Test: Elektron Model Cycles, FM-Drumcomputer

10. April 2020

Drumcomputer mit FM-Sound

test elektron model cycles

Elektron Model Cycles, FM-Drumcomputer

Mit der Model-Reihe bietet Elektron Geräte in einem günstigeren Preissektor an. Das Model:Samples wird nun durch das Model:Cycles ergänzt. Dabei setzt Model:Cycles auf die digitale FM-Synthese und die FM-Engine des Elektron Digitone auf das Wesentlichste reduziert. Das Ziel sind keine „Parameterschlachten“, sondern optimierte „perkussive“ Klänge. Inwieweit dieses Konzept aufgeht, spüren wir im Test nach.

Auspacken

Elektron Model:Cycles Unboxing

Auf dem umweltverträglichen Lieferkarton des Model:Cycles lässt sich mit viel Fantasie “COLOR, CONTOUR, SWEEP, SHAPE“ lesen. Innen befindet sich der Model:Cycles, zwei MIDI-Adapter im Format Miniklinken-auf-DIN, ein Verbindungskabel USB-Micro auf USB-A, ein externes Netzteil und ein Stickerbogen mit Motiven, die zwischen, sagen wir mal „ausgefallen“ und „gewöhnungsbedürftig“ liegen.

Elektron Model:Cycles Inhalt

Die ganze Drumherumästhetik zum Cycles, auch auf der Elektron Website, erinnert mich an eine Mischung aus den 90er Acid/Trance-Designs und dem Stil der US-amerikanischen 60er/70er-Jahre Underground-Comics – die Off-Seite des Flower Power, dort wo der bewusstseinserweiternde Trip so richtig schiefgelaufen ist.

Elektron Model:Cycles Sticker

Wie dem auch sei, der Cycles ist ein beiges Kästchen, etwas größer als ein DIN A5 Bogen. Genau genommen 270 x 180 x 40 mm, wobei die Regler ziemlich genau 10 mm an dieser Gesamthöhe teilhaben. Mit etwas über 800 g ist er auch nicht sonderlich schwer und steht trotz Gummifüßen leider nicht allzu rutschfest auf glatten Tischen. Das Plastikgehäuse macht aber einen robusten Eindruck.

DC-Eingang

Die 16 Drehregler sind allesamt Encoder, was die einzig vernünftige Wahl bei dieser Art von Geräten ist und, genau wie die Taster, wohl aus Silikon (geruchsfrei). Während die Encoder einen schönen Drehwiderstand besitzen, haben die Taster zwar einen hinreichend gut definierten Druckpunkt, verhalten sich beim Drücken aber recht schwammig. Jedoch trifft man immer den Druckpunkt, egal von welchem Winkel aus, daher nehme ich das mal als Plus. Die sechs druckempfindlichen TRACK-Tasten reagieren dagegen sehr hart und „MPC-like“ .

test elektron model cycles

An Anschlüssen gibt es einen Kopfhörerausgang in großer Klinkenausführung, zwei symmetrische (!) große Klinkenbuchsen und einen Mini-MIDI-Ein- und Ausgang-/Thru-Klinkenbuchse im 3,5 mm Format.

Hier sollte ganz besonders erwähnt werden, dass die Mini-MIDI-Buchsen zu beiden Formaten A (offizieller MIDI-Standard) und B (invers) kompatibel geschaltet werden können, wobei nur der Ausgang umgeschaltet werden muss, der Eingang erkennt die Beschaltung automatisch.

Hier noch mal eine Erinnerung:

TRS > MIDI Male Type A (Standard): z. B. Akai Pro, IK Multimedia, Korg, Line 6, littleBits, Make Noise, Elektron

Pin 5-Tip (Current Sink)
Pin 4- Ring (Current Source)
Pin 2 – Sleeve (Shield)

TRS > MIDI Type B (invers): z. B. Arturia, Music1010, Novation
Pin 5 – Ring (Current Sink)
Pin 4 – Tip (Current Source)
Pin 2 – Sleeve (Shield)

