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Test: Kurzweil K2700 Synthesizer Workstation

Mehr als nur eine Vintage-Neuauflage?

20. April 2022

Der Begriff Workstation steht seit der Korg M1 für die Kombination aus Sample Player, Synthesizer, Sequencer und Drum Computer. Das vielfältige Layern von Sounds, das Splitten der Tastatur und das Abfeuern von Sequenzen machen die Keyboard Workstation insbesondere bei Live-Musikern beliebt. Doch auch im Studio nutzen viele Musiker die Keyboard Workstation zum Komponieren oder Arrangieren, obwohl der Computer dort längst das Regiment übernommen hat. Der Name Kurzweil ist vor allem auf den Bühnen dieser Welt ein Begriff und mit der Kurzweil K2700 Workstation möchten Amerikaner einen Markt zurückerobern, den sie zuletzt etwas an die rote Konkurrenz aus Schweden und die mächtigen Companys aus Japan verloren haben.

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Kurzweil – wie alles begann

Dass Stevie Wonder einer der berühmtesten und treuesten Kurzweil-Nutzer ist, dürfte hinlänglich bekannt sein. Dass jedoch der erste Kontakt zu Erfinder und Firmengründer Ray Kurzweil so gar nichts mit den außerordentlichen Spielfähigkeiten von Stevie Wonder, sondern mit seiner Blindheit zu tun hat, das wissen nur wenige Menschen. Ray Kurzweil hat in seinem Leben nämlich nicht nur Keyboards erfunden, sondern die erste „Print-to-speech“ Maschine, die Blinden das Leben erleichtern sollte. Kurzweils Forschung fußte auf der Erkennung von Mustern durch Computer und der Stimmsynthese. Seine Forschungsergebnisse mündeten in die Kurzweil Reading Machine. Und der erste Kunde, der die Kurzweil Reading Machine kaufte, war kein geringerer als Stevie Wonder.

Ray Kurzweil forschte schon damals an der Klangerzeugung mit dem Computer und Stevie Wonder interessierte sich für elektronische Musik wie akustische Instrumente. Die Idee, beide Seiten in einem Instrument zu vereinen und dieses mit einer Vielzahl von Controllern auszustatten, kam von Stevie Wonder, der inzwischen ein guter Freund von Ray Kurzweil geworden war. So wurde Kurzweil Music Systems gegründet und Stevie Wonder sollte von nun an als Berater die Geschicke der jungen Firma mit lenken. Von der Firmengründung im Jahr 1982 bis zur Vorstellung des legendären Kurzweil 250 auf der NAMM Show verging nicht einmal ein Jahr, bis zur Erstauslieferung zwei Jahre.

Das Besondere am Kurzweil 250 war, dass es zum ersten Mal gelang, den Klang eines Flügels halbwegs realistisch abzubilden. Der Klang wurde als Sample aufgenommen und durch ein Computermodell so komprimiert, dass die resultierenden Daten in einem ROM gespeichert werden konnten. Kurzweil nannte diese Technik „Contoured Sound Modelling“. Das große Manko der damals noch jungen Sampling Technologie war nämlich, dass der zur Verfügung stehende Speicherplatz so gering war, dass entweder die Samples mit stark reduzierter Auflösung und Samplingrate aufgezeichnet werden mussten oder in ihrer Länge reduziert. Ein weiteres Problem war die Transposition von Samples. Geringe Auflösung plus Transposition führte schnell zu unnatürlichen Klängen. Kurzweil begegnete dem einerseits mit einer ausgefeilten Kompressionstechnik, andererseits aber auch mit dem, was als „Timbre Shift“ bezeichnet wurde, bei dem das Timbre eines Klanges losgelöst von der Tonhöhe transponiert wird. Die daraus resultierenden Klänge waren so realistisch, dass der Kurzweil 250 schnell für Aufsehen sorgte. Darüber hinaus besaß er 12 Stimmen, Multitimbralität und einen Sequencer. Man darf ihn deshalb durchaus als Workstation bezeichnen und das vier Jahre vor dem Markteintritt der Korg M1 Workstation!

Auf den K250 folgte eine Rack-Variante und schließlich der K1000. Mit dem K2000 und seinen Nachfolgern startete Kurzweil 1991 eine Serie, die bis heute weiterentwickelt wird und zu der auch unser Testgerät, der Kurzweil K2700, gehört. Das Herzstück dieser Serie ist die V.A.S.T. Synthese (Variable Architecture Synthesis Technology).

Kurzweil K2700 Features im Überblick

V.A.S.T, KB3, K.S.R und die Effects Chain sind längerer Zeit Bestandteil vieler Kurzweil Produkte  und aktueller Produkte wie der PC4 Serie oder der Forte Serie. Doch auch die SP6- oder Artis-Reihe greift auf diese Technologien zurück. Bei der neuen Kurzweil K2700 Workstation sind sie natürlich ebenso mit an Bord, ergänzt durch viele weitere Features:

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  • 256-stimmige Polyphonie
  • Flash Play mit bis zu 8 GB für sofortigen Zugriff ohne Ladezeiten
  • 4.5 GB Factory Sounds
  • 3.5 GB Sample-Speicher für User
  • V.A.S.T Editing
  • 6-Operatoren FM Synthesizer mit SysEx-Kompatibilität zu DX-Synths
  • Virtual Analog Synth
  • KB3 ToneReal Organ
  • Effects Chains mit vielen Effekten und 32 FX Units.
  • K.S.R Kurzweil String Resonance
  • Tastatur von Fatar (TP/40L) mit 88-Tasten Hammermechanik und Aftertouch
  • 16 Zonen Multi Controller Modus
  • Sequencer mit 16 Spuren
  • MIDI CC Sequencer mit 16 Spuren
  • Riff Generator mit 16 simultanen Sequenzen
  • Arpeggiator mit bis zu 16 gleichzeitigen und unabhängigen Arps
  • Ribbon Controller
  • 16 Pads mit Velocity
  • 9 Fader, 9 Regler, 10 Buttons – alle frei programmierbar, MIDI CC-fähig
  • 4,3“ Farbdisplay mit einer Auflösung von 480×272 Pixeln
  • Transport-Buttons für die Steuerung des internen Sequencers und der DAW (MMC und System Real-Time Messages)
  • Buttons für Sound-Kategorien
  • Pitch- und Modulationsrad
  • Zwei frei zuweisbare Continuous Controller-Anschlüsse sowie zwei Anschlüsse für Fußschalter
  • Integriertes 24 Bit/192 kHz USB-Audiointerface mit Input-Gain-Reglern, auf der Oberseite, HiZ-Anschluss und Phantomspeisung (+48V)
  • Audio-Eingänge lassen sich mit Effekten versehen und zum Keyboard-Signal mischen
  • Vier symmetrische Audio-Ausgänge (TRS) mit 32 Bit Wandlern
  • USB MIDI, USB Audio und USB-Speicherung, Möglichkeit, das K2700 über einen MIDI-Controller zu spielen und zu steuern (USB Host)
  • Kopfhöreranschluss
  • MIDI IN/OUT

V.A.S.T

Bei dieser sehr offenen Synthese ist der Weg, den ein Sample durch den Synthesizer bis zum Ausgang nimmt, nicht fest vorgegeben. Per Keymaps werden Samples auf der Tastatur verteilt (bis zu 128). Anschließend durchläuft das Sample die Algorithm-Ebene. Auf dieser Ebene arbeiten vom Nutzer frei verschaltbare DSP-Prozesse wie LFO, Pitch, Function Generator, Shaper, Envelopes, Filter und so weiter. Eine Keymap und ein Algorithmus bilden zusammen einen Layer. Bis zu 32 Layer bilden ein Programm und bis zu 16 Programme gemeinsam ein Multi-Patch.

Doch damit nicht genug. Statt einer Keymaps mit Samples sind alternativ auch DSP-generierte Schwingungsformen als Rohmaterial möglich. Generiert werden diese von einem KVA-Oszillator. 25 verschiedene KVA-Oszillatoren stehen zur Auswahl. Das Angebot reicht von einfachen Schwingungsformen wie Sinus, Sägezahn, Rechteck über Sync-Schwingungsformen, Rauschen und einfache FM-Operatoren. Mit KVA-Oszillatoren lassen sich vor allem analog anmutende Klänge erzeugen.kurzweil-k2700-workstation - 17

Schon mit den bisherigen Möglichkeiten bietet die V.A.S.T Klangerzeugung fast ein unerschöpfliches Klangpotential. Doch Kurzweil wollte mehr und die Synthese möglichst zukunftssicher gestalten. Deshalb gibt es weitere Layer mit weiteren Klangerzeugungen:

Ein FM Layer beinhaltet bis zu sechs Operatoren und 32 Algorithmen. Wem das nun bekannt vorkommt, sei gesagt, dass das nicht von ungefähr kommt, denn es lassen sich SYSEX-Files der klassischen 6-Operatoren Synthesizer laden und spielen. Kenner von Yamahas DX-Synthesizern werden sich also darüber freuen, dass sie nicht nur ihre Lieblings-Sounds laden können, sondern auch wie gewohnt selbst programmieren. Und weil es langweilig wäre, nur die Sounds der 80er erneut durchzukauen, hat man die FM-Synthese innerhalb V.A.S.T aufgebohrt und zum Beispiel als Modulationsquelle jeden beliebigen Layer zugelassen. So kann also eine Keymap mit Samples als Modulator für einen FM Carrier dienen.

