – Hefte habe ich heute noch

  7. Profilbild
    AMAZONA Archiv

    Herr Becker war der Grund mir einen Polymoog zu kaufen,bis heute nicht bereut,die Bücher von Peter Forrest liegen noch heute oben auf,sind schon ganz abgegriffen,hatte immer gehofft ,es würde noch der Band über vintage Effekte kommen,war ja mal geplant,vielen Dank für den schönen Artikel.

    • Profilbild
      costello  RED

      Danke für Dein Feedback und Glückwunsch zum Polymoog! Ich liebe ja auch die Frequenzteiler. Kriegt man eigentlich den Numan-Cars-Sound auch ohne Vox Humana hin? Das Preset gab’s ja wohl nur beim kleinen Bruder Polymoog Keyboard.

  8. Profilbild
    iggy_pop  AHU

    „DAS Meisterwerk der Synthesizer-Literatur im deutschsprachigen Raum“ — was nicht schwer ist. Es gibt ja sonst nichts.
    .
    Leider fehlt im zweiten Band ein nicht unerheblicher Teil des Synlab-Berichts (S. 64/65), das hat mich damals schon geärgert, als ich mir beide Bücher ladenneu beim Verlag direkt bestellt habe. Ich gehe nicht davon aus, daß eine zweite Auflage von Band 2 diesen Fehler berichtigt hat, oder?
    .
    Neologismen wie „soundlich“ muß man mögen. Und der Mini Moog ist sowieso das Maß aller Dinge — dagegen kann nichts anstinken.
    .
    Ein Kultbuch ist für mich immer noch Devarahi’s Complete Guide to Synthesizers — das stand vor Ewigkeiten in der Düsseldorfer Haupbibliothek am Bahnhof, in gebundener Ausgabe. Ich war sogar schon so weit, daß ich mir überlegte, ob ich mir das Buch nicht auf fragwürdigem Wege verschaffe. Ein weiteres Kultbuch ist „The Art of Electronic Music“, welches alte Artikel aus der KEYBOARD zu einer massiven Stoffsammlung zusammenstellte.
    .
    Was wohl aus dem Birotron geworden ist, nachdem es bei Newcomb in der Sammlung abgesoffen war…?
    .

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        iggy_pop  AHU

        Kein Vergleich hierzu:
        (Anm.d.Red.: Bitte bei so langen Links Bitly einsetzen, sonst zerhaut es uns den kompletten Seitenaufbau)
        Wobei die Preisvorstellungen beim teuflischen A doch eher Hirngespinste sind — gezahlt hat die wahrscheinlich noch nie einer.
        Aber vielleicht kommt ja irgendwann ein chinesischer Milliardär, der nicht weiß, wohin mit seiner Kohle.

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      costello  RED

      Hi iggy, dass mit dem gekürzten Synlab-Bericht in Band 2 ist tatsächlich ein doofer Fehler. Auf Seite 64 bricht die Beschreibung zum Hüllkurvenverfolger 2602 mitten im Satz ab. Und auf Seite 65 ist dann schon der Yamaha SY-1. Danke für die Literaturergänzungen und danke auch für Deine maßvolle Kritik – ich weiß ja, dass Du nicht zu den Fans von Matthias zählst.

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      mb

      Zum Synlab Bericht: In der Tat, der ist bei Drucklegung des Buches leider verbaselt worden. (eine zweite Auflage des Buches hat es nie gegeben). Ich kann gerne mal schauen, ob ich die komplette Version des Artikels noch finde. Ich habe allerdings damals die Artikel auf einem Atari geschrieben und die Datei ist auf einer DD Diskette :-(

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        swissdoc  RED

        Hallo Matthias, auch von mir ein herzliches Willkommen hier in der Community. Der Synlab hat ja Anleihen vom ARP2500, aber so richtig klar wurde mir das Verhältnis nie. Ist das ein reiner Lookalike, ein Clone oder was genau?

