Filmmusik-Komponist John Carpenter: Halloween, Escape from New York, Assault

12. Juni 2021

Regisseur und Komponist in einer Person

Fällt der Name John Carpenter, denkt man unweigerlich an Blut und Horror. Kaum jemand hat das Genre des Horrors so nachhaltig geprägt wie John Carpenter, obwohl der große und nachhaltige Erfolg bis heute ausblieb. Ob mit Halloween, Die Klapperschlange, The Fog – Nebel des Grauens, Sie leben oder Big trouble in little China, John Carpenter hat sich eine treue Fangemeinde erarbeitet und sich nicht nur mit den Filmen, sondern auch mit der dazugehörigen Musik einen Namen gemacht. Er führt die zwei wichtigsten kreativen Säulen des Films zusammen, Bild und Filmmusik: John Carpenter

John Carpenter wurde die Musik und Kreativität in die Wiege gelegt. Geboren am 16. Januar 1948 im kleinen Ort Carthage, New York unweit der kanadischen Grenze, wuchs er als Sohn von Howard Ralph Carpenter auf, der als Professor für Musik und Musiker früh die kreative Ader seines Sohnes entdeckte. Sein Vater, der ein virtuoser Violinist galt, spielte seinem Sohn „Peter und der Wolf“ von Sergei Prokofjew  vor und erklärte ihm die Funktion der einzelnen Instrumente und der Themen. Welche Wirkung hat die Auswahl des Instruments und das Thema auf den Hörer und das Geschehen?

John, der sich selbst immer als Außenseiter und nicht zur Gesellschaft gehörig betrachtete, nutzte die Musik, um sich selbst in fremde Welten zu begeben. In seinem Kopf erschaffte er künstliche Welten, in die er entfliehen konnte und ersann auch gleich die passende Musik dazu, die nach eigener Aussage stark von Mussorgsky und Tchaikovski beeinflusst war. John Carpenter zog mit seiner Familie im Kindesalter nach Bowling Green in Kentucky. Dort lebten sie in einem Blockhaus auf dem Grundstück eines Museums. Er verbrachte seine Freizeit vor allem mit dem Hören von Musik und dem Ausdenken von Geschichten und Welten, die er heutzutage gerne mit „Open World“ Computerspielen vergleicht, die er gerne spielt:

„It was very much like the video games I love playing. They call them “open-world,” where you can go anywhere and do anything. This music, Mussorgsky or Tchaikovsky, allowed me to go anywhere and imagine anything. I was either in a science fiction, horror or western movie. I was the hero of my own fantasies. I was more connected to that world than I was to the world that I lived in.“ (Aus: https://daily.redbullmusicacademy.com/2019/02/john-carpenter-interview)

Die drei genannten Genres sollten dann auch die sein, in denen er sich später als Regisseur, Autor und Komponist am meisten bewegt. Seinem Vater blieb das Verhalten seines Sohnes nicht verborgen und somit motivierte er ihn, kreativ zu sein:

„What you need to do with your life is create something. I don’t know what it is – it doesn’t matter what it is. But you need to fall in love with it and create it.“

Kurzgeschichten und Videoaufnahmen mit der 8mm-Filmkamera seines Vaters folgten und legten den Grundstein für die spätere Berufswahl. Ein Kinobesuch in Bowling Green machte John Carpenter auf die Verbindung zwischen Musik und Film aufmerksam. Es war der Film „Forbidden Planet“, ein Science Fiction Film über ein unsichtbares Wesen und einem elektronischen Score. Insbesondere die elektronischen und futuristischen Klänge hatten es ihm angetan, die die damals für die Menschen unbekannte Welt des Alls perfekt unterstrichen.

john-carpenter-music-dark-star

Die Anfänge: Dark Star

Nach der Highschool besuchte John Carpenter schließlich die Western Kentucky University, an der sein Vater unterrichtete und den Fachbereich Musik leitete, und wechselte später in den Filmstudiengang der renommierten University of Southern California. Ein erster Erfolg war der Western „The Resurrection of Broncho Billy“ (1970), der 1971 einen Oscar in der Kategorie „Bester Kurzfilm“ gewann. Carpenter war als Autor, Editor und Komponist beteiligt. Sein erster großer Film als Regisseur war Dark Star (1974), ein Low Cost-Film, den er gemeinsam mit Daniel Thomas O’Bannon produzierte. Carpenter war für das Schreiben der Story, die Produktion und die Regie verantwortlich und musste auch die Filmmusik beisteuern, während sein Partner als Schauspieler auftrat und außerdem die Spezialeffekte kreierte. Was als Kurzfilm auf 16mm-Film begann, endete als 83-minütiger 35mm-Film mit einem Budget von 60.000 US-Dollar. Trotz des geringen Budgets und vieler Probleme aufgrund des schlechten Equipments, das beide nutzen mussten, verschaffte das Endprodukt den beiden jungen Kreativen die am Anfang einer Karriere dringend benötigte Aufmerksamkeit. O’Bannon wurde von George Lucas für sein Special Effects-Team für Star Wars verpflichtet, weil Lucas von den Special Effects von Dark Star so beeindruckt war. John Carpenter brachte die Produktion den Ruf ein, mit sehr geringem Budget herausragende Filme produzieren zu können. Nach einigen weiteren Low Budget-Produktionen folgte schließlich 1978 Halloween.

