Test: Anyware Moodulator, Analog Synthesizer

23. März 2016

Analog-Synthese aus dem Hunsrück

Einzelkämpfer gibt es immer wieder. Hinter Anyware Instruments steckt Thomas Welsch aus Fischbach. Das liegt bei Idar-Oberstein. Kennt das jemand? Im Hunsrück. Zwischen Frankfurt und Trier.

Einige wissen vielleicht vom Modular Synthesizer Meeting Happy Knobbing, das seit 2006 an Pfingsten stattfindet. Dort wurde auch der Moodulator das erste Mal gezeigt und sogar schon an den ersten Interessenten verkauft. Das alles „läuft“ ungeheuer familiär und persönlich ab. Der bekannteste Synthesizer von Thomas Welsch dürfte heute der Tinysizer sein, der in etwa die Größe eine Laptops hat. Trotz seiner 320 Patchbuchsen ist er wirklich klein und wurde von Gareth Jones, dem bekannten britischen Produzenten (Depeche Mode, Erasure etc.) mit einem Vorwort bedacht. Er hatte ihn ins Herz geschlossen, da er portabel und kompakt ist.

Es wurde Zeit für ein neues Instrument, den Moodulator. 2015 zeigte Anyware „uns“ und mir das neue Gerät auf dem schon erwähnten „Happy Knobbing“ Synthesizer-Meeting, das dieses Jahr sein zehntes Jubiläum hat. Das war nicht nur der erste Prototyp, sondern gleich zwei davon. Er ist ein Desktop-Synthesizer. Er ist bewusst nicht modular, aber weiterhin hochwertig in seiner Gesamterscheinung. Die Knöpfe sind fest und jede Berührung damit signalisiert hohe Qualität. Er bietet die wichtigsten analogen Anschlüsse für die Steuerung an, ist aber sonst eher gewöhnlich auf den ersten Blick. Auffälliger sind da schon die Ausgänge für das Modulationsrad, die Anschlagdynamik und das obligate Gate/CV-Paar. Diese kommen direkt aus dem MIDI-Interface, das auch geeignet ist, andere analoge Synthesizer zu steuern oder parallel mitlaufen zu lassen.

Moodulator

Das Gehäuse ist aus Metall und stabil. Das Layout ist generell recht einfach zu verstehen, jedoch gibt es einige Überraschungen für ein Gerät dieser Art. Sehr gut ist, dass die Steuerung durch die Anschlagdynamik nicht vergessen wurde. Dies gilt für den richtigen Teil des Synthesizer, nämlich die Hüllkurven, die davon beeinflusst werden. In einer Zeit, in der minimale Ausstattungen selbst von wirklich großen Firmen wie Korg keine Dynamik haben, ist es sehr schön zu sehen, dass es auch und gerade von wesentlich kleineren Ein-Mensch-Fabrikanten clevere Ideen gibt. Während Korg den MS20 Mini und MS20M sowie den Odyssey ohne Dynamik belassen, gibt es hier aber noch weitere schöne Details. Die beziehen sich nicht nur auf MIDI, sondern auch auf die Umsetzung der Modulationsmöglichkeiten und sind in Desktops dieser Art eher selten. Es gibt einen Sidechain-Eingang für die Steuerung der FM und damit einer größeren Ausdrucksstärke per Modulationsrad. Übrigens kam mir auch zu Ohren, dass es eine interessante Variante dieses Instruments geben könnte, was allerdings noch nicht spruchreif ist und vermutlich den Besuchern des Modularmeetings zuerst präsentiert werden wird. Aber kommen wir doch gleich zur Klärung der Grundstruktur des Anyware Moodulators.

Von links nach rechts

Das Gerät hat eine Vorwahl der Grundfrequenz auf der linken Seite nebst Oktavschalter, die jedoch nicht für beide Oszillatoren getrennt vorgesehen sind. Das Tuning und Glide wird ebenfalls hier eingestellt, die Stimmung des zweiten Oszillators hingegen wird fließend und manuell justiert. Das ist erstaunlicherweise nicht so schwer wie bei vielen anderen – aber es ist dennoch stufenlos. Auch der Sync-Schalter befindet sich hier, weil er genau oben rechts genug Platz fand. Als Basis haben die beiden Oszillatoren Rechteck oder Sägezahn zur Wahl. Die Pulsbreite des Rechtecks des ersten Oszillators wird direkt dort „vor Ort“ eingestellt und ist mit PWM überschrieben.