Audio & MIDI

Ansonsten befindet sich noch der klassenkompatible 2.0-Micro-USB-Port am Gerät. Über diesen lassen sich nicht nur MIDI-Daten vom und zum Rechner senden, sondern der Model:Cycles dient auch als 2×2 USB-klassenkompatibles Audiointerface!

test elektron model cycles

Sicher, der Cycles hat keinen analogen Audioeingang, aber ein Stereosignal kann über USB vom Rechner empfangen und von dort gesendet und an den Klinkenbuchsen, gemischt mit dem Signal des Cycles, ausgegeben werden. Damit erübrigt sich für ultraportable Setups, wie beispielsweise iPad und Cycles, die Notwendigkeit eines weiteren Audiointerfaces. Das allein hebt (bei mir) schon den Haben-wollen-Impuls um den Faktor 1.000 und das Beste daran ist, es lässt sich dabei in beide Richtungen ein umfangreiches Routing festlegen, was wohin gesendet wird. Also ob MIDI über USB und/oder DIN kommuniziert wird, ob Controller-Daten zur externen Steuerung des Cycles empfangen werden oder welche Tracks an die Hauptausgänge und/oder den Kopfhörerausgang (Monitoring) oder zusätzlich über USB geschickt werden.

Es lässt sich sogar einstellen, ob die Effektanteile von Delay und Reverb mit über USB ausgeben werden oder nicht, unabhängig von den analogen Ausgängen! Ebenso lassen sich auch die MIDI-Daten des Sequencers als sechs separate MIDI-Tracks in der DAW aufnehmen und senden. Allein das Ausloten dieser Möglichkeiten eröffnet ein sehr weites und nützliches Feld an Szenarien für Live-Gigs und im Studio.

Die Sample-Rate liegt dabei feststehend bei 48 kHz @ 24 Bit. Mit dieser Qualität geht auch die Digital-Analog-Wandlung an den Hauptausgängen vonstatten.

Für die Stromversorgung gibt es einen DC-Anschluss und hinter einer Silikonkappe versteckt befindet sich ein Anschluss speziell für Batteriestrom. Der Model:Cycles bedarf unbedingt einer eigenen Stromversorgung. Strom über USB funktioniert nicht!

elektron model cycles test

Für die Batterieversorgung soll es von Elektron einen stylischen Akku-Griff, die Power Handle BP-1, für 410,- SEK (ca. 38,- Euro) geben. Sie ist zurzeit aber noch nicht verfügbar. Der Strombedarf wird dabei mit 4 – 10 V Gleichspannung angegeben, der Netzstecker mit 5 V, 1 A ist wie so oft ein nicht allzu teures Beigabenstück.

Bedienung

Die vielfältigen, aber kompakten Möglichkeiten des Cycles erfordern leider viele Sekundärfunktion, nur 10 Encoder kommen tatsächlich ohne diese aus. Das Aufrufen einer Sekundärfunktion geschieht über den FUNC-Taster + Bedienelement.

Bei Spezialfällen – wie Step-NUDGE oder CHORDS, die das Microtiming bzw. die Akkordtonart für jeden Step einzeln regulieren, wie auch für das Parameter-Locking, muss zusätzlich noch der RECORD-Modus aktiviert sein

Alle globalen Konfigurationseinstellungen des Cycles, wie das Verwalten von Patterns und Projekten, MIDI-, Audio-, Backup-, Upgrade- und Geräteeinstellungen geschehen über den Schraubenschlüssel-Taster und den drucksensitiven LEVEL/DATA-Encoder. Mit der RETURN-Taste gelangt man wieder jeweils eine Menü-Ebene zurück. Die Audio/MIDI-Einstellungen wurden schon besprochen. Weitere Einstellungen für die Helligkeit von LCD und LEDs befinden sich auch hier. Die Menü-Navigation ist soweit annehmbar gelungen, jedoch ist es nicht immer ersichtlich, ob ein Parameter durch Drehen (LEVEL) oder Drücken (DATA) verändert wird.