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          iggy_pop  AHU

          Meine unfundierte Vermutung ist: ARP bot in den 1970ern die firmeneigenen Submodule auch separat zum Verkauf an, vermutlich, um Ersatzteile liefern zu können, falls mal etwas kaputtgeht — oder für den ambitionierten Bastler, der ARP-Schaltungen als Grundlage für seine eigenen Kreationen verwenden wollte.
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          So entstand zum Einen das Synlab-System (bis hin zu dem Punkt, daß man bei Cherry einen größeren Posten dieser blöden Ratschmatrizen orderte, um die Signalverknüpfung wie beim 2500 vornehmen zu können), zum Anderen das Projekt Elektronik System von Peter Baumann, das ebenfalls voller ARP-Submodule steckt(e). Es wäre also mal interessant, einen Blick *hinter* die Frontplatten des Synlab zu werfen und zu schauen, was da so alles verbaut wurde.
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          Die Frage, die ich mir stelle, ist, ob es nicht günstiger gewesen wäre, gleich einen 2500 zu ordern (so, wie es die Kölner Musikhochschule machte), statt ein Gerät von Grund auf selbst zu entwickeln. Immerhin, der Synlab-Digitalsequencer scheint ja funktioniert zu haben, im Gegensatz zu einem ähnlichen Modul für den 2500. Vielleicht wollte man aber auch den eigenen elitären Anstrich noch hervorheben?
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          Ist aber nur reine Spekulation, ich war nicht dabei und habe auch sonst keine Ahnung.
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      mb

      Ging doch schneller als ich befürchtet hatte:
      Hier nach nur 24 Jahren nun endlich der im Buch damals leider nicht abgedruckte Rest des Synlab Artikels:

      HÜLLKURVENFOLGER 2602
      Kassette 2602 schließlich beinhaltet 2 separate Einheiten mit jeweils einem Vorverstärker, einem Envelope Follower (Hüllkurvenfolger) sowie einem Komparator (zur Ableitung von Gate und Triggersignalen aus dem Pegel des Eingangssignals). Der Hüllkurvenfolger von Einheit A arbeitet mit linearer, der von Einheit B mit logarithmischer Charakteristik. Die Ausgangssignale beider Einheiten stehensowohl in positiver als auch in invertierter Form zur Verfügung und mit den EIN/AUS Regler läßt sich die Zeit beeinflussen, in der der Hüllkurvenfolger den jeweiligen originalen Hüllkurvenwert erreicht. Der Komparator ist mit einem Drehpoti zur Justage des Schwellwertpegels ( Threshold Level) ausgestattet und der Schwellwert kann bei Bedarf auch mittels externer Steuerspannung verschoben werden.

      Der KOMPARATOR-SPERREN-EINGANG
      folgt im nächsten Kommentarfeld

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        mb

        Der KOMPARATOR- SPERREN-EINGANG
        Schließlich dient der automatischen Steuerung des Komparators: Liegt hier ein Siginal von ca. 10 Volt an, so werden die Komparatorausgänge (Gate und Trigger) solange gesperrt, bis am Sperreneingang wieder 0 Volt anliegen.

        Soviel zu den einzelnen Modulen des Systems. Bereits die bloße Aufzählung der gebotenen Optionen macht deutlich, welch umfassende Möglichkeiten dieses modulare System zur Verfügung stellt, zumal ja jedes der Module nicht etwa nur einmal, sondern gleich vielfach vorhanden ist. Ein spezielles Keyboard gehörte nicht zum System. Es existierte zwar eine zweistimmige Tastatur, jedoch wurde diese – wenn überhaupt – lediglich als Schalterersatz eingesetzt. Zur manuellen Steuerung des Systems standen stattdessen 8 speziell entwickelte 30 cm (!) Fader zur Verfügung, die mit sehr konstanten Spannungsquellen verbunden waren, und deren Kennlinien so genau kalibriert waren, daß sich anhand der Skala exakt Halb- oder sogar Vierteltöne spielen ließen.

        Ein Sequenzermodul sucht man beim Synlab vergeblich. Zwar gab es, kurz ehe der Computer Einzug ins Studio hielt, einen von Hofschneider entwickelten Sequenzer mit dem prosaischen Namen DIGITAL_KOMPONIST, der – als Leihgabe zur Verfügung gestellt – sogar einige Male eingesetzt wurde, jedoch entschied man sich seinerzeit dagegen, dieses Gerät zu kaufen. Stattdessen setzte man zur automatischen Steuerung des Analogsystems Digital/Analog Wandler und Computer mit speziell zu diesem Zweck entwickelter Software ein.

