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Test: Denon DJ SC6000 Prime DJ-Media-Player

18. Februar 2021

Wird hier fleißig am Pioneer DJ-Thron gewackelt?

Denon DJ SC6000 PrimeAngekündigt zu Anfang 2020, nun bei uns auf dem Tisch: Der Denon DJ SC6000 Prime.
Der Nachfolger zum SC5000 Prime wurde mit großer Spannung erwartet, hatte doch der SC5000 Prime schon ohne Frage für Aufsehen gesorgt. Was wird nun der SC6000 bieten? Ein ganz neues Produkt? Ein Major-Upgrade oder „nur“ ein Update mit Überarbeitung von kleinen Mankos am SC5000? Es wird Dinge zu sagen geben zu dem neuen Konkurrenten zu der Pioneer CDJ-Serie, speziell zum ebenso neuen Pioneer CDJ-3000.

Denon DJ SC6000 Prime – ein erster Blick

Der erste Blick auf den neuen Media-Player aus dem Hause Denon DJ macht im Vergleich zum SC5000 direkt klar: Man hat Hand angelegt. Nicht nur im Inneren, sondern auch außen. Der SC6000 Prime sieht deutlich erwachsener aus, wertiger. Die bunten Farben an Tasten und Performance-Pads sind verschwunden, der Player sieht sehr viel aufgeräumter aus.

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Denon DJ SC6000 Prime

Denon DJ SC6000 Prime vs. SC5000 Prime

Die generelle Anordnung der Elemente ist geblieben und Denon DJ bleibt sich auch funktionell treu. Heißt vor allem, die Performance-Pads bleiben, das große Jog-Wheel bleibt erhalten wie auch die Anordnung der sonstigen Bedienfunktionen.

Komplett in das Auge springt natürlich das neue Display, welches von 7 Zoll vom SC5000 einen Sprung gemacht hat auf 10 Zoll bei diesem Gerät nun.

Das Display ist folglich auch der Grund für ein paar Zentimeter mehr Tiefe des Gerätes, rund 46 cm und mehr Höhe, rund 15 cm. 1,8 kg Gewicht on top, der SC6000 wiegt 5,8 kg.

Wie schon erwähnt, optisch ändert sich einiges, daran hat nicht nur das Display Schuld. Die Tasten für die Performance-Pads zum Beispiel, nach wie vor gummierte Pads, sind nun komplett schwarz, lediglich ein kleiner Strich lässt das Licht der LED durch. Ausreichend für die Erkennung, jedoch optisch ansprechender.
Ebenso verhält es sich bei den Tasten zur Auswahl der Pad-Modi wie auch allen weiteren Funktionstasten. In jedem Fall gibt es weniger Plastik, weniger LED-“Bling-Bling“, dafür nun mehr Gummi und mehr Design. Das betrifft tatsächlich alle Tasten am Gerät, die nun gummiert zu finden sind, mit einem guten Druckpunkt, kraftvoll, aber zugleich mit dem weicheren Gefühl einer gummierten Taste statt dem Klicken eines Kunststofftasters.

Denon DJ SC6000 Prime

Neu: Die Tasten sind nun alle gummiert!

Um diesen Punkt direkt abzuschließen, das betrifft auch die Cue- und Play/Pause-Taste und das ist ohne Frage erst einmal gewöhnungsbedürftig, allerdings sind die Taster trotz Gummierung so hart, dass dies eher positiv ist. Das Klicken gegenüber reinen Kunststoff-Tasten ist etwas weniger spitz, aber hörbar, wir reden hier also nicht von Pads, die geräuschlos auslösen.

Die Anschlussmöglichkeiten befinden sich nach wie vor vorne, versetzt nach hinten und, wie ich finde, immer noch unnötig fummelig, wie auch auf der Rückseite. Vorne gibt es einen SD-Karten- wie auch einen USB-Slot, rückseitig gibt es zwei USB-Slots – allesamt USB 3.0. Zudem bietet der SC6000 Prime die Einbaumöglichkeit einer 2,5 Zoll SATA-Festplatte.

