CURiOS iOS Musikmagazin #12: Musikproduktion auf iOS

CURiOS-2016-im-fokus

Phonem AUv3
von Wolfgang Palm
€19.99, iTunes

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Eigentlich war ja ein ausführlicher Test geplant, bis ich fest gestellt habe, das Phonem für iOS wirklich absolut identisch mit der Desktop-Version ist. Die einzige Funktion, die ich von der Desktop-Version nicht finden konnte, war der Ribbon-Controller und ein paar Optionen wurden in andere Pop-Up-Menüs verschoben. Dafür besitzt die iOS-Version aber auch einen integrierten Audiorekorder. Somit verweise ich, für die Funktionsbeschreibung auf den Amazona-Test von Kollege Gerhardt Kusche.

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Jedoch bin ich, im Gegensatz zu Gerhardt, der Meinung, dass Wolfgang Palm Sprachsynthese-Synthesizer (Kein Vocoder!) drei Sterne verdient hat anstatt zwei. Deswegen wollte ich es mir nicht nehmen lassen, bei dieser Gelegenheit nochmals diesen einzigartigen Synthesizer, auf iOS sowieso, nochmals explizit zu loben.

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Vielleicht liegt meine höhere Wertung auch daran, dass die iPad-Version einfach mehr Spaß macht. Das Anfassen der Wellenformen und die gesamte Handhabung ist auf dem iPad soviel direkter. Selbst wenn das GUI-Design deutlich der überfüllten, kleinteiligen Waldorf- / Axel Hartmann-Schule anhängt, die z.B. auch Nave und Attack auf dem iPad plagen. Die Patch-Matrix auf der Parameterseite und die Presetverwaltung wären hier an erster Stelle zu nennen.

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Doch zum Glück gibt es bei Phonem wenig Regler, stattdessen wird alles, was es an Wellenformen, Partialen und Hüllkurven und sonstigen graphischen Darstellungen gibt, direkt per Tippen und Ziehen editiert. So wie es auf einem Touchscreen sein sollte.
Die aufklappbaren Menüs sind durchgehend klar gekennzeichnet und jedes dieser Menüs besitzt einen eigenen Hilfeeintrag für die entsprechende Klangkomponente. Für mehr Hilfe steht auf der Homepage von Wolfgang Palm ein ausführlicheres englisches PDF-Handbuch bereit.
Umfassende Konnektivität wird mit IAA, Audiobus und AUv3, CoreMIDI und MIDI-Automation über festgelegte MIDI-CC, so wie Import von WTS und TCS-Daten aus WaveGenerator und WaveMapper geboten.

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Auch wenn Phonem für seine Komplexität erstaunlich aufgeräumt ist, ist dies hier kein Synthesizer den man mal eben so anwirft. Wie jede Software, die mit Sprachsynthese zu tun hat, bedarf auch Phonem eines längeren Lernprozesses. Preset-User werden hier nicht glücklich, weil gerade die Sprachfähigkeiten, die diesen Synth ausmachen, immer speziell an die vorgesehenen Projekte angepasst werden müssen. Fremde Presets funktionieren hier fast nie.

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Doch wer das Besondere haben will, scheut auch keine zusätzlichen Wege, die sich bei Phonem dennoch in Grenzen halten. Inhaltlich und formal ansprechende Song-Hooks und Lyrics hinzubekommen erachte ich immer noch als den weitaus größeren Arbeitsaufwand. Die Einzigartigkeit under Flow von Phonem auf dem iPad beschert dem Synthesizer denn auch eine Platzierung in unseren iOS-Charts.