Halloween

Halloween erzählt die Geschichte um Michael Myers, der als sechsjähriger an Halloween seine ältere Schwester Judith auf brutale Art und Weise tötet und seitdem sein Leben in einer Psychiatrie fristet, aus dieser ausbricht und nun erneut die Menschen im Umfeld seines ehemaligen Wohnhauses tyrannisiert. Damit ist im Prinzip auch die komplette Handlung erzählt. Michael Myers haftet etwas Übernatürliches an, er steht für das Böse, das nicht endgültig besiegt werden kann. Die vielen Spinoffs zeigen, dass das Thema ebenso wenig ausstirbt wie Michael Myers selbst.

John Carpenter wurde damit beauftragt, das Drehbuch zu schreiben und Regie zu führen. Er verlangte die volle Kontrolle über die Produktion und steuerte auch die Musik bei. Gemeinsam mit seiner damaligen Lebensgefährtin Debra Hill verfasste er das Script. Die Halloween-Idee steuerte Filmproduzent Irwin Yablans bei. Das knappe Budget erforderte einen relativ unbekannten Cast. Für die spätere „Scream-Queen“ Jamie Lee Curtis war dies die erste größere Rolle, die sie schließlich einem riesigen Publikum bekannt machen sollte. Das Budget von gerade einmal 300.000 US Dollar erlaubte auch in Sachen Produktion keinen Luxus. Carpenter selbst erhielt 10.000 Dollar für seine komplette Arbeit zuzüglich 10 Prozent Anteil an den Filmeinnahmen.

Anmerkung: Der Film spielte damals rund 70 Millionen US Dollar ein und der weitere Verkauf der Film- und Aufführungsrechte an Videotheken, Fernsehsender usw. sowie die Veröffentlichung als Verkaufsvideo dürfte weitere hohe Einnahmen beschert haben. Leider hat Carpenter von diesem Geld nie etwas gesehen. Als 20 Jahre später Jamie Lee Curtis das Team von Halloween für Halloween H20 zusammentrommeln wollte, forderte Carpenter ein hohes Honorar ein. Dieses wurde jedoch abgelehnt und John Carpenter zog sich aus dem Projekt zurück. Zu hören ist aber sein berühmtes 5/4 Takt-Thema, eingebaut in einen orchestralen Score.

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Yablans war es auch, der den Vergleich mit „The Exorcist“, einem anderen großen Erfolgsfilm des Horror-Genres von 1973, ins Spiel brachte. Ob dieser Film John Carpenter auch hinsichtlich der Filmmusik inspiriert hat, ist nicht überliefert, aber naheliegend, hört man sich die beiden berühmten Filmthemen im Vergleich an.

Während „The Exorcist“ das berühmte Tubular Bells I Klavier-Thema von Mike Oldfield einsetzt und weltberühmt macht, greift John Carpenter auf ein ganz ähnliches Thema zurück. Beiden gemeinsam ist die unübliche Taktart:

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Das berühmte Thema aus Mike Oldfields Tubular Bells wurde für den Film „The Exorcist“ verwendet und ist ähnlich prägnant wie Carpenters Halloween-Thema.

Mike Oldfield wechselt bei seinem Klavier-Thema zwischen einem 7/8 Takt und einem 9/8 Takt. Auf je drei 7/8 Takte folgt ein 9/8 Takt. Dann wiederholt sich die Abfolge. Gespielt werden durchgängig Achtel im Wechsel mit einer Art Pedalton-Achtel („e“ im Notenbeispiel).

John Carpenter setzt auf einen 5/4 Takt und hat mit seinem Halloween Thema wahrscheinlich das nach „Take 5“ bekannteste Stück im 5/4 Takt komponiert. Auch er setzt auf eine simple durchgängige Achtelrhythmik und nutzt eine Pedalton-Achtel, über die sich der Rest des Motivs abspielt. Anders als Mike Oldfield transponiert Carpenter sein Motiv allerdings, mal um eine große Sekunde, eine kleine Sekunde oder eine Quarte nach unten.

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Das berühmte Halloween-Thema von John Carpenter. Die Idee entstammt einem Bongo-Pattern im 5/4-Takt, das ihm sein Vater beigebracht hat.

Die beiden repetitiven Themen verfehlen  ihre Wirkung beim Hörer nicht. Geradezu beschwörend hämmert das Klavier auf die Gehörgänge der Kinobesucher ein. Man kann nicht weghören und auch nicht wegschauen, wenn das ultimative Böse sein Unwesen treibt. Dass das Grauen und die Bedrohung nicht immer vieler Töne bedarf, hat auch John Williams mit seinem Thema zu „Der weiße Hai“ (1975) bewiesen.  Das Halloween-Thema von John Carpenter wurde auch abseits des Films ein großer Erfolg und steht heute auch als unabhängiges Musikstück für sich allein. John Carpenter komponierte die Soundtracks der weiteren Halloween-Teile (gemeinsam mit Alan Howarth, siehe unten).

