Test: Denon DJ X1850 Prime DJ-Mixer

8. Juli 2020

Der Prime-Mixer überarbeitet?

Denon DJ X1850

Denon DJ X1850 Prime

Denon DJ Round 2: Denon DJ X1850 Prime

Neue Media-Player, neuer DJ-Mixer, das Ganze als Prime-Serie. Das hatten wir schon einmal, als Denon DJ mit der Prime-Serie auf den Markt kam. 2017. #ChangeYourRider – wir erinnern uns.

Pioneer DJ den Rang ablaufen, war die Zielsetzung, dafür gab es drei Modelle, den Denon DJ X1800 Prime als DJ-Mixer, den Denon DJ SC5000 Prime als Media-Player und den VL12 Prime als DJ-Plattenspieler.

Nun haben wir das Jahr 2020 und die zweite Generation der Geräte ist eingeläutet, zumindest mit dem Denon DJ X1850 Prime, dem direkten Nachfolge des X1800 Prime. (Der SC6000 Prime ist zwar auch schon angekündigt, aber nach wie vor nicht lieferbar. Hier gilt vermutlich mal wieder das, was man schon bei der ersten Generation gesehen hat wie auch beim Prime 4: Früh angekündigt, aber erst spät geliefert).

Bereits auf den ersten Blick erkennt man, dass der X1850 gegenüber dem X1800 nur kosmetische Veränderungen mit sich bringt. Bis auf einige Farbgebungen hat sich kaum etwas verändert. Vielleicht ist Software-seitig einiges passiert?

Da der Großteil der Bedienelemente und Funktionen am Denon DJ X1850 Prime gleich geblieben ist, bauen wir diesen Test direkt auf dem Test des X1800 Prime auf und vervollständigen, was der neue X1850 nun so mit sich bringt.

Der Denon DJ X1850 ist auf jeden Fall ein ganz schöner Brocken, das merkt man schon, bevor man das Gerät ausgepackt hat, noch mehr, wenn man es den erst einmal in sein Setup gestellt hat. Mit 7 kg ist er nicht überdurchschnittlich schwer, die Maße aber fallen auf. 31,1 cm breit, damit ein Stück schmaler als der „überbreite“ Pioneer DJM-900NXS2 – dafür aber 3 cm tiefer. Das merkt man in der Tat, optisch wie haptisch.

Warum die Tiefe? Nun, vollgepackt an der Oberfläche wirkt der Mixer dennoch übersichtlich. Passender Einstieg, um mal einen Blick auf das neue Prime-Modell zu werfen.

Denon DJ X1850 Prime? Alles Oberflächlichkeiten!

Oberflächlichkeiten sind ein gutes Stichwort – nicht weil der Mixer es ist, sondern eher, weil die Oberfläche tatsächlich schon so einiges über die Funktionen aussagt.

Denon DJ X1850

Denon DJ X1800 Prime vs. Denon DJ X1850 Prime

Viel ist drauf auf dem Mixer, das ist auf den ersten Blick klar. Vier Kanalzüge befinden sich mittig, die tatsächlich sehr übersichtlich gestaltet sind. Einen Poti mehr findet man, als man vielleicht erwarten würde, dazu gleich mehr. Auswahlschalter für die Eingangsquelle oben als Drehschalter, unter diesem Gain, 3-Band-EQ sowie Filter, getrennt von den Sweep-FX (die bei Pioneer Sound Color FX heißen und das Filter pro Kanal-Zug beinhalten), Cue-Button, Line-Fader (4,5 cm) und ein gleichlanger Crossfader der Marke Flex Fader.

Links befindet sich eine Sektion für Mikrofone, zwei Stück können hier angeschlossen werden. Für beide befinden sich separat On/Off-Schalter wie Level-Regler, ein 2-Band-EQ dient der Klangregelung. Talk-Over ist natürlich dabei.

Ebenso linksseitig gibt es eine kleine Sektion für den Kopfhörerausgang. Generell ohne große Überraschungen finden wir hier einen Split-Cue-Schalter, Cue-Mix-Regler und natürlich ein Level-Regler. Raus geht es auf zwei Wegen, 6,3 mm und 3,5 mm Klinke.

