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Blue Box: EDP Wasp & Gnat, Analogsynthesizer


Genialer Analogsound aus England

Original-Prospekt zum EDP WASP von 1978

Die meisten Menschen mögen keine Insekten. Wespen allem voran sind besonders beunruhigende Geschöpfe. Klein, unberechenbar, zuweilen aggressiv. Das trifft auch auf die hier vorgestellte Wespe zu. Besagter Synthesizer der Firma Electronic Dream Plant zählt ganz ungeniert zu den markantesten Kuriositäten der elektronischen Tastenlandschaft. Und es gab sogar eine Zeit um 1978, als unzählige Wespen aus besagtem Hause erfolgreich in die Musikwelt ausschwärmten…

EDP Wasp Synthesizer

EDP Wasp Synthesizer

Electronic Dream Plant

… war eine britische Firma, die von ca. 1978 bis 1981 sehr ungewöhnliche Synthesizer ins Leben rief. Markenzeichen: grelle Farben, billigste Bauweise, Instrumente mit Folientastatur und Spielzeugcharakter. Modelle gab es eine Handvoll wie folgt: Wasp, Gnat, Spider (Sequencer), Caterpillar, Hornet … Bekanntestes Gerät der Serie ist der EDP Wasp, ein 2 VCO Monosynth. Dessen abgespeckte Version, der EDP GNAT, ist nur etwa halb so groß und verfügt über lediglich einen Oszillator. Der HORNET schließlich war als nochmals reduzierte Variante des GNAT geplant (was dann noch vom Instrument hätte übrig bleiben sollen, ist nicht leicht vorstellbar) und wäre zu einem Verkaufspreis von attraktiven 25 GBP veranschlagt gewesen. Dazu kam es allerdings nicht, denn EDP wurde bereits 1981 wieder aufgelöst. Eine der Hauptfiguren rund um EDP Synth-Designer Chris Huggett sollte jedoch ein paar Jahre später mit dem legendären OSCar Synthesizer wieder die Bühne der Musikwelt betreten.

Gnat - die (Stech)Mücke

Gnat – die (Stech)Mücke

Der EDP WASP ist – wir betrachten zunächst die Äußerlichkeiten – baulich eine echte (und kaum zu übertreffende) Katastrophe. Nicht viel größer als ein aufgeklapptes Buch ist das Instrument bescheidene 7 cm hoch und ausschließlich von einem äußerst klapprigen Plastikchassis umgeben. Wer regelmäßige Trainingseinheiten in der Fitnesskammer verbringt, sollte den Wasp besser gar nicht erst anrühren: Mit etwas zu festem Druck kann man den Synthesizer nämlich gleich mal unabsichtlich zerdrücken (wie ein Insekt eben). Beim Spielen – nein: Rumdrücken – auf der sogenannten “Tastatur” biegen sich in hoher/tiefer Lage die Seiten der Keyboardplatte ins Gehäuse hinein. Die Potis des EDP WASP schrammen teilweise hart am Panel, welches mitunter beängstigende Wölbungen und eigenartige Kurven aufzuweisen hat. Natürlich wäre es naiv, von echter “Panel-Beschriftung” zu sprechen. EDP hat sich ganz dem eigenwilligen, kostengünstigen Design hingegeben und – wie auch bei der “Tastatur” – auf eine schöne Plastikfolie zurückgegriffen. Dieselbe fängt früher oder später an zu wellen und löst sich bei Gelegenheit auch mal hier und da vom Gehäuse.

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Klangbeispiele

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    iggy_pop AHU

    Der Synthesiser der ersten, frühen Whitehouse-Alben — und im Prinzip der ganzen zweiten Generation britischer Industrial-Bands in den frühen 1980ern.

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    Kyotonic AHU

    Charakter schlägt Fertigungsqualität. Meinen ersten Kontakt damit hatte ich im Musikunterricht als wir uns an Mussorgsky und Debussy abgearbeitet haben und Tomita in dem Kontext auftauchte. Da wurde ein Koffer rausgeholt um uns den „Synthesizer“ zu erklären und ein gelb-schwarzes etwas stand plötzlich vor mir. Der Wasp. Meine versierte Musiklehrerin (Danke dafür liebe Anke Haun!) tat sich schwer dem ein paar Töne zu entlocken. Da muss ich immer dran denken wenn ich dieses eigenartige Ding sehe. :) Die Bass Station MK1 ist immer mein persönlicher Ersatz für den Wasp gewesen. Ich wusste auch nicht das die Oszillatoren digital sind. Sieh mal einer guck, muss nicht unbedingt schlecht sein. ;)

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      iggy_pop AHU

      War auch der erste Synthesiser, den ich jemals aus der Nähe gesehen habe. Muß so um 1984 gewesen sein. Stand im Musikunterricht an der Musikschule. Ein Wasp. „Ist das ein Synthesiser?“ — „Ja, aber der ist kaputt.“ Was schade war.