The Fog – Nebel des Grauens

Auch mit „The Fog“ bleibt John Carpenter seiner Linie treu – sparsame Arrangements mit Klavier und einigen Synthesizer Drones eröffnen den Film. Obwohl das Budget dieses Mal mehr als dreimal so hoch war wie bei Halloween, Carpenter hatte 1 Million US Dollar zur Verfügung, verzichtet Carpenter auf Orchester. Das Team besteht aus lediglich vier Leuten: John Carpenter als Komponist und Musiker, Dan Wyman als Programmierer für die verwendeten Synthesizer, Jim Cypherd als Toningenieur und Bob Walter als Koordinator. Der Main Title von „The Fog“ wird mit einem Synthesizer Sound ähnlich einer Kirchenorgel eröffnet. Unweigerlich kommt mir „Das Phantom der Oper“ in den Sinn. Doch schon nach wenigen Sekunden startet das Klavierthema, das sofort an Halloween erinnert. Unterlegt ist alles mit einem perkussiven Ostinato und einigen Sound-Effekten.

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Auch die weiteren Songs bleiben sparsam. Die verwendeten Synthesizer Sounds spiegeln das wider, was man von den Analogsynthesizern der späten 1970er- bis frühen 1980er-Jahren kennt und auch in jedem Chart Hit dieser Zeit hört. Ab und an hört man einige Effekt-Sounds, doch im Wesentlichen arbeitet Carpenter hier mit Standardkost. Es dürfte niemandem schwerfallen, diese Sounds als Presets in einem beliebigen analogen oder digitalen Synthesizer der Neuzeit zu finden. Dennoch ist es gerade das, was den Zuschauer abholt und in die unheimliche Szenerie von The Fog zieht. Carpenter musste keine künstlichen Welten erschaffen, sondern das Böse kommt wie bei Halloween in die uns bekannte Welt. Darüber hinaus unterstreichen die subtilen und wenig aufdringlichen Drones die Atmosphäre des Films und des Nebels. Nebel schluckt bekanntlich Geräusche und dämpft sie. Genau diese gedämpfte Geräuschkulisse wird von Carpenter erzeugt. Ein opulentes Orchesterarrangement wäre hier fehl am Platz. Die wenigen Töne und Motive, die sich beständig wiederholen, brennen sich in den Gehörgang und steigern die Spannung teils ins Unerträgliche.

Der Film wird ein großer Erfolg für Carpenter und das Filmstudio. Obwohl Carpenter den Film bis heute nicht als sein bestes Werk bezeichnet, sieht er die Musik als eine seiner besten Kompositionen an. 

Die Klapperschlange – Escape from New York

Der Film „Escape from New York“ wurde in Deutschland unter dem Titel „Die Klapperschlange“ veröffentlicht und geht auf ein Script zurück, das John Carpenter bereits Anfang der 1970er Jahre vollendet hat. Der Film ist in vielerlei Hinsicht wegweisend. Zunächst einmal ist es das Setting, das später unter dem Oberbegriff „Cyberpunk“ eine ganze Generation von Filmen unter sich vereint: Gezeigt wird ein futuristisches New York im Jahr 1997, in dem Manhattan in ein Hochsicherheitsgefängnis verwandelt wurde. In diesem hat sich eine eigene Gesellschaft etabliert, die aus den Gefangenen besteht. Gespielt wird außerdem mit den Ängsten der 1980er Jahre vor der totalen Vernichtung: Im Film droht der Nuklearkrieg zwischen den Weltmächten. Das postapokalyptische Setting des Films bestimmt auch den Charakter der Musik. Diese ist erneut größtenteils sparsam instrumentiert: Synthesizer Bass Ostinato, Drones, Lead Sounds, Klavier, einige futuristische Sound-Effekte, die stellenweise auch als Kulisse für „Alien“ hätten herhalten können. Dennoch unterscheidet sich der Soundtrack deutlich von den beiden Horrorfilmen zuvor:

  • es kommen bei einigen Stücken Drumcomputer zum Einsatz
  • manche Stücke besitzen eine einfache Song-Struktur
  • es werden nicht ausschließlich Synthesizer und Klavier verwendet, auch eine E-Gitarre, ein E-Bass und eine Orgel sind zu hören
  • Carpenter arbeitete mit Alan Howarth zusammen, einem Sound Designer für Sound-Effekte (StarTrek, Poltergeist, Jagd auf Roter Oktober, Running Man, Total Recall und andere) und Komponisten von elektronischer Musik. Gerade seine Sound-Effekte prägen das Setting. Sie schaffen das futuristische Ambiente und heben sich von den Standard-Sounds, die Carpenter für das Spielen seiner Motive verwendet, deutlich ab
  • John Carpenter spielt mehr mit den Sounds, indem er sie beim Spielen editiert, Filter schließt und öffnet, die Hüllkurven beeinflusst und vieles mehr, seine Sound-Palette ist insgesamt größer geworden als bei den Filmen zuvor
  • Bei einigen Stücken des Scores wird ausgiebig mit Arpeggiatoren und Sequencern gearbeitet

Insgesamt zeigt sich beim Durchhören des Soundtracks aber, dass John Carpenter seiner Linie insgesamt treu bleibt: Minimalismus, einfache Synthesizer Sounds für Motive und Themen, Verwendung des Klaviers, Bass Ostinato, Repetition und Sequenzierung von Motiven, Sound-Effekte und Drones prägen das Klangbild. Man merkt jedoch deutlich, dass seine Vorliebe für elektronische Musik sich auf seine Filmmusikkompositionen niederschlägt.

