Test: Behringer System 35+, 961, 911A, CP3A-O… Eurorack

6. März 2021

Der Mythos von „schwachen“ Sync

Kurze Info: Eine Übersicht zu allen Tests von Behringer Eurorack-Modulen, findet Ihr HIER (klicken).

Das Behringer Modularsystem 35+, ein Klon der Moog Systeme 55, 35 und 15, nimmt Gestalt an. Bislang findet Ihr auf AMAZONA.de folgende Module  des Modularsystems als Test:

Zum Test der Eurorack-Module:

Da die meisten Module jedoch eher unter die Kategorie „Helfer“ fallen, wird sich der Test intensiver mit der Oszillatorkombi „921A Oscillator Driver“ und „921B Oscillator“ und deren okkult geheimnisvollen Sync-Option beschäftigen. Beginnen wir zunächst mit den eher unspektakulären Modulen der Kategorie Helfer.

Behringer 903 Random Signal Generator

903A Random Signal Generator (Behringer System 35+)

Wie der Name schon sagt, hier kann Zufälliges abgegriffen werden und zwar in der Variante Weiße und Rosa – Rauschen soll das heißen. Per Definition erstreckt sich Weißes Rauschen über den gesamten Frequenzbereich mit der gleichen mittleren Amplitude, Rosa Rauschen besitzt einen Amplitudenabfall von 3 dB pro Oktave – kann ich so beim Behringer 903 Random Signal Generator bestätigen.

Behringer 995 Attenuators

Behringer 995 Attenuators (Behringer System 35+)

Nun hier gibt es nicht viel zu sehen, bitte gehen sie weiter. Außer vielleicht, dass die Eingänge normalisiert sind und ein Signal am ersten Eingang solange an alle Ausgänge weitergegeben wird, wie kein Kabel in den entsprechenden Eingang gesteckt wird. Ansonsten handelt es sich um eine rein passive Abschwächung beim Behringer 995 Attenuator.

Behringer 961 Interface

Behringer 961 Interface (Behringer System 35+)

Das ausladendste Modul mit 21 HP ist der Trigger-Konverter 961. Er sorgt grundsätzlich für die Umsetzung von S-Trigger (Switched-Trigger) auf V-Trigger (Voltage Trigger) – und umgekehrt. Dabei gibt es noch Zugaben, zunächst in Form einer „Switch-on Time“. Hier kann man aus einem anhaltenden Gate-Signal, das an den B-Eingängen anliegt, ein zeitlich begrenztes Gate-Signal ableiten. Der Zeitbereich erstreckt sich von 40 ms bis 4 s in einer logarithmischen Einteilung. Diese Funktionen sind alle zweifach ausgeführt. Und als letztes Da Capo hat man noch einen Wandler, der aus Audio-Signalen V-Trigger ableitet. Ein netter Nebeneffekt des V-Trigger-Ausgangs (der bei 11,64 V liegt) ist, dass man ihn über die Attenuators nutzen kann, um ein manuell regelbares CV-Signal zu erhalten.

Behringer 911A Dual Trigger Delay

Behringer 911A Dual Trigger Delay (Behringer System 35+)

Um für eine bestimmte Zeitstaffelung von Trigger-Signalen zu sorgen, gibt es das Behringer 911A Dual Trigger Delay. Es verzögert einfach das eingehende Trigger-Signal um die eingestellte Zeit von 2 ms bis 10 s. Zusätzlich kann man die Ausgänge noch in Serie oder parallel koppeln. „Parallel“ bedeutet, ein Trigger-Signal an einem Eingang löst beide Trigger-Ausgänge mit der je eingestellten Verzögerungszeit aus; „Series“ bedeutet, dass ein Signal am Trigger-Eingang beide Verzögerungswerte durchläuft, bevor es an den Ausgängen des Behringer 911A Dual Trigger Delay erscheint.

Behringer CP3A-0 Oscillator Controller und Behringer 992 Control Voltages

Behringer CP3A-O OSC Controller & Behringer 992 Control Voltages

Diese beiden Module sind sich so ähnlich, dass man sie unter einer Überschrift zusammenfassen kann, obwohl sie zur Kontrolle eines Oszillators oder eines Filters gedacht sind. Sie haben vier Eingänge, deren summierte Spannungen auf alle drei Ausgänge unten am Modul ausgegeben werden. Die Module Behringer CP3A-0 Oscillator Controller und Behringer 992 Control Voltages unterschieden sich dabei jeweils nur in der Skalierung.