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Das Kurzweil K2700 beherrscht auch 6-Operatoren-FM

Das Layer-Prinzip ist sehr interessant und ermöglicht schon auf der Ebene eines Programs Dinge, für die andere Synthesizer und Workstations den Multi-Modus bemühen müssen. Eine sehr interessante und nützliche Funktion ist beispielsweise der Opaque Layer. Schaltet man diese Funktion ein, überdeckt der betreffende Layer alle anderen Layer. Ein Beispiel:

Auf Layer 2 liegt ein Piano Sound. Nun soll in der Mitte des Keyboards ausschließlich im Bereich von c’ bis c’’ ein anderer Sound erklingen, unterhalb von c’ und oberhalb von c’’ aber wieder das Piano. An den meisten anderen Instrumenten würde das drei Zonen erfordern mit zwei Klavierzonen für die Bereiche unterhalb von c’ und oberhalb von c’’ und einer dritten Zone für den Bereich von c’ bis c’’. Nicht so bei Kurzweils V.A.S.T Program: Der Layer mit dem Sound für den Bereich c’ bis c’’ wird einfach als Opaque Layer definiert und überdeckt nun das Klavier in genau diesem Bereich. Clever gelöst.

KB3 – die Kurzweil Tone Wheel Organ

Die Hammond B3 hat die Geschichte der Rockmusik maßgeblich geprägt und somit gehört eine Tone Wheel Simulation heutzutage fest zum Repertoire einer Workstation. Bei Kurzweil hört diese auf den Namen KB3. Ein KB3 Programm umfasst zwei Oszillatoren pro Stimme.  Jeder Oszillator simuliert ein Tone Wheel und besitzt eine eigene Pitch- und Amp-Stufe. Jeder Oszillator besteht aus einer Upper und einer Lower Group. Die Upper Group-Oszillatoren bedienen sich an den Keymaps mit den Samples, um einen Sound zu erzeugen, während die Lower Group-Oszillatoren Sinus-Schwingungsformen nutzen. So lassen sich zum Beispiel auch Transistororgeln simulieren, indem man Sägezahn-Keymaps nutzt. Außerdem kann der Benutzer festlegen, wie viele Tone Wheels erzeugt werden sollen: Alte Orgeln nutzten 91 Tone Wheels, spätere Modelle 82 und die B3 79. Auch der Key Click Level ist einstellbar, sodass man mit diesen beiden Parametern gemeinsam mit Leakage und LeakMode gut das Alter der Orgel bzw. das Orgelmodell simulieren kann.

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Die exakte Position der „Zugriegel“ ist leider nur im Display auf der passenden Menüseite sichtbar, wenn die Reglerposition nicht mit dem gespeicherten Wert überein stimmt.

Die Anzahl der Tone Wheels ist auch wichtig für das optimale Ausnutzen der Polyphonie, denn die Anzahl der Tone Wheels bestimmt zugleich Zahl der Stimmen, die von den maximal 256 Stimmen genutzt werden. Im Falle einer B3 mit 79 Tone Wheels plus einer Stimme für Percussion sind es 40 Stimmen, die für KB3 reserviert werden. Da wie bei einer richtigen Orgel die Tone Wheels immer laufen, gibt es auch hier keine dynamische Stimmenzuordnung. Nutzt man KB3, sind die entsprechenden Stimmen immer dafür reserviert, unabhängig von der Zahl der tatsächlich gespielten Töne. Die KB3 Orgelsimulation lässt sich in sehr vielen Parametern den eigenen Bedürfnissen anpassen.

K.S.R – Kurzweil String Resonance

Saitenresonanzen eines Klaviers sind in großem Maße für dessen Klang verantwortlich. In einem Klavier schwingt selten nur eine einzelne Saite, sondern es schwingen stets alle Saiten, die zum Zeitpunkt des Anschlags einer Taste nicht gedämpft sind. Bei der Nutzung des Haltepedals sind das alle Saiten. Doch auch die Saiten, die zu Tasten gehören, die bereits gedrückt sind, schwingen beim Anschlagen neuer Tasten weiter mit, solange die Tasten gedrückt bleiben, denn erst beim Loslassen werden die Dämpfer erst wieder gegen die betreffenden Saiten gedrückt. Mit K.S.R simuliert Kurzweil dieses Verhalten und verhilft somit Klavier-Sounds zu mehr Authentizität.

Effects Chains

Effekte sind ein wichtiger Sound-Bestandteil und natürlich haben sich Kurzweil auch hier etwas einfallen lassen: Eine Effects Chain enthält bis zu 16 Effektblöcke. Jeder Effektblock stellt einen Effekt dar. Es lassen sich hunderte Effektalgorithmen aus 18 Kategorien wählen. Jeder Effektalgorithmus besitzt viele Parameter, um ihn an die eigenen Bedürfnisse anzupassen. Von den üblichen Effekten wie Hall, Delay, Chorus, Flanger, Phaser, Distortion, Rotary reicht das Angebot bis hin zu Stereo Simulation, Auto Pan, Tremolo, Vibrato, Ring Modulator, Kompressoren und verschiedene Filter. Über 1000 Effects Chains stehen zur Verfügung, die Effekte können aus 32 FX Units gewählt werden.

Program Mode vs. Multi Mode

Der Program Mode stellt das dar, was bei anderen Herstellern häufig als Patch bezeichnet wird. Dabei kann bereits ein solches Program durchaus aus mehreren Layern (bis zu 32) bestehen, denen jeweils verschiedene Sounds (Keymaps) und DSP Algorithmen zugeordnet sind. Das kennen wir so zum Beispiel auch von Roland, bei dem ein einzelnes Patch aus mehreren Parts besteht. Kurzweil unterscheiden hier noch einmal zwischen einem V.A.S.T Program und einem KB3 Program. Jeder V.A.S.T Layer kann dabei wiederum eine eigene Insert Effects Chain besitzen. Alle Layer gemeinsam durchlaufen außerdem bei Bedarf eine gemeinsame Insert Effects Chain sowie zwei gemeinsame Aux Effects Chains.kurzweil-k2700-workstation - 13

Ein V.A.S.T Program enthält außerdem:

  • Intonations- und Tuning-Maps
  • K.S.R (Kurzweil Piano String Resonance)
  • CC Sequencer (Step Sequencer für Synthesizer Parameter)
  • KVA Oszillatoren (Synthesizer Oszillatoren)
  • Cascade Mode zur Audioverschaltung der DSP Algorithmen verschiedener Layer untereinander
  • Dynamic V.A.S.T zur freien Kombination der DSP-Funktionen (seriell wie parallel)
  • FM Layer: 6 Operatoren FM Synth

Mehrere Programs bilden gemeinsam im Multi Mode ein Multi, welches bis zu 16 Keyboard-Zonen mit eigenen MIDI-Kanälen und Controller-Einstellungen enthält. Bei Roland heißt ein solches Multi Performance und bei Korg zum Beispiel Combination. Im Multi Mode ist es außerdem möglich, externe MIDI-Klangerzeuger per MIDI oder USB zu steuern. Die 16 Pads lassen sich im Multi Mode so konfigurieren, dass sie verschiedene Parameter eines Multis steuern. Eine ähnliche Funktion bietet der Roland Fantom. Auch die Funktion des Ribbon Controllers, des Arpeggiators (mit verschiedenen Settings pro Zone) und des CC Sequencers sind mit einem Multi speicherbar. Arbeitet das Keyboard im Song Mode, weist es jede Zone automatisch einem Track für das Recording im Sequencer zu.kurzweil-k2700-workstation - 8

Individuelle Funktionen für Controller & Pads

Die zahlreichen Regler, Fader und Pads des Kurzweil K2700 erfüllen gleich mehrere Aufgaben:

  1. Sound-Bearbeitung im Program Mode (Fader & Regler, Buttons, Pads)
  2. Zugriegelfunktion  für KB3 Programme (Fader)
  3. DAW-Steuerung/Steuerung des internen Sequencers/Arpeggiators
  4. Abfeuern von Sequenzen, Noten, Akkorden (Pads, Ribbon Controller)
  5. Muten von Sequencer Steps (Pads)

Auf diese Art und Weise lässt sich der Klang vielfältig beeinflussen, eine DAW oder der interne Sequencer/Arpeggiator steuern und vieles mehr. Viele Parameter lassen sich dabei im V.A.S.T Program Edit Mode definieren und mit dem Patch speichern, sodass unterschiedliche Patches auch verschiedene Belegungen der Controller beinhalten können. Das Display zeigt in diesem Fall die jeweils aktuelle Belegung eines Controllers an. Für die Factory Programs sind die Controller bereits  definiert. Manche Controller haben bestimmte Eigenarten, so zum Beispiel der CC1 (Volume) Controller. Dieser steuert bei KB3 Programmen beispielsweise den Schweller-Effekt. Dieser unterscheidet sich von der Lautstärkeänderung anderer Programme dadurch, dass bei komplett herunter geregeltem Pedal keine Stille eintritt, so wie es bei einer echten Hammond B3 auch ist.