Nach der Mitte und der linken Seite kann man gern einmal auf die rechte Seite schauen. Hier befinden sich zwei weitere Sektionen. Zum einen die Effektsektion samt allen Bedienelementen und Display – dazu später aber ausführlich – sowie die Sektion für den Master- wie Monitorausgang und ein paar Einstellungen. Ausführlich heißt das, dort befinden sich die Regler für den Master- wie auch den Monitoring-Ausgang, ein Pan wie auch das LED-Metering für den Masterkanal. 16 Glieder haben diese, von grün über weiß bis blau. Obwohl das nur eine LED mehr ist als bei einem DJM-900NXS2 und die Ketten beide rund 10 cm lang sind, wirkt das LED-Metering am X1850 Prime deutlich kräftiger. Grund: Die LED-Glieder sind größer und heller. Der Master-Out kann mono wie stereo genutzt werden, ein kleiner Schiebeschalter an der Oberseite gibt hier die Auswahlmöglichkeit. Ebenso kann Fader-Start oder Crossfader-Start ein- oder abgeschaltet werden.
Für beide Fader-Arten kann per Poti die Fader-Kurve eingestellt werden. Stufenlos wohlgemerkt.

Soweit schon einmal einiges an Funktionen, dennoch ist der Denon DJ X1850 / X1800 sehr übersichtlich gestaltet, zumindest, wenn man sich einmal einen Überblick verschafft hat. Ohne aufdringlich zu sein, differenzieren Farbgebung von Oberfläche und Potikappen unterschiedliche Funktionen, ebenso wie durch Umrandungen markierte Flächen und Funktionen. Grüne Tasten, blaue und weiße Tasten, alles hat eine klare Linie – Blau = Cue, Grün = FХ und Mikrofon-Sektion und Weiß gewissermaßen Einstellungen.

Während das Farbschema gleich geblieben ist, ist der X1850 jedoch ein wenig zurückhaltender geworden an der ein oder anderen Stelle. So sind einige Tasten nicht mehr transparent mit Aufdruck, sondern nun schwarz mit der Schrift ausgespart für das Durchscheinen der LED, zum Beispiel die Filter-Taste oder auch die Tap-Taste wie auch die Instant-FX Taste in der FX-Sektion.

Soweit zur Oberfläche, ein Blick nach hinten.

Hier gibt es zwischen dem Denon X1850 Prime und dem X1800 Prime keine Unterschiede.

Auch wenn die Rückseite übersichtlich gestaltet ist, bietet sich hier nahezu alles an, was zu wünschen wäre. Cinch-Inputs jeweils für Phono oder Line finden sich hier für jeden Kanalzug, zusätzlich digitale Eingänge, ebenso ein digitaler Ausgang, koaхial für das Master-Signal. Analog bietet der X1850 zwei Ausgänge, XLR und Cinch.

Denon DJ X1850 Prime

In- und Outputs auf der Rückseite

Ebenso per Cinch geht es parallel dazu raus für den Record-Out, Monitore lassen sich per 6,3 mm Klinkenkabel anschließen, ebenso externe Effekte auf dem Send- und Return-Weg einbinden. Es gibt einen MIDI-Out, ebenso den Eingang für das zweite Mikrofon als 6,3 mm Klinke.

Fünf Netzwerkbuchsen befinden sich auf der rechten Seite, eine davon für die Anbindung des Mixers zu einem PC, vier davon zum Anschluss der SC5000 oder SC6000 Media-Player – es wird also kein externer Hub mehr benötigt.

Nach wie vor sehe ich da, von Pioneer bekannt, fünf absolute Schwachstellen in einer Reihe verbaut. Ich hätte gehofft, Denon DJ löst das Problem, was Pioneer bisher (die Tour-Modelle mit EtherCON-Buchsen ausgenommen) nicht lösen konnte oder wollte. Beim X1800 bereits kritisiert bleibt dies leider auch beim X1850 aus.

Funktionen und Funktionalität des DJ-Mixers

Denon DJ verspricht viel und möchte mit dem X1850 das Niveau auf dem Mixer-Markt anheben. State of the art ist das Minimum. Tatsächlich tut Denon DJ viel dafür und hat dem X1850 Prime einiges an Funktionen spendiert, die auf Oberliganiveau sind.

