Test: Denon DJ Prime 2 Standalone DJ-System

28. Mai 2020

Standalone DJ-Konsole als kleiner Prime 4-Bruder

Denon DJ Prime 2

Denon DJ Prime 2

Standalone, die Unabhängigkeit vom angeschlossenen Computer ist das Alleinstellungsmerkmal eines modernen DJ-Systems von heute, so auch bei der kompakten Workstation Denon DJ Prime 2, dem kleinen Bruder des Denon DJ Prime 4.
Zur Konkurrenzfähigkeit der Prime-Serie von Denon DJ wurde schon viel gesagt und geschrieben. Nun stellt sich die Frage, ob auch die kleine Variante der Workstation professionellen Ansprüchen genügt und zusätzlich auch für Einsteiger mit mittlerem Geldbeutel geeignet ist.

Test: Denon DJ Prime 2 Standalone DJ-System

Kompakte Konsole: Denon DJ Prime 2

Wie auch der größere Kollege der Prime-Serie läuft der Denon Prime 2 als Workstation mit eigenem Prozessor. Man kann den Laptop also bei Seite lassen. Wir benötigen diesen jedoch bei der Vorbereitung unserer Abspielmedien (USB-Sticks oder SD-Karte). Für die Prime-Serie ist hierfür die Software Engine Prime kostenlos herunterzuladen. Innerhalb von Engine Prime legt man dann seine Playlist an und fügt die gewünschten Tracks per drag-and-drop hinzu. Anschließend schließt man sein Abspielmedium an den Computer an und exportiert die ganze Chose. Auf dem USB-Stick sind dann sowohl Musik als auch Meta-Daten wie Wellenform, Playlist, Key etc. vorhanden.

Wer jetzt denkt: “Hey, das kenn‘ ich doch auch von Pioneer und Rekordbox“ hat gut aufgepasst.
Eine der positivsten Eigenschaften der Prime-Serie ist, dass ich nun am Gerät sowohl mit einem hauseigen vorbereiteten Stick als auch mit dem von Rekordbox arbeiten kann. Bei Rekordbox werden die Daten importiert und umformatiert und beim Laden der Tracks wird jeweils die Wellenform-Analyse im Engine-Prime-Format vorab erledigt und mit auf dem Stick abgespeichert. Der Stick bleibt für Rekordbox weiterhin nutzbar. Die Tracks, die mit Engine abgespielt wurden, laden bei erneuter Nutzung eines Denon Prime Gerätes schneller rein. Also alles superduper mit dem Denon Prime 2.

Denon DJ Prime 2 vs. Denon DJ Prime 4

Der Prime 2 hat nur zwei Decks. So kurz, so klar. Entsprechend gibt es auch nur einen 2-Kanal Mixer im Gerät. Dieses bleibt jedoch in gleicher, qualitativ hochwertiger, Verarbeitung. Der Prime 2 hat in der Mischpult-Sektion selbst, keine physischen Eingänge. Man kann also keine Plattenspieler oder andere Zuspieler anschließen und die Signale auf die Kanalzüge „holen/routen“. Es gibt stattdessen einen separaten Aux-Kanal mit Level-Regler, allerdings ohne EQ. Das ist auch einer der Hauptunterschiede zum Konkurrenzprodukt Pioneer DJ XDJ-RX 2. Wie bei allen Denon DJ-Produkten gibt es auch im Prime 2 gleich zwei Mikrofoneingänge mit Kombibuchse für XLR und Monoklinke. Die Mikrofon-Sektion ist dahingehend reduziert, dass die zwei Eingänge sich einen 3-Band-EQ teilen müssen und im Gegensatz zu anderen Denon DJ-Konsolen kein Echo zumischbar ist.

Test: Denon DJ Prime 2 Standalone DJ-System

Die Mikrofon-Sektion des Denon DJ Prime 2

Im Unterschied zum Denon DJ Prime 4 ist der Touchscreen mit 7“ Zoll wesentlich kleiner (10“ beim Prime 4), die Qualität ist aber ebenso einwandfrei gegeben, ebenso wie die Funktionsweise. Beim Prime 2 lässt sich der Bildschirm außerdem weder versenken, noch anwinkeln. Das ist ein Nachteil für den mobilen Nutzer, aber keiner für den Anwender, der eine Clubsituation daheim nachstellen möchte.

Relativ stark abgespeckt wurde beim Denon DJ Prime 2 hinsichtlich der Effekte. Sweep-Effekte pro Kanal gibt es nicht. Hier beschränkt sich das Ganze auf den Knopf für das Highpass- und Lowpass-Filter im Kanalzug. Darüber hinaus gibt es noch jeweils eine übersichtliche Effekt-Sektion pro Deck. Mit dem ersten Knopf wählt man den Effekt aus, mit dem zweiten kann man einen Parameter des Effektes einstellen, der dritte Knopf regelt den Effekt zwischen Dry und Wet, also das Verhältnis zwischen trockenem und effektiertem Signal. Was man da regelt, sieht man auf dem Touchscreen ziemlich eindeutig und übersichtlich.