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Dynamisch spielbare Pads

Ein weiterer besonderer Controller ist der Variation Button. Bei allen Factory Patches ist dieser mit einem Layer Sound vordefiniert, der nach dem Drücken eingeblendet wird. So blendet dieser Button oft Streicher oder einen Pad Sound ein und aus. Auch die Funktion dieses Buttons lässt sich im V.A.S.T Program Edit Mode anpassen.

Die Split und Layer Buttons ermöglichen das schnelle Auftrennen der Tastatur in mehrere Zonen und das Übereinanderlegen von Sounds, ohne dass man in den Multi Edit Mode wechseln muss. Nach dem Speichern steht das neue Patch als Multi-Patch zur Verfügung und kann dann mit allen Möglichkeiten des Multi Edit Modes weiter bearbeitet werden. Diese Funktion kenne ich auch von Roland Keyboards und sie vereinfacht das Leben stark, wenn es darum geht, mal eben schnell zwei Sounds auf der Tastatur zu verteilen oder zu layern.

CC Sequencer

Eine Besonderheit bei Kurzweil ist der CC Sequencer. Hier handelt es sich um einen Step Sequencer, der nicht für Note On und Note Off MIDI-Befehle gedacht ist, sondern für Continuous Controller (CC) Befehle. Auf diese Weise lassen sich im Prinzip alle per CC Controller zugänglichen Parameter des Keyboards durch ein rhythmisches Pattern automatisiert modulieren. Als Patterns stehen sowohl Factory wie User Patterns zur Verfügung. Wie bei einem „normalen“ Step Sequencer gibt es die üblichen Parameter wie Anzahl der Steps, verschiedene Sync Modes, Note Value, MIDI Destination und einige mehr. Eine weitere Besonderheit ist, dass bis zu vier Sequenzen gleichzeitig spielen können, die jeweils unterschiedliche Parameter modulieren.

Der CC-Sequencer für die Controller-Automation

Riffs

Jeder kennt Riffs: Kurze musikalische Phrasen, die einen hohen Wiedererkennungswert besitzen und den Song maßgeblich definieren. Das Instrument ist dabei eigentlich unerheblich, häufig sind es jedoch Keyboards und E-Gitarren, die für Riffs zum Einsatz kommen. Man denke dabei an Songs wie Satisfaction, Smoke on the Water, Born in the USA, Jump. Riffs sind dabei häufig kurz, prägnant und nicht länger als zwei bis vier Takte. Längere Konstrukte werden meistens als Hookline bezeichnet.

Bei Kurzweil kann ein Riff beliebig lang sein und sogar auch einen kompletten Song umfassen. Auch der Import von Standard MIDI-Files ist möglich. Jeder Zone in einem Multi kann ein eigenes Riff zugeordnet werden. Diese triggert das Riff nach vom User bestimmten Vorgaben. Ein Riff kann dabei auch mehrere Instrumenten-Parts spielen. Über Riffs lassen sich komplexe Multis gestalten mit zahlreichen Spuren, die vom Keyboarder beim Spielen gleichzeitig oder nacheinander aktiviert werden. Vergleichen lässt sich das zum Beispiel mit Ableton Live im Session View, bei dem verschiedene Clips gleichzeitig oder auch versetzt zueinander oder in bestimmten Gruppen getriggert werden können.

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Audiointerface on board

Audio In FX und Audiointerface

Die Kurzweil K2700 Workstation besitzt ein integriertes Audiointerface. Das Interface arbeitet mit 24 Bit/192 kHz und besitzt auf der Oberseite die Gain-Reglern sowie Schalter für die Phantomspeisung sowie Hi-Z Instrumente. Das ist sehr vorbildlich, denn bei anderen Herstellern muss das Gain oft über einen Miniaturregler auf der Rückseite des Instruments eingestellt werden. Phantomspeisung sucht man oft vergeblich.

Der Nutzer kann dem Audio-Eingang eine eigene FX Chain zuweisen. Er definiert in einem Multi, ob das Multi Program die Analog In FX Settings für die Audio-Eingänge nutzt oder eine im Multi Program definierte FX Chain. Auf diese Weise ist es möglich, zum Beispiel einen analogen Synthesizer ohne eigene Effekte an die Audio-Eingänge anzuschließen und, sofern er MIDI besitzt, seine Programme per Program Change-Befehl zu wechseln und zugleich einen passenden Effekt per Multi zu laden. Schließt man hingegen ein Mikrofon an den Audio In an, das immer mit einem Hall belegt sein soll, nutzt man besser die globalen Analog In FX Settings.

Interessant ist, dass sich die Signale an den analogen Eingängen auch per USB in einer DAW aufzeichnen lassen. Dabei ist eine Aufzeichnung mit und ohne Effekten möglich. Sogar das Abhören mit Hall auf einem am K2700 angeschlossenen Kopfhörer ist möglich, während das Signal aber „trocken“ in der DAW aufgezeichnet wird.

Datenaustausch und Kompatibilität

Wahrscheinlich habt ihr anhand der Struktur des Testberichts schon gemerkt, dass viele Bereiche der Kurzweil K2700 Workstation in einer ähnlichen Form auch bei anderen Instrumenten des Herstellers implementiert sind. Die V.A.S.T Synthese ist schon viele Jahre der Grundstein aller Kurzweil Instrumente und wurde über die Jahre hinweg erweitert. Das hat den Vorteil, dass ältere Kurzweil-Instrumente datenkompatibel zum Kurzweil K2700 sind und deren Daten in den K2700 geladen werden können. Das eigene Dateiformat besitzt das Kürzel .K27. Dieses ist ein Container für verschiedene Objekte, die gemeinsam oder auch einzeln geladen werden können. Außerdem lassen sich folgende Dateien lesen:

.PC4, .SP6, .FSE, .FOR, .ASE, .ART, .P3A, .PC3, .PLE, .SPX, .K26, .K25, .KRZ und .SYX

Dass der K2700 in der Lage ist, diese Dateien von anderen noch erhältlichen wie historischen Kurzweil-Instrumenten zu lesen, bedeutet nicht zwingend, dass die Programme auch genau so klingen wie am Originalinstrument oder keinerlei Handlungsbedarf besteht. So lassen sich beispielsweise KB3 Programme eines K2500 oder K2600 nicht laden. Die meisten K2-Serie Programme lassen sich problemlos laden, aufgrund der unterschiedlichen Effekte müssen diese aber editiert werden. Im Falle von Forte-Dateien kann es vorkommen, dass Keymaps nicht konvertiert werden können, weil es sie im K2700 nicht gibt. Die Forte-Serie verfügt über einen riesigen Sample-Speicher von 16 GB, beim Kurzweil K2700 sind es gerade einmal 4.5 GB. In solchen Fällen müssen die fehlenden Samples durch alternative Keymaps im K2700 ersetzt werden.

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Schnelle Sound-Auswahl über Kategorien

Ein Sonderfall sind .SYX-Dateien. Diese können gelesen werden, sofern sie Daten von klassischen 6-Operator FM Synthesizern enthalten. Es ist davon auszugehen, dass dies nur Dateien vom DX7 und DX7II beinhaltet. Genauere Angaben machen Kurzweil in der Bedienungsanleitung nicht. Nach dem Laden eines solchen FM Presets ist dieses im Program Edit Mode zu editieren und als K2700 Program zu speichern.

Eigene Samples lassen sich im .WAV und .AIF Format laden und in Keymaps verwenden. Die Auflösung muss dabei 8 oder 16 Bit betragen und die Sampling Rate darf 96 kHz nicht übersteigen.  Samples werden in den User Flash-Speicher geladen und verbleiben dort auch  nach dem Ausschalten. User Samples können dann innerhalb von Programs verwendet werden.