Denon DJ SC6000 Prime

Rein und raus auf der Rückseite

Nach wie vor steht hinter dem SC6000 Prime die Denon DJ Engine Prime Software, die wie Rekordbox im Pioneer DJ Universum die Verwaltung und Vorbereitung von Tracks und Playlisten am Rechner ermöglicht und diese dann voranalysiert auf die USB- oder SD-Speichermedien synchronisiert, damit alle Daten am Player innerhalb von Sekundenbruchteilen zur Verfügung stehen.

Hier ist Denon DJ nach wie vor fleißig am entwickeln und stetige Updates haben die Software in den letzten Jahren deutlich verbessert.

Doch auch der Import direkt auf den Player von Sticks mit vorbereiteter Library, z. B. von Pioneer DJ Rekordbox, ist bei Denon DJ schon länger ein Thema und öffnet den SC6000 Prime auch für Nutzer*Innen mit Denon DJ-fremder Library auf dem Speichermedium.

Der neue DJ-Media-Player in der Praxis

Alles beginnt mit rund 28 Sekunden Nichts. Denn so lange braucht der SC6000 Prime in etwa, bis der Computer gestartet ist.

Im Idealfall kramt man in der Zeit bereits einmal sein gewähltes Medium aus der Tasche. SD-Karte oder USB-Stick. Oder hat man eine Festplatte verbaut? Fangen wir damit an: Nette Idee, aber ehrlich, wer verbaut denn in einen Media-Player eine Festplatte? Warum? Weil man einen SC6000 Prime mitnimmt als mobiler DJ? Unwahrscheinlich, dafür gibt es Prime 2 oder Prime 4 oder Konkurrenzmodelle. Für daheim ist das nun einmal auch keine sinnvolle Lösung. Aber vielleicht bin ich da auch einfach zu alt. Ich nutze USB-Sticks. Diese, wie auch SD-Karten, finden ihren Platz vorn oder in einem der USB-Slots auf der Rückseite. Dazu habe ich schon etwas gesagt, ich finde es semi-praktisch.

Nun ist die Frage, was hat man auf dem Stick? Eine Library aus der Engine Prime Software? Dann stehen einem alle Daten sofort zur Verfügung. Kommt man von Pioneer DJ Rekordbox, dann tut das dem Spaß aber auch keinen Abbruch, denn der Player schnappt sich die Tracks und liest auch die Metadaten aus, inklusive Hot Cues zum Beispiel. Wer also nicht den Import von Rekordbox zu Engine am Rechner erledigt hat, kann auch ohne Sorgen den Rekordbox Stick in den den SC6000 stecken. Der Import geht recht flott, je nach Track-Anzahl natürlich. Die eigentliche Analyse findet dann beim Laden des Tracks statt und dauert keine 10 Sekunden. Danach steht Tempo, Waveform, Tonarm, Hot Cues etc. umgehend zur Nutzung zur Verfügung. Super!

Denon DJ SC6000 Prime

Import von Daten von einem Rekordbox-Stick

Im Test habe ich mich zugegeben recht frei beider Sticks bedient, dem, mit der Rekordbox- und dem mit der Engine Prime-Library.

Sofort zu Beginn spielt der Denon DJ SC6000 Prime seinen großen Pluspunkt, das Display, aus. Die Übersicht auf dem großen Screen ist gigantisch und die Navigation und Bedienung ist sehr gut. Scrollen durch Listen oder Einstellung, alles ist verdammt schnell erledigt.

Die Anzeige der Tracks in der großen Übersicht verbleibt wie am SC5000 Prime hinsichtlich der Wellenform, gesamt und mitlaufend, sowie der Übersicht über viele Informationen. Generell gilt: Was als Feld angezeigt wird, kann auch per Druck auf dieses verändert werden. Quantize an/aus zum Beispiel, Continous-Play, Play-Time etc. Generell gilt am SC6000 Prime sowieso: So wie man denkt, dass es funktionieren müsste, so funktioniert es auch.

Nach wie vor geblieben sind die beiden Layer A und B, die beide gleichzeitig genutzt werden können mit separaten Ausgängen (analog wie digital) und die natürlich auf einander synchronisiert werden können in Tempo wie Tonart.