Der Grund dafür ist, dass tatsächlich bereits eine Modulation durch den LFO oder die Lautstärkenhüllkurve erfolgen kann. Es ist auch möglich, per Modulationsrad die Modulation des LFOs auf die Pulsbreitensteuerung des ersten Oszillators wirken zu lassen. Dem PWM-Knopf an die Seite gestellt ist die „Oszillators-FM“, die mit „Vibrato“ besser beschrieben wäre. Die drei Methoden können für die gesamte Steuerung der Tonhöhe beider Oszillatoren genutzt werden und der schon erwähnten Pulsbreitensteuerung, jeweils getrennt regelbar. Die Tonhöhe des zweiten Oszillators kann gute 3 Oktaven vom ersten verschieden sein. Wem die Pulsbreitenmodulation und die getrennte Ansteuerung der beiden Oszillatoren fehlt, findet sie rot unterlegt weiter rechts als Ziele für die AD-Hüllkurve. Das gilt für die fehlende Tonhöhen-Steuerung sowie der Pulsbreite für den zweiten Oszillator.

Zusammenfassend gibt demnach eine Modulationsmöglichkeit für Pulsbreitensteuerung und die Tonhöhen der einzelnen Oszillatoren über eine Hüllkurve sowie über den LFO, die man erst auf den zweiten Blick bemerkt. Sie sind nur an der Modulationsquelle platziert und deshalb könnten hastige Bedienaufschriftbetrachter vermuten, der Moodulator sei nicht vollständig ausgestattet. Es gibt keine obertonarmen Schwingungsformen wie Sinus oder Dreieck, die für FM und Ringmodulation durchaus puristischere Ergebnisse liefern würden. Aber richtig, es gibt Ringmodulation und Filter-FM. Die Ringmodulation ist alternativ zu weißem oder rosa Rauschen schaltbar. Beide Oszillatoren haben jeweils Rechteck-Suboszillatoren, die den Klang eine Oktave unterhalb des jeweiligen Oszillators bereichern. Eine Oszillator-FM lässt sich nur sehr indirekt über die geloopten und schnell eingestellten Hüllkurven bewerkstelligen. Das ist jedoch keine FM von Oszillator zu Oszillator, sondern einfach ein Trick der sehr durchdachten Modulationsquellen, nämlich…

Moodulator - Hüllkurven

Moodulator – Hüllkurven

LFOs, Hüllkurven und Beweglichkeiten

Zur Linken unterhalb des Oszillators findet man den LFO, der drei Frequenzbereiche hat. Seine Schwingungsformen sind mit Dreieck, Rechteck und Sample & Hold ungewöhnlich gewählt und pragmatisch sinnvoll. Für einen LFO ist das Dreieck sicher die wichtigste Schwingungsform, um harmonische Bewegungen zu erhalten. Deshalb hat man keinen Sägezahn, sondern Dreieck und Rechteck gewählt. Rein technisch hat man den Aufwand einer („Sample & Hold“) Zufallsschaltung nicht gescheut, was in Geräten dieser Art und so vollständig analog umgesetzt eher selten ist und daher ein schönes Detail ist. Heute werden gerade LFOs und nicht selten auch Hüllkurven schon digital generiert, bei Anyware jedoch ist alles pur analog. Die Regelbereiche sind mit drei Frequenzbereichen gut gelöst und ebenfalls typisch für Anyware.

Wie schon erwähnt, kann der LFO per Modulationsrad eingeblendet werden. Das gilt auch für die Filter-FM, die eine eigene Abteilung in der Mitte des Gerätes findet. Sie ist für den experimentellen Teil des Klangrepertoires zuständig. In der Mitte ist auch der Hauptlautstärken-Knopf zu finden. Die Filter-FM kann über den LFO, das Rauschen sowie über den zweiten Oszillator gesteuert werden, womit Anlehnungen an das Konzept des Minimoogs durchaus nahe liegen. Filter-FM bedeutet im heutigen Sprachgebrauch die Fähigkeit, das Filter durch einen Oszillator steuern zu können. Hier ist es jedoch eine von drei Optionen. Das Rauschen ist über diesen kleinen Trick auch mit gleichzeitiger Ringmodulation nutzbar, denn der Rauschgenerator hat auf das Filter angewendet ähnliche Eigenschaften wie direktes Rauschen. Durch die Resonanzstärke lässt sich jedoch darauf noch Einfluss nehmen. So ist die Reduktion der Wahl zwischen Rauschen und Ringmodulation nicht mehr so schwierig. Die Filter-FM-Wirkung selbst wird direkt über den entsprechend auffällig schwarz unterlegten Knopf justiert.