Klangerzeugung

Model:Cycles

Cycles ist zwar ein FM-Drumcomputer, aber Elektron haben allen „Ballast“ aus ihrer Digitone-Engine rausgeworfen und auf sechs klangerzeugende „Maschinen“ mit je vier Parameter reduziert. Die FM-Machine-Algorithmen sind KICK, SNARE, METAL (Cymbals, HiHats), PERC (Toms, Wood), TONE (2-Operatoren FM-Synthesizer) und CHORD (FM-Synthese auf Wavetable-Basis, welche die vier FM-Operatoren als Einzelstimmen spielt). Die vier Parameter COLOR, CONTOUR, SWEEP, SHAPE sind dabei das klangerzeugende Credo beim Model:Cycles und haben für jede Maschine eine andere Belegung:

Kick/Snare (Handbuchauszug)

 

Metal/Perc (Handbuchauszug)

 

Tone / Chord (Handbuchauszug)

Zu den vier Parametern gibt es im LCD zwar lustige Statusanimationen, eine hilfreiche Kurzbeschreibung, was die Parameter denn genau machen, hätte ich aber besser gefunden. So muss man entweder alle 32 Encoder-Belegungen im Kopf haben oder man schraubt halt einfach drauflos.

Zum Glück ist das aber beim Cycles eine sehr ergebnisreiche Tätigkeit, denn die Maschinen sind so geeicht, dass eigentlich gar keine „unbrauchbaren“ Sounds erzeugt werden können. Das spart viel Zeit und Frust, auf der anderen Seite ist der Basisklang der Maschinen aber immer etwas „samey“, egal wie weit man dreht. Aber eine geringe Klangbandbreite haben andere Instrumente auch nicht davon abgehalten, Kultobjekte zu werden, sondern gerade wegen ihres festgelegten Charakters. Beim Cycles ist es aber egal, auf welchem Track und wie oft eine Maschine instanziiert wird, wenn es einem Spaß macht, können auch sechs Kicks oder Chords auf einmal verwendet werden.

Da ist das Parameter-Locking für Maschinen innerhalb eines Patterns auch nur konsequent. Einfach den TRIGGER-Taster (Elektron-Jargon für Step) halten und zweimal den MACHINE-Taster drücken (nur einmal zum Laden eines anderen Presets) – eine weitere Eigenschaft, die den Cycles für mich ganz nach oben katapultiert, denn schon bei der Novation Mono Station habe ich die ähnlich ausgerichtete Page-Flip-Fähigkeit sehr schnell lieben gelernt, weil sie die Möglichkeiten unglaublich erweitert.

Allerdings finde ich es ergonomisch sehr unglücklich, dass die vier Maschinen-Parameter über zwei Reihen verstreut sind, anstatt in einer zusammengefasst zu sein. Darüber stolpere ich jedes Mal beim Bedienen!

Die anderen Parameter sind alle selbsterklärend: PITCH regelt die Tonhöhe, DECAY die Abklingphase, DELAY- und REVERB-SEND regeln den Effektanteil und CHANCE (in Prozent) die Wahrscheinlichkeit, dass ein Step gespielt wird.

LFO Menü

Der einzige tiefergehende Parameter ist der LFO, der mit einer von sieben Schwingungsformen eines von 13 Zielen modulieren kann. Die LFO-Frequenz ist dabei als Produkt zwischen der LFO-SPEED (gemessen in ganzen Noten) und dem MULTIPLIKATOR angelegt. MUL kann dabei als Vielfaches des aktuellen BPM-Werts (X-Präfix) oder ein Vielfaches von 120 BPM, unabhängig vom BPM-Wert, eingestellt werden.

LFO-Speed

Über den LFO muss im Übrigen auch die ansonsten fehlende Attack-Phase realisiert werden. Was ich jetzt auch nicht so prall finde. Für eine Attack-Phase muss dazu der LFO mit der Spezialeinstellung ENV verwendet werden, der dann bei jedem Step zurückgesetzt wird. Zusätzlich muss GATE=ON und Velocity FIX=OFF gesetzt werden. Dann wird die Attack-Phase über die LFO-Frequenz (SPD+MUL) gesetzt, wobei das Modulationsziel auf DISTORTION/VOLUME und die Modulationstiefe auf -64 eingestellt werden muss. Das ist im höchsten Maße idiosynkratisch! Da der Model:Cycles jedoch in erste Linie als Drummachine entworfen wurde, nimmt das der Sache wieder etwas die Schärfe.