Wer nicht der Master-/Sync-Funktion vertrauen mag, dem steht ein Pitch-Fader zur Verfügung, diverse Pitch-Ranges (4, 8, 10, 20 und 50 %) sowie Pitchbend-Tasten unterhalb des Faders, mit welchen temporär auch die Range verändert werden kann.

Der Time-Stretch-Algorithmus, den Engine OS im SC6000 zur Verfügung stellt, verrichtet sehr gute seine Arbeit, mit Key-Lock oder nicht, ist die Range, in der man sich ohne deutliche Einbußen bewegen kann, mehr als ausreichend gut. Recht schmerzfrei mal den Sprung von unter 130 BPM auf über 150 BPM erledigen? Machbar!

Super finde ich die Funktion der Track-Preview, die Denon DJ einfach als Funktion hinter dem Artwork des Tracks versteckt hat. Drückt man länger auf das Artwork oder den Tracktitel, so öffnet sich ein Info-Feld. Soweit nur eine Info am Rande.
Spannender: Drückt man einmal kurz auf das Artwork, erscheint in diesem folgendes Zeichen:

Denon DJ SC6000 Prime

Track-Preview am SC6000 Prime – kompatiblem mit jedem DJ-Mixer

Das kleine Zeichen informiert darüber, dass dieser Track gerade auf dem ausgewählten Layer ausgespielt wird bzw. auf dem Ausgang des Layers. Damit schafft Denon DJ das, was Pioneer DJ nicht geschafft hat. Oder nicht wollte. Denn während im Pioneer DJ Universum und mit den CDJ-3000 die Preview-Funktion Einzug gehalten hat, kann diese nur genutzt werden, wenn ein kompatibler Pioneer DJM im Netzwerk eingebunden ist, DJM-900NXS2, DJM-V10, DJM-750MK2 zum Beispiel. Nicht-Pioneer DJ Mixer sind von der Preview-Funktion kategorisch ausgeschlossen.

Anders bei Denon DJ mit dem SC6000 Prime. Da das Preview-Signal den Player über den Output des gewählten Layers verlässt, landet das Signal einfach auf dem Kanalzug des Mixers und kann dort per Cue-Funktion abgehört werden. Heißt, man kann wirklich jeden Mixer für die Preview-Funktion nutzen.
Hat man den X1800 oder X1850 im Netzwerk eingebunden, gibt es sogar die Sicherheitsfunktion, dass die Preview gestoppt wird, wenn der Fader hochgeschoben wird. Da wurde mitgedacht.

Ein paar weitere Funktionen im Durchlauf.

Loops. Loops sind wichtig und der SC6000 Prime bietet verschiedene Möglichkeiten.

Denon DJ SC6000 Prime

Loop-Set und Loop-Länge via Push-Encoder

Denon DJ verbaut, was ich als absolut sinnvoll erachte: einen Push-Encoder für die Loop-Funktion. Auswahl der Loop-Länge, Loop-Set und Exit in einer Bedienfunktion verbaut. Das ergibt Sinn. Das ergibt Sinn, wie es schon Native Instrument seit früh verbaut hat, Konkurrenten auf dem Media-Player-Markt dies aber konsequent anders lösen.

Denon DJ SC6000 Prime

Gesetzter Loop im Display

Dort, wo meist bei Media-Playern die Loop-Funktion sitzt (zugegeben Pioneer DJ hat diesen Ort definiert) sitzt ein Push-Encoder wie oben beschrieben und lässt hier die Loops steuern. Auto-Beat-Loop via Encoder oder auch mit Tasten für manuell gesetzte Loop-in- und -out-Punkte, einstellbar nach dem Setzen noch über das Jog-Wheel.
Die Länge der Auto-Beat-Loops lässt sich natürlich über den Encoder einstellen und wird im großen Display, wie auch im Jog-Display, angezeigt.

Denon DJ SC6000 Prime

Das Display im Jog-Wheel – hier mit Anzeige der Loop-Länge

Loop-Moves sitzen auf der Shift-Funktion des Encoders, auch hier gilt der eingestellt Wert zum Verschieben des Loops durch Drehen.