Sie kann jedoch über die AD-Hüllkurve oder über das Modulationsrad gesteuert werden. Die mittig und ebenfalls schwarz unterlegte Hüllkurve ist generell immer für spezielle Modulationszwecke da und auch sie hat eine eigene Steuerung des Pegels über das Modulationsrad, die dann für die Dosierung der Modulationen im unteren und rot unterlegten Bereich zuständig ist. Die Parameter sind alle direkt mit Ringmodulation, Sync und somit den „höheren“ Modulationsarten verbunden, genauer gesagt den entscheidenden Oszillatorfrequenzen. Die beiden anderen Hüllkurven sind als ADSR-Typ ausgelegt und für die Steuerung des Filters und der Lautstärke zuständig. Alle drei Hüllkurven bieten einen speziellen Loop-Modus an. Dann wirken sie jeweils als LFO. Es gibt zwei solche Loop-Modes, der zweite startet, wenn eine Taste per Gate-Signal oder MIDI gespielt wird.

So kann jeder der drei Hüllkurven wie ein LFO eingesetzt werden. Sicherlich können sie keine Rechteck-Form aufbauen, aber Dreieck ist kein Problem. Für Texturen und Drones ist ein Synthesizer mit diesen Möglichkeiten auch ohne Tastatur enorm flexibel. Die Wahl, ob eine Hüllkurve ein LFO ist oder umgekehrt, ist somit nur beim LFO selbst nicht frei, denn der erlaubt keinen „One-Shot“ Modus. Es wäre gar nicht schlecht, wenn LFOs und Hüllkurven auf diese Weise schnell umfunktioniert werden können, denn dann würde es ihnen einen flexibleren Einsatzbereich bescheren. Besonders, wenn man live patcht. Bisher haben primär Buchla und Clavia mit dem A1 eine ähnliche Denkweise umgesetzt. Ebenso findet sich diese Idee im Madrona Labs Aalto oder auch in einigen MFB Synthesizern. Technisch ist diese Option durch einen Schalter mit 3 Positionen eher einfach zu implementieren, weshalb man sich fragt, wieso das nicht noch viel mehr Hersteller so machen. Gelegentlich findet man auch One-Shot-LFOs, die nach einem Durchlauf als einfache Hüllkurve dienen können (z.B. MFB). Es ist übrigens selten, dass so eine Hüllkurve als LFO dauerhaft durchläuft, sie wird bei den anderen Anbietern durch die Bank per Gate-Signal gestartet.

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Dynamik und Details

Die Dynamik der Filterhüllkurve kann über einen eigenen kleinen Einsteller justiert werden. Das ist auch die mit Abstand sinnvollste wie effektivste Einsatzmöglichkeit der Anschlagdynamik. Für die Lautstärke-Hüllkurve lässt sie sich ebenfalls anwenden. Alternativ dazu kann der VCA auch dauerhaft offen gehalten werden (Amp Mode Schalter für Drones) und da es den oben erwähnten Loop-Modus gibt, bringt das eine interessante „ungleichmäßige Note“ hinzu, wenn die Lautstärke durch eine „rotierende Hüllkurve“ im LFO- oder Gate-LFO-Modus verwendet wird. Als besondere Zugabe kann das Decay seitens eines beliebigen Controllers gesteuert werden.

Er ist per MIDI-Learn-Funktion dem Moodulator beizubringen. Idealerweise könnte allerdings auch die Anschlagdynamik dafür sorgen, denn die Hüllkurve könnte einfach schneller werden, wenn man fester spielt.
Das Filter ist ein Tiefpass mit 24 dB pro Oktave und ist damit ganz klassisch angelegt. Es bietet auch ein Keytracking an. Es ist in der Lage, selbst zu schwingen durch hohe Resonanzwerte und klingt nicht weniger als hervorragend. Der Klang ist sicher am besten mit „Moog-ähnlich“ beschrieben. Zum Klang selbst gibt es weiter unten einen eigenen Abschnitt.

