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Test: Acidlab Miami, Drumcomputer


Welcome to Miami

Erinnerungen werden wach. Ein aalglatter Don Johnson auf dem Speedboat, Blondinen unter Palmen, böse Drogenbosse vor der Skyline Miamis, die von der untergehenden Sonne in ein warmes, goldenes Licht getaucht wird. Dazu der unvergleichliche Soundtrack von Jan Hammer. Synth Pop vom Feinsten. Die Serie Miami Vice bot 80er Ästhetik in Reinkultur.

Acidlab Miami

Acidlab Miami

Anfang der 80er schlug die Stunde der Drummachines, wobei damals wie heute zwei gegensätzliche Ansätze verfolgt wurden: Auf der einen Seite die Sample-basierten Sequencer von LinnDrum oder E-mu und auf der anderen analoge Drummachines, die mit Hilfe von Rauschgeneratoren, Oszillatoren, Filtern und Hüllkurven perkussive Töne von sich gaben. Das klang dann mehr oder weniger wie ein Schlagzeug. Sobald es darum ging, ein natürliches Schlagzeug zu emulieren, waren die Drummachines ihren Sampling Kollegen jedoch hoffnungslos unterlegen. Doch wie schon so oft in der Geschichte setzte sich das vermeintlich Inferiore durch. Analoge Drumcomputer prägten neue Stile und wurden Kult. Ein Name sticht dabei hervor: die 808 einer eher kleinen Firma aus Japan, die sich den kuriosen Namen Roland gab.

Ans Eingemachte

Die kleine, deutsche Firma Acidlab hat in der Vergangenheit mit sehr gelungenen Nachbauten von 606, 909 und TB-303 für Aufsehen gesorgt. Es war wohl nur eine Frage der Zeit, bis sich Klaus Süßmuth, der Mann hinter Acidlab, der allerkultigsten Maschine, der TR-808, widmete.

Roland TR808

Roland TR-808

Für diesen Test bat ich einen alten Kumpel, Sebastian Thümmel alias Zeebie, um Hilfe. Nicht dass mir die Miami zu kompliziert wäre, doch bin ich eben kein Kind des Hiphop und habe nie auf einer originalen 808 gespielt. Was mich als (Jazz-)Musiker interessiert, ist vor allem eines: Klang und Groove, während Sebastian den Vergleich zum großen Vorbild ziehen kann. Und so bin ich sehr gespannt, wie sich der einwöchige Aufenthalt der Acidlab Miami auf unsere musikalische Kreativität auswirkt.

Aufbau

Die Acidlab Miami folgt in ihrem Aufbau dem Vorbild der 808 und bietet von links nach rechts: Bass Drum, Snare, drei Toms respektive Congas, Rim Shot oder Clave, Hand Clap oder Maracas, eine Glocke (Cow Bell), Becken (Cymbals) sowie eine offene und geschlossene Hihat. Auf der Rückseite zwei MIDI-Buchsen, ein Accent Out über Miniklinke, der Anschluss für ein externes Netzteil sowie eine Reihe von Einzelausgängen. Elf an der Zahl als große Klinke. Eine Mono-Summe gibt es übrigens auch. Sie führt alle Signale, die nicht einzeln abgegriffen werden. Die Acidlab Miami ist in etwa halb so groß wie eine 808, steht sicher und rutschfest auf dem Tisch und fühlt sich sehr hochwertig an. Die Stromversorgung erfolgt über ein mitgeliefertes 14 Volt Netzteil.

Keep it stupid and simple. Die Ingenieure von Roland haben sich damals wohl einiges überlegt, als sie das übersichtliche Interface der 808 entwarfen. Die Miami kopiert das Konzept beinahe eins zu eins, nur sind einige Bedienelemente auf die rechte Seite gewandert. Schade ist, dass der Tempoknopf kleiner ausgefallen ist und jetzt etwas weniger feinfühlig justiert werden kann. Ein nicht zu unterschätzendes Detail. Hingegen sind die Lautstärke- und Editierpotis etwas größer als beim Original, mit angenehmem Drehwiderstand.

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Klangbeispiele

  1. Profilbild
    dilux AHU

    acidlab macht seit jahren einen super job und wer auf der suche nach einer 808 ist, kann (fast) bedenkenlos zur miami greifen und viel geld sparen. den sequencer der miami gibt es auch standalone mit triggerouts.
    die namensgebung ist natürlich nicht von einer kultserie der 80er beeinflusst, sondern von der vielleicht nicht ganz so bekannten hip hop-spielart miami bass.
    ich bin auf jeden fall ein grosser fan von acidlab – und selbst besitzer einer drumatix – und schon sehr gespannt auf die detroit, die ja anscheinend mehr editfunktionen bietet als ihr vorbild!
    p.s. welcher praktikant von roland deutschland hat den damals diese anzeige gesetzt, DAS 808????