        Ohne Frage ist das SYNLAB sowohl von den gebotenen Möglichkeiten, als auch von der extrem hohen Qualität der verwendeten Bauteile her ein auch heute noch beeindruckendes Instrument. Aber Qualität hat natürlich auch ihren Preis und so kostete die Realisation dieses modularen Giganten (incl. Mischpult) Mitte der 70er Jahre nicht weniger als 350.000,- DM.

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          costello  RED

          Klasse! Synthesizer von Gestern komplettiert nach einem knappen Vierteljahrhundert. Den Text drucke ich mir aus und lege ihn ins Buch. Danke für Deine Mühe, Matthias.

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          TobyB  RED

          Auch von mir ein herzliches Willkommen, das mit den 300 mm Fadern merk ich mir. :)

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      swissdoc  RED

      Es gibt schon noch einiges in dem Bereich auf deutsch , am nächsten kommt wohl der Keys Report und Synrise.

      Devarahi’s Complete Guide to Synthesizers kann man als PDF finden (GIDF). Hier handelt es sich aber um ein Werk, das Synthese erklärt, das in epische Breite und nur ein paar Happen Info und Bilder zu Synthesizern enthält.

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    Sven Rosswog  RED

    Vor ein paar Monate zuletzt und immer wieder habe ich versucht die Bücher zu kaufen. Ich habe es aufgegeben. Die Preise gehen regelmäßig durch die Decke. Wenn man die alten zweiseitigen Anzeigen in den alten Keyboards sieht, frag ich mich echt warum ich damals nicht zugeschlagen habe. Mailorder war unheimlich, ich hab gelernt in ein Geschäft zu gehen. Ich glaube, ein Oskar Sala Buch gab es auch….

    Toller Artikel.

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      costello  RED

      Hi Sven, danke für Dein nettes Feedback! Tja, bei den Büchern ist die Preisentwicklung analog zu den Vintage-Synthesizern. Und wie gesagt: Die beiden Taschenbücher von Peter Forrest sind sogar noch teurer.

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        iggy_pop  AHU

        Ob die auf Amazon geforderten Preise (um die 1.000 Euro pro Band) tatsächlich die Realität widerspiegeln oder nur den Ratsch am Kappes des Verkäufers, sei mal dahingestellt — die Entwicklung in den Preisen (wenn man überhaupt davon sprechen kann) ist eine ziemlich neue, denn vor nicht allzu langer Zeit versteigerte Peter Forrest Restbestände seines Werkes in der VEMIA, wo beide Bände zusammen preislich immer bei 120 Euro und ein paar Gequetschten lagen.
        .
        In der VEMIA tauchten auch größere Posten des SvG 2-Buches auf; man konnte sich mit zehn, zwanzig oder fünfzig Exemplaren eindecken, wenn man denn Bedarf und Lagerkapazitäten hatte.
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      mb

      das Buch über Oskar Sala – Pionier der elektronischen Musik stanmmt von Peter Badge und ist im Jahr 2000 im Satzwerk Verlag erschienenen. Das absolut empfehlenswerte Buch mit einem Vorwort von Florian Schneider enthält einen umfangreichen Textteil, viele Fotos von Sala, seinem Studio und seinem Instrument. Zum Buch gehört eine CD-Rom mit fast eine Stunde Film- und Tonmaterial zu, von und mit Oskar Sala. Die Autoren im Infotext der CD-ROM: „Wir haben versucht Oskar Salas Filmschaffen, seine Arbeit als Musiker und Innovateur der elektronischen Musik und auch seine und anderer Zeitgenossen Meinungen zu ihm und seinem Werk in einer Auswahl von Movie/Sound-Clips zu umreissen. Wir wissen, daß wir damit seiner Bedeutung und der Bedeutung seines Werks nur annähernd gerecht werden können.“

      Systemvoraussetzungen der CD Rom:
      Power Macintosh G3, mind. 233 MHz, 64 MB RAM, 4 MB VRAM
      20 MB Festplattenspeicherplatz, VGA Monitor mit mind. 640×480 px Auflösung (15 Zoll)
      16 x CD-ROM-Laufwerk, MacOS 8.0 oder höher