Mini Synthesizer
von Electro Harmonix
€4.99, iTunes

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Es wird vielleicht nur den älteren bekannt sein, aber EHX haben auch mal einen analogen Synthesizer gebaut. Das war von 1980 bis 1981 mit den Modellvarianten 0400 / 0410. Der Mini-Synthesizer ist ein monphoner Einsteigersynthie mit einem Oszillator plus Sub-Osc und einer Pulsewellenform, einem LFO mit Pulswellenform und -modulation und einem anlogen Delay.
Das eigentlich Highlight war aber das Filter mit zwei Reglern für die Cutoff-Frequenz. Einmal beim Anspielen einer Tasten und einmal beim Loslassen. Also in Wirklichkeit zwei Filter. Diese können mit dem 2x-Schalter in Serie beim Anspielen geschaltet werden, was einen Phasenverschiebungseffekt erzeugt. Mit dem Q-Schalter kann auch eingestellt werden stark die Resonanz des Filters anspringt. Dazu gibt es noch den Retrigger-Modus, der bestimmt ob der Filter bei jeder gespielten Note anspringt oder legato arbeitet.
Der Mini-Synthesizer teilte nicht nur die gleiche üble Folienstatur mit dem EDP WASP, sondern auch insgesamt dessen unterirdische Bauqualität. Erlangte aber trotzdem nie einen vergleichbaren Kultstatus wie dieser. Was nicht heißen, dass der Mini keine Freunde fand. Jean Michelle Jarre hatte einen, auch wenn er ihn später angeblich verschenkte und auch Van Halen und Jimmy Edgar haben ihn mal benutzt.

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Die iPad-Version wurde, nichtsdestotrotz, liebevoll aufbereitet. Mit vierfacher Polyphonie, umfassende MIDI-Anbindung, inklusive Parameterautomation per MIDI, als auch Kompatibilität mit IAA und Audiobus und umfassender Bedienungsanleitung, haben EHX geklotzt, ohne das Flair des Original zu zerstören. Es gibt sogar uneingeschränkten Speicher für Presets!
Die Touschscreen-Klaviatur ist mit Sicherheit tausendmal verlässlicher, als die Folie des Originals es jemals war und der iPad-Version wurde sogar ein Ribbon-Controller spendiert. Außerdem umfasst die Klaviatur nun 88 (scrollbare) Tasten, anstatt der 25 der Hardware. Ab dem iPhone 6+ mit 3D-Touch ist das On-Screen-Keyboard sogar empfänglich für Anschlagsdynamik. Obwohl die Klangarchitektur des Mini keine großen Variationen hergibt, bringt das App durchaus ein paar stimmige, knarzige Bässe und bissige Leads zustande, die sich hören lassen können. Mit dem Model EH1600 haben EHX dieser Rarität und ganz bestimmt auch Kuriosität, eine Hommage gewidmet, ohne die der Mini-Synthesizer ganz bestimmt völlig in Vergessenheit geraten wäre. Wobei das App wohl nun die deutlich bessere Wahl, im Vergleich zur Hardware darstellt. Ein wunderbares Außenseiter-App.

Forum
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    mdesign  

    wieder ein gelungenes update der musik-apps. der hintergrund der 32 bit-fehlermeldung war mir neu. danke!

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    Chick Sangria  

    Fantastische Kolumne, vielen Dank!
    An die Redaktion: Könnte man evtl. eine „auf einer Seite anzeigen“-Option einrichten? Dann kann man leichter durch die Browsersuche etwas nachschlagen (sonst muss man die Seitensuche benutzen, was ich etwas aufwendiger finde).

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      swellkoerper  AHU

      Ich finde auch, dass bei amazona die einzelnen Seiten der Stories etwas länger sein dürften. Das käme dem Lesefluss sehr entgegen.
      Tolle Kolumne übrigens, Wahnsinn wie viel Arbeit da drin stecken muss!

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      Markus Schroeder  RED

      Hi ctblaze,
      die App kam am 6. November raus.
      Es gibt einen Zeitraum, in dem ich aufhören muss nach neuen Apps zu scannen, um die Ausgabe zu schreiben und dem Veröffentlichungstermin. Das sind ca. 2-3 Wochen. Alles was dazwischen rauskommt und keine iWavestation ist fällt durch und kommt (sehr wahrscheinlich) in die nächste Ausgabe. Weil ich immer von dort weiterscanne, wo aufgehört habe.

      Falls Du der Entwickler bist oder den Enwickler kennst, lass uns das bitte wissen.

      greetz,
      M.

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    Everpure  

    Erstens ist es „die“ App und nicht „der“ App (wo kommt das denn bitte her?) und zweitens sollte es jeder Softwareentwickler, der auch nur ein wenig Selbstrespekt hat, hinbekommen haben, seine Applikationen seit Sommer 2013 (iOS 7!) auf 64-Bit aktualisiert zu haben. Wer das nicht schafft, bei dem kann es auch nicht so wichtig sein. Also, bitte erst recherchieren, bevor losgetrollt wird. Das könnt ihr besser bei amazona.