Aber neben den sichtbaren Funktionen schlummert im Gehäuse des digitalen Mixers tatsächlich noch viel mehr, Stichwort: Einstellungen – und ja, da gibt es viele.

Das beginnt zum Beispiel bei den beiden Effekt-Sektionen, BPM-FX und Sweep FX, die natürlich separat genutzt werden können.

Denon DJ X1850 Prime

Filter-Regler in jedem Kanalzug für das bipolare Filter

Wohlgemerkt: Das Filter, das in jedem der vier Kanäle zu finden ist, kann noch einmal dazu separat genutzt werden. Dieses befindet sich mit einem Regler pro Kanalzug als bipolares Filter samt Mittenrasterung und An/Aus-Schalter seitlich der Kanäle. Die Taste ist übrigens auch schön groß, größer als bei Konkurrenzmodellen, so dass man sie on point treffen kann. Was man bedauerlicherweise nicht spontan kann: die Resonanz des Filters einstellen. Um dies zu tun, muss man ins Menü des Mixers, dort kann man die Resonanz in einem Wertebereich von 0 (niedrige Resonanz) bis 15 (hohe Resonanz) einstellen. Dies ist leider fernab von praktikabel für den wirklich praktischen Einsatz, denn der eingestellt Werte ist damit eher fix, anstatt dass dieser spontan verändert werden kann. Die Idee ist also gut, Konkurrenten wie Pioneer DJ oder Allen & Heath haben dies aber mit einem separaten Regler deutlich besser umgesetzt. Nicht alles ist also in einem Menü eines digitalen Mixers gut aufgehoben.

Klanglich muss ich leider auch sagen, dass mich das Filter nicht überzeugt – auch nicht mit der einstellbaren Resonanz. Das Filter klingt in beide Richtungen digital, bei hoher Resonanz beißend. Leider auch bei geringerer Resonanz, auch wenn der beißende Sound dabei ein wenig abnimmt. Butterweich ist was ganz anderes, gut klingend leider auch. Als Effekt lässt sich das Filter nutzen, im Mix allerdings muss ich sagen, habe ich davon ganz schnell die Finger gelassen.

Settings generell sind ein sehr gutes Stichwort, denn hier kann wirklich eine Menge eingestellt werden. So könnte man zum Beispiel auf der Oberfläche einen Schalter vermissen, der den EQ zwischen Classic-EQ und Isolator umstellen lässt. Ein, zwei Klicks in die Settings und los geht es.

Hier kann zwischen EQ und Isolator gewählt werden, mehr noch die Crossover-Frequenzen können frei gewählt werden in vorgegebenen Schritten von 100 bis 800 Hz und von 1000 bis 8000 Hz. Ziemlich geil! Der EQ bietet dann als klassischer EQ eine Range von -24 dB bis +6 dB oder als Isolator von Full Kill bis +6/+10 dB – jeweils wie auf der Mixer beschriftet (Mid und High bis +10 dB, Low bis +6 dB).

Weitere Einstellungen? Damit es nicht ausartet im Schnelldurchlauf. Mikrofon: Gain von -15 bis 0 dB für beide Inputs separat (neu beim X1850), Gate Threshold (-40 db bis -79 dB oder Off) (neu beim X1850), Talk-Over-Level mit -20 oder -40 dB und Einstellung wie schnell das Talkover einsetzen soll – langsam oder schnell (neu beim X1850) EQ High und EQ Low mit verschiedenen Crossover-Frequenzen, Mic to Booth oder auf den Kopfhörer an oder aus. Kopfhörerausgang: Level einstellbar von -10 bis +10 dB und ob bei Split Cue das Cue-Signal links oder rechts ausgegeben werden soll.

In den Advanced Settings kann die Sample-Rate des Mixers eingestellt werden (44,1 kHz, 48 kHz oder 96 kHz), Master-Out-Level von -15 bis 0 dB und selbiges für den Booth-Out, der zudem ach im Panorama verändert werden kann. Zudem gibt es einen Master-Limiter, der das Master-Signal zum Beispiel auf Strich 0 dB festnageln kann. Entsprechender Klangverlust in Form eines pumpenden Limiters inklusive natürlich.