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Stil und Sounddesign

John Carpenter bezeichnete sich in Interviews immer als bescheidenen Musiker, der keine einzige Note lesen könne und nur über rudimentäre Fähigkeiten am Instrument (Keyboards, Gitarre, Bass) verfüge.

Seine minimalistischen Motive und Themen resultieren laut Carpenter auch direkt aus seinen geringen instrumentalen Fähigkeiten. So griff er für das Halloween-Thema auf ein 5/4 Bongo-Pattern zurück, das ihm sein Vater mit 13 Jahren beigebracht hatte. Dieses Pattern spielte er mit zwei Tönen auf dem Klavier und transponierte das sich ergebende Motiv anschließend. Das Halloween-Thema war geboren. Es existierte als Klavierstück schon vor dem Film und nach dem Schnitt des Films entschied sich Carpenter, das Stück als Filmmusik zu nutzen.

„I have to admit that the minimalism is a result of my limited skills as a musician – I can’t play anything more complex. I can’t read music. It has to be simple. If I’m on a synthesizer and I’ve got a string pad, I can play around and make something interesting and more complex with it. My work doesn’t get more complicated than Halloween.“ (Aus: https://daily.redbullmusicacademy.com/2019/02/john-carpenter-interview)

Trotzdem verzichtete er anders als andere Filmmusikkomponisten auf ein großes Team, was aufgrund der oft minimalen Budgets für seine Filme ohnehin schwierig gewesen wäre. Arrangeure, die seine Themen für das Orchester adaptieren, sind ihm fremd. Stattdessen arbeitete er lieber mit einem einzelnen Partner zusammen, der seine Klangvorstellungen für ihn umsetzte und die eingesetzten Synthesizer programmierte, denn die Technik interessierte ihn weit weniger als der Klang. Der Sounddesigner Alan Howarth hatte demzufolge während seiner Zusammenarbeit mit John Carpenter großen Einfluss auf das klangliche Endergebnis. Mit dem Einsatz von Synthesizern wollte Carpenter ursprünglich seine geringen Spielfähigkeiten hinter dem Sound verbergen. Sie sollten zunächst ein Orchesterersatz sein, führten Carpenter aber schließlich mehr und mehr in die elektronische Musik. Howarth, der von 1976 bis 1980 Keyboard-Techniker für Joe Zawinul von Weather Report war, half ihm dabei, seine Sound-Visionen mit den Synthesizern umzusetzen.

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Im Studio mit Alan Howarth, 1981: John Carpenter, Foto: Alan Howarth

Synthesizer & Studio früher

Die Zusammenarbeit dauerte von circa 1980 bis 1988 und begann in Howarths Pi West Studio. Dort hatten sie einen ARP Quadra, zwei ARP Avatars, Sequential Circuits Model 700 Programmer, einen Sequential Circuits Prophet-5 Rev3, einen Prophet-10, einen ARP Sequencer, einen Emulator 1 sowie einen Oberheim Four Voice Synthesizer zur Verfügung. Hinzu kam später noch ein Emulator 2 sowie eine Linn LM1. Beide starteten zunächst mit einer Tascam 80-8 1/2-Zoll Bandmaschine mit acht Spuren. Mit steigendem Bedarf an Spuren wurde diese durch eine Stephens 24-Spur Bandmaschine mit 2 Zoll Bändern ergänzt und beide Maschinen per SMPTE synchronisiert. Für die Synchronisation zum Video sorgte ein Audio Kinetics Q-Lock.

Mit dem steigenden Budget für Big Trouble in Little China wuchs auch das Studio. Howarth baute ein größeres Studio und ersetzte die Stephens-Bandmaschine durch eine Ampex MM1100 24-Spur Maschine. Mittlerweile im MIDI-Zeitalter angekommen, wurde das Studio durch einen Apple Mac Plus mit MOTU Performer als Sequencer ergänzt. Neuzugänge bei den Synthesizern waren ein Prophet VS, ein Kurzweil 250. Bei den Drum Computern kamen ein E-mu SP12 Drumulator sowie eine Linn Drum LM2 zum Einsatz. Voller Stolz berichtet Howarth in Interviews davon, dass außerdem 1986 ein New England Digital Synclavier angeschafft werden konnte.