      Auf meinem Imac läuft sie leider nicht mehr, aber ein alter G3 steht zum Glück noch in der Ecke

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    tomk  AHU

    100€ für Band 1 … wer es haben will kann es von mir erwerben! Wollte das beim letzten Umzug schon wegwerfen. :)

    Habe an das Buch eher schlechte Erinnerungen, da weder die Kohle noch das Angebot vorhanden war solch Schätze damals zu erwerben. So blieb nur der neidische Blick in das Buch. Ein Prodigy und ein Rogue, mehr war damals nicht drin. Sampler waren einst auch unbezahlbar, so wurde es ein AKAI S900. Was war es geil als Doepfer anfing die ersten A100 Module zu bauen! Zum Glück ist dieses Trauertal überwunden, und man kann sich neuzeitlich analogen in Masse zuwenden.

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      costello  RED

      Hi Tomk, zum Wegwerfen sind die Bücher nun wirklich zu schade! Das ist uns doch praktisch allen damals so gegangen, dass uns die Kohle für die fetten Teile gefehlt hat. Und Prodigy und Rogue sind doch amtliche Teile. Ich glaube, manche haben einen Minimoog für die Vitrine und zum schnellen Schrauben für einen Bass- oder Leadsound nehmen sie den Prodigy. (Ist wie mit Odyssey und AXXE.

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    JohnDrum  

    Band 2 habe ich auch noch. Hatte ich mal gewonnen. Mit CD. Ist noch ziemlich unbenutzt.
    Welches Buch auch durch die Decke geht: Das Synthesizer- Handbuch von Bernd Schreiber. (Für den Korg MS20) Hatte ich mir auch mal früher gekauft und habe es noch.

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    TobyB  RED

    Sehr geil! Ich gehöre immer noch zu den Lesern die sich aus der gepflegten Bahnhofsbuchhandlung ein Exemplar mitnehmen.

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    phil_dr110  

    Keyboards in der 80ern und 90ern hat mich sehr geprägt. Meine erste Ausgabe war die von April ’86 mit dem Test vom Casio SK – 1. Damals war ich Schüler und total geflasht davon.
    Meine Liebe zu Analogen Synthesizern wurde von Matthias Beckers Reihe durchaus mitgeprägt. Hach…

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      Moogfeld  

      Genau, das war bei mir eben so. Von 1986 bis in die 90er hinein, war die Zeitschrift Keyboards in meinem damals bescheidenen Homestudio auch bei mir so was wie das Gotteslob in der Kirche. Die Serie Synthesizer von Gestern hat dabei immer eine Sonderstellung eingenommen, denn gerade in Zeiten in denen der Markt mit wenig interessanten Neuerungen punkten konnte, hat dieser Artikel doch so manches Heft wieder enorm aufgewertet. Später…so Anfang der 90er durfte ich sogar mal Matthias Becker und andere Redaktionsmitglieder live auf der Frankfurter Musikmesse erleben….ich habe damals auch sehr sympathische Eindrücke mitgenommen…..so wie das Magazin insgesamt eben auch selbst gewesen ist. Für meinen Teil daher ein dickes DANKE an Matthias Becker und alle anderen Mitwirkenden aus den 80ern, vieles was ich heute über Synthesizer weiß, habt ihr mir vermittelt!

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    lectrolurch  

    fand Beckers SvG schon damals ziemlich langweilig, kam mir immer wie’n Playboy Magazin vor. Verstehe gar nicht wie man diesen Büchern so’n riesen Artikel widmen kann.
    Hätte beide Bände sogar letztes Jahr geschenkt bekommen, hat mich aber nicht gereizt.
    Peter Forest’s „A-Z…“ hingegen habe ich mir Jahrelang ausgeliehen gabs damals in der Musikbibiothek in Berlin. Da steht fast alles Analoge drin und mit viel infos und gut aufbereitet dazu. Auch wenn es nur schwarzweis Fotos gab und machmal gar keine .
    Die Bände von Forest sind auf jeden Fall sein Geld wert!