Etwas gewöhnungsbedürftig ist auch der Parameter VOLUME+DISTORTION, der sowohl die Lautstärke als auch die Verzerrung regelt und die beginnt schon ab ca. 40 %. Die Parameteranimation im LCD zeigt dabei sehr aufschlussreich, wie aus einer Sinusschwingung eine rechteckige wird und genau so hört es sich auch an. Das digitale „Verzerrungsmodel“ klingt gar nicht mal schlecht, aber eben digital und mehr „crunchy“ als dreckig, dafür per Parameter-Locking auch pro Step.

Möchte man die Lautstärke auf digitaler Ebene ohne die Verzerrung anpassen, lässt sich das auf Track-Ebene direkt über den LEVEL/DATA-Regler einstellen, wobei sich mit FUNC+LEVEL auch das Panorama eines Tracks einstellen lässt. Die Lautstärke pro Step wird über Halten eines TRIG-Tasters und den LEVEL-Encoder angepasst. Auch die Notenlänge (dazu später mehr) pro Step wird so angepasst. Der MAIN VOLUME-Encoder regelt nur die Lautstärke des analogen Ausgangssignals und dient auch dazu, den Cycles ein- und auszuschalten.

Beim Regeln der Track- und Step-Lautstärken sollte man generell konservativer zuwege gehen, denn es ist durchaus möglich, den internen digitalen Summierer zu übersteuern und Clipping im USB-Signal zu erzeugen. Der zuschaltbare Kompressor dient da mehr der Klangfärbung als der Pegelkontrolle.

Clipping über USB

Selbstgemachte Klänge können im Übrigen als Presets über die Tasten FUNC + MACHINE in dem internen sogenannten DRIVE+ gespeichert und in Ordnern organisiert werden. Wird ein ganzer Ordner auf einmal geladen, dann achtet Cycles bei der Namensgebung auf Nummern. Heißt ein Preset z. B. HiHat6, dann wird es automatisch auf Track 6 geladen. Hat es keine Nummer, wird es auf den nächsten freien Track geladen. Beim Laden eines Presets geschieht das natürlich nicht! In einem Pattern (6 Track mit x-Steps) können bis zu 70 Presets auf einmal verwendet werden, dank Parameter-Locking. Also quasi bei 6 Tracks mit je 64 Steps auf jedem 6. Step ein neues Preset.

Sequencer

Elektron Model:Cycles in Aktion

Model:Cycles bietet zwei Aufnahmemodi. Beim GRID-Aufnahmemodus reicht es, einfach den RECORD-Modus zu aktivieren und die gewünschten Steps zu setzen. Im LIVE-Aufnahmemodus dienen die 16 TRIG-Taster als Klaviatur. Der LIVE-Modus wird über REC + PLAY aktiviert. Halten von REC + 2x schnelles Drücken von PLAY de-/reaktiviert die Quantisierung. Die TRIG-Taster sind jedoch unempfindlich für die Anschlagsstärke. Diese sowie Tonhöhe und Notenlänge lassen sich aber im Nachhinein per TRIG + Drücken und Drehen des DATA-Encoder editieren.

STEP-Menü

Die Notenlänge wird dabei in Dezimalwerten und Taktmaßen angegeben. Die Reihe der Dezimalwerte liegen in Einklang mit der Notenlänge in Sekunden bei 40 BPM: 0,125 – 0,188 – 1/64 (0,250) … 1/32 (0,500) 1/16 (1,00), 1/4 (4,00). 1/2 (8,00) etc., jedoch ändern sich die Dezimalwerte nicht, wenn der BPM-Wert am Gerät verändert wird. Die Werte dürften daher also einen Faktor darstellen. Der längste Notenwert ist jedenfalls „128“ was vier ganzen Noten entspräche. Bei der INFINITE-Einstellung ist die Notenlänge allein vom GATE abhängig, d. h. es spielt so lange, bis der TRIG-Taster losgelassen wird.