    Und was fragen wie zum Beispiel die Preisgestaltung angeht: Da ist bestimmt nicht alles super, aber irgendwie bekommen es ja andere auch besser hin, da muss es doch also möglich sein, sich inspirieren zu lassen.

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      TobyB  RED

      Hallo everpure,

      es besteht aber nicht immer die Notwendigkeit eines Code Refactoring von 32 Bit auf 64 Bit. Und nur weil Apple das möchte, ist das nicht einfach mal ein Compilerlauf in XCode und ausserdem noch immer nicht sinnvoll.
      Ausserdem schliesse ich dann wieder bestimmte Nutzer aus und zwinge sie zum Neukauf eines iOS Devices.

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        Everpure  

        Mir ist klar, dass es nicht mal eben zwischen zwei Folgen Big Bang Theory erledigt ist, eine App von 32- auf 64-bit zu portieren. Da ist einiges mehr an Test und nochmal Test und sicherlich auch möglicherweise grundlegende Codeänderungen zu tun.

        Das ist aber nicht mein Punkt. Mir geht es eher darum, dass im Editorial der Eindruck erweckt wird, dass Apple hier böse, böse die armen Entwickler gängelt und einfach mir nichts dir nichts Apps aus dem Store entfernt.

        Das ist meiner Meinung nach nicht der Fall, sondern man sollte die Angelegenheit vielleicht etwas differenzierter betrachten:

        Erstens: Der Übergang von 32- zu 64-bit wurde im Sommer 2013 mit iOS 7 vollzogen. Als professioneller iOS Entwickler (und als solchen betrachte ich jeden, der eine App zum Verkauf im App Store anbietet – egal ob 10.000.000$ oder 10€ Umsatz) hat man in der Regel Zugang zu iOS Betaversionen bis zu 6 Monate vor offiziellem Release, was also Anfang 2013 wäre. Jetzt haben wir Ende 2016 – also fast vier Jahre, in denen man den Übergang auch in der kleinsten Softwareschmiede hätte vollziehen können.

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          TobyB  RED

          Hallo Everpure,

          danke für die Antwort. Das wollte ich alles gar nicht wissen. Es ging darum ..“es besteht aber nicht immer die Notwendigkeit eines Code Refactoring von 32 Bit auf 64 Bit. Und nur weil Apple das möchte, ist das nicht einfach mal ein Compilerlauf in XCode und ausserdem noch immer nicht sinnvoll.“… Und das hat erstmal nichts mit Ökonomie zu tun, sondern mit Nachhaltigkeit des Lösungsansatzes. Mehr nicht. Und ich sehe es schon als Gängelung, das es eben auch andere professionelle Entwickler gibt. Und von wegen Apple schliesst keine User aus, ich habe ein Ipad 3, mit 9.3.5 ist Schluss. Und wenn es einem Entwickler gefällt, setzt der 2 Flags und ich bin aussen vor. Schlußendlich, was machen denn die professionellen Anwender? Leasingverträge für iPad laufen 36/48 Monate. Die können zwar mit Certifikaten und MMC die iPads verwalten aber wir sind wieder bei XCode 32/64bit. Und ein Kostenstellenverantwortlicher würde dich fragen ob es dir noch gut geht? Und dann „Budget“ sagen.

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            Everpure  

            Hallo Toby,
            wie es aussieht, können wir uns vielleicht darauf einigen, dass wir uns in diesem Punkt wohl eher nicht einig sein werden. ;)
            Worin wir uns aber bestimmt einig sein können ist, dass es da einiges an Verbesserungspotenzial gibt – sowohl für Entwickler als auch für die Kunden.
            Aber solange Apple nicht grundlegend etwas an diesen Prozessen ändert, bleibt die Situation wie sie ist und wir müssen als Verbraucher und als Anbieter damit umgehen. Und ich denke, das bei aller Kritik trotzdem extrem viel Potential in der iOS Plattform steckt, wie ja allein die Liste an Apps beweist, die in dieser Ausgabe von curiOS behandelt werden.