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      AMAZONA Archiv

      Die Bücher von P.Forest,haben in der Mitte je einen Block mit Farbbildern,

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        lectrolurch  

        ja , kann sein dass es da noch einen speziellen „Pornobereich“ gab.
        das ganze is jetzt auch schon über 20 Jahre her….

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        lectrolurch  

        Jaaaa, auf das Teil bin ich schon heiß seid ich damals 15 war,
        als es damals im Fachblatt Musik vorgestellt wurde.
        Hatte damals nicht das nötige Kleingeld und heute sind mit die 3-4000€ zu teuer.
        Habe Uli schon geschrieben er soll das Ding mal nachbau’n.
        Aber wenn dann 1:1 und unter 1000 €

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          TobyB  RED

          System 1m mit System 100 PlugOut oder das Roland 500 System wäre existente Alternativen. Die funktionieren und sind bezahlbar. Partiell auch das SE-02, was aber unter der Bedienung leidet. nur für CV/GATE, Trigger und VCF CV Inputs oder auch Outputs hat. Du kriegst aber mit allen dreien die klassischen Roland Sounds hin.

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        TobyB  RED

        Links und rechts des System 100 dann Susan und Joanne von Human League als Präsentatorinnen ;-)

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            TobyB  RED

            Laut Anwesenden bei der 2018er Auflage der Elektronauten in der Elphi, hat Martyn Ware bei diesem Event jede Menge Kotelett an Anwesende Ohren verteilt ;-) Leider musste ich mich entscheiden, Kotelett oder BBC Radiophonic Workshop und Morton Subotnik und Alec Alien. Das nächste mal gebe ich Martyn Ware keinen Korb. Zumal der ein System 100 und seine Korgs mit hatte.

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    amyristom  

    Zwei Anmerkungen:
    1.) Die Audiobeispiele in diesem Artikel und damit verbunden auch die Erinnerung an die Audiobeispiele auf den damaligen „Keyboards“-CDs führen mir wieder scherzhaft vor Augen, wie toll diese waren und was den heutigen Audiobeispielen in den heutigen Testberichten (nicht nur, aber auch auf amazona.de) mir persönlich abgeht: Früher wurde sich bemüht, die Testobjekte in einem musikalischen Zusammenhang zu präsentieren, also so, wie sie in Beispieltracks klingen können. Heute dagegen bekommt man viel zu oft nur „bieps & blopps“, unmusikalisches Sequenzer-Gefiepe zu hören und darf dann für sich daraus schließen, wie gut oder schlecht ein Gerät klingen mag. Aussagekraft zumindest für mich da teilweise gegen null tendierend. Klar waren die Beispiele damals aufwendiger zu erstellen, aber die hatten wenigstens eine Aussagekraft.

    2.) Der Niedergang der Zeitschrift „Keyboards“ tut mir nach wie vor mit jeder Ausgabe, die ich lese, weh (ja ich lese sie tatsächlich noch). Kaum bis keine Testberichte mehr, die Tests die es gibt sind bestenfalls wischiwaschi und auch die restlichen Artikel wirken zu oft wie unmotiviertes Füllmaterial ohne wirkliche Aussage. Katastrophal auch der Webauftritt. Chaotisch, lückenhaft und die online gestellten Archivartikel sind sehr oft ebenfalls unvollständig, so dass man sich fragt, was das ganze eigentlich soll?

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      costello  RED

      Hi amyriston, ich bin auch nicht so ein Fan der „bieps & blopps“ und versuche meine Blue Box-Reports und gelegentlichen Testberichte durch Mini-Kompositionen aussagekräftiger zu machen. Das ist natürlich ein erheblicher Mehraufwand, der – vor allem wenn ein Test-Instrument nur für kurze Zeit zur Verfügung steht und der Test zeitnah erscheinen soll – nicht immer zu leisten ist. Matthias Becker war ja damals in der komfortablen Lage, die auf CD vorgestellten Instrumente alle selbst zu besitzen.

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      Willemstrohm  

      „Bleeps and Bloops“ treffen mit Sicherheit nicht auf diesen Autoren hier zu. Der setzt die vogestellten Instrumente immer sehr schön in den passenden musikhistorischen und musikalischen Kontext. Die Klangbeispiele verdeutlichen seht oft plastisch die (historischen) Einsatzzwecke.
      Und, naja, auch in den einschlägigen Fachzeitschriften war nicht alles Gold, was glänzt. Auch vor 20 Jahren nicht. Manches redet man sich aus nostalgischen Gründen schöner als es wirklich war.