Im LIVE-Aufnahmemodus lassen sich auch alle Tracks gleichzeitig über die anschlagsdynamischen TRACK-Taster (T1 – T6) einspielen. Doch Vorsicht, möchte man bei der LIVE-Aufnahme die Tracks wechseln, muss das Umschalten über die TRACK + T1 – T6 erfolgen. Drückt man nur T1 bis T6, wird der Tastenanschlag mit aufgezeichnet. Denjenigen, denen das immer noch nicht reicht, können über die MIDI-Kanäle 1 bis 6 die Patterns live einspielen. Ist die Aufnahme abgeschaltet, dienen die TRIG-Tasten generell als Klaviatur. Sehr gut zum Jammen zu den andern Tracks.

Das Parameter-Locking geht super einfach vonstatten, indem im Aufnahmemodus einen der TRIG-Taster gehalten und am gewünschten Regler gedreht wird. Auch Preset-Wechsel und MACHINE-Wechsel sind so möglich wie schon beschrieben.

Zusätzliche Einstellungen lassen sich über FUNC + TRACK erreichen. Transpose, MIDI-Ausgabe und die Basisnote im GRID-Aufnahmemodus lassen sich hier einstellen. Weitere Optionen können über PAGE aufgerufen werden.

SCALE-Menü

Der PAGE-Taster dient normalerweise zum Weiterschalten durch maximal 4 Step-Seiten, wenn ein Pattern/Track entsprechend länger als 16 Steps ist. Doch in dem Sekundärmenü SCALE, das über FUNC +PAGE zu erreichen ist, können noch weitere Eigenschaften der Tracks skaliert werden – daher der Name. So lässt sich hier nicht nur die maximale Länge von 64 Steps einstellen, sondern auch ob die Länge für den aktuellen Track oder für das gesamte Pattern gilt.

Das Gleiche gilt für die weiteren Skalierungsmöglichkeiten des Tracks/Patterns mit einem Geschwindigkeitsfaktor, der zwischen acht Mal solange bis doppelt so schnell liegt. Mit den Einstellungen 3/2 und 3/4 gibt es auch weniger langweilige Faktoren. Im Gesamten aber ein guter Schritt in Richtung Flexibilität und Polyrhythmus. Die Pattern-Länge lässt sich im SCALE-Modus auch sehr bequem über die PAGE- und TRIG-Taster festlegen. Schließlich bestimmt CHANGE, wie oft ein Pattern wiederholt wird, bevor es zum nächsten in der Chain geht – maximal 1.024-mal.

Ein weiteres tolles Feature ist das Auto-Fill in einem Track. Werden einem Track Steps hinzugefügt, werden die bisherigen Steps automatisch entsprechend angefügt.

Was das Pattern-Chaining angeht, können bis zu 64 Patterns über die sechs Bänke hinweg zu einem „Song“ zusammengefügt werden – theoretisch. In der Praxis kann man bei Firmware V1.12 diese Funktion jedoch getrost vergessen.

elektron model cycles test

Derzeit muss man PATTERN halten, dann über T1 – T6 eine Bank A bis H auswählen und dann das erste Pattern, das in der Chain gespielt werden soll, permanent halten. Erst dann lassen sich mit den TRACK + STEP Tasten weitere Patterns hinzufügen – also eine Drei-Finger-Operation mit zwei Händen. Die Chain kann dann auch im Nachhinein in keiner Weise angezeigt, editiert oder gespeichert werden. Am Gerät ist die Chain also für die Katz‘. Hier ist dringender Verbesserungsbedarf seitens Elektron geboten! Zum Glück lassen sich Chains auch extern über MIDI-Program-Change-Befehle realisieren.

Die ganzen Pattern- und Track-Einstellungen wirken auf mich etwas verstreut und ich hatte immer Probleme, mich daran zu erinnern, wie die einzelnen Funktionen jetzt versteckt sind. Aber wie alle Idiosynkratien legt sich das wohl mit steigender Vertrautheit mit dem Cycles.

Das Stummschalten der Tracks geschieht mit FUNC + T1 – T6 entweder global und bleibt dann auch über Pattern-Wechsel hinweg oder temporär über Halten der TRACK-Tasten.