Zum Ende kann man noch ein kleines Detail nennen, das optisch ein wenig krypisch ausgeführt ist, jedoch eine deutliche Wirkung hat. Das ist der Charakter-Schalter in der Mitte des Geräts. Die „Schnelligkeit“ wird damit beschleunigt, technisch ist das eine Umschaltung zwischen linearem und exponentiellem Verlauf. Damit bekommen alle drei Hüllkurven mehr „Punch“ und „Impact“. Manche Hersteller machen dies am VCA (Verstärker) zugänglich, hier sind es die Hüllkurven. Das ist eher selten bei Geräten dieser „einfacheren“ nicht modularen analogen Art.

  • Technische Vorteile sind:
    – die Loopfunktion (Hüllkurven) und
    – die Möglichkeit das Decay zu modulieren sowie
    – das Konzept der Modulation der Modulation per AD oder LFO anhand
    der „roten“ Minipotis (praktisch/übersichtlich)
    – Sidechains / Modwheel

Technik-vs-Musik und die Anderen

Soweit sind die technischen Realitäten beschrieben. Was kann man damit anstellen? Der Klang des Moodulators ist absolut breit und fett. Er erinnert aufgrund seines Filters an den Klang von Moog Synthesizern. Diese Kraft wird durch die massiven Oszillatoren deutlich unterstützt. Sie klingen mittig-erdig und solide und sind durch die beiden Suboszillatoren auch mit dem notwendigen Druck von „unten“. Am Filter stellt sich eine sehr organische Grundverhaltensweise positiv dar. Der Sounds ist einfach überzeugend. Auch mit Resonanz behält der Synthesizer Kraft im Bass und dünnt nicht aus. Erst im letzten Segment des Resonanz-Knopfs spürt man auch eine Ausdünnung des Gesamtsounds. Das ist für die meisten Musikstile ein sehr positives Verhalten. Der Grundsound insgesamt ist damit als gutmütiger, kräftiger Bär und kann sowohl niedlich als auch dominant sein. Gerade in Zeiten, wo aktuelle Moog-Angebote deutlicher ausdünnen und Oberheim nicht mehr so „bekannt“ ist, speziell unter jüngeren Produzierenden, ist das Gerät des Ein-Mensch-Unternehmens Anyware eine interessante Alternative zu diversen aktuellen Angeboten.

Moodulator Mix/Filter

Moodulator Mix/Filter

Heute nennt man diesen Sounds des öfteren „Vintage“ oder „Old School“ und meint damit eine deutlich breite, voluminöse Klangvielfalt, für die man sich eigentlich überhaupt für einen analogen Klangerzeuger interessiert. Schaut man sich die anderen Mitbewerber an, so gibt es Moogs Mother 32, den ARP Odyssey oder den Analogue Solutions Leipzig. Etwas cleaner und edel genug wäre noch Vermonas Perfourmer im Rennen, der allerdings nicht mehr ganz diesen Sound hat. Sehr wohl wäre das aber so bei Rolands System 500 oder System 1, wobei letzteres digital ist und ersteres ein Modulsystem. Möchte man keine Tasten oder ein kompaktes Gehäuse, so fallen nahezu alle Konkurrenten außer Mother 32 und System 1m weg. Die Flexibilität des 1m ist sehr weitreichend und mit einem System 100-Plugout klingt es beeindruckend „fett“ und auch sein Filter bietet ähnlich gute Eigenschaften an, das kaum ausdünnt. Es ist das einzige digitale System, das dem Anyware gefährlich werden könnte. Dieses ist jedoch im Charakter anders, eben insgesamt breiter und freundlich-verzerrend und daher mehr „Moog“-artig beim Moodulator gegenüber dem mittigen aber sehr beliebten Roland-Klang. Die Wahl wird primär über den Sound entschieden und anhand des Tests zum System 100 hier in Amazona lassen sich schon ein paar Schlüsse ziehen.