Natürlich lassen sich auch MIDI-Files (.MID) laden und im Song Mode nutzen. Wichtig: MIDI-Files, die das GM/GS/XG-Format nutzen, sind nicht kompatibel. Sie können zwar abgespielt werden, doch da der K2700 nicht GM/GS/XG-kompatibel ist, müssen alle Programmwechselbefehle neu zugewiesen und auch Controller editiert werden. Das ist oftmals viel Arbeit und es empfiehlt sich, dies vor dem Import an einem Computer in der DAW zu erledigen. Die Filterfunktionen der DAW erlauben das schnelle Bereinigen der Spuren von solchen MIDI Controllern und Prg Change Befehlen.

Diverses

Die Kurzweil K2700 Workstation besitzt viele weitere Funktionen, die gar nicht alle im Rahmen eines Tests abgehandelt werden können. Interessant sind zum Beispiel die TOOLS. In dieser Rubrik verbirgt sich ein MIDI-Monitor für MIDI IN und OUT. So lassen sich leicht MIDI Messages auf dem Display des K2700 kontrollieren. Sehr praktisch. Gleiches gilt für MIDI State, mit dem sich der Status von MIDI CCs auf einem K2700 MIDI-Kanal abfragen lässt. So erkennt man schnell Fehler, wie zum Beispiel einen CC7 Controller, der auf null gesetzt ist und damit schlichtweg einen Sound unhörbar macht.

PC4 oder K2700? Eine Einordnung

Lange Zeit standen die Instrumente der PC-Serie neben den Instrumenten der K-Serie. Die sehr erfolgreiche PC-Serie hat vor allem Pianisten und Performer angesprochen, die eine Vielzahl guter Sounds in Kombination mit einer hervorragenden Tastatur wollten. Ich selbst war lange Zeit stolzer Besitzer eines Kurzweil PC2X und die vielen sehr guten Samples akustischer Instrumente zeichneten dieses Instrument aus. Das berühmte Triple Strike Piano dürfte wohl jedem Leser hier bekannt sein. Waren am Anfang die Instrumente der PC-Serie noch eingeschränkt im Vergleich zu den K-Instrumenten, die mehr Editier-Möglichkeiten boten, einen Sequencer, Sample Import und vieles mehr, glichen sich im Laufe der Zeit die beiden Serien immer mehr aneinander an. Aus dem ursprünglichen Stage Piano wurde zunehmend eine Workstation. Inoffiziell wurde bereits gemunkelt, dass das Kurzweil PC3 der Nachfolger des K2600 sei.

Irgendwie muss man auch in der Kurzweil-Produktentwicklung gemerkt haben, dass sich das Kräfteverhältnis immer mehr verschiebt, denn anders ist das Kurzweil PC3 LE nicht zu erklären, das zwar die Features eines Kurzweil PC3 bei halbierter Stimmenzahl besitzt, dafür aber die Möglichkeit der Programmierung von V.A.S.T verloren hat. Ähnlich ist es beim PC4 und PC4 SE. Der SE-Version fehlt zum Beispiel der User Sample-Speicher, das V.A.S.T Editing ist nur per Software möglich und die Effekte lassen sich eingeschränkt editieren. Außerdem stehen nur fünf statt 16 Zonen zur Verfügung. Auch in vielen weiteren Bereichen ist das PC4 SE gegenüber dem PC4 eingeschränkt. Allerdings besitzt es mehr Factory Programs und Multis.

Ruft man die Produktseiten zum aktuellen Kurzweil PC4 und dem Kurzweil K2700 nebeneinander auf, so wird man viele Elemente entdecken, die gleich sind, aber auch Unterschiede unter der Haube. Einer davon ist der erheblich größere Factory und User Speicher des Kurzweil K2700, der beim PC4 nur 2 GB für Factory Samples und 2 GB für eigene Samples umfasst. Zum Vergleich: Beim Kurzweil K2700 sind es 4.5 GB für Factory Samples und 3.5 GB Flash Memory für User Samples.

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Kurzweil K2700: mit 88 Tasten Hammermechanik Tastatur von Fatar

Ein weiterer Unterschied ist die Tastatur. Beim K2700 kommt eine Fatar TP/40L Tastatur zum Einsatz, während das Kurzweil PC4 RPHA (Real Piano Hammer Action) Tastatur besitzt. Welche Tastatur man bevorzugt, ist immer eine Frage der eigenen Spielweise. Die Fatar TP/40L ist eine leichter gewichtete Tastatur von Fatar, was den meisten Synthesizer-Spielern und Organisten entgegen kommen dürfte. Doch auch bei Pianisten weiß diese gerne von Herstellern eingesetzte Tastatur zu punkten. Die RPHA-Tastatur des PC4 wird zwar als Real Piano Hammer Action vermarktet, gilt aber als eher günstige Variante und konnte im Test des PC4 hier auf Amazona gleich zwei Autoren nicht begeistern. Doch das ist halt immer subjektiv und man muss eben selbst entscheiden.

Der wohl größte Unterschied beider Instrumente zueinander ist das Gewicht! Das Kurzweil PC4 bringt gerade einmal 13  kg und damit fast 11 kg weniger von dem auf die Waage, was man beim K2700 zu tragen hat. Das Kurzweil K2700 ist mit fast 24 kg kein Leichtgewicht. Der Grund dürfte nicht nur die andere Tastatur sein, sondern vor allem das recht billig wirkende Kunststoffgehäuse des PC4 im Vergleich zum Metallgehäuse des Kurzweil K2700.

Verzichten muss man beim PC4 auch auf das Audio-Interface und somit auf die Möglichkeit, das eigene Spiel ohne weitere Hardware direkt im Computer aufzuzeichnen.

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Ribbon Controller

Das Kurzweil PC4 besitzt keine dynamisch spielbaren Pads und auch keinen integrierten Ribbon Controller. Letzterer lässt sich allerdings optional nachrüsten. Das Kurzweil K2700 bringt ein internes Netzteil mit, Kurzweil PC4 User hingegen dürfen das externe Netzteil nicht zu Hause liegen lassen.

Ansonsten lesen sich die technischen Daten fast identisch und für den einen oder anderen Nutzer mit Bandscheibenvorfall könnte sich das Kurzweil PC4 als gute Alternative darstellen, wenn man die genannten Features, die das Kurzweil PC4 nicht mitbringt, nicht zwingend benötigt.

Die Kurzweil K2700 Workstation präsentiert sich also wie die professionellere Variante des Kurzweil PC4.

Praxis & Sound

Beim Auspacken aus dem Karton fällt dann auch das immense Gewicht des Kurzweil K2700 auf. Zusammen mit einem stabilen Case benötigt man eine helfende Hand beim Be- und Entladen und auch beim Wuchten auf ein Stativ darf gerne eine zweite Person mit anpacken.

Zunächst einmal begutachte ich die Verarbeitung. Während das Gehäuse stabil ist und auf der Rückseite alle Buchsen mit dem Gehäuse verschraubt sind, fallen mir die sehr billig anmutenden Regler und Fader auf. Diese sehen auf den Produktfotos sehr viel stabiler aus als sie in der Realität sind. Das Plastik fühlt sich auch nicht gut an.

Die Tastatur ist sehr schwergängig und dürfte in erster Linie die Pianisten zufriedenstellen. Für typische Orgeltechniken wie Glissandi etc. ist sie weniger geeignet. Auch Freunde des Synthesizer-Solos werden eine leichtgängigere Tastatur bevorzugen. Für pianistische Spielweisen gehört sie allerdings zu den besten Tastaturen für portable Instrumente am Markt.

Nach dem Einschalten werden das Betriebssystem und die Samples geladen. Das dauert einige Sekunden, kommt mir allerdings nicht ganz so lange vor wie bei meiner Roland Fantom Workstation.

Zunächst höre ich mir einige Programs an. Diese klingen gut, insbesondere die Pianos. Diese sind in großer Anzahl vorhanden. Die B3-Imitation ist ebenfalls gut, kann aber mit meiner Nord C2 oder meinem Nord Electro 5D nicht mithalten. Gleiches gilt für die Rotary Speaker Simulation – sie ist brauchbar, aber mehr leider auch nicht. Insbesondere das Anlaufen und Abbremsen des Rotors sowie die Simulation von Nebengeräuschen, die bei Nord sehr realistisch klingen, gefallen mir nicht so gut. Für eine Workstation ist der Sound aber wirklich gut und im Arrangement sehr gut einsetzbar. Der Kurzweil K2700 ist eben kein Orgelspezialist.

Die E-Pianos klingen ebenfalls gut. Auch hier fehlt mir etwas die Authentizität, die ich von Nord kenne. Aber im direkten Vergleich zum Roland Fantom klingen sie auch nicht schlechter. Etwas schmal ist die Auswahl an FM-Pianos. Das lässt sich durch den Import von DX7-Patches jedoch leicht ändern. Die von mir angespielten FM-Patches „knallen“ weniger als ich es von einem Yamaha DX7 gewohnt bin. Da geht noch was.

Sehr gut sind die Sounds von Naturinstrumenten. Das kennt man von Kurzweil und man wird nicht enttäuscht.

