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Blue Box: KORG Trident, Analogsynthesizer


Bombast und Nachtigallen

Das Korg Trident Multikeyboard aus dem Jahr 1981

Korg Trident MK1

Korg Trident MK1

Prolog

Ich komme aus Aachen, einer mittelgroßen Stadt irgendwo im Westen. Dort gab es in den frühen Achtzigern drei nennenswerte Musikalienläden, die eben nicht nur Blockflöten und Maultrommeln aus japanischer Herkunft feilboten.

Da gab es zum einen den familiären Betrieb, der im Keller eines Einfamilienhauses residierte. Hier konnte man immerhin ein Fender Rhodes und einen Korg Delta hören und spielen.

Der Yamaha-lastige Orgelladen in der Innenstadt hatte bis 1983 eigentlich so gut wie nichts mit Synthesizern am Hut. Der später dort ausgestellte Roland Juno-60 für 3.590,- DM ließ mich manch träumerische Stunde vor dem Schaufenster verweilen.

Tja und dann war doch noch die andere Bude. Zorniges Personal, viel gebrauchter und abgerockter Kram, ebenso orgellastig, maximal ein Stringensemble vor Ort. Bassgitarrenanlagen wurden auch als Gesangsanlagen und diese wiederum als Keyboardverstärker empfohlen.

Nun, wie gingen wir also vor, um unsere Synthineugier zu bedienen? Einmal im Monat erschien das Fachblatt.

korg Trident im Fachblatt

Korg Trident im Fachblatt

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Klangbeispiele

  1. Profilbild
    Onkel Sigi RED

    Toller Test und total witzig geschrieben, ich habe mir stellenweise meinen Bierbauch gehalten vor Lachen…..

    Musikalische Grüße vom

    „Onkel Sigi“

  2. Profilbild
    Andreaz Vogel

    Schöne Soundbeispiele, und auch die persönlichen Erfahrungen mit diesem Gerät erinnern mich stark an meine schöne Zeit mit dem Farfisa Soundmaker (By the way: Vieles klingt mieser als Farfisa).
    Doch als das Ding zu spinnen begann, und auch der Experte von Jellinghaus in Dortmund sinngemäß sagte „Ach nö, da geh ich lieber nicht ran.“, wusste ich, dass sich unsere Wege trennen werden.
    Der Schaltplan hatte übrigens seinerzeit ausgebreitet ungefähr die Größe des Saarlands; übersichtlich geht anders.
    Aber trotz des Ungleichgewichts des technischen Aufbaus mit den soundigen Resultaten (und da spreche ich für beide Geräte) haben halt beide Charme und Charakter, der in der Tat nicht ohne weiteres zu ersetzen ist. Jedenfalls nicht ideell…..

  3. Profilbild
    Marko Ettlich RED

    Der Trident macht allein schon optisch ordentlich was her. Groß, schwer und solide wie ein Panzer gebaut, da hat man noch etwas für das gute Geld bekommen. ;)
    Für 250,- Kröten bekommt man heute keinen Trident mehr, da darf man noch gut 1000 Euro draufpacken. Die Kiste zaubert extrem breite Klangteppiche und wenn man den Flanger zuschaltet gehen die Ohren fliegen. Schöner Bericht Thomas!

  4. Profilbild
    mhagen1 ••

    Großartiger und sehr witziger Bericht, tolle Klangbeispiele – vielen Dank! Gut finde ich auch, dass keine kritik- und bedingungslose Empfehlung für das Instrument gegeben wird, sondern ein differenziertes Fazit. Die alten Möhren sind nämlich oft sehr zickig und brauchen viel Pflege. Gut, wenn man mit Lötkolben und Schraubenzieher umgehen und die Schaltpläne von der Größe des Saarlandes auch lesen und verstehen kann.
    Übrigens: das Fachblatt gab es auch in der Mayerschen in Aachen :-)

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    ukm

    Sehr schöner Bericht – erinnert mich irgendwie an die Zeiten, als es von der gesamten Musikerzunft noch gehörigen Respekt vor derartigen Instrumenten gab und bei den Bands noch ein Unterschied zwischen Musik als Kunstform und purem Entertainment, worauf sich heute fast alles reduzieren lässt, erkennbar war.