Ein paar Worte zum Thema Playlisten & Sortierung

Unaufgeregt ist die Auswahl von Tracks via Playlisten, Crates, Artist-Listen und Co. – bekannt von jedem Media-Player. Cool am SC6000 wie auch am SC5000 und damit als erster Media-Player, ist das Laden der Tracks via Wischen. Nach rechts: laden, nach links: Ablage in die Prepare-Liste.

Denon DJ SC6000 Prime

Track-Listen in der Übersicht, samt voller Wellenform unten

Am Punkt Playlisten sollten wir einmal kurz stoppen. Wenn der Computer im Player sitzt, warum diesen dann nicht nutzen? Das ist die Entwicklung der Media-Player derweil und zeigt sich unter anderem in der Möglichkeit, am Player Playlisten zu erstellen. Denon DJ löst das hier super simpel: Auswahl Playlist erstellen, benennen und per Drag & Drop Tracks in diese schieben. Fertig. Das Vorbereiten von Playlisten am Computer, während man eigentlich Track am Player spielt und testet, gehört damit der Vergangenheit an.

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Dazu tippt man einfach in der Playlist-Ansicht oben auf das Playlist-mit-Stift-Symbol und es kann losgehen. Man kann diverse Tracks markieren, kurz gedrückt halten und dann einfach in andere Playlisten verschieben. Neu erstellte oder schon vorhanden. Mega Funktion. Auf dem gleichen Weg kann man Tracks auch innerhalb von Playlisten verschieben, also die Reihenfolge ändern.

Denon DJ SC6000 Prime

Create Playlist. On the fly. Am Gerät.

Set-Preparation am Rechner kann on-the-fly beim Spielen erledigt werden. Ich finde es mega!
Man kann übrigens auch Ordner erstellen und Playlisten in diesen verschieben.

Playlisten können übrigens in zwei „Größen“ angezeigt werden, wechselbar über das Bedienfeld auf dem Display mit der Playlisten-Darstellung.
Von 10 Tracks mit je 2-Zeilen-Darstellung geht es dann zu 6 Tracks. Also wirklich groß! Kann man machen, klein reicht mir schon völlig aus.

Viel wichtiger als die Größe jedoch sind die Angaben zu den Tracks. In der Playlisten-Ansicht hilft ein kleiner Druck auf das Bedienfeld neben dem grünen „Sortier-Pfeil“, um verschiedene Parameter auszuwählen, die angezeigt werden können. Dazu gehört die Tonart, das Tempo, Rating, Year, Genre, Date Added, Länge oder Kommentare. Diese werden dann rechts angezeigt neben der Tonart und dem Tempo. Je nach Einstellung gibt es hier dann bis zu vier Angaben, z. B. Tempo, Tonart, Jahr und Tracklänge. Je nach Auswahl kann dann entsprechend aufsteigend oder absteigend sortiert werden.

Denon DJ SC6000 Prime

Play-Order – was wird angezeigt in der Play/Track-Liste

Performer an die Front

Mit den Performance-Pads hat Denon DJ schon den SC5000 Media-Player auf das Level gebracht, auf welchem DJ-Controller schon lange sind. Nun, bei Playern war es bisher unüblich und ich nehme an, die verbauten Engines auch einfach nicht powervoll genug, dies zu verarbeiten. Aber nun gut, wir sind im Jahr 2021 und die Entwicklung ist weit genug, als dass so etwas absolut kein Problem sein dürfte – außer natürlich, man möchte sich auf die Geschwindigkeit der Digitalisierung in Deutschland begeben.

Denon DJ SC6000 Prime

Performance-Pads samt Modi

Die Performance Pads am Denon DJ SC6000 Prime haben sich zum Vorgänger nur visuell verändert und bieten nach wie vor vier Modi: Hot Cue, Loop, Roll und Slicer.

Bei den Auto-Loops kann man den Start- wie auch den Endpunkt setzen, welche dann quantisiert werden. Für den Roll-Effekt wird die Länge im Display angezeigt angeordnet wie die Tasten, ebenso im Slicer-Modi. Per Shift-Ebene erreicht man hier die Funktion des Slicer-Loops.