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        amyristom  

        @Willemstrohm: Natürlich war damals nicht alles Gold was glänzt, ganz klar. Und natürlich ist es nicht so, als würde sich heute kein Redakteur mehr Mühe mit den Audiobeispielen geben. Aber dennoch erkennt man hier einen negativen Trend: früher wurde sich mehr Mühe gegeben, musikalische Klangbeispiele zu geben als heute (und natürlich hat das auch Budget- und Zeitgründe). Und ich finde diese Entwicklung genauso bedauernswert wie der langsame Sterbenskampf der Zeitschrift Keyboards.

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          swissdoc  RED

          Aus meiner Erinnerung heraus waren die Klangbeispiele auf der Keyboards CD in der Regel die Demo-Tracks der Hersteller und diese meistens von zweifelhafter Qualität. Kein „Bleeps and Bloops“ aber irgendwelches Fusion-Jazz Gedudel.
           
          Wohltuende Aussnahmen kamen z.B. von Wolfram Franke (Waldorf) oder auch Jörg Schaaf (Quasimidi).
           
          Die Musik der SvG CDs ist extra für die CDs aufwändig komponiert und produziert worden, wobei die Kompositionen von Klaus Stühlen, Ralf Weber, Claudius Brüse, Oskar Sala und Matthias Becker stammten

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      Florian Anwander  RED

      Hallo amyristom

      > Früher wurde sich bemüht, die Testobjekte in einem musikalischen
      > Zusammenhang zu präsentieren, also so, wie sie in Beispieltracks
      > klingen können. Heute dagegen bekommt man viel zu oft nur
      > „bieps & blopps“, unmusikalisches Sequenzer-Gefiepe zu hören und darf
      > dann für sich daraus schließen, wie gut oder schlecht ein Gerät klingen
      > mag.
      An der Stelle darf ich mal an die schon fast Shitstorm-artigen Reaktionen auf die Klangbeispiele meines Minimoog ReIssue-Tests erinnern. Da wurde ich fast gesteinigt, dass ich es gewagt hatte, zusätzlich zum besprochenen Instrument eine Drummaschine und ein Delay verwendet zu haben. Ich persönlich habe den Eindruck, dass heute eher auf erbsenzählermäßige Klangbeispiele Wert gelegt wird.

      Mit den besten Grüße (auch an den geschätzten Kollegen Becker)
      Florian

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        Willemstrohm  

        Mit Sicherheit für Tester ein Dilemma (würde diesen undankbaren Job nie machen wollen), aber ich denke, dass es bei einem Instrumententest tatsächlich nur darum gehen sollte, wie das Dingen pur klingt. Alles andere verfälscht und verwäscht den Eindruck. Wenn man so’ne alten Teile in Rückschau quasi betrachtet, dann sieht das m.E. schon anders aus. Da ist es schon interessant, wenn man Arrangements so baut, dass man die typische Charakteristik in Bezug auf historisch klingende Arrangements raushören kann. Meine 5 Cents dazu.

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        amyristom  

        Tja so gehen die Geschmäcker eben auseinander. Viele sind happy wenn sie möglichst trockenes und unmelodiöses Sequenzer- und Arpeggiator-Geknarze von einem Synthesizer zu hören bekommen, bei mir dagegen geht die audiophile Sonne auf, wenn sich der Tester die Mühe macht und erkennbar einzelne Sounds wirklich „spielt“. Oder um es anders zu vergleichen: Ich hab lieber einen Mr. Firechild Track zum Hören was ein Synthesizer kann als ein Starsky Carr Vergleich der Filtersweeps per Oszilloskop. ;-) Insofern hab ich mich (meistens) bei den alten Keyboards-CDs besser „abgeholt“ gefühlt als bei so einigen heutigen Reviews. Pure Geschmackssache. Man kann es nicht jedem recht machen.