Roland ist sicher etwas allgemeiner und in einer gewissen Weise weniger „vorgeprägt“ – also weniger neutral, jedoch nicht weniger gefällig. Charakter haben sie beide und daher wird schlicht der Geschmack entscheiden müssen. Beim Mother 32 ist der Zweck, Konzeption und die Ausstattung sehr verschieden. Mother 32 glänzt durch einen interessanten Sequencer, der Live-Qualitäten aufweist. Er ist nicht nur einfacher, sondern deutlich abgespeckt in seinen Leistungen. Er bietet nämlich nur einen Oszillator und einen LFO an sowie eine einfachen AD-Hüllkurve, die weder Loop-Funktion noch weitere Raffinessen aufweist. Er ist wesentlich straighter und ggf. wegen der Einfachheit für manche auch möglicherweise deshalb interessant. Auch hat er ein resonantes Hochpassfilter, was bei Moog unüblich ist. Anyware hat sich im Gegensatz zu Moog auch nicht für eine modulare oder halbmodulare Idee entschieden, die den Mother eher in einem Euro-Rack-Verbund oder mit anderen Bauteilen oder Modulen zusammen arbeiten wird (Patchmatrix). Mother möchte mit Verdopplung des Gerätes zu 2-3-oszillatorigen Vollwert-Moogs zusammengestellt werden und hat keinen Ringmodulator.

Der Moodulator ist ein vollständiger und absolut luxuriös ausgestatteter Kompaktsynthesizer, dessen Größe fast über das hinweg täuscht, was er leistet. Erst der deutlich größere Tasten-Synthesizer MFB Dominion 1 oder der ARP Odyssey wäre ein adäquater Gegner. Und auch bei diesen beiden (fast) vierstellig bepreisten Konkurrenten bleibt der Sound in keiner Weise hinter dem Angebot aus Fischbach zurück. Er ist eher etwas wärmer und runder als der wohl analytischere ARP Odyssey oder der zum etwas schöneren und neutraleren Hi-Fi-Klang neigende MFB, der nicht die Vielfalt der Anyware-Hüllkurven aufbringen kann, jedoch im Sound eine große Wandelbarkeit anbieten kann, die der reine Tiefpass des Fischbachers nicht ganz aufwerten kann. Dennoch vermag der Einzelkämpfer noch ein wenig runder, wärmer und breiter und im Gesamtsound mehr zu gefallen, wenn man nicht unbedingt ein Multimode-Filter benötigt, was dann sogar in der Liga bemerkenswert ist.

Beim Analogue Solutions Leipzig S ist der Funktions-Umfang etwas geringer, dafür aber ein Sequencer vorhanden, jedoch ist der Sound nach den Moogs noch am besten mit dem Anyware zu vergleichen. Wenn man sich hier genauer in Weinsprache übt, so würde man den Anyware wohl als den Charaktervolleren bezeichnen, er ist sicher weniger „neutral“, aber beide liefern den beliebten „Vintage“-Sound, obwohl dem Autor diese Bezeichnung als reine Klangbeschreibung auch etwas ungenau erscheint. Diese würde dem Anyware so gesehen als Orden angeheftet. So der Leser dieser Zeilen den Super- bzw. Hyperlativ von „gut“ in dieser Form akzeptiert, würde „scheißegut“ schon passen. Für den Rest der Leser hat der Wortraum den Lehn-Begriff „awesome“ reserviert.

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Praktisches

Reden wir mal über das praktikable Arbeiten. Hier ist wohl die Arbeitsgeschwindigkeit ohne Patchkabel schlicht höher. Da wird ebenfalls ein Leipzig mit dem Moodulator am vorderen Ende kämpfen, etwas weiter hinten lägen dann die doch etwas komplexeren ARP und MFB Synthesizer. Der Moog Mother liegt dabei vorn, so man das Patch schon geschaltet hat, wogegen ARP und MFB nun einmal größer sind mit ihren Tasten. Besonders der ARP-Korg hat allerdings ein nahezu unverschämt primitives MIDI-Interface, was einfach nur Noten beherrscht. Selbst die Bewegung des Modulationsrades beeindruckt dessen MIDI-Implementation nicht. Er glänzt dafür durch FM-Fähigkeit, Sample & Hold und eine Tastatur, nicht aber durch Oktav-Rastungen.