Denon DJ SC6000 Prime

Geblieben, aber neu im Design: die Performance-Pads

Die volle Übersicht auf 10 Zoll

Denon DJ legt vor. Ganz klar. Ein so großes Display mit Touch-Funktion in einem Media-Player hat es bisher nicht gegeben. Und ich schreibe ganz bewusst „in“, denn ich sehe schon jemanden kommen, der schreit „aber CDJ-TOUR1“. Ja, point taken. Das Display mit Aerodynamik einer Registrierkasse der Fast-Food-Kette, Size-Matters-Medaille ohne Size-fitting Funktions-Zugewinn ist hier leider auch einfach keine Konkurrenz.

Also, bis dato im Gerät verbaut das größte Display und da macht Denon DJ weiter, wo mit dem SC5000 Prime „geendet wurde“: viel Funktionalität, gute Übersicht.

Einiges wurde ja bereits erwähnt, das Display spielt seine Stärke in der Übersichtlichkeit aus. Crates, Playlisten in zwei unterschiedlichen Schriftgrößen oder auch die Übersicht über Tracks, während man in den Playlisten fummelt. Auch daran hat man gedacht im Hause Denon DJ und so befinden sich unter dem Browse-Feld im Display bei Layer und somit die Tracks mit der gesamten Wellenform samt aktueller Abspielposition, Tonart, Tempo und Restlaufzeit. So verliert man nicht den Überblick über die laufenden Tracks, kann noch einmal genau schauen, in welches Deck man laden möchte (Auf jeden Fall Load-Lock einschalten!) oder man kann kurz checken, welche Tonart der aktuell laufende Track hat.

Denon DJ SC6000 Prime

Groß und übersichtlich: das 10 Zoll Display

Super gelöst ist, was auf dem Display passiert, wenn man den Slip-Mode bemüht. Während die oberen Wellenform dem Einfluss des DJs, der DJ folgt, folgt die untere Hälfte der Wellenform der eigentlichen Abspielposition, an der nach Ende der Loop/Scratch was auch immer-Aktivitäten zurückspringen wird.

Denon DJ SC6000 Prime

Slip-Mode im Display

Der große Vorteil des Displays zeigt sich auch bei allen notwendigen Einstellung: Das Menü mit allen Parametern ist groß gestaltet. Warum auch nicht, man kann ja locker durch scrollen! Somit sind alle Werte gut erkennbar dargestellt, ohne den erkennbaren Wunsch, viele Zeilen auf ein kleines Display zu bekommen. Übersichtlich und effektiv.

Einen Kritikpunk gibt es leider. Nicht am Display, sondern an der Nutzung.
Unter der mitlaufenden Wellenform gibt es die volle Wellenform beider Layer, angeordnet übereinander. Das ist cool und hilft natürlich enorm. Das jeweilig ausgewählte Deck wird visualisiert dadurch, dass die volle Wellenform ein wenig größer wird. Auch cool. Aber, wie viel Sinn ergibt es, dass das ausgewählte Deck immer unten angezeigt wird? Damit wechseln die Layer A und B durchgehend die Position und das nervt mich enorm. Es wäre logischer und übersichtlicher, wenn immer Layer A oben wäre, Layer B unten. Vergrößerung bei Auswahl ist super, aber das Tauschen der Positionen ist wie der Wechsel von einem DJ-Controller mit vier Decks und CABD-Anordnung der Decks auf dem Mixer zu einem mit einer ABCD-Anordnung. Das führt einfach zu Fehlern. Es mag sein, dass andere DJs das für total sinnig und nachvollziehbar halten, ich finde das an einer Performance-Maschine eher schwierig, wenn hier Positionen von Anzeigen die für den schnellen Blick notwendig sind, ihre Anordnung ändern.