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    Wellenstrom •••

    Muss nicht peinlich sein. Der Ursprung des Namens ist der gleiche. (siehe Johannes)
    Hast eben nur aus ’nem Tschechen ’nen Schotten gemacht. ;-)

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    simonstein

    Dass die Drucktaster manchmal nicht wollen, kann ich bestätigen! Erwähnenswert finde ich, dass sogar die 3. Hi-Hat ( CH+OH auf einem Step ) mit an Bord ist. Da hat wirklich jemand mitgedacht! Hut ab, Herr Süßmuth!

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    digital-synthologie ••••

    Wirklich ein würdiger Nachfolger der 808. Ein Freund hat eine Miami und wir haben sie auf einigen Tracks verwendet.

    Es gibt genug dran zu drehen, um den Klang im Track zu ändern, damit es lebendiger klingt. Aber man kommt nie aus den typischen 808-Klang raus. Und das ist nicht negativ gemeint. Die Klänge funktionieren auch einfach so out-of-the-box, ohne, dass man viel nachbearbeiten muß.

    Und gegen den Klang ist die TR8 von Roland ein Witz.

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    amazonaman AHU

    Ich war noch nie ein Wellenreiter, aber mit den Instrumenten ist es wie mit Musikhits, sie unterliegen einer gewissen Mode. Momentan trudeln hier Kloppkisten herein als hätten sie sich gerade vor der Tür versammelt und einer hat sie alle herein gerufen! Also greift zu meine Damen und Herren, zapft is! Ich schwimm derzeit mal wieder gegen den Strom wie so oft. Viel Spaß ihr Mainstream Wellen Reiter….Inzwischen probiere ich es mal mit 1 Pfund für 5900 sounds http://www.....ms/pid100/

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      mysputnik07

      Es heißt nicht „zapft is“ sondern „o’zapft is“. Soviel Zeit muss sein, wenn man sich schon bayerischen Kulturgutes bedient!

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    Everpure

    Schön, dass die 909 (aka Detroit) schon erwähnt wird, obwohl sie noch gar nicht erschienen ist. ;)

    Ich schleiche schon seit Jahren um die Miami herum, aber um ehrlich zu sein, ich hätte auch gerne Stereo Main Out und ein paar mehr Tuning und Decay Regler. Leider ist die neue Arturia DrumBrute alles andere als überzeugend im Grundsound…

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      Martin Andersson RED

      Die Miami hat einen fantastischen Klang, der leider keine großen Variationen zulässt. Doch was er kann, kann er richtig gut. Deshalb fällt es nicht so schwer, sich damit zu arrangieren.
      Stereo Outs wären allerdings sehr praktisch. Ich denke, dass hier das Ziel war, möglichst nahe am Original zu bleiben.

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      digital-synthologie ••••

      Elektrons Analog Rytm bekommt die 808-Sounds auch einfach hin. Und bietet genug Möglichkeiten, um auch ganz änders zu klingen. Und kann nebenbei auch Samples. Und auch wie eine 909 zu klingen, ist leicht. Und Stereoouts mit hall und Delay und Kompressor.

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        Everpure

        Derdiedas Rytm kostet aber auch deutlich mehr und ist im Workflow nicht so direkt wie die 808/Miami. Hat eben auch einen anderen Fokus. Wenn, dann wäre der Tanzbär noch eventuell vergleichbar, klingt aber meiner Meinung nach deutlich anders und auch für mich nicht so überzeugend.

  10. Profilbild
    Son of MooG AHU

    Für solch einen Preis hätte ich gerne auch ein Tune-Poti für Bass- &Snare-Drum sowie mehr als nur eine verwendbare Swing-Einstellung. Der DrumBrute gefällt nicht jedem, mir aber schon.

  11. Profilbild
    iggy_pop AHU

    „Inferiore“ — das muß ich mir merken.
    KISS“ heißt die Formel: Keep it simple, stupid — halt es einfach, Blödmann.
    Blöde Lösungen sind in der Regel nicht einfach – davon ist die Synthesizergeschichte bis zum Rande gefüllt.
    Die Triggerausgänge der 808 werden gerne übersehen, aber im Zusammenspiel mit modularen Systemen und Sequenzern sorgen sie für die Extraportion funk im Groove.
    Wenn man das so sagt.

  12. Profilbild
    DuncanMcDope

    hach , wie das groovt , mein nacken schmerzt =P
    schönes gerät , aber leider nicht sehr erschwinglich.
    aufjedenfall wird das gute stück mal angetestet

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Test: MFB 522 Drum-Module, Eurorack Module

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Edgar Möller RED
am 22.05.2017 22:50 Uhr
Ich habe auch den Dual LFO von MFB hier, und rein gefühlsmäßig würde ich sagen, dass die hier getesteten Module etwas robuster wirkten. Die Knöpfe sind zwar nicht mit der Frontplatte verschraubt, aber weniger wackelig.
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