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Interview: Lloyd Cole und Weinglas live in Hamburg

(ID: 172519)

Lloyd Cole eröffnete als erster mit einem sich entwickelndem zarten Stück aus seinen beiden Make Noise Systemen, das die Ohren umschmeichelte und klar die Richtung des Abends vorgab, hier geht es um Loops, Pattern und Sequenzen, die zwar für den Augenblick gemacht sind, aber sich dennoch als Klangbild festsetzen und nachklingen.  Hier und dort eine repetitive Sequenz mit Tupfern, die man meint zu kennen und sich dennoch in eine Richtung geht, die überrascht. Generell sperrt sich diese Art von Musik in eine Einordnung, klare vom Pop kommende Songstrukturen suchen wir vergeblich. Elemente aus ambienter Musik sind vorhanden, aber hier entsteht was Eigenes. Etwas was sich zur Laufzeit entwickelt und sich durch Interaktion Künstler und Maschine zu etwas Persönlichem wird. Hier halt die musikalische Vision von Lloyd Cole und das Make Noise System als Klangwerkzeug. Dieses erste Stück klingt wie ein zarter, pastellfarbener Frühlingshauch und öffnet die Ohren für die erste Performance von Weinglas.

Weinglas auf der Bühne - 2

Weinglas auf der Bühne – 2

Weinglas eröffnet mit dem kompletten Gegenteil, akustisch eine Dystopie, kommen tiefe, schwere Frequenzen daher, die uns aus dem Frühling in einen dunklen, unbestimmten Raum schicken. Hier gibt es kaum Struktur, die sofort greifbar ist. Der Hörer wird hier auf eine andere Art und Weise gefordert. Dennoch wirken der Kontrast zu Lloyd Cole und es funktioniert. Jeder für sich und beide zusammen. Weinglas nutzt hier sein Buchla System mit diversen Controllern und arbeitet hier eine Struktur in den akustischen Raum. Hier gibt nur das Fortschreiten der Zeit einen Rahmen zur Orientierung. Pattern und Loops wiederholen sich in der ersten Performance kaum und dementsprechend fällt es dem unerfahrenen Hörer schwer, hier etwas zu greifen. Haben wir etwas gegriffen und erhört, verschwindet es wieder und Weinglas zaubert aus seinen Systemen überraschende Elemente.

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So unterschiedlich beide Künstler sich auch anhören und auch anfühlen, hier Weinglas mit kräftigen und dunklen Tonfarben und auf der anderen Seite ein zarter melancholischer Hauch von musikalischen Emotionen und Gedanken, man muss sich darauf einlassen.

Lloyd Cole auf der Bühne

Lloyd Cole und Weinglas auf der Bühne

Lloyd Cole kommt zwar mit einer oberflächlich betrachtender Leichtigkeit daher, aber seine Anspannung und das Werk verraten uns, dass hier Tiefe gesucht, gewollt und geliefert wird. Weinglas geht den umgekehrten Weg auf Lloyd zu. Hinter der harten Oberfläche finden wir Tiefe. Beide arbeiten mit ihren unterschiedlichen Modular-Systemen komplett anders, finden sich aber immer wieder.

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Einlassen, das große Wort des Abends. Zum einen auf den Resonanzraum, einen sparsam eingerichteten Raum, der nur wenige Blickfangpunkte bietet, eine sparsame Beleuchtung, die den Hintergrund der Bühne in ein zartes violett und blau taucht. In der Summe werden die Augen und Ohren auf das Geschehen auf der Bühne fokussiert. Die Beschallung erschien auf den ersten Blick überdimensioniert. Aber der Resonanzraum heißt nicht ohne Grund so. Dennoch war hier der Klang hervorragend.

Die Pausen zwischen den einzelnen Performances wurden wechselseitig von Lloyd Cole und Weinglas immer zum Umpatchen genutzt. Der Abend ist schließlich eine Unterhaltung zweier Künstler und das Modular-System ihr Sprachrohr.

Lloyd Coles Herzstück zwei  Make Noise und Monome Systeme und drei Effektpedale, alles getrieben von einem effektiv arbeitenden Sequencer und zwei Grindcontrollern. Weinglas‘ Herzstück ein Buchla System, ein „FM Radio Modul“ und diverse Controller für verschiedenste Modulations- und Ausdrucksformen.

Weinglas Buchla

Weinglas Buchla

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Forum
  1. Profilbild
    weinglas

    Vielen Dank Toby für Deinen schönen Bericht! Es war wirklich ein tolles Erlebnis!

    Vielen Dank auch an den großartigen Lloyd und die wunderbaren Leute von der Elbphilharmomie!

  2. Profilbild
    AMAZONA Archiv

    Beide Daumen hoch für Weinglas, war bestimmt ein überdauernder Moment!
    Audiolinks zum Set des Abends?
    @toby
    Warum wirfst du bei den Fragen immer dein Live SetUp ein?

    • Profilbild
      TobyB RED

      Hallo Tom,

      ich bin Oldskool mit Papier, Stift vor Ort gewesen.

      Ich glaube es ist für Leute die nicht wissen, was Lloyd Cole, neben The Commotions nicht unbedingt nachvollziehbar, warum er mit modularen Synths unterwegs ist. Da du auf seinen Platten alles von TR-808, Oberheim, Juno, Jupiter, Matrix neben den Gitarren und Bass, Schlagzeug hörst. Und insofern bin ich mal von mir ausgegangen, habe verglichen und eine Frage gestellt, welche Lloyd und Weinglas beantworten. Zum anderen sassen da ja auch 3 Musiker beim Bierkränzchen.

      • Profilbild
        AMAZONA Archiv

        @Bierkränzchen
        Prost …

        und doch empfinde ich dein in den Vordergrund gerücktes SetUp völlig konträr.
        Roland billig Plastikschleudern vs. Modular?
        Das sind nicht nur künstlerisch zwei Welten. ;)

        • Profilbild
          TobyB RED

          Gruezi Tom,

          polarisieren ist gut. Und muss sein. Lloyd hat ja nun in Folge meiner Fragen seinen Standpunkt erläutert. Was okay ist. Und sie es mir einfach nach das ich per ich gesprochen hab.

          ToB

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