Ein CV-Signal von 11,64 V am Eingang des regelbaren „EXT INPUT“ ergibt eine Ausgangsspannung von 0,95 V an den Ausgängen – also knapp an einem Volt vorbei und damit an der Oktave in einem V/Oct-System. Legt man hier 12 V an, so kommt man aber tatsächlich auf 1 V, liegt damit aber eben an der Grenze der Busversorgung von 12 V, was nicht immer unproblematisch ist. Benutzt man die zuschaltbaren nicht regelbaren Eingänge, erhält man bei 11,64 V Eingangsspannung 3,71 V. Addiert man nun 3 mal 3,71 V und die 0,95 V, würde man allerdings auf über 12 V kommen und das läge über der Bussspannung.

Behringer 992 Control Voltages sind einfach nur anders skaliert. Hier kann man +/- 3,71 V abgreifen, wenn man am Eingang wieder die behelfsmäßigen 11,64 V vom S-Trigger anlegt. Diese 3,71 V liegen auch an, wenn man über die nicht regelbaren Eingänge geht. Auch hier besteht die Gefahr oberhalb der Busspannung zu landen.

Behringer 921A Oscillator Driver und Behringer 921B Oscillator

Behringer 921A Oscillator Driver & Behringer 921B Oscillator

Kommen wir zum Sahnestück der Übersicht, dem Oszillator, den es nur als Pärchen gibt. Was ist nun so anders als am schon vorgestellten Behringer 921 VC Ocsillator, dass man hier zwei Module für die zunächst identisch erscheinende Funktion benötigt? Und was hat in diesem Zusammenhang Weak- und Strong-Sync zu bedeuten?

Einfache Antwort: Die Eingänge des Behringer 921B Oscillator sind linear skaliert, d. h. in einer Hz/Volt Charkteristik. Deswegen benötigt man ein zusätzliches Modul, um die ankommende V/Okt-Charakteristik zu übersetzen. Klärt aber immer noch nicht die eigentliche Frage – wozu zwei getrennte Module?

Zur Beantwortung dieser Frage müssen wir ein wenig weiter ausholen und die beiden Module erst einmal genauer betrachten. Beginnen wir zunächst mit dem Behringer 921A Oscillator Driver. Dieser besitzt je zwei Eingänge zur Steuerung der Frequenz (in V/Okt) und der Pulsbreite (linear), beide vertragen positive sowie negative Steuerspannungen. Über die beiden Potis stellt man die Ausgangsstellung ein. Bei der Pulsbreiteneinstellung kann man die Pulsschwingung auch Thru-Zero „schicken“. Ein Range-Schalter bestimmt die Steuerung der Grundeinstellung der Oszillatorfrequenz von +/- 12 Halbtönen zu +/- 6 (!) Oktaven, also insgesamt 12 Oktaven. Mein lieber Scholli, damit kommt man locker vom Subaudiobereich (z. B. 20 Hz) in den Ultraschallbereich (die 12. Oktave von 20 Hz liegt bei 81920 Hz).

Netterweise hat das Behringer 921B Oscillator Modul ein Multiple eingebaut, mit dem man die eingehenden Frequenz- und Pulssteuerungssignale weiterleiten kann. Der eigentliche Oszillator-Kern bietet neben den gleichzeitig abnehmbaren Schwingungsformausgängen Sinus, Dreieck, Sägezahn und eben Rechteck dann noch zwei zusätzliche lineare FM-Eingänge, AC- und DC-gekoppelt.