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Im Studio mit Alan Howarth, 1983: John Carpenter, Foto: Alan Howarth

Escape from Hollywood: Hinwendung zur Live-Musik

Nicht für alle seine Filme steuerte Carpenter auch die Filmmusik bei. So arbeitete er für den Film „The Thing“ (1982) mit Ennio Morricone zusammen. Trotz des hohen Produktionsaufwandes blieb der Film weit hinter den Erwartungen zurück, was Carpenter dem gleichzeitigen Erscheinen von Spielbergs „E.T“ zuschrieb. Für die Adaption von Stephen Kings „Christine“ hingegen arbeitete er erneut mit Alan Howarth zusammen. Sein letzter erfolgreicher Film als Regisseur war „Starman“ (1984), für den er allerdings nicht die Filmmusik beisteuerte. Aufgrund zahlreicher Flops und schlechter Kritiken wurde es für John Carpenter in den 1990er-Jahren im Filmbusiness immer schwieriger. Der mit großem Aufwand produzierte Film „Big Trouble in Little China“ (1986), für den John Carpenter erneut Kurt Russel vor die Kamera holte, war ein finanzielles Desaster. Der Film spielte noch nicht einmal die Hälfte des verbrauchten Budgets wieder ein. Für Carpenter war das eine große Enttäuschung und er fühlte sich zunehmend entfremdet vom Filmbusiness und Hollywood. Er zog sich aufgrund ausbleibender Aufträge aus dem Big Business zurück und war in den 1990er-Jahren eher in Independent Filme involviert. Carpenter widmete sich außerdem einzelnen Seitenprojekten wie Episoden von TV-Serien, Musik für Computerspiele und schließlich auch der Live-Musik. Außerdem ist er Co-Produzent einer Comic-Heftreihe.

Synthesizer & Studio heute

Nach dem Ende der Zusammenarbeit mit Howarth und dem Abschied von Hollywood nutzte Carpenter für seine Projekte hauptsächlich einen Korg Trinity und einen Triton. Seine Frau kaufte ihm einen Computer mit Logic Pro und nach einer Einarbeitungszeit mithilfe seines Sohnes startete Carpenter die Arbeit mit seiner ersten DAW, die er bis heute einsetzt. Statt der früher genutzten Hardware-Synthesizer waren es nun die Software Instrumente von Logic Pro, die Carpenter spielte und mit Logic aufnahm.

Am 03. Februar 2015 erschien Carpenters erstes Studioalbum „Lost Themes“, das er gemeinsam mit seinem Sohn Cody und seinem Schwiegersohn Daniel Davies einspielte. Eigentlich hatte John Carpenter nie geplant, ein Album zu veröffentlichen. Seine Agentin war es, die ihm ohne sein Wissen einen Plattenvertrag verschaffte. Carpenter selbst beschreibt das Album als Filmmusik ohne Film. In der Tat scheint die Zeit stehen geblieben zu sein. Das Album knüpft direkt an die Filmmusik Carpenters aus den 1980ern an, wirkt im Vergleich zu den oft sehr sparsam arrangierten Filmmusiktiteln aber etwas überproduziert. Schon der erste Track „Vortex“ erinnert an eine Mischung aus Jean-Michel Jarres „Equinoxe, Pt. 5“ und Jan Hammers Musik zu Miami Vice. Das Album erhielt durchaus gute Kritiken und wurde von den Fans sehr gut angenommen. Es folgten zwei weitere „Lost Themes“ Alben und eine Tour. Die Band ist mit Carpenter, seinem Sohn, seinem Schwiegersohn und einer professionellen Rhythmusgruppe besetzt. Für die Tour nutzen Carpenter und sein Sohn hauptsächlich Apple Laptops mit Mainstage, um die Sounds aus Logic live auf der Bühne zu reproduzieren. Als Master Keyboards kommen ein Yamaha MX49 für Cody und ein M-Audio Keyboard für seinen Vater zum Einsatz. Cody nutzt außerdem einen Dave Smith Mopho X4 sowie einen Roland System 1 Synth.

Carpenter genoss das Live-Spielen dermaßen, dass er es als seine zweite Berufung erkannte. Von Hollywood hat er sich längst verabschiedet. John Carpenter ist tot, es lebe John Carpenter.

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Fazit

John Carpenter ist ein Phänomen: Er ist weniger für seine vielen berühmten und herausragenden Filme bekannt, sondern eher für das Gesamtpaket aus Film und passender Filmmusik, die er selbst komponiert und eingespielt hat. Das Horror-Genre ist ohne ihn undenkbar und „Halloween“ und „The Fog“ wirken bis heute nach. Die elektronischen Scores, der Verzicht auf ein Orchester und der Minimalismus sind seine Markenzeichen. Seit seiner Abkehr von Hollywood ist er nicht im Ruhestand geblieben, sondern bleibt als Komponist und Musiker im Studio wie auf der Bühne aktiv. Seine Musik bleibt tief in den 1980er-Jahren verwurzelt und erschafft imaginäre Bilder. Er ist also wieder dorthin zurückgekehrt, wo seine Reise als Jugendlicher begonnen hat.

Forum
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    Anthony Rother  AHU

    Boah… vielen Dank :-)
    Als großer John Carpenter Fan und Jünger habe ich den Artikel verschlungen und permanente Gänsehaut gehabt.