Zur Funktionsweise des Touchscreens: Ja, er ist klein, dafür dass zwei Decks darüber gesteuert werden. Jedoch sind Menüführung und Ansicht so genial und intuitiv, dass sogar die Tinder-Fraktion Spaß beim Swipen der Tracks bekommt. Berührt man die Search-Funktion, poppt eine QWERTZ-Tastatur auf, so dass nach den Tracks auch mit Namen gesucht werden kann. Wie schon erwähnt, wird der Laptop-Jockey seinen Computer nicht vermissen.

Denon DJ Prime 2

Danke QWERTY-Tastatur ist alles schnell zu suchen

Touch me! Sensitive Bedienoberfläche des Touchscreen

Da der Touchscreen des Denon Prime 2 etwas kleiner als beim Prime 4 ist, gibt es die wichtigsten Navigationsfunktionen natürlich auch unter dem Bildschirm in Form von Drehreglern und Tasten.
Wer seine Wellenform lieber horizontal als vertikal sieht, kann mit einem kurzen Tastenkombinations-Klick Shift-View die Ansicht wechseln. Hält man die beiden Tasten länger, gelang man so auch ins schicke Menü, wo man sich den Denon DJ Prime 2 noch weiter individuell einrichten kann. Hier versteckt sich sogar eine Aufnahmefunktion, mit der man sein Set direkt auf den Datenträger abspeichern kann. Unter Source kann man auch die eingebaute WLAN-Funktion einschalten, das heißt, man kann Tracks auch direkt von einer Festplatte im Netzwerk spielen – Zauberei!

Die Player-Sektion am Standalone DJ-System

Zu den Jog-Wheels: wie auch beim Mediaplayer SC-5000 Prime sind diese eine Augenweide.
Im Zentrum des Wheels ist ein kleiner Bildschirm eingelassen, auf dem das Track-Icon zu sehen ist. Das Wheel selbst reagiert schön direkt und sauber, aufgrund der Masseträgheit des relativ hohen Eigengewichts lädt es nicht unbedingt zu Scratch-Orgien ein. Die Qualität entspricht aber definitiv dem Profi-Standard, was herkömmliches Club-DJing angeht. Ein kleines Lauflicht im Bildschirm hilft beim Finden von Cue-Punkten, bei Track-Ende blinkt dieses auch, damit kein Übergang je verkackt wird. Die Vorwarnzeit lässt sich im Menü einstellen.

Denon DJ Prime 2

Draufsicht Media-Player im Denon DJ Prime 2

Links über dem Jog-Wheel befindet sich der silberne Knopf für die Loop-Funktion. Einmal runterklicken und der Autoloop rastet ein, über die Drehung kann die Loop-Länge halbiert oder verdoppelt werden. Für manuelle Loops sind natürlich auch In- und Out-Taste vorhanden. Rechts über dem Deck befinden sich die Sync- und Mastertempo-Tasten. Über die Shift-Taste lässt sich hier auch ein Key-Sync einrichten. Die Pitchfader der Decks sind etwa eingelassen, schön lang und schieben sich qualitativ sehr hochwertig. Der Nullpunkt rastet freundlicherweise nicht ein, wird aber über ein kleines weißes Lämpchen angezeigt. Den prozentualen Pitch-Bereich schaltet man in der Kombination von Plus- und Minus- und der Shift-Taste um. Die Range reicht dabei von +/-4 % bis 100 %. Der Kreativität sind also keine Grenzen gesetzt!

Ob nur genudget werden soll oder das ganze Vinyl-Gefühl erwünscht ist, kann man über die blaue Vinyl-Taste über den Sync-Tasten entscheiden. Darüber befindet sich auch ein Regler, mit dem man Start- und Stopp-Reaktionszeit der Decks stufenlos einstellen kann. Unter den Jogwheels befinden sich wie bei herkömmlichen DJ-Controllern Funktionstasten für Cue-Punkte und weitere Performance-Möglichkeiten wie Roll und Beat-Slicer. Wer zuvor mit einem DJ-Controller auf Basis von Serato DJ gearbeitet hat, wird sich hier ganz intuitiv zurechtfinden.

Die 2x 8 LED-beleuchteten Performance-Pads haben alle einen schönen, robusten Druckpunkt, so dass exzessivem Gerolle für den perfekten Drop nichts im Wege steht.