Die größte Hürde beim Cycles ist es, das Pattern erst mal so einzustellen, wie man es haben möchte. Danach geht das Arbeiten mit dem Sequencer, trotz der Sekundärfunktionen, sehr flott und produktiv vonstatten und vor allem sicher und absolut absturzfrei (was ja leider heutzutage ja ganz und gar nicht mehr vorausgesetzt werden kann).

Latenzen (Ableton Live 10.1.9)

Ausgangslatenz 48 kHz:

  • 64 Samples: 3,35 ms
  • 128 Samples: 4,69 ms
  • 259 Samples: 7,35 ms

Klang (als Interface)

Beim audiophilen Hörtest macht der Model:Cycles eine durchaus durchwachsene Performance. Der Klang ist offen und musikalisch mit einer deutlich angehobenen, aber nicht überbordenden Präsenz im Bassbereich und den Mitten, was dem Gesamteindruck mehr Wumms und Drive beschert. Durch die etwas bedämpften Höhen werden Hallfahnen jedoch weniger ausdekliniert.

Ich finde der Klangcharakter geht sehr in Richtung Focusrite (Clarett), wobei mir das Focusrite aber die deutlich besseren Hallfahnen macht. Beim Cycles gefällt mir die räumliche Darstellung besser und eine lineare Darstellung ist auch was anderes. Bei Impulstreue und Transientendarstellung ist der Cycles sehr überzeugend, jedoch werden sonstige Details eher verschluckt. Die Stärke des Cycles dürfte allerdings die Durchhörbarkeit des Materials sein. Spuren werden sehr klar voneinander differenziert wiedergeben. Dem kann selbst ein so überproduzierten Stück Nine Inch Nails „We‘re In This Together“ (das benutze ich immer in den High-End DAC-Tests als Maßstab) nicht allzu viel anhaben. Die Klangästhetik wurde wohl auch für Gesangseinlagen angepasst, denn Stimmen kommen neben dem Bass, beim Cycles immer besonders ansprechend und durchsetzungsfähig rüber. So ist auch Musikhören oder Produzieren alleine mit dem Cycles als Interface nur bedingt spaßig, ließe sich zur Not aber bewerkstelligen, wenn man die Eigenheiten beachtet. Insgesamt ist der Klang des Cycles mehr auf „Nähe und Wärme“ als auf analytische Details ausgelegt, was im Drumcomputer- und Live-Kontext auch sehr sinnvoll und ansprechend ist.

Audiodemos

Die Audiodemos wurden gleichzeitig über USB und den analogen Ausgang (über Audient EVO 4) aufgenommen. Die Lautstärke wurde dabei grob angeglichen.

elektron model cycles test

Fazit

Manchmal merkt man, wenn ein Produkt nach einer Checkliste entwickelt wurde, so wie es hier der Fall ist: Elektron hat mit dem Model:Cycles alle wichtigen Checkboxen und (persönlichen) Trigger abgehakt, die man von einer aktuellen Drummachine einfach erwartet. Das Gerät ist absolut hands-on, der Sequencer bietet alles, was ein moderner Sequencer haben muss und das Parameter-Locking kann umfangreicher kaum sein. Der Sound ist druckvoll, durchsetzungsfähig und klar. Digital ja, aber keinesfalls steril und selbst wenn die Distortion mehr crunchy als dreckig ist, der Sound macht an. Auch das Erstellen und Nachbearbeiten der Spuren ist vorbildlich!

Das Elektron Model:Cycles ist das Frischeste und Interessanteste, neben dem Division Department 01/IV und dem Beepstreet Drambo, das es in letzter Zeit im Einsteigersegment der Drumcomputer zu kaufen gab. Der einzige Makel des Model:Cycles sind die fehlenden Einzelausgänge, was aber auch auf den großen Bruder Digitone zutrifft, der die einzige echte Konkurrenz darstellt.

Einfach, eingängig, preiswert – Elektron Model:Cyles hat ein sehr SEHR GUT mehr als verdient, weil es einfach Spaß macht und bekommt von mir eine Nominierung zum persönlichen BEST BUY noch obendrauf.

This is the hot shit!