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    TobyB RED

    Sehr guter Bericht über ein geiles Dickschiff, einige Soundbeispiele finde ich nach wie vor up to date.
    Klasse I Like!

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    shebsen

    Der gute Siriusmo hat den Ebaypreis des Trident im Alleingang in die Höhe getrieben. Kein Wunder. Die Diskografie des Mannes hat den Synth auf meine Ebay-Suchliste genagelt. Damn!

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    Jerome Krieger

    das erste Klangbeispiel ist grandios! (die anderen zeigen übrigens auch, was der trident alles zu bieten hat) Die Melodie am Ende ist einfach nur böse, brachial und sehr stimmig zum vorherig Gespieltem.
    Onkel Sigi kann ich nur recht geben!
    Ich gehöre zu den Freaks, aber gleichzeitig auch zum Studentenpack, dass sich sowas in nächster Zeit wohl eher nicht leisten kann. Da muss meine MC-303 wohl fürs Erste reichen. Macht sie aber auch sehr gut.
    Ein Korg MS-20 Mini und ein JX3P werden aber hoffentlich bald ein Zuhause in meinem „Studio“ finden.
    Vielen Dank für den tollen Bericht, war wirklich sehr abwechslungsreich.

    • Profilbild
      TobyB RED

      Hallo Jerome,

      Leute die auch eine MC 303 haben sind mir sympathisch :-) Aber über die JX3P würde ich nochmal nachdenken…

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        Atarkid AHU

        Der JX-3P ist, wenn man nen Programmer hat, ein wirklich toller Synthesizer! Der wird auch immer beliebter (und damit auch leider immer teurer)

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          TobyB RED

          Hallo AtariKid,

          der PG200 ist wie Sternenstaub und ohne den ist die J3XP ne olle sperrig zu editierende Presetschleuder *Sorry* Und nicht jeder kann sich einen Editor programmieren. Da relativiert sich das Ganze wieder ;o) Da würde ich Jerome eher raten auf eine Korg Polysix zu sparen. Oder ne Roland Juno 106. Oder beide ;o) Beide sind klanglich nach wie vor zu gebrauchen.

          Ei Gudde

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            Jerome Krieger

            Danke für den Tipp Toby :-)
            die Synthis hatte ich schon fast vergessen. Ich hab den JX3P immer für einen klanglich sehr interessanten Synthesizer gehalten, der „noch“ zu bezahlen ist. Ohne Programmer ist es sicherlich nicht sehr einfach und etwas sperrig alles zu bedienen und zu modulieren. Schade, das der fast genauso viel kostet wie das Hauptgerät selbst. Etwas semi-modulares wie den MS-20 finde ich halt sehr interessant. Da entdeckt man immer wieder was neues. Was die Stringsounds angeht, macht ja wie gesagt die MC-303 in den Aufnahmen immer wieder einen guten Job. Also mal schauen was die Zukunft und der Geldbeutel so bringt :-)

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              TobyB RED

              Hallo Jerome,

              schoss mir so in den Kopf, ich hab die MC 303, die Polysix und die Juno 106. Das ist nachwievor ein gutes Gespann. Ich mag an der MC 303 zwar den Subbass Regler gar nicht und finde das sie im Vergleich zur MC 909 dreckig klingt aber das ist egal. Persönlich würde ich dir zu einer unmidifizierten Polysix raten, es gibt nun CV Gates in Massen am Markt. Und zum Triggern der Arps gibts auch etliche Möglichkeiten. Vorher anspielen ist bei der Pflicht, die Polysix rauscht gerne mal wie blöd und unerfahrene Servicetechniker verstimmen gerne die VCOs und das klingt nicht schön. Die Speicherbatterie sollte gegen etwas modernes ausgetauscht werden, da die Füllung sonst die Platine zerfrisst. Die Juno 106 ist dagegen etwas leichter in der Pflege, Knackpunkt auch hier Batteriebufferung und die Ansteuerung der DCO, wenn die nicht im Takt läuft, klingt die 106 sehr schräge.