    Tolle Details und viele kleine Infos.
    Hammer.

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    TobyB  RED

    Sich Carpenter über Noten anzunähern, ist fast schon Gotteslästerung. Carpenter erschafft Emotionen, Noten sind und waren ihm egal, siehe Alan Howarth in der Doku „Grusel und Horror vom Feinsten: John Carpenter“ und „Durch die Nacht : Franka Potente & John Carpenter“ , Arte Mediathek. Ohne Carpenter gäbs keine Stranger Things Musik, muss man einfach mal so sacken lassen. So ganz hat er das Filmen nicht gelassen, die Videos zu seiner Musik sind kleine Meisterwerke. Zu finden bei Sacred Bones Records / Youtube.

    https://bit.ly/3xhjEvv

    Sequential Prophet Besitzer können sich mal den Spass machen, die Presets mit Bezug zu Carpenter zu zählen. :)

    • Profilbild
      Markus Galla  RED

      Die dienen an dieser Stelle auch eher der Erklärung der Parallelen zwischen dem Minimalismus Carpenters für das Halloween-Thema und der für „Der Exorzist“ gewählten Musik von Oldfield sowie der von beiden genutzten Stilelemente, die so ziemlich identisch sind. Da von Carpenter gefordert wurde, sich an „Der Exorzist“ zu orientieren, dürften diese nicht so ganz zufällig sein. Das sollte jetzt weder zum Nachspielen einladen noch eine tiefgreifende Analyse sein. Ich spiele das Halloween-Thema übrigens fast jedes Jahr mit Klavierschülern zu Halloween ;-) Es ist und bleibt sehr beliebt.

      • Profilbild
        TobyB  RED

        Das ist schon klar Markus ;) Wenn ich muss lese ich auch Noten. Es ging mir halt darum das Carpenter halt aus dem Bauch heraus arbeitet. Wenn mir nichts mehr einfällt stell ich die Linndrum auf irgendwo 65 – 90 BpM ein, lass es klopfen und spiel mit Escape from New York rum. ;)

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    Tyrell  RED 11

    Carpenter war mein Einstieg in die Welt der Synthesizer. Klar kannte ich Kraftwerk und Co., aber richtigg fasziniert hat mich der Sound erst durch Carpenter. Ich werde den Moment nicht vergessen, wenn sich im Auftakt zu EFNY die Kamera in den nächtlichen Himmel erhebt und in der Ferne das „Gefängnis“ Manhattan zeigt, während einem die Moog-Sequenzen in den Kinosessel gedrückt haben. Da wars um mich geschehen.

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    moogist  

    Danke, danke, danke, für die Würdigung dieses Ausnahme-Kreativen! Eine Zeit lang hat es Carpenter geschafft, dass die bewegten Bilder und die Musik dazu eine einzigartige Synthese bilden! Als Fan seiner Filme UND Soundtracks seit „Dark Star“ habe ich diesen Artikel mit allergrösstem Interesse verschlungen. Tipp: Zur Zeit läuft eine Carpenter-Reihe auf arte – unbedingt anschauen!

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    Chromengel  

    Die Klapperschlange:
    The Duke arrives:
    es grooved!
    Bin immer noch fasziniert von der Stimmung in dieser Scene vom Film.

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      nativeVS  AHU

      Ich muss dabei leider immer an die erste szene in Beverly Hills Cop 2 denken; da hat sich der herr Faltermeyer doch etwas sehr inspirieren lassen.

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    8 Bit Fighter  

    Bei ,,Scape From New York“ hatten die beiden noch keinen Emulator, aber einen Roland CSQ-600 Digital Sequencer sowie Digital Delay und Federhall. Bei Halloween war ein Modular Moog der Hauptsynthesizer in Dan Wyman’s Studio. Sein Studio in LA war damals eins der wenigen Synthesizer-Studios für Filmmusik in den USA. Dort haben auch Morodor und Faltemeyer 1978 an Soundtrack von Midnight Express gearbeitet. Alan Howarth‘ Name taucht schon im Abspann von The Fog auf. Bei ,,They Live“ setzten carpenter und Howarth 1988 sogar einen Ensoniq 80 ein.

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      Markus Galla  RED

      Es ist schon erstaunlich, dass man überhaupt einige Details zu den damals eingesetzten Synths erfährt, wenn auch nur wenige. Leider will sich Carpenter ja nicht auf die Technik einlassen, sondern nur auf den Sound. Er ist da nicht so der Technikfetischist, wie er immer wieder in Interviews betont, und hat deshalb diesen Aspekt stets seinen Partnern überlassen und nun live seinem Sohn und Schwiegersohn. Sein Live-Setup ist auch sehr minimalistisch. Da habe ich mehr auf der Bühne dabei :-)

  7. Profilbild
    Ghostwalker  

    Dark Star ist für mich der genialste Film von Carpenter, okay „Das Ding aus einer anderen Welt“ ist von der Atmosphäre gerade von heutigen Produktionen kaum zu toppen, da spielen jedoch noch die handgemachten Spezialeffekte eine starke Rolle für die Wirkung des Films. Die Scores von „Halloween“ und „Assault- Anschlag bei Nacht“ , sind für mich die besten Musikkompositionen des Ausnahmekünstlers. Es ist wirklich schon als genial zu bezeichnen wie er aus ganz einfachen Mitteln das Beste herausholt, den Genialität liegt für mich in der unkomplizierten Einfachheit der Dinge und Fähigkeit daraus aus Scheiße Gold zu machen.