Plus

  • Klang
  • Encoder
  • FM-Drums
  • Sequencer
  • Parameter-Locking
  • Audioanbindung
  • MIDI-Anbindung
  • Preis

Minus

  • CHAIN-Funktion in Firmware V1.1.2 unbrauchbar
  • Attack nur über LFO realisierbar
  • keine EInzelausgänge
  • die langweiligste Farbe von allen (noch vor Schwarz)
  • teilweise etwas undurchsichtige Verteilung der verschiedenen Einstellungsmöglichkeiten

Preis

  • 329,- Euro
Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    CloudSounds  

    Tolles Gerät, schöner Test!

    Noch ein Tipp für diejenigen, die mobil sein wollen, jedoch nicht auf diesen „Akku-Griff“ warten möchten: besorgt euch für ca. 6 -7 EUR ein entsprechendes USB auf DC-Kabel von myvolts. Alternative: das teurere RipCord (ca. 15 EUR, das günstige Kabel tut’s aber auch). Das Kabel findet man beim großen A. Passt für Cycles und Samples, wird an den normalen DC-Input angeschlossen und ihr seid mit ner Powerbank mobil.

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    martin stimming  

    Ich hab mich mit dem Teil ja auch auseinander gesetzt und komme mit etwas Abstand zu dem Ergebnis dass sich der Preis hier vor allem in der Haptik bemerkbar macht. Ich hab keine Lust diese Gummis zu drücken und die ja eigentlich sehr faszinierende Komplexität über das miniminidisplay zu erkunden.

    Aber für Einsteiger ist das wirklich eine absolute Knaller Kiste!

    • Profilbild
      CloudSounds  

      Dafür klackert es nicht so Elektron-typisch laut beim Knöpfchendrücken… Gut, bei den Pads verstaucht man sich dafür halt die Finger ;-)

      Du hattest es ja in deinem Test deutlich gemacht: Cycles und auch Samples sind halt eher Kompromisse hinsichtlich Preis und Haptik (sowie Langlebigkeit) bei tollem Klang und coolen Möglichkeiten, wenn auch nicht (mehr) alternativlos. Dennoch: ein guter Einstieg in die Elektron-Welt. Von daher war dein Test mal wieder sehr, sehr ehrlich, was ich zu schätzen weiß!

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      dilux  AHU

      weisst du, wieviel postproduction die telekom bei deinen reviews dem audiopfad zukommen lässt?

      in deinem testvideo wirkt der sound der cycles viel kompakter und mit deutlich mehr punch, verglichen mit den audiobeispielen hier…

      ich mag den sound schon, vermisse aber schmerzlich die einzel-outs!

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        Coin  AHU

        Vielleicht hat der Herr Stimming sein eigens für Ihn gebauten DOCtron Instant Mastering Prozessor noch dran gehabt ?

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        Markus Schroeder  RED

        Das könnte aber auch daran liegen, dass ich mit dem Peaks bei der Aufnahme recht vorsichtig war. Bekanntlich ist ja leiser = schlechter.

        :)

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    lightman  AHU

    Klingt gut, allerdings auch nicht so viel besser als mein FM-Verbund mit diversen 4- und 6op-Synths. Die Erstellung von Drums und Percs mit FM-Synths ist eines meiner Steckenpferde, dank der 8-fachen Multitimbralität der 4ops wie FB-01, TX81Z und YS200 kann ich bei Bedarf umfangreiche Soundbänke erstellen, die dann mit dem TriggerFinger Pro gespielt und in Notator aufgenommen werden.

    Deutlich interessanter als der pure Klang sind da die Modulations- und Echtzeit-Möglichkeiten des Model:Cycles, in dieser Beziehung sind meinem FM-Setup mit alten Kisten enge Grenzen gesetzt, wobei man mit dem FB-01 eine Menge Variationen hinkriegt, wenn man die Eigenheiten der Kiste ausnutzt (Stichwort nur ein LFO und Auswirkung eines Patches mit LFO-Einstellungen auf die anderen 7 Parts + Modwheel). Das funzt ansatzweise auch beim TX81Z, wenngleich nicht so drastisch.