              Also MS-20 im Original auch schon etwas teurer, aber gut, zum Mini MS20 hab ich meine Meinung, Klaviatur zu klein und schmal.

              Ich hab halt über die Jahre nach und nach mein Equipment gekauft und würde dir raten ne Liste zu machen, was will ich und was brauche ich davon, hilft ungemein bei GAS Anflügen ;-)

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            bobs world ••

            Der Korg Trident hört sich leider etwas billig an.
            Stimme zu, dass ein Roland Juno 106 und Korg Polysix deutlich besser klingen.
            Der JX3P rangiert von der Sound-Qualität zwar unter dem Juno, aber über dem Trident.
            Beim Korg Trident wird man schlicht vom großen Gehäuse getäuscht – es gaukelt mehr vor, als das Gerät dann tatsächlich abliefert.

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              TobyB RED

              Ei Gudde Bob,

              1981 waren die Gehäuse nunmal so gross, das lag an der Fertigung und dem Innenleben des Trident. Was die Einordnung der Klänge eingeht, die Juno 106 steht für sich und ist auf Grund ihres Innenlebens nur bedingt mit den anderen beiden zu vergleichen. Die Polysix war meinerseits ein Vorschlag, da wenn man mit ihr umgehen kann, ihr schöne Bässe, schöne Mittellagen und extreme softe high Sweep entlocken kann. Als Beispiel. Ebenso abegefahrene Arps. Was man mit der 106 so machen kann ist klar. Ich würde die Trident nicht unterschätzen, das Ding ist von Anfang der 1980er. Das spielt eine Rolle. Das Trident ist eine Kompromiss Maschine, man muss sich mal den Synthmarkt zu der Zeit ansehen. Die JX3P ist auch ganz nett aber ohne PG 200 eine olle sperrige Preset Schleuder und leider ist die Midi Implentierung auch nicht eben fehlerfrei, so das Softcontroller mit ctrlr ziemlich buggy sind. Alles in allem, alles hat Vor und Nachteile.

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                moogist

                Die Aussagen zum JX-3P ohne Programmer halte ich für sehr übertrieben (wenn man mal an einem DX7 Klänge gebaut hat). Ein Vergleich: Bringst Du Deine Briefe immer mit dem Auto zum 200m entfernten Briefkasten, brauchst Du auch einen PG200. Gehst Du normalerweise zu Fuß, kommst Du auch ohne Programmer hin. Das Ding hat zwei Mal 32 Parameter; das ist nicht viel, die wichtigsten hat man nach wenigen Tagen auswändig gelernt und kann intuitiv arbeiten. Ich stell mir jedenfalls auf meinen JX kein so ein hässliches PG-Furunkel drauf:-)

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                  TobyB RED

                  Hallo moogist,

                  ich habe zu Fuss am DX7 Klänge gebaut, mich dann aber entschlossen Dexed und CTRLR zu nehmen. Geht schneller, einfacher und besser. Auch in Echtzeit. Und beim JX3P habe ich das ohne PG als sperrig empfunden. Ich bin eher der Drehregler Typ. Alles was ich nicht sehe, habe ich nicht im Kopf. Das war keine Kritik am JX3P. Und es gibt ja noch andere Wege das zu lösen, siehe CTRLR. :-)

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    Sternrekorder

    Toller Bericht, Thomas. Ich kann mich meinen Vorrednern nur anschließen. Selbst als Besitzer eines Mk.II hauen mich deine Klangbeispiele um. Besonders Nummer 5 (Sägezahn) ist ein Gänsehautkandidat. Immer wenn es warm und schwebend klingen soll kommt bei mir der Trident ins Spiel. Ich habe den Kauf jedenfalls nie bereut. Wie deiner ist auch meiner durch die fähigen Hände der Marienbergs gegangen. Ein wunderbares Instrument!