Die hat auch die restliche Welt nicht zu bieten. Es ist seltsam, aber wirklich wahr, dass nur der MFB überhaupt Oktav-Schalter anbietet. Die Feinstimmung wird bei allen stufenfrei gemacht. So muss auch beim Anyware eine gewisse Vorauswahl getroffen werden. Die genauen Frequenzen lassen sich mit der Methode von Anyware etwas schneller finden als mit den anderen Bewerbern ohne Oktavschalter, beim Leipzig hat man die Mittelstellung als Referenz und hat so auch eine recht clevere Basis. Beim reinen Hand-anlegen ist man wohl mit dem Anyware und dem Leipzig am schnellsten am Ziel. Die eigene Sound-Idee ist damit dort jeweils schlicht am schnellsten in Audio-Signale zu verwandeln, beim MFB muss man einfach ein wenig länger drehen. Sieht man von der etwas umständlichen Art der Frequenzsuche beim ARP ab, so wäre auch er noch als zugänglich zu bezeichnen, so man das Konzept versteht. Die Performance bei der Einstellung insgesamt spricht für Anyware, nicht nur die Einbindung des Modulationsrades als Steuerung für FM, Modulation insgesamt und der Hüllkurvenstärke, sondern eine flexible, aber dennoch funktionale Oberfläche hilft.

Um einige Punkte zu nennen, die Stärken des Anyware herausarbeiten:

  • Der Grundsound und das Filterverhalten
  • Die reichhaltigen Hüllkurven mit Loopfunktion
  • Spielbarkeit der Modulation (AD und LFO) via. Modulationsrad (Sidechain)
  • Die Übersicht bleibt gut

Der Anyware Modulator on YouTube

Angehängt findet ihr ein Audiodemo, das Thomas Welsch von Anyware extra für uns angefertigt hat. Nochmals danke, Thomas!

Fazit

Wir haben noch nicht auf den Preis geschaut, nicht wahr? Der ist schon nicht wirklich klein. Das ist ein Synthesizer, den nicht all zu viele Personen in der Hand haben werden, da die Geräte handgemacht sind und mengenbegrenzt sind. Auch der Tinysizer hat sein Enddatum der Produktion erreicht, obwohl es durchaus noch kaufwillige Interessenten geben mag. So ähnlich wird das auch beim Moodulator sein. Er liegt knapp unter 1000 Euro und ist damit doch eher oben angesiedelt. Das deckt der Anyware Synthesizer durch hohe mechanische wie klangliche Qualität ab. Er spielt im gleichen Preissegment wie der Odyssey, einem eigentlich sehr alten Klassiker und dem neuen aber teureren MFB Dominion, wird es aber bei der Menge an analogen Synthesizern durchaus schwer haben. Klanglich und mit einigen technischen Besonderheiten dürfte er durch seinen organischen Sound eine Menge „Likes“ finden.

Plus

  • sehr überzeugender Basissound und Filterverhalten
  • loopbare Hüllkurven
  • Sidechain via Modulationsrad
  • Anschlagdynamik

Minus

  • Preis recht hoch

Preis

  • 770 Euro
Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    AMAZONA Archiv

    Ab 2:10 geht die Luzi ab! Ganz nach meinem Geschmack. ;) Ich finde den Klang, wenn nix verbogen wurde, extrem authentisch und unbetont neutral bis sympathisch mit wenig Drang zum EQ. Vieeeel analoger als m.M.n. die Sequential, Korg usw. Neuzeit-Analogboliden. Schade um die fehlende Osc-FM. Vielleicht gibt es da einen Dip auf der Platine zum umlegen? Mal in Fischbach anrufen lieber Mic.

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    changeling  AHU

    Lustig, dass die Anyware Geräte immer kleiner werden, im Vergleich war der SEMTEX XL ja riesig, der inSEQt sowieso. Dann fing mit dem Tinysizer die Verkleinerung an. Kommt am Ende dann ein Anyware Volca? ;)

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      chain  AHU

      der nächste wird der moogulator synth. Ist bestimmt auch mal so gedacht gewesen, nur der Name war schon geschützt!? Wie kommst Du auf so eine Idee?