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          Soundreverend ••

          Sieht komisch aus, ist aber – auch – richtig… Kommt drauf an auf welchem Kontinent man lebt, schau mal was rechts unten auf dem Novation Peak steht :) Ich glaube Synthesizer = American English, Synthesiser= British English…

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            iggy_pop AHU

            So ist das.
            Ich zitiere: „Andy McCluskey: Synthesisers, Mellotron, Guitar, Bass […]“
            Wenn schon klugscheißen, dann bitte größere Haufen als meine.

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              Dirk Matten RED

              Obwohl es sich bei dem Wasp um einen englischen Synthesizer handelt, empfielt sich hier die deutsche Schreibweise. Oder sehe ich das falsch? Bin für freundliche Hinweise immer dankbar.

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                Coin AHU

                Synthesiser/Synthesizer – Hier gibts eine Diskussion auf Reddit:
                https://goo.gl/7Kr081
                Leider versteh ich nicht so good English um zu ein Fazit darin zu erkennen.

                Ich glaube es wurde einfach mit „s“ zu oft angewendet, so dass es wieder fast normal erscheint.
                Google jedenfalls kennt keinen SynthesiSer…
                Ich wollt dem iggy nichts böses unterstellen. ^^

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                iggy_pop AHU

                Ich bevorzuge britische Schreibweise und britisches Englisch, generell. Ich schreibe auch „analogue“ und „colour“, und „awesome“ heißt für mich immer noch „ehrfurchtgebietend“ und nicht „geil“.
                Google ist nur so gut wie seine Benutzer — und wenn diese Benutzer Googles Übersetzungshilfe verwenden, weil sie mit Englisch nicht klarkommen, zeigt das, mit welcher Art Benutzer man es hier zu tun hat.

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              Armin Bauer RED

              Schön, wenn der Oberklugscheißer sich mal ganz leger die Absolution zum weiteren Klugscheißen aus dem Ärmel schüttelt. Hat meinen uneingeschränkten Respekt.
              Ach ja, wieso ich hier mitlese: Finde den Sound der gelben Kiste schon seit Ewigkeiten genial, bin aber nicht so der Typ zur Erhaltung von Elektronikruinen. Wer nutzt DaHornet?
              Nun gut, die paar Euro für Donation sind kein Hinderungsgrund, aber gibt es Erfahrungsberichte?

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        Kyotonic AHU

        Hab da lange nicht mehr dran gedacht. Komisch. Muss bei mir auch so um 85 gewesen sein. Leider musste ich mit Blockflöte anfangen obwohl ich die Tasten wollte. Das hat dann zum Abbruch der musikalischen Ausbildung meinerseits geführt. Das ein WASP mal keinen Ton von sich gibt war offensichtlich 1984/85 schon normal. :) @Coin: Das war eine Falle für Klugscheißer und du bist reingetappt. :)

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    andreas2

    Hi Theo, wie immer ein schöner Bericht von Dir, danke dafür. Die Klänge des Wasp sind beeindruckend, daher wundert es mich, dass dieser Synth bisher nicht wieder neu produziert wurde, evtl. sogar mit wertigeren mech. Bauteilen. Urspünglich waren Wasp und Gnat ja Lowcost-Synthesizer, schaut man sich die Gebrauchtpreise an, sollte sich eine Neuauflage doch lohnen (?). Ich könnte mir das durchaus als Rack-Einsteiger-Synth von Novation vorstellen, aber vielleicht hat Chris Huggett keine Lust mehr auf den ‚ollen Krams‘ (?).
    Anbei 2 Links zum Jürgen Haible EDP Wasp VCF Clone und zum Service-Manual:

    http://mod.....0clone.pdf

    http://www.....MANUAL.pdf

    LG von Andreas

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    Neven Dayvid

    Hallo Theo Bloderer, und Peter Grandl!
    Der WASP wäre doch ein idealer Kandidat, um in China als „erschwinglicher Analoger“ à la Tyrell-Konzeptstudie geklont zu werden – und das in echter Hardware! Bei so einem Klang würde sich der doch auch verkaufen – siehe die vielen Foren (samt Modifikationen etc) zum Korg Monotron.
    Nur als Idee, beste Grüße

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    dreitagebart

    Theo, grüß Dich, ich muß sagen, dass mir Dein Test ausgesprochen gut gefällt, Respekt. Ich hab das Ding (Wasp) damals immer nur gehasst, es erinnerte outfit-mäßig an ein billiges Spielzeug und war nicht livetauglich. Ich frage mich bloß, warum später keiner auf die Idee gekommen ist, diese wahnsinnig gute Analog-Tonerzeugung (bzw. den Top-Sound) in einem professionellen Gehäuse (am besten mit Speichern und Midi) zu verbauen, das wäre ein absoluter Hit (ähnlich Minimoog , ARP oder Pro-One) geworden!!!!