Kritisch sehe ich einen Punkt, nicht am Gerät, aber an der Entwicklung immer größerer Screens, hinsichtlich der Performance. Die ersten Streams/Videos von Denon DJ in Kombination mit Beatport-Link haben mir als Zuschauer vor allem eines gezeigt: So viele DJs hängen mit ihrem Blick so dermaßen auf den großen Displays. Es wird alles angeschaut und genau das vermittelt das fehlende Gefühl für Musik. Früher hatte man Tracks im Kopf, Break-Enden hatte man im Gefühl. Heute wird durchgehend auf das Display geschaut. Auf keinen Fall das Break-Ende verpassen, lieber noch einmal hinschauen und am besten bis zum Break…und darüber hinaus. Pitch-Fader schieben bei stehendem Track, noch einmal rückversichern, dass die BPM-Zahlen auf beiden Displays auch gleich sind. Klar, das alles hat es vorher auch gegeben, ich lehne mich aber aus dem Fenster und behaupte: Man hat sich erfolgreich vom „auf den Laptop glotzen“ wegbewegt, nur um sich einige Jahre in einer Situation zu befinden, in der DJs nun erfolgreich auf das riesige Display am Player starren?

Überarbeitet: Das neue Jog-Wheel

Die Überarbeitung des Jog-Wheels gefällt mir gut. Damit möchte ich etwas abgemildert ausdrücken, dass ich sie nach dem SC5000 Prime ehrlich gesagt erwartet hatte. Warum, nun schwierig zu glauben, aber scheinbar war unser Testbericht der einzige der Branche, in dem angemerkt wurde, dass bei schwererem Jog-Wheel-Adjust das Jog-Wheel pro Umdrehung an einem bestimmten Punkt leicht abgebremst wurde. Und das ist bei einem Gerät dieser Preisklasse leider wirklich ein No-Go.

Denon DJ SC6000 Prime

Das Jog-Wheel des Denon DJ SC6000 Prime

Denon DJ hat hier nachgebessert und hämmert mit dem Jog-Wheel des SC6000 Prime ein wirklich solides, sehr gut laufendes Jog-Wheel mit gutem haptischem Feedback hin, bei dem Pioneer DJ nur mithalten kann, weil sie das Jog-Wheel am CDJ-3000 ebenso deutlich verbessert haben.

Laufruhig ist das Jog-Wheel vom SC6000, schwer, ohne dass es schwer wird, robust wirkt es. Dabei ist es optisch dem Vorgänger sehr ähnlich – zum Glück jedoch ohne Stop-Punkt.

Auch an dem Jog-Adjust sind Verbesserungen zu finden. Dieser war früher gerastert, nun ist die Einstellung mehr oder weniger rasterlos einstellbar. Mehr oder weniger bedeutet, dass man nach wie vor noch eine kleine Rasterung spürt, nicht jedoch vorher in richtigen Schritten.

Denon DJ SC6000 Prime

Nicht mehr gerastert: Jog-Wheel-Adjust

Nach wie vor befindet sich mittig ein Display mit einigen Informationen, die angezeigt werden können, alternativ Track-Cover oder auch ein eigenes Cover, wenn gewünscht.

Vinyl-Mode und Start/Stop-Time sind nach wie vor als Funktionen natürlich vorhanden und können rechtsseitig eingestellt werden. Im Vinyl-Mode agiert das Jog-Wheel wie ein Plattenteller (ohne Antrieb, aber dafür gibt es ja den Denon DJ SC6000M Prime), im abgeschalteten Vinyl-Mode (ich nenne den Pioneer DJ-like immer CD-Mode) sind Wheel und Cover-Plate auch funktionell eine Einheit und Bewegungen sind eher Nudge-Move anstelle von Scratch-Bewegungen.

Da die Denon DJ Player pro Gerät zwei Layer bieten, finden sich am Gerät einige wenige visuelle Hinweise darauf, in welchem Layer man aktuell unterwegs sind. Dazu gehört auch der Außenring des Jog-Wheels, dessen Farbe über das Menü eingestellt werden kann.

Streaming direkt auf und über den DJ-Player

Denon DJ öffnet auch mit den Denon DJ SC6000 Prime die Tür zum Streaming. Die WiFi-Konnektivität beziehungsweise die Möglichkeit der Einbindung in ein kabelgebundenes Netzwerk. Damit ist schon einmal die Schnittstelle geschaffen und tatsächlich ist das Einbinden des Players zum Beispiel ins WLAN in etwas so kompliziert…naja, wie es halt ist. Netzwerk auswählen, Passwort eintippen und los.