Nicht so begeistern kann mich die Synthesizer-Fraktion. Das Kurzweil K2700 bleibt hier meines Erachtens weit hinter einer Roland Fantom oder einem Yamaha Montage zurück. Sie klingen relativ unspektakulär. Dabei sollte sich mit V.A.S.T eigentlich viel mehr erreichen lassen. Die Synth-Bässe sind auch nicht so mein Geschmack. Sie klingen mir zu dünn. Die E- und Akustik-Bässe drücken hingegen erheblich mehr. Da Kurzweil viele treue Kunden in der Musical-Welt hat, hat man die Synth Sounds vielleicht bei der Programmierung der Presets eher stiefmütterlich behandelt.

Die Programs klingen übrigens beim Umschalten auf einen anderen Sound weiter. Sehr gut.

Kommen wir zu den Multis. Ich höre mich einmal quer durch die Presets und bin auch hier etwas enttäuscht. Es ist viel Standardkost dabei, Aufsehen erregende Multis scheinen zu fehlen. Was mich aber sehr stört ist, dass die Multis beim Umschalten anders als die Programs kurz abreißen, bevor der nächste Sound erklingt. Das nervt ziemlich und schränkt den Nutzen etwas ein, wenn man innerhalb eines Songs mit mehreren Multis arbeiten möchte. Meine Roland Fantom Workstation lässt die Sounds einer Performance jedenfalls nicht abreißen und ich kann unauffällig von einem Patch zum nächsten Schalten, während sogar im Pedal gehaltene Töne weiterklingen.

Die Hörbeispiele habe ich über die USB-Schnittstelle direkt in den Computer gespielt. Für jedes Program kann ein kurzes Demo abgespielt werden, außerdem gibt es einige Demo-Songs. Ihr hört im Folgenden eine Auswahl von Programs und Multis sowie einige der kurzen internen Sound-Demos und einen der Demo-Songs. Es gibt im Internet mittlerweile zahlreiche Hörbeispiele von Kurzweil, sodass ihr euch dort vorab einen Eindruck verschaffen könnt.

Preset-Schleuder oder Synthesizer?

Anhand meiner immer noch sehr oberflächlich gehaltenen Beschreibung der wichtigsten Features erkennt man, wie komplex V.A.S.T ist. Wie bei allen sehr komplexen Geräten besteht die Gefahr, dass sie vom Benutzer vorwiegend für das Abspielen der Werks-Presets genutzt werden, weil die Lernkurve schlicht zu steil ist, um in absehbarer Zeit das Gerät zu durchdringen und zu guten Ergebnissen bei der Programmierung eigener Sounds zu gelangen.

Diese Sorge ist nicht ganz unbegründet, denn die Möglichkeiten von V.A.S.T sind so immens, dass man sich wirklich sehr intensiv damit auseinandersetzen muss, um sie sinnvoll einzusetzen. Glücklicherweise haben Kurzweil einen Editor für PC/Mac angekündigt, der die Programmierung vereinfachen soll. Für andere Kurzweil-Instrumente gibt es einen solchen bereits.

Vermutlich werden viele Besitzer vorwiegend mit den vielen Werksprogrammen arbeiten und sich hauptsächlich mit der Erstellung eigener Multis für den Live-Einsatz auseinander setzen. Die Erstellung von Multis geht dabei halbwegs zügig von der Hand, was vor allem auch der erwähnten dezidierten Split- und Layer-Funktion zuzuschreiben ist.

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Kleines Display – viele Informationen

Dass die Programmierung von Sounds an der Kurzweil K2700 Workstation nicht wirklich Freude bereitet, ist leider dem zu kleinen Display zuzuschreiben. Im Zeitalter von großen Touch Displays wie bei einem Yamaha Montage, einem Roland Fantom oder Korg Nautilus muss man sich tatsächlich fragen, was Kurzweil bei dieser Entscheidung geritten hat? Selbst günstige Workstations wie ein Yamaha MODX oder die neue Roland Fantom-0 Serie besitzen große Touch Displays. Der Roland Fantom-08 bringt eine Vielzahl an Bedienelementen plus ein 5.5“ Touch Display unter und es gibt immer noch reichlich Platz auf der Keyboard-Oberfläche, der nicht genutzt wurde.

Alles neu?

Ein weiteres Problem ist in meinen Augen das Fehlen von bahnbrechenden Neuigkeiten. Es dürfte schwer sein, dem Kunden die Unterschiede zwischen Produkten zu vermitteln, die einen nahezu identischen Funktionsumfang zu haben scheinen, zwischen deren Erscheinen aber teils acht Jahre liegen (das nach wie vor erhältliche Kurzweil Forte wurde auf der Musikmesse 2014 vorgestellt). Das Forte arbeitet mit V.A.S.T, besitzt die Kurzweil String Resonance (K.S.R), die KB3 Orgelsimulation, 16 GB Factory Samples, 3.3 GB User Samples, einen Flash Speicher, die 6-Operatoren FM Engine, den CC Sequencer, den 16 Track Riff Generator, einen 16 Spur Sequencer, den 16 Spur Arpeggiator. Alle V.A.S.T Programme lassen sich bequem per Editor-Software verändern oder von Grund auf programmieren. Das Kurzweil Forte wurde über die Jahre von Kurzweil immer wieder durch Betriebssystem Updates auf einen aktuellen und zeitgemäßen Stand gebracht, sodass es sich von einem einfachen Stagepiano zu einer ausgewachsenen Workstation gemausert hat. Werden Kurzweil also bestehende Kunden und zum Beispiel Besitzer eines Kurzweil Forte zu einem „Upgrade“ auf den Kurzweil K2700 überreden können, welches man beim Lesen der Technischen Daten nicht als solches empfindet?

Um meinen Eindruck zu verifizieren, habe ich die beiden Anleitungen vom neuen Kurzweil K2700 und dem Kurzweil Forte nebeneinander gehalten. Um es kurz zu machen: Über 90 Prozent der Bedienungsanleitung stimmen im Wortlaut überein und auch die meisten Screenshots sind identisch.

Meine Nachfrage bei Markus Pohl vom deutschen Kurzweil-Vertrieb Sound Service GmbH in Berlin ergab folgende Aussage:

„Das K2700 ist das neue Flaggschiff im Kurzweil Line Up und nimmt sozusagen die Position ein, die das Forte früher gegenüber Artis und Artis SE hatte. Mit dem Artis/Forte wurden erstmals die neuem Piano Samples und Features wie KSR eingeführt. Das K2700 bietet daraus sowohl das German Grand, als auch das Japanese Grand. Gegenüber dem Forte verfügt es aber über doppelte Polyphonie (256 Stimmen) 5x so viele Factory Programme, 5x so viele Multis, mehr User Sample Memory, mehr User Programme, also insgesamt mehr neue Sounds, größere Soundauswahl (trotz geringerem Samplespeicher), mehr Multis und basiert vor allem auf der moderneren Hardware-Architektur. Das Forte hat noch den alten Mara Chip verwendet, der schon im PC3 zum Einsatz kam und ein ASIC Prozessor war. Der Lena Chip, von dem der K2700 gleich 3 Stück verwendet ist ein FPGA. Man ist somit wesentlich flexibler und hat die Möglichkeit in der Zukunft zusätzliche Features leichter hinzuzufügen. Auch das Bedienkonzept und die Menüführung wurde nochmals verbessert.“

Ein weiteres Statement konnte ich dank Markus Pohl von Kurzweil direkt erhalten:

„The K2700 is our latest flagship and was developed as a high end workstation continuing the legacy established by our highly acclaimed K2-Series. The K2700 uses our latest LENA DSP.  A single LENA generates up to 256 voices of polyphony and over 32 units of FX which is equivalent to the output of 4 of the previous generation chips. These are fast, powerful, modern FPGA chips which carry the possibility of future expansions and upgrades.

Kurzweil has a long proven history of continuously adding features to and improving the functionality of our instruments. Future growth is built into the design. There will be software advances coming for the K2700 too, but the specifics of which aren’t anything we can discuss at this time.

Looking back, the Forte was developed as a pure stage piano, with its focus on showcasing our, then newest, piano samples. As a stage piano initially, it had near zero V.A.S.T./synth editing, no sequencer, less multi-zones, etc.. Over time, through numerous software updates, it grew into a full blown workstation. It’s only natural that some of the beloved features of the Forte found their way into the K2700.

The K2700, by contrast, started its life out as a pure workstation with a focus on not just great pianos but also on overall production methodologies, connectivity, controls as well as tons of stellar sounds.

That said, with specific regards to the pianos, know that while the sample pool is smaller numerically, the quality of recordings is identical and, like with any evolutionary process, improvements are gained over time and, in this case, lead to smoother transitions both linearly (one note to the next) and vertically (one velocity layer to another) vs the Forte. So a smaller/more efficient footprint, but not necessarily lesser in terms of quality or playability.