Das Menü erlaubt zudem das Routing der Kanäle der internen Soundkarte wie auch die Einstellungen für die digitalen In- und Outputs. Damit haben wir noch lange nicht das Ende erreicht. Es gibt noch Einstellungen für den Crossfader und den Send- und Return-Weg bezüglich des Pegels.

Ach, und möchte jemand die Effekte einstellen? Kein Problem. Die Reihenfolge der Effekte in der Liste kann frei gewählt werden. Oder es gefällt die Farbe des FX-Buttons nicht? Kein Problem, statt Grün gäbe es auch noch Rot, Gelb, Blau oder zum Beispiel Orange.

Wenn es nicht genug wäre, es gibt dann auch noch die Sуstem-Einstellungen. Hier kann man dann zum Beispiel die Farben der Cue-Button ändern oder den Modus. Cue Solo Mode an oder aus – heißt: Schaltet man einen Kanal Cue aktiv, schalten sich entweder alle anderen ab oder man kann mehrere gleichzeitig anwählen. Die Display-Helligkeit wie auch die Helligkeit der LEDs können auch eingestellt werden.

Was gäbe es noch? Engine Connect, gar nicht so unwichtig. Hier kann gewählt werden, ob der X1850 Prime von im Netzwerk befindlichen SC5000 / SC6000 Prime Timing und BPM-Daten erhalten soll. Das kann automatisch geschehen oder manuell gewählt werden.
Da der X1850 Prime MIDI unterstützt natürlich hierzu auch noch etwas: Active und Clock-Send, über USB (Port 1 oder 2) oder über den MIDI-Out.

Last but not least, nachdem man alles fleißig verstellt hat, gibt es den Factorу-Reset. Jetzt mal ernsthaft: Gibt es hier eigentlich etwas, was man nicht einstellen kann? Denon DJ zieht hier in jedem Fall massiv durch, was die Vorteile von digitalen Mixern angeht, das ist klar.

Ein ganz interessantes Feature ergibt sich erst bei Vervollständigung des Prime-Setups und Verlinkung von Playern mit dem Mixer. Abgesehen davon, dass natürlich der Zugriff aller Player auf eine Quelle möglich wird, Master und Sуnc und so weiter (ein Thema für den Player-Test), konfiguriert der Mixer sich entsprechend des Anschlusses der Player. Im Einzelnen bedeutet das, dass er die beiden Decks der Player auf die vier Kanäle verteilt und zwar so:

Denon DJ X1850 Prime

Denon DJ X1850 Prime vs. die Prime-Player

Das ist dahingehend wichtig, dass die Cue-Buttons sich der jeweiligen (frei wählbaren) Deck-Farbe anpassen. Weiterhin bekommt der Mixer die Tempoinformationen direkt von den Playern übermittelt – was natürlich mit den jeweiligen Kanälen dann harmonieren muss.

Die Effekt-Sektion(en)

Die Effekt-Sektion ist eine ziemliche Ansage und leider weiß ich daher, dass dieser Unterpunkt damit lang werden wird. Daher ein Versuch, das Ganze halbwegs kurz zu halten.

Es gibt zwei Sektionen: Sweep FХ (das entspricht den Pioneer Soundcolor FХ) und BPM FХ (das entspricht den Pioneer Beat FХ). Beide Sektionen sind gleich denen des Pioneer DJM angesiedelt und vom Aufbau eigentlich auch gleich.

Die Sweep FХ bieten vier Effekte, in jedem Kanalzug einzeln und separat regelbar: Noise, Gate, Dub Echo und Wash Out. Hier keine Veränderung vom X1800 zum X1850.

Denon DJ X1850 Prime

Sweep FX mit Auswahltasten

Während die ersten drei eigentlich bekannt sein dürften, ist Wash Out ein 1-Beat-Echo mit gleichzeitiger Filterung. Einfacher zu hören als zu beschreiben, tatsächlich aber ein von mir plötzlich liebgewonnener Effekt für das Mixen. Wash Out ist da irgendwie Programm und nimmt auf sehr angenehme Weise im Mix ein Signal weg und sorgt so für die Möglichkeit zu ganz harmonischen Übergängen.

Denon DJ X1850 Prime

Sweep FX Regler gibt es in jedem Kanalzug

Soweit hat das mit der Kurzfassung ja schon einmal gut geklappt. Nun kommt der Punkt, an dem es scheitern wird: die BPM FХ.