    • Profilbild
      Ghostwalker  

      korrigiere ..“ Sie Leben “ ist für mich Carpenters genialster Film…einer dieser Perlen aus Hollywood die kaum verstanden komplett unterschätzt wurden und der Film sich damit selbst bestätigt. Eine nette Doku zu Carpenter die den interessanten hier Artikel ergänzt https://youtu.be/1756Diw6dII

      • Profilbild
        TobyB  RED

        Ich empfehle dazu die von Carpenter gesprochene Doku, The Rise of the Synths. Die widmet sich ausführlich den Themen Darkwave, Synthwave, Horror und Synthies. Gibts sogar oldskool als VHS. VHS mag komisch klingen, macht aber Sinn. Als Referenz zu Tapeloops und der Videothek.

  8. Profilbild
    costello  RED

    Danke für die schöne Carpenter-Story. Meinen Lieblingsscore habe ich allerdings gar nicht entdeckt: Das „dam dada dadam“ aus „Assault on Precinct 13“. Carpenter hatte einen unglaublichen Einfluss und dass Synthesizer und Horror gut zusammengehen, konnte man zuletzt bei „Stranger Things“ gut hören.

    • Profilbild
      Codeman1965  

      Das ist das Erste, was mir einfällt, wenn ich den Namen „Carpenter“ höre…!
      Bisher musste noch jeder Synth bei mir früher oder später für dieses Theme herhalten.
      Hat sich aber nicht auf Allen gut angehört… :-)

      • Profilbild
        TobyB  RED

        Ich hatte wirklich zufällig das Glück 2018 Carpenter in London live zu sehen. Dort bestand sein Setup aus Apple Macbook Pro mit Mainstage und einem schwarzen Yamaha MX49 Kein Prophet oder Moog auf der Bühne. Hat aber tatsächlich sehr gut funktioniert. :)

    • Profilbild
      iggy_pop  AHU

      „dam dada dadam“ wurde später dann von Mark Shreeve als Disco-Single verwurstet — über viele Jahre ein fester Bestandteil von Shreeve- und Redshift-Konzerten.

  9. Profilbild
    nativeVS  AHU

    Keine erwaehnung von Alex Ball und seiner genialen video analyse und interview mit Alan Howarth zur Klapperschlange?

  10. Profilbild
    manomym  

    Fürsten der Dunkelheit OST ist auch cool. Film gibts gerade (auch OV mit franz. UT) (12.6.2021) in der Arte Mediathek. Der Film ist leider quatsch, aber die Musik ziemlich gut.

  11. Profilbild
    mdesign  

    escape from new york (deutsch ‚die klapperschlange‘, was ein unpassender und unnötiger titel, der titelheld snake trägt schließlich ein kobra-tattoo) war mal mein lieblingsfilm. als ich ihn kürzlich allerdings wieder – wohl zum zwölften mal – geguckt habe, musste ich feststellen: er ist nicht gut gealtert. das gilt jedoch nur für das drehbuch mit seinen zu simplen charakteren und der vorhersehbaren, platten story. die musik ist immer noch über jeden zweifel erhaben. mehr noch: der film wäre mit den heute üblichen überdramatischen orchesterorgien, die inzwischen auch für jede doku über maulwürfe herhalten müssen, gar nicht denkbar. hier macht die musik den film, machen synthetische klänge die atmosphäre. carpenter und howarth haben da maßstäbe gesetzt. chapeau.

  12. Profilbild
    rio  

    Vielen Dank für diesen sehr unterhaltsamen Artikel. Diesen habe ich, wie meine Vorredner, mit Genuss verschlungen ;)

  13. Profilbild
    MHSMike  AHU

    Vielen Dank für diesen wunderbaren Artikel. Endlich hat sich jemand mit Sachverstand damit beschäftigt.
    Für mich war Carpenter, vor allem sein Film „dark star“, der Held meiner Jugend. Mit ca. 14 Jahren kam bei mir der Berufswunsch Kameramann auf und nach dem Erscheinen von „dark star“ und später „Assault on Precinct 13“ waren alle anderen Möglichkeiten unwichtig geworden. Tatsächlich habe ich diesen Weg dann auch gewählt. Nach einer harten Ausbildungszeit habe ich letztendlich mein Ziel erreicht und jetzt, Jahrzehnte danach, merke ich immer noch den Einfluss seiner Bilder. Die waren mir immer präsent und beeindrucken mich noch heute. Den Einfluss seiner Filmmusik auf mich habe ich seltsamerweise erst später erkannt, wahrscheinlich weil ich zuerst so auf das Bild fixiert war. Tatsächlich ist es aber die ideale Synthese, die man wohl nur so perfekt erschaffen kann, wenn man sich in beiden Welten so emotional und gleichzeitig technisch perfekt ausdrücken kann.
    Ohne Carpenters Filme und seine Musik wäre mein Leben wahrscheinlich anders verlaufen. Ich bin sehr dankbar darüber, dass ich das Werk von Carpenter zu einer wichtigen Zeit in meinem Leben erfahren durfte.