Francisco J. Rodriguez, Software Manager
Young Chang Research and Development Institute – Kurzweil
HDC-YoungChang“

Eine direkte Gegenüberstellung der Kurzweil-Produkte findet sich hier: https://kurzweil.com/2021/09/02/comparison-chart-workstations/

Man darf also auf zukünftige Updates mit neuen Features gespannt sein. Ich erinnere in diesem Zusammenhang an den bei Erstauslieferung sehr enttäuschenden Roland Fantom, der sich nach diversen Updates nun zu einer grandiosen Workstation entwickelt hat. Wie Kurzweils Plan mit dem K2700 aussieht, kann der Anwender Stand heute aber leider noch nicht wissen.

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Fazit

Unterm Strich tue ich mich zum jetzigen Zeitpunkt also ebenso schwer mit der Note „sehr gut“ für die Kurzweil K2700 Workstation wie damals bei meinem Test des Roland Fantom, den ich mittlerweile nach den vielen Updates sogar selbst besitze. Wenn jemand noch kein Kurzweil-Instrument besitzt, großartige Sounds von Naturinstrumenten benötigt, hauptsächlich mit Presets arbeitet oder bereit ist, sich mit der tatsächlich sehr mächtigen V.A.S.T Engine auseinander zu setzen – go for it! Nicht umsonst haben die diversen Kurzweil-Produkte ihre Nische im Musical-Sektor gefunden, in der sie aufgrund der tollen orchestralen Instrumente anderen Kandidaten überlegen sind. Mit einem Kurzweil K2700 setzt man sich in jedem Fall Sound-technisch deutlich von den häufig hierzulande anzutreffenden Yamaha/Roland/Nord Keyboards ab – und das nicht im negativen Sinne. Kurzweil hatten schon immer bei der Imitation von Naturinstrumenten ein glückliches Händchen, während die Konkurrenz eher auf synthetische Sounds setzt. Ob das allerdings ausreicht, um die Massen zum Kauf zu bewegen, muss abgewartet werden, zumal Yamaha, Nord und Roland in meinen Augen hinsichtlich der Qualität von Display und Bedienelementen die Nase vorn haben. Besitzer eines Forte wird man derzeit kaum zum Upgrade überreden können. Auch gegenüber einem PC4 oder PC3 ist der Mehrwert in meinen Augen derzeit noch nicht hoch genug. Deshalb gebe ich zu diesem Zeitpunkt die Note „gut“ und freue mich auf einen Update-Test der hoffentlich zügig zur Verfügung stehenden neuen Top-Features für die Kurzweil K2700 Workstation. Erfreulich: Der Straßenpreis liegt mit 2949,- Euro unter der magischen 3k-Grenze und somit auch deutlich unter dem, was die Konkurrenz von Yamaha, Roland und Nord für ihre Top-Instrumente mit 88 Tasten verlangen.

Plus

  • sehr gute Pianos
  • sehr gute Imitationen akustischer Instrumente
  • Verarbeitung
  • Tastatur
  • sehr flexible Synthese (Samples, VA, FM)
  • aufgewertete Prozessoren für mehr Leistung
  • viele Controller
  • Ribbon Controller
  • Preis

Minus

  • verkleinerter Sample-Speicher im Vergleich zum Forte
  • (noch) keine wirklichen Neuigkeiten bei V.A.S.T
  • sehr hohes Gewicht
  • kleines Display (ohne Touch-Funktion)
  • Qualität der Fader und Regler

Preis

  • 2899,- Euro
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Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    Steffog

    Danke für den ausführlichen Test.
    Leider hatte ich noch keinen Kurzweil unter den Fingern, aber der Sound gefällt mir wirklich gut. Da das Instrument sehr viele Bedienelemente aufweist, würde ich mit dem Display ohne Touch-Funktion gut auskommen. Schade allerdings, dass Fader und Regler von schlechter Qualität. Das dürfte bei solch einem Preis meiner Meinung nach nicht passieren.

    • Profilbild
      Markus Galla RED

      Ja, die Qualität der Fader und Regler ist für mein Empfinden in dieser Preisklasse nicht zu vertreten, aber leider auch bei anderen Herstellern anzutreffen. Die Ausnahme bilden hier alle NORD Instrumente. Bei meinem erheblich günstigeren NORD Electro 5D wackelt nichts. Alle Regler und auch die Fader sind von hervorragender Qualität. Gleiches gilt für meinen Roland Jupiter 80. Auch beim Roland Fantom ist die Qualität besser.

      Der Sound ist bei Kurzweil wie immer sehr gut, aber eben in meinen Augen bei den Presets wenig aufregend. Es ist halt das, was man seit vielen Jahren von Kurzweil kennt. Das macht es nicht schlecht, aber wer schon ein Kurzweil-Instrument der letzten 10 Jahre oder so besitzt, wird beim Durchhören der Presets selten aufhorchen. So erging es mir zumindest.

      Für eigene Programmierversuche ist mir das heutzutage zu fummelig. Da warte ich auf den angekündigten Editor. Aber auch für das schnelle Erstellen von Multis wäre ein Touch-Display nicht schlecht gewesen. Langjährige Kurzweil-Nutzer werden damit aber kein Problem haben. Für sie hat sich nichts verändert.

      • Profilbild
        moinho AHU

        Fürwahr, für die lanjährigen Kurzweil-Nutzer hat sich nichts verändert…

        Ich kann freilich nicht mit der OG-K2000-Generation hier mithalten, aber bei mir steht seit einiger Zeit ein K2600XS rum. Der auch meines Wissens ne Sache kann, die sonst in der Form nix kann (aus dem Live-Eingang in nen Ringpuffer samplen und das durchs komplette VAST drehen).

        Alle Jahre wieder stelle ich fest „gut, der Klavierklang ist nicht mehr ganz zeitgemäß, und Klavier ist mir schon recht wichtig“. Dann schau‘ ich, was es so alles an neuen Workstations gibt, und am Schluß bleibt der alte Kurzweil stehen.

        Es hat sich eben nichts verändert.

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          Stephan Merk RED

          Sagt mal, der gute Stevie ist ja auch so ein Blindfisch. Vor einigen Jahren traf ich Chris Park in Frankfurt auf einer Messe, das ist der Designer seiner Blindenstöcke, die Stevie liebevoll „Wonderstick“ nennt, der kennt natürlich auch Ray Kurzweil. Ich fragte ihn, ob er irgendwas dazu weiß, ob Ray den Kurzweil 250 blind bedienbar konstruierte. Ich muss gestehen, weder habe ich mir je die Mühe gemacht, mal in die Anleitung zu schauen, noch mich selbst getraut, mir so eine Kurzweil-Kiste anzulachen. Wenn sich aber nichts verändert hat und Stevie Wonder keinen Assistenten hatte, muss das Teil doch irgendwie barrierefrei konstruiert sein, zumindest früher. Gibt ja die Legende, dass man Stevie Wonder auf einer Tour mal alle Disketten geklaut haben soll, so dass er den Gig abbrechen musste.

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            dAS hEIKO AHU

            1988. Das legendäre Nelson-Mandela-70th-Birthday Tribute Conzert. Die Wonder-Roadies haben hinterm Vorhan rumgeeiert. Bis der Veranstalter einfach die damals unbekannte Künstlerin Tracy Chapman mit ihrer Gitarre nochmal auf die Bühne geschoben hat – der Rest ist Geschichte.

  2. Profilbild
    lunatic AHU

    Eine mangelhafte Hardware ist bei diesem Namen fast schon peinlich.
    Ein Kumpel besaß einen K2500 und hat lange sehr zufrieden damit gearbeitet. Ich selbst besaß nie einen Kurzweil, nichtmal kurzweilig…
    Schon komisch, beim online-stöbern nach gebrauchtem Gear habe ich auch noch nie nach Kurzweil gesucht.
    Wie hieß noch der Werbetext aus den golden eighties? “Mit einem Kurzweil klingt selbst ein….“
    (Herr Matten, bitte komplettieren;)

    • Profilbild
      Filterpad AHU

      Schon komisch warum Firmen immer wieder Phasen haben, Instrumente schlechter Qualität zu bauen, ohne jetzt KW nahe treten zu wollen. Auch solche Companys wie Moog trifft es zuweilen: Sind doch die Phattys noch mit minderwertigem Gummi bestückt, ist seit der Subsequent-Serie und Mothers alles wieder weitestgehend im Lot. Erinnern wir uns an den Test des Kurzweil PC4 E-Piano/Workstation. Glaube so ziemlich der schlechteste Bericht, den ich je von einem Musikinstrument hier auf Amazona gelesen habe. Zitat Hr. Goldschmitz /Redaktion/ zum PC4: […] Wenn man das Gerät seitlich an die Wand stellt, senken sich einige der Tasten, so dass es wie ein seltsames Gebiss aussieht! […] Zitat Ende. Es geht natürlich um das Instrument, nicht um den Bericht in Wort und Schrift. Aber echt krass oder? Kurzweil verbinde ich auch mit Größen wie Stevie Wonder (der anfangs mitbeteiligt war) Es ist natürlich für mich leicht über Kurzweil zu reden, der selber keines hat. Aber dennoch scheint es wohl nachwievor Luft nach oben zu geben. Aber wie erwähnt: Jede Firma muss da anscheinend mal durch…