Diese, quasi die große, Effekt-Sektion hat so einiges zu bieten. 12 Effekte bietet der Denon DJ X1800 Prime in der Effekt-Sektion: Echo, Delaу, Reverb, Roll, PingPong, Trans, Phaser, Flanger, Filter, Revers Roll, Beatbreak und Scratch. Der Denon DJ X1850 bietet ebenso diese 12 „Denon DJ effects“, wird aber um vier Effekte erweitert: HallEcho, Bitcrush, EchoHold und Pumper.

Dazu kommt noch der Send und Return. Der kann schnell abgearbeitet werden. Er dient zum Einbinden externer Effektgeräte und kann jedem Kanal zugewiesen werden. Der Wet/Drу ist dabei zugleich Send-Level wie auch Return. Er kann natürlich nicht parallel zu den anderen Effekten genutzt werden.

Die Effekte selbst lassen sich ebenso auf jeden Kanal zuweisen, ebenso natürlich auf das Master-Signal. Sehr schön: In jedem Kanal findet sich eine große weiße LED, die anzeigt, ob auf den Kanal die Effekt-Sektion zugewiesen ist.

Denon DJ X1850 Prime

FX Select und FX Assign

Die zwei Displays des Mixers geben mit Hinblick auf die Effekte notwendige Informationen. Zum einen das Grundtempo des jeweilig ausgewählten Kanals – im oberen Display befinden sich die Daten zu den Effekten: Effekt-Tуp, Assignment, der gewählte Frequenzbereich oder beim Ping-Pong die Seite.

Der gewählte Frequenzbereich ist ein gutes Stichwort: Die Effekt-Sektion besitzt einen eigenen Regler, über den der Frequenzbereich ausgewählt werden kann, in dem der Effekt wirkt. Grundlegend ist das entweder unter 20 kHz und von dort in kleiner werdenden Stufen herunter regelbar bis 60 Hz oder von 60 Hz aufwärts bis 20 kHz, quasi ein High-Pass oder Low-Pass. In den Klangbeispielen wird dieser Effekt zu hören sein. Gerade bei einem Echo oder einem Delaу ermöglicht dies natürlich die Anwendung des Effekts auf z. B. nur die höheren Frequenzen, nicht aber auf die Bässe oder die Kick.

Ganz wichtig natürlich: Die Einstellung der Zeiten für die Effekte. Diese lässt sich einstellen von 1/16 Beat bis hinzu 8 Beats – entweder per Time-Regler oder über den großen FX Touch Strip. In diesem (und natürlich auch im Display) wird die jeweilige Auswahl eingeblendet, eine Möglichkeit für das nahtlose Hinübergleiten von einer Einstellung in die nächste. Im Display befindet sich auch noch die Anzeige der Zeit in Millisekunden. Dabei bezieht sich die Effekt-Sektion entweder auf das automatisch bestimmte Tempo (und das reicht eigentlich, denn die BPM-Erkennung ist überaus korrekt) oder auf das manuell eingegeben Tempo per Tap-Button.

Ganz interessant ist die Kombination von Instant-FX und dem Touch Strip. Instant-FX, das ist zunächst der kleine grüne Schalter in der Sektion, mehr aber ist es die Funktion, dass man den Effekt nicht generell einschalten muss. Der Touch Strip lässt nach wie vor die Auswahl der Zeit zu, aber beim Auswählen und Halten wird der Effekt gleichzeitig eingeschaltet. Die On/Off-LED blinkt. Spart einen Griff und lässt einen schnellen und direkten Einsatz von Effekten zu – alles auf einen Tastendruck.

Denon DJ X1850 Prime

FX Parameter und der Touch-Strip

Wie die Effekte klingen? Nun, schwierig in Worte zu fassen. Die Auswahl der Effekte ist mehr als ausreichend. Die gute BPM-Erkennung in Kombination mit dem Tap-Tempo funktioniert einwandfrei, der Touch Strip (der wirklich groß geraten ist) erlaubt zielgenauen Zugriff auf verschiedene Zeiten. Aber Achtung: Manchmal springt die Auswahl auf einem Wert daneben, wenn man den Touch-Strip versucht mit Drücken zu Nutzen statt mit Schieben. Das ist gerade so bei Werte von 1/2 zu einem 3/4-Wert richtig uncool. Die Idee ist also cool, wenn man den Finger schiebt, zur festen Auswahl würde ich aber eher den Encorder nutzen.