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      Bloderer RED

      Doch, da gibt es sogar jemanden, zumindest habe ich davon gelesen bzw. Bilder gesehen. Sebastian Niessen hat Wasps in ein neues Gehäuse gegeben und MIDIfiziert. Doch zuerst muß man den Wasp kaufen, und dann ist die Frage ob Sebastian Zeit hat, und was der Umbau kosten würde.

      Nicht erwähnt habe ich die Wasp DeLuxe Version, die zumindest punkto Optik an Odyssey / Pro-One herankommt. Davon gibt es aber nur 100 Stück, wogegen vom Wasp immerhin 3000 Exemplare gebaut wurden. Da wird es wohl meist der kleine Plastiksynth sein, dem man am Gebrauchtmarkt begegnet…

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    Son of MooG AHU

    Meine erste Begegnung mit dem Wasp kam durch eine deutsche Band, deren Namen ich längst vergessen habe, Anfang der 80er zustande. Er wurde da hauptsächlich für Effekt-Sounds genutzt und nach dem Gig durfte ich noch etwas damit rumspielen. Neben dem Sound hat mir auch die Folien-Tastatur gefallen, die fast FTL-Läufe erlaubte. Als Alternative zu den hochpreisigen Gebrauchtgeräten mit den erwähnten Risiken nutze ich das Doepfer A-124 Wasp Filter in der Special Edition im typischen schwarz/gelb mit dem Analogue Systems RS-95e VCO sowie dem A-110-2 Basic VCO. Auf diese Weise kann ich mich dem Original ganz gut annähern; insbesondere das Filter-Verhalten ähnelt dem Vorbild sehr. Auf jeden Fall hat es einen hohen Wiedererkennungswert, wie beim MS-20, wobei ich den Wasp-Sound eindeutig vorziehe. Übrigens, hatte der EMS Synthi A nicht auch eine Art Folien-Tastatur auf der Innenseite des Deckels?

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    el-folie

    Alter Schwede… Das Ding klingt aber richtig richtig richtig gut!

    Da hört man mal wieder wie ein genialer Grundsound mit subtilen Modulationen schon reicht, um völlig zu faszinieren.

    Die Oktavlagen, Filter und LFO Wellenformen sind aber natürlich üppig und erweitern das noch. Sowas in polyphon wäre klasse. Vielleicht ja interessant für Uli´s 20 Projekte?

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    Son of MooG AHU

    Es sollte hier noch das Doepfer A-124 Wasp Filter erwähnt werden (welches in meinem System für Noises und andere Spielereien zuständig ist).Inwieweit es das Original trifft, kann ich nicht beurteilen, aber es hat definitiv Charakter und ist wesentlich günstiger.

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      swellkoerper ••••

      Der A-124 ist sicher einer der beliebtesten Filter von Doepfer, völlig zu Recht. Damit ging auch die ganze Special Edition Geschichte los, wenn ich mich recht erinnnere.

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    costello RED

    Schöner Bericht. Als ich den Wasp Ende der 70er Jahre im Berliner Sound & Drumland antestete, fiel mir vor allem das desolate Äußere auf. Wobei auf das Design wirklich Nina Hagens Spruch „er stach in mein Auge wie eine Hornisse“ zutrifft. Aber der Sound ist zugegebenermaßen oberfett. Das galt für die damals ebenfalls angebotenen Minimoogs und Oberheim 2-Voice-Synths freilich auch. Und die machten einen deutlich stabileren Eindruck ;-)

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    TobyB RED

    Die Kiste ist der beste Beweis, das die inneren Wert zählen und es ratsam ist sich mit Schnittstellen auszukennen. Die Kiste ist so britisch. Mehr Understatement geht nicht.

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      iggy_pop AHU

      Das ist sicherlich schön, aber was nutzt es, bei der MacBeth’schen künstlichen Verknappung?
      Da gibt es doch wieder nur 50 Geräte.

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