Ausschnitt Mischpult Denon DJ Prime 2

Ausschnitt Mischpult Denon DJ Prime 2

Thema DJ-Mixer im „Controller“

Zwei Decks, zwei Kanäle, so sieht die Mixer-Sektion aus. Der Crossfader kann einzeln zugewiesen oder ausgeschaltet werden. Die Crossfader-Kurve ist stufenlos verstellbar. Ein Austausch ist über zwei Schrauben in der Deckplatte leicht machbar. Die Line-Fader haben erstaunlicherweise etwas mehr Widerstand als beim Clubpult Denon DJ X1800 Prime, es sind wohl die gleichen Fader wie im MC4000 und MC7000 verbaut, was mir persönlich sogar lieber ist. Die Beleuchtung fällt recht üppig aus, jeder Kanal hat seine eigene LED-Leiste, dazwischen blinkt dann noch die doppelte Leiste für den Master, alles in flashigem Grün und Weiß ab 0 dB.

An zentraler Stelle, zwischen den Line-Fadern, befindet sich die Steuerung der Vorhör-Sektion, zwei Regler für Lautstärke und Zumischen des Mastersignals. Über eine Taste kann man sich das Vorhörsignal auch splitten. Die Zuschaltung des jeweiligen Signals findet man als Cue-Taste über dem jeweiligen Line-Fader des Kanals.
Darüber befindet sich dann der Rest des Kanalzugs: Filter und 3-Band-EQ (mit Full-Kill). Der Regler für die Vorverstärkung heißt hier nicht Gain oder Trim, sondern „Level“. Ob das schlau ist? Immerhin verwechseln schon genug DJs den Gain mit einem Lautstärkeregler. Das Ding dann auch noch „Level“ zu nennen, könnte stark kontraproduktiv sein.

Eingänge & Anschlüsse am Denon DJ Prime 2

Strom bekommt der Denon Prime 2 über ein dreipoliges Kaltgerätekabel. Das Netzteil ist also eingebaut. Für die Speichermedien gibt es drei USB-Anschlüsse (zwei rückseitig, einer auf der Bedienoberfläche) und einen SD-Karten-Slot. Darüber hinaus befindet sich auf dem Boden des Denon Prime 2 ein Schacht für eine 2,5“ SATA-Festplatte. Als Eingänge stehen ein AUX-Eingang in Stereo-RCA und zwei Mikrofoneingänge zur Verfügung. Soweit, so gut.

Wer den Denon Prime 2 trotz der Standalone-Eigenschaften als MIDI-Controller nutzen möchte, kann auch das über den USB-B-Eingang machen.

Test Denon DJ Prime 2

Booth- und Master-Out gibt es als XRL – das ist mal professionell!

Audioausgänge sind in Form von zwei Stereo-Summen in XLR auf Master und Booth (Monitor) vorhanden. Der Master ist symmetrisch, der Booth nicht. Warum dieser nicht auch symmetrisch beschickt wird, ist ehrlich gesagt unklar. Auf dem Master gibt es für den Hausgebrauch auch noch einen RCA-Ausgang. Darüber hinaus kann man den Master zwischen Mono und Stereo umschalten. Die zwei Kopfhörerausgänge (6,3 mm und 3,5 mm Stereoklinke) befinden sich auf der Frontseite.

Fazit

Der Denon DJ Prime 2 ist qualitativ absolut Prime-würdig. Er macht Spaß, er ist intuitiv, im Vergleich zur Konkurrenz noch ein bisschen besser, was Touchscreen und Jogwheel  angeht. Die Möglichkeit, eine Festplatte einzubauen oder per WLAN auf Daten in der Cloud oder dem eigenen Rechner  zuzugreifen, gefällt mir. Dass der  Bildschirm kleiner als beim Prime 4 ist und nicht klappbar ist, hat mich nicht weiter gestört, da ich den Prime 2 eh mehr als  Vergleichsprodukt zum Pioneer XDJ-RX2  sehe, also als Club-Konsole  für daheim. Einzige  Wermutstropfen sind der Verzicht auf Eingänge (Phono), die über das Mischpult führen und die Sweep-Effekte. Hier hat man in der  Entwicklung  wohl eher an den mobilen Hochzeits-Dienstleister  gedacht, der mal Handy oder eine andere Quelle anschließen muss, als  an  den ambitionierten Bedroom-Elektro-DJ, der sein Set aus der Quarantäne ohne Verzicht auf Vinyl streamen will.

Was das Spiel mit den eingebauten Mediaplayern selbst angeht, so bin ich wie bei den SC5000 Prime der Ansicht, dass der Denon hier definitiv mindestens eine gleichwertige Alternative zum Pioneer DJ ist. Der Denon DJ Prime 2 ist zwar das kleinste, aber  auch  das  kompakteste Mitglied dieser Profi-Produktreihe.

Plus

  • intuitive Bedienung des Touchscreen
  • hochwertige Jogwhees mit eingebautem Bildschirmchen
  • Qualität und Verarbeitung
  • WLAN-Einbindung
  • XLR-Ausgänge auf Master und Booth
  • eingebautes Netzteill

Minus

  • nur ein Aux-Eingang
  • keine separaten EQs für beide Mikrofoneingänge
  • keine Sweep-Effekte

Preis

  • 1499,- Euro
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