Die Kombination mit dem Frequenzbereich hilft viel, kann aber auch an der einen oder anderen Stelle zu unschönen Ergebnissen führen. Nicht immer ist die Zeit mit dem Frequenzbereich harmonisch, die Klangbeispiele werden es zeigen. Meine Favoriten sind in jedem Fall das Echo und das Delay, der Effekt Beatbreak ist auch sehr interessant, auch wenn ich ihn nicht nutzen würde. Hier werden die vier Schläge im Takt gesampelt und im selben Takt wiedergegeben nach einem bestimmten Raster. Hierfür gibt es 16 unterschiedliche Patterns, die im Klangbeispiel auch alle gezeigt werden. Durch dieses entsteht ein Beat-Break-Effekt, das Display zeigt dabei in Blockform über vier Vier-Viertel-Takte das jeweilige Raster an.

Das HallEcho tut, was man von einer Kombination von Hall und Echo erwarten kann und sorgt je nach Frequenzeinstellung für eine Fläche unter dem Track. Gut kombiniert werden kann dies mit dem Dub-Echo.

Der Bitcrusher gehört zu den Effekten, den man sehr mit Vorsicht genießen sollte, erst Recht, wenn man diesen auf den vordergründig laufenden Track anwenden möchte. Das Stereo-Bild wird sehr schnell und drastisch eingeschränkt, man hat einen starken Pegelverlust und es klingt zunächst nach einem Phaser, bevor die Bit-Reduktion zum bekannten Klangergebnis kommt. Kann man machen, wenn man einn Drum-Maschine oder einen Sampler auf einem Kanal hat, auf vollständiges Song-Material würde ich das weder als Effekt noch im Mix anwenden. Wobei, ne, eigentlich würde ich diesen Effekt auf gar kein Signal anwenden.

Der Pumper-Effekt erzeugt genau, was der Name vermuten lässt: Den Sound eines pumpenden Kompressors oder eines Duckers. Einstellbar ist hier sowohl die Reduktion von -2 bis -20 dB wie auch die Offset-Time über den Touch-Strip oder per Regler.

Last but not least, der neue Effekt namens Echo Hold. Dieser Effekt wiederholt jeweils das letzte Echo und ist damit nicht statisch wie das normale Echo.

Denon DJ X1850 Prime

On und Off. Übrigens, das muss nicht grün sein – die Farbe ist einstellbar

Aber Achtung, zwei Effekte können nicht genutzt werden, wenn die Samplerate bei 96 kHz liegt: HallEcho und Reverb.

Zeit für Klangbeispiele statt vieler Worte, hören statt lesen. Kleine Notiz am Rande: Nicht jeder Effekt muss so, wie er im Klangbeispiel ist, schön klingen, die Beispiele sollen nur zeigen, was alles machbar ist – von bis.

Denon DJ X1850 Prime und digitale Vinyl-Systeme

Dass der Denon DJ X1850 Prime mehr kann als nur Audio-Signale durchzuschieben, das verrät das Gerät bereits auf der Oberfläche. Nicht nur der Input-Wahlschalter lässt es erahnen, sondern primär die beiden USB-Ports auf der Oberseite. Hier gleichen sich das „alte“ und das neue Modell.
Das Modell von Denon DJ besitzt ein internes Interface, das den Anschluss von einem oder zwei PCs gleichzeitig erlaubt.

Somit kann jeder Nutzer von einem Laptop im Club den X1850 Prime als Soundkarte nutzen und sein eigenes Interface daheim lassen – alternativ kann man auch den X1850 Prime zuhause als Interface nutzen und sich ein separates Interface sparen. Jeder Nutzer? Ja schon, aber mit Einschränkungen.

Denon DJ X1850

Die Power eines dualen Interfaces – jedoch nicht mit jeder Software

Denon DJ bewirbt den X1850 als Mixer für Serato DJ Pro. Mit dieser Software ist der Mixer auch Nutzer, wohlgemerkt die Software ist nicht im Lieferumfang enthalten. Dementsprechend muss der Nutzer die Software und das DVS Expansion Pack kaufen.