  14. Profilbild
    paap narF ZK  

    nice. mich hatte immer der minimalismus der eingangsszenen in „the thing“ beeindruckt, weil da musik und bilder einfach die gleiche sprache hatten. und morricone wirkte seinen teil dazu ein.

    sehenswert zum artikel die doku „big john carpenter“in der arte-mediathek.

  15. Profilbild
    fanatic  AHU

    Assault on precinct 13……. omg…..
    Gibt es ein besseres Beispiel für „mit wenig Mitteln das Maximum herausholen“?
    Mehr als 4 Spuren braucht kein Mensch….
    Schön das dieser Minimalismus hier so gewürdigt wird.
    Habe eben kurz reingehört und tatsächlich, die Gänsehaut kommt nach dem Einsatz der simplen Strings nach wie vor.
    Puuuuuuh

  16. Profilbild
    Sven Rosswog  RED

    Natürlich sind die elektronischen Stücke die besten, aber das epische Blues Intro von They Live ist einfach der Hammer. They Live ist auch mein absoluter Favorit als Film. Es muss aber auch gesagt werden, dass fast alle Ideen von Crapenter bis heute recycelt werden. Musikalisch und Filmisch. Die Ideen sind einfach der Hammer. Unvergessen ist auch der Cameo Auftritt von Alice Cooper in The Prince Of Darkness.
    Zu erwähnen wäre noch, dass Carpenter auf dem Electronica 1 Album von Jarre vertreten ist, natürlich lautet der Titel A Question of Blood.

  17. Profilbild
    Sven Blau  

    Ich hätte schwören können, dass der Bass aus dem Intro von „Das Ding“ ein Moog 15… dann wohl doch ARP.

    Danke für den Artikel.

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    Toni

    Die Karriere von Carpenter ist wirklich ein Rätsel. Anfangs einen Hammerfilm nach dem anderen gedreht (Dark Star – Assault – Halloween – The Fog – Snake – The Thing), ab „Christine“ allmählich ins Mittelmaß abgedriftet, irgendwo in den 90ern vollkommen sein Talent verloren, und in den letzten 20 Jahren praktisch keine Filme mehr gedreht. Die Musik von Carpenter schneidet jedoch bis heute wie ein Messer durch die Filmgeschichte. Unglaublich prägnant und eindringlich ist sie meilenweit entfernt von der aufgeblähten Mainstreampampe heutiger Hollywoodfilme.

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      Markus Galla  RED

      Ich glaube, dass Carpenter dem Fluch des Multitalents erlegen ist. Bei Multitalenten ist es oft so, dass diese schnell auch zu Kontrollfreaks werden. Wenn man von allem irgendwie Ahnung hat, ist es schwer, andere einfach machen zu lassen. Storywriting, Regie, Filmmusik usw. aus einer Hand sind doch eher selten. Carpenter war von Anfang an auch jemand, der mit geringem Budget auskommen musste. Er ist in das Horror-Genre reingerutscht und gerade dieses hat sich in den 1990ern stark verändert: Weg vom Suspense hin zum Splatter ohne Story. Gleiches gilt für SciFi. Elektronische Musik war plötzlich auch nicht mehr gefragt. Wenn man Interviews mit ihm liest, erzählt er oft, dass er Angebote ausgeschlagen hat, weil ihm dieses oder jenes nicht gefallen hat. Meistens ging es um Filme, bei denen er als Regisseur gebucht war. Oft hat er die Story und die Charaktere kritisiert. Das dürfte bei seinen Auftraggebern nicht gut angekommen sein. Und bei den Filmen mit großen Budgets reichen halt ein oder zwei Flops, um das Vertrauen der Studios zu verlieren. Genau das ist ihm passiert. Er wurde eher ins Mittelmaß gedrängt. Ich glaube, dass er eher ein kreativer Geist ist, der Visionen hat und dann am besten funktioniert, wenn er alles selbst in der Hand hat. Genau das geht aber in Hollywood nicht mehr.

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    dAS hEIKO  AHU

    Ich hab mir damals das Album „the Music of John Carpenter“ gekauft, auf dem Carpenter mit seiner Splashband die Titelmelodien etwas progressiver verewigte. Auch die Musik zu „Das Philadelphia Project“, bei dem Carpenter ja „nur“ Produzent war, hatte ich als 12inch.
    Wenn man Synthmusik aus den 80ern sucht, gehört Carpenter in eine Reihe mit Georgio Moroder, Silvio Pozzoli oder dem jungen Harold Faltermeyer. Und obwohl der Sound auch damals schon etwas „Cheezy“ war, hatte er etwas.

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