      • Profilbild
        Markus Galla RED

        Genau diesen Test habe ich mir auch noch einmal durchgelesen, weil ich es kaum fassen konnte, wie sehr an dem Testgerät alles gewackelt hat bzw. wie billig es sich anfühlte. Ich habe Kurzweil vor vielen Jahren den Rücken gekehrt, aber nicht wegen der Verarbeitung, sondern der Sound einfach nicht mehr „modern“ genug war. Mein letztes Gerät war das Kurzweil PC2X und es hat mich lange auf der Bühne begleitet. Gewackelt hat da nichts und es hatte die berühmte „built like a tank“ Verarbeitung. Ich habe dann später mal beim Händler an anderen Modellen gesessen und konnte kaum fassen, wie schlecht diese verarbeitet waren. Vielleicht ist das auch einer der Gründe, warum man Kurzweil hierzulande so selten auf Bühnen sieht und die Instrumente eher irgendwo auf Musical Bühnen oder im Studio stationär stehen. Ich weiß es nicht. Aber wenn ich mich an das Kurzweil PC2X zurück erinnere und dann mit dem aktuellen Top-Modell vergleiche, sieht das Top-Modell nicht gut aus. Und auch das Forte war doch super verarbeitet. Warum hat man das nicht beibehalten.

    • Profilbild
      mort76

      „Wie hieß noch der Werbetext aus den golden eighties? “Mit einem Kurzweil klingt selbst ein….“
      (Herr Matten, bitte komplettieren;)“

      „Mit dem Sound von Kurzweil klingt selbst der letzte Furz geil!“

  3. Profilbild
    UAP

    Ich besitze seit 1993 einen Kurzweil K2000, hatte ihn jahrelang im harten Bandeinsatz und parallel dazu als Masterkeyboard im Studio. Er wurde wahrhaftig nicht geschont. Alles, was ich an dem Teil je „richten“ musste, war das Display, welches nach über 20 Jahren dann mal den Geist aufgegeben hat, aber das war nicht schwierig. Auf der Bühne habe ich ihn „schon“ vor zwölf Jahren in Rente geschickt Aber im Studio ist der K2000 bis heute die Grundlage von wirklich allen Projekten, die ich so mache, und sei es nur als meine Master-Tastatur. Ich habe nämlich weder zuvor noch danach wieder eine so hervorragend spielbare Tastatur unter den Pfoten gehabt.
    Die Midi-Konfiguration des K2000 ist so unglaublich einfach zu blicken und einfach nur logisch. Das ganze Instrument lässt sich quasi im Schlaf bedienen. Die V.A.S.T.-Synthese war damals absolut aufsehenerregend und die Sounds des K2000 können überwiegend auch im Vergleich zu heutigen Kreationen bestehen. Ich gebe zu, dass die Synthese eigener Sounds wirklich frickelig sein kann, aber dafür steht einem auch eine riesige Bandbreite an Möglichkeiten offen.
    Sollte mein geliebter K2000 je das Zeitliche segnen (der Synth-Gott möge es verhüten!), wäre der K2700 wohl die einzige Option, die ich als Ersatz in Betracht ziehen würde. Ich würde immer wieder Kurzweil kaufen!

    • Profilbild
      gaffer AHU

      Es gibt ja noch den K2500, der nicht so plastikmässig daherkommt und nicht so heiß wird. Ich fand die Dinger auch immer klasse. Eine K2500X für um die 600 ging mir vor etwa 2 Jahren durch die Finger. Habe aber nich immer mein geliebtes PC88. 88 richtige Tasten mit Aftertouch und reichlich Controllern
      @Markus: Amerikaner sind das doch schon seit 30 Jahren nicht mehr. Oder etwa wieder? Kann ich mir kaum vorstellen, obwohl die Qualität eher dafür und gegen Korea spricht.

  4. Profilbild
    growl

    Kurzweil hatte den 2700 ja über Monate damit beworben, VAST „aufgebohrt“ zu haben, jedoch bekam ich auf Nachfrage beim Hauptsitz wie auch bei Kurzweil Deutschland keine Antwort dazu .

    In den letzten Jahren haben ja immer die Kurzweils als Synth und Sammler entdeckt, warum auch die 25 und 26, wie auch KSP8, fast alle weg vom Markt oder sehr teuer sind. Eine Desktop Version mit anderem Display und mehrfachen Audio in/out wäre der Wahnsinn, also Sampler, Synth und KSP8 in einem.

  5. Profilbild
    herw RED

    Lieber Markus,
    vielen Dank für den ausfürhlichen und sehr gründlichen Test. Ich schätze deine Fazits, weil du nicht mal eben leichtfertig „sehr gut” anklickst, sondern immer Preis und vergleichbare Keyboards im Blick hast. Ich finde laut deinen Kommentaren das Urteil „gut” sehr angemessen, zumal du auch auf die persönlichen Vorlieben der möglichen Käufer eingehst und offenlässt, ob die- oder derjenige nach persönlichem Test zu einem anderen Urteil kommt. Als möglicher Käufer fühle ich mich sehr gut beraten. Gott sei Dank habe ich ja noch mein Midiboard 🥸 .

    • Profilbild
      Markus Galla RED

      Vielen Dank, das freut mich, dass du das so siehst. Das ist in der Tat meine Absicht, denn einerseits muss ein Gerät einer gewissen Preisklasse immer in Relation zu Alternativen gesehen werden und andererseits soll sich der Leser eine eigene Meinung bilden. Jemand, der abgedrehte Synth-Presets nicht benötigt, wird sich vielleicht über die sehr gelungenen Nachbildungen von Naturinstrumenten freuen und die Kurzweil Workstation lieben. Liebhaber von FM Synths finden hier vielleicht eine Alternative zum Yamaha Montage oder MOD X, die ebenfalls FM können, aber einen anderen Schwerpunkt beim Gesamtkonzept setzen. Anders herum könnten Sound-Tüftler aus dem Gerät wahnsinnig viel herausholen. Man schaue sich nur Jordan Rudess an, der damals schon die Kurzweil-Geräte ausgereizt hat. Und da Kurzweil angekündigt haben, weitere Neuerungen per Update hinzuzufügen, bleibt eben so auch noch Luft nach oben – ganz wie beim Roland Fantom, den ich mittlerweile sehr gut finde.

      • Profilbild
        Stephan Merk RED

        Da freu Dich gleich weiter, denn das unterschreibe ich auch gerne. ;) Genau dieser Punkt macht mir auch immer Schwierigkeiten, weil man sich einerseits natürlich in der Preisklasse orientieren muss und ein sehr gutes Produkt ist vielleicht besser als ein anderes, auch wenn morgen noch ein besseres Produkt auf dem Tisch landet. Aber dann gibt es da noch ein paar Klassen höher und die sind zwar nicht per se besser, aber tendenziell. Eigentlich müsste man zwei Bewertungen haben, Preis-Leistung und absolut, aber das fangen die Leserbewertungen ja gut ab. Gerade Boxen und Kopfhörer brauchen dringend eigene Erfahrungswerte, da kann ein Test nur ein Indikator sein. Bei Synths ist das denke ich deutlich einfacher, vor Allem wenn der Tester auch genügend Praxiserfahrungen mitbringt und sich auch die nötige Zeit nehmen kann, Sound-Demos und Videos auf YouTube lassen sich aus der Ferne ja auch gut beurteilen.

      • Profilbild
        m-ex

        Wobei der liebe Herr Rudess nun schon seit Jahren eine(n) Korg Kronos auf seinem Keyboardständer stehen hat und zu seinen Kurzweil-Zeiten waren einige Korgs und Rolands im Rack verschraubt.

        Aber wie eigentlich immer ein sehr guter Test von Dir, vielen Dank dafür.

        Eine kleine Frage hätte ich da aber: Handelt es sich mit der Integration von FM nicht schon um zumindest die erste Erweiterung der V.A.S.T?

        Gegenüber meinem PC 361 entdecke ich da schon viele Erweiterungen, aber die von Dir angesprochenen Qualitätsmängel muss ich mir dann erst einmal selbst zu Gemüte führen. Außerdem komme ich mit der verbauten Tastatur wahrscheinlich wieder einmal nicht zurecht.