Der Moog-Klon in bester Gesellschaft in meinem Test-Eurorack

Kommen wir nun zum Kern der Sache, warum zwei getrennte Module und dem mysteriösen Sync-Eingang (der in den Originalen noch als SYNCH bezeichnet wurde)? Über diesen Eingang kann man im Netzt allerhand abenteuerliches lesen und oft wird er einfach mit den ähnlich klingenden, doch verschiedenen Sync-Funktionen Hard- bzw. Soft-Sync gleichgesetzt. Diesen müsste man nur ordentlich „quälen“ (sprich: heiß anfahren), dann funktioniert er schon wie ein „echter“ Sync-Eingang. Liest man jedoch in der originalen Anleitung der Moog Module nach, offenbart sich hinter Weak- und Strong-Sync(h) ein verwandtes, aber anderes Konzept. Diese Eingänge sind eher mit der Funktion eines Phase-Lock-Loops zu vergleichen und sollen dafür sorgen, dass mehrere Behringer 921B Oscillator Module, die alle von derselben CV-Quelle angesteuert werden, immer mit der exakt gleichen Phase beginnen; also beim Sinus eben am Nullpunkt – denn das ist für ein analoges Oszillatorensemble alles andere als selbstverständlich.

Tatsächlich stellte diese Möglichkeit damals eine Neuerung dar, denn so war eine additive Synthese möglich, deren klanglichen Ergebnisse stets vorhersehbar waren. Damit ist jetzt tatsächlich additive Synthese in ihrer Reinform gemeint: Man erzeugt mit mehreren Oszillatoren Sinusschwingungen, die alle eine Oktave voneinander entfernt sind. Durch die Wahl der Lautstärke der einzelnen Oszillatoren (oder Partialtönen in diesem Fall) kann man dann ein beliebiges additives Schwingungsmuster erzeugen. Natürlich ist so eine Phasenkohärenz auch für FM sehr von Vorteil.

Es geht also darum, dass die Oszillatoren untereinander kommunizieren können und immer zum gleichen Zeitpunkt starten. Soft und Weak stellen dabei ein, wie weit ein Oszillator noch entfernt sein darf, um eingefangen werden zu können. Dazu habe ich ein paar kleine Test gemacht, die Folgendes ergaben: In der Stellung Weak kann der phasensynchronisierte Oszillator 3 Halbtöne unter- und 2 Halbtöne oberhalb des Masters sein, um noch eingefangen zu werden. In der Einstellung Strong lässt er sich sogar bei einer Differenz von +/- 5 Halbtönen einfangen. Einfangen heißt, dass er auf der identischen Tonhöhe und Phase liegt wie der Master-Oszillator, obwohl er selbst wie oben angegeben abweicht. Darüber und darunter wird das Ergebnis dann chaotisch und erinnert tatsächlich entfernt an den besser bekannten Sync-Effekt – ist er aber dennoch nicht.

Um so eine additive Synthese auszuführen, benötigt man aber mindestens eine Handvoll von Oszillatoren und dann gehen sogar die Behringer 921B Oscillator Module ins Geld. Allerdings – und nun endlich zur endgültigen Auflösung – benötigt man eben nur eines der Behringer 921A Oscillator Driver Module, um eine ganze Schar von 921B zu steuern (inklusive ein paar Multiples).

Der Moog System 55 Klon in der Praxis

Was soll ich hier großartig schreiben? Die Module sind allesamt gut verarbeitet, die Potis ordentlich, die Schalter vernünftig und der Oszillator ist sehr stimmstabil und klingt nach Moog – was will man mehr?

Als Minuspunkt sind hier die Buchsen und die Potis zu nennen, die nicht verschraubt sind. Zumindest die Buchsen sind überall anders in aller Regel verschraubt, um dem zu erwartenden häufigen Steckvorgängen standhalten zu können – da sehe ich auf Dauer durchaus ein Problem. Unverschraubte Potis, die direkt auf der Platine sitzen, habe ich aber schon bei deutlich teureren Modulen gesehen.

Fazit

Die Erkundung der additiven Synthese in ihrer Reinform ist Sinn und Zweck der getrennten Oszillator-Einheit und auch der nun nicht mehr mysteriösen Weak-/Strong-Sync-Funktion. Ein paar kleinere Änderungen, wie die Multiples am 921B Oszillator sind zwar klein, ersparen aber durchaus ein externes Multiple. Wie gesagt, bin ich bei der Lebensdauer der Buchsen skeptisch, vor allem bei der Spezies der „Viel-Patcher“. Bei der Stimmstabilität konnte ich auch nichts beanstanden die scheint besser zu sein als im Boog Model D. Also alles in allem eine nur sehr gut zu nennende Vorstellung von Behringer.