Tidal ist dann im Gerät direkt schon „eingeschaltet“, Beatport-Link und Soundcloud-Streaming muss kurz im Menü angeschaltet werden.

Denon DJ SC6000 Prime

Auswahl der Streaming-Anbieter im Menü

Das Gerät wird dann kurz über einen Code auf der Seite des Streaming-Anbieters freigeschaltet und dann kann es eigentlich schon losgehen. Auch hier spielt das Display natürlich seine Größe und Haptik aus.

Für die sichere Seite: Die Tracks werden komplett im Cache gespeichert und sollte es zu einem Verbindungsabbruch kommen während des Streamens, steht der Track vollständig zur Verfügung.
Meta-Daten wie gespeicherte Cue-Punkte, Loops etc. werden gespeichert auf dem Speichermedium und können abgerufen werden zu einem späteren Zeitpunkt, wenn der Track erneut von dem jeweiligen Anbieter abgerufen wird. Das ist ziemlich smart.

Qualität und Haptik des Denon DJ SC6000 Prime

Der Denon DJ SC6000 Prime beseitigt ohne Frage einige Probleme, die ich dem SC5000 nach dem Praxis-Test damals unterstellen würde. Allen voran das neue Jog-Wheel ist ein großer Schritt, da sich dieses deutlich besser anfühlt, stabiler wirkt und auch der einmal pro Umdrehung auftretende Bremspunkt, der am SC5000 zu spüren war, nicht mehr vorhanden ist. Good Job.

Der Umbruch zu komplett gummierten Tasten ist ebenso ein guter Schritt gewesen. Das mag für Pioneer CDJ-Nutzer*innen zunächst ungewohnt klingen, aber um ehrlich zu sein, nach rund 10 Jahren hinter CDJs hätte es mich stören müssen – tat es aber nicht. Die gummierten Tasten fühlen sich gut an, ebenso Cue- und Play/Pause-Taste und wirken zudem deutlich wertiger. Der Schritt weg vom vielen Plastik mit hellem Leuchtring seitlich der Taste und „nur“ geschwärzter Oberseite war ein Richtiger.

Alles in allem ein Qualitäts-Upgrade ohne Frage. Hinsichtlich der Haltbarkeit im Club- und Veranstaltungs-Leben kann an dieser Stelle noch keine Auskunft gegeben werden, Mängel jedoch, die Grund zur Sorge geben, sind nicht erkennbar.

Haptik gibt es einen Abzugspunkt für die nach wie vor fummelig zu nutzenden Schnittstellen, gerade an der Front. Da ist das Einstecken in einen CDJ/XDJ einfach sehr viel komfortabler. Zudem, herunterhängende Schlüsselbänder oder was auch immer Nutzer an ihren Sticks haben sind ein Sicherheitsrisiko und die fehlende Übersicht von „wo steckt was“ ist auch nicht unbedingt ein Pluspunkt.
Also, Idee verstanden, den Stick nicht an der Oberseite haben zu wollen, aber versetzt nach hinten an der Front ist nicht weniger verlustbehaftet.

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Fazit

Mit dem Denon DJ SC6000Prime schickt Denon DJ einen wirklich soliden Nachfolger / großen Bruder zum SC5000 Prime auf den Markt, der mit einigen schönen neuen Features aufwarten kann. Das größere Display, Streaming, das neue Jog-Wheel, hier wurde wirklich nachgelegt und das spürt man. Das erwachsenere Design ist dazu noch eine Bonus, man hat sich wegbewegt vom Design alter Numark DJ-Controller, bei denen Farben und Plastik überwiegen. Gummierte Tasten, schwarz mit dezenteren Farb-Aspekten durch die LEDs. Das gefällt.