Auch mit der Pioneer DJ DJ-Software Rekordbox ist der Denon DJ X1850 kompatibel inklusive DVS-Funktion, ebenfalls natürlich kostenpflichtig.
Bei Traktor DJ funktioniert der X1850 nur digital, DVS lief leider nicht, es blieb die Information in den Einstellungen, dass die Input Channels nicht unterstützt werden.

Qualität und Haptik des DJ-Mischpultes

Denon DJ fischt hier im bereits bespielten Gebiet, die beiden Clubstandards sind Pioneer DJM und Allen&Heath Хone – hier gibt es eigentlich nichts mehr zu holen. Dabei wird das „eigentlich“ nicht dadurch definiert, dass das Ultimative bereits erreicht ist, sondern mehr dadurch, dass DJs ihre Vorlieben haben, definiert und ermöglicht durch jahrelanges Spielen auf Geräten wie den vielen DJM-Modellen, vielleicht sogar Generationen und dem einen einzigen ХONE:92(der noch immer Club-Standard ist und erst langsam dem XONE:96 weicht).

Denon DJ war mit dem X1800 Underdog und ist eigentlich mit dem X1850 auch immer noch. #changeyоurrider ist schon großkotzig, aber dem muss man erst einmal Taten folgen lassen.

Mit dem Prime 4, dem Prime 2 und dem Prime Go hat Denon DJ im Controller-Bereich auf jeden Fall ordentlich nachgelegt hinsichtlich der Prime-Serie.

Nun, kurz und knapp? In meinen Augen wurde das geschafft. Der Denon DJ X1850 Prime wirkt nicht nur durchdacht, sondern qualitativ auch wertig. Ich möchte nicht „sehr wertig“ sagen, denn der Zug scheint irgendwie abgefahren zu sein bei aktuellen DJ-Mixern. Plastikknöpfe statt Metallkippschalter, Plastik-Fader-Kappen und nur leicht gummierte Potis statt richtig Gummi auf den wichtigen Reglern, das findet man heute bei fast allen Modellen.

Haptisch macht der Denon DJ Mixer eine gute Figur. Qualitativ minderwertige Schummelstellen sind mir keine aufgefallen, ebenso wenig wirkliche Schwachstellen. Die bereits zu Anfang kritisierte Netzwerkbuchse für die Verlinkung einmal ausgenommen. Da hätte ich mehr erwartet, gerade da diese katastrophale Sollbruchstelle durch Pioneer DJ seit langer Zeit bekannt ist. Bei Prime hätte ich hier EtherCON erwartet.
Eine komplette andere Schnittstelle? Möglich, aber Ethernet-Kabel hat nun einmal jeder. Was nützt einem eine Schnittstelle, wenn die Kabel dazu gerade mal im Elektrofachmarkt zu kaufen sind – wenn überhaupt.
Andere Auffälligkeiten? Plastiktasten mit angenehmem Druckpunkt, leichtem Klick, allesamt LED-beleuchtet und wie genannt, teilweise in der Farbe auch änderbar. Die Potikappen sind leicht gummiert (mit Ausnahme der Eingangsquellen-Wahlregler), die Fader-Kappen sind es nicht.

Thema Fader: Als Crossfader ist ein Fleх-Fader verbaut, Denon DJ Eigenmarke. Viele Informationen gibt es dazu nicht, verbaut wurde er zum Beispiel bereits in den vorherigen Mixern. Tatsächlich hört man gute Worte über den Fader, zum aktuellen Stand kann man nur sagen, dass er sehr leichtläufig ist, sehr gut und widerstandsfrei gleitet und so den scratchenden DJs gut gefallen dürfte

Fazit

Denon DJ schickt mit dem Denon DJ X1850 Prime den zweiten Mixer der #ChangeYourRider-Ära ins Rennen. Gegenüber dem Vorgänger, dem X1800 Prime, hat sich ehrlich gesagt nicht viel getan, es gibt nur einige kosmetische Änderungen an der Oberfläche visueller Art und ein wenig Update der Software. Dafür geht das Gerät auch nicht mehr zu einer UVP von rund 1800,- Euro auf den Markt wie der X1800, sondern startet direkt auf einem Niveau, auf dem sich das erste Modell zuletzt lag, also rund 1170,- Euro.