Plus

  • allgemein gute Verarbeitung
  • OSC 921: gute Stimmstabilität

Minus

  • Buchsen nicht mit der Frontplatte verschraubt

Preis

  • Behringer 903A Random Signal Generator: 52,- Euro
  • Behringer 911A Dual Trigger Delay: 55,- Euro
  • Behringer 921A Oscillator Driver: 92,- Euro
  • Behringer 921B: 105,- Euro
  • Behringer 961 Interface: 83,- Euro
  • Behringer 962 Sequential Switch: 49,- Euro
  • Behringer 992 Control Voltages: 59,- Euro
  • Behringer 995 Attenuators: 52,- Euro
  • Behringer CP3A-O OSC Controller: 52,- Euro
Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    KrauTronicA  RED

    Vielen Dank für die sehr anschauliche und nachvollziehbare Erklärung zu weak and strong sync.
    In dieser Form als PLL ist das tatsächlich eine andere Funktionalität als der „klassische“ Sync [d.h. mit hartem „Neustart durch Zurücksetzen der Phase“ des synchronisierten Oszillators bei jedem (!) Nulldurchgang des synchronisierenden Oszillators]. Dementsprechend klingt’s dann auch anders.

    Kleine Anmerkung bzgl. additiver Synthese: die einzelnen Oszillatoren werden auch dort in Frequenzverhältnissen von allen Harmonischen gestimmt, nicht zwingend nur Oktaven (Frequenzverhältnis 2:1). Sonst würd’s hier gerade bei den wichtigen ersten ungeradzahligen Harmonischen (3 / 5 / 7 / …) Lücken im Spektrum geben.

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      t.goldschmitz  RED

      Danke! Und Du hast recht da hatte ich (metaphorischen) Kleber im Kopf (nein nicht den Klaus…) Die harmonischen setzen sich wie Du sagst aus ALLEN geradzahligen Vielfachen zusammen: Grundfrequenz * N mit N = 1, 2, 3 …
       
      Dann kommen auch die von Dir erwähnten Ergebnisse bei heraus. Peinlich dieser Lapsus. Danke für die Richtigstellung!

  2. Profilbild
    SynthNerd  AHU 1

    Ich erspare mir einen Neuaufguss aller hinlänglich bekannten Argumente für oder gegen Behringer.
    Ich sage nur: So günstig war der Einstieg in die Welt der modularen Systeme noch nie. Da könnte ich, der bisher einen Bogen um diese Systeme gemacht hat, doch noch schwach werden. Sollte ich am Ende damit doch nicht glücklich werden, bleibt das investierte Lehrgeld in Grenzen…

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    Toliman

    Sehr schön. Als Anfänger hab ich jedoch einiges nicht verstanden und die Sound Beispiele sind eher abschreckend. Aber dh nicht das es schlecht ist. Nur das da noch was geht :) Daumen hoch von mir

  4. Profilbild
    swellkoerper  AHU

    Der vermeintliche Preisvorteil löst sich ganz schnell in Luft auf, wenn man bedenkt wieviel Module und Platz hier benötigt werden, um Dinge von A nach B und wieder zurück zu konvertieren, die anderswo Standard sind. Wenn ich je mal wieder eine 20TE Blindplatte benötigen sollte, kann ich mich ja bei Behringer umgucken.

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      iggy_pop  AHU

      Es fällt anscheinend niemandem im Rausche der Begeisterung auf, daß vier Oszillatoren (ein Driver plus drei VCO) schon bei gut 400 Euro liegen — ohne Spannungsversorgung, ohne Gehäuse, ohne Peripherie.

      Was womöglich auch daran liegt, daß nur diejenigen hier schauen, die sowieso schon Ministeck-Systeme haben, wo es nicht weiter ins Gewicht fällt.

      Bei den obigen Klangbeispielen könnte ich allerdings schwach werden…

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        t.goldschmitz  RED

        Ganz recht! Deswegen auch meine „warnenden“ Worte im Bericht:
         
        „Um so eine additive Synthese auszuführen, benötigt man aber mindestens eine Handvoll von Oszillatoren und dann gehen sogar die Behringer 921B Oscillator Module ins Geld. “
         
        Das sollte man wirklich bedenken.

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