        Nochmals Danke für den ausführlichen Test.
        Markus
        (ja, ein Namensvetter ;-) )

        • Profilbild
          Markus Galla RED

          Ja, Rudess war wohl mal Endorser. Seine alten Videos zeigen aber deutlich, was man mit den Geräten machen kann, insbesondere mit Multis, Velocity Layers und Aftertouch.

          FM ist nicht neu bei Kurzweil, das gibt es schon viele Jahre. Wie gesagt: Ich konnte mit der Forte-Anleitung das K2700 perfekt bedienen. Bahnbrechende Neuigkeiten habe ich keine gefunden. Da soll noch was kommen.

  6. Profilbild
    Stephan Merk RED

    Toller Test, aber noch eine fachliche Anmerkung zur Einleitung: Inzwischen ist Ray Kurzweil bei Alphabet gelandet, wenn er da noch ist. Nicht ganz richtig ist, dass sich Kurzweil mit der Sprachsynthese befasst hat. Das als Personal Reader in Deutschland verkaufte Gerät nutzte die Infovox-Hardware des schwedischen Herstellers Telia Promotor, gleiches gilt für den Nachfolger Reading Edge. Das kompakte und damals um 1990 einzige Gerät, dass gleichzeitig Texte ein- und vorlesen konnte auf Basis von RISC-Prozessoren und der Infovox-Sprache hatte nicht nur eine Buchkante, auch eine Revolution, aber die eigentliche Hardware kam nicht von Kurzweil, sondern von Xerox Imaging Systems. Auf dem Gerät steht das in Blindenschrift auch so angedruckt. Es gab dabei zwei Tastaturversionen, diese wurde formschön ins Gehäuse eingehängt und magnetisch gehalten. Die einfache hatte nur die Grundfunktionen, die erweiterte bot Textspeicher und Navigationsmöglichkeiten. Um diese zu nutzen, mussten die TTS-Card und die Tastatur getauscht werden. Das war damals revolutionär, bis PCs mehr gefragt waren. Heute übernehmen das Smartphones und die brauchen auch keine rund fünf Minuten Erkennungszeit für eine vollgeschribene Textseite. Gefördert wurde das Projekt von der Stevie-Wonder-Stiftung, Baum (heute VisioBraille) war Exklusiv-Importeur für Deutschland.

    • Profilbild
      Markus Galla RED

      Hallo, das ist interessant. Ray Kurzweil selbst erzählt das in einem Video-Interview. Daher habe ich die Infos.

  7. Profilbild
    vssmnn AHU

    Ich war leider nie richtig zufrieden mit dem kb3 Orgel Mode.
    Ich habe das Gefühl, die Orgel klingt immer etwas „eirig“ oder Käsig… Nie richtig fett.

    • Profilbild
      Markus Galla RED

      Besser als die meisten Workstations aber schlechter als Nord oder Hammond – das ist mein Empfinden. Mit einem Neo Ventilator wahrscheinlich aber sehr gut. Oftmals sind es Leslie und Overdrive, die den Unterschied machen. Mit einem Neo Ventilator oder einem echten Leslie klingt selbst ein DX7 gut.

  8. Profilbild
    costello RED

    Danke Markus für Deinen tollen Test zum Kurzweil 2700. In meinem Bericht zum Nord Grand mit Marktvergleich Stage Pianos hatte ich auf das (damals noch nicht testbare) 2700 große Hoffnungen gesetzt. Jetzt hast Du „aufgelöst“ und die ganzen Punkte aufgezeigt, wo Kurzweil nicht mehr zeitgemäß ist. Etwa das immer noch winzige Display. Dass nun auch die frühere „Build like a tank“-Qualität bei Fadern und Reglern aufgegeben wurde, ist auch sehr schade. Früher gab es eine Kurzweil-Seite mit einer Soundtauschbörse, da waren wirklich toll programmierte V.A.S.T.-Sounds dabei. Aber zum Selberschrauben fand ich das immer viel zu kompliziert. Die Orgel-Simulation hätte auch mal eine Auffrischung verdient – sie klingt immer leicht mumpfig, wie durch einen Schleier. Die Orchester/Natursounds waren schon immer eine Stärke bei Kurzweil, die bevorzuge ich auch im Vergleich zum Nord. Und neulich schrieb bei einem meiner Vintage-Hallgerätteste ein Leser „was für ein toller Rhodes-Sound“ – und das war dann auch ein PC3X. Es ist also zwiespältig. Aber irgendwie braucht es bei Kurzweil vielleicht doch mal einen echten Aufbruch in die Gegenwart.

  9. Profilbild
    Der_Brechreiz

    Schade, dass es Kurzweil nicht schafft, ein Touchscreen in seine Geräte einzubauen. Bei der komplexität des Gerätes , bringt das doch einen erheblichen Mehrwert.

  10. Profilbild
    maga

    Wundert mich, dass die sich immernoch halten können!
    Ab dem PC3 gings stetig bergab……

    (sagt ein ehemals begeisterter PC2 und PC3 User).

  11. Profilbild
    Waveinhead

    Wie sieht es eigentlich mit dem Transpositionsumfang bei Samples aus? Die alten Kurzweils kamen ja nicht weit nach oben. Gerade eine Oktave, wenn ich mich recht erinnere.

  12. Profilbild
    LeSarrois

    Als Anfang der 1990er die K2-Serie in den Läden stand, befühlte ich sie ehrfurchtsvoll und beließ sie dann ob der Preise im Laden. Dann kam PC3 und PC3K und plötzlich war der Kurzweilsound (gebraucht) bezahlbar.
    Also sicherte ich mir einen PC3K7.
    Für alle Fälle. Für irgendwann mal. Manche Sounds top, viele nur mittelmäßig und wirklich schwer mal schnell selbst was zu schrauben. Daher blieb sie meistens im Regal. Und dann kommt da die Qualität dazwischen. Vom reinen Rumstehen verabschiedet sich da ein Main-Ausgang zur Flotte. Einfach so.
    Seitdem steht sie nur noch und wartet auf den Moment, in dem ich mir den Mut fasse, sie zu reparieren oder wegzugeben. Bisher eines der am wenigsten genutzten Keyboards in meinem Studio.
    Und der Test des 2700 verführt mich so gar nicht dazu, nochmal bei Kurzweil einen Ersatz zu suchen.

  13. Profilbild
    Organist007 AHU

    ich bringe es nicht übers herz, mich von meinem ARTIS zu trennen.
    Kurzweil verwende ich nicht, um sounds zu designen, sondern schnellen zugriff zu guten brot- und butter – sounds zu haben.

    Die Klaviere, Epianos, Bläser, Strings etc. funktionieren eigentlich IMMER, vor allem live.
    Schneller zugriff auf masterkeyboardmöglichkeiten etc.

    und die orgeln….naja…sind halt keine nords oder dexibells…

    • Profilbild
      Markus Galla RED

      Ich würde auch daran festhalten. Es gibt einige Instrumente, bei denen ich bereue, sie abgegeben zu haben: Kurzweil PC2X, Casio CZ1, Roland D110, Yamaha DX7 IID. Ich hatte noch viele andere Instrumente von Yamaha, Kawai, Ensoniq, Viscount und Roland und anderen. Aber es gibt Instrumente, die einzigartig sind und das Kurzweil PC2X hatte eine tolle Tastatur, sehr guten Streicher und das Piano waren unschlagbar. Es passte einfach mit der Tastatur super zusammen. Und die Verarbeitung war auch toll, es war mir nur zu schwer und bei den anderen Sounds und Effekten zu eingeschränkt, wenn man Layer und Splits genutzt hat.

      • Profilbild
        Organist007 AHU

        Stimmt. Nur Kurzweil alleine wäre mir zu eingeschränkt.
        Die Samples sind natürlich mit meinem Prophet XL nicht zu vergleichen. Die Orgeln klingen bei Nord/Dexibell viel besser und synthsounds kommen auch beim Nord Lead 4 , behringer deepmind oder auch yamaha sy 99 (!) viel besser.

        Trotzdem gefällt mir das Gesamtfeel beim kurzweil und die sounds setzen sich alle super durch ohne großartige effekte. Die Masterkeyboardfunktionen mit den Slidern und wheels sind auch super, um externe Sachen anzusteuern.

        Alles in allem wie ein guter alter VW: ein bischen altbacken, aber grundsolide.

  14. Profilbild
    Valentin Zopp RED

    Die EPs sind „nicht so authentisch wie bei Nord“? Das ist drollig, kommen die doch in der XL Version im zweistelligen MB Bereich daher. Vielleicht erbarmt sich Clavia ja endlich mal und bringt was zeitgemäßes. ;)

    Danke für den Test, bin schon gespannt darauf ihn selbst mal unter die Finger zu bekommen. Die Qualität würde übrigens auch beim Forte schon bemängelt und mit dem hab ich jetzt +-250 Gigs und wohl dremal soviele Proben gespielt. Rock solid das Teil und der K2700 wird es sicher auch sein.

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