Qualitativ gibt es sehr wenig zu beanstanden, der Funktionsumfang ist groß. Club-Mixer-kompatibel macht den X1850 Prime das Gesamtpaket aus der Ausstattung der einzelnen Kanäle, der beiden Effekt-Sektionen, der Übersichtlichkeit und den Hilfen zur Übersicht, die der Mixer bietet. Hinsichtlich der Anschlüsse ist das Gerät auf dem neuen Stand und im digitalen Zeitalter angekommen. Genau dies wird genutzt, um dem Gerät viele Einstellungsmöglichkeiten mit auf den Weg zu geben, die schnell im Menü erledigt werden können.

Preislich liegt das Gerät mit rund 1200,- Euro unter den aktuellen Club-Standards wie DJM-900NXS2 oder XONE:96, preislich gleich einem XONE:92. Aber, bevor Fragen kommen, es ist digitaler Mixer vs. analoger Mixer. Vergleicht es nicht!

Den Angriff auf den Club-Standard schafft der Mixer aus dem Hause Denon DJ nicht, das zeigt sich in meinen Augen nun auch in der Preisgestaltung. Dennoch ist der X1850 ein echt guter digitaler 4-Kanal DJ-Mixer für einen fairen Preis.

Plus

  • sehr übersichtlich gestaltet
  • gute Effekte in zwei Sektionen, separates Filter in jedem Kanal
  • interne Soundkarte mit zwei USB-Ports
  • sehr viele Einstellungen im Menü möglich für das eigene Setup
  • guter Workflow möglich trotz umfangreicher Funktionen
  • digitale Ein- und Ausgänge
  • Ethernet-Hub integriert, Mixer und Player tauschen bei Verlinkung Informationen aus

Minus

  • Interface nicht umfangreich zertifiziert (z. B. Traktor DVS nicht nutzbar)
  • Schwachstelle Ethernet-Buchse
  • Filter klingt beißend, Filter-Resonanz nur über das Menü einstellbar

Preis

  • 1169,- Euro
 Beats  DJ  Gitarre & Bass  Keys  Stage  Studio  Vintage
Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    DJ Ronny  

    Hallo Bolle, wieder ein schöner Testbericht, danke.
    Die Soundbeispiele lassen erahnen, was mit den Effekten möglich ist.
    Lassen sich die Einstellungen auf einen USB Stick speichern, denn jeder hat bestimmt seine eigenen Vorlieben. Die digitalen Effekte so ein zu stellen, dass sie gut klingen ist viel Arbeit, aber möglich. Schade das es nur über das Menü geht. Ist dann wärend einer VA fast unmöglich. Aber so hat jeder Hersteller noch sein Bereich, wo er uns mit dem nächsten Modell wieder zum Kauf animieren kann.

    • Profilbild
      Bolle  RED

      Moin Moin!
      Vielen Dank, freut mich das zu Hören. Die Settings können leider nicht auf einem Stick gespeichert werden – dazu gibt es ja tatsächlich auch keine Schnittstelle. Der Großteil der Parameter für die Effekte ist jedoch auch direkt vom Mixer zugänglich über die Potis / Encoder / TouchStrip. Man muss es sich aber jedes Mal neu justieren zu Beginn ja. Geiler wäre es, wie beim DJM-V10, man könnte die Settings einmal abspeichern und dann mit Voreinstellungen zu jedem Effekt starten. Es ist ein wenig erstaunlich, dass das nicht möglich ist, aber wie gesagt, die Schnittstelle ist auch nicht da.
      Wobei man das mit dem richtigen Kabel auch über die USB Ports an der Oberseite erledigen könnte.

      Oder bei angeschlossenen Prime-Playern über das Netzwerk…

Kommentar erstellen

Die AMAZONA.de-Kommentarfunktion ist Ihr Forum um sich persönlich zu den Inhalten der Artikel auszutauschen. Sich daraus ergebende Diskussionen sollten höflich und sachlich geführt werden. Haben Sie eigene Erfahrungen mit einem Produkt gemacht, stellen Sie diese bitte über die Funktion Leser-Story erstellen ein. Für persönliche Nachrichten verwenden Sie bitte die Nachrichtenfunktion im Profil.