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    timewindx

    Sehr schöner Testbericht, der mich ein wenig wehmütig werden lässt. Ich bin Ende der 70er (mit ca. 15) regelmäßig mit dem Fahrrad von Essen nach Oberhausen gefahren. Dort gab es ein Synthesizer-Spezial-Geschäft namens Fischer & Seibel. Die hatten ein riesengroßes Schaufenster. Da konnte man herrlich drauf sabbern. Fachblattleser war ich auch. Die dort veröffentlichten Anzeigen waren für mich ein früher Vorläufer des heutigen Internets…:-)

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    Jauly

    Ich finde die Unterschiede zwischen MKI und MKII nicht so belanglos und war lange auf der Suche nach dem Zweier. Man bedenke, der „reinrassige“ Synthibruder Polysix hat nur 6 Stimmen und eine Hüllkurve.

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    c.hatvani AHU

    Schöner Bericht über diesen beeindruckend aussehenden Synthesizer. Ich hatte den Trident MK1 ca. 5 Jahre lang. Die SYNTH-SEKTION klingt sehr hochwertig. Meiner Meinung nach ist der Grundsound z. B. einem JX-3P, Polysix, Juno-106 eindeutig überlegen, was Klangqualität der Oszillatoren, Filter und Hüllkurven betrifft. Vom Sound geht das schon deutlich in Richtung Prophet-5.

    Der Grund, warum ich mich letztendlich von ihm getrennt habe ist, daß eben die Synthesizer-Sektion deutliche Einschränkungen hat. Und als String-Machine ist er zu klobig. Bei 2 VCOs keine Intervalle möglich, VCOs lassen sich nicht ausbalancieren, Wellenform nicht frei wählbar. LFO nur Sinus auf VCO – damit wären die Modulationsmöglichkeiten ausgeschöpft. Einmal gespeicherte Sounds lassen sich nicht mehr verändern und das bei nur 16 Speicherplätzen… hinzu kommt, daß sich die einzelnen Blöcke sich gegeneinander nicht verstimmen lassen, wie z. B. bei Farfisa Polychrome – gerade dies hätte mehr Lebendigkeit hineingebracht.

    Nun ja, es war und ist ein Instrument der Kompromisse… Wenn ich mal kreativ sein wollte, waren zuviele Steine im Weg, das hat mich irgendwann zu sehr genervt. Wer also 1500,- Euro oder mehr für einen Trident ausgeben will, der sollte es sich genau überlegen… den Polysix habe ich immer noch und bin damit viel kreativer.

  14. Profilbild
    micromoog AHU

    Tja, da schließe ich mich mal mit meinen ersten Berührungen an – und vorweg, mir erging es ähnlich wie Thomas.

    Zum ersten mal gesehen in einem Orgelstudio, in dem es u.a. auch Stringmachines und eine handvoll Synths gab. Es war die Zeit des damals nagelneuen Poly 61, welcher dort neben Technics- und Solinaorgeln das Schaufenster zierte, also anno 82.

    Der Poly 61 war der Grund warum ich das Geschäft überhaupt betrat. In der Synth-Ecke waren neben ein paar Monophonen u.a. ein Jupi 4, der Poly 61 und ein Trident MK1. Der Besitzer (der sehr Jugend aufgeschlossen) führte mir -obwohl er genau wusste, dass ich für keins der Modelle die Knete hätte- die Kisten vor.
    Auch ich verkannte damals das Potential des Tridents, war ja nur „Orgel und Streicher“ was ich da hörte, das konnte ja sogar die Heimorgel zu Hause. Der Poly 61 konnte da immerhin ein paar abgedrehtere Sounds. Aber so richtig weggeblasen hat mich an dem Tag der Jupiter 4. Er führte mir damit unter betörender Lautstärke -damals für mich absolut neue Klänge- ein Feuerwerk aus LFO Gezwitscher und sonstigen abgespacten Sachen vor.
    Ein paar Wochen später nannte ich dann einen CS-15 mein Eigen und die unheilbare Synthsucht begann…

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