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    Cornel Hecht  

    Das Interface wirkt wirklich sehr zusammen gestückelt und unübersichtlich. Das hätte an besser machen können: beispielsweise dem Master Regler noch vor den Envelopes zu stellen. Dieser sollte doch ganz rechts außen positioniert sein. Den Preis finde ich auch sehr bedenklich. Zumal die große japanische Konkurrenz deutlich aufzeigt, wie viel mehr für Knapp 1000,- Euro möglich sind.

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      digital-synthologie  AHU

      Dass ein japanischer Hersteller was in Massenproduktion billiger hinbekommt, ist ja wohl logisch. Boutiquehersteller können nun mal nicht billig, dafür machen sie auch Sachen, die sich für den Massenhersteller nicht lohnen würden.

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      chain  AHU

      Handwarbeit ist in Deutschland leider nicht mehr so viel Wert. Auch das importieren wir schon: Handwerk

      Es ist einfach nicht möglich, bei den „Normalen Lebenshaltungskosten“ billig zu sein in D.
      Und es ist wirklich schön zu sehen, das es noch Enthusiasten gibt. Wunderschönes Gerät: Respekt

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        changeling  AHU

        Dann muss man eben nicht billig sein, Cwejman und Macbeth machen es vor. Deren Designs sehen aber auch deutlich besser aus. Der Tommy hat einfach kein Händchen für Designs. Zudem wirken dessen Kisten oft wie von einem mittelmäßigen DIYer zusammen geschraubt, wie man hier auch am Gehäuse sehen kann.

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    sltp

    Endlich mal ein gut durchdachter Synth! Oft genug bekommt man ja ein gutes Arsenal an Modulatoren mit denen man leider viel zu wenig anfangen kann. Da finde ich als Soundschrauber solch ein kompaktes Gerät das seine Möglichkeiten auch ausreizt wesentlich interessanter. Preislich ist das gute Stück sicherlich kein Schnäppchen wenn die Qualität allerdings so ist wie der Artikel vermuten lässt geht das für mich völlig in Ordnung. Für ein Odyssey legt man genau so viel hin. Mein Interesse ist auf jeden Fall geweckt und ich werde mir das Teil beim Händler des Vertrauens mal genauer unter die Lupe nehmen.

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      Waveinhead

      Das ist interessant. Wollte gerade fragen, wie sich der Moodulator gegen die echten Vintage- Moogs schlägt. (Model D etc…)
      Heißt „mehr Dampf“ mehr Bass, mehr Biss oder schnellere Hüllkurven? Oder breiter, wärmer?

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      moogulator  RED

      das trifft’s auch ungefähr, würde sagen etwas weicher, aber nicht ganz so fett™, so man diesen Terminus 2016 noch schreiben kann.

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    paulilein  

    Klar kennt man Idar-Oberstein. Geburtsort von Bruce Willis. Meine Heimatstadt von 1969 bis 2000. Thomas und ich waren eine Zeitlang Geschäftspartner und haben zusammen die Filterbox gebaut und vertrieben.
    Viele Erfolg für den Moodulator.

  6. Profilbild
    AMAZONA Archiv

    Ich war beim Zahnarzt, und als er bohrte, jaaaaaa das hat Ähnlichkeit. Ganz schön grasse Kiste. Arme Lautsprecher, aber das Leben ist hart. Und jaaaaaa die Kiste ist schon heftig, bin beeindruckt.

  7. Profilbild
    Son of MooG  AHU

    Vor die Wahl gestellt würde ich den Mother-32 in jedem Fall vorziehen. Allein das reichlich unübersichtliche Layout wäre schon ein k.o. (ok, alles Gewöhnungssache; aber warum mich da durch kämpfen, wenn sich der M-32 doch wie von selbst erklärt?) Aufgrund der Fertigungsmethode ist auch nicht zu erwarten, dass der Moodulator noch deutlich günstiger wird, daher spare ich weiterhin lieber für das Original…

  8. Profilbild
    Ashatur  AHU

    also ich finde das design sehr chic 70er retro si/fi ;-) und knappe 800 für einen Handgefertigten Analogsynth mit ,
    (2 Vco´s mit Sync, Ringmodulator Vco FM + 2sub
    Weißes und Rosa Rauschen
    3 Env´s mit Loopfunktion
    1 Lfo mit S & H uvm..)
    finde ich gar nicht mal so teuer… ;-)

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