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    OscSync  

    Band 1 hatte die Mülheimer Stadtbücherei im Bestand und ich habe es mehr als einmal ausgeliehen. Damals hat das Buch meine Lust auf Synthies geweckt und auch etwas zum Verständnis beigetragen. Band zwei konnte ich vor ca einem Jahr NOS (sogar noch eingeschweisst!) bei einem ebay-Händler in Japan (!!!) für ca 20€ erwerben. Nüchtern betrachtet glaube ich nicht, dass man bei der heutigen Verfügbarkeit von Infos zum Thema Synthies noch einen Informationsvorspruch aus den Büchern gewinnen kann, aber die Fotografien sind wirklich toll und ich schaue immer mal wieder gerne in mein Exemplar hinein.

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    klingend  

    Ich war zu dieser Zeit gerade noch ein Jugendlicher, der soeben die Musik von Jarre, Vangelis, Schulze und Co. entdecken durfte und dann noch diese Bücher…

    Damit konnte man viele viele Stunden zubringen und ab diesem Zeitpunkt an wusste ich auch, dass mich die alten analogen Kosten mehr ansprachen, als bspw. die wesentlich fortschrittlicheren Geräte von Korg oder Roland, auch wenn diese die logische Weiterentwicklung in der Welt der elektronischen Klangerzeuger darstellten.

    Es war wirklich eine spannende Zeit, in der die heute als unbezahlbaren geltenden analogen Synthesizer, einem als Tauschobjekt regelrecht hinterhergeworfen wurden.

    „Hätte“, sage ich nur ;)

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    mhagen1  

    Wie schön, noch einmal etwas von Matthias Becker zu hören! Anfang der 80er habe ich mit einem Schulfreund ein Synthesizer-Seminar, das er bei Music City am Ebertplatz in Köln anbot, belegt. Wir waren die einzigen Teilnehmer, hatten keine Ahnung und durften völlig unbedarfte Fragen stellen wie „Kann man mit dem Minimoog auch einen Sinuston erzeugen?“. Mit bewundernswerter Geduld hat Matthias diese Fragen beantwortet und uns in die Geheimnisse der analogen Klangerzeugung eingeführt. Am Ende haben wir dann einen CS-30 und einen CS-20m gekauft.
    Sämtliche „Keyboards“-Ausgaben und natürlich auch die beiden „Synthesizer von gestern“-Bücher stehen natürlich immer noch im Heimstudio. Und auch ein JP-8000 :-)

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    Violator  

    Danke für diesen tollen Artikel, bzw. Beitrag. Nostalgie hin oder her, mir ging es da wie Peter, die beiden Bücher waren damals meine tägliche „Gute Nacht Lektüre“ in Kombination mit den Keyboards Zeitschriften. Die Keys mochte ich irgendwie nicht, kann aber auch nicht sagen warum.
    Jedenfalls haben diese beiden Bücher enorm dazu beigetragen, daß eigene Wissen über Synthesizer zu erweitern. Sie haben mir im Zeitalter eines D-50, M1 oder SY77 die Zunge lang gemacht, und dazu beigetragen, mich mit analogen Synthesizern zu beschäftigen. Und das war gut so.
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    Über Testberichte, geschrieben in der Art und Weise eines Matthias Becker, Gerald Dellmann, Florian Anwander oder Peter Gorges konnte man sich damals wie heute glücklich schätzen. Da mal ein dickes fettes Lob und Dankeschön.
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    Ob Klangbeispiele immer aussagekräftig sind oder nicht, oder sein müssen oder nicht – mei, das muß jeder für sich selbst entscheiden. Ich habe jedenfalls noch nie ein Instrument gekauft, nur weil es im Testbericht sehr gut abgeschnitten hat oder wegen diverser Klangbeispiele. Bei einem realen Test im Musikladen kann ich mir am besten ein Meinung darüber bilden.
    Leider gibt’s nimmer so viele Musikläden bei uns in der Gegend, jetzt muß man sich die Instrumente zuschicken lassen um sie testen zu können. Diese Entwicklung finde ich äußerst schade und überhaupt nicht gut.

  20. Profilbild
    Marcel Halbeisen  

    So, endlich hatte ich die Zeit diesen sehr ausführlichen Artikel in Ruhe zu lesen. Und es hat sich gelohnt, danke an Costello für diesen hervorragend gut geschrieben Artikel!

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