Schwierig finde ich persönlich wieder einmal die Preisentwicklung. Mit einer UVP von 1799,- Euro gestartet liegt der Preis aktuell bei 1499,- Euro. Noch während das Gerät quasi nicht lieferbar ist. Ersteres freut sicher den Nutzer und ist im Vergleich zur Konkurrenz ein fast unschlagbarer Preis für das, was das Gerät liefert. Und das ist verdammt viel! Allerdings ist der schnelle Preisverfall und damit auch der Wert der Geräte und der Wiederverkaufswert bei Denon DJ / inMusic Brands schon vorprogrammiert, fleißig gefördert von verkaufsfördernden Maßnahmen im Sinne von „buy 2 get one free“ (Rane Twelve & Seventy Two plus einen Rave Twelve kostenfrei) oder der nahezu 50 % Price-Drop bei den SC5000 Prime. Es steht mir nicht zu darüber zu urteilen, als potentieller Besitzer eines Gerätes jedoch fände ich das fragwürdig.

Davon aber abgesehen: Preis-Leistungs-Verhältnis stimmt hier so dermaßen, dass sich Pioneer DJ einfach wirklich verdammt warm anziehen kann. Dafür muss sich Denon DJ mit dem SC6000 Prime im belastenden Club-Leben noch beweisen, aber generell hat der SC6000 Prime nach dem SC5000 Prime einen sehr großen Schritt in genau die Richtung gemacht.

Plus

  • großes Touch-Display mit guter Übersicht und Handling
  • Track-Preview, die mit jedem Mixer funktioniert
  • zwei Layer mit separaten Audioausgängen
  • Performance-Pads
  • WiFi und Netzwerk-Konnektivität und Streaming möglich
  • neu entwickeltes Jog-Wheel
  • Import von Librarys von Fremdanbietern (z. B. Rekordbox) im Gerät
  • Performance-Pads mit unterschiedlichen Modi
  • gummierte Tasten (zuerst ungewöhnlich, dann angenehm)

Minus

  • Preis-Stabilität, möglicher Wiederverkaufswert

Preis

  • 1.499,- Euro
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Forum
  1. Profilbild
    T.W.G  

    Danke für den (relativ) ausführlichen Bericht.

    Was leider unklar bleibt:
    – Wofür/wie ist der Fernbedienungsanschluss tatsächlich nutzbar? Nur mit Denon Equipment oder auch anderweitig und wie?
    – Streaming: Bedarf es hier spezieller Abos der jeweiligen Anbieter oder ist streaming auch mit einem kostenlosen Soundcloud Account über das Gerät möglich?
    – Lässt sich der große „Plattenteller“ auch als Auswahlrad benutzen, d.h. kann ich damit z.B. durch Titellisten blättern?
    – Wie ist das Display bei hellem Tageslicht oder sogar bei Sonneneinstrahlung wenn das Ding draußen steht? Kann man da noch was erkennen?

    Eigene Meinung:
    – Der überall zu beobachtende (Rück)Schritt zu gummierten Tasten ist keine nachhaltig sinnvolle Entscheidung: Es zersetzt sich auf Dauer und man kann sich bei älteren Geräten schon sehr gut angucken wie das in X Jahren aussieht: Es klebt, lässt sich nicht mehr reinigen und sieht grauenhaft aus. Daher sind haltbare Plastik- oder Metalloberflächen langfristig die bessere Wahl.
    – Nutzung einer eingebauten SSD finde ich persönlich spitze wenn man das Gerät als Zuspieler nutzt. Keine nervige App, kein zu konfigurierendes NAS System… läuft einfach.

  2. Profilbild
    zirkuskind  

    Jetzt noch möglich machen in dem Gerät Tracks hin und her zu schieben (von SSD auf Stick und umgekehrt) und wir sind endlich über den Berg:
    Den PC nur noch benutzen müssen um Tracks zu kaufen. Alles andere wird am Gerät gemacht: Ausprobieren, jammen, Ideen sammeln, auflgen auflegen auflegen, um dann den Plattenkoffer ähm ich meine natürlich den Stick zu packen, ohne Zwischenstation am Computer wo du dich wie ein lebendiger Dateimanager fühlst.

    Wenn Denon kapiert an welcher Schwelle sie stehen, könnte das was großes werden.

    Die richtige Vinyl (die schon beim 3700er und 3900 großartig waren) und präzise Steuerung ist das eine, die gut platzierten Performance-Buttons das andere, und dazu kommt der Preis. Welcher nochmal besser wird bedenkt mensch den nun erschienenen Controller.

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