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              TobyB  RED

              Hallo Ever,

              100 % Zustimmung. Ich sehe das halt als Entwickler, dessen App auf Managed Devices landen. Und da ticken die Uhren anders. Und bei den „Profis“ hat Apple fette Baustellen, MDM, Apple Configurator, Automatisierung. Da ist noch viel zu viel Handarbeit drin.

              :-)

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        Everpure  

        Zweitens: Die letzten iOS Geräte, die nur 32-bit unterstützen sind iPhone 5 und 5C, iPad 2, iPad Mini (1. Generation) und iPod Touch 5G. Aus Herstellersicht (also Apple) ist es nur verständlich, dass man irgendwann aufhört, bestimmte Gerätegenerationen zu unterstützen. Apple ist da schon immer radikaler gewesen als andere Hersteller (im guten wie im schlechten für die Kunden,also unter anderem uns). Aber wie man hier https://en.wikipedia.org/wiki/List_of_iOS_devices sehen kann, unterscheidet Apple auch genau zwischen Obsolete, Discontinued und Current – und hat das bisher auch immer offen kommuniziert. Punkt: Als Softwarehersteller möchte ich einerseits natürlich auch ältere Geräte unterstützen (um eine potentiell größere Kundschaft anzusprechen), aber andererseits auch neue Features und Möglichkeiten anbieten (um das Produkt attraktiv zu halten). Wenn ich letzteres nicht tue, laufen mir früher oder später die Kunden weg. Das ist okay, wenn ich als Einzelperson mal irgendeine App gebaut habe. Dann darf man sich aber nicht beschweren, dass die dann auch irgendwann weggeräumt wird.

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        Everpure  

        Drittens: Ich als Softwareanbieter zwinge niemals irgendjemand zum Neukauf eines iOS Gerätes. Die alte Software läuft doch auf meinem alten Gerät bis in alle Ewigkeit! Nur weil Apple eine App aus dem Store entfernt heißt ja nicht, dass die App nicht mehr auf meinem Gerät läuft. Das heißt nur, dass niemand sie mehr neu kaufen kann – und möglicherweise, dass ich sie nicht mehr herunterladen kann, falls ich sie von meinem alten Gerät gelöscht habe und dann doch wieder neu installieren will. Mal ganz abgesehen davon, dass es realistischerweise doch sowieso so ist, dass man irgendwann sein 6 Jahre altes iPad weggibt und sich ein neues kauft. Ja, ich weiß, nicht alle tun das. Aber Apples Verkaufszahlen zeigen ja deutlich, dass die breite Masse das tut. Dass es immer wieder Einzelfälle gibt, bei denen das ärgerlich ist – nun ja, Apple baut die Dinger ja nicht für jeden einzelnen von uns…

        Viertens: Ja, Apple hätte wahrscheinlich den Übergang von 32- zu 64-bit attraktiver für Kunden und Entwickler gestalten können (mich hat es damals auch irre genervt, dass ich für Intuas Beatmaker 2 den Preis einer neuen App zahlen musste…) Aber auch das ist wahrscheinlich eher dem mangelhaften Apps-nicht-wie-Desktop-Programme-updaten-können Konzept geschuldet, mit dem sich ja auch schon größere Anbieter wie Native Instruments bei iMaschine herum geschlagen haben.

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        Everpure  

        Langer Rede kurzer Sinn: Viel Gejammere um nichts, weil es zu nichts führt, solange man nicht Apple direkt kontaktiert (zum Beispiel als Entwickler) oder die Reichweite von großen „mainstream“ Medien hat. Und das nervt und ist unproduktiv.

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      Chick Sangria  

      Laut Duden geht „die“ und „das“ App, aber inzwischen klingt „das App“ schon sehr ungewöhnlich, dürfte keine Zukunft haben.

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        Everpure  

        I stand corrected, wie der Engländer sagt. Dass „App“ auch Neutrum sein kann, war mir nicht bewusst. Dass es aber keinen Sinn ergibt, weil App nunmal die Kurzform von (die) Applikation ist, scheint es mir nur logisch, wenn „das App“ keine weite Verbreitung findet…

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