    Hier werde ich also vorerst passen und abwarten, was Elektron in dieser Serie noch so alles auflegt. Model:Samples war schon mal ein guter Anfang, das FM-Teil sieht auch gut aus, demnächst kommt bestimmt was mit Wavetables oder Granular-Synthese, Letzteres würde ich bevorzugen.

  4. Profilbild
    Soundreverend  AHU

    Ich hatte den model_samples und schnell wieder verkauft. Der Preis ist für das was man bekommt echt ok und bestimmt auch für Einsteiger gut. Aber mir ist es zu viel Plastik, zu leicht und das Display viel zu klein, das man beim Auswählen den Push Encoder drücken muss empfand ich auch als umständlich und die „anschlagsdynamischen“ Pads viel zu hart. Alles IMHO.

    Ich würde dann doch empfehlen etwas zu sparen und den Digitone bzw. beim model:samples Digitakt zu holen.

  5. Profilbild
    Filterpad  AHU

    Der Sound ist druckvoll, durchsetzungsfähig und klar? In meinen Augen/Ohren leider weniger. Aber auch das ist Ansichtssache.

  6. Profilbild
    Anthony Rother  

    Danke für den Test. Der Cycles gefällt mir vom Sound sehr gut.
    Sehr schade das viele Drum Computer heutzutage keine Einzel-Outs mehr anbieten.

  7. Profilbild
    MHSMike  AHU

    Ein sehr guter, ausführlicher Test. Danke für die vielen Details,
    aber trotzdem werde ich als typischer ELEKTRON Skeptiker mir das noch gut überlegen.

    • Profilbild
      chain25   1

      Warum bist Du Elektron Skeptiker?

      Zum Produkt: Mich spricht der Model:Cycles aber auch nicht an. Dann lieber ein bisschen was draufpacken und einen gebrauchten Digitone nehmen.

      • Profilbild
        MHSMike  AHU

        Irgendwie habe ich ein Problem mit der ELEKTRON Bedienerführung. Wahrscheinlich ist das nur in meinem Kopf, aber zumindest hält es mich immer davon ab mich länger mit den Teilen zu beschäftigen.

        • Profilbild
          chain25   1

          Ah, okay, danke für die Antwort.
          Samples und Cycles sind zwar mehr „Hands-on“ als das restliche Portfolio, aber da wäre ich an Deiner Stelle auch skeptisch.
          Schöne Ostern!

  8. Profilbild
    Farbfalter  

    Ich hoffe Elektron investiert bald wieder in die Entwicklung von hochqualitativen Instrumenten der Oberliega.
    Die „Model“ serie reizt mich kein bisschen.
    Ich spare lieber einwenig länger und kaufe mir gear welches möglichst hochwertig verarbeitet ist und mehr Möglichkeiten in der Klangsynthese bietet.
    Octatrack und Analog Four sind bei mir seit knapp drei Jahren im Einsatz (fast täglich!) und die Möglichkeiten sind fast unbegrenzt. Insbensondere der Analog Four bietet extrem viel für sein Geld und der Klang inklusive Effekte ist IMHO Wunderschön.
    Würde Elektron ein Analog Keys MK2 entwickeln würde ich ohne zu zögern zuschlagen.

  9. Profilbild
    brause

    Sehr cooles Teil für die Minimalisten und unsere mobilen wanderfreudigen Hobbymusiker ist das doch genau das Richtige Tool zum Experimentieren & Komponieren, wenn man sich auf das eigenwillige Konzept von elektron einläßt?

    Ein Filter wäre mir in dieser Hinsicht weniger wichtig, vielmehr ähnlich zur TB303 einen Randomizer Button, um mal schnell ein paar zufalls-vorerstellte grooves nachzubearbeiten oder um mal schnell zum nöchsten groove zu switchen. Sehr cool gemacht dieses Notbeatmungsgerät – das Ding ist auf meiner Wunschliste ganz oben, elektron hette ich bislang wirklich nicht auf dem Schirm, jetzt ist es mir bekannt… tolles Konzept, FM-Synthese für jedermann leicht gemacht und ein Chords System in einem, hallo? was wollt ihr denn mehr?!? Standalone, keine Maschine Controller? Klasse elektron !!!

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